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Die Geschichte der Honigbiene. Über Anatomie, Systematik und Lebensweise des Bienenvolkes

Facharbeit (Schule) 2002 41 Seiten

Biologie - Zoologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1. Die Bedeutung der Biene im Naturhaushalt
1. 2 Die Bestäubung durch Bienen
1. 2. 1 Blütenstetigkeit
1. 2. 2 Ortsstetigkeit
1. 2. 3 Bestäubung
1. 2. 4 Die Bestäubungsleistung der Honigbiene
1. 3 Biene und Naturschutz
1. 3. 1 Nutznießer und Mitbewohner im Bienenstock
1. 3. 2 Die Biene als Bioindikator

2. Geschichte der Honigbiene

3. Systematik und Verbreitung
3. 1 Systematik
3. 1. 1 Familie der Ur- und Seidenbienen (Colletidae)
3. 1. 2 Familie der Sand- oder Erdbienen (Andrenidae)
3. 1. 3 Familie der Furchenbienen (Halictinae)
3. 1. 4 Familie der Mellitiden (Melittidae)
3. 1. 5 Familie der Mauer-, Mörtel- und Blattschneiderbienen (Megachilidae)
3. 1. 6 Familie der Echten Bienen (Apidae)
3. 2 Die wirtschaftlich bedeutsamsten Rassen der Honigbiene in Europa
3. 2. 1 Apis mellifera ligustica (Italiener Biene)
3. 2. 2 Apis mellifera carnica (Krainer Biene)
3. 2. 3 Apis mellifera caucasica (Kaukasische Biene)
3. 2. 4 Apis mellifera mellifera (Nordbiene)
3. 2. 5 Die Buckfastbiene
3. 3 Verbreitung der westlichen Honigbiene

4. Anatomie der Honigbiene
4. 1 Kopf
4. 1. 1 Augen
4. 1. 2 Fühler
4. 1. 3 Nervensystem
4. 1. 4 Mundwerkzeuge
4. 1. 5 Rüssel
4. 1. 6 Futtersaftdrüse (Schlunddrüse)
4. 2 Brust
4. 2. 1 Beine
4. 2. 2 Flügel
4. 3 Hinterleib
4. 3. 1 Verdauungsorgane
4. 3. 2 Stachelapparat mit Giftblase
4. 3. 3 Wachsdrüsen
4. 3. 4 Duftdrüse
4. 3. 5 Herz
4. 3. 6 Fettkörper
4. 3. 7 Atmungssystem
4. 3. 8 Fortpflanzungsorgane
4. 4 Drüsen

5. Das Bienenvolk
5. 1 Die Bienenkasten
5. 1. 1 Königin
5. 1. 2 Drohn
5. 1. 3 Arbeitsbiene
5. 2 Brutaufzucht
5. 3 Wabenbau und Nestordnung
5. 3. 1 Wabenbau
5. 3. 2 Nestordnung
5. 4 Das Bienenleben im Jahresablauf

6. Verhaltensweise und Verhaltensmuster der Honigbienen
6. 1 Bienensprache
6. 2 Sterzeln
6. 3 Fächeln
6. 4 Räuberei
6. 5 Verteidigungsverhalten
6. 7 soziale Futteraustausch
6. 8 Schwärmen

7. Lebensbedürfnisse des Bienenvolkes
7. 1 Energienahrung
7. 2 Aufbaunahrung
7. 3 Wasser
7. 4 Luft
7. 5 Wärme

8. Krankheiten, Feinde und Schädigungen des Bienenvolkes
8. 1 Krankheiten der Brut und der erwachsenen Biene
8. 2 Feinde des Bienenvolkes

9. Produkte des Bienenvolkes
9. 1 Honig

Literaturverzeichnis

EINLEITUNG

Die Honigbiene ist ein überaus faszinierendes Insekt. Das habe ich während dieser Arbeit immer wieder festgestellt. Durch diese Arbeit habe ich die Leistungen der Honigbiene zu bewundern und zu schätzen gelernt. Dies ist auch der Grund wieso sich aus der ursprünglichen Arbeit von 25 Seiten eine Arbeit von über 50 Seiten entwickelt hat. Und dies ist bloß ein Überblick über die komplexe Welt der Honigbienen. Ich hätte gerne noch viel mehr über dieses interessante Insekt geschrieben, doch das hätte wohl den Rahmen dieser Arbeit gesprengt.

Ich glaube mir ist es ganz gut gelungen einen Überblick über die Welt der Honigbienen zu geben. Meine Schwerpunkte habe ich auf die Systematik, das Bienenvolk und auf die Anatomie der Biene gelegt.

Dank dieser Arbeit werde ich mich vielleicht sogar weiter mit Honigbienen beschäftigen und wer weiß, vielleicht lege ich mir sogar einmal ein Bienenvolk zu.

Thalgau, am 12. Juni 2002

1. Die Bedeutung der Biene im Naturhaushalt

1. 2 Die Bestäubung durch Bienen

Seit etwa 50 Millionen Jahren gibt es zwischen den Pflanzen und Bienen eine Beziehung, die partnerschaftlich und für beide Lebensnotwendig ist. Denn die meisten Pflanzen (etwa 80 %) unserer heimischen Flora zählen zu den sogenannten entomophilen (von Insektenbestäubung abhängigen) Pflanzen. Während sich einige Pflanzen selbst bestäuben können (selbstfertilen Pflanzen), sind anderer auf die Übertragung von fremden Pollen einer anderen Blüte, einer anderen Pflanze oder sogar einer anderen Sorte, z. B. beim Apfel, angewiesen (Selbststerilität).

Würde der Pollen ausschließlich vom Wind übertragen, wie das bei Windblütlern (z. B. sämtliche Getreidearten) der Fall ist, so wäre das Befruchtungsresultat äußerst spärlich. Der Grund hierfür ist, dass es dem Zufall überlassen bliebe, ob der Pollen die richtige Blüte erreicht oder nicht. Eine Kirschblüte könnte nichts mit einem Löwenzahnpollen anfangen und umgekehrt.

Ein weiterer Grund ist, dass der Pollen von entomophilen Pflanzen nicht fürs ,,Fliegen geeignet wäre, da er klebrig und eher schwerfällig ist. Eigentlich würde man glauben, dass nur bei entomophilen Pflanzen eine Insektenbestäubung von Nöten ist, doch man hat festgestellt, dass eine Insektenbestäubung bei Windblütlern und selbstfertilen Pflanzen sich

ertragssteigernd auswirkt, d. h., dass die Früchte deutlich größer ausfallen als durch Selbst- oder Windbestäubung.[1]Unter den für die Bestäubung in Frage kommenden Insekten nimmt die Biene, insbesondere die Honigbiene, eine ausschlaggebende Rolle ein.

Die Gründe hierfür sind, dass im Gegensatz zu den Hummeln, bei denen nur die Königin überwintert, bei den Honigbienen das ganze Volk überwintert, so steht in der Hauptbestäubungszeit Frühling ein ganzes ,,Heer an Arbeitern zur Verfügung. Obwohl die Bestäubungsleistung einer einzelnen Hummel um einiges größer ist als die einer Honigbiene, Honigbienen gleichen dies durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit aus.[2]

Weitere wic htige Gründe sind die Blüten- und Ortsstetigkeit. Bereits Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) erkannte diese beiden Gründe. [3]

1. 2. 1 Blütenstetigkeit

Unter Blütenstetigkeit versteht man, dass eine Honigbiene, die eine Blütenart angeflogen hat, solange auf einer Blüte bleibt bis sie verblüht ist, damit bietet sie keine Nahrung mehr für die Honigbiene.[4]Das heißt die Biene fliegt ausschließlich Kirschblüten an, bis diese verblüht sind und danach widmet sie sich einer anderen Blütenart. Die Bienenforscher sind sich bei der Frage wieso sich die Bienen auf Blütenstetigkeit spezialisiert haben noch sehr uneinig. Die aber am meisten Verbreitete Hypothesen sind:

,,Die Blütenstetigkeit ist durch Limitierungen von Lernen und Gedächtnis bedingt. Während das Langzeitgedächtnis eine große Kapazität für diverse Blütensignale hat, könnte es sein, dass eine Begrenzung des kurzlebigen Arbeitsgedächtnisses Insekten dazu zwingt, sich temporär zu spezialisieren. Eine weitere, jedoch bisher nicht durch Daten belegte Hypothese ist, dass die Blütenstetigkeit eine besonders effiziente Form der Arbeitsteilung in Insektensozietäten mit Kommunikationssystem ist.[5]

1. 2. 2 Ortsstetigkeit

Unter der Ortsstetigkeit versteht man, dass sich die Honigbienen bei ihrer Sammeltätigkeit auf einen begrenzten Raum beschränken, dieser umfasst durchschnittlich nicht mehr als 100 m². Die Größe des Sammelareals ist grundsätzlich von der Ausgiebigkeit und der Attraktivität der beflogenen Pflanzenart abhängig. Die Ortsstetigkeit kann sich positiv wie auch negativ auf die Blütenbestäubung der Honigbiene auswirken. Positiv wirkt sie sich aus, wenn im Sammelareal genügend sich gegenseitig bestäubende Sorten (z. B. Obstbepflanzungen)

stehen, dadurch wird eine intensive Bestäubung erzielt. Negativ auf die Bestäubung wirkt sie sich bei zu einseitiger Bepflanzung aus.[6]

1. 2. 3 Bestäubung

Die Bestäubung ist ein positiver Nebeneffekt der Nahrungssuche der Bienen. Auf der Suche nach Nektar und Blütenstaub werden die Bienen von den Pflanzen durch an den Blüten befindlichen bunte, duftende Saftmale angelockt. In ihrer Buntheit sind sie für den Menschen nicht immer zu erkennen, da die Wellenlänge der Farben im Ultraviolettbereich liegt. Manche Blüten haben derart raffinierte Mechanismen, dass die Biene reichlich mit Pollen bepudert wird, bevor sie an den Nektar gelangt (Abb. 2).

Wenn die Biene versucht an den Nektar zu gelangen wird der Haarpelz der Biene mit Pollen eingestäubt, da die Nektardrüsen tief im Grund der Blüten liegen und die Biene vorher an den Staubblättern und Griffel vorbei muss. Bei dem Besuch einer weiteren Blüte muss sie wieder an den Staubblättern und Griffel vorbei. Der Griffel nimmt Pollen gleicher Art auf. Und als Gegenleistung für die Bestäubung erhält die Biene Nektar.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. 2. 4 Die Bestäubungsleistung der Honigbiene

Die Anzahl der Einzelnlebenden Insekten geht auf Grund der heutigen Umwelteinflüsse immer stärker zurück. Zur Blütenbestäubung braucht man eine höchstmögliche Anzahl von Bienenvölkern. 80 bis 90 % der Bestäubungsarbeit wird durch Bienenvölker geleistet, die

Honigbienen mit ihrer Blüten- und Ortsstetigkeit spielen dabei die größte Rolle.[8]

Der durch die Bestäubungsleistung der Bienen erbrachte materielle Nutzen für die Landwirtschaft beträgt ein Vielfaches des Honigertrages der Imker.[9]In der Bundesrepublik Deutschland liegt der materielle Nutzen für die Landwirtschaft bei 1 Milliarde € (1980). Der Wert des Honigs beträgt hingegen nur 50 Millionen € (1980).10

Ein Bienenvolk mit ca. 30 000 Arbeitsbienen schickt an einem Tag im Mai/Juni 10 000 Flugbienen aus. Dieses Volk schafft, wenn eine Biene durchschnittlich [10] mal pro Tag ausfliegt und mindestens 20 Blüten pro Flug anfliegt, die erstaunliche Summe von zwei Millionen Blüten pro Tag.[11]

1. 3 Biene und Naturschutz

Wie wichtig die Bienen für unsere Flora und Fauna sind erkannt bereits Albert Einstein:

,,Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch 4 Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr... .

Die Bienen nützen nicht nur der Landwirtschaft, denn sie sorgen gemeinsam mit Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen u. v. a. für die Vermehrung und Arterhaltung vieler seltener Pflanzen. Manche Naturschützer stufen die Honigbiene als Nahrungskonkurrent der wildlebenden Insekten ein, dem ist aber nicht so, denn jede Insektenart hat ihre spezifischen

Lebens- und Ernährungsgewohnheiten. Honigbienen befliegen viele Blüten nicht, die aber für Wildbienen sehr wichtig sind (z. B. Holunder, Rainfarn, Hahnenfuß u.v.a).[12]

Ohne Artenreichtum der Flora wäre eine vielfältige Tierwelt gar nicht möglich, denn viele Vögel und Kleinsäuger ernähren sich von den Früchten der Pflanzen und ohne diese Tiere wäre auch nicht die Futtergrundlage für Greifvögel und Kleinräuber gegeben. Außerdem bietet die Flora dem Hoch- und Niederwild eine hervorragende Futtergrundlage.[13]

Ohne diese Tiere und Pflanzen hätte letztendlich der Mensch, der am Ende der Nahrungskette steht, keine Nahrungsgrundlage mehr.

Die hälfte aller höheren Tiere und 1/3 aller höheren Pflanzenarten gelten im Bestand gefährdet, bis zu 10 % von ihnen gelten als ausgerottet. Ein Ausfall oder Rückgang des Bienenbestandes würde diese Entwicklung nur beschleunigen. Denn alle Pflanzen und

Lebewesen profitieren direkt oder indirekt von ihnen.[14]

1. 3. 1 Nutznießer und Mitbewohner im Bienenstock

Für viele Tiere dient die Biene selbst bzw. der Honig als Nahrungsgrundlage. So zum Beispiel ernähren sich Spitzmaus, Blindschleiche, Echse und Vögel von toten, kranken und erschöpften Bienen, die rund um den Bienenstock zu finden sind. Einige Tiere sind sogar auf Bienen angewiesen. Wie zum Beispiel der Bienewolf, eine Grabwespe, die Bienen im Flug erbeutet. Der Bienenwolf lähmt sein Opfer mit einem Stich, die Biene dient dem Nachwuchs als Nahrung. Auch die Hornisse ernährt ihre Brut mit erbeuteten Bienen.

Viele kleinere Wespenarten versuchen meist erfolglos Honig aus dem Bienestock zu stehlen, es gelingt ihnen nur be i schwachen Bienenvölkern. Außerdem findet man an jedem Bienestock Spinnen verschiedenster Arten. Es gibt aber auch Tiere die direkt im Bienenstock leben so zum Beispiel Ameisen, die in den Nischen ihre Brut aufziehen und sich gelegentlich vom Honig ernähren. Auch findet man Bücherskorpione in Bienenstöcken, sie ernähren sich von anderen Mitbewohnern, wie zum Beispiel Wachsmottenlarven, Milben, Speckkäfer,

Bienenläusen u. v. a. .[15]

1. 3. 2 Die Biene als Bioindikator

Die Honigbienen gälten wahrscheinlich als ausgestorben, wenn sie nicht von den Imkern beschützt würden. Denn die Monokulturen unserer Landschaft bieten nur mehr wenig Lebensräume für Tiere, darunter leidet auch die Honigbiene. Und auch Pestizide und Herbiz ide leisten ihren Beitrag zur Zerstörung der Natur. Außerdem findet man auf maschinengerechten Agrarlandschaften kaum Bäume und Hecken.

Missstände beim Umgang mit unserer Landschaft und mit Umweltchemikalien werden meist als erstes durch Imker offengelegt. Denn die Bienen reagieren sehr empfindlich auf naturwidrige Einflüsse. So weist ein Bienensterben meist auf Umweltvergiftungen hin und dies war wiederholt der Anlass, dass solche Umweltvergiftungen durch den Einbau von

Filteranlagen abgestellt bzw. reduziert wurden.[16]

2. Geschichte der Honigbiene

Das Alter der Honigbiene beträgt mindestens 45 Millionen Jahren, das Alter des Homo sapiens beträgt im Vergleich dazu nur 100.000 Jahre. Das Alter der Honigbiene konnte durch wissenschaftliche Untersuchungen und Funde bestimmt werden. Wobei im Eckfelder Maar in der Vulkaneifel die ältesten Funde in versteinerter Form gemacht wurden.[17]Funde von Honigbienen in Bernstein weisen darauf hin, dass die damalige Gestalt nur wenig von der heutigen Gestalt der Honigbiene abweicht.[18]

Der Mensch hat nach historischen Überlieferungen bereits sehr bald den Nutzen der Honigbienen und des Honigs erkannt. Die älteste Dokumentation von Menschen finden wir auf ca. 12.000 Jahren alten Höhlenmalereien in Bicorp bei Valencia in Spanien. Darauf ist eine Frau zu sehen, die von Bienen umschwirrt Waben aus einer Felshöhle holt.[19]

Historische Überlieferungen sind uns auf Papyrusrollen, Lehmtafeln, und durch den Koran und die Bibel erhalten geblieben. So wurde zum Beispiel im Alten Testamen das Heilige Land als ein Land bezeichnet, in dem Milch und Honig fließt. In diesen Dokumenten findet man viele Aufzeichnung, die sich mit der mystischen Deutung der Bienen beschäftigen. Wegen ihres Fleißes, ihrer Tapferkeit, ihrer Jungfräulichkeit und der Aufopferungsgabe für ihr Volk war die Biene Synonym und Abbild alles Guten. Deshalb fand die Biene breite Verehrung, sie wurde zum göttlichen Sinnbild und den Imkern wiederfuhr eine große Anerkennung bei den Mitbürgern. [20] Bienenzucht wurde in vielen Hochkulturen bereits vor unserer Zeitrechnung betrieben. Zum Beispiel nutzten bereits Ägypter die Biene, sie wurden in liegenden

Tonröhren gehalten und mit Schiffen den Nil auf- und abwärts von einer Trachtquelle (Pflanzen die Rohstoffe zur Honigbereitung liefern) zur anderen transportiert.[21]

Der Mensch hat sich auch bereits im antiken Griechenland mit der Bienenzucht beschäftigt. Der Honig war in Griechenland neben dem Wein ein universal Heilmittel. In der griechischen Mythologie findet man, dass die Bezeichnung Melissa (Honig) auf König Melispos von Kreta oder auf dessen Tochter zurückzuführen ist. Es ist aber auch möglich, dass die Bezeichnung aus dem nahöstlichen oder ägyptischen Raum stammt, weil dort bereits eine höher entwickelte

Bienenzucht existierte.[22]Als einer der Ersten beschäftigte sich Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) mit der Erforschung des Bienenvolkes. Er erkannte bereits die Blüten- und Ortsstetigkeit der Honigbienen und räumte mit der Ansicht auf, dass Bienen aus toten Stieren entstehen.[23]

Im Gegensatz zu den Hochkulturen war die Blütezeit der Imkerei in Europa viel später. Während in den Hochkulturen wie Griechenland, Ägypten und China bereits vor unserer Zeitrechnung Bienen gezüchtet wurden, wusste der Europäer hingegen zu dieser Zeit nur wie er an den Honig wildlebender Bienen herankam aber nicht wie er Bienen züchten sollte. Die Blütezeit war im mittleren Europa erst im Mittelalter. Die Imker wurden damals Zeidler genannt. Sie hatten unter den Mitbürgern ein hohes Ansehen und sie genossen besondere Privilegien. So durften sie Waffen tragen, sie hatten eigene Rechte und eine sogar eine eigene Gerichtsbarkeit, das Zeidlergericht. Aus der Zeidlerei entwickelte sich im Laufe der Zeit unsere Imkerei.[24]

3. Systematik und Verbreitung

3. 1 Systematik

Bienen zählt man zum Stamm der Gliedertiere (Arthropoden) und dort zur Klasse der Insekten. In den vielen Ordnungsgruppen der Insekten findet man die Biene unter den Hautflüglern (Hymenoptera), die wie der Name schon sagt häutige Flügel besitzen. . In dieser Ordnungsgruppe mit einer fast unüberschaubaren Anzahl von Arten, findet man die Unterordnung Stechimmen (Aculeata). Zu dieser Unterordnung zählen u. a. Ameisen (Formicoidea), Wespen (Vespoidea) und Bienen (Apoidea). Es ist bemerkenswert, dass sich in dieser Unterordnung die drei wichtigsten Staatenbildenden Insekten gefunden haben.[25]Zuden Bienen (Apoidea) gehören nicht nur, wie weitläufig angenommen, die Honigbienen. Zu dieser Gattung zählt man über 20.000 Arten. Sie findet man nahezu überall auf der Erde, im Norden dringen sie sogar bis weit über den Polarkreis vor.[26]Davon leben alleine bei uns über 500 Arten. , wobei dies überwiegend einzellebende Bienen, sogenannte Solitärbienen sind.[27]

Man teilt die Bienen (Apoidea) in sechs Familien ein:

3. 1. 1 Familie der Ur- und Seidenbienen (Colletidae)

Zu ihnen zählt man etwa 500 Arten, bei uns kommen etwa 40 Arten vor, die viele urtümliche Merkmale bewahrt haben. So ist ihre Zunge kurz und ihre Sammeleinrichtungen sind meist unvollkommen. Diese Bienen findet man auf allen Erdteilen, wobei Australien besonders Viele Arten beheimatet. Eine Eigenart dieser Bienen ist, dass sie ihre Brutzellen, die man im Boden, in hohlen Zweigen oder morschem Holz findet, mit einer rasch erhärtenden, wasserdichten Drüsenabsonderung austapezieren. Pollen sammeln sie, im Gegensatz zu den anderen Bienen, im Kropf.[28]

3. 1. 2 Familie der Sand- oder Erdbienen (Andrenidae)

Zu dieser Bieneart zählt man weltweit mehr als tausend Arten, in Europa sind es etwa 140. Besonderheiten in ihrer Morphologie sind eine dichte Sammelbürste an den Unterschenkel, lange Sammelhaare stehen auch an anderen Beingliedern an der Brust und am Körperende. Die Männchen unterscheiden sich von den Weibchen beträchtlich in Bau und Färbung. Sie besuchen hauptsächlich flache Blüten, wie Rosen oder Doldenblütler, da ihre Saugzunge nicht sehr lang ist. Sie graben ihre Nester in den Boden, daher auch ihr Name Sand- oder Erdbienen.[29]

3. 1. 3 Familie der Furchenbienen (Halictinae)

Wiederum auf allen Erdteilen, findet man die mehrerer tausend Arten zählende Familie der Furchenbienen, davon leben bei uns etwa 130 Arten. Die Sammelbürsten finden sich je nach Gruppen an verschiedenen Teilen der Beine. Die Größe dieser Bienen beträgt meist nur 3 - 11 mm. Sie besuchen eine Vielzahl, zum Teil auch tiefere Blüten. Die Lebensweise dieser Bienen ist nur zum Teil erforscht, doch sie sind für uns von besonderem Interesse, da man in dieser Familie alle Übergange vom Einsiedlerleben bis hin zur Vergesellschaftung angetroffen hat. Der Nestbau ist von Art zu Art unterschiedlich, dies geht von einfachen Bauten, die denen der Sandbienen ähneln, bis hin zu aus Sand und wachsartigen

Drüsenabsonderungen wabenartige Ansammlungen von Zellen, die an Sandpfeilern in einer Erdhöhle aufgehängt sind.[30]

3. 1. 4 Familie der Mellitiden (Melittidae)

Von ihnen gibt es etwa 60 Arten, in Mitteleuropa sind davon etwa 10 Arten beheimatet. Von ihrem Bau her stehen sie am Übergang von den niederen zu den höheren Bienen. Da sie eine lange Zunge besitzen, können sie auch in tiefere Blüten eindringen. Ihre Sammelbürsten an den Hinterbeinen können solche Ausmaße annehmen, dass man die Gattung Dasypoda bei uns als Hosenbiene bezeichnet. Sie graben ihre Nester in den Boden und legen den Pollen nicht auf den Boden, sondern auf 3 Pfeilern.[31]

3. 1. 5 Familie der Mauer-, Mörtel- und Blattschneiderbienen (Megachilidae)

Sie sind Bauchsammler, das heißt, dass sie den Pollen ernten indem sie mit der Haarbürste an der Unterseite ihres Hinterleibes über die Staubgefäße streifen. Die weit verbreitete und artenreiche Familie steht unter den Einsiedlerbienen am höchsten. Die Baumaterialien ihrer Kunstvollen Nestbauten, ist von Gattung zu Gattung unterschiedlich. Einige verwenden noch Erde, andere wiederum verwende alle möglichen Pflanzenstoffe.[32]

3. 1. 6 Familie der Echten Bienen (Apidae)

Zu dieser Familie zählen nicht nur gesellig lebende Arten, sondern auch Einsiedler. Sie besitzen eine lange Zunge, mit der sie bei Lippenblütlern und Schmetterlingsblütlern zum Nektar vordringen können. Der Pollensammelapparat an den Hinterbeinen ist bei ihnen am höchsten ausgebildet. Man unterscheidet drei Unterfamilien:[33]

3. 1. 6. 1 Unterfamilie der Pelzbienenverwandte (Antrophorinae)

Diese dichtbehaarten Bienen sind mit zahlreichen Arten weit verbreitet. Die meisten sind Einsiedlerbienen, einige sind aber auch Schmarotzer. Ihr Nest graben sie meist in großen Kolonien in die Wände von Lehm und Sandgruben.[34]

3. 1. 6. 2 Unterfamilie der Holzbienenverwandte (Xylocopinae)

Diese Unterfamilie neigt zum Gemeinschaftsleben. Dies findet man bei der südafrikanischen und australischen Verwandten der Gattung Allodape.[35]

3. 1. 6. 3 Unterfamilie der Honigbienen Verwandte (Apinae)

In dieser Staatenbildenden Unterfamilie gibt es drei Gattungsgruppen:

3. 1. 6. 3. 1. Hummeln (Bombini)

Die etwa 200 Arten, davon etwa 30 in Europa, findet man in gemäßigten und nördlichen Gegenden, im Süden vor allem in Berglagen. Charakteristisch ist ihr dichtes und oft buntes Haarkleid, sowie ihr langer Rüssel und ihr kräftiger Körperbau. Ihre Nester bauen sie meist in Erdhöhlen. Manche Pflanzen sind auf die Bestäubung durch Hummeln angewiesen, wie zum Beispiel der Rotklee[36].

3. 1. 6. 3. 2 Stachellosen Bienen (Meliponi)

Diese Bienengattung findet man in den tropischen Gebieten Südamerikas. Sie leben in Völkern, wobei diese Kolonien viel kleiner sind als die unserer Honigbiene. Ihre Nester bauen sie nicht aus reinem Wachs, sondern aus einem Wachs - Lehm Gemisch. Viele Menschen glauben, dass alle Bienen stechen, dem ist aber nicht so. Bei dieser Bienengattung hat sich der Stechapparat zurückgebildet, sie sind deshalb aber nicht wehrunfähig, sie haben sehr gut ausgebildete Mundwerkzeuge, deren Biss sehr schmerzhaft ist.[37]

3. 1. 6. 3. 2 Eigentlichen Honigbienen (Apini)

Die ursprüngliche Heimat dieser Gattung war die Tropen Südostasiens. Man unterscheidet vier Gattungen.[38] Das sind die Riesenhonigbienen (Apis dorsata), die Zwerghonigbiene (Apis florea), die Indische Honigbiene (Apis cerana) und unsere Honigbiene (Apis mellifera). Sie wurde aber vom Menschen auf der ganzen Welt verbreitet. Die anderen 3 Gattungen sind in Asien verbreitet worden.[39]

3. 2 Die wirtschaftlich bedeutsamsten Rassen der Honigbiene in Europa

3. 2. 1 Apis mellifera ligustica (Italiener Biene)

Sie ist die ,,Wirtschaftsbiene schlechthin. Ursprünglich in Italien beheimatet wird sie heute in allen bedeutsamen Honigerzeugerländer eingesetzt.[40]Der Grund ist, dass die braun bis gelbgefärbte Biene außerordentlich Anpassungsfähig ist und man sie somit in fast allen Regionen der Erde einsetzen kann. [41]

3. 2. 2 Apis mellifera carnica (Krainer Biene)

Ihre Ursprungsregion ist Krain / Österreich / Slowenien. Sie ist eine sehr fleißige und eine der sanftmütigsten Rassen überhaupt. Sie war sehr Schwarmlustig, doch man hat versucht dies so gut wie möglich wegzuzüchten. Trotzdem ist sie noch immer die schwarmlustigste Biene von allen.

Der größte Vorteil dieser Bienenrasse ist ihr ökonomisches Vorratshalten. Diese Rasse brütet nicht wie andere Bienenrassen bei einem Trachtrückgang oder Ausfall weiter, sie setzt die Eiablage vorübergehend aus um nicht zu verhungern. Dies ist vor allem in Gegenden wie dem mitteleuropäischen Raum von nützen, in dem bei unsicherem Witterungsverlauf mittelgute bis mäßige Trachten vorhanden sind. Daher nimmt diese Biene im deutschen, österreichischen,

schweizerischen und südtirolerischen Raum eine Vormachtstellung ein.[42]

3. 2. 3 Apis mellifera caucasica (Kaukasische Biene)

Sie ist der Krainer Biene sehr ähnlich. Die gräuliche Biene ist sehr fleißig und sanftmütig und besitzt den längsten Rüssel der aller Honigbienenrassen. Daher ist sie besonders für den Rotkleeeinsatz geeignet.[43]Sie ist bekannt für die unmäßige Verwendung von Kittharz

(Propolis), dies ist für einen herkömmlichen Imker nicht von Vorteil, aber für einen Imker der sich auf die Propolisgewinnung spezialisiert hat.

3. 2. 4 Apis mellifera mellifera (Nordbiene)

Wie ihr Name schon sagt war sie im Norden Europas verbreitet. Da die Trachtquellen in den nördlichen Ländern erst später gedeihen ist sie eine Spättrachtbiene. Eine Nutzung früher Trachten, wie zum Beispiel Obstblüten, ist mit dieser Biene kaum möglich. Da sie sehr oft mit anderen Rassen gekreuzt wurde macht sie oft ihre Aggressivität schmerzhaft deutlich.[44]

[...]


[1] vgl. SPÜRGIN, Armin: Die Honigbiene: Vom Bienenstaat zur Imkerei. S. 18

[2] vgl. LAMPEITL, Franz: Bienen halten: Eine Einführung in die Imkerei. S. 12

[3] vgl. SPÜRGIN, Armin: Die Honigbiene: Vom Bienenstaat zur Imkerei. S. 18

[4] vgl. LAMPEITL, Franz: Bienen halten: Eine Einführung in die Imkerei. S. 12

[5] aus CHITTKA, Lars: Die Blütenstetigkeit der Bienen im Kontext von Gedächtnisdynamik und sozialen Sammelstrategien http://ki.informatik.uni-wuerzburg.de/~vki/SFB-B5.html http://ki.informatik.uni-wuerzburg.de/~vki/SFB-B5.html

[6] vgl. LAMPEITL, Franz: Bienen halten: Eine Einführung in die Imkerei. S. 13

[7] vgl. SPÜRGIN, Armin: Die Honigbiene: Vom Bienenstaat zur Imkerei. S. 18 f.

[8] vgl. LAMPEITL, Franz: Bienen halten: Eine Einführung in die Imkerei. S. 13

[9] vgl. Mellifera e. V. http://www.mellifera.de/wesen7.htm http://www.mellifera.de/wesen7.htm

[10] vgl. LAMPEITL, Franz: Bienen halten: Eine Einführung in die Imkerei. S. 13

[11] vgl. LAMPEITL Franz: Bienen halten: Eine Einführung in die Imkerei. S. 14

[12] vgl. SPÜRGIN, Armin: Die Honigbiene: Vom Bienenstaat zur Imkerei. S. 24

[13] vgl. SPÜRGIN, Armin: Die Honigbiene: Vom Bienenstaat zur Imkerei. S. 25

[14] vgl. SPÜRGIN; Armin: Die Honigbiene: Vom Bienenstaat zur Imkerei: S. 28

[15] vgl. SPÜRGIN; Armin: Die Honigbiene: Vom Bienenstaat zur Imkerei: S. 28

[16] vgl. SPÜRGIN, Armin: Die Honigbiene: Vom Bienenstaat zur Imkerei S. 29

[17] vgl. NOWOTTNICK, Klaus: Faszination Bienen S. 15

[18] vgl. LAMPEITL, Franz: Bienen halten: Eine Einführung in die Imkerei S. 66

[19] vgl. LAMPEITL, Franz: Bienen halten: Eine Einführung in die Imkerei S. 66

[20] vgl. NOWOTTNICK, Klaus: Faszination Bienen S. 15

[21] vgl. NOWOTTNICK, Klaus: Faszination Bienen S. 16

[22]vgl. NOWOTTNICK, Klaus: Faszination Bienen S. 16

[23] vgl. LAMPEITL, Franz: Bienen halten: Eine Einführung in die Imkerei S. 66

[24] vgl. LAMPEITL, Franz: Bienen halten: Eine Einführung in die Imkerei S. 66

[25] vgl. SPÜRGIN, Armin: Die Honigbiene: Vom Bienenstaat zur Imkerei. S. 30

[26] vgl. GREZIMEKS Tierleben: Enzyklopädie des Tierreichs S. 509

[27] vgl. SPÜRGIN, Armin: Die Honigbiene: Vom Bienenstaat zur Imkerei. S. 30

[28] vgl. GREZIMEKS Tierleben: Enzyklopädie des Tierreichs S. 509

[29] vgl. GREZIMEKS Tierleben: Enzyklopädie des Tierreichs S. 509

[30] vgl. GREZIMEKS Tierleben: Enzyklopädie des Tierreichs S. 509 - 515

[31] vgl. GREZIMEKS Tierleben: Enzyklopädie des Tierreichs S. 515

[32] vgl. GREZIMEKS Tierleben: Enzyklopädie des Tierreichs S. 515 f.

[33] vgl. GREZIMEKS Tierleben: Enzyklopädie des Tierreichs S. 517

[34] vgl. GREZIMEKS Tierleben: Enzyklopädie des Tierreichs S. 517

[35] vgl. GREZIMEKS Tierleben: Enzyklopädie des Tierreichs S. 517

[36] vgl. GREZIMEKS Tierleben: Enzyklopädie des Tierreichs S. 519

[37] vgl. NOWOTTNICK, Klaus: Faszination Bienen S. 25

[38] vgl. GREZIMEKS Tierleben: Enzyklopädie des Tierreichs S. 521

[39] vgl. NOWOTTNICK, Klaus: Faszination Bienen S. 33

[40] vgl. NOWOTTNICK, Klaus: Faszination Bienen S. 26

[41] vgl. SPÜRGIN, Armin: Die Honigbiene:Vom Bienenstaat zur Imkerei. S. 34

[42] vgl. NOWOTTNICK, Klaus: Faszination Bienen S. 27

[43] vgl. NOWOTTNICK, Klaus: Faszination Bienen S. 28

[44] vgl. NOWOTTNICK, Klaus: Faszination Bienen S. 28

Details

Seiten
41
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783640049011
Dateigröße
736 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v106622
Note
1
Schlagworte
Honigbienen

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Titel: Die Geschichte der Honigbiene. Über Anatomie, Systematik und Lebensweise des Bienenvolkes