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Rechtsextremistisches Wählerverhalten in Deutschland - Begründungen und seine Ausprägung im Osten Deutschlands

Seminararbeit 2002 18 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Entwicklung des rechtsextremen Wählerverhaltens

3. Beweggründe zur extremistischen Wahl
3.1 Protest und „Politikverdrossenheit“
3.2 Überzeugung
3.3 Protest und Überzeugung

4. Rechtsextremistisches Wählerverhalten in Ostdeutschland

5. Schlussbetrachtungen

Bibliographie

1. Einleitung

Wieder ist Bundestagswahl. Wieder haben Prognosen über den Wahlausgang Hochkonjunktur. Wieder rätseln Wahlforscher, welche Wählerschichten welchen Parteien wohl am ehesten ihre Stimme verleihen werden. Und wieder nimmt die Bedeutung der Medien im Wahlkampf zu, wird der „Kampf um die Stimmen“ multimedial zelebriert und überschlagen sich die Medienorgane mit Analysen, Hintergründen und Ausblicken. Nur eines scheint anders in diesem Wahljahr - rechtsextreme Parteien tauchen in der Diskussion nicht beziehungsweise nur am Rande auf.

Wahlentscheidungen sind in den letzten Jahren immer weniger voraussehbar geworden, dies wurde an anderen Stellen schon mehrfach erklärt und begründet.1 Gerade diese Umbruchsituation, in der sich das Wahlverhalten der Deutschen spätestens seit der Wiedervereinigung befindet, sollte jedoch den Schluss zulassen, dass ein Erfolg der extremen politischen Rechten durchaus denkbar wäre.

Die Wahlforschung beschäftigt sich insbesondere mit dem extrem rechten Wählerverhalten. Dies ist zunächst damit begründbar, dass gerade die politischen Extreme ihr Interesse auf sich ziehen, was wiederum die Frage aufwirft, warum nicht auch linksextremistisches Wählerverhalten auf diese Weise erforscht wird. Die denkbar einfache Antwort lautet hier, dass es keine auch nur halbwegs erfolgreiche Partei im linksextremen Spektrum gibt, deren Wähler analysiert werden könnten.2 Das Ergebnis der Forschung: Wahlergebnisse der extremen Rechten haben ihre eigenen Gesetze, die freilich vom allgemeinen Trend tangiert werden, diesem jedoch nicht zwangsläufig folgen. Immer noch müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, die zu einer Wahl des rechten Parteienspektrums führen.

Wer also wählt „rechts“ und vor allem warum? Schon bei weniger tiefgreifenden Überlegungen kommt man zumindest zu zwei Ansätzen, die Beweggründe für eine rechtsextreme Wahlentscheidung darstellen dürften. Da ist zum einen die gerade von den Medien hochstilisierte Protestwahl, also eine Wahl aus der reinen Unzufriedenheit mit der gegenwärtig praktizierten Politik bzw. deren Akteuren heraus. Dieser Ansatz ist nachvollziehbar. DVU, NPD und REP haben in den vergangenen Wahlkämpfen selbst vor allem die so genannten „Protestwähler“ angesprochen und auf deren Stimmen gehofft. In diesem Zusammenhang steht auch, der immer öfter verwendete Begriff der „Politikverdrossenheit“. In den Massenmedien wird er als der Hauptgrund für sämtliche wahlpolitischen Missstände gebracht. „Politikverdrossenheit“ sei verantwortlich für die immer geringere Wahlbeteiligung und eben auch die Erklärung für die immer wiederkehrenden Erfolge der extremen Rechten. Doch was versteht man eigentlich unter „Politikverdrossenheit“? Wenn es eine Definition für diesen Begriff gibt, dient er dann als Erklärungsmodell auch für die rechtsextreme Wahlentscheidung? Ein anderer Beweggrund wird von der Öffentlichkeit - vielleicht auch aufgrund der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands - nicht so lebhaft diskutiert: Die Rechtsextremen könnten auch aus Überzeugung gewählt werden. Eine solche Überzeugung könnte aber in direkte Verbindung mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte gebracht werden, doch solch eine Möglichkeit will sich die deutsche Gesellschaft nicht so leicht eingestehen. Welchen Einfluss haben solche möglichen Überzeugungen auf die Wahlentscheidung? Oder nimmt das Protestverhalten doch die dominantere Rolle ein?

Die Analyse der rechtsextremen Wählerschaft wird üblicherweise mit einem wahlgeschichtlichen Abriss über die Entwicklung der rechtsextremistischen Parteien in Deutschland begonnen. Auch diese Arbeit folgt diesem Schema, da schon hier erste Einschätzungen über die Erfolge der Rechtsparteien und deren Gründe möglich werden. Im darauf folgenden Teil sollen die oben genannten Ansätze als die Kernstücke der wissenschaftstheoretischen Erklärungsmodelle eingegangen werden.

Abschließend wird ein Phänomen beleuchtet, welches beinahe exemplarisch für das Wählerverhalten im rechtsextremen Bereich steht: Das Wählerverhalten in Ostdeutschland. Gerade die dortigen sozialen Aspekte und die fortwährende Umbruchsituation machen den Osten Deutschlands interessant für eine Analyse. Hier lassen sich die zuvor gebrachten theoretischen Erklärungen in der Praxis überprüfen, denn gerade in Ostdeutschland hatte extreme Rechte ihre größten wahlpolitischen Erfolge der letzten Jahre. Noch immer ist die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt von 1998 im Gedächtnis, bei der die DVU mit 12,9 Prozent ihr bestes Ergebnis überhaupt erzielen konnte.

Die Arbeit beschäftigt sich also nicht unbedingt mit gänzlich neuen Forschungsaspekten. Doch in den letzten zwölf Jahren hat sich viel ereignet. Wie eingangs erwähnt befindet sich die deutsche Wählerlandschaft im Umbruch - mit Auswirkungen gerade auch für den rechtsextremen Bereich.

2. Entwicklung des rechtsextremen Wählerverhaltens

Rechtsextreme Parteien hatten in den letzen 53 Jahren immer wieder Erfolge in Deutschland. Betrachtet man die Wahlstatistiken so werden drei wahlpolitische Erfolgswellen der extremen Rechten offensichtlich. Dabei ist festzustellen, dass „alle drei [...] während oder kurz nach größeren wirtschaftlichen und sozialen Krisen“3 auftraten. Die erste Phase ist folglich schon in der Gründungszeit der Bundesrepublik zu finden. Obwohl in dieser Zeit relativ viele kleinere rechte Splittergruppen um Stimmen kämpften, was heute als Haupthindernis der Rechten gilt, konnte die Deutsch-Konservative Partei/Deutsche Reichspartei (DRP) fünf Abgeordnete in den ersten deutschen Bundestag entsenden und auch andere Parteien wiesen teils beachtliche Erfolge auf. Die Sozialistische Reichspartei (SRP) etwa konnte in Niedersachsen 11 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, hinzu kamen dort weitere 8,1 Prozent für die DRP. Der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten bekam 1950 in Schleswig-Holstein gar 23,4 Prozent der Stimmen.4 Jürgen Winkler spricht davon, dass die Rechtsextremen in der Anfangsphase der Bundesrepublik insgesamt einen Stimmenanteil von rund 10,5 Prozent erreichen konnten.5

Auffällig erscheint die Tatsache, dass die rechten Parteien gerade dort sehr gut abschnitten, wo schon die NSDAP sehr erfolgreich war, manch einer meint sogar, dass Rechtsextremisten damals noch regionale Wählertraditionen gehabt hätten, „die bis ins Kaiserreich zurückreichen“6 würden. Unabhängig davon, ob man solchen Thesen Glauben schenkt, ist durchaus erkennbar, dass die extreme Rechte in begrenzten Räumen überdurchschnittlich erfolgreich war und auch noch heute ist.

Mit dem Verbot der SRP durch das Bundesverfassungsgericht 1952 übernahm dann die ihr nahe stehende Deutsche Reichspartei die führende Rolle unter den Extremisten der politischen Rechten. Sie konnte jedoch nicht mehr an die vorangegangenen Erfolge anschließen. 1953 begann ein beständiger Abstieg der rechten Parteien. Dies ist nicht zuletzt auf die Verschärfung des Wahlrechts zurückzuführen. Bei der Wahl zum zweiten deutschen Bundestag musste die 5-Prozent-Hürde bundesweit übersprungen werden und nicht mehr nur in einem einzelnen Bundesland. Die extreme Rechte wurde aber auch aus politischen Gründen zurückgedrängt. Die neuentstandene deutsche Demokratie stabilisierte sich langsam. Sie konnte innen-, außen- und wirtschaftspolitische Erfolge aufweisen, die dafür sorgten, dass den Rechten die ärgsten Angriffspunkte entzogen wurden.7

Eben dieser Niedergang legte aber schon den Grundstein für einen zweiten Aufstieg der Rechten. Aufgrund der anhaltenden Misserfolge versuchte die DRP-Führung die 1963 neu gegründete NPD „als eine Sammlungsbewegung des rechten Lagers“8 zu installieren. Diese Strategie erwies sich zunächst als wirksam. In der Folge zog die NPD in sieben Landtage ein. Bei der Landtagswahl von Baden-Württemberg im Jahr 1968 erreichte sie mit 9,8 Prozent einen beträchtlichen Stimmanteil. Entgegen der Erwartung der meisten Analysten, welche die NPD schon im Bundestag sahen, scheiterte die Partei bei der Bundestagswahl 1969 - wenn auch nur knapp - mit 4,3 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die NPD konnte in diesen vier erfolgreichen Jahren von verschiedenen Entwicklungen profitieren. Zum einen erlebte die Bundesrepublik ihre erste größere Wirtschaftskrise, zum anderen bildete sich nach der Bundestagswahl 1965 eine „Große Koalition“ aus SPD und CDU/CSU. Im Zuge der Annäherung dieser Parteien wurde an den linken und rechten Rändern der Politik ein Freiraum geschaffen, den neue Organisationen bzw. Parteien auszufüllen versuchten. Die NPD betrieb dies am rechten Rand mit Erfolg und konnte sich zusätzlich noch als radikale Gegenbewegung zur teilweise linksextremistischen „Außerparlamentarischen Opposition“ (APO) profilieren.9

Mit dieser Begründung konform gehen die Ursachen für den schnellen Abstieg der NPD nach der Bundestagswahl 1969. Die „Große Koalition“ wurde nicht fortgesetzt, die Wirtschaftkrise schien überwunden und innerhalb der Rechten kam es wieder zu Machtkämpfen und Spaltungen.10

Rund 15 Jahre benötigte die extreme Rechte in Deutschland um sich wieder zu erholen und erneut Erfolge bei verschiedenen Wahlen aufzuweisen. Träger der dritten Welle waren nun gleich zwei neue Rechtsparteien. Die DVU war 1987 zunächst im Wahlbündnis mit der NPD in Bremen erfolgreich, zwei Jahre später zogen die Republikaner (REP) in den Berliner Senat und ins Europaparlament ein. Unterbrochen wurde diese Phase kurzzeitig durch die Vereinigung der beiden deutschen Staaten, da die Hauptthemen der Rechten - Ausländer und die Forderung nach der Vereinigung - in der Öffentlichkeit an Relevanz verloren. Es schien, als wäre der dritte Erfolgsschub der rechtsextremistischen Parteien nach nur drei Jahren zum Erliegen gekommen. Zwölf Jahre nach der Deutschen Einheit müssen wir erkennen, dass dem nicht so war, seitdem konnte die Rechte immer wieder neue Achtungserfolge erzielen. Dies deutete sich schon in den Jahren 1992 bzw. 1993 an, als die Republikaner beispielsweise bei der damaligen baden-württembergischen Landtagswahl das Spitzenergebnis von 10,9 Prozent erreichten. Eine weitere Fehleinschätzung war, dass „die extrem rechten Parteien in den alten Bundesländern deutlich besser abschneiden als in den neuen Bundesländern“11 - 1998 bekam die DVU 12,9 Prozent der Stimmen in Sachsen-Anhalt.12

Die extreme Rechte hat nun seit über 15 Jahren immer wieder recht hohe Erfolge auf Landesebene aufzuweisen - zuvor erhielt sie rund 35 Jahre lang kaum Resonanz aus der Bevölkerung.13 Das ist umso erstaunlicher, als dass die rechtsextreme Orientierung seit Gründung der Bundesrepublik bis heute durchaus rückläufig war.14 Scheinbar führt „rechtsextreme Orientierung weder notwendigerweise zur Wahl rechter Parteien“, noch stellt es „die einzige Ursache für ein solches Verhalten“15 dar.

Als weiterer Schluss aus den bisherigen Wahlergebnissen der Rechten kann schon jetzt folgen, dass sie bei so genannten „Nebenwahlen“, also etwa Europa- aber auch Landtagswahlen, erfolgreicher sind. Bei diesen Wahlen nimmt „die Stimmabgabe eher eine expressive als eine instrumentelle Funktion“16 an - es wird impulsiver gewählt.

3. Beweggründe zur extremistischen Wahl

3.1 „Politikverdrossenheit“ und Protest

Gerade seit Beginn des dritten Erfolgsschubes der Rechtsextremisten in der Bundesrepublik - also seit Mitte der 1980’er Jahre - wird in den populären aber auch in den anspruchsvolleren Medien immer wieder die Protestthese oder auch die sogenannte „Politikverdrossenheit“ als Grund für die anhaltenden Erfolge seitens der Rechten genannt. Diese These ist nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, auch wenn sie auf den ersten Blick sehr oberflächlich erscheint.

Zunächst sollte geklärt werden, was wir eigentlich unter Protestwahl, die aus „Politikverdrossenheit“ entsteht, verstehen. Bei der Wahl aus Protest heraus müsste es sich um einen „wohlkalkulierten Versuch enttäuschter Wähler“17 handeln, die rechts votieren um ihrer eigentlich präferierten Partei einen „Denkzettel“ zu verpassen. Folgt man dieser These, hätten sich die Wähler nicht im Politikangebot der etablierten Parteien wiedergefunden, identifizieren sich aber auch nicht mit dem Programm der rechtsextremen Parteien.18 „Politikverdrossenheit“ äußert sich demnach also darin, dass die Wähler bewusst den Tabubruch der Rechtswahl nutzen wollen, um auf ihre Missbilligung bestimmter politischer Entwicklungen aufmerksam zu machen.

Und tatsächlich besteht weitgehende Einigkeit darin, dass diese „Politikverdrossenheit“ zu einer erhöhten Rechtswahlwahrscheinlichkeit führt.19 So wird darauf hingewiesen, dass „alle [von den Autoren] betrachteten Gruppen [...] mit der Demokratie in Deutschland überaus unzufrieden [sind und] glauben, dass die falschen Leute in führenden Stellungen seien und [...] die Gesellschaft in einer schweren Krise [ist]“20. Diese „politische Entfremdung“21 kombiniert mit Unzufriedenheit in so unpolitischen Bereichen wie dem Familienleben folgt in erhöhtem Maße die Rechtswahl.22

Neben der Frustration über das Verhalten der politischen Elite führen jedoch vor allem auch materielle Unzufriedenheit und die Befürchtung von Statusverlust zu „Politikverdrossenheit“23. Diese allgemein als „Modernisierungsverlierer“ bezeichneten Bürger wählen jedoch nicht zwingend rechts - im Osten wird vor allem die PDS gewählt.24

Die Verdrossenheit bzw. das Gefühl der sozialen Benachteiligung allein reichen jedoch schon bei der Protesttheorie nicht mehr aus um eine beinahe zwingende Rechtswahl zu bewirken. Die Rechtsparteien müssen sich auch als Protestparteien profilieren, sie müssen „lautstark“ aus ihrem Schattendasein heraustreten um Aufmerksamkeit im Wahlkampf zu erringen.25 Auch die rechtsextremistischen Parteien selbst wissen um ihr Protestpotential. Zur Bundestagswahl 1998 trat die NPD beispielsweise unter anderem mit dem einfachen Slogan: „Protest!“ an.

3.2 Überzeugung

Rechtswähler benennen jedoch nicht nur „Politikverdrossenheit“ als eines der drängendsten Probleme der Gesellschaft, sondern bei Jürgen W. Falter auch „sehr viel häufiger als andere Wahlberechtigte die Themen »Ausländer und Asyl«“. Weiter heißt es dort, es bestünde ein eindeutiger „Zusammenhang zwischen der Ablehnung von Ausländern [...] auf der einen und der Affinität zu den Rechtsparteien auf der anderen Seite“26. Sind die 12,9 Prozent der DVU- Wähler aus Sachsen-Anhalt also tatsächlich alles Rechtsextremisten gewesen? Mitnichten. Bei solch extrem hohen Ergebnissen darf man wohl davon ausgehen, dass ein großer Teil der Stimmen tatsächlich von reinen Protestwählern stammen. Dennoch haben über die Hälfte der Rechtswähler ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild und auch die restlichen haben durchaus rechtsextreme Ansätze verinnerlicht.27

Bei der Verwendung des Begriffs „geschlossenes rechtsextremes Weltbild“ sollte noch kurz geklärt werden, was darunter zu verstehen ist. Um das Weltbild eines Wählers einzuordnen wird ein recht einfaches Befragungsverfahren verwendet. Dabei bekommt der Befragte zehn Standpunkte vorgegeben, die in ihrer Art und Weise dem rechtsextremen Weltbild zugeordnet werden können.28 Je mehr Thesen der Befragte als zutreffend bezeichnet, desto mehr kann man ihn als rechtsextremistisch einordnen. Dieses System lässt allerdings außer Acht, dass die einzelnen Aussagen in durchaus unterschiedlichem Maße rechtsextremistisch ausgelegt werden können. Beispielsweise die Behauptung, dass die Deutschen mehr Nationalgefühl äußern sollten, ist allein sicherlich nicht so schwerwiegend, wie etwa die Forderung, dass Ausländer nur noch untereinander heiraten dürften. Trotzdem gibt das Analyseverfahren ein verwendbares Allgemeinbild ab, zumal eine hohe Anzahl der Thesen positiv bewertet werden müssen, um von einem geschlossenen rechtsextremen Weltbild sprechen zu können.

Nicht verwunderlich ist, dass mit höherer Anzahl der rechtsextremen Antworten auch die Wahrscheinlichkeit der rechtsextremen Wahl wächst.29 Ebenfalls absehbar ist die Tatsache, dass diejenigen, die den schon angesprochenen extremeren Behauptungen zustimmen, in erhöhtem Maße den Parteien der extremen Rechten zugeneigt sind.30

Doch selbst von denjenigen, die verlangen die Eheschließung nur noch unter Landsleuten zu erlauben, stimmen „nur“ 16 Prozent für eine rechtsgerichtete Partei.31 Dies ist erklärbar mit der immer noch vorhandenen enormen Integrationskraft der beiden großen Volksparteien in der Bundesrepublik. Gerade die CDU/CSU integriert dabei, wie am angesprochenen Beispiel ersichtlich, eine sehr hohe Zahl von Wählern, aber auch die SPD bekommt Stimmen von Bürgern mit rechten Gedankengut. Dabei lässt die Bindungskraft der Parteien allerdings immer dann nach, wenn sie sich in der Regierung befinden. Die NPD beispielsweise erlebte, wie schon im zweiten Kapitel angedeutet, ihren Aufschwung, als SPD und CDU/CSU nach der Bundestagswahl 1965 eine große Koalition eingingen und somit mehr in die politische Mitte rückten. 1998 verfügte die CDU/CSU als nach 16 Jahren völlig verbrauchte Regierungspartei kaum noch über Integrationspotential - ein Erfolg der Rechten blieb möglicherweise nur aus, weil ein Regierungswechsel nur durch einen SPD-Erfolg erreicht werden konnte.32

Im Ergebnis bleibt dennoch festzuhalten, dass fast drei Viertel der Rechtswähler über ein ausgeprägtes rechtsextremistisches Weltbild verfügen.33 Auch wenn diese Aussage schon impliziert, dass eben nicht jeder Rechtswähler tatsächlich extremistisch ist, ist die reine Protestwahlthese damit widerlegt - auch im Nachkriegsdeutschland ist in einem Teil der Bevölkerung rechtsextremes Gedankengut in bedrohlichem Maße verankert.

3.3 Protest und Überzeugung

Rechtswähler können also überzeugt von der rechtsextremen Ideologie sein, es kann aber auch sein, dass sie den etablierten Parteien aus Protest und dem Gefühl der sozialen Benachteiligung „nur“ einen Denkzettel verpassen und ihre Politik bestrafen wollen. Was aber wenn beides zutrifft? Die Wahl der extremen Rechten aufgrund der Kombination von Protest und Überzeugung?!

Mit Beginn der dritten Welle des wahlpolitischen Erfolges der Rechtsextremisten kam dieser „neue“ Erklärungsansatz auf, denn allein mit Protest bzw. „Politikverdrossenheit“ ließen sich diese jetzt schon ungefähr 15 Jahre andauernden hohen Wahlergebnis der Rechten nicht mehr erläutern. 1994 kommen Dieter Roth und Hartmut Schäfer zu der Ansicht, dass der Wähler von rechtsextremen Parteien eine spezifische Grundstruktur aufweisen muss, die ihn empfänglich für bestimmte Informationen - also die Propaganda der Rechten - macht. Zusätzlich müsse aber auch eine Störung zwischen dem Wähler und der Politik vorliegen.34 Im selben Jahr belegt dies Jürgen W. Falter damit, dass etwa 20 Prozent der Rechtswähler sowohl politikverdrossen wären und zusätzlich über eine rechtsextreme Gesinnung verfügten.35

Um eine tatsächliche Aussage zur etwaigen Verbindung zwischen Protest und rechtsextremer Überzeugung abgeben zu können, kombiniert man das im vorigen Teilkapitel vorgestellte Verfahren zur Messung der rechtsextremen Einstellung mit Untersuchungen, die auf „Politikverdrossenheit“ schließen lassen. Wir haben bereits festgestellt, dass beide Phänomene einzeln betrachtet, die Wahrscheinlichkeit der Rechtswahl erheblich steigern. Auch bei Untersuchungen, die noch ein drittes Element - das Gefühl der sozialen Benachteiligung - heraustrennen, stellt man fest, dass auch dieses einzeln betrachtet die Rechtswahlwahrscheinlichkeit steigert.36

Immer dann jedoch, wenn zur „Politikverdrossenheit“ oder dem Gefühl der gesellschaftlichen Benachteiligung rechtsextremistisches Gedankengut hinzukommt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person eine rechtsextreme Partei wählt, stark an. Wenn gar alle drei einzelnen Indikatoren zusammentreffen, „fühlt sich jemand [also] benachteiligt, ist er zugleich politikverdrossen und besitzt er obendrein ein rechtsextremes Weltbild, so beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass er sich für eine rechte Flügelpartei entscheidet, zwischen 30 und 40 Prozent“37. Auch wenn in der verwendeten Quelle, darauf hingewiesen wird, dass es sich bei diesen Personen um eine sehr kleine Wählerschicht handelt, so ist doch erkennbar, dass sich besagte Einzelbegründungen der rechtsextremen Wahl stark beeinflussen, auch wenn sie durchaus unabhängig voneinander auftreten können. Beachtenswert ist womöglich, dass die Zahl derer, die man als „politikverdrossen“ bezeichnen kann und die sich sozial benachteiligt fühlen, ansteigen dürfte, wenn man der unter Punkt 3.1 angesprochenen „Modernisierungsverlierertheorie“ folgt. Immer wieder wird erklärt, in welch starken Umbruchzeiten wir leben - möglicherweise baut sich dort ein neues viel größeres Potential rechtsextremer Wähler auf, als man bisher annehmen kann. Eine solche Entwicklung kann man derzeit im Osten Deutschlands beobachten, worauf im folgenden Kapitel noch eingegangen wird.

Am Ende dieses Kapitels lässt sich eine zusammenfassende Schlussfolgerung über die Gründe für rechtsextremistisches Wählerverhalten ziehen, die schon Jürgen Falter traf: „Politischer Protest und unpolitische Entfremdung, das Gefühl sozialer und wirtschaftlicher Benachteiligung, die Ablehnung von Ausländern und die Existenz nationalistischer Rechtsorientierungen“38, das sind die Bedingungen, die zur Wahl einer rechtsextremistischen Partei am deutlichsten beitragen.

4. Rechtsextremistisches Wählerverhalten in Ostdeutschland

Nachdem nun die theoretischen Grundlagen über die Gründe für rechtsextremistisches Wählerverhalten dargelegt worden sind, soll jetzt noch ansatzweise darauf eingegangen werden, wie diese Theorien in der gegenwärtigen Realität ihre Umsetzung finden. Für solch eine Darstellung ist die Entwicklung in Ostdeutschland geradezu prädestiniert, vor allem auch wegen des medialen Echos, welche rechtsextreme Tendenzen im Ostteil der Bundesrepublik immer wieder hervorrufen und damit immer wieder für eine breite öffentliche Debatte sorgen. Der Rechtsextremismus hier ist sehr breit gefächert und bietet eine Vielzahl von Ansätzen, über die es sich zu debattieren lohnt. Als Beispiel seien hier nur Extremismus unter Jugendlichen oder auch das rechte Gewalt- und Protestpotential genannt. Auch das an dieser Stelle zu analysierende Wahlverhalten ist solch ein interessanter Punkt, der in Ostdeutschland durch die Vielzahl von Umwälzungen aller Art hervorgebracht wurde.

Wahlpolitisch konnte die extreme Rechte in den letzen Jahren im Osten eigentlich nur zwei mal konkrete Erfolge aufweisen. 1998 zog die DVU mit spektakulären 12,9 Prozent in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein und 1999 übersprang sie in Brandenburg mit 5,3 Prozent knapp die Sperrklausel. Für Armin Pfahl-Traughber ist diese im Vergleich zu den westlichen Bundesländern geringe Anzahl von Mandatsgewinnen Grund genug zu der Annahme, dass diese Wahlen „keineswegs notwendigerweise eine zukünftige Etablierung der DVU als Wahlpartei in Ostdeutschland“39 bedeuten, diese Wahlerfolge wären bisher noch nicht bestätigt worden - ganz anders als beispielsweise in Baden-Württemberg und Bremen. Als weiteres Indiz dafür, dass die Gefahr des wahlpolitischen Extremismus der Ostdeutschen nicht so ausgeprägt wäre, wie an anderen Stellen teilweise behauptet, dient Pfahl-Traughber die Mitgliederstatistik von DVU und REP, wonach der Mitgliederanteil von Ostdeutschen in diesen Parteien nur bei fünf bis zehn Prozent läge.

Pfahl-Traughber mag damit recht haben, dass sich aus zwei Landtagswahlerfolgen noch kein anhaltender Rechtsextremismus der Wähler im Osten ableiten lässt, trotzdem muss man erkennen, dass auch die extremen Rechtsparteien selbst ihren Wahlkampf mehr und mehr auf Ostdeutschland konzentrieren und dass diese Parteien in zunehmenden Maße im Osten höhere Wahlerfolge feiern können als im Westteil der Bundesrepublik.

„Nach wie vor übertrifft der Westen den Osten also um das Doppelte“40, konnte Richard Stöss noch 1994 feststellen, als er auf die prozentuale Verteilung der Wahlabsicht zu Gunsten der Republikaner einging - andere kommen zu ähnlichen Erkenntnissen41. Für die Bundestagswahl 1998 stellt Stöss jedoch dann fest, „war der Wähleranteil der rechtsextremistischen Parteien in Ostdeutschland größer als in Westdeutschland“42. Damals erreichten die Parteien der extremen Rechten in ganz Ostdeutschland zusammen genau fünf Prozent, in Sachsen und Brandenburg erreichten sie sogar noch mehr.

Nicht nur die Entwicklung Wahlergebnisse zeigen an, dass Ostdeutschland mit dem Westen im Bereich des Rechtsextremismus mehr als nur gleich gezogen hat. Die im vorigen Kapitel benannten Beweggründe zur rechtsextremistischen Wahl haben sich mittlerweile in Ostdeutschland etabliert. „Unzufriedenheit, Zukunftspessimismus und Systemverdrossenheit sind in dieser Zeit [1994 - 1998] stark angewachsen“43 und „1998 verfügten [...] 17 Prozent der Ostdeutschen und 12 Prozent der Westdeutschen über ein rechtsextremistisches Weltbild“44. Das nach Falter günstigste Umfeld für den Rechtsextremismus hat sich in den nicht mehr so neuen Bundesländern entwickelt. Sowohl „Politikverdrossenheit“ und Protest als auch rechtsextreme Überzeugung sind in erhöhtem Maße in Ostdeutschland zu finden. Das ergibt möglicherweise ein Gemisch, welches sich schon in den 12,9 Prozent der DVU in Sachsen-Anhalt niederschlug - auch wenn dort noch eine ganze Reihe andere Faktoren eine Rolle gespielt haben, auf die an dieser Stelle jedoch nicht weiter eingegangen werden soll.

Die Hauptgründe für diese Entwicklung sind sicherlich in den verschiedensten Schwierigkeiten, die durch die Vereinigung der beiden deutschen Staaten entstanden sind, zu suchen. Dabei können jedoch „wirtschaftliche und soziale Vereinigungsprobleme [...] nicht scharf voneinander abgegrenzt werden“45. Mit der Vereinigung von DDR und Bundesrepublik, veränderte sich das Leben der Ostdeutschen schlagartig, die sogenannte „Wende“ war ein Bruch in der Biographie jedes einzelnen. Der Systemwandel war zwar gewünscht und bewusst herbei geführt worden, „in seinen konkreten sozialen und psychischen Auswirkungen für das Individuum aber von vornherein nicht absehbar“46.

Allein in den neun Jahren zwischen 1989 und 1998 sank die Zahl der Erwerbstätigen in Ostdeutschland von 9,7 Millionen auf nur noch 5,8 Millionen. Diese wirtschaftspolitische Dimension wirkt sich Osten noch stärker auf soziale Lebensaspekte aus als eine ähnliche Entwicklung es etwa im Westen getan hätte. Arbeit hat im Osten Deutschland einen viel höheren Stellenwert, war doch bis 1990 die praktische Vollbeschäftigung garantiert. Vor allem aber bedeutet Arbeit im Osten „soziale Integration, Qualifikation und Kommunikation“47. Die wirtschaftlichen - und damit auch die sozialen - Probleme werden noch verstärkt durch Schwierigkeiten der Globalisierung, wie sie auch in anderen westeuropäischen Ländern auftreten. „Die Ostdeutschen sollten innerhalb weniger Jahre einen Modernisierungsschub bewältigen, der in Westdeutschland [...] über ein bis zwei Generationen verlief“48, diesen tiefgreifenden Umwälzungen kann ein Individuum psychisch nur schwer gewachsen sein, somit ist ein Abdriften in eine Protesthaltung durchaus nachvollziehbar. Die Bundesbürger hatten nach 1949 den Vorteil, dass sich die Wirtschaft, wie schon im zweiten Kapitel erwähnt, stabilisierte und sich ein relativer Wohlstand etablierte. Dies wirkte sich damals auch günstig auf die politische Stabilität aus, heute fehlt solch ein Faktor. Im Gegenteil: Die großen wirtschaftlichen Probleme sorgen für gleichzeitige relative politische Instabilität - plötzliche Wahlumschwünge sind möglich.

Dennoch ist es ein Fehler anzunehmen, der Rechtsextremismus im Osten Deutschland wäre allein auf die wirtschafts- und sozialpolitischen Umwälzungen infolge der deutschen Einheit zurückzuführen. Der Rechtsextremismus im Osten des Landes ist auch ein Produkt des gesellschaftlichen Systems der DDR. Möglicherweise blieben „Autoritarismus, Antipluralismus, Freund-Feind-Denken und Kollektivismus [...] auch nach 1989 als Mentalitäten weiterhin bestehen“49 und dienen den heutigen Rechten als Anknüpfungspunkt.

Wichtig für die Psyche des Einzelnen ist auch, dass die „umfassende konforme staatliche Gestaltung [...] nicht nur Bevormundung [bedeutete], sondern auch Sicherheit, Verlässlichkeit und Entlastung von Risiken“50. All das existierte nach der Deutschen Einheit schlagartig so nicht mehr. Die relative Ruhe und Ordnung der DDR, die Fürsorge des Staates fiel weg und dieser Bruch verstärkt nun autoritäre und auch fremdenfeindliche Einstellungen im Osten.

Betrachtet man die derzeitige wirtschafts-politische Entwicklung im Osten Deutschlands, so scheint die Gefahr groß, dass der Wähler plötzlich wieder so reagieren könnte wie 1998 in Sachsen-Anhalt. Noch scheint jedoch die Hemmschwelle zu groß zu sein und erstaunlicherweise könnte gerade die DDR auch der Grund dafür sein, dass die Rechte im Osten bisher „nur“ zwei Erfolge aufweisen konnte. Die DDR-Führung war darauf bedacht eine starke antifaschistische Grundhaltung zu verankern51. Die DDR baute auf diesem Antifaschismus auf, freilich nicht um sich mit dem eigenen Rechtsextremismus auseinander zusetzen - der existierte schließlich offiziell nicht - sondern um die eigene Autokratie zu legitimieren. Dieser Antifaschismus ist gerade bei denen noch ausgeprägt, die noch stark vom DDR-System beeinflusst wurden - also bei den Älteren. Daher ist die Rechtswahl bei den Erst- und Jungwählern im Osten auch stärker gegeben, sie erlebten die Sozialisierung durch die DDR nicht mehr in diesem Maße.

5. Schlussbetrachtungen

Stehen wir also am Anfang einer erneuten noch stärkeren Welle der Rechtswahl, die Deutschland vom Osten aus ergreift? Nicht unbedingt. Auch wenn die Rahmenbedingungen für die extreme Rechte durchaus als günstig betrachtet werden können. Die Wirtschaft gewinnt nicht an Fahrt, Protest und „Politikverdrossenheit“ nehmen eher zu, der Wähler reagiert immer sensibler auf jede noch so kleine „Affäre“ in der Politik. Die etablierten politischen Parteien werden sich darauf einstellen müssen, dass es solche Phasen der rechtsextremistischen Wahl, wie man sie in den ersten 40 Jahren der Bundesrepublik erlebte, auf längere Sicht nicht mehr geben wird. Diese Phasen haben jedoch gezeigt, dass es rechtsextremistische Wahltendenzen in der Bundesrepublik zu allen Zeiten gegeben hat, vor allem aber in sozial kritischen Abschnitten, wie etwa nach 1949 oder wie wir sie heute spätestens seit 1989/1990 verstärkt erleben.

Doch Rechtswahl entwickelt sich nicht nur aus einer wirtschafts- und sozialpolitischen Protesthaltung heraus. Auch im Nachkriegsdeutschland existieren Personengruppen mit einem geschlossenen rechtsextremistischen Weltbild. An sich ist diese Erkenntnis nicht so problematisch, doch in der Öffentlichkeit ruft sie auf Grund der deutschen Vergangenheit immer noch starke Beklemmungen hervor. Deutscher Rechtsextremismus war für das traurigste Kapitel der europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert verantwortlich und hat somit auch stärkere internationale Bedeutung. Das Vergangenheitsbewusstsein der Deutschen sorgte bisher mit dafür, dass ein anhaltender Erfolg der Rechten in der Bundesrepublik nicht möglich war.

Trotzdem erleben wir nun schon seit 15 Jahren immer wieder Achtungserfolge der extremen Rechten. Diese beziehen ihr Wählerpotential sowohl aus Protestwählern als auch aus Wählern mit einem festen rechten Weltbild, die nicht mehr durch die großen Volksparteien Deutschlands SPD und CDU/CSU integriert werden können. Neigen Wähler, die jeweils einer dieser beiden Gruppierungen zugeordnet werden können, nur in leicht erhöhtem Maße zur Rechtswahl, so steigt die Wahrscheinlichkeit der Wahl von NPD, DVU, REP als den erfolgreichsten rechten Parteien stark an, wenn sie beide Indikatoren in sich vereinigen. Protest und rechtsextreme Überzeugung ist das gefährlichste Gemisch zur Begründung der rechtsextremen Wahl.

Eben dieses Gemisch ist zunehmend im Ostteil der Bundesrepublik zu verzeichnen und kann Wahlergebnisse von bis zu 13 Prozent hervorrufen - wie 1998 bei der Landtagswahl von Sachsen-Anhalt geschehen. Der Osten hat dabei ganz spezifische Gründe, die dazu geführt haben, dass die Rechte dort, nachdem sie nach der Vereinigung lange Zeit wahlpolitisch völlig erfolglos war, bis heute immer mehr Zuspruch erhält. Diese Probleme sind sowohl aus dem sich äußerst schwierig gestaltenden Einigungsprozess entstanden als auch ein Erbe der Sozialisierung im Gesellschaftssystem der DDR, welche sich nicht so leicht in die Gesellschaft der Bundesrepublik übertragen lässt. Dieser letzte Punkt wird sicherlich mit der Zeit verschwinden. Neue Generationen werden immer weniger DDR-Erbe in sich tragen und somit auf weniger Probleme stoßen. Kritischer sind da wohl die sozialpolitischen Probleme, die sich nicht „von selbst erledigen“.

Mit einem etwaigen anhaltenden Aufstreben der Rechten in der gesamten Bundesrepublik ist dennoch nicht zu rechnen. Die politische Rechte ist stark zersplittert und hat kaum öffentlichkeitswirksames Personenpotential zu bieten, tatsächliche politische Kompetenzen schreibt die Öffentlichkeit diesen Parteien kaum zu.52 Gleichwohl muss sich die Politik der Gefahr bewusst sein und den Rechten ihr Potential entziehen, darf sie gerade die Zahl der politisch Desinteressierten nicht weiter anwachsen lassen, sonst droht die Kontrolle verloren zu gehen.

Bibliographie

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Falter, Jürgen W.: Wer wählt rechts? Die Wähler und Anhänger rechtsextremistischer Parteien im vereinigten Deutschland, München 1994.

Ihme-Tuchel, Beate: Die innenpolitische Entwicklung in den neuen Bundesländern seit 1989, in: Politische Bildung, Heft 4 (1998), S. 54-61.

Pfahl-Traughber, Armin: Die Entwicklung des Rechtsextremismus in Ost- und Westdeutschland, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, Heft B 39 (2000), S. 3-13.

Roth, Dieter / Schäfer, Hartmut: Der Erfolg der Rechten. Denkzettel für die etablierten Parteien oder braune Wiedergeburt? In: Bürklin, Wilhelm / Roth, Dieter (Hrsg.): Das Superwahljahr. Deutschland vor unkalkulierbaren Regierungsmehrheiten?, Köln 1994, S. 111-131.

Schubarth, Winfried / Stöss, Richard: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Bonn 2000.

Stöss, Richard: Rechtsextremismus in einer geteilten politischen Kultur, in: Niedermayer, Oskar / Beyme, Klaus von (Hrsg.): Politische Kultur in Ost- und Westdeutschland, Opladen 1996, S. 105-139.

Stöss, Richard: Rechtsextremismus im Vereinigten Deutschland, 3. Auflage, Berlin 2000.

Winkler, Jürgen R.: Die Wählerschaft der rechtsextremen Parteien in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis 1993, in: Kowalsky, Wolfgang / Schroeder, Wolfgang (Hrsg.): Rechtsextremismus. Einführung und Forschungsbilanz, Opladen 1994, 220-245.

[...]


1 Gute Beispiele hierfür wären etwa: Bürklin, Wilhelm / Roth, Dieter (Hrsg.): Das Superwahljahr. Deutschland vor unkalkulierbaren Regierungsmehrheiten?, Köln 1994; Niedermayer, Oskar / Beyme, Klaus von (Hrsg.): Politische Kultur in Ost- und Westdeutschland, Berlin 1994. Auch der Artikel von Schultze, Rainer-Olaf: Wählerverhalten bei der Bundestagswahl. Bekannte Muster mit neuen Akzenten, in: Politische Bildung (2000)[3], S. 34-56 ist an dieser Stelle zunennen.

2 Dies gilt natürlich nur, wenn man die PDS ausklammert.

3 Falter, Jürgen W.: Wer wählt rechts? Die Wähler und Anhänger rechtsextremistischer Parteien im vereinigten Deutschland, München 1994, S. 16.

4 Vgl. Winkler, Jürgen R.: Die Wählerschaft der rechtsextremen Parteien in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis 1993, in: Kowalsky, Wolfgang / Schroeder, Wolfgang (Hrsg.): Rechtsextremismus. Einführung und Forschungsbilanz, Opladen 1994, S. 71.

5 Vgl. ebd., S. 71.

6 Arzheimer, Kai / Schoen, Harald / Falter, Jürgen W.: Rechtsextreme Orientierung und Wahlverhalten, in: Schubarth, Winfried / Stöss, Richard (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Bonn 2000, S. 229 f..

7 Vgl. Winkler, Jürgen R.: Die Wählerschaft der rechtsextremen Parteien in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis 1993, in: Kowalsky, Wolfgang / Schroeder, Wolfgang (Hrsg.): Rechtsextremismus. Einführung und Forschungsbilanz, Opladen 1994, S. 72. Dieser Punkt wird noch einmal wichtig, wenn auf das heutige rechtsextreme Wahlverhalten in Ostdeutschland eingegangen wird (Kapitel 4 dieser Arbeit).

8 Falter, Jürgen W.: Wer wählt rechts? Die Wähler und Anhänger rechtsextremistischer Parteien im vereinigten Deutschland, München 1994, S. 15.

9 Vgl. Winkler, Jürgen R.: Die Wählerschaft der rechtsextremen Parteien in der Bundesrepublik Deutschland 1949 bis 1993, in: Kowalsky, Wolfgang / Schroeder, Wolfgang (Hrsg.): Rechtsextremismus. Einführung und Forschungsbilanz, Opladen 1994, S. 73.

10 Vgl. ebd., S. 73.

11 Ebd., S. 74.

12 Dies ist nur ein Beispiel für Erfolge im Osten. Die Entwicklung des rechtsextremistischen Wählerpotentials in Ostdeutschland lässt sich jedoch nicht in eine Reihe stellen mit der Wahlgeschichte der Rechten in der Bundesrepublik bis 1990. Auch deswegen wird im vierten Kapitel dieser Arbeit noch einmal gesondert auf die Wähler der Rechtsextremen im Osten Deutschlands eingegangen.

13 Die zwei Episoden bis 1953 sowie zwischen 1966 und 1970 sind aufgrund ihrer vergleichsweise kurzen Dauer vernachlässigbar.

14 Vgl. Arzheimer, Kai / Schoen, Harald / Falter, Jürgen W.: Rechtsextreme Orientierung und Wahlverhalten, in: Schubarth, Winfried / Stöss, Richard (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Bonn 2000, S. 230.

15 Ebd., S. 230.

16 Falter, Jürgen W.: Wer wählt rechts? Die Wähler und Anhänger rechtsextremistischer Parteien im vereinigten Deutschland, München 1994, S. 19.

17 Arzheimer, Kai / Schoen, Harald / Falter, Jürgen W.: Rechtsextreme Orientierung und Wahlverhalten, in: Schubarth, Winfried / Stöss, Richard (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Bonn 2000, S. 232.

18 Vgl. Stöss, Richard: Rechtsextremismus im Vereinigten Deutschland, 3. Auflage, Berlin 2000, S.142.

19 Der Nachweis dieser Tatsache wird in nahezu allen in diesem Kapitel verwendeten Quellen erbracht. Aus diesem Grund werden auch die dort erhobenen Statistiken nicht noch einmal genauer dargelegt oder hinterfragt, wenn es nicht zwingend geboten ist.

20 Arzheimer, Kai / Klein, Markus: Die Wähler der REP und der PDS in West- und Ostdeutschland, in: Backes, Uwe / Jesse, Eckhard (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus und Demokratie. Band 9, Baden-Baden 1997, S. 59.

21 Falter, Jürgen W.: Wer wählt rechts? Die Wähler und Anhänger rechtsextremistischer Parteien im vereinigten Deutschland, München 1994, S. 122.

22 Vgl. ebd., S. 125.

23 Vgl. Arzheimer, Kai / Schoen, Harald / Falter, Jürgen W.: Rechtsextreme Orientierung und Wahlverhalten, in: Schubarth, Winfried / Stöss, Richard (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Bonn 2000, S. 232.

24 Vgl. ebd., S. 233.

25 Vgl. Roth, Dieter / Schäfer, Hartmut: Der Erfolg der Rechten. Denkzettel für die etablierten Parteien oder braune Wiedergeburt? In: Bürklin, Wilhelm / Roth, Dieter (Hrsg.): Das Superwahljahr. Deutschland vor unkalkulierbaren Regierungsmehrheiten?, Köln 1994, S. 124.

26 Falter, Jürgen W.: Wer wählt rechts? Die Wähler und Anhänger rechtsextremistischer Parteien im vereinigten Deutschland, München 1994, S. 110f..

27 Vgl. Stöss, Richard: Rechtsextremismus im Vereinigten Deutschland, 3. Auflage, Berlin 2000, S.142.

28 Solche Thesen könnten in bspw. lauten, dass Hitler ohne die Judenvernichtung heute als großer Staatsmann gewürdigt werden würde, oder dass die Bundesrepublik durch die vielen Ausländer in gefährlichen Maße überfremdet werden würde. Diese Beispielaussagen etwa entstammen aus Arzheimer, Kai / Schoen, Harald / Falter, Jürgen W.: Rechtsextreme Orientierung und Wahlverhalten, in: Schubarth, Winfried / Stöss, Richard (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Bonn 2000, S. 235.

29 Vgl. Arzheimer, Kai / Schoen, Harald / Falter, Jürgen W.: Rechtsextreme Orientierung und Wahlverhalten, in: Schubarth, Winfried / Stöss, Richard (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Bonn 2000, S. 236.

30 Vgl. Falter, Jürgen W.: Wer wählt rechts? Die Wähler und Anhänger rechtsextremistischer Parteien im vereinigten Deutschland, München 1994, S. 115.

31 Vgl. ebd., S.112.

32 Vgl. Stöss, Richard: Rechtsextremismus im Vereinigten Deutschland, 3. Auflage, Berlin 2000, S.141.

33 Diese Angabe bezieht sich auf Zahlen von 1993 bzw. 1994. Vgl. Falter, Jürgen W.: Wer wählt rechts? Die Wähler und Anhänger rechtsextremistischer Parteien im vereinigten Deutschland, München 1994, S. 152.

34 Vgl. Roth, Dieter / Schäfer, Hartmut: Der Erfolg der Rechten. Denkzettel für die etablierten Parteien oder braune Wiedergeburt? In: Bürklin, Wilhelm / Roth, Dieter (Hrsg.): Das Superwahljahr. Deutschland vor unkalkulierbaren Regierungsmehrheiten?, Köln 1994, S. 121. Dabei beziehen sie sich zum Teil schon auf Adorno, Theodor W. u.a.: The Authoritarian Personality, New York 1950.

35 Vgl. Falter, Jürgen W.: Wer wählt rechts? Die Wähler und Anhänger rechtsextremistischer Parteien im vereinigten Deutschland, München 1994, S. 142.

36 Auf eine solche Untersuchung wird sich bezogen in: Arzheimer, Kai / Schoen, Harald / Falter, Jürgen W.: Rechtsextreme Orientierung und Wahlverhalten, in: Schubarth, Winfried / Stöss, Richard (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Bonn 2000, S. 233.

37 Arzheimer, Kai / Schoen, Harald / Falter, Jürgen W.: Rechtsextreme Orientierung und Wahlverhalten, in: Schubarth, Winfried / Stöss, Richard (Hrsg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Bonn 2000, S. 239.

38 Falter, Jürgen W.: Wer wählt rechts? Die Wähler und Anhänger rechtsextremistischer Parteien im vereinigten Deutschland, München 1994, S. 135.

39 Pfahl-Traughber, Armin: Die Entwicklung des Rechtsextremismus in Ost- und Westdeutschland, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, Heft B 39 (2000), S. 5.

40 Stöss, Richard: Rechtsextremismus in einer geteilten politischen Kultur, in: Niedermayer, Oskar / Beyme, Klaus von (Hrsg.): Politische Kultur in Ost- und Westdeutschland, Opladen 1996, S. 125.

41 Vgl. Roth, Dieter / Schäfer, Hartmut: Der Erfolg der Rechten. Denkzettel für die etablierten Parteien oder braune Wiedergeburt? In: Bürklin, Wilhelm / Roth, Dieter (Hrsg.): Das Superwahljahr. Deutschland vor unkalkulierbaren Regierungsmehrheiten?, Köln 1994, S. 127.

42 Stöss, Richard: Rechtsextremismus im Vereinigten Deutschland, 3. Auflage, Berlin 2000, S. 120.

43 Ebd., S. 176.

44 Ebd., S. 175.

45 Ihme-Tuchel, Beate: Die innenpolitische Entwicklung in den neuen Bundesländern seit 1989, in: Politische Bildung, Heft 4 (1998), S. 58.

46 Stöss, Richard: Rechtsextremismus in einer geteilten politischen Kultur, in: Niedermayer, Oskar / Beyme, Klaus von (Hrsg.): Politische Kultur in Ost- und Westdeutschland, Opladen 1996, S. 125.

47 Stöss, Richard: Rechtsextremismus im Vereinigten Deutschland, 3. Auflage, Berlin 2000, S. 67.

48 Ihme-Tuchel, Beate: Die innenpolitische Entwicklung in den neuen Bundesländern seit 1989, in: Politische Bildung, Heft 4 (1998), S. 59.

49 Pfahl-Traughber, Armin: Die Entwicklung des Rechtsextremismus in Ost- und Westdeutschland, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, Heft B 39 (2000), S. 13.

50 Stöss, Richard: Rechtsextremismus im Vereinigten Deutschland, 3. Auflage, Berlin 2000, S. 68.

51 Vgl. Stöss, Richard: Rechtsextremismus in einer geteilten politischen Kultur, in: Niedermayer, Oskar / Beyme, Klaus von (Hrsg.): Politische Kultur in Ost- und Westdeutschland, Opladen 1996, S. 114.

52 Vgl. Stöss, Richard: Rechtsextremismus im Vereinigten Deutschland, 3. Auflage, Berlin 2000, S. 179f..

Details

Seiten
18
Jahr
2002
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v107254
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,5
Schlagworte
Rechtsextremistisches Wählerverhalten Deutschland Begründungen Ausprägung Osten Deutschlands Proseminar Politischer Extremismus Vergleich

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Titel: Rechtsextremistisches Wählerverhalten in Deutschland - Begründungen und seine Ausprägung im Osten Deutschlands