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Goethe, Johann Wolfgang von - Faust - Der Tragödie Erster Teil

Referat / Aufsatz (Schule) 2003 5 Seiten

Deutsch - Erörterungen und Aufsätze

Leseprobe

Faust - Der Tragödie Erster Teil

Simone Müller

Aufgabe:

1) Inhaltsangabe der Gelehrtentragödie
2) Interpretation des Auszugs der „Nacht“-Szene
3) Auffassung der Wissenschaft von Faust, Galileo Galilei und Möbius (Der Physiker)

Der historische Faust, der Goethe als Vorbild diente, lebte ungefähr von 1480 – 1540. Viel ist über den Doktor Faustus nicht bekannt, es ist nicht einmal sicher gestellt, dass Faust wirklich Faust hieß. Aber gerade diese Unwissenheit ermöglichte Goethe unbefangen über Faust zu schreiben und sich sein eigenes Bild über Faust zu machen.

In „Faust – Der Tragödie erster Teil“ von Johann Wolfgang Goethe geht es um Faust, der aufgrund eines seelischen Tiefs einen Pakt mit dem Teufel schließt, damit dieser ihm seine Wünsche erfüllt.

Bevor sich die eigentliche Gelehrtentragödie ereignet, gibt es drei Vorspiele. In „Zueignung“ berichtet Goethe über die Entstehung und Wiederaufnahme des Faust Stoffes, in „Vorspiel auf dem Theater“ wird die Aufgabe des Theaters verdeutlicht und in „Prolog im Himmel“ findet ein Gespräch zwischen Gott und dem Teufel statt, indem sie über Faust und dessen Unzufriedenheit sprechen.

Zu Beginn der Gelehrtentragödie hält Faust einen Monolog über sein Leben in der Wissenschaft und über die entstandene Unzufriedenheit, dass er nichts Neues mehr erfahren kann. In diesem seelischen Tief findet sich Wagner bei Faust ein und redet mit ihm über die Wissenschaft, wobei die beiden eine gegensätzliche Meinung vertreten. Die beiden gehen nach diesem Gespräch auseinander und Faust bleibt alleine zurück. In dieser Einsamkeit erscheint ein Chor von Engeln, Weibern und Jüngern, die ihm über Christus berichten. Bei einem Spaziergang mit Wagner wird Faust auf einen schwarzen Pudel aufmerksam, den er dann mit zu sich nach Hause nimmt. Dort verwandelt sich der Pudel in Mephisto, den Teufel. Mephisto bittet Faust einen Pakt an. Er, Mephisto, würde Faust zu Lebzeiten alle Wünsche erfüllen, wenn sich Faust im Gegenzug dem Teufel verspricht. Zuerst geht Faust auf dieses Angebot nicht ein, doch bei einem erneuten Zusammentreffen, schlägt Faust Mephisto eine Wette vor. Faust wird im Tod nur dem Teufel dienen, wenn er den Augenblick völliger Zufriedenheit auf erden verlangt. Mephisto geht auf die Wette ein und versucht nun fortan, genau diesen Augenblick zu beschaffen. Zuvor schlüpft er allerdings noch in die Rolle von Faust und veralbert einen Schüler auf dessen Kosten. In „Auerbachs Keller“ trägt Faust an einem Verbrechen indirekt Schuld, weil er Mephisto nicht abgehalten hat durch seine Magie anderen Menschen zu schaden. In der „Hexenküche“ wird Faust verjüngt und er sieht zukünftig in jeder Frau das Gesicht der schönen Helena. Mit „Straße 1“ beginnt die Gretchentragödie.

In der „Nacht“ hält Faust einen Monolog über sein bisheriges wissenschaftliches Leben und über die verlorene Freude am Leben.

Faust befindet sich „in einem hochgewölbten, engen gotischen Zimmer“ in dem er über alle seine Wissenschaften („Philosophie, Juristerei und Medizin und leider auch Theologie!“ (V.354ff.), die er ihm Leben studiert hat, nachdenkt und sich trotzdem nicht klug vorkommt (V.359). Er sieht ein, dass der Mensch nicht alles wissen kann und gerade diese Gewissheit schmerzt ihn und stürzt ihn in eine tiefe Depression (V.364-370). Doch Faust hegt die Hoffnung, dass er durch die Magie dieses Tief überwinden kann, indem sie ihm ermöglicht neue Dinge zu lernen und dadurch sein Wissen vervollständigt ( V.377ff. ; „Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“ (V.382f.)). Da dies für Faust nicht realistisch erscheint, schwelgt er lieber in Erinnerungen über seine unnütze Mühe, die er in seine Arbeit investiert hatte und möchte seinen Schmerz bekämpfen bzw. los werden, in dem er sich das Leben nimmt (V. 386-397). Faust empfindet sein Zimmer als einen Kerker (V.398) in dem er gefangen ist und fühlt sich von den Büchern, die sich überall befinden, eingeengt (V.402). Hierbei handelt es sich aber um die wahre Welt von Faust, was er mit höhnischen Worten von sich gibt („Das ist deine Welt!“(V409)).

Allein der Ort, indem sich diese Szene abspielt, lässt einiges über Fausts Gemütszustand aussagen. Das hochgewölbte Zimmer steht für Fausts Streben nach oben und die Enge des Zimmers steht für das Gefühl des Eingeengtseins, das Faust empfindet. Faust bemitleidet sich selbst über die verschwendeten Jahre, die er der Wissenschaft geopfert hat, und trotzdem nicht klüger geworden ist (V.359f.). Er erkennt zusätzlich, dass bloßer Wissensdrang nicht ausreicht um alles Wissenswerte zu erfahren (V.364), trotzdem sieht er sich als gescheiter an als die restlichen Bürger (V.366f.). Faust hat die Angst und seine Zweifel überwunden, doch die Lebensfreude ist nicht zurückgekommen (V.368-370). Faust ist sich bewußt, dass er, obwohl er alle mögliche Wissenschaften studiert hat, den Menschen nichts beibringen kann und dadurch erneut erkennen muss, dass sein Wissen nicht ausreicht (V.371-373). Über diese unüberwindbare Barriere ärgert er sich („saurem Schweiß“ /V.380)).Für Faust besteht der Sinn des Lebens darin, dass er erkennt „was die Welt im innersten zusammenhält“(V.381f.), da dies für einen Sterblichen nicht möglich ist, läßt sich daraus schließen, dass Faust so sein möchte wie Gott. In den Versen 392 und 397 ist die Einwirkung des Sturms und Drangs auf den Fauststoff sehr deutlich zu sehen. Faust erscheint mit einer, für die Sturm-und-Zeit üblichen Naturverbundenheit ( „Bergeshöhn“(V.392); „Bergeshöhle“(V.394); „Wiesen“ (V.395); „Tau“ (V.397)). Faust träumt davon in einer Welt ohne „Wissensqualm“ (V.396) zu leben, fernab von der zivilen Welt , abgeschotten in der Einöde („Bergeshöhn“(V.392)). Faust ist durch sein ständiges Streben nach neuem Wissen in seinem Zimmer wie eingesperrt und kann nicht einmal durch Gott, der versucht in diesen „Kerker“(V.398) einzubrechen, gerettet werden („liebe Himmelslicht“=Gott (V.398)). Durch die verstaubten Bücher, den Würmern, die sich in dem Zimmer befinden, und den unzähligen Büchern, die den Platz begrenzen, wird deutlich, dass Faust sich in sein Zimmer oft zurückgezogen hat und völlig abgeschieden von der Rest der Welt, dem Lernen nach Neuem nachgegangen ist (V.402-405). In dem letzten Satz aus diesem Auszug fasst Faust für sich ein persönliches Resumé:“ Das ist deine Welt! Das heißt eine Welt!“(V.409). Durch diesen Satz führt Faust sich selber vor, als würde er den Finger auf sich zeigen und sagen: „Bist ja selber Schuld, dass es soweit gekommen ist!“. Mit dem zweiten Satzteil macht Faust deutlich, dass es nicht nur ihm so geht, sondern allen Menschen. Doch durch den Erkenntnisdrang, der in Faust steckt, ist er verwundbar und lässt sich später durch Mephisto manipulieren.

Der Monolog von Faust ist hauptsächlich in Knittelversen geschrieben, dabei handelt es sich um Vierheber mit unregelmäßiger Taktfüllung, die ein Kreuzreimschem aufweisen. Durch diese Unregelmäßigkeit entsteht ein unruhiger Rhythmus, der die Heftigkeit und Unausgeglichenheit Fausts widerspiegelt. Generell ist bei der Sprache von Faut abzulesen, in welchem Gemütszustand er sich befindet. Bei Vierhebern mit regelmäßiger Taktfüllung entsteht ein ruhiger Rhythmus, der einen ruhigen und nachdenklichen Faust widerspiegelt. In den Sätzen von Faust werden häufig am Ende Ausrufezeichen gesetzt („Da steh ich nun ich armer Tor! (V.358); „Und sehe, dass wir nichts wissen können!“ (V.364); „Es möchte kein Hund so länger leben! (V.376).

Für Faust bedeutet die Forschung alles und er würde alles dafür geben um neues Wissen zu erlangen. Dieser Drang ist so stark, dass er einen Pakt mit dem Teufel schließt („Studierzimmer“ V.1527-1867). Im alltäglichen Leben verbirgt Faust sein Wissen nicht, das heißt, er fühlt sich den restlichen Bürgern deutlich überlegen und auch die Bürger sehen zu ihrem Faust hoch, dies wird vor allem in der Szene „Vor dem Tor“ deutlich. Faust ist ein Einzelforscher. Er liebt es den Dingen auf den Grund zu gehen und alles genau zu wissen. Da sich aber Faust für etwas besseres hält und sehr egoistisch ist, bleibt die Frage offen, ob er überhaupt genießen und auskosten könnte, wenn er eine Entdeckung nicht alleine machen würde. Da er alleine forscht und sich niemanden anpassen muss, kann er sein egoistisches Wesen vollkommen ausbreiten und muss sich nicht gegen etwaige Auseinandersetzungen zur Wehr setzen, wie die unterschiedlichen Auffassungen von der Wissenschaft zwischen ihm und Wagner („Vor dem Tor“ (V.1011-1177). Für Faust ist es nicht wichtig mit der Wissenschaft Geld zu verdienen. Er sieht seinen Vater, der die Wissenschaft dafür missbraucht hat, als schlechtes Vorbild und möchte nie so werden wie er („Mein Vater war ein dunkler Ehrenmann“(V.1034); (V.1035-1055)). Faust ist ein Universalgenie, das heißt, er ist in allen Bereichen ein Genie und lässt dies seine Mitmenschen spüren.

Galileo Galilei sieht die Wissenschaft als Mittel zum Zweck an, die Wissenschaft ist solange alles für ihn, bis er sich für sie einsetzen muss und dadurch womöglich sein eigenes Leben aufs Spiel setzt oder wenn er für seine erforschte Wissenschaft nicht genug Geld bekommt. Durch seine Forschungen vernachlässigt er seine Tochter und durch seinen Starrsinn, was seine Forschung betrifft, verlässt der Verlobte seine Tochter. Galilei arbeitet in einer Forschergruppe, in der er vor allem von dem jungen Andrea angehimmelt wird, da dieser in ihm die Vaterfigur findet. Bei seinen Entdeckungen wurde Galilei von der Kirche behindert und musste öffentlich seine Theorien über Kopernikus zurücknehmen. Dies tat er auch um dich selbst zu schützen und weiterhin im Luxus leben zu können.

Möbius verbirgt sein Wissen als Schutz vor der Menschheit, da durch seine Entdeckungen, die Menschen gefährdet werden könnten, wenn sie in die falschen Hände gelangen würden. Um dies zu verhindern befindet er sich in einer Irrenanstalt und spielt einen Verrückten. Um die Sicherheit der Menschheit weiter zu garantieren, begeht Möbius einen Mord. Er bringt eine Krankenschwester, seine heimliche Geliebte, um, weil sie mit ihm fliehen wollte und dadurch die Menschheit wieder in Gefahr gebracht worden wäre. Die Ausübung der Wissenschaft ist für Möbius so wichtig, dass er sich in eine Irrenanstalt sperren lässt und seine Frau und seine Kinder im Stich lässt.

Faust, Galilei und Möbius haben eine unterschiedliche Auffassung der Wissenschaft. Für Faust geht die Wissenschaft über alles, Galilei findet die Wissenschaft gut, solange er Geld dafür bekommt und nicht in Gefahr ist und Möbius sieht die Wissenschaft als Gefahr für die Menschheit an und kapselt sich deshalb vollständig von der Außenwelt ab. Sowohl Galilei als auch Faust leiden unter Größenwahn, dies kommt vor allem beim Umgang mit anderen Menschen zum Ausdruck. Galilei und Möbius vernachlässigen beide ihre Familien und Faust ist, bevor er Gretchen kennenlernt, so einsam, dass er sich Gedanken macht, sich selbst zu töten. Sowohl Faust als auch Möbius sind Einzelforscher, obwohl Faust sein Wissen nicht verbirgt und andere daran teilhaben lässt. Möbius behält sein Wissen für sich um die Menschen zu schützen.

Wie schon der Herr im Prolog des Himmels sagte, „Es irrt der Mensch, solange er strebt.“ (V.317). Faust bemerkt immer zu spät wenn er etwas falsch gemacht hat. Er kann aus diesen Fehlern nicht lernen, solange er seine Gefühle nicht unter Kontrolle hat.

Quelle: Der Tragödie Erster Teil, Faust Der Tragödie Erster Teil , Reclam, Ausgabe 2000

Details

Seiten
5
Jahr
2003
Dateigröße
336 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v108422
Note
11P
Schlagworte
Goethe Johann Wolfgang Faust Tragödie Erster Teil

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Titel: Goethe, Johann Wolfgang von - Faust - Der Tragödie Erster Teil