Lade Inhalt...

Sartre, Jean-Paul - Die schmutzigen Hände

Referat / Aufsatz (Schule) 2002 7 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Verzeichnis

1. Inhaltsangabe

2. Charakterisierung Hugo

3. Aussage

4. Stil

5. Eigene Meinung

6. zum Autor

1.Inhaltsangabe

Das Theaterstück „Die schmutzigen Hände“ wurde 1948 von Jean-Paul Sartre geschrieben. Allgemein geht es in dem Buch um den Konflikt zwischen politischen Realismus und revolutionärer Moral.

Die Hauptdarsteller sind der junge Intellektuelle Hugo, sowie die beiden Gegenspieler Louis, der für die revolutionäre Moral steht, und Hoederer, der für den politischen Realismus steht.

Der fiktive Staat Illyrien wurde während des zweiten Weltkrieges von der deutschen Wehrmacht besetzt. Im Untergrund existiert eine kommunistische Widerstandsbewegung. Der Krieg neigt sich bereits dem Ende zu und bald wird die Rote Armee in Illyrien einmarschieren. Die Herrschaft der Nazis und des verbündeten Pentagon (konservative illyrische Königspartei) steht kurz vor dem Fall.

In dieser Situation gibt es zwei Flügel in der illyrischen Kommunistischen Partei. Einmal den Realo-Flügel, der von Hoederer angeführt wird, der für ein Zweckbündnis mit dem Pentagon gegen die Nazis eintritt um weiteres Blutvergießen zu verhindern und auch um an der späteren Regierung nach dem Krieg teilzuhaben Andererseits den moralischen, revolutionären Flügel, den Louis führt. Dieser revolutionäre Flügel will den Widerstand fortführen, bis die Rote Armee Illyrien befreit.

Hugo ist der Idealist in diesem Stück. Er hat einen reichen Vater, hat studiert, ist aber vor einiger Zeit in die KP eingetreten und schreibt dort die Parteizeitung. In der Partei hat er über Olga, eine parteiergebene Genossin, Louis kennen gelernt.

In einer geheimen Sitzung beschließt die Partei Hoederer zu Verhandelungen mit dem Pentagon zu bevollmächtigen. Dies findet Louis ungeheuerlich, und er beschließt Hoederer ermorden zu lassen.

Hugo ist mit seiner ausschließlichen Schreibarbeit nicht zufrieden. Er möchte endlich etwas „tun“. So bekommt er dadurch, dass Olga für seine Aufrichtigkeit und seinen Willen zur Durchführung dieses Unternehmen birgt, den Auftrag von Louis, Hoederer zu ermorden.

Er wird als Sekretär in Hoederers Haus eingeschleust. Hugo hat eine Frau, namens Jessica. Sie wohnt zusammen mit Hugo in dem Haus von Hoederer.

Jetzt beginnen für Hugo die Schwierigkeiten. Er ist beeindruckt von Hoederer und kann sich nicht dazu durchringen ihn zu töten. Er beginnt zu philosophieren und denkt über das „Sein“ nach. Er ist sich der Absurdität seines Unternehmens bewusst, da er Hoederer eigentlich mag und ihn trotzdem töten wird. Auch ist ihm bewusst, dass der geplante Mord für ihn eigentlich nur Mittel zum Zweck ist. Er selber will Hoederer nämlich nicht wirklich wegen seinen politischen Zielen töten, sondern er will einfach nur etwas außergewöhnliches tun, um zu fühlen, dass er wirklich ist und auch damit man ihm glaubt, dass er fähig ist so etwas wirklich zu tun. Außerdem sucht er nach Vertrauen, das jemand in seine Fähigkeit zu Handeln setzt. Also ist der eigentliche Mord für ihn nicht substanziell.

So tötet Hugo Hoederer auch nicht kaltblütig, sondern wollte ihm gerade beichten, dass er von Louis den Auftrag hatte ihn zu ermorden, als er Hoederer überrascht, wie er Jessica küsst. So tötet er Hoederer schließlich aus Eifersucht. Nach dem Tod Hoederers setzt sich Louis moralisch, revolutionäre Position in der Partei durch.

Doch auch der Mord lässt Hugo nicht wirklich sein „Sein“ fühlen. Er kommt für seine Tat fünf Jahre Gefängnis, von denen er allerdings nur zwei wirklich absitzt.

In dieser Zeit erhält die KP Anweisungen aus Moskau sich mit dem Pentagon zu verbünden. So werden die Ziele Hoederers nach seinem Tod doch noch zur offiziellen Politik der Partei.

Die Führung der KP belügt ihre Genossen oder lässt sie jedenfalls im Unklaren über den Mord an Hoederer.

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis geht Hugo sofort zu Olga. Olga drängt ihn sich mit der neuen Situation zurechtzufinden und sich eine neue Identität zuzulegen, da die Partei ihn ansonsten liquidieren müsse. Ein von der Partei in Auftrag gegebener Mord an einem Vorkämpfer der neuen Politik der Partei kann nämlich jetzt nicht mehr gebraucht werden. Doch Hugo entscheidet sich gegen diese neue Lüge und rennt mit den Worten „Nicht mehr zu gebrauchen“ seinen Häschern in die Arme.

2. Charakterisierung Hugo

Hugo ist wohlbehütet bei seinen bürgerlichen Eltern (sein Vater ist Fabrikdirektor, über seine Mutter wird in dem Buch nichts geschrieben) aufgewachsen. Doch weil er die Ungerechtigkeit in seiner Welt nicht übersehen konnte, und sie ihn quälte (Hoederer: „Glaubt ihr wirklich, dass es so einfach ist, andere Hungern zu sehen? “) verlies er seine Gesellschaftsklasse und trat in die KP ein, um gegen diese Ungerechtigkeiten anzukämpfen, und den Armen ihre Selbstachtung wieder zu geben.

Man könnte sagen, dass Hugo einfühlsam ist. Aber er ist bestimmt nicht ruhig und ausgeglichen. Er fängt öfters an zu schreien und kann sich nicht beherrschen. Hugo ist nachdenklich und unentschlossen, nicht zu schnellem Handeln fähig.

Er ist ein Idealist. Er hat einen diffusen gedanklichen Entwurf von der Zukunft, der sich in der Realität nicht verwirklichen lässt. In dieser Zukunft darf man z.B. nicht lügen, unter gar keinen Umständen. So ist die Ablehnung der Lüge auch ein sehr radikales Element in Hugos Charakter. Für ihn bedeutet Menschen belügen, sie zu demütigen.

Über sein äußeres Erscheinungsbild, kann man nicht viel sagen, im drittem Bild, zweite Szene, wird gesagt, dass Hugo „fein ausstaffiert“ sei. Also scheint er wenigstens seine Kleidung aus seinem früheren, begüterteren Leben mitgenommen zu haben.

Er ist auf der Suche nach Erfüllung und einem Sinn in seinem Leben, möchte fühlen, dass er wirklich „Ist“ und lebt. Doch da er diesen Sinn nicht finden kann, wirkt er leicht selbstzerstöririsch.

3. Aussage

Bei diesem Theaterstück von Jean-Paul Sartre gibt es zwei verschiedene Interpretationen. Einmal die von Sartre gedachte Aussage des Stückes, und die Aussage die dem Stück aufgrund von Presse, Missverständnissen und zeitlich bedingten Umstände zugedacht wurde. Außerdem wurde das Stück 1948 geschrieben und veröffentlich, zu Beginn des Kalten Krieges, was sicherlich auch Auswirkungen auf die verschiedenen Interpretationen hatte.

Zunächst zu der Interpretation des Stückes durch bürgerliche Presse und Publikum. Als das Theaterstück „Die schmutzigen Hände“ Premiere hatte, hatte Sartre sich gerade einer anderen linken Gruppierung von Intellektuellen angeschlossen. Außerdem war es gerade die Zeit des Stalinismus. Kritische Weggefährten des Kommunismus waren nicht mehr erwünscht. So verdammten die Kommunisten das Stück nach der Uraufführung als antikommunistisch und sogar reaktionär. Die bürgerliche Presse, die das Stück zunächst relativ neutral bewertet hatte, lobte das Stück nach dieser Reaktion der Kommunisten überschwänglich. So setzte sich auch zunächst diese Interpretation durch:

Das Publikum sieht das Stück durch die Augen des jungen Hugo. Hugo hat zwar während des gesamten Stückes Unrecht, aber trotzdem wirkte er auf die bürgerlichen Zuschauer sympathisch. Man könnte, wie Sartre sagt, das Zögern von Hugo mit dem von Hamlet vergleichen, er ist kein positiver Held, aber er ist sympathisch. Durch den Verlauf des Stückes kann man zu dem Gedanken kommen „Was sucht denn dieser nette Junge bei solchen Leuten, die einem einen Mord befehlen? Er sollte zurück zu seinem wohlsituierten Vater gehen.“

Außerdem sah man in dem Stück eine Kritik an politischen Morden. Dazu kam noch dazu, dass die KP auch noch ihre Genossen über die wahren Motive der Tat belügt. Da Hugo aufgrund seiner absoluten Ablehnung der Lüge dies nicht mitmacht, kann man den Sinn des Stückes als diesen sehen: „Der Junge hat recht, man darf nicht lügen, und die Stalinisten tun nichts anderes als lügen.“

Politische Morde wurden von den Kritikern ausnahmslos linken Parteien zugeordnet, also wäre das Stück hiermit eine Kritik an der Politik der KP und anderen linken Parteien.

Sartre selbst will das Theaterstück anders verstanden wissen. Für ihn ist Hoederer der positive Held in diesem Stück. Hoederer ist ein „realistischer“ Revolutionär der keine Angst hat sich die Hände schmutzig zu machen. Das Publikum sollte große Bewunderung für ihn entwickeln. Sartre selbst sah sich in Hoederer ideell verkörpert.

Louis ist der Dogmat in diesem Stück, der zu starr an seinem moralischen Regeln festhält, und dabei andere Regeln übersieht, z.B. die moralische Pflicht Menschenleben zu schonen. Und Hugo ist ein junger Intellektueller, der, wenn er von Hoederer geschult werden würde, nach einiger Zeit einen guten Revolutionär abgeben könnte. Doch da er dies nicht wurde, ist er innerhalb des ganzen Stücks im Unrecht und sollte, laut Sartre, negativ beurteilt werden. Das einzig positive und echte an ihm sind die Gründe, aus denen er seine soziale Klasse verlassen hat . „Iß Hugo, iß. Du wirst noch krank werden. Ich bekam Lebertran: das ist wirklich der Inbegriff von Luxus, dir eine Droge zu verabreichen, damit du Hunger bekommst, während sich andere auf der Straße für ein Beefsteak verkauft hätten. Von meinen Fenster aus sah ich sie mit ihren Schilder: „Gebt uns Brot.“ Und dann setzte ich mich zu Tisch. Iß, Hugo, iß. Ein Löffel für den arbeitslosen Hausmeister, ein Löffelchen für die Alte, die Abfälle aus dem Mülleimer aufsammelt...“

So könnte man die Aussage des Theaterstücks als Plädoyer für eine menschliche, aber realistische und nicht dogmatische Politik verstehen.

So sagt Hoederer auch, dass auch er keine Hemmungen hätte politische Gegner zu ermorden, um etwa die Fortführung des Krieges zu verhindern. Dies wäre natürlich eigentlich ein falscher Weg, dieser wäre aber durch die Umstände und die vielen Menschenleben, die auf dem Spiel stehen gerechtfertigt. Ein weiterer Beleg hierfür ist, dass Hoederer, der positive Held des Stücks, sagt „ Ich habe keine prinzipiellen Einwände gegen politischen Mord. Das findet in jeder Partei statt.“

Der letzte Satzteil „Das findet in jeder Partei statt“ läuft der Interpretation der bürgerlichen Presse entgegen, die das Stück als Kritik an den, angeblich, von politischen Morden geprägten Politikstil von linken Parteien auffasst.

Der erste Satzteil drückt auch keine grundsätzliche, allgemeine Kritik an politischen Morden aus, so scheint auch die Interpretation, die als Aussage auf eine allgemeine Kritik an politischen Morden abzielt, falsch zu sein.

Eine andere Möglichkeit wäre, das Theaterstück auf existenzialistische Züge hin zu überprüfen. Der Existenzialismus, deren Hauptvertreter Sartre ist, geht davon aus, dass der Mensch zunächst „Nichts“ ist. Er es aber selbst in der Hand hat, sich zu „Etwas“ zu machen. Sartre sagt sogar, das der Mensch zur Freiheit verurteilt ist.

Man könnte sagen, dass Hugo nach, Sartres Definition, „Nichts“ ist. Hugo ist sich dessen auch schmerzhaft bewusst, und versucht durch außergewöhnliches Handeln zu „Etwas“ zu werden. Er ist hierfür selbst verantwortlich. Da er frei ist, ist auch für ihn positives Handeln möglich. Doch Hugo schafft es im Laufe des Stücks nicht sich von seinem „Nichts“ zum „Sein“ zu entwickeln. Hier liegt vielleicht auch die Tragik in dem Stück und ein weiterer Grund, warum Hugo so sympathisch wirkt. Denn seine Unvollkommenheit bietet dem Zuschauer die Möglichkeit zur Identifikation und zu Gefühlen wie Mitleid etc.

4. Stil

Das „Buch“ ist ein Theaterstück und dementsprechend in sieben Bühnenbilder unterteilt. Die Bilder sind wiederum in Szenen unterteilt.

Vor jedem neuen Bild steht eine kurze Einleitung, die, die Umgebung und Situation beschreibt.

Das Buch ist in zwei Handlungsebenen geschrieben. Die eigentliche Handlung spielt sich in fünf Bildern ab. Diese Bilder sind zwischen die Bilder eins und sieben eingebettet. Die Bilder eins und sieben spielen in der Gegenwart. Die dazwischen liegenden Bilder sind eine Rückblende. Es gibt keine Einwürfe oder ähnliches aus der Gegenwart.

Die Charaktere stehen immer im Dialog miteinander, es gibt keine langen Monologe und es werden oft Streitgespräche geführt.

5. Eigene Meinung

Ich selbst fand das Buch interessant zu lesen und es hat auch Spaß gemacht dieses Buch zu lesen, da man es flüssig in einem Stück lesen kann und es ziemlich spannend, teilweise sogar lustig, geschrieben ist. Das Buch zum einfachen Lesevergnügen zu lesen, würde ich allerdings nicht empfehlen, da es hier dazu dann doch geeignetere Bücher gibt.

6. zum Autor

Jean-Paul Sartre wurde 1905 in Paris geboren und avancierte mit seinem Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“ zum wichtigsten Vertreter des Existenzialismus. Durch Theaterstücke und Romane wurde er weltbekannt. Politisch war er bei der Kommunistischen Partei beheimatet, deren Werdegang er kritisch begleitete. Er trat bedingungslos für Humanität und Menschenrechte ein.

Das Theaterstück „Die schmutzigen Hände“ war Sartres erfolgreichstes. Es wurde über 600mal in Paris aufgeführt und über 300mal in der Provinz

1964 lehnte er den Literaturnobelpreis ab. Sartre starb 1980 in Paris.

Weitere Werke von Sartre:

- Die Fliegen
- Der Teufel und der liebe Gott
- Geschlossene Gesellschaft
- Tote ohne Begräbnis
- Ein Drehbuch zu „Das Spiel ist aus“

Details

Seiten
7
Jahr
2002
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v107813
Note
Schlagworte
Sartre Jean-Paul Hände

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Sartre, Jean-Paul - Die schmutzigen Hände