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Wettkampfvorbereitung

Hausarbeit 2002 17 Seiten

Gesundheit - Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Gliederung

1. Der sportliche Wettkampf allgemein
1.1 Definitionen und Wesen sportlicher Wettkämpfe
1.2 Merkmale sportlicher Wettkämpfe
1.3 Funktionen sportlicher Wettkämpfe

2. Die Wettkampfvorbereitung
2.1 Definition
2.2 Allgemeine Grundsätze

3. Langfristige Wettkampfvorbereitung
3.1 Trainingsmethodische Vorbereitung
3.1.1 Theoretische Modelle
3.1.2 Die spezifische Belastungsdynamik
3.2 Pädagogisch - psychologische Vorbereitung
3.3 Taktische Wettkampfvorbereitung
3.4 Anforderungen an das soziale Umfeld

4. Unmittelbare Wettkampfvorbereitung
4.1 Definition
4.2 Trainingsmethodische Vorbereitung
4.3 Psychische Vorbereitung
4.3 Struktur und Gestaltung

5. Zusammenfassung

6. Literatur

1. Der sportliche Wettkampf

1.1 Definitionen und Wesen des sportlichen Wettkampfes

Def.: ... ist ein Leistungsvergleich, der auf der Grundlage der Wettkampfordnung und der Wettkampfbestimmungen einer Sportart zwischen Sportlern/Sportlerinnen bzw. Mannschaften mit dem Ziel ausgetragen wird, höchste sportliche Leistungen bzw. den Sieg zu erreichen und eine Rangfolge der Platzierten zu ermitteln. (Schnabel/Harre/Borde, 1998).

Def.: ... ist eine dem Gesamtphänomen Sport innewohnende Kategorie, die als Leistungsvergleich zwischen Sportlern oder Sportmannschaften definiert und auf der Grundlage verbindlicher Ordnungen, Richtlinien und Bestimmungen durchzuführen ist. Die Kategorie „sportlicher Wettkampf“ als Leistungsvergleich auf der Grundlage verbindlicher Durchführungs - und Wertungsregeln wohnt allen Bereichen der Leibeserziehung und des Sports inne. Sportlicher Wettkampf ist allerdings nicht die einzige Kategorie des Leistungsvergleichs im Sport (Thieß/Tschiene 1999).

Der gewertete Leistungsvergleich in nahezu jeder menschlichen Tätigkeit ist im weitesten Sinne als Wettkampf einzuschätzen und zu bestimmen. Dabei ist auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen der Wettkampf besonders ausgeprägt. Hieraus ergibt sich eine der Gesellschaft innewohnende Tendenz : Auf allen Gebieten menschlichen Lebens gibt es zur Entwicklung und Durchsetzung des Leistungsprinzips den Leistungsvergleich der erzielten Ergebnisse. Wettkämpfe haben eine historische Bedeutung, haben eine jahrhundertealte Tradition. In den Anfängen handelte es sich noch um wenige Disziplinen wie Ringen oder Ball spielen, doch bedingt durch die lange Entwicklungszeit entstand eine immense Vielfalt.

In der körperlichen und sportlichen Tätigkeit hat sich der Leistungsvergleich als sportlichen Wettkampf herausgebildet. In diesem Bereich hat sich seit Jahrhunderten ein stabiles Wettkampfsystem herausgebildet, er wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte noch untergliedert in : Leistungssport, Freizeit- oder Breitensport, Schulsport, Behindertensport. Darüber hinaus hat sich seit den Anfängen des modernen Sports, etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts, der Amateurwettkampf gegenüber den professionell betriebenen Wettkämpfen differenzierter entwickelt. Seit etwa 20 Jahren beeinflusst die zunehmende Kommerzialisierung des Sports immer mehr seine Entwicklung.

Trotzdem der sportliche Wettkampf eine so beachtliche Entwicklungsgeschichte vorweisen kann, gibt es bis heute kaum eine Wettkampflehre. Die Trainingswissenschaft erkannte, das der Zusammenhang zwischen den Grundkategorien Leistung/Training/Wettkampf eine wissenschaftliche Bearbeitung erfordert.

Wettkämpfe sind Zielgrößen sportlichen Trainings und stellen stimulierende Leistungsvergleiche zwischen den beteiligten Sportlern dar. Sie sind ein methodisches Mittel um die wettkampfspezifische Leistungsfähigkeit zu entwickeln und sind fester kultureller Bestandteil unserer Gesellschaft. Die Leistung liegt im Wesen des Sports, der Wettkampf bietet die Möglichkeit ihrer Präsentation. Die Tätigkeitsbereiche Training und Wettkampf sind aufeinander bezogen, sie ergänzen sich und es besteht unter ihnen eine Abhängigkeit. Trotzdem gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den beiden.

Nach GROSSER / BRÜGGEMANN / ZINTL (1986, S.47) sind folgende Unterschiede festzustellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Beziehungen zwischen Wettkampf und Training erheben den Wettkampf auch zum Bezugspunkt der langfristigen Trainingsplanung. Siegorientierte Verhaltensweisen und Handlungen können durch Training allein nicht ausgeprägt werden, sondern durch eine bewusste gestaltete Wettkampftätigkeit.

1.2 Merkmale sportlicher Wettkämpfe

Für einen Sportler stellen Wettkämpfe ein ideales Bewährungsfeld für die Bewertung seiner individuellen Leistungs- und Handlungsfähigkeit dar. Die dabei erlebten subjektiven Erfolge und Misserfolge bestimmen zunehmend die weitere Motivation für das Training. Deshalb kommt es darauf an, die individuellen physischen und psychischen Leistungsvoraussetzungen zu optimieren und die bestehenden Leistungsreserven unter den Bedingungen im Wettkampf zu mobilisieren.

Die neu entstandenen Anforderungen gegenüber dem Training sind durch folgende Merkmale gekennzeichnet :

- Die sportliche Tätigkeit v erläuft im Rahmen der Wettkampfregeln. Diese werden von Trägern und Veranstaltern der jeweiligen sportlichen Wettkämpfe ausgearbeitet und für verbindlich erklärt.
- Die Auseinandersetzung erfolgt mit sportlichen Gegnern.
- Die Leistungsbewertung wird von Kampf-, Schieds- oder Wertungsrichtungen vorgenommen.
- Die Leistung vollzieht sich unter Zeitbegrenzung (z. B. begrenzte Spielzeit)
- Die Wiederholung einer im Wettkampf erbrachten Leistung ist im Vergleich zum Training nur bedingt möglich. Durch errungene Erfolge werden nicht selten auch „Sperren“ erzeugt, welche zu einer nicht gerechtfertigten Erwartungshaltung führen können.
- Die Leistung erfolgt unter häufig variierenden äußeren Bedingungen.
- Bei einem Wettkampf sind Zuschauer anwesend.

In der Vorwettkampfphase spiegeln sich die Wettkampfanforderungen im Verhalten und Erleben der Sportler wider. Sie werden entweder positiv oder negativ. Im Leistungssport kann die Vorwettkampfphase bereits acht bis vierzehn Tage vor einem Hauptwettkampf beginnen.

1.3 Funktionen Sportlicher Wettkämpfe

Sportliche Wettkämpfe erfüllen in der modernen Gesellschaft verschieden Funktionen im Hinblick auf die Persönlichkeits- und Leistungsentwicklung der Sportler. Sie erfüllen objektiv gesellschaftlich determinierte Funktionen und tragen zur Förderung von sozio - kulturellen Verhaltensweisen bei. Diese Funktionen verändern sich im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung. Der sportliche Wettkampf ist in unserer Gesellschaft unentbehrlich geworden.

Im folgenden werden die Funktionen aufgezählt und erläutert.

Allgemeine Funktionen

a) Politische Funktion

- erbrachte sportliche Leistungen (z. B. bei Olympia) werden genutzt, um den Entwicklungsstand des Leistungssports eines Landes zu präsentieren und das internationale Ansehen zu erhöhen
- Wettkämpfe auf internationaler Ebene werden auch als Vergleiche zwischen den beteiligten Länder gesehen und emotional überbewertet
- die Wertung der Wettkampfergebnisse wird für verschiedene Zielstellungen auf politischer Ebene genutzt
- die Wertschätzung soll auch dazu beitragen, das die Bevölkerung eines Landes dem Sport mehr Aufmerksamkeit erregt, vor allem die Jugend
- in diesem Sinne werben die sportlichen Resultate für eine regelmäßige sportliche Betätigung

b) kulturell - erzieherische Funktion

- Körperkultur und Sport sind immer Bestandteil der Kultur eines Volkes gewesen
- der sportliche Wettkampf hat einen bedeutenden Platz in unserer Gesellschaft
- die modernen Medien ermöglichen Millionen von Menschen die Teilnahme an diesen Wettkämpfen
- die Leistungen der Sportler, die Dynamik des Wettkampfgeschehens, die Ästhetik menschlicher Bewegungen sowie die Wettkampfatmosphäre ziehen das Publikum an
- es resultiert eine emotionale Bindung von Zuschauern / Fans an Sportler / Sportart
- stimulierende und initiierende Wirkung auf Kinder und Jugendliche
- Für den Sportler bedeutet dies : Aneignung wertvoller Charaktereigenschaften und Förderung des Leistungsstrebens
- die Wissenschaft wird durch Wettkämpfe inspiriert

c) Soziale Funktion

- Wettkämpfe finden auf nationaler und internationaler Ebene statt
- sowohl im Training als auch im Wettkampf lebt man „zusammen“
- sie fördern die gesellschaftliche Beziehung der Menschen zueinander
- die Sportler bekämpfen einen sportlichen Gegner, wobei man gleichzeitig auch seine erzielten Ergebnisse achten muss
- der Wettkampf fördert den Umgang zwischen Sportler / Sportler, Sportler / Zuschauer, Sportler / Medien sowie Sportler / Schiedsrichter
- er erfüllt eine wertvolle Kommunikationsfunktion

d) Kommerzielle Funktion

- Sportliche Wettkämpfe können zur Eigenfinanzierung der Karriere beitragen unter der Bedingung das die Sportart anerkannt ist, ausreichend Medieninteresse vorhanden ist und Werbemöglichkeiten bestehen sowie eine ausreichend hohe sportliche Leistung
- Übertriebene kommerzielle Ziele fördern Unfairness (Doping) und erhöhen die Risikobereitschaft
- Sportverbände der Sportarten vermarkten ihre Wettkämpfe an die Medien zum Zwecke der Berichterstattung

Spezielle Funktionen

e) Leistungssteigernde Funktion

- Wettkämpfe erfüllen in den verschiedenen Ausbildungsabschnitten eine differenzierte Funktion

- im Hochleistungsbereich führt dies zum Erreichen der Höchstform, im Nachwuchsbereich zur Ausprägung der allgemeinen und speziellen Leistungsvoraussetzungen wenn:

- das Gegnerniveau stimmt, die Einstellung optimal ist
- Regeln und Fairness eingehalten werden
- Umweltfaktoren nicht leistungsbeeinträchtigend sind

- Wettkampfergebnisse wirken niveaubestimmend

f) Funktion der Sichtung und Auswahl

- Wettkampfergebnisse ermöglichen eine Voraussicht auf mögliche oder unmögliche Perspektiven in Hinblick auf eine sportliche Karriere
- für den Leistungssportler sind sie ein wichtiger Indikator dafür, ob die Option der Berufung in eine Auswahl besteht (selektiver Aussagewert)
- vor allem im Jugendbereich beeinflussen sie die weitere Förderung und Entwicklung

2. Die Wettkampfvorbereitung

2.1 Definition

Def.: ... hat die Aufgabe, trainingsmethodische, pädagogisch - psychologische und organisatorische Maßnahmen so einzusetzen, dass Sportler und Sportlerinnen zum Zeitpunkt der Hauptwettkämpfe oder des entscheidenden Wettkampfes ihre absolute sportliche Höchstform erreichen, psychisch und physisch leistungsstabil und richtig auf diese Wettkämpfe eingestellt sind (Martin, S.238,1982).

2.2 Allgemeine Grundsätze

Im Leistungssport sind Training, Methodik und Wettkampf auf Höchstleistungen ausgerichtet, nur im Wettkampf lassen sich die Ambitionen und Zielstellungen der Sportler verwirklichen. Dabei stellt das langfristige, auf Leistungssteigerung ausgerichtete Training die Vorbereitung auf den Wettkampf dar. Das Training muss sich mit seinen Inhalten in der Wettkampfvorbereitung auf möglichst viele Situationen der späteren Wettkampfbedingungen einstellen. Neben Hauptwettkämpfen sind noch Aufbau- und Kontrollwettkämpfe durchzuführen, zum einen wegen der Leistungsentwicklung, zum anderen erlauben sie eine realistische Einschätzung und bestimmen die folgende Trainingsgestaltung erheblich. Im Wettkampfgeschehen kommt es zu psycho - vegetativen Erregungen (emotionales Flair, verschiedene Gegner, Fehlentscheidungen) welche im Training nicht auftreten. Dies kann durch folgende allgemeine Maßnahmen geschehen :

a) Einstellen auf den sportlichen Gegner

- durch mehrere Methoden zu erreichen
- es können Videoaufzeichnungen oder Beobachtungen der künftigen gegnerischen Mannschaft, des Gegners beim Judo, Boxen oder Ringen gemacht werden
- damit werden die Ergebnisse und Erkenntnissee in die unmittelbare Wettkampfvorbereitung mit einbezogen werden
- dies erlaubt auch die nüchterne und richtige Einschätzung der eigenen Möglichkeiten und Leistungsfähigkeit

b) Vermitteln des Wissens ü ber die richtige Regelauslegung und Wertungspraxis

- beinhaltet Anpassung der sportlichen Leistung an das Regelwerk
- ebenso die in Erfahrung gebrachten Eigenarten der Schieds-, Kampf- und Punkterichter, die den Wettkampf leiten
- Bedeutung des Heimvorteils bei der Fremdbeurteilung der Leistung durch die o.g.

c) Systematisches Vertrautmachen mit dem Wettkampfger ä t

- in apparativ bedingten Sportarten (Boot, Gewehr, Ski des nächsten Wettkampfs)
- sie haben großen Einfluss auf das Ergebnis
- zur Qualität des Gerätes muss absolutes Vertrauen geschaffen werden, der Sportler muss von der Qualität überzeugt sein (Verfügbarkeit über das beste Material)
- Vertrautmachen mit dem gerät heißt auch, die Technik, Behandlung und Einstellungsveränderungen des Gerätes genau zu beherrschen und situativ genau anzuwenden

d) Trainieren auf m ö glichst ad ä quaten Wettkampfanlagen

- dies kann Streckenprofil, Strömungsverhältnisse, klimatische Verhältnisse beinhalten
- ebenso Beleuchtungsverhältnisse und die Eigenart der Bahnbeschaffenheit sollten im Training möglichst die gleichen sein
- gerade die Wahl der Anlage ist in der Vorbereitung von entscheidender Bedeutung

e) Fr ü hzeitige Vorbereitung auf den Wettkampfrhythmus

- d.h. auf die Wettkampfzeiten, an die Wettkampfstruktur (Vor- und Endkämpfe)
- sowie auf die Wettkampfdauer (im Triathlon und Radsport mehrere Stunden) mit den beinhalteten Pausen (Zehnkampf)

Die aufgeführten allgemeinen Grundsätze zeigen, dass parallel zur trainingsmethodischen Vorbereitung ei Erziehungsprozess stattfindet, bei dem der Sportler systematisch mit simulierten Situationen des kommenden Wettkampfes konfrontiert werden.

3. Langfristige Wettkampfvorbereitung

Def.: Zielgerichtete, auf einen ganz bestimmten Wettkampf ausgerichtete Planung, Organisation und Realisierung wesentlicher Maßnahmen des Trainings, der psychischen Einflussnahme, der medizinischen Betreuung, der Gestaltung des sozialen Umfeldes und der Wettkampfbelastung über ein oder mehrere Jahre mit dem Ziel, zu diesem Wettkampf Höchstleistungen zu erreichen (Schnabel/Harre/Borde S.382, 1998).

Die langfristige Vorbereitung west große zeitliche Divergenzen auf. wesentlichen Einfluss darauf haben :

- der zeitliche Rhythmus der Austragung des entsprechenden Wettkampfhöhepunktes
- die Struktur der Wettkampfleistung
- Leistungsniveau und Wettkampferfahrung der Sportler
- die Bedingungen des sozialen Umfeldes

3.1 Trainingsmethodische Vorbereitung

Die konkrete Festlegung des Wettkampfhöhepunktes ist der Ausgangspunkt dieses Prozesses. Daraus ergeben sich Fragen nach Qualifikationsnormen, Qualifikationsmodus und Wettkampfort.

Leistungsplanung

Die Festlegung des konkreten Leistungszieles ist erforderlich um den Sportler zu motivieren, die entstehenden Trainingsbelastungen erfolgreich zu bewältigen und das gesamte Lebensregime darauf einzustellen. Daher lassen sich, bedingt durch das erreichte Leistungsniveau und dem sozialen Status der Sportler verschiedene Varianten ableiten:

- Sportler mit hohem Leistungsniveau in lukrativen Sportarten versuchen ihre Leistungsfähigkeit bis zum Wettkampfhöhepunkt über zu erhalten
- Sportler mit hohem Leistungsniveau in weniger lukrativen Sportarten planen ihre Perspektivleistung dynamisch über jeweils 2 bis 3 Hauptwettkämpfe
- Nachwuchsathleten planen ihre Leistungsentwicklung in Form einer kontinuierlichen Leistungssteigerung

Besonderheiten der Wettkampfplanung

In einigen Sportarten sind Spitzenathleten zu einer umfangreichen Wettkampfteilnahme gezwungen, um Teilnahmeberechtigungen für Saisonhöhepunkte zu erreichen. Jungen Athleten ist zu empfehlen, eine individuell effektive Variante der Vorbereitung zu erproben.

3.1.1 Theoretische Modelle

Ein theoretisches Modell, als Rahmenpläne für die Steuerung der Höchstleistung stellt Lempart (1973, S. 121) vor. Nach diesem Modell sollte dieser Makrozyklus innerhalb eine Wettkampfperiode mit einem Hauptwettkampf abschließen. Dieser stellt den Höhepunkt des Makrozyklus dar, sie bestimmen ihn. Innerhalb eines Makrozyklus werden aufbau- und Überprüfungswettkämpfe mit einbezogen. Die einzelnen Mikrozyklen werden nun so gestaltet, dass sie durch Überprüfungsund Aufbauwettkämpfe eine kontinuierliche Analyse des Trainingszustandes und damit der Leistungsdynamik zulassen. Am Ende eines Makrozyklus erreichte Ergebnisse steuern die weitere Trainingsgestaltung.

Es ist ein theoretisches Modell und hat lediglich die Funktion eines Orientierungsrahmens. In einer Variante schlägt er vor, alle Makrozyklen in drei bis vier Mikrozyklen mit aufsteigender Belastungstendenz und darauf folgend ein bis zwei Mikrozyklen zur Entspannung zu unterteilen.

Das nächste Beispiel wäre das Pendelprinzip aus der ehemaligen UdSSR und besteht darin, das die Wettkampfvorbereitung auf der Grundlage eines rhythmischen Wechsels zweier unterschiedlicher Typen von Mikrozyklen stattfindet.

Spezieller Mikrozyklus (sMZ)

- gleicht hinsichtlich Aufbau, Belastung dem Rhythmus des bevorstehenden Wettkampfes

Kontrastierender Mikrozyklus (kMZ)

- dessen inhaltliche und belastungsmäßige Orientierung an die Wettkampfbedingungen ist wesentlich geringer als im speziellen Mikrozyklus

Mit dem Heranrücken des Höhepunktes werden die speziellen Zyklen den Wettkampfanforderungen immer ähnlicher, die kontrastierenden dagegen immer allgemeiner (Nikiforow / Viktorow 1973, S. 110). Die Dauer der speziellen Zyklen kann denen des Wettkampfes sogar gleichen (z.B. Boxturnier).

Gestaltung in drei aufeinander folgende Mikrozyklen:

1. kMZ (2/3 allg. Konditionsarbeit, 1/3 spezielle Vorbereitung)
2. sMZ (2/3 spezielle Vorbereitung, 1/3 allg. Konditionsarbeit)
3. kMZ (3/5 allg. Konditionsarbeit, 2/5 spezielle Vorbereitung)

Der in der Mitte liegende spezielle Zyklus enthält alle Wettkampfbelastungen und den Wettkampfrhythmus der kommenden Wettkämpfe.

3.1.2 Die spezifische Belastungsdynamik

Allerdings ist es aus diesen Modellen schwierig beim gegenwärtigen Erkenntnisstand allgemein gültige Formulierungen für die Steuerung der trainingsmethodischen Wettkampfvorbereitung zu erstellen. Einige Erfahrungswerte sollen hier verallgemeinert werden:

- Entscheidend sind die wichtigen Wettkämpfe und ihre Terminierung
- soll vor einem Wettkampf optimale Erholung und danach sinnvolle Regeneration ermöglichen
- dadurch erhält die Wettkampfperiode die spezielle Belastungsdynamik ihrer Mikrozyklen
- die Belastungsdynamik passt sich grundsätzlich den Intervallen zwischen den wichtigen Wettkämpfen an

In dem Mikrozyklus, der vor dem nächsten wichtigen Wettkampf liegt, wird der Belastungsumfang bei gleichbleibender Intensität verringert. Die gesamte Mikrozyklusstruktur der Wettkampfperiode wird durch Umfang und Intensität charakterisiert. Er schließt die Hauptwettkämpfe mit ein. Die hohen Belastungen müssen zeitlich so abgeschlossen sein, das der Sportler zum Wettkampfhöhepunkt in eine Phase der völligen Regeneration fällt. Zwischen der letzten Hauptbelastung und dem Wettkampf liegt ein nicht zu umfangreiches Aufwärm-, Koordinations- und Reaktionstraining.

Individualität der trainingsmethodischen Vorbereitung

- bedingt durch die unterschiedliche Leistungssteigerung der Sportler
- Sportler reagieren unterschiedlich auf die Leistungsdynamik des Trainings
- individuell zweckmäßigste Variante ist zu finden

Intensitätsstoß

- durch dicht aufeinander folgendes wettkampfspezifisches Training
- häufig kann ein weiterer Leistungszuwachs erreicht werden

Belastungsstöße

- falls in einer Wettkampfperiode der erwartete Leistungszuwachs grundsätzlich ausbleibt
- entweder ein „Umfangsstoß“ oder ein „Intensitätsstoß“
- nur bei gut trainierten Sportlern durchführen

Übertrainingssymptome

- werden diese festgestellt, müssen Umfang und Intensität herabgesetzt werden, Erholungstage eingebaut werden
- ebenso muss es zu einer inhaltlichen Umgestaltung des Trainings führen, ohne es abzubrechen

3.2 Pädagogisch - psychologische Vorbereitung

Diesem Punkt der Wettkampfvorbereitung wird im systematisch betriebenen immer mehr Bedeutung zugeschrieben. Es ist ein Teil des ganzheitlichen Erziehungsprozesses, dessen Ziel eine umfassende Handlungsfähigkeit der Athleten ist. Zu ihr gehören die Herausbildung einer Leistungs- und Wettkampfbereitschaft, bestimmter Persönlichkeitseigenschaften. Daraus soll die Herausformung, Stabilisierung sportartspezifischer Persönlichkeitseigenschaften und vor allem die Hinführung zur Selbsterziehung und Selbstregulierung resultieren. Die steigende physische Form steigert auch die psychische Form, gibt Auftrieb und ermöglicht die Mobilisation von Leistungsreserven. Diese Leistungssteigerungen sind allerdings nur relativ und können schnell wieder verloren gehen. Probleme entstehen wenn sich Misserfolge einstellen, danach muss das Training „neu“ und kontrastreicher beginnen und die sportliche Form wiedergewonnen werden. Eine große Bedeutung bekommt dabei die beratenden und erzieherischen Funktion des Trainers.

Die Mittel zur psychischen Leistungsentwicklung sind Versachlichung, Bewusstmachung, Rationalisierung und Einbeziehung der emotionalen Reaktion. Dies lässt sich nur über einen sozial - integrativen Führungsstil des Trainers erreichen. Dabei werden gemeinsam ausdiskutierte Handlungsstrategien realisiert.

Die pädagogisch - psychologische Wettkampfvorbereitung besteht :

1. In der richtigen und rationalen Einschätzung des Gegners und der eigenen Leistungsfähigkeit.
2. In einem taktischen Konzept, das ein schweres, aber mögliches Wettkampfergebnis als Zielsetzung vorgibt.

3.3 Taktische Wettkampfvorbereitung

Taktik, gesehen als eine bestimmte Organisation und Systematik der Wettkampf- oder Spielführung, soll das eigene Handeln günstig beeinflussen. Taktisches Handeln soll Vorteile gegenüber dem sportlichen Gegner in Hinblick auf das Wettkampfziel bringen. Die taktische Handlungsfähigkeit ist grundsätzlich das Ergebnis eines systematischen Lern- und Erfahrungsprozesses. Um sie optimal zu entwickeln benötigt man ausreichend Informationen über den zukünftigen Gegner.

Taktisches Handeln setzt zwei Fähigkeiten voraus :

1. Im Vorfeld des Wettkampfes sind taktische Möglichkeiten gedanklich (theoretisch) durchzuspielen, Alternativen abzuwägen und die als günstig erkannte zu einem „Wettkampfplan“ zu konzipieren.
2. Im Wettkampf sollte das Handeln dann anhand der bestehenden Situation und dem erstellten Plan orientiert sein.

Nach dem Erstellen eines Wettkampfplanes, in welchem die taktische Wettkampfplanung theoretisch festgelegt wird, liegt die Hauptaufgabe darin den Sportlern eine organisierte, systematische und zielstrebige Konzeption zu verleihen. Eine Wettkampfführung ist bei wichtigen Wettkämpfen ohne geplante Konzeption (Taktik) undenkbar.

Diese Planung hat einen psychologischen Wert, sie soll dem Sportler Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit bringen, daher ist das Konzept auf die individuellen Stärken auszurichten. Stärken und Schwächen eines Sportlers sind durch den Trainer in der Phase der Aufbauwettkämpfe festzustellen (Willensstärken, Risikobereitschaft).

Das andere Betätigungsfeld der taktischen Vorbereitung liegt in der Beobachtung des künftigen sportlichen Gegners. Vor einem Hauptwettkampf sollten Trainer und Sportler jede sich bietende Möglichkeit wahrnehmen um den kommenden Gegner zu studieren und gründlich zu analysieren. Darüber hinaus müssen alle vom Gegner im Vorfeld erbrachten Wettkampfergebnisse genau bekannt sein. Die taktische Vorbereitung der Sportler besteht für den Trainer aus den folgenden Aufgaben :

- Vor Wettkampfbeginn soviel Informationen wie möglich über Gegner, Wettkampfstätte einholen und den Wettkampfplan damit erstellen.
- Diese Konzeption dann mit den Sportlern gründlich erörtern und diskutieren, um eine Taktik festzulegen, welche von allen getragen wird.
- Nach dem Wettkampf den Verlauf und die Ereignisse gründlich analysieren und entsprechende Schlussfolgerungen ziehen in Hinblick auf künftige Wettkämpfe.

3.4 Anforderungen an das soziale Umfeld

Die Umsetzung einer Konzeption der langfristigen Wettkampfvorbereitung setzt bestimmte soziale Bedingungen voraus. Dazu zählt vor allem :

- Sicherung des sozialen Status, welcher ihm genug Freiraum für Training und Wettkampf gibt und er in finanzieller Sicherheit ist (angemessenes Lebensniveau)

- Schaffung optimaler Trainingsbedingungen in Hinblick auf die Trainingsstätte, das Training außerhalb (Höhentraining, Klimaadaptation), Trainingspartner mit ausreichendem Niveau, die finanzielle Absicherung der Wettkampfteilnahme

- Absicherung der medizinischen Kontrolle und Betreuung des Sportlers mit folgenden Aspekten :

- systematische allg. gesundheitliche Kontrolle und Prophylaxe gegenüber infektiösen Erkrankungen
- Kontrolle der Dynamik der Adaptation leistungsbestimmender Organe und Funktionssysteme unter dem Einfluss des Trainers
- Sicherung einer zielgerichteten Erholung und Wiederherstellung
- Vorbeugen von Verletzungen, Verhinderung einer Anhäufung von Mikrotraumen

4. Unmittelbare Wettkampfvorbereitung

Der letzte Abschnitt der Vorbereitung auf einen Wettkampfhöhepunkt hat eine spezielle, nur ihre eigene Aufgabenstellung. Es ist eine in sich geschlossene Trainingsetappe, sie wird als unmittelbare Wettkampfvorbereitung bezeichnet. Der Inhalt umfasst psychologisch - pädagogische, trainingsmethodische, sportmedizinische, organisatorische u. technisch -materielle Aufgabenstellungen. Inhalt, Umfang und Dauer hängen von der Bedeutung des Wettkampfes, der Leistungsstärke der sportlichen Gegner, dem Wettkampfrhythmus, der geographischen Lage sowie vom Wettkampfzeitpunkt ab.

4.1Definition

Def.: Letzter Abschnitt des Trainings und der Umsetzung spezieller Maßnahmen zur Vorbereitung auf die konkreten Bedingungen des Wettkampfhöhepunktes mit dem Ziel, die Sportler zu befähigen, ihre im langfristigen Trainingsprozess erworbene Leistungsfähigkeit zu einem im voraus bestimmten Zeitpunkt unter den zeitlichen, klimatischen und organisatorischen Bedingungen am Wettkampfort in sportliche Höchstleistungen umzusetzen (Schnabel / Harre / Borde 1998, S. 385)

4.2 Trainingsmethodische Gestaltung

In der Periode der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung sind Aufgaben in mehrerer Hinsicht zu lösen :

a) Konditionelle Aufgaben

- Herstellung bzw. Stabilisierung eines optimalen Niveaus der konditionellen Voraussetzungen für die effektive Umsetzung der Technik und Taktik
- Voraussetzungen schaffen für die Bewältigung der hohen Gesamtanforderungen im Verlauf der Wettkämpfe

b) Technische Vorbereitung

- Vervollkommnung der eigenen sportlichen Technik, Korrektur kleiner technischer Mängel
- Stabilisierung bzw. Anpassung der technischen Ausführung der Wettkampfübungen an die konkreten Wettkampfbedingungen

c) Taktische Vorbereitung

- Präzisierung und Stabilisierung der eigenen Konzeption der Wettkampfführung bei Beachtung der spezifischen Bedingungen der Lage des Wettkampfortes
- Aneignen von Kenntnissen über das taktische Verhalten der unmittelbaren sportlichen Gegner

d) Auspr ä gung der komplexen sportlichen Leistung

- am Anfang der speziellen Vorbereitung werden die konditionellen, technischen und taktischen Aufgaben noch akzentuiert gelöst
- mit dem Herannahen des Wettkampftermins muss die komplexe sportliche Leistung unter den zu erwartenden Bedingungen ausgeprägt und stabilisiert werden

4.3 Psychische Vorbereitung

Die psychische Vorbereitung ist von gleicher Bedeutung wie das Training und ist eng mit ihr verflochten. Trainer und Betreuer stehen vor mehreren Aufgaben. Eine davon ist die Formierung einer einheitlichen, geschlossenen Mannschaft und die Schaffung einer leistungsfördernden Atmosphäre. Sie beinhaltet die Motivierung und Mobilisierung der emotionalen Triebkräfte für ein erfolgreiches Abschneiden. Die Festigung des Selbstvertrauens in die eigene Leistungsfähigkeit muss hergestellt werden und der Sportler sollte von der Wirksamkeit der erstellten Wettkampfkonzeption überzeugt sein. Außerdem muss der Sportler auf die psychische Kampfführung des Gegners sowie auf die zu erwartende Atmosphäre (Zuschauer, Medien, Schiedsrichter) am Wettkampfort eingestellt werden.

4.3 Struktur und Gestaltung

Entscheidend für das Erreichen der Höchstform zum Wettkampfhöhepunkt sind die Trainingsinhalte mit der entsprechenden Belastungsdynamik. Die Gestaltung des Trainings beruht auf Erkenntnissen der unterschiedlichen Wirkung und Transformationszeit der einzelnen Trainingskomplexe sowie der differenzierten Adaptationsdynamik der leistungsbestimmenden Funktionssysteme.

Belastungskomponenten, welche allgemein auf den Organismus wirken bedingen eine längere Adaptationszeit als die Ausprägung der speziellen, mit einem adäquaten Charakter zur Spezifik der sportlichen Leistung (Superkompensation). Nach Schnabel / Harre / Borde (1998) liegen die Belastungsgipfel der einzelnen Komponenten wie folgt :

- Allg. Trainingsmittel 5 bis 4 Wochen,
- Trainingsumfang 4 bis 3 Wochen,
- spezielle Trainingsmittel 3 bis 2 Wochen,
- und Trainingsintensität 2 bis 1 Woche vor Wettkampfbeginn.

Das Belastungsmaximum liegt in der 2. oder 3. Woche vor dem angestrebten Termin. Bei einer unmittelbaren Wettkampfvorbereitung mit einer Dauer von 5 bis 7 Wochen hat sich als günstig erwiesen:

Phase der Erholung

- Dauer etwa eine Woche; kurze, aktive vor allem psychische Erholung
- Mittel : allg. Trainingsübungen, Ausgleichssport, physiotherapeutische Maßnahmen
- Belastung : mittelmäßig, mittlerer Trainingsumfang, geringe Intensität

Phase des Aufbaus

- zwei bis drei Wochen; Lösung konditioneller, technischer u. taktischer Aufgaben
- Mittel : spezielle Trainingsübungen für die o.g. Punkte
- Belastung : hohe Umfänge bei mittlerer Intensität

Phase der Leistungsausprägung

- Dauer etwa ein bis zwei Wochen; Ausprägen der komplexen sportlichen Leistung
- Mittel : vorwiegend Wettkampfübungen, allg. Übungen als Ausgleich
- Belastung : wettkampfnahe Intensität der Wettkampfübung; mittlere Intensität bei Ausgleichsübungen

5. Zusammenfassung

Die Wettkampfvorbereitung ist ein sehr komplexes Gefüge, es geht weit über eine Trainingsgestaltung mit Bewegungsinhalten hinaus. Ohne eine sinnvolle, z. T. sehr individuelle Lösung der in dieser Hausarbeit aufgeführten Inhalte einer Wettkampfvorbereitung ist keine Entwicklung der sportlichen Leistung zu Höchstleistungen möglich. Vor allem im Kinder- und Jugendbereich bestimmt eine solche Planung den weiteren Verlauf einer sportlichen Karriere.

6. Literatur:

Martin, Dietrich: Die Planung, Gestaltung, Steuerung des Trainings und das Kinder- und Jugendtraining. Dietrich Martin. - 2., verb. Aufl. - Schondorf: Hofmann, 1982

Schnabel, G ü nther; Harre, Dietrich; Borde, Alfred (Hrsg.): Trainingswissenschaft: Leistung - Training - Wettkampf. Stud.ausg. - 2. Aufl. - Berlin: Sportverlag, 1998

Hartmann, Christian; Senf, Gunnar: Sport verstehen - Sport verstehen. Teil 2 - Trainingsmethodische Grundlagen. 1999

G ü nther Thie ß ; Peter Tschiene (Hrsg.): Handbuch zur Wettkampflehre. - 1. Aufl.Aachen : Meyer und Meyer, 1999

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Seiten
17
Jahr
2002
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v106844
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
Schlagworte
Wettkampfvorbereitung Trainingslehre II/a

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Titel: Wettkampfvorbereitung