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Die Anamnese in der Erziehungsberatung

Ausarbeitung 2001 10 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Gliederung:

1. Definition des Begriffs Anamnese

2. Zur Durchführung einer Anamnese
2.1. Rollenbezüge in der Anamneseerhebung
2.2. Notwendige Kenntnisse zur Durchführung einer Anamnese
2.3. Die Gesprächssituation
2.4. Die Gesprächsführung
2.5. schriftliches Festhalten der Anamnese

3. Das Anamneseschema
3.1. Was ist ein Anamneseschema / Vorbemerkungen
3.2. Die Gliederung des Anamneseschemas
3.3. Die Erhebung mit dem Anamneseschema

4. Die Auswertung der Anamnese
4.1. Auswertungsschema
4.2. Diagnosefindung

(5. Beispiel für eine Anamnese => Anamnese Andreas L. S.96)

1. Definition des Begriffs Anamnese

Anamnese: (grch: Erinnerung, Wiedererinnerung, Gedächtnis)

medizinisch:

das Erfragen der Lebensgeschichte eines Patienten (biographische Anamnese) oder das Erfragen der Vorgeschichte einer Krankheit durch den Arzt, Psychotherapeuten oder Berater

(Quelle: dtv Brockhaus Lexikon)

- Anamnese ist Teil der gesamten Behandlung eines Patienten, erst nach Anamnese, Untersuchungen und Rücksprache mit anderen Kollegen kann eine Diagnose erstellt und angemessene Therapie erarbeitet werden
- der pädagogische Sinn der Anamnese leitet sich aus dem medizinischen ab, wird teils in einem erweiterten, teils veränderten Sinne gebraucht
- hier spricht nicht der Betroffene, sondern eine enge Bezugsperson, also die Person mit der innigsten Kenntnis über das Leben, die Entwicklung und Schwierigkeiten des Kindes
- wichtig sind Aussagen über

1. die Genese der Störung

- Schwierigkeiten des Kindes
- Entstehung vorhandener Störungen
- Persönlichkeitsentwicklung
- Umweltkonstellation

aber auch über

2. die Gegebenheiten in der Familie

- Erziehungsansichten / -haltungen
- Meinungen
- Rollenbezüge
- Persönlichkeiten von Vater, Mutter und Geschwistern

- Anamnese umfasst sowohl die zu erhebenden Daten wie auch die Erhebung dieser Daten selbst

- Bedeutung der Anamnese innerhalb der Untersuchung und Behandlung eines Kindes

1. Begegnung und Kontakt mit den ratsuchenden Eltern sowie Förderung einer Vertrauensbasis zwischen Eltern und Therapeut
2. Kennenlernen der Schwierigkeiten und Symptome des Kindes
3. detailliertes Bild von Entwicklung und Persönlichkeitsstruktur des Kindes um den Rückschluß auf die psychodynamischen Vorgänge machen zu können, die die Störungen des Kindes verursachen; wichtig hierfür ist die gesamte Biographie des Kindes sowie aktuelle bedeutsame Verhaltensweisen
4. Einblick in die aktuelle Lebensumwelt des Kindes
5. Erstellung einer genetischen Diagnose (Genese der Störung)

2. Zur Durchführung einer Anamnese

-> Behandlung einiger formaler Fragen

2.1. Rollenbezüge in der Anamneseerhebung

- charakteristische Einseitigkeit des Anamnesegesprächs: von den beiden Gesprächspartnern erzählt der eine viel über sich, seine Familie, seine Umwelt, der andere verbirgt seine persönlichen Belange und Gefühle weitgehend

- Beachtung der Haltungen und Gefühle der Bezugsperson wichtig, da sie die Ergiebigkeit der Anamnese und folglich die aus ihr hervorgehenden Maßnahmen nachhaltig beeinflussen können

- verschiedene Haltungen und Erwartungen können auch gleichzeitig vorhanden sein

- Unsicherheit, Verängstigung (Bezugsperson muss sich einer fremden Person anvertrauen)

- Sorge, Verzweiflung über die Schwierigkeiten des Kindes

- Schuldgefühle

- Ablehnung gegenüber dem Berater, weil der Besuch nicht freiwillig, sondern auf Drängen bestimmter Institutionen (Schule, Jugendamt u.ä.) erfolgt o ablehnende Einstellung gegenüber dem Kind, Kind wird für seine Probleme verantwortlich gemacht

- Einstellungen gegenüber dem Berater:

ƒ- Berater als Untersuchungsrichter
ƒ- Berater als der allwissende „Heilbringer“

- Aufgabe des Beraters ist es, zu versuchen die Erwartungen und Haltungen soweit abzubauen, dass eine warme aber sachliche Gesprächsatmosphäre entsteht

- Bezugsperson sollte sich entspannt fühlen und frei sein, alle Sorgen zu äußern und alle Fragen so objektiv wie möglich zu beantworten

2.2. Notwendige Kenntnisse zur Durchführung einer Anamnese

- Anamnese bedeutet nicht das Ausfüllen eines vorfixierten Fragebogens, sondern die Gewinnung und Gewichtung wichtiger Aussagen aus einem freien Gespräch

- Der Fragende benötigt ein sicheres Wissen über die durchschnittliche Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes und die Bedingungen abweichenden Verhaltens

- folgende Teildisziplinen sind da sehr wichtig:

- Entwicklungspsychologie
- Persönlichkeitslehre
- klinischen Psychologie
- Sozialpsychologie und Soziologie o Psychopathologie
- Kinderheilkunde

2.3. Die Gesprächssituation

- Räumlichkeiten:

- je weniger büromäßig, desto besser

- Sitzordnung:

- ist so anzuordnen, dass ein Kontakt leicht zustande kommen kann
- kein Schreibtisch als Kontaktbarriere, besser ein Tisch, an dem die Gesprächspartner übereck sitzen

- Dauer:

- hängt von den Umständen, dem Alter des Kindes, der Anzahl und Ausprägung der Schwierigkeiten, der Gesprächigkeit und dem Sprechtempo der Bezugsperson ab
- wichtig ist, dass der Berater das Gefühl von Ruhe und Zeit vermittelt, keine Hetzte
- schon bei der Vereinbarung des Termins sollte der Ratsuchende darauf hingewiesen werden, sich ausreichend Zeit für das Gespräch zu nehmen
- erfahrungsgemäß dauert eine Anamnese zwischen einer und zwei Stunden (nicht länger als zwei Stunden, da die Konzentrationsleistungen beider Partner dann erheblich sinken)

2.4. Die Gesprächsführung

- folgende Art und Weise der Erhebung hat sich für Kemmler bewährt:

-> kombinierte Vorgehensweise von freier Äußerung der Mutter und gezielten Fragen

- 1. Schritt: zu Beginn lässt man die Mutter frei sprechen

ƒ- sie kann ihr Herz ausschütten
ƒ- man stellt noch keine klärenden Zwischenfragen
ƒ- Dauer dieser freien Äußerung: zwischen 5 und 25 Minuten

- 2. Schritt: man befragt die Mutter nach einigen Einzelheiten aus der Entwicklung des Kindes

ƒ- Anamnese sollte frei in Gesprächsform gehalten werden
ƒ- Vermeidung eines vorfixierten Fragebogens und einer schablonenhaften Abfragung

➔ so wird der Charakter eines Verhörs vermieden

- wichtig: der Berater sollte ein festes Anamneseschema haben, dass er sich gut einprägt und dann den individuellen Problemen des Kindes anpasst

2.5. schriftliches Festhalten der Anamnese

- exakte Daten (z.B. Wohnort, Geburtsdaten) sofort notieren

- gleich nach Beendigung des Gesprächs spricht der Berater die Anamneseergebnisse gemäß seinem Schema auf Band dies wird dann in entsprechender Form abgetippt

3. Das Anamneseschema

3.1. Was ist ein Anamneseschema:

- Grundlage für ein ‚inneres’ Schema des Beraters, nachdem er das freie Gespräch mit dem Erziehenden gestaltet

- Zweck: Schema bietet einen festen Gesprächsrahmen, der gewährleistet, dass alle bedeutsamen Daten auch wirklich erhoben werden

- Das Anamneseschema:

- vor Beginn des Gesprächs wird festgehalten, wann (Datum) die Anamnese mit wem und durch wen durchgeführt wird

- 1. allgemeine Fragen

ƒ- d.h. Daten, die in jeder Anamnese erhoben werden müssen

- 2. spezielle Fragen

- d.h. solche, mit denen die bestimmte Symptomatik und die Verursachung der Schwierigkeiten aufgedeckt werden können

3.2. Die Gliederung des Anamneseschemas

1. Allgemeine Fragen

a) Grund der Vorstellung

b) Wohnorte und äußerer Lebensrahmen

c) Krankheiten

ƒ- sowohl die durchgemachten Krankheiten als auch der allgemeine Zustand des Kindes und chronische Gebrechen

d) Biographie

-ƒ umfasst die vollständige Entwicklung des Kindes sowie eine augenblickliche Zustandsbeschreibung

- Schwangerschaft / Geburt
- Erstes Lebensjahr
- Orale Entwicklung
- Sprachentwicklung
- Reinlichkeit
- Auseinandersetzung mit Mitmenschen
- Zärtlichkeit / Sexualität
- Frühe Kindheit
- Einschulung
- Schulalter
- Pubertät
- Augenblickliche Situation

e) Familiensituation und Umweltbeziehungen

ƒ- hieraus schließt der Berater unter anderem auf Erziehungshaltungen und Normen im Elternhaus

f) Familienanamnese

ƒ- bezieht sich auf Eltern, Großeltern und Geschwister

g) Eindruck von der Bezugsperson

- hier geht es um den persönlichen ersten Eindruck des Beraters von der Bezugsperson

2. spezielle Fragen

- hierbei werden zwei Gesichtspunkte berücksichtigt:

1. Frage nach den Symptomen (bzw. nach bestimmten Schwierigkeiten, Verhaltensabweichungen)

2. Frage nach der Verursachung

(- angesichts der in unserem Seminar vertretenen Fachrichtung beschränke ich mich auf die Bereiche zu den Sprach- und Sprechstörungen)

b) Sprach- und Sprechstörungen

I. zur Art der Symptomatik:

i. bei Hörstörungen
ii. bei Hörstummheit (für Kinder über drei Jahre)
iii. Stammeln nach dem 5. Lebensjahr
iv. Lispeln
v. Poltern
vi. Stottern

II. zur Sprachentwicklung

III. zur Feststellung körperlicher Störungsursachen

IV. zur Feststellung kontinuierlicher Störungsursachen

V. zur Feststellung psychischer Störungsursachen

3.3. Die Erhebung mit dem Anamneseschema

- das Verhalten der Mutter bestimmt den Verlauf der Anamnese nachhaltig

- Kemmler unterscheidet drei Arten von Müttern / drei verschiedene Verhaltenstypen:

1. die ‚ideale’ Mutter (recht häufig)

- sachlich und warmherzig
- gibt erschöpfend Auskunft ohne abzuschweifen
- viele Fragen erübrigen sich

2. die zurückhaltende, gesperrte Mutter (im Extremfall eher selten)

- Aussagestörungen
- reagiert nicht spontan, sondern gibt nur knappe Antworten auf eine Frage
- Anamnese wird zu einer Ausfragerei

3. die umschweifig berichtende Mutter (sehr häufig)

- kommt immer wieder vom Thema ab
- berichtet viel Nebensächliches
- wichtig: taktvolles aber entschiedenes Beschneiden des Redestroms / Zurückführen zum Thema

- die Erfahrung zeigt, dass immer ein Entwicklungs- oder Problemkreis ganz abzufragen ist

➔ so wird vermieden, dass wichtige Fragen vergessen werden

- die Art der Fragen muss sich dem geistigen Niveau der Mutter anpassen, manchmal sind Beispiele zur Erläuterung nötig

- sobald die Mutter im Gespräch ein einschlägiges Thema berührt (Krankheiten, hervorstechende Auffälligkeiten) können alle Fragen bezüglich dieses Themenkreises eingeschoben werden

4. Die Auswertung der Anamnese

- die Aussagen der Anamnese müssen ausgewertet werden, einzelne Störfaktoren, das Erziehungsmilieu und die Persönlichkeit des Gesprächspartners müssen berücksichtigt werden, um eine Diagnose der kindlichen Schwierigkeiten erstellen zu können

- wichtig: das Bezugssystem des Berichtenden muss berücksichtigt werden

- es wird meistens nicht mit dem des Berater übereinstimmen (Laie / Profi; Wissensgefälle)

➔ Beispiel S. 59

- es ist möglich, dass die Angaben der Mutter nicht immer der Wirklichkeit entsprechen (bewusstes Verschweigen bis Erinnerungstäuschung)

➔ Berater muss Verlässlichkeit der Aussagen abschätzen

4.1. Auswertungsschema

- Anamnese ist ein komplexes Ganzes, ihre Auswertung ist nicht zu mathematisieren (Intelligenztest)

- Sinn einer Anamnese: Zusammenfassung bestimmter Daten unter aussagekräftige

Oberbegriffe

➔ Erstellung einer genetischen Diagnose

- folgendes Auswertungsschema hat sich in der Praxis bewährt:

1. Störungen durch Umweltfaktoren

a) Störfaktoren im Lebensraum

- z.B. ungünstige Wohnverhältnisse, mangelnder Spielraum. Heimaufenthalte

b) Störfaktoren im Erziehungsmilieu

ƒ- z.B. Trennung der Eltern, Tod eines Elternteils, Großelternerziehung, Überforderung der Eltern etc.

c) Störfaktoren in den einzelnen Entwicklungsphasen

- z.B. verfrühte, strenge Reinlichkeitserziehung, zu frühe Einschulung

2. Körperliche Krankheiten / Handicaps

3. Konstitution

ƒ- u.a. augenscheinliches Befinden des Kindes (blaß, sehr aktiv, anfällig für Krankheiten)
ƒ- Schlafgewohnheiten / -probleme

4. auffällige Verhaltensweisen

ƒ- z.B. sehr aggressiv, autoaggressiv, quält Tiere, streitet häufig

5. positive Persönlichkeitszüge und Umwelteinflüsse

- hierher gehören die Daten, die komplementär zu den unter 1. genannten sind

a) Lebensraum:

- z.B. das Kind kommt gut in der Schule zurecht

b) Erziehungsmilieu:

ƒ- z.B. die Eltern führen eine harmonische Beziehung etc.

6. Hinweise für eine dynamische Zusammenschau der oben erfassten Daten

7. Hinweise für eine Diagnose

4.2. Diagnosefindung

- gründliche Abwägung verschiedener, den Symptomen entsprechender Diagnosen sehr wichtig

- zur Erleichterung der Diagnosefindung führt Kemmler ein Ursachenschema kindlicher Verhaltensstörungen auf, das auf Grund seiner Komplexität hier nicht näher erläutert werden soll

Anhang

FOLIE 1

Bedeutung der Anamnese innerhalb der Untersuchung und Behandlung eines Kindes

1. Begegnung und Kontakt mit den ratsuchenden Eltern / Förderung einer Vertrauensbasis zwischen Eltern und Berater

2. Kennenlernen der Schwierigkeiten und Symptome des Kindes

3. detailliertes Bild von Entwicklung und Persönlichkeitsstruktur des Kindes um den

→ Rückschluß auf die psychodynamischen Vorgänge machen zu können, die die Störungen des Kindes verursachen;

wichtig hierfür ist die gesamte Biographie des Kindes sowie aktuelle bedeutsame Verhaltensweisen

4. Einblick in die aktuelle Lebensumwelt des Kindes

5. Erstellung einer genetischen Diagnose

(Genese der Störung)

FOLIE 2

Haltungen und Gefühle der Bezugsperson

™- Unsicherheit, Verängstigung

™- Sorge, Verzweiflung über die Schwierigkeiten des Kindes

™- Schuldgefühle

™- Ablehnung gegenüber dem Berater, weil der Besuch nicht freiwillig, sondern auf Drängen bestimmter Institutionen (Schule, Jugendamt u.ä.) erfolgt

™- ablehnende Einstellung gegenüber dem Kind, das Kind wird für die Probleme verantwortlich gemacht

™- unrealistische Einschätzung des Beraters:

- Berater als Untersuchungsrichter
- Berater als allwissender 'Heilbringer'

Folie 3&4

Die Gliederung des Anamneseschemas

3. Allgemeine Fragen

a) Grund der Vorstellung

b) Wohnorte und äußerer Lebensrahmen

c) Krankheiten

d) Biographie

ƒ- umfasst die vollständige Entwicklung des Kindes sowie eine augenblickliche Zustandsbeschreibung

e) Familiensituation und

Umweltbeziehungen

ƒ- hieraus schließt der Berater unter anderem auf Erziehungshaltungen und Normen im Elternhaus

f) Familienanamnese

- bezieht sich auf Eltern, Großeltern und Geschwister

g) Eindruck von der Bezugsperson

ƒ- hier geht es um den persönlichen ersten Eindruck des Beraters von der Bezugsperson

4. spezielle Fragen

- hierbei werden zwei Gesichtspunkte berücksichtigt:

3. Frage nach den Symptomen (bzw. nach bestimmten Schwierigkeiten, Verhaltensabweichungen)

4. Frage nach der Verursachung

b) Sprach- und Sprechstörungen

I. zur Art der Symptomatik:

i. bei Hörstörungen
ii. bei Hörstummheit (für Kinder über drei Jahre)
iii. Stammeln nach dem 5. Lebensjahr
iv. Lispeln
v. Poltern
vi. Stottern

II. zur Sprachentwicklung

III. zur Feststellung körperlicher Störungsursachen

VI. zur Feststellung kontinuierlicher Störungsursachen

VII. zur Feststellung psychischer Störungsursachen

FOLIE 5

Das Auswertungsschema

8. Störungen durch Umweltfaktoren

a) Störfaktoren im Lebensraum
b) Störfaktoren im Erziehungsmilieu
c) Störfaktoren in den einzelnen Entwicklungsphasen

9. Körperliche Krankheiten / Handicaps

10. Konstitution

ƒ- u.a. augenscheinliches Befinden des Kindes ƒ
ƒ- Schlafgewohnheiten / -probleme

11. auffällige Verhaltensweisen

12. positive Persönlichkeitszüge und Umwelteinflüsse

ƒ- hierher gehören die Daten, die komplementär zu den unter 1. genannten sind

13. Hinweise für eine dynamische Zusammenschau der oben erfassten Daten

14. Hinweise für eine Diagnose

HANDOUT

Seminar: Diagnostische Methoden in der Sprachheilpädagogik

Dozent: Dr. Berthold Neumann

Referentin: Friederike Sturm

Datum: 11. Juni 2001

Thema: Die Anamnese in der Erziehungsberatung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Literaturangabe:

Kemmler, Lilly: Die Anamnese in der Erziehungsberatung, 4. Aufl., Hans Huber Verlag,

Bern 1980

Anamnese: (grch: Erinnerung, Wiedererinnerung, Gedächtnis)

- medizinisch:

das Erfragen der Lebensgeschichte eines Patienten (biographische Anamnese) oder

das Erfragen der Vorgeschichte einer Krankheit durch den Arzt, Psychotherapeuten oder Berater

(Quelle: dtv Brockhaus Lexikon)

- Teil der gesamten Behandlung eines Patienten (Anamnese, Untersuchungen,

Diagnoseerstellung, Therapie)

Das Gespräch:

- freies Gespräch (kein Ausfüllen eines vorfixierten Fragebogens, kein Verhör)
- Kombination aus freier Äußerung der Bezugsperson und gezielten Fragen des Beraters

➔ der Berater sollte sich jedoch an einem Anamneseschema orientieren

Das Anamneseschema:

1. Festhalten, wann (Datum) die Anamnese mit wem durch wen durchgeführt wird

2. allgemeine Fragen

- d.h. Daten, die bei jeder Anamnese erhoben werden müssen

3. spezielle Fragen

- d.h. solche, mit denen die bestimmte Symptomantik des Kindes und die Verursachung der Schwierigkeiten aufgedeckt werden können wichtig: es sollte immer erst ein Entwicklungs- und Problemkreis ganz abgefragt werden, bevor ein neuer angesprochen wird

Die Auswertung der Anamnese:

- bei der Auswertung müssen verschiedene Störfaktoren, das Erziehungsmilieu, die Persönlichkeit des Erziehenden und dessen Bezugssystem berücksichtigt werden

- die Auswertung ist nicht zu mathematisieren, durch gezielte Zusammenfassung kann der Berater zu einer gerechtfertigten genetischen Diagnose kommen

➔ Kemmler bietet hierfür ein Auswertungsschema, bei dem folgende Aspekte berücksichtigt werden:

1. Störungen durch Umweltfaktoren (im Lebensraum, im Erziehungsmilieu, während der Entwicklungsphasen)
2. Körperliche Krankheiten / Handicaps
3. Konstitution
4. Auffällige Verhaltensweisen
5. Positive Persönlichkeitszüge und Umwelteinflüsse
6. Hinweise für eine dynamische Zusammenschau der erfassten Daten
7. Hinweise für eine Diagnose

Details

Seiten
10
Jahr
2001
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v106560
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
Schlagworte
Anamnese Erziehungsberatung Diagnostische Methoden Sprachheilpädagogik

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