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Der Globale Pakt

Seminararbeit 2002 13 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Was ist der Globale Pakt?
2.1 Hintergründe
2.2 Das Konzept
2.3 Anspruch an die Teilnehmner
- Alle Teilnehmer des Golbal Compact sollen Fürsprecher der Initiative werden
- Alle Teilnehmer sollen über konkrete Maßnahmen berichten. · Alle Teilnehmer sollen an Partnerschaften teilnehmen
- Die Organisationen der Arbeitnehmerseite und der Zivilgesellschaft sollen zu einer verstärkten sozialen Verankerung beitragen
- Achtung und gegenseitiger Nutzen
2.4. Gesteckte Ziele
- Bis zum Jahr 2002 sollen sich 100 multinationale Großunternehmen und 1000 weitere Unternehmen aus allen Regionen der Erde den Prinzipien und Anforderungen des Global Compact verpflichtet haben
- Das Einrichten einer Lerndatenbank
- Das Führen von Sachgesprächen
- Die Durchführung von Partnerschaftsprojekten

3. Kritische Stimmen

4. Schlußbemerkung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges hat man die Notwendigkeit einer supranationalen politischen Organisation erkannt, um die Sicherung des friedlichen Zusammenlebens von Staaten zu unterstützen. Damals gründete sich die erste Staatenvereinigung unter dem Namen Völkerbund. Der Völkerbund scheiterte allerdings am Ausbruch eines zweiten Weltkrieges, und wurde daraufhin aufgelöst. Diese Lücke wurde 1945 mit der Gründung der Vereinten Nationen - United Nations Organisation (UNO) - geschlossen.

Inzwischen ist diese Organisation zu einem internationalen Machtträger mit verschiedensten Unterorganisationen, die sich jeweils auf bestimme Themen und Probleme spezialisieren, herangewachsen. ,,Von damals 51 Gründerstaaten ist sie auf 189 Staaten angewachsen (Stand: September 2000), und von einer Organisation, die in erster Linie den Krieg [...] als Mittel der Politik ächten sollte, ist sie zu einem globalen Forum geworden, in dem alle grundlegenden Weltprobleme diskutiert und zum Teil einer Lösung näher gebracht werden."1

Die alltägliche Aufgabe der Vereinten Nationen und ihrer Mitarbeiter ist es Mittel und Wege zu finden dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen. Es bedarf daher immer neuer und kreativer Ansätze, um wirkliche Problemlösunge n in der Praxis umzusetzen. Einer dieser Ansätze soll Thema dieser Hausarbeit sein: Der Global Compact - der globale Pakt. Im Folgenden sollen die Grundzüge und Leitlinien des Global Compacts dargestellt werden. Weiterhin werde ich anhand der mir zur Verfügung stehenden Materialen beurteilen, inwieweit die Umsetzung der Richtlinien des Global Compact bis heute erfolgt ist.

Besonders interessant wäre es zu überprüfen wie konkrete Maßnahmen in den am Global Compact teilnehmenden Unternehmen durchgeführt werden. Dies würde allerdings den Umfang dieser Hausarbeit sprengen. Am Ende dieser Arbeit werde ich einige kritische Stimmen zu der Initiative Global Compact erläutern.

2. Was ist der Globale Pakt?

2.1 Hintergründe

Die Schaffung eines Global Compacts - eines globalen Paktes - zwischen der Wirtschaft und den Vereinten Nationen wurde am 31. Januar 1999 erstmals von UN-Generalsekretär Kofi Annan in einer Rede anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgeschlagen. Ausgehend von dem Prozess der Globalisierung, der immer mehr Einfluß auf nationale Märkte nimmt, sieht Kofi Annan im Abschluss eines Global Compacts die Möglichkeit das Mißtrauen gegenüber globalen Märkten und global vertretenen Unternehmen abzubauen, und gleichzeitig positiv auf deren unternehmerische Strategien und unternehmerisches Handeln einzuwirken.

Denn in den letzten Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass ,,die Wirtschaft immer mehr als eine Macht angesehen wurde, die die sozialen und ökologischen Bedingnungen der Gesellschaft beeinflusst"2, so dass die Frage nach der sozialen Verantwortung von Unternehmen angesichts dieser Entwicklung immer stärker öffentlich diskutiert wird.

Eine Ausweitung der Märkte auf eine globale Ebene bedarf einer gemeinsamen Wertordnung der teilnehmenden Akteure, ohne welche die freien Märkte zusammenbrechen würden. Um dieser, sich im Augenblick entwickelnden Wertordung ein humanitäres Gesicht zu geben, haben die Vereinten Nationen schon in ihrer Charta und in ihren Ergebnisdokumenten international gebilligter UN-Konferenzen Wertvorstellungen eines globalen Marktes festgelegt3.

Aus diesem Grund wurden unter anderem internationale Organisationen eingeschaltet, um ihre Wertvorstellungen in die inhaltliche Ausarbeitung eines Global Compact miteinzubringen. Zu nennen sind Organisationen wie die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und das Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte. Vertreter von Unternehmen und Organisationen der Zivilgesellschaft beteiligten sich zudem an der Vorbereitung des Global Compacts. So konnte am 26. Juli 2000, begleitet von einer hochrangig besetzten Veranstaltung bei den Vereinten Nationen in New York, die operative Phase des Global Compact eingeleitet werden4.

2.2 Das Konzept

Ergebnis der vorbereitenden Arbeiten sind folgende neun Prinzipien, die die Bereiche Menschenrechte, Arbeitsnormen und Umweltschutz betreffen:

Neun Gebote5

Der vom Generalsekretär vorgeschlagene Globale Pakt mit der Wirtschaft umfasst neun Grundsätze, die auf der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, der (ihrerseits auf den Kopenhagener Weltsozialgipfel von 1995 zurückgehenden) Erklärung der ILO über grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit von 1998 und der Erklärung von Rio über Umwelt und Entwicklung von 1992 beruhen:

Menschenrechte:

1. Die Wirtschaft sollte den Schutz der international verkündeten Menschenrechte in ihrem Einflußbereich achten und unterstützen sowie

2. sicherstellen, daß sich Unternehmen nicht zu Komplizen von Menschenrechtsverletzungen machen.

Arbeitsbeziehungen:

3. Die Wirtschaft sollte die Vereinigungs- und Tariffreiheit wahren.

4. Beseitigung aller Art von Zwangsarbeit.

5. Tatsächliche Abschaffung von Kinderarbeit.

6. Beseitigung der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf.

Umwelt:

7. Die Wirtschaft sollte umsichtig mit allen ökologischen Herausforderungen umgehen,

8. vermehrt Initiativen zum verantwortlichen Umgang mit der Umwelt ergreifen und

9. die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien ermutigen.

Das offizielle Informationspapier zu den Grundsätzen des Global Compact enthält weiterhin Aussagen, die im Folgenden sinngemäß dargestellt werden.6

Der Global Compact versteht sich nicht als Verhaltenskodex oder ordnungspolitisches Instrument, sondern als Wertorientierung für international operierende Unternehmen. Seine Macht stützt sich nicht auf eine Kontrollinstanz, sondern auf seine Tranzparenz und die Notwendigkeit, getroffene Maßnahmen publik zu machen, um die Unternehmen auf freiwilliger Basis dazu zu bewegen ,,Good Practices", das heisst bewährte Verhaltensweisen anzunehmen und auszubauen. Für die Wirtschaft wird es im Zuge einer sich immer stärker manifestierenden Globlisierung immer sinnvoller, die Prinzipien des Global Compact in ihre unternehmerischen Strategien aufzunehmen, um ihrer Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt Ausdruck zu verleihen. Die Idee des ,,Corporate Citizenship" wird nach den Worten von Kofi Annan auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Selbstverständnis der Unternehmen sein.

Der Global Compact ermöglicht somit den Unternehmen eine Führungsrolle bei der Gestaltung der Globalisierung zu übernehmen. Andere Initiativen, die schon in der Vergangenheit von den Unternehmen aufgenommen wurden, sollen daher nicht vom Global Compact ersetzt, sondern bestenfalls ergänzt werden. So ist bei der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main zu erfahren, dass sich das Unternehmen schon vor der Unterzeichnung des Global Compacts mit den Prinzipien des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen (UNEP) auseinandergesetzt und diese angewandt hat.7

Der Global Compact will sich nicht auf die Unternehmen beschränken, sondern bezieht alle maßgeblichen gesellschaftlichen Akteure wie Regierungen, Arbeitnehmer und zivilgesellschaftliche Organisationen in die Umsetzung der Prinzipien mit ein.

2.3 Anspruch an die Teilnehmner

Um dem Global Compact ein öffentliches Gesicht zu geben, müssen seine Teilnehmer nicht nur den neun oben genannten Prinzipien zustimmen, sondern auch eine Reihe konkreter Maßnahmen zur Operationalisierung des Global Compacts leisten.

Diese sollen im Folgenden erläutert werden:

- Alle Teilnehmer des Golbal Compact sollen Fürsprecher der Initiative werden.

Es wird von allen Teilnehmern erwartet, dass sie sich sowohl in der Öffentlichkeit als auch in ihrer internen Unternehmenskommunikation als Fürsprecher des Global Compacts präsentieren. Entsprechende Hinweise und Informationen auf der Unternehmens-Homepage dürfen da nicht fehlen. Vor allem bei den deutschen Unternehmen Deutsche Bank und Bayer erhält man schnell und problemlos Publikationen zu diesem Thema.8

- Alle Teilnehmer sollen über konkrete Maßnahmen berichten.

Mindestens einmal pro Jahr sollen Berichte der Unternehmen über konkrete Maßnahmen und Initiativen auf der offiziellen Homepage des Global Compact (www.unglobalcompact.org) veröffentlicht werden. Diese Publikationen sollen Beleg dafür sein, wie die neun Prinzipien des Global Compacts in die Praxis umgesetzt werden können, gleichzeitig aber auch darüber informieren was sich bei der Umsetzung als vorteilhaft erwiesen hat und was nicht. Es ist geplant aus diesen Berichten einen Online-Dialog wachsen zu lassen, der in seiner Gesamtheit einen Eindruck vermitteln soll was unter ,,Good Practices" zu verstehen ist. Ein nächster Schritt in der Zukunft soll eine Lerndatenbank sein, die sich aus den Pulikationen der Unternehmen und den Fallstudien zusammensetzt, die das Global Compact Office in Auftrag gegeben hat. Damit will man eine Informationsquelle erstelle n, die nicht nur den Teilnehmern des Global Compact, sondern auch den Medien, der Wissenschaft und allen Interessierten zur Verfügung steht.

Obwohl die Lerndatenbank noch in ihrer Erprobungsphase steckt, wurden die genannten Ziele schon weitgehend umgesetzt. Auf der offiziellen Homepage des Global Compact findet man 44 Unternehmen und deren Projekte, die die Basis für eine umfassende Lerndatenbank darstellen. Die Daimler Chrysler AG ist hier beispielsweise mit einem Projekt namens ,,HIV/AIDS Workplace-Initiative of DaimlerChrysler South-Africa" vertreten.9 Zudem wurde eine Anzahl von Fallstudien in Auftrag gegeben. In Zukunft ist geplant die Lerndatenbank noch ausdifferenzierter und nach Ländern gegliedert darzustellen.10

- Alle Teilnehmer sollen an Partnerschaften teilnehmen.

Das Konzept des Global Compact sieht zwei Arten von Partnerschaften vor, die den Unternehmen zur Teilnahme offenstehen:

1. In regelmäßigen Abständen werden Gesprächsrunden zu spezifischen Themen abgehalten. Diese sollen eine Dialogplattform für die Organisatoren des Global Compact, die Unternehmen, Arbeitnehmerorganisationen und zivilgesellschaftliche Organisationen darstellen.

Seit März 2001 existiert eine Gesprächsplattform über die Rolle der Unternehmen in Konfliktgebieten. Diese wurde im September 2001 und im März 2002 fortgeführt.11 Bei einem Blick auf die Liste der über 120 Teilnehmer fällt allerdings die geringe Anzahl von Unternehmensvertretern auf.12 Vielmehr haben Non-Governmental-Organisations (NGO) wie Roots of Peace ihre Vertreter zu dieser Gesprächsrunde gesandt.

2. Außerhab der vorgestellten Gesprächsrunden haben die Organisatoren des Global Compcat die Unternehmen dazu aufgerufen, sich mit den übergeordneten Fragen ihrer sozialen Verantwortung zu befassen. Es sollen die wesentlichen Ziele der Vereinten Nationen, etwa die Bekämpfung der Armut, bearbeitet werden. Das heisst für die Unternehmen, dass sie sich vor allem in den Entwicklungsländern über ihren unternehmerischen Horizont hinaus, für den Staat, in dem sie sich niedergelassen haben, seine Menschen und seine gesellschaftliche Entwicklung, engagieren. Die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen oder den Vereinten Nationen vor Ort ist bei diesen Projekten erwünscht.

- Die Organisationen der Arbeitnehmerseite und der Zivilgesellschaft sollen zu einer verstärkten sozialen Verankerung beitragen.

Um die Ziele des Global Compact verwirklichen zu können, bedarf es nicht nur der Beteiligung der Unternehmen, sondern auch der Arbeitnehmervertretungen und NGO. Die Mitarbeit von Vertretern aus möglichst vielen gesellschaftlichen Interessensschichten erscheint besonders wichtig, da ohne sie eine langfristige Festigung der innerhalb des Global Compact erreichten Ziele in Staat und Gesellschaft nicht möglich ist. Große Bedeutung werden auch den NGO zugeschrieben, die durch ihr Expertenwissen einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg der Lerndatenbank leisten können.

- Achtung und gegenseitiger Nutzen stellen einen Grundwert in der Zusammenarbeit des Global Compacts dar.

Die gegenseitige Achtung und die Bereitschaft zum Dialog ist die wichtigste Grundvoraussetzung für alle Teilnehmer. Nur wer sich nicht aus reinem Eigeninteresse sondern aus seiner sozialen Verantwortung heraus an der Unternehmung Global Compact beteiligt, kann einen Teil zu dessen Erfolg beitragen.

2.4 Gesteckte Ziele

- Bis zum Jahr 2002 sollen sich 100 multinationale Großunternehmen und 1000 weitere Unternehmen aus allen Regionen der Erde den Prinzipien und Anforderungen des Global Compact verpflichtet haben.

Im Augenblick befinden sich auf der offiziellen Homepage des Global Compact über 70 Unternehmen, die die Voraussetzungen für die Teilnahme erfüllt haben. Unternehmen, die ihre Bereitschaft an der Teilnahme erst zu Beginn des Jahres 2002 bekündet haben, werden in naher Zukunft auf diesen Seiten erscheinen. Weiterhin findet man dort eine Reihe von teilnehmenden Verbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen.13 Folgende deutsche Unternehmen sind bereits Teilnehmer des Global Compact:

- ABB Management Support GmbH
- BASF AG
- Bayer AG
- BMW AG
- DaimlerChrysler
- Deutsche Bank AG
- Deutsche Telekom AG
- Gerling Sustainable Development GmbH ·
- SAP AG14

Hier zeigt sich, dass sich der Global Compact zumindest in seiner Anfangsphase für alle beteiligten Akteure sehr interessant darstellt. Eine gute Basis also, um die verfolgten Ziele zu erreichen und ein internationales Netzwerk auf allen gesellschaftlichen Ebenen einzurichten. Zu diesem Netzwerk veröffentlicht der Global Compact ein Schema15, das sehr anschaulich verdeutlicht, wie dynamisch und effektiv die Arbeit innerhalb des Global Compacts laufen soll:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Das Einrichten einer Lerndatenbank.

Wie schon angesprochen ist ein sehr wesentlicher Bestandteil des Global Compacts das Einrichten einer Lerndatenbank, die auch außerhalb der teilnehmenden Akteure online verfügbar sein soll. Man kann auf der Homepage des Global Compacs ca. 45 verschiedene Beispiele abrufen. In diesen Texten wird die Einhaltung von einem oder mehreren der neun Prinzipien von einem bestimmten Unternehmen beschrieben.

Es ist zudem möglich Kommentare zu den Texten abzugeben. Allerdings sind keine Kommentare von anderen Besuchern der Homepage zu lesen.16

Fallstudien sind der zweite Bestandteil der Lerndatenbank. Die Fallstudien werden in der Regel vom Büro des Global Compact in Auftrag gegeben. Dies ist nicht zwingend erforderlich. So fordern die Mitarbeiter des Global Compact Office die beteiligten Unternehmen auf eigene Fallstudien in Auftrag zu geben, die dann wiederum der Lernbank des Global Compact als Erweiterung zur Verfügung stehen.17

- Das Führen von Sachgesprächen

Zu den Zielen des Global Compact gehört es, einmal pro Jahr einen Dialog zu einem wichtigen Thema abzuhalten, um aus diesem Dialog gewisse Handlungsleitlinien als Ergebnis zu erhalten. Neben der bereits erwähnten Gesprächsrunde über die Rolle der Unternehmen in Konfliktgebieten wurde im Februar 2002 eine neue Gesprächsrunde eröffnet.18 Diese trägt die Überschrift ,,Sustainability" und beschäftigt sich demnach mit ,,ein[em] entwicklungspolitische[n] Konzept, das sozial- und umweltverträgliche Produktions- und Konsummuster sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den Industriestaaten fordert"19.

- Die Durchführung von Partnerschaftsprojekten.

Ziel ist es jedes Jahr eine größere Anzahl konkreter Partnerschaftsprojekte zu starten. Nicht nur die Unternehmen sind aufgerufen die Initiative zu ergreifen, sondern auch alle anderen Teilnehmer des Global Compacts. Die Firmen und Organisationen werden außerdem dazu angeregt innerhalb bestimmter Projekte zusammenzuarbeiten, da man sich so einen höheren Erfolg verspricht. Im Augenblick findet man 13 Projekte von verschiedenen Unternehmen und Organisationen auf der Homepage des Global Compacts.

Die Einladung zur Zusammenarbeit scheint von den Akteuren eine positive Resonanz hervorgerufen zu haben. So kann man zum Beispiel lesen, dass Aventis bei der Bekämpfung von tödlichen Krankheiten in Afrika mit der World Health Organisation (WHO) zusammenarbeitet.20 Große Telekommunikationsunternehmen haben sich auf internationaler Ebene zu einer Organisation mit dem Namen Global e-Sustainability Initiative (GeSI, http://www.gesi.org) zusammengeschlossen, die inhaltlich dieselben Ziele wie der Global Compact verfolgt. Leider konnte dies nicht unter der Regie und Mitwirkung der Global Compact Initiative geschehen, da sich die teilnehmenden US-amerikanischen Unternehmen dem widersetzten.21

3. Kritische Stimmen

Seit Beginn der operativen Phase des Global Compacts sind fast zwei Jahre vergangen. Diese Zeit erlaubt eine erste Reflektion des bisher Erreichten. So kann man in der Literatur unter anderem kritische Stimmen zu den Erfolgsaussichten des Global Compact finden.

Prof. Dr. Peter Mayer von der Fachhochschule Osnabrück kritisiert vor allem die fehlende Rechtsverbindlichkeit der neun Prinzipien des Global Compact. Insgesamt ist man sich darüber unschlüssig, ob eine freiwillige Vereinbarung, wie es der Global Compact ist, den erwünschten Erfolg herbeiführt.

Es gibt Stimmen, die davon ausgehen, dass ,,[n]ur dort, wo klare Regelungen definiert werden, deren Einhaltung mit Sanktionen verknüpft ist, ist im Rahmen des hohen Konkurrenzdrucks zu erwarten, dass Akteure sich an die Regelungen halten".22

Auch der Journalist Andreas Zumach sieht hier einen gravierenden Schwachpunkt im Konzept des Global Compact. Er schreibt: ,,Doch eine verbindliche Überprüfung der Vertragserfüllung durch die Unternehmen ist nicht vorgesehen. Ganz zu schweigen von Durchsetzungsmaßnahmen oder Sanktionen bei Vertragsverletzung"23, und festigt seine Argumentation mit der Erklärung des ehemaligen Amnesty Internationa-Generalsekretär Pierre Sané, der, obwohl seine Organisation dem Global Compact beigetreten ist, den Pakt wegen des Fehlens formaler Regeln für unglaubwürdig hält.

Kritik übt Zumach zudem an der Motivation der freien Wirtschaft sich dem Global Compact anzuschließen. Die Unternehmen würden nicht wie von Kofi Annan und den Vereinten Nationen erwünscht aus der Idee des ,,Corporate Citizenship" heraus eine Teilnahme am Global Compact anstreben, sondern aufgrund einfacher egoistischer Überlegungen, die darauf abzielen den Einflußbereich der Wirtschaft zu vergrößern. ,,Die Unternehmen sehen ausweislich zahlreicher offizieller Erklärungen von Konzernvertretern im Globalen Pakt die Möglichkeit zu einer verstärkten Einflußnahme auf die Politik des UN-Systems in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt und Soziales - und damit die Chance, ihnen unliebsame Regelungen und Normen zu verhindern und privatwirtschaftliche Lösungsansätze für globale Probleme zu propagieren."24

Zumach spricht hier von der großen Gefahr der Unterwanderung der Gründsätze und Leitlinien der Vereinten Nationen durch wirtschaftliche Zwänge. Verdeutlichen kann dies ein Zitat der UNICEF-Exekutivdirektorin Carol Bellamy, die im April 1999 in einer Rede an der Universität Harvard erklärte: ,,Es ist gefährlich anzunehmen, daß die Ziele des privaten Sektors in irgendeiner Weise synonym sind mit denen der Vereinten Nationen, denn sie sind es auf gar keinen Fall."25

4. Schlußbemerkung

An diesen Aussagen wird ersichtlich, dass die Art der Umsetzung des Global Compact in Fachkreisen kontrovers diskutiert wird, und dass der Erfolg des Global Compact mit dem aufrichtigen Verfolgen dieser Ziele durch die Unternehmen steht und fällt.

Meiner Meinung nach gibt es einen grundlegenden und in seinen Grundzügen nicht zu lösenden Konflikt zwischen den idealistischen Zielen der Vereinten Nationen und den Interessen der privaten Wirtschaft. Insofern darf man nicht davon ausgehen, dass dieser Konflikt mit einem einfachen Konzept innerhalb kürzester Zeit aus der Welt zu schaffen sei. Aber es gibt die Chance durch eine Vielzahl von Initiativen an die private Wirtschaft zu appelieren. Denn auch den Unternehmen ist mittlerweile klargeworden, dass man über Ressourcen, seien es nun menschliche oder Umweltressourcen nicht einfach verfügen darf, ohne an deren Erhaltung und Erneuerung zu arbeiten. Um es mit Kofi Annans Worten zu sagen: ,,Thriving markets and human security go hand in hand; without one, we will not have the other."26

Deshalb bin ich der Meinung, dass durch die Vielzahl der angebotenen Initiativen und deren öffentliche Verbreitung ein Anstoß in die richtige Richtung gegeben wird.

5. Literaturverzeichnis

- Krell, Georg: Weltorganisation und Wirtschaftswelt. Globaler Pakt für das nächste Jahrhundert. In: Vereinte Nationen. Zeitschrift für die Vereinten Nationen und ihre Sonderorganisationen. Nr. 5/1999.
- Mayer, Peter: Der Global Compact im Verhältnis zu anderen zwischenstaatlichen Initiativen. Manuskript für einen Vortrag für die Fachtagung ,,Global Compact = Globales Wirtschaften + Globale Verantwortung" des DGB und amnesty international am 14. März 2002. Download möglich unter: http://www.wi.fh- osnabrueck.de/~mayer/vita.htm
- Varwick, Johannes: Vereinte Nationen. In: Woyke Wichard (Hrsg.): Handwörterbuch Internationale Politik. 8. Auflage. Opladen 2000.
- Zumach, Andreas: Der >strategische Handel< des Generalsekretärs. Ernüchternde Erfahrungen mit dem Globalen Pakt von Davos. In: Vereinte Nationen. Zeitschrift für die Vereinten Nationen und ihre Sonderorganisationen. Nr. 1/2002.

Internetquellen sortiert nach Wichtigkeit für das Thema:

_ http://www.unglobalcompact.org

_ http://www.uno.de

_ http://www.un.org

_ http://www.icc-deutschland.de

_ http://www.iccwbo.org

_ http://group.deutsche-bank.de

_ http://www.bayer.de

_ http://www.sd.bayer.de

_ http://www.wissen.de

_ http://www.wi.fh-osnabrueck.de

[...]


1 Varwick, Johannes: Vereinte Nationen. In: Woyke Wichard (Hrsg.): Handwörterbuch Internationale Politik. 8. Auflage. Opladen 2000. S. 496.

2 Krell, Georg: Weltorganisation und Wirtschaftswelt. Globaler Pakt für das nächste Jahrhundert. In: Vereinte Nationen. Zeitschrift für die Vereinten Nationen und ihre Sonderorganisationen. Nr. 5/1999. S. 166. Künftig zitiert: VN 5/1999.

3 Vgl. http://www.uno.de/wiso/globalcompact/leaflet.htm 29.05.2002 13:21

4 Vgl. http://www.uno.de/sg/millennium/unicmg8.htm 28.05.2002 13:40

5 VN 5/1999 S. 166.

6 Vgl. http://www.unglobalcompact.org/un/gc/ unweb.nsf/content/brochures.htm 02.05.2002 12:08

7 Telefongespräch mit Frau Klump-Bickert, Mitarbeiterin der PR-Abteilung der Deutschen Bank am 10. Mai 2002. Vgl. hierzu auch http://group.deutsche-bank.de/pa/deu/594 29.05.2002 12:43

8 Vgl. http://group.deutsche-bank.de/pa/deu/pa_environment/ pa_envpartner/595 30.05.2002 16:00 http://www.bayer.de/de/unternehmen/global_compact/index.html 30.05.2002 16:00 http://www.sd.bayer.de/index_de.html 30.05.2002 16:00

9 Vgl. http://www.unglobalcompact.org/un/gc/ unweb.nsf/content/DaimlerChrysler.htm 30.05.2002 16:00

10 Vgl. http://www.unglobalcompact.org/un/gc/ unweb.nsf/content/policynote.htm 30.05.2002 16:00

11 Vgl. http://www.unglobalcompact.org/un/gc/ unweb.nsf/content/zones_conflict.htm 30.05.2002 16:13

12 Vgl. http://www.unglobalcompact.org/un/gc/ unweb.nsf/content/dialoguenetwork.htm 30.05.2002 16:10

13 Vgl. http://www.unglobalcompact.org/un/gc/ unweb.nsf/content/actors.htm 30.05.2002 17:46

14 Vgl. http://www.icc-deutschland.de/icc/frame/gc_du.htm 30.05.2002 17:25

15 Quelle: http://www.unglobalcompact.org/un/gc/ unweb.nsf/content/diagram. htm 30.05.2002 17:20

16 Vgl. http://www.unglobalcompact.org/un/ gc/gcexamples.nsf/vw_ExamplesByCompany 30.05.2002 18:25

17 Vgl. http://www.unglobalcompact.org/un/gc/ unweb.nsf/content/casestudy.htm 30.05.2002 18:29

18 Vgl. http://www.unglobalcompact.org/un/gc/ unweb.nsf/content/sustainability.htm 30.05.2002 18:32

19 www.wissen.de 30.05.2002 18:45

20 Vgl. http://www.unglobalcompact.org/un/gc/ unweb.nsf/content/casestudies.htm 31.05.2002 11:02

21 Telefonat mit Herrn Iganci Campino, Leiter Zentralbereich Umweltschutz der Deutschen Telekom am 31.Mai 2002.

22 Mayer, Peter: Der Global Compact im Verhältnis zu anderen zwischenstaatlichen Initiativen. Manuskript für einen Vortrag für die Fachtagung ,,Global Compact = Globales Wirtschaften + Globale Verantwortung" des DGB und amnesty international am 14. März 2002. http://www.wi.fh-osnabrueck.de/~mayer/vita.htm 31.05.2002 22:24

23 Zumach, Andreas: Der >strategische Handel< des Generalsekretärs. Ernüchternde Erfahrungen mit dem Globalen Pakt von Davos. In: Vereinte Nationen. Zeitschrift für die Vereinten Nationen und ihre Sonderorganisationen. Nr. 1/2002. S. 4.

24 Ebd. S. 3.

25 Ebd. S. 3.

26 http://www.un.org/partners/business/ 02.06.2002 14:41

Details

Seiten
13
Jahr
2002
Dateigröße
626 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v106680
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
Schlagworte
Globale Pakt Proseminar Menschenrechte Außen- Außenwirtschaftspolitik

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