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Fingerspiele, Abzählreime und Rechenlieder im Anfangsunterricht Mathematik

Unterrichtsentwurf 2002 12 Seiten

Mathematik - Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Spielen in der Grundschule

2. Lernspiele für den Mathematikunterricht

3. Fingerspiele und Reime im Anfangsunterricht Mathematik
3.1 Fingerspiele
3.2 Abzählreime

4. Beispiele für mathematische Fingerspiele und Abzählreime

5. Literaturverzeichnis

1. Spielen in der Grundschule

Das Spielen in der Grundschule ist in der Geschichte der Pädagogik ein breit diskutiertes Phänomen. Vor allem durch Namen wie Fröbel, Montessori oder Petersen wurde das Spiel ein fester Bestandteil des Schullebens. So gehört das Spielen nicht nur für Peter Petersen neben der Feier, dem Gespräch und der Arbeit zum Lernen dazu. Es besteht Einigkeit darüber, dass das Spiel in der Grundschule ein wichtige didaktische Funktion erfüllt.

Spiele im Unterricht können die sprachliche Kommunikation fördern. Während sich die Kinder im täglichen Unterrichtsgespräch an bestimmte Begriffe und Umgangsformen anpassen müssen, können sie im Spiel freiere Formen des Sprechens und Aufeinanderzugehens wählen. Vor allem gehemmte und ängstliche Kinder haben im Spiel die Möglichkeit, sich zu äußern und mit anderen zu kooperieren.1 Durch Spiele kann eine Gemeinschaft entstehen und die Lern- und Unterrichtsatmosphäre aufgelockert werden. Das Spiel kann aber auch eine Sozialisationshilfe sein, denn die Kinder lernen so Selbstdisziplin, Kooperation mit anderen, das Anerkennen von Regeln und die Übernahme bestimmter Rollen.

Für den Anfangsunterricht hat das Spiel eine ganz besondere Bedeutung. Die Einschulung ist für die Kinder ein wichtiger Einschnitt auf ihrem Lebensweg. Nicht nur, dass sich der Tagesablauf dramatisch ändert, auch der Freiraum der Kinder wird mit dem Schuleintritt stark eingeschränkt. Plötzlich kommen auf sie Aufgabenstellungen und Leistungsforderungen zu, die sie vom Kindergarten her nicht kennen. Um den Kindern diesen Umbruch zu erleichtern, bieten sich vor allem Lernspiele an, um das Kind an die Arbeitsformen der Schule heran zu führen und es somit aus seiner vorschulischen Erfahrungswelt abzuholen. Deshalb lassen sich vor allem Spiele aus dem Kindergarten auch in das Leben in der Schule integrieren. Dazu gehören beispielsweise zahlreiche Fingerspiele und Abzählreime, aber auch Lieder, die in bestimmten Lernsituationen hervorragend genutzt werden können.

Vor allem um Fingerspiele und Abzählreime, die man im Anfangsunterricht Mathematik verwenden kann, soll es in dieser Arbeit gehen. Zuerst soll auf Allgemeines zum Lernspiel im Mathematikunterricht eingegangen werden. Danach werden die beiden Spielformen in Bezug auf ihre Entstehung, ihre Bedeutung für die kindliche Entwicklung und den Mathematikunterricht im Speziellen vorgestellt. Den Abschluss bildet eine kleine Auswahl an geeigneten Fingerspielen und Abzählreimen.

2. Lernspiele für den Mathematikunterricht

Wenn man von Spielen redet, verbirgt sich dahinter eine Vielzahl von verschiedenen Formen des Spiels: Sing- und Sportspiele, Rollenspiele, Planspiele oder Lernspiele. Hier soll es ausschließlich um Lernspiele gehen. Oft werden schon Arbeitsblätter als Lernspiele bezeichnet, nur weil die Aufgabenstellung ungewöhnlich oder zahlreich bebildert ist (Labyrinthe, Rechenschlangen, Tabellen). Aber Spiele zeichnen sich vor allem durch die Möglichkeit aus, dass die Schüler sich in ihnen freier entfalten können als bei einer einfachen Rechenaufgabe. Klaus Kube definiert das Lernspiel folgendermaßen: ,,Als Lernspiel werden alle jene Spielformen bezeichnet, mit deren Hilfe im ursprünglichen Sinne das Lernen von Zeichen, Begriffen und Fakten sowie deren regelhafte Ordnungsbeziehungen provoziert werden soll."2 Genau genommen wird das Kind in seinem Spieltrieb überlistet, denn das Lernspiel hat vor allem eine didaktische Funktion und ein fachliches Ziel und kann sowohl Lehr- als auch Übungsform sein. Im Mathematikunterricht könnten das zum Beispiel das Lernen mathematischer Zeichen und Begriffe oder das Beherrschen der Grundrechenarten sein. Das Lernen geschieht hier aber in Kind gerechter Form, da es die Freude am eigenen Tun erfährt, das Spiel ein Wechsel von Spannung und Entspannung darstellt und die Rückmeldung über Erfolg oder Misserfolg bei den meisten Spielen fast sofort kommt. Die Elemente einer möglichen Didaktik mathematischer Lernspiele sind nach Feiks und Seibold3 erstens die Förderung der Rechenfertigkeit, also das gewöhnliche Rechnen mit Zahlen. Diese bezieht sich ausschließlich auf die technische Seite des Umgangs mit Zahlen.

Spiele, die die Rechenfertigkeit fördern sind etwa das Rechenlotto, Domino oder Wendekarten. Fertigkeitsübungen dürfen aber auch im Spiel nicht Selbstzweck bleiben, sondern dienen der Rechenfähigkeit, dem zweiten didaktischen Element der Lernspiele. Die Rechenfähigkeit ist das Vermögen, Aufgabenstellungen zu erfassen und in ihrem Zusammenhang und ihrer Struktur zu verstehen, um mögliche Lösungswege selbständig zu finden. Die Rechenfähigkeit ist also die Anwendung mathematischer Begriffe und Operationen auf neue Situationen und Zusammenhänge. Spiele, die Rechenfähigkeit erhöhen sind vor allem Spiele, in denen der Schüler nur durch eine bestimmte Strategie zum Erfolg kommen kann. Zum Dritten sollen mathematische Lernspiele die Konzentrationsfähigkeit schulen. Da Spiele einen hohen Sachanreiz auf Kinder ausüben, erregen diese ihre Aufmerksamkeit und Anstrengungsbereitschaft. Konzentrationsspiele für den Mathematikunterricht sind beispielsweise Sortier- und Ordnungsspiele. Die Konzentrationsfähigkeit ist im Mathematikunterricht vor allem für das Kopfrechnen wichtig, aber auch für das Lösen komplexerer Aufgaben.

Der Einsatz von Lernspielen im Unterricht reicht von gelegentlichem Einsatz zur Überwindung von "Durststrecken" über die Belohnung einer braven Klasse bis hin zum täglichen Einsatz. Je mehr Zeit sich eine Lehrkraft zum Spielen nimmt, desto mehr Lernwert misst sie ihm bei. Wie ein Spiel bei den Kinder ankommt, liegt vor allem an der Einstellung der Lehrerin zum Spiel. Auch das spannendste Spiel kann zur langweiligen Pflichtübung werden, wenn die Lehrerin etwa den Lerncharakter des Spiels zu sehr betont, obwohl eigentlich jeder Schüler auch so weiß, dass Spiele im Unterricht nicht nur Zeitvertreib sind.

3. Fingerspiele und Reime im Anfangsunterricht Mathematik

3.1 Fingerspiele

Die Finger sind eines der ersten Dinge, die ein Kleinkind als Spielzeug entdeckt. Spiele mit den Fingern befriedigen den Tätigkeitsdrang, die Geschicklichkeit wird erprobt und das Kind lernt, mit seinen Händen sich und die Umwelt zu erfahren. Fingerspiele sind Reime, Gedichte oder auch Lieder, die durch bestimmte Hand- und Fingerbewegungen begleitet werden. Sie gehören zu den Klassikern unter den Spielen und bilden eine Gruppe mit den Kniereitern und Trösteversen. Sie gehen oft in Bewegungsspiele über und werden häufig von Geräuschen begleitet.

Die meisten heute bekannten Fingerspiele stammen aus der mündlichen Überlieferung aus dem innigen spielerischen Umgang zwischen Kindern und Eltern oder Großeltern. Oft wurden sie variiert, umgedichtet oder in bestimmte Dialekte übertragen. In den letzten Jahren sind auch Fingerspiele zu bestimmten Anlässen entstanden, von den der Verfasser heute meist noch bekannt ist. Einige Fingerspiele wurden auch von Kindern selbst erfunden, einfach aus der Freude am Phantasieren, am Rhythmus und am Spiel mit der Sprache.4

Fingerspiele im Kleinkindalter dienen vor allem der Kontaktaufnahme zwischen einem Kind und einem Erwachsenen. Fingerspiele geben dem Kind Nähe und Körperkontakt zu seiner Bezugsperson. Babys freuen sich oft am Klang der Laute und am Rhythmus der Verse. Sie machen ihnen Spaß und können die Kinder ablenken, zum Beispiel vom Warten, beim Zubettgehen, als Beruhigung beim Arzt oder bei der Medizineinnahme oder auch um die Kinder zum Essen zu motivieren. Finger sind vielseitig, sie geben Trost, machen Mut und sind lustig. Sie können krabbeln, greifen, sich festhalten, zappeln, fliegen, springen, klopfen, klatschen. Mal ist der Daumen eine Maus, die ganze Hand eine schleichende Katze oder beide Daumen zwei Zwerge. Im Kindergarten lernen die Kinder selbst Fingerspiele, die von Liedern, Versen oder kleinen Gedichten begleitet werden. Finger können Geschichten erzählen und sie stehen immer zur Verfügung.

Fingerspiele sind die ersten Rituale, die Kinder schnell lieben lernen. Oft haben sie Lieblingslieder, Lieblingsbilder oder -geschichten, von denen sie nicht genug bekommen können und die ihnen eine unbändige, für Erwachsene oft unverständliche, Freude bereiten. Fingerspiele können Kinder in verschiedenen Bereichen fördern.5 Emotional werden sie angesprochen, weil sie die Freude am Spiel mit den Händen und Fingern erleben, oft Körperkontakt aufnehmen und somit lernen, ihre Gefühle auszusprechen und mit Mimik und Gestik auszudrücken. Fingerspiele schulen zudem die Feinmotorik der Hände, was vor allem zum Schulanfang beim Schreiben wichtig ist. Sie verlangen Körperbeherrschung, Geschicklichkeit und Konzentration. In Fingerspielen, bei denen beide Hände gebraucht werden, können Raum- und Lagebeziehungen wie links und rechts oder oben und unten geübt werden. Die Kinder ziehen Bewegungsabläufe nach und stellen einen Zusammenhang zwischen dem Gehörten und einer bestimmten Bewegung der Hände her. Dieses beobachtende Lernen kann beispielsweise das Erlernen von Zahlbegriffen für Kinder stark erleichtern, die visuell und durch aktives Selbsttun lernen. Auch die Phantasie kann durch Fingerspiele angeregt werden. Die Kinder können Bilder in Bewegungen umsetzen und diese individuell ausdrücken. Viele Fingerspiele leben davon, dass sie verändert und verbessert werden. Fingerspiele beschäftigen sich mit zahlreichen Kind gerechten Themen: Kosereime, Scherzreime, Tiere, Personen, das Wetter, Tages- und Jahresablauf oder einfach nur Nonsens. Dadurch kann das Kind vielfältige Beziehungen zu verschiedenen Gebieten herstellen. Nicht zuletzt dienen Fingerspiele natürlich der Sprecherziehung, also der Förderung der Artikulations- und Ausdrucksfähigkeit. Das Sprachempfinden wird geschult. Durch rhythmisches Sprechen und Lautmalerei wird den Kindern Sprache bewusster. In der Sprachbehindertenpädagogik werden Fingerspiel nicht umsonst auch therapeutisch angewendet.

Auch für Lehrerinnen lohnt es sich, ein gewisses Repertoire an Fingerspielen zu beherrschen. Allerdings muss man diese wirklich können, denn wenn man sich zu sehr auf den Text konzentrieren muss, sind die Finger nicht lebendig genug, die Geschichte wird langweilig und man hat nicht die Zeit, mit den Schülern zu agieren und sie zum Mitmachen zu motivieren. Stimmlage, Ausdruck, Mimik und Gestik sollten zum Text passen. Übertriebener Augenaufschlag kann albern wirken und die Kinder verunsichern. Deshalb sollte die Lehrerin auch erproben, wie die Schüler auf Fingerspiele reagieren. Manche Kinder werden vielleicht misstrauisch, weil sie noch keine Erfahrungen mit Fingerspielen haben. Andere Schüler finden solche Kinkerlitzchen albern und kindisch und haben eher ein mitleidiges Lächeln für die Lehrerin übrig, wenn diese sich mit einem Fingerspiel abmüht. Vielleicht machen ihre Eltern diese Späßchen nur noch bei ihren kleinen Geschwistern oder die Kinder animieren diese schon selbst mit Fingerspielen. In diesem Fall sollte man andere Spiele anbieten oder andere Fingerspiele zu einem späteren Zeitpunkt wieder einflechten. Manche Texte mögen für heutige Verhältnisse altmodisch oder zu kompliziert klingen, aber oft entscheiden die Kinder selbst, welches Fingerspiel sie mögen und welches nicht. Vielleicht macht gerade das nicht ganz Verstandene den magischen Reiz eines solchen Versleins aus. Und viele Stellen sind schnell erklärt, wenn die Kinde nachfragen sollten.

Wenn die Kinder das Prinzip eines Fingerspiels erst einmal erkannt haben, werden sie bestimmt auch mit Interesse darauf reagieren und offen für neue Fingerspiele sein. Später reicht nur eine kleine Geste der Lehrerin, damit die Kinder "ihr" Fingerspiel wieder erkennen und mit Begeisterung mitmachen. Dieses kleine Ritual kann den Kindern "ein Stück sichere Weltsicht"6 geben.

Wenn man Fingerspiele den mathematischen Lernspielen zuordnen möchte, dann dienen sie wohl eher der Motivation und Einführung als der Vermittlung fachlicher Inhalte und Fertigkeiten. Fingerspiele können allerdings auch schon ersten Zähl- und Ordnungszahlübungen dienen. Im mathematischen Anfangsunterricht eignen sich Fingerspiele vor allem deshalb, weil sie den Kindern bekannt sind und weil sie den Unterricht auflockern und für Entspannung sorgen - zum Beispiel nach einer längeren Schreibphase. Fingerspiele sprechen vor allem die enaktive Ebene des Lernens an - das handelnde Lernen und das Operieren mit entsprechenden Repräsentanten - also den Fingern. Eingeschränkt sprechen Fingerspiele allerdings auch schon die symbolische Ebene des Lernens an, da bereits mathematische Zeichen und Begriffe in vielen Versen verwendet werden. Damit können Fingerspiele auch in der Erarbeitungsphase genutzt werden, um bestimmte Begriffe und Fertigkeiten zu erarbeiten, wie etwa der Vorgang des Zählens.

3.2 Abzählreime

Jeder Erwachsene kennt noch die Reime aus seiner Kinderzeit. Sie sind oft Jahrhunderte alt und meist albern und frech. Selbst Kinderreime in Dialekten haben sich erhalten, obwohl diese Dialekte heute fast kein Kind mehr spricht. Die Schöpfer dieser Reime sind - wie auch heute noch - spielende Kinder. Auch Abzählreime gehören dazu. Sie wurden umgedichtet, neu erfunden, verändert, verstümmelt und haben oft eine typisch kindliche Reimtradition7 mit Unsinnswörtern oder umgangssprachlichen Redewendungen. Die Inhalte der Abzählverse sind meist Nonsensreime, die am Ende einen kleinen witzigen Höhepunkt haben. Oft handelt es sich um Lautmalerei - einfach aus Freude am Klang und Rhythmus der Sprache.

Abzählreime gehören zu den ersten Spielversuchen im Reimen und Erzählen. Oft beherrschen Kinder Abzählreime schon dann, wenn andere Regelspiele noch zu komplex sind. Auch heute entscheiden viele spielende Kinder in einem kleinen Ritual durch Abzählreime, wer als nächstes an der Reihe ist (z.B. beim Fangen, beim Versteckspiel, beim nächsten Spiel).

Abzählreime sind meist kurze oder auch längere Reime, bei denen reihum auf betonte Silben abgezählt wird und dabei immer auf ein Kind gezeigt wird. Bis zum Ende des Reims bleibt es spannend, wer nun der Auserwählte sein wird. Oft werden diese Abzählreime sogar so lange durchgespielt, bis nur noch ein Kind übrig bleibt.

Im mathematischen Anfangsunterricht sind vor allem solche Abzählreime interessant, mit denen man das Zählen üben kann, da jeder Zahl eindeutig ein Kind zugeordnet werden kann. Außerdem gibt es auch Abzählreime, die Uhrzeiten oder Währungen im Text enthalten.

Eingesetzt werden können sie zum Beispiel als kleines Ritual bei täglichen Übungen an der Tafel oder bei Lernspielen. Natürlich sollte die Lehrerin darauf achten, dass sie entweder immer einen anderen Abzählreim nimmt oder jedes Mal bei einem anderen Kind beginnt, damit nicht immer wieder die gleichen Kinder an der Reihe sind. Das erhöht die Spannung und stimmt die Kinder auf die nächste Unterrichtseinheit ein. Allerdings soll der ,,Auserwählte" nicht der Bestrafte sein (zum Beispiel aus Angst vor der Übung an der Tafel), sonst kann die entstehende Spannung die Angst nur noch mehr steigern und die Kinder fühlen sich der Willkür ausgesetzt. Wird die Konsequenz des Abzählens aber von den Kindern als positiv empfunden, können selbst tägliche Übungen an der Tafel zu so etwas wie einer Belohnung werden. Das liegt allerdings in der Hand der Lehrkraft, wie sie Abzählreime einsetzt und ,,verkauft". Die Abzählreime sollten vor allem von den Kindern selbst gesprochen werden, damit diese das Zählen üben - der Rhythmus des Sprechens ist ihnen eine gute Hilfe. Die Kinder werden selbst schon Abzählreime kennen. Die Lehrerin kann aber auch neue Abzählreime einführen. Die Kinder werden diese schnell lernen, wenn sie ihnen gefallen und zusagen.

Eine Nebenform der Abzählreime sind rhythmische Gehverse. Sie werden gesungen oder gesprochen und bei jeder betonten Silbe wird ein Schritt gemacht. Die Inhalte dieser Verse sind meist Nonsens, aber das stört die meisten Kinder nicht. Wichtig ist allein der gesprochene Rhythmus. Gehverse sind vor allem bei langweiligen oder langen Wanderungen mit Kindergruppen unterhaltsam und motivierend. Auch wenn sie sich nur begrenzt im Klassenraum verwirklichen lassen, können sie im Anfangsunterricht Mathematik hilfreich sein, da sie oft auch Zählübungen enthalten.

4. Beispiele für mathematische Fingerspiele und Abzählreime

Im Anhang befindet sich in einem kleinen Heft eine Auswahl an Fingerspielen, Abzählreimen, rhythmischen Gehversen und Lernliedern, die für den Anfangsunterricht Mathematik geeignet sind.

Die meisten Fingerspiele beziehen sich auf den Zahlenraum bis 5 und werden deshalb mit nur einer Hand gespielt. Die einzelnen Finger werden mit Zahlen benannt und in einer bestimmten Reihenfolge und Größenordnung dargestellt und nacheinander ausgestreckt. Dazu können noch - dem Text entsprechend - bestimmte Bewegungen gemacht werden. Die Aufzählungen sind lustig und enden meist mit einem witzigen Höhepunkt, der sich auf den kleinsten Finger bezieht. Das gibt vor allen den Fingerspielen mit fünf Fingern einen märchenhaften Charakter, da hier auch meist der Kleinste der Schlaueste oder Frechste ist.

Die Reihenfolge der einzelnen Finger und Bewegungen sollte immer gleich sein, damit sich die Kinder die Zahlen besser einprägen können. Die Lehrerin kann auch noch einmal nachfragen, was der ein oder andere Finger in der kleinen Geschichte macht, um die einzelnen Zahlen heraus zu filtern. Die Handlung dieser kleinen Geschichten sind Tiere oder Personen aus der Erfahrungswelt der Kinder.

Fingerspiele, die sich mit dem Zahlenraum bis 10 beschäftigen, funktionieren meist nach dem Prinzip ,,10 kleine Negerlein". Es wird rückwärts gezählt bis nur noch ein Finger übrig bleibt. Oder es wird mit allen zehn Fingern auf einmal gespielt. Solche Fingerspiele eignen sich besonders, wenn die Zahl 10 eingeführt wird. Es gibt auch Fingerspiele, die richtige kleine Rechengeschichten sind. Die Kinder zeigen am Anfang alle zehn Finger und nehmen je nach Text eine bestimmt Anzahl von Fingern weg. Man kann natürlich auch entsprechende Gegenstände dazu nehmen (z.B. Stäbchen).

Es gibt auch Fingerspiele, die andere Zahlenräume betreffen (z.B. ,,Himpelchen und Pimpelchen") und in denen Uhrzeiten erwähnt und ausgezählt werden. Hier sind allerdings die Finger keine Repräsentanten der Zahlen, sondern dienen allein der Untermalung der Geschichte durch Bewegungen.

Auch Lagebeziehungen sind vor allem für den Geometrieunterricht von Bedeutung. Deshalb wurden auch Fingerspiele aufgenommen, die die Begriffe ,,links" und ,,rechts" üben und somit automatisieren können.

In die Auswahl wurden außerdem Fingerspiele aufgenommen, die eigentlich nicht viel mit Mathematik zu tun haben, sondern eher der Entladung von Spannungen dienen - einfach um die Finger zu bewegen, nach einer längeren und konzentrierten Arbeitsphase mal ein bisschen Krach machen zu dürfen und sich temperamentvoll zu bewegen, um dann wieder weiter arbeiten zu können. Deshalb wurde auch die Überschrift ,,Fingerspiele mit viel Action" ausgewählt.

Die Abzählreime wurden allein nach den Zahlen sortiert, die in ihnen vorkommen. In einigen wird einfach vorwärts gezählt oder das Alter eines bestimmten Kindes ausgezählt. Manchmal wird auch rückwärts gezählt oder in Zweier- oder Dreierschritten. Wichtig sind bei den Abzählreimen mit Zahlen vor allem die Reimwörter auf die Zahlen. Dadurch können sich die Kinder die Zahlbegriffe leichter merken.

Neben zwei Beispielen für Gehverse finden sich am Ende der Zusammenstellung noch einige Lernlieder, die den Mathematikunterricht ebenfalls auflockern und unterstützen können. Neben dem wohl bekanntesten Mathematiklied ,,Summand und Summand" finden sich noch andere Lieder, in denen es um das Zählen, aber auch um das Rechnen geht und die Kinder mitsingen und mitrechnen können. Auf ihre spezielle didaktische Bedeutung und Verwendung soll hier nicht eingegangen werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fingerspiele und Abzählreime vor allem für das erste Schulhalbjahr und für sehr verspielte Klassen geeignet sind, um die Kinder zum Lernen zu motivieren, langweilige Merksätze zu ersetzen und Neues auf spielerische Art einzuführen.

5. Literaturverzeichnis

Marga Arndt/Waltraut Singer (Hrsg.):

Fingerspiele und Rätsel für Vorschulkinder. Berlin, 1979.

Dieter Feiks/Garbiele Seibold/Wolfgang Seibold:

Stundenblätter Spiele im Mathematikunterricht 1.-4. Schuljahr. Stuttgart, 1989.

Detlev Jöcker:

Mile male mule, ich gehe jetzt zur Schule. Münster, o. J. (Tonträger)

Detlev Jöcker:

Singemaus Tour. Münster, 2002. (Tonträger)

Christa Konitzko:

Sing-, Kreis-, Finger- und Bewegungsspiele. Heidelberg, 1995.

Dorothée Kreusch-Jacob:

Finger spielen - Hände tanzen. München, 1997.

Klaus Kube:

Spieldidaktik. Düsseldorf, 1977.

Anne-Bärbel Münchmeier:

Spielen mit kleinen Kindern und Babys. Reinbek bei Hamburg, 1990.

Claudia Nitsch:

Lirum Larum Fingerspiel. München, 1994.

Hanns Petillon/Renate Valtin (Hrsg.):

Spielen in der Grundschule. Frankfurt/Main, 1999.

Raimund Pousset:

Fingerspiele und andere Kinkerlitzchen. Reinbek bei Hamburg, 1983.

Peter Thiesen:

Klassische Kinderspiele. Weinheim, 1993.

Gisela Trautwein:

Spielarten. München, 1995.

Heide Vogelsang:

Spielpädagogik. Hohengehren, 1994.

Lieder aus dem Kindergarten - Buchstaben und Zahlen. Berlin, 2001. (Tonträger)

Fußnoten

[...]


1 Feiks/Seibold, 1989. S. 6.

2 Kube, Klaus, 1977. S. 41.

3 Feiks/Seibold, 1989. S. 8f.

4 Vgl.: Gisela Trautwein, 1995. S. 18.

5 Vgl.: Gisela Trautwein, 1995. S. 19.

6 Raimund Pousset, 1983, S. 11

7 Vgl.: Peter Thiesen, 1993. S. 59

Details

Seiten
12
Jahr
2002
Dateigröße
353 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v108209
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
Fingerspiele Abzählreime Rechenlieder Anfangsunterricht Mathematik Zugänge Zahlen Formen Mathematischer

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