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Offene Jugendarbeit >Jugendzentrum Egon´s< Winsen(Luhe) - Praktikumsbericht

Praktikumsbericht / -arbeit 2002 24 Seiten

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
Erwartungen an das Praktikum
Aufbau des Berichtes

2. Hauptteil

Beschreibung der Praktikumstelle

Meine Tätigkeiten als Praktikantin

Das Konzept der Räume und das Servicebüro als Modell

Die Besucherstruktur: Erklärungsversuche

3. Schlußteil

Gesamtreflexion

1.Einleitung

Erwartungen an mein Praktikum

Bei der Frage, in welcher Einrichtung ich mein achtwöchiges Praktikum in der Vordiplomsphase des Studiengangs Sozialpädagogik absolvieren wollte, standen zwei Überlegungen im Vordergrund:

1)Welche Form von Einrichtung kann mir am ehesten Einsicht in das mich interessierende Gebiet der „Kriminalitätsprävention durch Jugendarbeit“ bieten? 2) Ich besaß zu diesem Zeitpunkt noch kaum nennenswerte Erfahrungen im Umgang mit Jugendlichen und scheute davor zurück, ein eher konfliktbehaftetes Einsatzgebiet (wie etwa Jugendarrestanstalten)zu wählen.

Ich entschied mich daher (auch da mir aufgrund früherer Besuche die Problematik des dortigen Klientels bekannt war und interessant erschien)

für das Jugendzentrum Egon ’ s in Winsen (ehemals Haus der Jugend).

Aufbau des Berichtes:

Im folgenden möchte ich meine Praktikumstelle beschreiben, meine Tätigkeiten als Praktikantin darstellen sowie erläutern, warum ich das scheinbar ‚etwas angestaubte’ Konzept der offenen Jugendarbeit als heute noch effektiv einschätze [erste Vorläufer der heutigen offenen Jugendarbeit entstammen der Zeit nach der Kodifizierung des Preußischen Jugendpflegeerlasses im Jahr 1911 - weitere Ansätze gab es nach dem zweiten Weltkrieg in Form der „ German Youth Activities “ der amerikanischen Besatzungsmacht nach 1945 und 47]. Ich beschließe meine Ausführungen mit einer Gesamtreflexion der zweimonatigen Praktikumzeit.

Ich verwende den Begriff ‚offene Jugendarbeit’ im Folgenden gemäß der von Willy Klawe (in „Arbeit mit Jugendlichen“, Juventa, 4. überarb. Aufl.,

1996 Weinheim; München auf S. 12) zitierten Definition von Raymund Krisam und Hans-Georg Tegethoff (in „Jugendfreizeitzentrum und soziales Umfeld“, Neuwied 1977, S.2):

„Offene Jugendarbeit findet vor allem in Jugendfreizeitstätten (Häusern der Jugend, Häusern der offenen Tür, Jugendzentren) statt. Es handelt sich um Einrichtungen, die allen Jugendlichen, besonders den nichtorganisierten, durch Bereitstellen von Räumen und Sachmitteln die Möglichkeit zu vielfältigen Freizeitaktivitäten bieten und regelmäßig, d.h. an mehreren Tagen in der Woche bis in den Abend geöffnet sind“.

C.

D. Um bessere Übersichtlichkeit zu erreichen, benutze ich überwiegend die männlichen Formen von Berufsbezeichnungen.

2.Hauptteil

Beschreibung der Praktikumstelle

Ausstattung:

Das „Haus der Jugend“ besitzt einen offenen Freizeitbereich mit Tischtennis, Darts, Billard, Kickertisch, Flipper- automaten und Sitzgruppen. Weiterhin Fotolabor, Werkstatt, Computerraum mit Internetanschluß, einen Discobereich, Musiker-Übungsraum, Küche, ein Kiosk (bzw. Servicebüro) sowie Seminarräume , die auch von Verbänden der geschlossenen Jugendarbeit, dem Stadtjugendring und einer Musikervereinigung genutzt werden. Auf dem Gelände befindet sich außerdem eine Basketball-Anlage.

[Der Stadtjugendring (StJR) ist ein Zusammenschluß von etwa 25 Winsener Vereinen und Organisationen, die sich mit Jugendarbeit beschäftigen (z.B. Sportvereine, Kirchen-gruppen, Feuerwehr, DLRG, politische Parteien bzw. deren Jugendorganisationen, Schulvereine). Zum Angebot des Stadtjugendrings gehört auch ein Spielmobil, mit diversen Spielgeräten.]

Die Angebote richten sich vordergründig an Kinder, Jugendliche und Heranwachsen-de im Alter von 12 bis 21 Jahren.

Im allgemeinen ist das Jugendzentrum dienstags bis donnerstags von 16.30 bis 21, freitags von 15 bis 21 sowie samstags von 15 bis 21 Uhr geöffnet.

Bei Sonderveranstaltungen (wie Live-musik) auch länger. Während der Schul-ferien, montags, sonntags und an den Aktions-Tagen bleibt das Haus für den regulären Betrieb geschlossen.

Das 1973 erbaute Gebäude liegt in einem Wohngebiet, unmittelbar am Stadtkern, in erreichbarer Nähe zu mehreren Schulen und dem Winsener Freizeitbad. Die Stadt Winsen(Luhe) fungiert als Träger der Einrichtung, welche der Abteilung der Stadtjugendpflege unterstellt ist. Letztere ist dem Winsener Ordnungsamt angegliedert.

Die Finanzierung der vom Jugendzentrum abgedeckten Bereiche „Förderung der Jugendkultur“, „Ferienprogramm“ sowie „Ergänzungsmaterialien“ wird jährlich durch den Stadtratsausschuß für Jugend, Sport und Naherholung festgelegt, außerplanmäßige Anschaffungen (z.B. Hardware) müssen gesondert beantragt werden. Insgesamt stehen der Jugend-pflege und dem Jugendzentrum jährlich etwa DM 35.000 zur Verfügung. Zur Zeit beschäftigt das Egon ’ s drei hauptamt-liche Mitarbeiter(zwei Sozialpädagogen, eine Erzieherin). Desweiteren sind Honorarkräfte für spezielle Aufgaben wie Computer, Sport, Musik und Mädchenarbeit angestellt. Diese besitzen eine abge- schlossene pädagogischer Ausbildung oder sind darin befindlich. Das Team wird durch das bereits 25 Jahre in der Ein-richtung tätige Hausmeisterehepaar, eine Berufspraktikantin sowie regelmäßig wechselnde Praktikanten verschiedener Universitäten und Erzieherschulen unterstützt.

Zielsetzung, Rechtsgrundlage und konzeptionelle Inhalte:

-Förderung der offenen Jugendarbeit
-Jugendkulturarbeit
-Internationale Jugendarbeit(regelmäßiger Jugendaustausch mit Winsens französischer Partnerstadt)
-Prävention
-Ferienprogramm
-außerschulische Jugendbildung
-Förderung ehrenamtlicher Tätigkeit (vgl.§§11 bis 14 KJHG)

Grundlegend ist das Gebot der Frei- willigkeit. Erreicht werden sollen Stärkung des Selbstwertgefühls, der Eigenverantwortung/initiative und der Selbsthilfekräfte der Jugendlichen [Die monatliche >Teenie-Disco< für 12 bis 14jährige wird federführend von Jugendlichen selbst organisiert; die- sen Sommer fand erstmals ein eigen-initiiertes Fußball-Turnier statt]. Werte wie Toleranz und Verständnis füreinander sollen vermittelt werden.

Interaktion mit professionellen Beratungsstellen: Da das Jugendzentrum selbst keine Drogen-, Erziehungs-, Aids-, Schwangerschaftskonflikt- und Berufsbearbeitung anbieten kann, wird versucht, zu vermitteln, Hemmschwellen herabzusetzen und Kontakte herzustellen.

Unterschiedliche Projekte und AGs, oft durch Praktikanten angeleitet, werden regelmäßig angeboten. Zu nennen sind hier exemplarisch Video-Projekte, Sporttraining („Moonlight-Sport“) sowie die Mädchengruppe. Ausflüge (Cartbahn, Kegeln, Schwimmen, Eisstadion etc.) finden im Rahmen von Aktionstagen statt. Im Disco- Raum werden Modernisierungsar-beiten in Zusammenarbeit mit Jugend-lichen vorgenommen. Die Musikanlage steht den Jugendlichen (nach Erlernen der Technik) für Diskjockey-Übungen zur selbständigen Verfügung.

Gemeinschaftliche Spontan-Aktionen wie Kicker-Turniere oder TV-Übertragungen werden zahlreich besucht.

Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen (Newcomer-Festivals etc.) zielen darauf ab, neue Besucher für das Egon ’ s zu interessieren. Auch das alljährliche (Sommer-)Ferienprogramm bietet bisheri-gen ‚Nichtnutzern’ die Möglichkeit, während der Ferien an Aktivitäten teil- zunehmen und dabei Mitarbeiter und Jugendliche zwanglos kennen zu lernen. Dies hilft, Kontakte zu schließen, Hemmungen abbauen und vermeidet es, als ‚Neuer ganz alleine’ in den Raum treten zu müssen.

Die Besucherstruktur des offenen Bereichs hat sich innerhalb der letzten Jahre stark verändert. Waren es früher hauptsächlich deutsche Jugendliche beiderlei Geschlechts, so wird die Einrichtung derzeit überwiegend von männlichen Deutsch-Russen, Türken und Libanesen genutzt. Unter den Besuchern gibt es einige Deutsch-Russinnen, doch kaum deutsche oder türkische Mädchen. Während die deutschen Mädchen als Grund für ihr Desinteresse überwiegend angeben, sich dort von ausländischen Jugendlichen belästigt zu fühlen, sind es bei moslemischen Mädchen eher Verbote der Eltern aus Glaubensgründen.

[Hier stellt sich mir die Frage, ob es eigentlich vertretbar ist, „verträg- lichen“, unauffälligen Jugendlichen weniger Beachtung als den „Problem-fällen“ zu schenken. In Kauf zu nehmen, dass sie aufgrund der schwierigen Jugendlichen dem Haus fern bleiben. Ist die Betreuung schwieriger Fälle höher zu bewerten als die Prävention auf unterer Ebene? Ich beantworte mir diese Frage momentan mit ja, denn das Konzept des Festhaltens erscheint mir persönlich sehr wichtig.]In der Altersgruppe der 12 bis 14jährigen steigt der Anteil deutscher Kinder und Jugendlichen beider Geschlechter jetzt wieder an - Mit der Einrichtung der Schülertafel scheint ein wichtiger Schritt getan, vermehrt auch jüngeres Publikum heranzuziehen bzw. eine Veränderung der Besucherstruktur in Hinblick auf eine größere Durchmischung von Ausländern und Deutschen zu fördern.

Schülertafel:

Seit Sommer 1999 bietet die Jugendpflege der Stadt Winsen(Luhe)20 Betreuungs-plätze für Schüler der Klassenstufen 5 und 6, direkt nach der Schule, von ca. 12.00 bis

16.00 Uhr (montags bis donnerstags)an. Die >Schülertafel< besteht aus drei Säulen:

1)gemeinsames Mittagessen an vier Wochentagen
2)gezielte Unterstützung bei den Hausaufgaben
3)Verschiedene Unternehmungen, Anregungen für sinnvolle Freizeit-gestaltung

[Im Preis von DM 6.50 sind neben warmem Essen und Getränken die kostenlose Nutzung der Spielgeräte sowie sämtliche Eintrittspreise und Fahrten (z.B. Schwimmbad) enthalten. Elternberichten nach sind bereits positive Verhaltensänderungen ihrer Kinder merkbar.

Die Gemeinsamkeit im Jugendzentrum sei besser, als zu Hause alleine zu essen und die „liebevolle“ Begleitung der Hausaufgaben könne sich günstig auf die Einstellung zur Schule und somit auch auf die schulischen Leistungen auswirken.]

Das Servicebüro:

Um die Mitverantwortlichkeit sowie die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen zu fördern, hat man im Egon ’ s das Kiosk (in Form einer Gruppen-arbeit) der Selbstorganisation und Bewirtschaftung einiger Jugendlicher übergeben. Zu ihren ‚Pflichten’ gehört, neben Verkauf, Einkauf und Vorrats-haltung auch die Terminierung der Computer-Nutzung, Verwaltung der Schlüssel für den Musiker-Übungsraum und den Disco-Bereich. Auch die Oberaufsicht über CD-Player, Kassettenrecorder und den Fernseher wurde von den in ‚Schichten’ arbeitenden Jugendlichen übernommen. Da das Tragen der vollen Verantwortung nicht ganz dem frei-willigen ‚Servicebüro-Team’ zugemutet werden kann, betreuen und helfen die Mitarbeiter mit. Erwirtschaftete Gewinne kann das Team behalten.

Meine Tätigkeiten als Praktikantin

Die ersten Tage verbrachte ich damit, mich näher mit dem Haus vertraut machen. Mein Praktikumbetreuer, Ralf Macke, Jugendpfleger und Leiter des Egon ’ s, besprach mögliche Aufgaben wie Mitarbeit bei der Öffentlichkeitsarbeit, Betreuung der Schülertafel, das Anbieten eigener Projekte, Präsenz im Servicebüro bzw. im offenen Bereich mit mir.

Bei der Mitarbeit im Servicebüro (Spiel- geräte ausgeben, CDs einlegen oder Ge- tränke etc. verkaufen) lernte ich die meisten Jugendlichen relativ schnell kennen, denn die ‚Stammgäste’ interes- sieren sich natürlich sehr für neue Gesichter im Team. Ich verfolgte die Vorbereitungen für ein Schul-Theater- Festival, verteilte auch mal Plakate oder holte Leinwand und Diaprojektor für den Kino-Tag aus dem Rathaus ab. Ich bin mir natürlich im Klaren, das derlei Dinge keiner sonderlichen pädagogischen Qualifikation bedürfen, aber gerade diese anfallenden Aufgaben bieten dem Jugendarbeiter eine ‚Denkpause’ von belastenden Problemlagen und verschaffen ihm auch bei den Jugendlichen das Ansehen, dass er nicht nur „von oben herab leitet und Ratschläge gibt“ sondern sich auch mit ganz alltäglichen Aufgaben beschäftigt.

Am Dienstag fand generell die Praktikantenanleitung, gemeinsam mit drei Mitpraktikanten, statt.

An Sonnabenden(Samstags ist die Nutzung von Billard, Flipper und Internet kostenlos)beteiligte ich mich vermehrt bei verschiedenen Spielen. Bei Transpor-ten zur Sporthalle, der Begleitung eines Videodreh-Projektes zweier Mitpraktikan- ten sowie der Betreuung von Arbeiten am Computer (Bewerbungsschreiben etc.)kam ich schnell ins Gespräch mit den Jugendlichen.

An den wöchentlichen Dienstbesprechungen zu Terminplanung, Organisation von Ver- anstaltungen, Aufgabenverteilung, Dis- kussion von Problempunkten und Lösungssuche nahm ich teil.

Acht(anfangs neun)Kinder aus der Schülertafel-Gruppe nahmen, im Rahmen des nachmittäglichen Betreuungsprogram-mes, an der von mir vorgeschlagenen Theater-AG teil. Bevor wir gemeinsam eine Geschichte schrieben („Romeo und Julia in den 90ern“)und mit Rollenarbeit bzw. Szenischem Improvisationstheater begannen, versuchte ich, Gespräche zu initiieren und die zusammengekommene Gruppe noch ein wenig bekannter miteinander werden zu lassen. Vor dem Üben animierte ich die Kinder sich zu entspannen, lockern oder auch auszu-toben. Theater als pädagogische Methode ist für mich sehr sinnvoll, da Spielen ein Ventil für aufgestauten Druck oder Aggressionen sein kann. Während des Spielprojektes besitzen alle Teilnehmer ein gemeinsames Ziel (die Aufführung als Gruppenerlebnis - Förderung des Zusam- menhalts), haben Gelegenheit, Kontakte auf/auszubauen, eigene Möglichkeiten zu entdecken und Mut zur eigenen Kreativi-tät zu entwickeln. Nicht zuletzt lässt sich hier auch lernen, mit Niederlagen umzugehen.

Das Konzept der Räume und das Servicebüro als Modell

Davon ausgehend, dass Kriminalität in der >Entwicklungsphase Jugend< als relativ normale, in der Mehrzahl der Fälle von selbst vorübergehende, Ent-wicklungsstufe eingeschätzt wird, ist zu hinterfragen, warum manche Täter trotz-dem kriminelle Karrieren beginnen und ‚in die Szene abrutschen’. Kann offene Jugendarbeit hier in die ‚richtige’ Richtung leiten?

Anhand der im Egon ’ s gemachten Beobach- tungen versuche ich nun, folgende Frage- stellungen zu beantworten: Ist ein „Haus der Jugend“ heute noch gefragt? Kann das Servicebüro als ein Mittel pädagogischer Präsenz ohne die damit meist verbundene Kontrolldimension eingesetzt werden?

Ich vertrete die These, dass im Bereich kleiner und mittlerer Städte die alther- gebrachte Konzeption der Räume nach wie vor sinnvoll ist. Zumal ein Mangel an durchdachten Alternativen zu bestehen scheint. Mobile Jugendarbeit erscheint mir als Ergänzung des Jugendhauses sehr nutzbringend, sie ist flexibel einsetz- bar, braucht ihre “Kundschaft“ nicht zu erwarten, sondern begibt sich direkt in das alltägliche Umfeld der Jugendlichen. Ich befürchte allerdings, dass desin- teressierte Jugendliche auch von diesen Beratungs- und Hilfsangeboten schwer erreichbar sind und sie als Aufdrängen empfinden. Mobilen Freizeitangeboten fehlt überdies die Kontinuität des ständig verfügbaren Hauses.

Auch der Bauwagen als Form des Jugend- treffs erscheint mir unzureichend und eher zu klein für jugendliche Mitge- staltungsmöglichkeiten.

Die Handhabung von Problemstellungen setzt sicherlich voraus, die Interessen und Bedürfnisse junger Leute herauszu- finden, dies dann in Aktivitäten für bestimmte Zielgruppen umzusetzen, aber auch spontan gewünschte Aktionen zu ermöglichen. Doch was erwarten eigent-lich die Jugendlichen ? Und was bekom-men sie real geboten?

Positive Aspekte ‚räumlicher’ Jugendarbeit: ‚Erziehung’ durch peer-groups, kein weltanschaulicher/konfessioneller Druck einer Gemeinschaft, niedrigschwel- lige Angebote, keine Anmeldung oder bindende Mitgliedschaft, keine Leistungskontrolle, unkommerzielle Freizeit- und Bildungsangebote, Ort der Geborgenheit, Identifikation mit dem Sozialraum des Jugendhauses Integra- tionsaspekt(Kontakt zwischen den Nationalitäten)Möglichkeit, soziale Kontakte zu schließen

Negative Aspekte:

Zerstörungen und Ausgrenzungen, Alkoholverbots-Übertretungen, Diebstahl von CDs etc. schaden der Gemeinschaftlichkeit. Ungünstige Öffnungszeiten, dominant besetzte Räume

Räumliche und personale Verlässlichkeit

Das Wissen der Jugendlichen, „das es ja deren [der Mitarbeiter] Job ist, sich für mich zu interessieren“ muß nicht negativ positiv bewertet werden. Es gibt ihnen eine gewisse Handlungssicherheit in einer eher von Desinteresse geprägten Umwelt. Einen Halt in einer das Gefühl der eigenen Unwichtigkeit vermittelnden Gesellschaft mit überwiegender ‚ was-geht- mich-das-an/ich habe-selbst-genug- Probleme ’ Mentalität. Vorurteilsfreie Kommunikation mit den Mitarbeitern, Vertrautheit des dauerhaften persön-lichen Bezugs, verbunden mit relativ wenig Kontrolle und Beobachtung sind von den Jugendlichen geschätzte Aspekte. Ein bekanntes Terrain wirkt darüber hinaus weniger feindlich, als wenn ständige Veränderungen (wie etwa beim Spielmobil) stattfänden. Im positiven Fall stellt das Jugendzentrum eine Art „Zuhause-Ersatz“ dar, bietet gewisse Abgeschie-denheit von „draußen“ in der man sich wohl- und geborgen fühlen darf. Meiner Ansicht nach benötigen gerade Jugend-liche solche Rückzugspunkte, wo sie ernst genommen werden. Plätze, wo sie sich zugehörig fühlen, Jugendliche treffen, die „so sind wie ich selbst“ aber auch Übersichtlichkeit und Ver-lässlichkeit finden können.

Dies lässt sich, nach Ulrich Beck, mit einer mit der Individualisierung der Gesellschaft einhergehenden Herauslösung aus historisch vorgegebenen sozialen Bindungen begründen(Freisetzungs- dimension). Ich meine hier insbesondere den Bedeutungsverlust der Institution Familie. Ein weiterer Grund ist hiernach der Verlust traditioneller Handlungssicherheiten wie Glaube und Normen(Entzauberungsdimension). „Im Sozialraum erfahren Jugendliche gesellschaftliche Partizipationsmöglichkeiten oder aber auch deren Verweigerung (Babara Wolf: Kann Jugendarbeit Halt bieten?, S.177 in Lothar Böhnisch, Martin Rudolph, Barbara Wolf (Hrsg.) „Jugendarbeit als Lebensort“, Juventa 1998)

Das Egon ’ s ist keine kommerzielle Einrichtung, weshalb es jungen Leuten auch bei Geldmangel möglich ist, hier ihre Freizeit zu verbringen und Kontakte zu Gleichaltrigen aufzubauen. Ziel ist, ihnen Anregungen für sinnvolle Freizeit- gestaltung zu bieten, z.B. >Moonlight- Sport<. Freitags, jeweils von 20 bis 22 Uhr werden diverse Sportarten ausgeübt. Wie die Jugendlichen bestätigen, würden sie weitere Angebote dieser Art be-grüßen. Derlei Aktivitäten wirken natürlich schon allein durch ihren „Verwahr-Aspekt“ präventiv.

Durch Gespräche wird versucht, eine kritische Haltung gegenüber Suchtmitteln im allgemeinen sowie gegen Gewalt zu vermitteln.

Bezugsgruppen und deren Bedeutung für die Entwicklung: Anerkennung durch Gleichaltrige (also von Seiten Nicht- erwachsener) zu erreichen ist für Jugendliche sehr erstrebenswert. Diesen Sachverhalt kann der Jugendarbeiter nutzen, indem er bei „ranghöheren“, also hoch angesehenen Persönlichkeiten, faires Verhalten und vertretbare Ein-stellungen (z.B. bei Turnieren) hervor-hebt und belohnt. Akzeptiert der Be-treffende dies, wird eine Verhaltens-modifikation auch bei den anderen möglich. Das von Jugendlichen aus der peer-group Gezeigte wird relativ leicht übernommen, da hier die erwachsene ‚Belehren-Dimension’ fehlt.

Das Haus der Jugend als Übungsfeld sozialen Lernens/Handelns: Viele der(vor allem männlichen) mos- lemischen Jugendlichen besitzen ein (noch)recht traditionelles Rollenver- ständnis. Die Möglichkeit des Modell- lernens als „das Nachvollziehen von an einem Modell beobachteten Verhaltens- weisen“ erscheint mir als ein wichtiger Beitrag, den man im Egon ’ s zur Verbes- serung sozialen Zusammenlebens zu leisten versucht. Relativ „normale“ Lebensentwürfe und „typische“ Erwach-senenleben werden durch die Mitarbeiter vorgelebt, was Unterschiede zu bis-herigen Beispielen durch Eltern, Bekannte, etc. sichtbar macht.

Hier sollte man fremden Einstellungen aufmerksam zuhören können, dazu die eigene Meinung sagen, erklären und begründen. Handlungsalternativen demonstrieren, gesellschaftliche Werte verstehen helfen und, etwa in Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter, versuchen, Vorbild sein.

Ich glaube, dass es in der Zeit meines Praktikums im Winsener Jugendzentrum vor allem darum ging, den ausländischen (männlichen)Jugendlichen ‚ typisch deutsche’ Einstellungen und Gewohnheiten „Vorzuleben“. Es erscheint unumgänglich, bei Streitigkeiten, insbesondere im Hinblick auf die verschiedenen Kulturen, Hintergründe für manchmal unverständ- liches(Über)Reagieren sichtbar werden zu lassen und zu erklären. Schwierig ist sicher auch die Integration der Aus- siedler. Bei den Deutsch-Russen findet derzeit noch eher eine Abkapselung statt, der man scheinbar nur mit vor-sichtiger Näherung begegnen kann.

Für mich stimmt insofern die These, dass moderne Jugendarbeit eine sozialisatorische Dimension bekommen hat.

Das Servicebüro als sozialpädagogisches Mittel: Aufsicht ohne Aufdrängung

Stärkung des Selbstwertgefühls Jugendlicher durch Eigeninitiative einerseits/ Angebot von Begleitung und Beratung ohne Anbiederung andererseits

Niedrigschwellige Gesprächs-, und Freizeitangebote (wie sie im Servicebüro ja auf unterster Ebene geschehen) dienen als Einstieg zum Aufbau eines Ver- trauensverhältnisses (als Basis von Beratung), damit sich die Jugendlichen für etwaige Sozialpädagogische Hilfe überhaupt öffnen. Sympathie und Anti-pathie entscheiden meist, an wen sich der jeweilige Jugendliche wendet. Auch die Nationalität entscheidet die Wahl des Ansprechpartners (mir fiel auf, dass sich türkische Jugendliche insbesondere an einen türkischsprachigen Praktikanten wandten. Bei den (männlichen)deutsch- russischen Jugendlichen war ein Gespräch an der Servicebüro-Theke oft der einzige Weg des Kontaktaufbaus. Die Deutsch- Russinnen sind dagegen recht interes-siert an der Persönlichkeit der Mitarbeiter.

Durch den zwanglosen Kontakt im Service- büro konnten mich die Jugendlichen einbeziehen, wenn sie mich dabei haben wollten. Sie konnten z.B. ein Sandwich essen und dabei von Problemen berichten. Das Gespräch zu suchen ist sicher ebenso wichtig, doch die Möglichkeit, einfach nur da zu sein, präsent für gewünschte Kommunikation, gefällt mir sehr gut. So wird man nicht als Kontroll-Person, doch auch nicht nur als „Kiosk“-Verkäuferin verstanden. Sicher gäbe es zu diesem Konzept zahlreiche Verbesserungsmöglich- keiten. Schwierigkeiten in Bezug auf das Servicebüro standen ständig auf der Ta- gesordnung (etwa in der Organisation der Zusammenarbeit mit den hier tätigen Jugendlichen). Man darf diese Zone auch keinesfalls als einen „Schutzraum vor den Kids“ verstehen, in dem man sich als Mitarbeiter einigelt. Doch insgesamt gefällt mir dieses Modell der Präsenz ohne Kontrolle sehr gut.

Ausgrenzungsprozesse geschehen leider sehr häufig, da Menschen, so sie beispielsweise körperlich stärker, in der Überzahl oder generell einfluss-reicher sind, dazu tendieren, Räume dominant zu besetzen. Die dem Hinein-kommenden bereits im Eingangsbereich demonstrierte ‚fremdländische Übermacht’ im offenen Bereich des Egon ’ s mag sicher dazu beitragen, die einseitige Besucherstruktur weiter zu festigen.

Als wichtigen Kritikpunkt sehe ich in vielen Einrichtungen der offenen Jugend- arbeit die Festlegung der Öffnungs- zeiten. Zumeist werden hierfür andere Kriterien angesetzt als etwa Wünsche bzw. verfügbare Zeit der Jugendlichen. Während der Schulferien und an Feierta-gen wird geschlossen, anstatt Angebote eher noch auszuweiten. Im Jugendzentrum Stelle hat man sich jetzt zu einer Aus-dehnung der Öffnungszeiten, probeweise, von Januar bis April 2001 entschlossen. Laut einer dort durchgeführten Umfrage bestehe zwar sonnabends kein Bedarf, jedoch am Sonntag. Über den genauen Zeitrahmen besteht noch Unklarheit, dass am Sonntag aber keine Arbeit mit den Jugendlichen geleistet werden könne, sei klar. Eventuell soll dann eine Honorarkraft als Ansprechpartner fungieren. Ich halte es besonders an schul- und arbeitsfreien Tagen für notwendig, jungen Menschen einen offenen Raum zu bieten und für Gespräche da zu sein.

Oft sind es ja gerade diese freien Tage, an denen in schwierigen Familienkonstel- lationen über die Woche angestaute Probleme aufbrechen. Denn es ist ja kaum zu leugnen, dass ein Großteil des heutigen Klientels von Jugendarbeit eben gerade nicht seine Wochenend-Freizeit im Familienkreis verbringen will bzw. kann. In beengten Wohnverhältnissen kann hinzukommen, dass „alle aufeinander hocken“, Jugendliche „die Flucht ergreifen“ und dann über einen starken Zeitüberschuß und schlechte Laune ver- fügen. Mangels anderer Treffpunkte, versammeln sie sich meist auf den Straßen, dort, wo man sie eigentlich gerade weglotsen will. Extra für den Wochenend- Zeitraum eine Honorarkraft einzustellen, scheint mir ebenfalls bedenklich. Erstens sind die Jugend-lichen an diesen Tagen oft besonders lebhaft, aufgedreht oder auch übellaunig und aggressiv, womit ein einzelner überfordert sein mag und zweitens fehlt dieser Person sicherlich die nur länger-fristig aufzubauende Vertrauensbasis. Auch z.B. familiäre Hintergründe sollten für mich bei der Betreuung problema-tischer Jugendlicher möglichst bekannt sein.

Ich kann nicht ganz verstehen, warum an Wochenenden keine Arbeit geleistet wer-den soll, es gibt auf anderen Gebieten zahlreiche Menschen, die sonn- und feiertags ganz selbstverständlich Dienst tun.

Die Besucherstruktur:

Bildungsstand, Devianz, Hautfarbe und Nationalität, Geschlecht, subkulturelle Gruppenzugehörigkeiten sind gemäß der Konzeption des Jugendzentrums keine Ausschlusskriterien. Anhand folgender statistischen Beispiele, wie viele ausländische Mitbürger in der Kreisstadt Winsen real leben, ist zu hinterfragen, warum wohl deutsche Jugendliche sich den Angeboten mehrheitlich entziehen.

Staatsangehörigkeitsstatistik

der Stadt Winsen(Luhe)vom 9.3.2000

>Die Statistik erscheint mir im Hinblick auf die Besucherverteilung im „Egon’s“ allerdings nur bedingt aussagekräftig, da viele Jugendliche(beispielsweise Aussiedler)zwar die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, doch stark in anderen kulturellen Hintergründen eingebunden sind, sich selbst nicht primär als Deutsche empfinden und/oder Sprachschwierigkeiten haben<

Alterstufe der sechs bis 17jährigen:

männlich, insgesamt:2221, deutsch:1981 , ausländisch:240 - davon türkisch:115, libanesisch:40, syrisch:1, ukrainisch:2, russisch:6

weiblich, insgesamt:2057, deutsch:1868, ausländisch:189 - davon türkisch:109, libanesisch:23, syrisch:2, ukrainisch:1, russisch:0

Alterstufe der 18 bis 64jährigen:

männlich, insgesamt:10693, deutsch:9899, ausländisch:794 - davon türkisch:262, libanesisch:55, syrisch:13, ukrainisch:4, russisch:5

weiblich, insgesamt:10372, deutsch:9673, ausländisch:699 - davon türkisch:237, libanesisch:40, syrisch:7, ukrainisch:9, russisch:22

Mögliche Gründe:

Junge Deutsche sind in unserem Gebiet vielfach finanziell gut gestellt, so dass sie sich eher der geschlossenen Jugendarbeit zuwenden können. Dies scheint mir naheliegend, da Betätigun-gen wie Tennisspielen, Judo, Tanzen oder auch Nichtsportliches (z.B. Literatur, Schachkreis etc.) gesellschaftlich höher angesehen sind, den Status der Jugend- lichen stärken und somit einen Großteil der Freizeit belegen. Viele deutsche Jugendliche üben einen Job (neben der Schule) aus und können sich so den Aufenthalt an kostenintensiveren Plätzen wie Restaurants, Cafés, Musicals, Kino leisten. Ausländischen Jugendlichen fehlt oft die zur Arbeit nötige Vor-bildung und Sprachkenntnis. Genannte Bereiche bleiben ihnen daher oft verschlossen, was Ausweichen auf die Angebote des Jugendhauses zur Folge hat. Hier trifft sich ihre Clique, Bekannte sind regelmäßig da, oft ganze Familien-zweige(ältere Türken haben ihren Eltern gegenüber oft Aufsicht über jüngere Geschwister übernommen). Die jungen Deutsch-Russen fühlen sich innerhalb ihrer Gemeinschaft sicherer, können „unter sich sein, sich ausleben“. Bei zahlenmäßig überwiegend von deutschen Jugendlichen besuchten Veranstaltungen würde diese Sicherheit, der Rückhalt sowie die Stützung der eigenen Identität durch die Gruppe fehlen.

Auf den Dörfern bzw. eingemeindeten Gebieten scheint der Ausländeranteil durchschnittlich niedriger als in Winsen- Stadt zu sein. Außerhalb des Zentrums von Winsen wohnende deutsche Schüler und Pendler aus den umliegenden Dörfern haben aber nicht selten Mobi-litätsprobleme. Auch aufgrund eines Mangels an freier Zeit (da sie oft in explizit das Dorf betreffende Aktivi-täten wie Faslam oder Reiterhöfe eingebunden sind) bleiben sie dem Jugendzentrum fern. Die Ausbreitung von örtlichen Jugendtreffs/Clubs/Räumen, oft privat initiiert, tangiert den Zulauf des Egon ’ s sicher ebenfalls.

In der Gemeinde Hanstedt zum Beispiel

wurde jetzt ein Jugendtreff für etwa 30 Personen eröffnet, welcher von ehren- amtlichen Helfern organisiert wird.

Evaluation: Erfolge sozialpädagogischer Hilfsangebote sind ja in der Regel kaum messbar bzw. statistisch erfassbar, ob eine bestimmte Einrichtung notwendig und effektiv ist, lässt sich also schwer belegen. Angenommen, offene Jugendar-beit wie im Egon ’ s stellt nun z.B. einen Faktor dar, welcher die Gewaltbereit-schaft bei Auseinandersetzungen zwischen jungen Türken, Kurden, Deutschen oder anderen im Winsener Einzugsgebiet po-sitiv beeinflußt, so ist dieser Effekt (insbesondere für Laien)nahezu unsicht- bar. Passiert jedoch draußen vor dem Haus eine Schlägerei, etwa unter Türken und Kurden, bei der die Polizei hin-zukommt, so ist dieser Anlaß offen-sichtlich und schadet unverzüglich dem Ansehen des Hauses in der Öffentlichkeit.

3.Schluß

Abschließende Gesamtreflexion:

Da deutsche Besucher in der Altersgruppe von 14 bis 23 Jahren das Haus beinahe ausschließlich bei Großveranstaltungen (oder den Musiker-Übungs-Raum) besuchen, konzentriere ich mich auf eine Verhal- tensbeobachtung der türkischen und deutsch-russischen Besucher. Als Frau wurde ich meist mit einem gewissen Respekt behandelt, hatte es also einfacher, wurde jedoch auch nicht ganz für voll genommen. So wurden meine männlichen Kollegen meist von den Stammbesuchern per Handschlag begrüßt, bei mir begann dies erst sehr viel später. Ich versuchte bei manchen keine Änderung zu erzielen, bei anderen hielt ich es für angebracht, sie von mir aus zu begrüßen, was sie auch recht schnell annahmen. Manchmal war es für mich schwierig, Grenzen zu setzen, da bei den Mitarbeitern nicht immer Konsequenz bei der Handhabung von Sanktionen von Regelverstößen bestand. Die Jugendlichen wussten, dass sie den Praktikanten nicht unbedingt gehorchen mussten, da sie etwaige Folgen mit den ihnen jeweils nahestehenden Mitarbeitern ausmachen konnten. So wurde manch ein Hausverbot schnell wieder aufgehoben oder Be-strafungen neu ausgehandelt.

Auch ich hatte natürlich „spezielle Lieblinge“, denen ich alles verzieh, selbst wenn sie offensichtlich flunkerten. Mit derlei Selbstanalyse muß sich wohl gerade die Jugendarbeit dringend beschäftigen.

Zu Beginn meines Praktikums hatte ich eine sehr optimistische, vielleicht naiv- blauäugige, Sichtweise und konnte zuerst nicht begreifen, warum im Haus oft scheinbar völlig sinnlose Zer-störungen durch die Jugendlichen selbst geschehen. Vor allem nicht, da dies auch Dinge betrifft, welche ihnen offenkundig zur Verfügung stehen und hilfreich sind (z.B. Computerraum). Ich dachte, dass soziale Kontrolle und die eigene Vernunft(„ich schneide mir doch ins eigene Fleisch, indem ich das für mich nützliche Gerät demoliere“) und letztlich auch ein wenig Bindung an die Ausstattung des Hauses von Zerstörungen abhalten müßten. Auch die Undankbarkeit und Frechheit einiger Kids, gerade auch derer, die ein scheinbar freundschaft-lich /offenes Verhältnis zu den bzw. manchen Mitarbeitern hatten, stieß mich regelrecht vor den Kopf. Was sind es für Gründe, die junge Leute so handeln lassen? Der Jugendarbeiter soll und will sich an den Erwartungen der Jugendlichen orientieren, muß dabei aber den Spagat zwischen sich nicht veralbern oder ausnutzen lassen und dem Vertrauen in die Besucher behalten. Eine gewisse Enttäuschung minderte zeitweise meine Freude an der Arbeit, bedingt z.B. durch verbotenes Dauertelefonieren der Jugendlichen sowie Prügeleien (mit Erscheinen der Polizei). Ich kann deshalb auch gut verstehen, wenn Burnout-Effekte bei den Mitarbeitern oder negative Stimmung auftreten.

[Barbara Wolf propagiert unter dem Titel „Das Jugendhaus als sozialräumlicher Ort“ ein gemeinsames Aushandeln /Aufstellen der Regeln aller das Haus betreffender Angelegenheiten, damit die Hausordnung durch die Jugendlichen respektiert und kontrolliert, sowie die Sanktionierung von Verstößen sowohl von den Mitarbeitern als auch durch die Jugendlichen selbst geschehen kann. Ein institutionalisiertes Gremium aus Jugendlichen und Mitarbeitern diskutiert wichtige Belange. Ich habe Zweifel, ob dies in der Realität nicht zu viel Hoffnung in das Konzept des Aushandelns ist.

Es scheint meines Erachtens auch nicht allgemein anwendbar, was in einer kleinen oder mittleren Stadt funktio-niert, scheitert vielleicht im länd-lichen oder großstädtischen Bereich.

Offene Jugendarbeit erwa in einem von rechten Gruppierungen bestimmten Stadtteil hat sich natürlich an anderen Schwerpunkten und Arbeitsweisen zu orientieren als ein kleines, recht überschaubares Haus der Jugend.]

Ich konnte meine anfängliche(natürlich auch durch meine Persönlichkeit und altersmäßige Nähe zum Klientel)bedingte Unsicherheit gegenüber den Jugendlichen, welche auf den ersten Blick wenig um- gänglich, ja beinahe bedrohlich wirken, im Laufe der Zeit sehr abbauen.

Ich habe gelernt, rauen Umgangston nicht persönlich zu nehmen und dass manchmal einem Wunsch nicht (sofort)zu ent-sprechen, keinen nachhaltigen Sympathie-oder Vertrauensverlust seitens der Jugendlichen nach sich zieht.

Abschließend möchte ich bemerken, dass dieses Praktikum eine sehr positive Erfahrung für mich war.

Literatur:

Klawe, Willy: Arbeit mit Jugendlichen. Juventa, 4. überarbeitete Auflage, Weinheim; München, 1996

Böhnisch, Lothar / Rudolph, Martin / Wolf, Barbara (Hrsg.): Jugendarbeit als Lebensort. Juventa, Weinheim; München, 1998

Stadt Winsen(Luhe): Staatsangehörigkeitsstatistik vom 9.3.2000. Winsen (Luhe), 2000

Details

Seiten
24
Jahr
2002
DOI
10.3239/9783640053506
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v107075
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
Wird nicht
Schlagworte
Kriminologie rechtsradikal

Autor

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Titel: Offene Jugendarbeit >Jugendzentrum Egon´s< Winsen(Luhe) - Praktikumsbericht