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Frauen in der Geschichte

Referat / Aufsatz (Schule) 2002 14 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Geschichte

Referat: Die Geschichte der Frauen - Der Lange Weg der Emanzipation

Die Interesse für dieses Thema entstand während einer Diskussion von wegen Senkung des Wahlalters auf 16, oder nicht. Auf ein Gegenargument antwortete ich, dass man gegen das Wahlrecht für Frauen damals wohl ähnliche Argumente verwendet hat. Noch während ich diese Worte von mir gab wurde mir bewusst, wie wenig ich doch über Frauengeschichte eigentlich wusste. Dieses Wissen galt es unverzüglich nachzuholen. Und so möchte ich hier mehrere Punkte unter einen Hut bringen. Und zwar erstens die Geschichte der Frauen allgemein ein bisschen anschneiden, zweitens über starke und wichtige Frauen in der Geschichte erzählen und drittens über die Emanzipation der Frauen berichten, über Frauen die sich dafür eingesetzt und oft auch dafür gestorben sind.

Beginnen will ich ca. 3.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Knapp 1.000 Jahre kann man den Amazonen als Existenz zugrunde legen - zumindest berichteten die alten Griechen so lange über sie. Wie diese Frauen lebten, darüber erzählen Historiker. Sie galten als die Töchter des Kriegsgottes Ares, waren bewaffnet, galten als die ersten Menschen die Pferde ritten und wurden wegen ihres Mutes wie Männer geachtet. Mehr noch, man sagte ihnen einen größeren Kampfgeist als den Männern nach. Angeblich sengten sie sich eine Brust weg, damit diese sie nicht im Umgang mit Speer und Bogen behinderte.1 Bis heute ist so, dass eine emanzipierte, kämpferische Frau gerne Amazone genannt wird.

Fündig wurde ich auch in der Antike - im ägyptischen Alexandrien des 4. Jahrhunderts. Hypatia von Alexandria war eine berühmte Mathematikerin, Astrologin und Philosophin. Sie stand im Ruf, mit ihrem Scharfsinn die berühmtesten Männer ihrer Zeit zu übertreffen. Auch in politischer Hinsicht genoss sie großes Ansehen. Sie hatte die Rolle einer Prophetin, einer Frau des Wissens, die auch politischen Rat gab. Nach dem öffentlichen Siegeszug des Christentums wurde sie jedoch von Fanatikern ermordet. Als Anstifter wird ein Bischof gesehen.2

In diese Zeit fiel auch das konservativ-strenge Bild der Frau im antiken Rom. Kein Wunder, war doch die Kirche sehr mächtig. Die höchsten Tugenden einer ehrenhaften Römerin waren Keuschheit, Fügsamkeit, Freundlichkeit, Unkompliziertheit, Frömmigkeit, Zurückhaltung und Fruchtbarkeit. Die einzige Bestimmung der Frau war - so die Meinung der Römer - die Heirat und baldige Mutterschaft.

Die römische Frau der Oberschicht verfügte über Belesenheit und Kunstfertigkeit - dies stellte neben Schönheit und Gewandtheit sogar wichtige Kriterien dar. Sie hatte die Leitung des Hauses zur Aufgabe, Hilfe erhielt sie von Dienstgehilfen und Sklaven. Freigelassene Sklavinnen und einfache Frauen arbeiteten meist als Spinnerinnen, Fischerinnen oder Weberinnen. Besser ausgebildete waren Ärztinnen, Hebammen oder Sekretärinnen.

Die römische Sklavin (serva) verrichtete je nach Eignung Tätigkeiten wie Wasser holen, Buchhalterin, Krankenpflegerin, Vorleserin, Masseuse oder Begleiterin der matrone. Als Leibeigene hatte sie überdies ihrem dominus jederzeit zur Verfügung zu stehen - in jeglicher Hinsicht.

Die Römerinnen durften sich nicht direkt am politischen Geschehen beteiligen, jedoch hielten sie Versammlungen ab, in denen über die Zukunft des Staates diskutiert wurde. Zur ersten bekannten Frauendemonstration in der Geschichte kam es bereits gegen Ende des 2. Jahrhunderts, als der erlaubte Goldbesitz einer Frau auf eine halbe Unze beschränkt wurde.3

Bezüglich Damenkleidung übernahmen Griechenland und Rom mehr als ein Jahrtausend lang die Führung auf dem Gebiet der Mode. Die Art der Stoffe machte deutlich erkennbar, aus welcher Schicht die Trägerin stammte. In Griechenland trugen die Frauen den „Chiton“, ein wallendes, einfaches Kleidungsstück. In Rom dagegen war die „Stola“ das

Hauptbekleidungsstück der Frauen, eine Art Überwurf. Als Hemdkleid trugen sie die „Tunika“. Diese Kleidungsstücke bestanden aus einem großen, ovalen Stück Stoff und wurden um den Körper gewickelt. 4

Die Wende vom 5. zum 6. Jahrhundert wird als Beginn des Mittelalters bezeichnet. Aus dieser Epoche - 9. Jahrhundert, also Frühes Mittelalter - stammt die Legende der Päpstin Johanna. Eine Frau, die in Männerkleidung auftrat und mit ihrem Wissen dermaßen auffiel dass sie zum Papst ernannt wurde. In der Kathedrale von Siena erschien in einer Reihe von Papstbüsten ihr Porträt. Angeführt ist sie auch in der Chronik der Päpste von Scotus mit dem Vermerk: „Johanna, eine Frau, Nachfolgerin von Leo, zwei Jahre, fünft Monate und vier Tage im Amt.“

Bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts akzeptierte die Kirche angeblich ihre päpstliche Existenz als Tatsache. Seitdem und bis heute bestreiten katholische Theologen jedoch, dass es jemals einen weiblichen Papst gegeben hat. Vermutlich ist in der Legende der Päpstin Johanna mehr Wahrheit enthalten, als es heute den Anschein hat. Denn während heute Frauen kaum noch in der Kirche akzeptiert werden, hat es bis ins 12. Jahrhundert, bis in die höchsten geistlichen Ämter, Frauen gegeben. Sie hatten bischöfliche Vollmachten und trugen den Titel „Hohenpriesterin“.5

Das Mittelalter, speziell jenes des 10.-13. Jahrhunderts ist heutzutage oft sehr romantisch im Fernsehen zu sehen. Bilder über edle Ritter, begehrte Burgfräulein, Minnegesänge für die schönen Frauen. Das ist aber nur eine Seiten der Medaille.

„Frauen sind labil, führen andere in Versuchung, sind zänkisch, herrisch und stets bemüht den Mann zu unterjochen und ihn jeder Lebensfreude zu berauben. Frauen sind für den Mann erschaffen worden und haben sich ihm deshalb zu unterwerfen . Von Natur aus minderwertig, sind sie dem Mann körperlich und geistig unterlegen.“ So und so ähnlich ist es in Schriften berühmter Kirchenväter des Mittelalters zu lesen.

Der Wert einer Frau wurde zu jener Zeit an ihrem Familienstand gemessen und daran war auch ihr Rechtstatus geknüpft. Die Frau konnte nur als Mutter eine gewisse Achtung erringen.

An Ausbildung erhielten die adeligen Frauen Dinge wie Stricken, Weben, Reiten, Singen, Tanzen und Konversation. Als Mitte des 12. Jahrhunderts die ersten Universitäten gegründet wurden, verweigerte man Frauen den Zutritt, so eine Ausbildung würden sie als Hausfrau, Mutter und Repräsentantin nicht benötigen.

Die Bäuerinnen dagegen mussten Schwerstarbeit leisten. Es galt nicht nur die Kinder zu versorgen und die Hausarbeit zu erledigen, sondern auch noch Feldarbeit zu erledigen.

„Arbeitsteilung“ zwischen Mann und Frau galt als Prinzip, allerdings nur bei der Feldarbeit. Die Arbeiten im Haus, im Stall und in der Familie blieben der Frau allein.

Für Frauen am Land und Frauen die in Burgen lebten gab es gewisse rechtliche Beschränkungen, welche es für Städterinnen nicht gab. So nutzen viele Städterinnen die Möglichkeit einen Beruf auszuüben. Selbst in sogenannten Männerberufen waren diese Städterinnen bis in das 16. Jahrhundert vertreten. Es gibt auch Belege, dass Frauen im Großhandel als Unternehmerinnen tätig waren.

Es gab eine Reihe von Frauen, die sich selbständig weiterbildeten, da ihnen der Zugang zur Universität nach wie vor verwehr war. So gab es Ärztinnen ohne Studium aber mit erfolgreichen Behandlungsmethoden. Auch über Apothekerinnen und Chirurginnen gibt es Zeugnisse. Trotz ziemlich erschwerter Umstände, fand man Frauen in fast allen Berufssparten. Sie wurden in Zünfte aufgenommen und Gründeten auch eigene Frauenzünfte in jenen Berufen, in denen Frauen eindeutig dominierten.6

In Sachen Bekleidung hatte sich mit der Gesellschaft auch die Mode verändert. Die Kirche erlangte immer größere Vormachtstellung und dieser gefiel die aktuelle Bekleidung nicht so richtig, wurde damit doch der Körper nicht ausreichend verhüllt. Die Aufgabe der Kleidungsherstellung wurde immer mehr zur Aufgabe der Klöster. Die Röcke, Ärmel und Beine wurden länger, lange Untergewänder waren Usus. Zunehmend verbargen Frauen ihre Haare unter Tüchern und Schleiern.

In Frankreich entwickelte sich allerdings eine etwas weltlichere Mode. Die Kleidung wurde elegant und die Körperformen mehr betont. Der weite Rock verstärkte die Wirkung. Auch wenn diese Mode sich nicht überall durchsetzte, wurde Frankreich doch zur führenden Modemacht. Die Haare durften nur von unverheirateten Frauen offen getragen werden.7

Natürlich hatte auch das Mittelalter seine „großen“ Frauen. Zwei davon möchte ich hier namentlich erwähnen. Keine Emanzen im herkömmlichen Sinn, aber sehr wohl Frauen die wussten was sie wollen und Frauen die regieren und befehlen gewohnt waren. Und das in einer Zeit, wo das durchaus nicht typisch war für Frauen.

Im 12. Jahrhundert lebte Eleonore von Aquitanien. Sie war mit Ludwig VII. von Frankreich verheiratet. Die Ehe wurde jedoch auf eigenen Wunsch für nichtig erklärt, worauf Eleonore die Gattin Heinrichs II, König von England wurde. Sie versuchte unermüdlich die Fäden der Macht selber in der Hand zu behalten und es gelang ihr erstaunlich gut. Als erste Frau nahm sie an einem Kreuzzug teil. Das heute berühmteste von ihren acht Kindern, war wohl Richard Löwenherz.8

In die Fußstapfen von Eleonore trat Blanca von Kastilien. Blanca war die Enkelin von Eleonore. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts heiratete sie den Thronfolger Ludwig VIII von Frankreich. Als ihr Gatte starb, führte sie die Regentschaft bis ihr Sohn alt genug war. Ein zweites Mal führte sie Regentschaft, als Ihr Sohn Ludwig IX auf Kreuzzug war und schlug dabei zahlreiche Adelsaufstände nieder.9

Die italienisch-französische Schriftstellerin Christine de Pizan war zu Beginn des 14. Jahrhunderts die erste Frauenrechtlerin der Geschichte. So schrieb sie das „Buch von der Stadt der Frauen“. Sie schilderte wissenschaftliche Verdienste von historischen Frauengestalten und belegte damit die These der Ebenbürtigkeit weiblicher und männlicher Intelligenz. Von Papst Pius II wurde sie dafür massiv kritisiert.10

Nicht nur die weibliche Intelligenz, sondern vor allem auch den weiblichen Mut, bewies Jeanne d’Arc - die Jungfrau von Orléans. Schon als junges Mädchen glaubte sie göttliche Stimmen zu hören, manchmal verbunden mit Visionen. Sie konnte den späteren König Karl VII davon überzeugen in Männerkleidung und einer Rüstung die französischen Truppen begleiten und leiten zu dürfen. Dank ihres Einflusses siegten die Franzosen bei Orléans über die Engländer und gaben dem Krieg damit die entscheidende Wende.

Später wurde Jeanne d’Arc von englischen Soldaten gefangen genommen und wegen Ketzerei und Hexerei vor ein geistliches Gericht gestellt. Der französische Hof unternahm nichts zu ihrer Rettung. Nach 14 Monaten Verhör überführte man sie der Sünde, weil sie Männerkleidung getragen hatte und weil sie die Meinung vertrat, sie sei nur Gott alleine gegenüber verantwortlich, und nicht der Kirche gegenüber. Das Gericht verurteilte sie zu Tode, doch Jeanne gestand ihre Sünde und die Strafe wurde in lebenslängliche Haft umgewandelt. Dann aber widerrief sie ihr Geständnis, wurde an ein weltliches Gericht ausgeliefert und als rückfällige Ketzerin auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Jahre später wurde der Inquisitionsprozess gegen Jeanne d’Arc auf Antrag ihrer Mutter neu aufgerollt. Er dauerte sechs Jahre und endete mit der Rehabilitation der französischen Heldin. Aber wie schon der erste Prozess, war auch der zweite Prozess politisch motiviert. Karl wollte beweisen, dass er seine Regentschaft keiner Hexe zu verdanken hatte. Die Heiligsprechung der Jungfrau geschah, kurz bevor das französische Parlament im 20. Jahrhundert die Einführung eines Nationalfeiertages zu ihrem Andenken beschloss. 11

Auch Jeanne d´Arc erlag also den Hexenprozessen, welche bereits im 15. Jahrhundert begannen. Die Hexenreligion ist wohl die älteste Naturreligion der Welt. In den meisten Zeiten der Welt galten Hexen als weissagende und heilende Frauen. Sie hatten Kenntnisse der Natur und besaßen Wissen um die Wirkungen der Pflanzen. Doch im 15. Jahrhundert setzte sich in der mittelalterlichen Kirche die Meinung durch, dass Hexen Verbündete des Teufels wären. Weltliche Herrscher schlossen sich dieser Meinung an. Auf Anordnung Papst Innozenz VIII wurde die Hexenverfolgung eingeleitet und durch den sogenannten Hexenhammer zum allgemeinen Gesetzbuch in Europa. Gegenstimmen wurden nicht laut, denn dagegen zu sein hieß mit den Hexen im Bunde zu sein.

Zur Anklageerhebung reichte eine Denunziation von neidischen Nachbarn, abgewiesenen Verehrern oder die unüberlegten Worte eines Kindes. Die Opfer eines solchen Prozesses wurden mittels Folter zu einem Geständnis und zur Benennung angeblicher anderer Hexen gezwungen. Wollte ein Opfer nicht gestehen, wurde sie so lange mit immer brutaleren Mitteln gefoltert, bis sie ein Geständnis ablegte, nur damit die Qual endlich aufhört. Neun von Zehn Hexenverbrennungen trafen Frauen.

Von der ersten beglaubigten Hexenverbrennung bis zur letzt bekannten, vergingen runde 500 Jahre, der letzte Hexenprozess mit Todesfolge wurde in Polen abgehalten. Die Hexenverfolgung fand sowohl in katholischen, wie auch in protestantischen Gebieten statt und bis zum 18. Jahrhundert fielen nach Schätzung mehr als eine Million Menschen diesen Untaten zum Opfer.12

Doch nun zur Neuzeit: Die typische Frau der Frühen Neuzeit war dem Ehemann untergeordnet. Nur im Bezug auf den gemeinsamen Haushalt galten sie als gleichwertig. Ehefrauen niedriger Stände mussten oft Lohnarbeit verrichten um das Einkommen zu sichern. Die Institution Ehe erlebte eine neue Wertung. So galt die eheliche Liebe und Sexualität als wahre Keuschheit. Die Frau konnte selbst entscheiden, welchen Mann sie heiratet. Dagegen wurden unverheiratete Frauen gesellschaftlich abgewertet.

In der frühen Neuzeit kam die Forderung nach einer allgemeinen Grundbildung auf. Die intellektuelle Gleichstellung der Frau war umstritten, die Obrigkeit war der Meinung zu viel Wissen brächte Frauen nur auf schlechte Gedanken und mache sie eitel. Jedoch wurden Schulen für Töchter angeboten. In diesen wurden alles gelehrt, was der typisch weiblichen Rolle entspricht, wie Lesen, Schreiben, Anstandsunterricht und Tanzen. Die Frau hatte Recht auf eigenes Vermögen, jedoch unterstand sie noch dem Züchtigungsrecht des Mannes. Politische Rechte hatten die Frauen dieser Zeit nicht. Ausnahmen waren die Herrscherinnen, welche politisch aktiv waren, jedoch galt dies nicht für die Allgemeinheit.13

Eine dieser Herrscherinnen ist bis heute in aller Munde. Maria Theresia war im 18. Jahrhundert die erste Frau auf einem mitteleuropäischen Thron, herrschte über ein riesengroßes Reich mit einer Vielzahl von Völkern und bot mit ihrer Politik nicht nur Friedrich dem Großen, ihrem Erzfeind, die Stirn, der über sie sagte: " Einmal haben die Habsburger einen Mann auf dem Thron, und dann ist es eine Frau." Ihre Regierungszeit war durch tiefgreifende Reformen gekennzeichnet, die im gesamten Habsburgerreich einen bedeutenden Modernisierungsschub auslösten. So wurde die Verwaltung und das Heereswesen reformiert (Gründung der Militär Akademie in Wr. Neustadt), die Lage der Bauern verbessert, die Folter abgeschafft, der Einfluss der Kirche verringert (Aufhebung des Jesuitenordens) und die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Auch wurden unter Maria Theresia die ersten wirklich genauen Landkarten angefertigt.14

Nicht ganz mit Maria Theresia vergleichbar, aber trotzdem hochangesehen war die Mätresse. Mätressen hatten ihre Blütenzeit 17./18. Jahrhundert - in der Zeit des Absolutismus. Der Status der Mätresse war das Höchste was eine Karrierefrau erreichen konnte. Zwar mussten sie dafür ihre Körper, ihre Sexualität „zur Verfügung stellen“, aber dies geschah erstens oft aus Liebe und zweitens wurden Mätressen erst ab dem 19. Jahrhundert als Huren angesehen. Die sexuelle Toleranz war in dieser Zeit groß, vor allem wohl auch deswegen, weil die meisten Ehen nur aus materialistischen oder politischen Gründen geschlossen wurden. Mit den Mätressen verfeinerten sich die höfischen Sitten. Sie verlangten Liebenswürdigkeit, Gefälligkeit und Rücksichtnahme - heute würden wir es Höflichkeit nennen. 15

Im 18. Jahrhundert wurde Begriff „Familie“ neu definiert. Er umfasste die Eheleute und die Kinder, das Gesinde war nicht mehr mit einbezogen. Die Stellung der Frauen am Ende des 18. Jahrhunderts lassen sich am besten durch Sätze aus einem Erziehungsbuch zusammenfassen: „Natürliche Bestimmung der Frau ist es, in einer zwar durch äußerliche Zeichen der Hochachtung maskierten, aber nicht desto weniger sehr reellen, vielleicht gar etwas drückenden Abhängigkeit zu leben. Denn es ist der übereinstimmende Wille der Natur und der menschlichen Gesellschaft, dass der Mann es Weibes Beschützer und Oberhaupt, das Weib hingegen die sich ihm anschmiegende, sich an ihn haltende und stützende, treue, dankbare und folgsame Gefährtin und Gehülfin seines Lebens seyn sollte.“ Nur der Jurist Theodor von Hippel publizierte anonym ein Plädoyer für die Emanzipation der Frauen. Frauen sollen jene Menschen- und Bürgerrechte gewährt werden, welche die Männer für sich beanspruchen.16

Während der französischen Revolution, die Ende des 18. Jahrhunderts begann, tat sich endlich etwas in den Reihen der Frauen. Oberflächlich betrachtet wohl ohne dass es etwas erbrachte, aber wenn man genau schaut, hat diese Zeit den Grundstein für alles gelegt, was die Frauen in der heutigen Zeit als selbstverständlich nehmen. Die französische Revolution war gleichzeitig auch eine versuchte Frauenrevolution.

„Erbebt Ihr neuen Tyrannen! Meine Stimme wird sich noch aus des Grabes Tiefe Gehör zu verschaffen wissen.“ Diese Worte richtete Olympe de Gouges an das Revolutionstribunal, welches sie zu Tode verurteilte. Und vielleicht hatte sie damit Recht. Wer war sie? Olympe de Gouges kämpfte für die Rechte der Frauen innerhalb der Revolution. Sie geißelte nicht nur die Einstellung der Männer, auch das mangelnde Bewusstsein (heute würde man es Solidarität nennen) ihrer Geschlechtsgenossinnen ist Thema ihrer Kritik. Olympe verfasste „Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ und bis zu ihrer Verhaftung publizierte sie weiter in diesem, ihrem eigenen Stil. Als sie verlangte die Bürger sollen selber wählen dürfen, welche Regierungsform sie bevorzugen, wurde Olympe verhaftet, verurteilt und anschließend geköpft. Zwei Wochen nach ihrem Tod wird sie in einer Rede des Führers Chaumette anderen Frauen als warnendes Beispiel vorgehalten. Seine Rede macht deutlich, dass sich im Geschlechterverhältnis nichts ändern würde.17

Die Schriften und Worte Olympes fanden aber durchaus auch Gehör. So gab die „Gesellschaft der Revolutionären Republikanerinnen“. Der Club vertrat vor allem politische Ziele, ihr oberstes Ziel bestand aus der aktiven, bewaffneten Verteidigung des Vaterlandes. Anlässlich ihrer Gründung erklärten sie, dass sie „keine dienenden Frauen und keine Haustiere seien, sondern ihr Sinn in der Vernichtung der Aristokratie liege“. Ihre aktivierende Rolle in der Politik und ihre freiwillige Überwachung der Preispolitik sind anfangs hochwillkommen. Dafür nehmen die jakobinischen Männer sogar in Kauf, dass die Frauen Gleichberechtigung diskutieren und Schritte dagegen erwägen. Als diese Diskussionen jedoch öffentlich wurden, zogen sich die Jakobiner zurück. Auf Aktion folgt Reaktion und die Männergesellschaft setzte ihre Machtmittel ein, um bei allen gesellschaftlichen Veränderungen wenigstens des Frauenprotestes Herr zu werden.

Nach der Französischen Revolution wurden alle Errungenschaften wie Scheidungsrecht, Eigentumsrecht und Zugang zu Bildungswegen für Frauen wieder aufgehoben. Schließlich wurden auch alle Zusammenschlüsse von Frauen verboten. Dieses Verbot war für die Geschichte der Frauen sehr entscheidend. Mit dem Sieg des bürgerlichen Lagers über die Volksbewegung hat die Theorie der Egalität der Geschlechter für lange Zeit keine Chance mehr.

Ein Jahr später verloren die Frauen ihre letzten politischen Einflussmöglichkeiten: Das kollektive und sogar das individuelle Petitionsrecht wurde ihnen versagt, auch an politischen Versammlungen durften sie nicht mehr teilnehmen.18

Anfang des 19. Jahrhunderts verabschiedete Napoleon Bonaparte ein Gesetzbuch, den code civil (Rechtmäßiger Code). Das Familiengesetz beinhaltete eine sehr patriarchalische Sichtweise. So wurde der Frau nur beschränkte Geschäftsfähigkeit zugestanden, es gab kein Gleichberechtigungsgrundgesetz und eine Vaterschaftsklage war nicht zulässig.19

Auch im 19. Jahrhundert hatte sich an den Rechten der Frau noch nicht viel geändert. Der Unterschied zum 18. Jahrhundert bestand allerdings darin, dass die Ehe vor allem als Mittel zur gesellschaftlichen Etablierung angesehen wurde. Nach diesem Motiv wurden von den Eltern der Frau auch der Ehepartner ausgesucht. In dieser Zeit gab es fast nur standesgemäße Hochzeiten. Dem weiblichen Geschlecht wurden als Charaktereigenschaften Passivität, Emotionalität und Selbstlosigkeit zugeschrieben. Den Männern dagegen Rationalität und aktives Handeln.20

Doch gab es im 19. Jahrhundert bereits viele Frauen, welche für die Gleichstellung der Frauen kämpften. George Sand, franz. Schriftstellerin engagierte sich, trug Männerkleidung, schwere Stiefel, rauchte Zigarren und hatte zahlreiche Liebhaber, wie auch ein Verhältnis mit einer Frau. Unermüdlich trat sie für die juristische Gleichberechtigung der Frauen und einer Neufassung des Eherechts ein. Allerdings vertrat sie die These der geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen Mann und Frau. Die natürliche Aufgabe der Frau sei nicht das Amt, sondern die Familienliebe, meinte sie zu wissen.21

Die Alltagskleidung der Frauen bestand im 19. Jahrhundert aus Kleidern welche zwar die Beine verhüllte, jedoch den Busen, den Po und die Hüften betonte. Unverzichtbar war die schmale Taille, welche nur mit Hilfe des Korsetts erzwungen werden konnte.22

Doch die Französische Revolution hatte auch in Deutschland demokratische Bewegungen entstehen lassen. Als „Mutter der deutschen Frauenbewegung“ wird Luise Otto-Peters bezeichnet. Anfänglich veröffentlichte sie unter einem männlichen Pseudonym in den Zeitungen. Als die Frage nach der politischen Stellung der Frau aufgeworfen wurde, antwortete sie im gleichen Blatt: „Die Teilname der Frau an den Interessen des Staates, ist kein Recht sondern eine Pflicht.“ Ihrem „Treiben“ wurde durch gesetzliche Bestimmungen sehr bald ein Ende gesetzt.23

Bettina von Arnim gilt als Deutschlands erste Sozialkämpferin. In ihrem Salon empfing sie die intellektuellen Größen jener Zeit und machte ihr Haus zum Treffpunkt unabhängiger Geister. Sobald sie aber selber politisch wirksam wurde, standen ihr die Behörden keinen Freiraum als „Exzentrikerin“ zu. Sie wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Dies war die höchste Strafe, zu der eine Adelige verurteilt werden konnte. Ihr Salon blieb zu dieser Zeit der Zensur einen politische Gegenöffentlichkeit.24

Die Amerikanerin Amelia Bloomer erfand das „Bloomer Kostüm“, ein weites kurzes Kleid, unter dem knöchellange Hosen getragen wurden und welches der Bewegungsfreiheit und Gesundheit der Frauen sehr zuträglich war. Auch in Europa löste dieses Kostüm eine heftige Debatte aus. „Falls Männer der Meinung sind es wäre ihnen bequem in langen schweren Röcken, lasst sie tragen - wir haben nichts dagegen“, so Bloomer ironisch. Viele Frauen in den USA und in Europa befürworteten das Reformkleid, fanden aber nicht den Mut sich damit in der Öffentlichkeit zu zeigen. 26

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand der erste Nationale Frauentag in der USA statt. Beeindruckt von den Aktivitäten der Amerikanerinnen schlug Clara Zetkin auf der Frauenkonferenz einen jährlichen internationalen Frauentag für den Frieden und die Gleichberechtigung der Frauen vor. Bereits ein Jahr später wurde der Internationale Frauentag in den Ländern Dänemark, Deutschland, Österreich und Schweiz zum ersten Mal gefeiert um sich dann rasch zu verbreiten.27

Clara Zetkin war deutsche Politikerin und Frauenrechtlerin. Sie schloss sich der Sozialdemokratie an und baute die sozialistische Frauenbewegung auf. Clara war eine zunehmend radikalisierende Marxistin und besaß eine unglaubliche Energie. Der Internationale Frauentag geht auf ihre Anregung zurück. Als die Führungsspitze der SPD den 1. Weltkrieg befürwortet, stellt sie sich offen dagegen, was zur Verhaftung Claras führte. Sie wurde des Landesverrats angeklagt, jedoch auf Grund einer Protestwelle aus der Haft entlassen.28

Die britische Sozialreformerin Josephine Elisabeth Butler unterstützte die Reformbewegung, welche der Frau den Weg zum Universitätsstudium ebnen sollte. Josephine initiiert auch immer wieder in ganz Europa Kampagnen gegen die „Weiße Sklaverei“, vor allem gegen die Kinderprostitution und gibt bis zu ihrem Tod eine eigene Zeitschrift heraus.29

Auch die Deutsche Mathilde Franziska Anneke ist eine Pionierin der Frauenbewegung. Sie heiratete mit 19 und ließ sich nach einem Jahr und der Geburt einer Tochter wieder scheiden. Das Scheidungsrecht war zwar schon seit fast 50 Jahren gesetzlich verankert, aber die Tatsache, dass eine Frau davon Gebrauch macht, schockierte die damalige Gesellschaft. Nach drei Jahren und drei Instanzen wurde die Ehe geschieden und Mathilde wegen böswilligem Verlassens als der schuldige Teil befunden. Der Preis den sie für diese Freiheit zahlen musste war hoch: Gesellschaftliche Ächtung, Armut und ein zermürbender Kampf mit den Behörden. Nach der gescheiterten Revolution emigrierte sie in die USA und engagierte sich dort in der Frauenrechtsbewegung, während sie zugleich für die Abschaffung der Sklaverei und das Wahlrecht der Schwarzen einsetzte.30

In diesem Jahrhundert fand übrigens die erste Arbeiterinnen-Demonstration in Wien statt. Sie demonstrierten gegen eine 25% Lohnsenkung bei 8.000 Arbeiterinnen, während die Männer mit der gleichen Arbeit wesentlich mehr verdienten (15 Pfennig die Frauen, 25 Pfennig die Männer pro Tag). 2 Tage später eine erneute Demonstration der Arbeiterinnen mit Beteiligung von solidarischen Arbeitern. Diese Demonstration wurde durch die kaiserliche Nationalgarde in der sogenannten „Praterschlacht“ brutal niedergeschlagen.

Eine Woche später wurde aus Protest dagegen der erste „Wiener demokratische Frauenverein“ von Karoline von Perin gegründet. Ziel war es, die soziale Gleichberechtigung der Frau zu verwirklichen. Nach zweimonatiger Tätigkeit wurde der Verein verboten und dessen Vorsitzende Karoline von Perin verfolgt. Sie wurde verhaftet, misshandelt, verlor das Sorgerecht für ihre Kinder, und ihr gesamtes Vermögen wurde konfisziert.31

Generell wurde politisches Engagement für Frauen zu einem hohen Risiko. Gefängnisstrafen und gesellschaftliche Ächtung mussten sie in Kauf nehmen. Weil die gesetzlichen Verbote nur für politische Vereine galten, gründeten sie sehr bald Vereine mit kulturellen oder karitativen Bezeichnungen und diskutierten dort dann weiter ihre politischen Themen. Es stellte sich aber heraus, dass auch die aktiven Frauen keine einheitlichen politischen Interessen und Ziele hatten. So spaltete sich die Frauenbewegung in eine bürgerliche und eine proletarische auf.

Die bürgerliche Frauenbewegung organisierte sich hauptsächlich im Allgemeinen Deutschen Frauenverein „ADF“ und hatte Dinge wie die Frauenbildungsfrage, Arbeiterschutz, Mutterschutz, Chancengleichheit im Beruf, gleichen Lohn für alle zum Ziel.32

Die proletarische Frauenbewegung dagegen forderte soziale Gleichheit und Aufhebung der Klassen. Sie kämpften für Wahlrecht, Schutz vor zuviel Arbeit, bessere Löhne und Sozialpolitik.33

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts forderte die SPD als erste Partei in Deutschland die Abschaffung aller Gesetze, welche Frauen benachteiligen.

In keinem Jahrhundert zuvor wurde von den Frauen so viel erreicht, wie im 20. Jahrhundert. Wobei speziell die „Neue Frauenbewegung“ nach dem 2. Weltkrieg vieles erreichte. Diese „Neue Frauenbewegung“, hatte ihre Wurzeln in der antiautoritären Studentenbewegung. Die Männer dieser Studentenbewegung pflegten nämlich ständig von der Emanzipation der Arbeiterklasse zu reden, nahmen aber gleichzeitig völlig selbstverständlich die gewohnte weiblichen Dienstleitungen der politisch engagierten Frauen der Studentenbewegung in Anspruch. Dies brachte die Frauen in Rage und die ersten Tomaten zum fliegen - aus Frauenhand auf die Männer.

Eine der Frauen im 20. Jahrhundert, die nachhaltiges Geleistet hat, ohne sich aber um Emanzipation zu kümmern, war Lisa Meitner. Sie war Österreicherin und Physikerin. Durch ihre Anregungen wurde die Entdeckung der Atomspaltung maßgeblich beeinflusst. Trotz ihrer Arbeit erhielt nur Otto Hahn den Nobelpreis und der gemeinsame Arbeitstisch im Museum wurde lange Zeit nur als „Arbeitstisch von Otto Hahn“ bezeichnet. Erst nachdem der Weltkongress für Wissenschaftsgeschichte die öffentliche Diskriminierung anprangerte, änderte man die Beschriftung 1990.34

1918 wurde in Österreich nach langen Diskussionen das Wahlrecht für Frauen eingeführt.

Der 2. Weltkrieg war eine bittere Sache. Die Gedanken der Frauenbewegungen waren vergraben, der Kampf ums Überleben war Thema Nr. 1. Als politische Bewegung mit eigenen Zielen existierte die Frauenbewegung nicht mehr. Die Frauen wurden ideologisch „geschult“ und auf ihre wahre Bestimmung eingeschworen, nämlich Kinder zu gebähren um dem Staat Soldaten zu schenken. Doch auch in dieser Zeit gab es Frauen, die sich zusätzlich noch um ihre Bildung kümmerten.

Eine davon war die Bonnerin Ilse Brinkhues. Seit dem Vierjahresplan und den ersten Kriegsvorbereitungen begannen die Nationalsozialisten, entgegen ihrer bisherigen Politik, das Frauenstudium zu fördern. Gerade in den Naturwissenschaften, die zuvor als unweiblich galten, unterstützen sie das Studium der Frauen. Ilse Brinkhues meinte dazu:

„Durch die Kriegsverhältnisse waren wir Frauen in gewisser Hinsicht privilegiert weil es männliche Konkurrenz praktisch nicht gab.“ Aus diesem Grund prägten die Frauen den Universitätsbetrieb zu dieser Zeit immer stärker. Trotz aller Ängste und Nöte konnten viele Frauen in der Kriegszeit ihr Studium erfolgreich abschließen, in den Beruf gehen oder ihren Weg an der Universität fortsetzen.35

Die Nationalsozialisten führten die „Witwenrente“ für geschiedene Frauen ein, Frauen erhalten aber nur 50% der Zigarettenmenge, welche Männer erhielten.36

Unter dem Eindruck der stetig ansteigenden Studentinnenzahlen wurden in den 50er Jahren an den Universitäten wieder alte Vorurteile wach. Eine in dieser Zeit durchgeführte Befragung von Hochschullehrern zeigte eine deutliche Ablehnung des Frauenstudiums. Nicht wenige Dozenten sprachen den Frauen die Eignung zum Studium ab: Studentinnen seien zwar oftmals fleißiger und gewissenhafter, ihnen fehlten jedoch Denk- und Abstraktionsvermögen, Sachlichkeit und Zielstrebigkeit. Auch die Tatsache, dass weibliche Studierende durchschnittlich die bessere Leistungen erbrachten, änderte an dieser Einstellung nichts. 37

Obwohl ich mich bis jetzt hauptsächlich auf europäische Frauen beschränkte, gab es eine Amerikanerin, die ich erwähnen möchte. Marilyn Monroe ist eine Legende. Schon zu Lebzeiten schuf sie den Mythos vom armen Mädchen, dass zum erfolgreichen, schönen Schwan erwuchs. Sie war in aller Welt das Symbol des ewig Weiblichen. Marilyn mit dem sinnlichen Schlafzimmerblick und dem Kussmund war und ist Ikone der 50er Jahre. Symbol für das Klischee der Sexgöttin. Sie hat das Bild der Frau in jenem Jahrzehnt vermutlich mehr geprägt als jede andere. Vielleicht nicht unbedingt eine Prägung, welche dem Emanzipationsgedanken entgegengekommen wäre, dennoch war sie ohne Zweifel eine der großen Frauen der Geschichte.

In den 50er Jahren kam der Durchbruch der Frauenhose. In erster Linie durch die junge Frauengeneration, die sich die Hosen nicht mehr nehmen lassen wollten. So stellte ein Modejournalist 1951 fest, dass „dieses verworfene Kleidungsstück nunmehr hochoffiziell anerkannt ist.“ Allerdings sollte es noch zwei Jahrzehnte dauern, bis aus dieser Modelaune ein normaler Bestandteil der Alltagskleidung geworden war.38

Erst 1949 beinhaltet das deutsche Gesetz, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind 39

Die neue Frauenbewegung erfuhr Anfang der 70er Jahre als Protest gegen die Strafmäßigkeit der Abtreibung eine enorme Ausweitung. Mit Unterschriftenaktionen wie „Ich habe abgetrieben“ und Parolen wie „Mein Bauch gehört mir“ forderten sie das Selbstbestimmungsrecht der Frauen. Mitte der 70er differenzierten sich die Aktivitäten und Gruppen und kämpften gegen die alltägliche Diskriminierung von Frauen in Beruf und Gesellschaft. Mit der Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit gingen Frauen auf die Straße, es entstanden Frauenverlage und Frauenhäuser für misshandelte Frauen.

40 In diesem Zusammenhang darf keinesfalls versäumt werden auf Alice Schwarzer hinzuweisen. Die Sie gehört zu den populärsten Feministinnen der deutschen Frauenbewegung und musste sich Äußerungen wie „Männerhasserin“, „frustrierte Lesbe“ und ähnliches gefallen lassen. Dabei blieb sie jedoch unbeirrbar. Über Alice Schwarzer und ihre Äußerungen gibt es viele Meinungen - Fakt ist aber wohl, dass sie die Emanzipation ein ganzes Stück weitergebracht hat und mit vielen Anerkennungen ausgezeichnet wurde - einschließlich das Bundesverdienstkreuz.41

1997 unterschrieben 645.000 ÖsterreicherInnen das Frauenvolksbegehren. Im Zuge der Vorbereitungen gaben fast alles Politikerinnen und Politiker zu, dass Frauen in Österreich nach wie vor benachteiligt seien.42

1999 fand in Leipzig ein Frauen-Fachkongress zur Thematik „Hexentage - Warum wurden Frauen als Hexen verfolgt und welche Auswirkung hat das bis heute?“. Die Teilnehmerinnen fordern von den Repräsentanten der kirchlichen und weltlichen Macht, endlich die Verantwortung für diese Massenmorde zu übernehmen und die Opfer zu rehabilitieren. Weiters fordern sie Gedenkstätten und die Rückgabe von konfiszierten Werten und Ländereien bzw. deren Übergabe an eine Stiftung mit dem Zweck der Frauenforschung und Frauenbildung. 43

Ein langer Weg, den die Frauenbewegung bis dato zurückgelegt hat und noch zurücklegen wird. Zum Abschluss möchte ich einige subjektive Worte abgeben.

Die Ideologie des Patriarchats besagt, Frauen seien körperlich schwächer, intellektuell minderwertig und zur Aggression weniger in der Lage als Männer. Ihr Verhalten straft die Aussagen jedoch Lüge. Menschen früherer Jahrhunderte waren nicht generell überzeugt, dass Frauen "schwächer" wären als Männer. Die Furcht vor und die Verfolgung des Weiblichen - gerade die von mittelalterlichen Kirchenmännern - deutet vielmehr darauf hin, dass Frauen als potentiell gefährlich und eventuell sogar als mächtig angesehen wurden. Galten Hexen im 16. Jh. als gefährliche Zauberinnen, sah man sie später als Opfer teuflischer Verführung, als Besessene, als psychisch Kranke. Worauf diese Angst beruhte, vermag ich nicht zu beurteilen.

Obwohl dieses Bild nie für die überwiegende Anzahl der Frauen zutraf, entfaltete es kulturelle und soziale Wirksamkeit, bis sich die Frauen dagegen zu wehren begannen und Selbstbewusstsein - im wahrsten Sinne des Wortes - entwickelten.

Ein Jahrhundert Frauenbewegung vermag Jahrtausende an Männerherrschaft nicht wettzumachen, wie Frauenschicksale in aller Welt aufzeigen. Und doch ist es so, dass die Frau des 21. Jahrhunderts zwischen den unterschiedlichsten Lebensmodellen wählen kann: Single, Partnerschaft, Ehe, andere Strukturen. Ob mit oder ohne Karriere - jede Lebensform wird gesellschaftlich anerkannt und akzeptiert. Beruflich können sie gehen wohin sie wollen. Obwohl junge Frauen von heute sich kaum noch mit Begriffen wie „Feminismus“ oder „Emanzipation“ identifizieren und mit dem Internationalen Frauentag so überhaupt nichts mehr anfangen können, vertreten sie doch fortschrittliche Meinungen und Lebensweisen. Sie tun das nur undogmatischer und unideologischer als die Frauenrechtlerinnen der 70er Jahre. Für sie ist vieles völlig normal und selbstverständlich, wofür ihre Mütter noch kämpfen mussten. Im Rahmen des Erreichten suchen sich junge Frauen mir der sogenannten „Girlie-Power“ ihren ganz eigenen Weg. Dabei sei auch nicht zu vergessen, dass dieser Weg heute oft auch von Männern unterstützt wird.

Doch noch immer ist der Weg bis zur gänzlichen Gleichstellung nicht vollendet. Oder man könnte es auch in den Worten von Heidi Kabel, Schauspielerin und Schriftstellerin, sagen: „Die Emanzipation ist erst dann vollendet, wenn auch einmal eine total unfähige Frau in eine verantwortliche Position aufgerückt ist.“

Aber das ist noch Zukunftsmusik. Um ein paar aktuelle Beispiele zu nennen:

2001 teilte das Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft mit, dass Frauen bei gleichwertiger Tätigkeit und ähnlicher Qualifikation zwar genau so viel wie Männer verdienen, allerdings verdienen sie im Schnitt trotzdem weniger. Der Grund hiefür läge darin, dass nur 11,7 % der Frauen hochqualifizierte Tätigkeiten ausüben und gar nur 1,7 % haben Führungspositionen inne. Nur bei Beamten liegt der Schnitt anders, dort arbeiten sage und schreibe ganze 18% im gehobenen Dienst...44

Während eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung rausfand, dass Frauen weiterhin von Spitzenpositionen ausgeschlossen werden, weist die Erzdiözese München erneut darauf hin, dass eine Priesterweihe von Frauen in der Kirche nicht nur ungültig, sondern auch unerlaubt ist, da „die heilige Weihe nur ein Mann empfangen kann“.45

Anhang Quellenangabe:

[...]


1 Die Amazonen: Gilians (http://www.frauennews.de/archiv/texte99/hexen99.htm)

2 Hypatia von Alexandria: Netzstilus (http://www.netzstilus.at/sophia/hypatia.html)

3 Frauen im antiken Rom: Schlaumeier (http://www.schlaumeier.cc/)

4 Kleidung in der Antike: Wissen im SWR (http://www.wissen.swr.de/sf/begleit/bg0007/bg_ag08b.htm)

5 Päpstin Johanna: Verlag Bauz - Biographisch-Bibliographisches Kirchelexikon (http://www.bautz.de/bbkl/j/Johanna_pae.shtml) HerStory - HisStory (http://www.omenchat.de/history/fp_johan.htm)

6 Frauen im Mittelalter: Frauenjournal (http://www.frauenjournal.de/artikel1.htm)

7 Kleidung im Mittelalter: Wissen im SWR (http://www.wissen.swr.de/sf/begleit/bg0007/bg_ag08c.htm)

8 Eleonore von Aquitanien: 2000 Jahre Chronik (http://www.geschichte.2me.net/bio/cethegus/e/eleonoreva.html) Tanja Kinkel (http://www.tanja-kinkel.de/buch_loewin.html)

9 Blanca von Kastilien: Verlag Bauz - Biographisch-Bibliographisches Kirchelexikon (http://www.bautz.de/bbkl/b/blanca_v_k.shtml)

10 Christine de Pizan: Tiroler Bildungsservice (http://www.asn-ibk.ac.at/bildung/faecher/geschichte/maike/frauen/ren1.htm)

11 Jeanne d ’ Arc: Das ökumenische Heiligenlexikon (http://www.heiligenlexikon.de/)

12 Inquisition: Her Story - His Story (http://www.omenchat.de/history/h_hexe.htm)

13 Frauen in der Neuzeit: Hausarbeiten (http://www.hausarbeiten.de/rd/archiv/geschichte/gesch-o-fruehfrau.shtml)

14 Maria Theresia: aeiou - das Kulturinformationssystem des Bundesministeriums (http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.m/m208917.htm)

15 Mätressen: Ceiberweiber (http://www.ceiberweiber.at/ownpages/history/maetressen.htm)

16 Die Stellung der Frauen im 18. Jahrhundert: HerStory - HisStory (http://www.omen.de/history/f_fr18j.htm)

17 Olympe de Geouges: Uni-Ulm (http://www.uni-ulm.de/LiLL/3.0/D/frauen/gauges.html)

18 Gesellschaft der Revolutionären Republikanerinnen: Antifaschistischer Bund Ruhrgebiet (http://www.afb-bbz.de/Antifaz/Artikel/88gelbe3.htm)

19 code civil: Multi Mania (http://www.multimania.com/mifr/recht/jurinfo/ipr1/ipr1_ref.htm)

20 Die Frauen im 19. Jahrhundert: Wissen 24 (http://www.wissen24.de/rd/vorschau/714.html) GK-Online (http://mitglied.lycos.de/EffiBriest/frau.html)

21 George Sand: Collector (http://www.cyranos.ch/litsan-d.htm)

22 Kleidung im 19. Jahrhundert: Freie Universität Berlin (http://www.fu-berlin.de/fun/7-95/t1.htm)

23 Luise Otto-Peters: Frauenstadtarchiv (http://www.frauenstadtarchiv.de/lexikon/otto.htm)

24 Bettina von Arnim: Uni-Ulm (http://www.uni-ulm.de/LiLL/3.0/D/frauen/arnim.html)

25 Camilla Colett: Carl-Boeschen-Verlag (http://www.carl-boeschen-verlag.de/24-x.htm)

26 Bloomer Kostüm: Heimatzunft Baden-Württemberg (http://www.heimatzunft.de/hp/hosen3_2000.html)

27 Internationaler Frauentag: Stadt Borna (http://www.borna-online.de/Boehlen/tourismus/vereine/soziales/wegweiser- e-v/ausgetraeumt/agt04/agt04-01/agt04-01.html)

28 Clara Zetkin: Stadt Pirna (http://www.pirna.de/personen/html/zetkin__clara.html)

29 Josephine Elisabeth Butler: HerStory - HisStory (http://www.omenchat.de/history/fp_butle.htm)

30 Mathilde Franziska Anneke: Anneke-Zentrum (http://www.anneke-zentrum.de/anneke/franzi.html)

31 Karoline von Perin: Unbekanntes Wien (http://www.unbekannteswien.at/archiv/03-99/themen/6/textthema.html)

32 Bürgerliche Frauenbewegung: Uni-Bochum (http://www.ruhr-uni-bochum.de/ngg/LB-buerg-fbew.html)

33 Proletarische Frauenbewegung: Uni-Bochum (http://www.ruhr-uni-bochum.de/ngg/LB-prol-fbew.html)

34 Lisa Meitner: Historisches Museum Berlin (http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/MeitnerLise/)

35 Ilse Brinkhue: Uni-Bonn (http://www.uni-bonn.de/Frauengeschichte/ausstell/teil4/teil4t08.htm)

36 Witwenrente: Uni-Giessen (http://www.erziehung.uni-giessen.de/studis/Robert/chronik.html)

37 Vorurteile an Unis: Uni-Bonn (http://www.uni-bonn.de/Frauengeschichte/ausstell/teil5/teil5t06.htm)

38 Frauen in Hosen: Heimatzunft Baden-Württemberg (http://www.heimatzunft.de/hp/hosen3_2000.html)

39 Gleichheitsgesetz: Uni-Giessen (http://www.erziehung.uni-giessen.de/studis/Robert/grundges.html)

40 70er Jahre: Historisches Museum Berlin (http://www.dhm.de/lemo/html/DasGeteilteDeutschland/KontinuitaetUndWandel/ UnruhigeJahre/neueFrauenbewegungBody.html)

41 Alice Schwarzer: Stern (http://www.stern.de/sterntv/aktuell/2002/05/emma_heimwerken.html)

42 Frauenvolksbegehren: Frauennews (http://www.frauennews.de/themen/volksb.htm)

43 Hexentage: Frauennews (http://www.frauennews.de/archiv/texte99/hexen99.htm)

44 Einkommensstatistik: Frauennetz (http://www.frauennetz.schleswig-holstein.de/servlet/is/1805/)

45 Aktuelle Berichte: Die Standard (http://www.diestandard.at)

Details

Seiten
14
Jahr
2002
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v106580
Note
1
Schlagworte
Frauen Geschichte

Autor

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Titel: Frauen in der Geschichte