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Die Präsentation von Sportlerinnen und Sportlern in Sportnachrichten-Sendungen des deutschen Fernsehens

von Martin Neumann (Autor) Markus Kuhlen (Autor)

Diplomarbeit 2002 295 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung: Grundidee und Forschungsinteresse (Autoren: Markus Kuhlen und Martin Neumann)
1.1. Idee und Forschungsinteresse
1.2. Wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz der Untersuchung
1.3. Die Auswahl der Forschungsobjekte

2. Soziale Dimensionen des Sports (Autor: Markus Kuhlen)
2.1. Die Entwicklung des (Frauen-)sports von der Antike bis zum Nationalsozialismus
2.2. Die Rolle des Frauensports von 1945 bis zur Gegenwart
2.3. Soziale Relevanz und Funktionen des Sports
2.4. Die Bedeutung des Sports für die gesellschaftliche Rolle der Frau
2.5. Auswirkungen von Mediensport auf die Gesellschaft

3. Entwicklung sowie allgemeine und sportspezifische Theorien der Frauenforschung (Autor: Markus Kuhlen)
3.1. Historie der Frauenforschung
3.2. Konstruktion von Geschlecht
3.2.1. Allgemeine Konstruktionsmechanismen
3.2.2. Konstruktion von Geschlecht durch den Sport und die Sportmedien
3.3. Aktuelle Erkenntnisse der Frauenforschung
3.3.1. Erkenntnisse zum Bild der Frau in den Medien
3.3.2. Erkenntnisse zum Bild der Frau im Sport
3.3.3. Erkenntnisse zum Bild der Frau in den Sportmedien

4. Geschichte und aktuelle Entwicklungen der Medienforschung (Autor: Martin Neumann)
4.1. Die gesellschaftliche Relevanz der Medien
4.2. Die generellen Strukturen in der deutschen Fernsehlandschaft und ihre Geschichte
4.3. Die Geschichte und die Gegenwart der untersuchten Fernsehsender
4.3.1. Der Aufbau der ARD
4.3.2. Der Aufbau von Sat.1
4.3.3. Der Aufbau vom Deutschen Sportfernsehen (DSF)
4.3.4. Der Aufbau von Eurosport
4.4. Die elementare Bedeutung von Nachrichten
4.4.1. Nachrichtenwerte
4.5. Kommunikatorforschung
4.5.1. Die Gatekeeper-Theorie
4.6. Medienwirkungsforschung
4.6.1. Die Agenda Setting-Theorie
4.6.2. Der transaktionale Ansatz

5. Hypothesen (Autor: Markus Kuhlen)
5.1. Entwicklung der Hypothesen
5.2. Hypothesenvorstellung

6. Methodologie und Untersuchungsdesign (Autor: Martin Neumann)
6.1. Die Inhaltsanalyse
6.1.1. Das Untersuchungsdesign der Inhaltsanalyse
6.1.2. Die Kategorienbildung für die Inhaltsanalyse
6.1.3. Die formalen Kategorien
6.1.4. Die inhaltlichen Kategorien
6.2. Das diskursive Interview
6.2.1. Untersuchungsdesign der Interviews
6.2.2. Untersuchungsdesign der Interviewanalyse

7. Vorstellung und Diskussion der inhaltsanalytischen Ergebnisse (Autor: Martin Neumann)
7.1. Präsentation der formalen Aspekte der Berichterstattung
7.1.1. Ergebnisse aller untersuchten Sender
7.1.1.1. Sportarten
7.1.1.2. Verhältnisse der Geschlechter
7.1.1.3. Sportarten in der Berichterstattung über Männer
7.1.1.4. Sportarten in der Berichterstattung über Frauen
7.1.2. Ergebnisse der ARD
7.1.2.1. Sportarten im „ARD-Sportschautelegramm“
7.1.2.2. Verhältnis der Geschlechter im „ARD-Sportschautelegramm“
7.1.2.3. Sportarten in der Berichterstattung über Männer im „ARD-Sportschau-Telegramm“
7.1.2.4. Sportarten in der Berichterstattung über Frauen im „ARD-Sportschau-Telegramm“
7.1.3. Ergebnisse Sat.1
7.1.3.1. Sportarten in der Sendung „täglich ran“
7.1.3.2. Verhältnisse der Geschlechter in „täglich ran“
7.1.3.3. Sportarten in der Berichterstattung über Männer in „täglich ran“
7.1.3.4. Sportarten in der Berichterstattung über Frauen in „täglich ran“
7.1.4. Ergebnisse DSF
7.1.4.1. Sportarten im „DSF-Newscenter“
7.1.4.2. Verhältnisse der Geschlechter im „DSF-Newscenter“
7.1.4.3. Sportarten in der Berichterstattung über Männer im „DSF-Newscenter“
7.1.4.4. Sportarten in der Berichterstattung über Frauen im „DSF-Newscenter“
7.1.5. Ergebnisse Eurosport
7.1.5.1. Sportarten im „Eurosport-Sportscentre“
7.1.5.2. Verhältnisse der Geschlechter im „Eurosport-Sportscentre“
7.1.5.3. Sportarten in der Berichterstattung über Männer im „Eurosport-Sportscentre“
7.1.5.4. Sportarten in der Berichterstattung über Frauen im „Eurosport-Sportscentre“
7.1.6. Zusammenfassung der Ergebnisse der formalen Aspekte der Berichterstattung
7.2. Präsentation der inhaltlichen Aspekte der Berichterstattung
7.2.1. Länge der Beiträge
7.2.2. Stilform
7.2.3. Verhalten der Sportler und Sportlerinnen
7.2.4. Die Leistungsebene der Sportlerinnen und Sportler in Sportnachrichten-Sendungen
7.2.5. Die Thematisierung von sportlichen Erfolgen und Misserfolgen
7.2.6. Der thematische Fokus der Berichterstattung in Fernsehsport-Nachrichten-Sendungen
7.2.7. Die Anrede und Beschreibung der Sportlerinnen und Sportler
7.2.8. Die Angabe des Alters von Sportlerinnen und Sportlern
7.2.9. Die KommunikatorInnen in Fernseh-Sportnachrichten-Sendungen
7.2.10. Verwendung von Stereotypen und Trivialisierungen in Fernseh-Sportnachrichten-Sendungen
7.2.11. Die Präsentation der Beiträge in Fernseh-Sportnachrichten-Sendungen
7.3. Zusammenfassung und Diskussion der inhaltsanalytischen Ergebnisse
7.4. Vergleich der inhaltsanalytischen Ergebnisse mit dem aktuellen Stand der Forschung

8. Die Ergebnisse der qualitativen Interviewanalyse (Autor: Markus Kuhlen)
8.1. Die Selektionskriterien
8.2. Die quantitative Unterrepräsentation von Frauensport
8.3. Der Einfluss der Zielgruppe
8.4. Der Einfluss der Werbewirtschaft
8.5. Qualitative Unterschiede in der Präsentation von Männersport und Frauensport
8.6. Unterschiede in der präsentierten Leistungsebene
8.7. Länge und Platzierung der Beiträge
8.8. Die Rechtesituation und die Cross-Promotion
8.9. Aufbau der Redaktionen
8.10. Einfluss des Fernsehens auf den Sport
8.11. Die persönliche Einstellung zum Thema Frauensport
8.12. Fazit

9. Vergleich der Ergebnisse von Inhaltsanalyse und Interviews (Autor: Markus Kuhlen)
9.1. Die Unterschiede in der formalen Präsentation
9.2. Die geringe Vielfalt der Sportarten
9.3. Länge und Platzierung der Beiträge
9.4. Trivialisierung von Frauensport
9.5. Frauensport ist Nischensport

10. Hypothesendiskussion (Autor: Martin Neumann)

11. Fazit und Ausblick (Autoren: Markus Kuhlen und Martin Neumann)
11.1. Gesamtzusammenfassung
11.2. Einordnung der Ergebnisse in die bisherige Forschung
11.3. Forderungen auf der Basis der Analyse

12. Literaturverzeichnis (Autor: Martin Neumann)

13. Abbildungsverzeichnis (Autor: Markus Kuhlen)
13.1. Tabellenverzeichnis
13.2. Abbildungsverzeichnis

Anhang (Kategoriensystem, Codebuch, Transkripte, Leitfaden)

Lebenslauf

1. Einleitung: Grundidee und Forschungsinteresse

1.1 Idee und Forschungsinteresse

Das vorliegende Projekt untersucht die Darstellung von Frauen und Männern im deutschen Fernsehen. Der inhaltliche Fokus der Arbeit liegt auf den Fernseh-Sportnachrichten-Sendungen und der Darstellung von Sportlerinnen und Sportlern in diesen Sendungen.

Die Hinwendung zu diesen zusammenfassenden Sendungen hat unterschiedliche Gründe: Zu den Hauptaufgaben einer qualitativ hochwertigen Nachrichtensendung gehört es, „einen vollständigen überblick über die wichtigsten tagesereignisse“ zu geben (DARSCHIN/ZUBAYR 2001, 243). Neben der geforderten Universalität ist es eine weitere Aufgabe, die Realität so widerzugeben, wie sie wirklich ist. Darüber hinaus sollte in Nachrichten generell darauf verzichtet werden, wichtige Ereignisse in den Hintergrund zu rücken, um Buntes und Vermischtes zu präsentieren (vgl. ebd., 243). Eine andere Gefahr liegt darin, dass durch subjektive Selektion, die sich nicht an den genannten Kriterien orientiert, der „mantel des schweigens über frauenrelevante themen, über gesellschaftlich relevante aktivitäten von frauen oder auch frauen in einflusspositionen“ gelegt wird. (WEIDERER 1995, 306 f.). Ein weiteres elementares Kriterium für Nachrichten muss die Objektivität sein, die im Zentrum des Selbstverständnisses des deutschen Mediensystems steht (vgl. WEISCHENBERG 1995, 157). Gegenstand der vorliegenden Untersuchung ist unter anderem die Klärung, ob diese Kriterien eingehalten werden.

Besonderes Augenmerk wird in der Arbeit darauf gelegt, ob die in den Fernseh-Sportnachrichten präsentierten SpitzensportlerInnen im selben Verhältnis abgebildet werden, wie es in der Sportrealität herrscht. Somit sollte ein Verhältnis von Sportlern zu Sportlerinnen von ungefähr 60:40 nicht deutlich unterschritten werden. Dieses spiegelt den Anteil von Athletinnen an den deutschen Olympiateams der letzten vier Olympischen Spiele wider[1].

Einen ähnlichen Anteil findet man auch weltweit. Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta waren insgesamt 34,3% der TeilnehmerInnen weiblich (vgl. THELMANN 2000, 13). Ein ähnliches Bild skizziert sich auch im Breitensport. Gemessen an den Mitgliederzahlen des Deutschen Sport Bund (DSB) liegt das Verhältnis im Breitensport bei 61,5% Männern zu 38,5% Frauen1. Sicherlich ist der Breitensport kein profundes Messkriterium für die Inhalte von Sportnachrichten-Sendungen, da diese sich vornehmlich mit Spitzensport beschäftigen. Jedoch ist davon auszugehen, dass sich die Geschlechterverhältnisse im Spitzensport nicht signifikant von denen im Breitensport unterscheiden, da fast jeder DSB-Verband sowohl Spitzenkader für Frauen als auch für Männer organisiert. Ein starkes Abweichen von den genannten Verhältnissen würde den Kriterien der Objektivität und Universalität in Sportnachrichten-Sendungen nicht gerecht.

Der zweite Schwerpunkt der Analyse liegt auf der inhaltlichen Präsentation von Männersport und Frauensport. Wie bereits zahlreiche Arbeiten im thematischen Umfeld des vorliegenden Projekts aufgezeigt haben, wird Frauensport nach anderen, qualitativ minderen Kriterien präsentiert. Besonders auffällig war in der Vergangenheit stets, dass „ über den sport von frauen nicht immer sachlich und objektiv berichtet wird.“ (VOIGT 1999, 19). Eine Studie in den USA belegte 1994, dass auch in täglichen Sportnachrichten-Sendungen Frauensport stark marginalisiert wird. „women athletes were largely ignored. instead women were more often presented ‘humorously’ as sex objekts.” (DUNCAN/MESSNER 1994, 2). Auch in deutschen Sportmedien ist immer wieder eine Bezugnahme zum Aussehen der Sportlerinnen feststellbar (vgl. VOIGT 1999, 19). Des Weiteren wurde in den USA festgestellt, dass in diesen Sendungen Männersport wesentlich häufiger in Bild und Ton übertragen wurde, wohingegen Frauensport häufig als Textmeldung präsentiert wurde (vgl. DUNCAN/MESSNER, 1994, 2).

Der dritte Teil der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich mit den „Machern“ der untersuchten Sendungen.

In qualitativen Interviews sollen die inhaltsanalytisch generierten Ergebnisse mit den verantwortlichen Redakteuren diskutiert sowie die Selektionskriterien in den unterschiedlichen Redaktionen untersucht werden. Von besonderem Interesse ist hierbei, Differenzen zwischen theoretischen Überlegungen und alltäglichen Praxiszwängen aufzudecken.

1.2 Wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz der Untersuchung

Die wissenschaftliche Relevanz dieser Arbeit ist insofern gegeben, als dass die vorliegende Untersuchung eine Grundlagenforschung darstellt. In diesem speziellen Themenbereich der Sportnachrichten-Sendungen gibt es bisher noch keine Forschungsergebnisse aus dem deutschsprachigen Raum zum Themenkomplex Darstellung von Sportlerinnen und Sportlern. Selbst in einem größer gesteckten Rahmen existieren nur wenige, zum Teil stark veraltete Forschungsergebnisse, zum genannten Thema. Forschung zum Untersuchungsgegenstand Sportnachrichten-Sendungen sind bisher nur aus den USA bekannt. Eines der Anliegen dieser Arbeit ist es festzustellen, ob man die dort generierten Ergebnisse auf die deutschen Sportnachrichten-Sendungen übertragen kann.

Das Hauptanliegen dieser Arbeit ist es, die Basis für weitere Forschung zu diesem speziellen Thema zu schaffen. Ebenfalls scheint es sehr interessant, die Ergebnisse der Arbeit mit den Forschungsergebnissen aus benachbarten Feldern auf Gemeinsamkeiten sowie Besonderheiten des Mediums Fernsehen abzugleichen. Generell soll sich die Arbeit in das Untersuchungsfeld der Darstellung von Sportlerinnen und Sportlern in den Medien eingliedern.

Die gesellschaftliche Relevanz des vorliegenden Projekts erschließt sich zum einen aus der immer größer werdenden gesellschaftlichen Bedeutung des Sports, zum anderen aus dem auch darin begründeten starken Einfluss des Sports auf die Konstruktion von Geschlecht in unserer Gesellschaft.

Das gesellschaftliche Gewicht des Sports ist in den letzten Jahrzehnten immer weiter gestiegen.

„(...) in über 60.000 vereinen werden angebote vom babyturnen bis zum seniorensport heute schon von über der hälfte der bundesbürger regelmäßig in anspruch genommen. die zunehmende freizeit einerseits, die körperbewusstere einstellung andererseits, sowie die finanzierbarkeit vieler sportarten auch für normale einkommen haben dazu geführt, dass mehr und intensiver als je zuvor die freizeit sportlich-spielerisch, gesund und aktiv verbracht wird. diesem gesellschaftlichen trend sind die medien nachgekommen und/oder haben zu der beschriebenen entwicklung entscheidend beigetragen.“ (HACKFORTH 1988, 17).

Das hohe Interesse der BundesbürgerInnen auch am medialen Sport lässt sich durch das ZuschauerInnenverhalten der letzten Jahre belegen. So sind unter den 100 meistgesehensten Fernsehsendungen des Jahres 1998 66 Übertragungen aus dem Bereich Sport zu finden, unter den Top-Ten des Jahres 1997 befinden sich sogar neun Sportübertragungen (vgl. SCHAFFRATH 1999, 27). Ein starker Einfluss des medialen Sports auf den Alltag der Bundesbürger ist daher nicht zu übersehen.

Ebenfalls von großer Bedeutung sind die Medien für die Konstruktion der Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft. Monika Weiderer stellt in ihrer Untersuchung „Das Frauen- und Männerbild im Deutschen Fernsehen“ aus dem Jahre 1995 treffend fest, dass es „eine allgemein anerkannte tatsache [ist, d. verf.], dass die massenmedien in unserer gesellschaft wirkungen auf ihr publikum ausüben. (...) es ist eine wichtige quelle für beobachtungslernen und für das lernen von normen. das fernsehen kann das soziale verhalten von zuschauerinnen in die richtung beeinflussen, die der Inhalt des programms vorgibt.“ (WEIDERER 1995, 55). Ausgehend von der sozial-kognitiven-Lerntheorie nach Bandura läuft der größte Teil des sozialen Lernens sowohl beabsichtigt als auch beiläufig durch die Wahrnehmung des Verhaltens anderer ab. Dabei kann das Fernsehen die sozialen Handlungs- und Bedeutungsmuster ebenso beeinflussen wie das reale Leben (vgl. ebd., 56 f.).

Folglich sind die Auswirkungen der praktischen Negation von Frauensport im Medium Fernsehen nicht zu unterschätzen. Solange den ZuschauerInnen ein Bild vom Sport vermittelt wird, in dem Frauen nur eine marginale Rolle spielen, konstruieren die RezipientInnen ihre Sportrealität

ausgehend von der Fernsehberichterstattung als „frauenfreien“ Raum . „wie dieser einfluss gestaltet ist bzw. wie weitreichend er ist, darüber wurden bisher noch keine eindeutigen aussagen getroffen.“ (ebd., 55). Monika Weiderer weißt darauf hin, dass besonders im Nachrichtenbereich – wie er in der vorliegenden Arbeit untersucht wird – die Kriterien für eine Übernahme der angebotenen Modelle erfüllt sind. Verstärkender Faktor ist laut Weiderer die gesteigerte Aufmerksamkeit der ZuschauerInnen durch die Behandlung aktueller Thematiken (vgl. ebd., 318).

Doch nicht nur die quantitative Unterrepräsentation von Frauen führt zu einer verzerrten Wahrnehmung der Sportrealität bei den RezipientInnen. Auch sexistische oder stark stereotype Berichterstattung bietet den RezipientInnen ein verfälschtes Lernmodell an, wenn Frauensport nur in einem trivialisierenden Rahmen vermittelt wird. Eine starke Fixierung auf die Optik der Sportlerinnen oder noch weitreichender eine reine „dekorationsfunktion“ (ebd., 215) kann zu einer Abwendung der Rezipientinnen vom Gesellschaftsbereich Sport führen. Denn das verfälschte Abbild der Realität, in dem Frauen im Sport nicht existent oder nur in marginalisierter Form vorhanden sind, kann dazu führen, dass die Rezipientinnen dieses Modell übernehmen. Denn: „modelle, die auf dem bildschirm dargeboten werden nehmen die aufmerksamkeit so nachdrücklich gefangen, dass die zuschauer vieles von dem, was sie sehen, lernen, ohne dass sie dazu irgendwelcher anreize bedürften.“ (BANDURA 1979, 34).

1.3 Die Auswahl der Forschungsobjekte

Das Ziel der Untersuchung ist es, die täglichen Sportnachrichten-Sendungen im deutschen Fernsehen zu analysieren. Dazu gehörten im Untersuchungszeitraum das „DSF-Newscenter“, das „Sportscentre“ bei Eurosport und „täglich ran“ bei Sat.1. Ergänzt wurden diese drei Sendungen von privaten Fernsehanstalten durch das „ARD-Sportschautelegramm“. Im Gegensatz zu den drei vorher aufgeführten Sendungen wird das „ARD-Sportschautelegramm“ nur wöchentlich, immer sonntags, ausgestrahlt.

Die Selektion dieser vier Sendungen liegt darin begründet, dass sie als eigenständige Fernseh-Nachrichten-Sendungen zu betrachten sind.

Bei anderen Sendern wie RTL oder ZDF sind die Sportnachrichten in die normale Nachrichten-Sendung integriert. Eben diese Integration wurde nach dem Untersuchungszeitraum auch bei Sat.1 durchgeführt. Aus „täglich ran“ wurde „Sport in 18:30“, wobei „18:30“ die tägliche Nachrichten-Sendung dieses Senders ist. Somit wird also die Gesamtheit der eigenständigen täglichen Sportnachrichten-Sendungen abgebildet.

Die Erweiterung der drei täglichen Sportnachrichten-Sendungen durch das „ARD-Sportschautelegramm“ ergibt sich aus der Tatsache, dass es sich um eine Sendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens handelt. Die Einbeziehung der ARD dient hierbei, ein besseres Abbild der deutschen Fernsehlandschaft zu schaffen, da so beide Säulen des dualen Rundfunksystems integriert sind. Aus diesem Grund wurde die Einschränkung, dass es sich hierbei nicht um ein tägliches Sendeformat handelt, aufgeweicht.

Die Auswahl täglicher Sportnachrichten-Sendungen erfolgte aufgrund der Überlegung, dass Sportnachrichten-Sendungen sich mit dem universellen Sportgeschehen in Deutschland und der Welt beschäftigen sollten. Des Weiteren kann gerade von Nachrichten-Sendungen ein Höchstmaß an objektiver Berichterstattung verlangt werden. Bei dieser Sendeform wäre ein Abweichen von den genannten Ansprüchen besonders kritisch zu bewerten (vgl. DARSCHIN/ZUBAYR 2001, 242).

Daneben sind Nachrichten-Sendungen – auch im Sport – Ausgangsbasis für weitere Berichterstattung sowie Grundlage weiterführender gesellschaftlicher Kommunikation. Ein Thema, welches nicht einmal in den Nachrichten Erwähnung findet, kann von potenziellen RezipientInnen nicht wahrgenommen werden und so auch keinen Weg in das Bewusstsein der Bevölkerung finden. Auch aus diesen Gründen ist von diesen untersuchten Sendeformaten ein Höchstmaß an Sensibilität zu fordern.

[...]


[1] Eine NOK Statistik aus dem Jahr 2002 weist für die letzten vier Olympischen Spiele – 1996, 1998, 2000, 2002 – einen Anteil von Sportlerinnen von 41,8 % an den deutschen Olympiamannschaften aus.

1 1999 waren nach DSB-Angaben 61,5% der Mitglieder Männer und 38,5% Frauen.

Details

Seiten
295
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638170611
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10704
Institution / Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln – FB Sportsoziologie, Abteilung Geschlechterforschung
Note
1,0
Schlagworte
Präsentation Sportlerinnen Sportlern Sportnachrichten-Sendungen Fernsehens

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Titel: Die Präsentation von Sportlerinnen und Sportlern in Sportnachrichten-Sendungen des deutschen Fernsehens