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Vergleich zwischen historischem Roman und Sage am Beispiel von 'Wiben Peter'

Seminararbeit 2003 18 Seiten

Germanistik - Gattungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. historischer Roman: Robert Jung: Wiben Peter. Der Kohlhaas der Westküste
1.1 Inhaltsangabe und Aufbau
1.2 Charakteristika Wiben Peter
1.3 Hinweise auf Sagen und sagenhafte Erzählungen

2. Sagen um Wiben Peter
2.1 Müllenhoff / Brentano: Wiben Peter [1.] / Wieben Peter
2.2 Müllenhoff: Wiben Peter [2.]
2.3 Müllenhoff: Wiben Peter [3.]
2.4 v.d. Kooi : Wiben Peter, alias Hans Pommerenink

3. Vergleich zwischen Roman und Sagen
3.1 Handlungskomplex, Handlungsstränge
3.2 Freiheitsbegriff / Rechtsbegriff

4. Das Thema im Schulunterricht
4.1 Sagen und historische Romane im (Deutsch-) Unterricht
4.2 „Wiben Peter“ als Unterrichtslektüre

Literaturliste

Anhang

1. historischer Roman: Robert Jung: Wiben Peter. Der Kohlhaas der Westküste

1.1 Inhaltsangabe und Aufbau

Robert Jung erzählt die unglückliche, über drei Jahre gehende, Liebesgeschichte des friesischen Halligmädchens Eike Harringa zu dem Dithmarscher Wiben Peter, der um sein Recht kämpft und dabei zum gejagten Seeräuber und Landesfeind wird und am Ende deswegen sterben muss.

Eike Harringa, die einzige Tochter des Inselvogts von Jewershallig, verlässt im Frühjahr 1542 die heimatliche Hallig, um in Dithmarschen ihre Jugendfreundin Sigbritt, Wibens Frau und Mutter des gemeinsamen Sohnes Klein-Barhold, zu pflegen.

Sie verspürt eine unbestimmte Sehnsucht nach Wiben Peter, der ihre heimliche Liebe ist, ( S. 15: „Seit jener Stunde, in der sie Wiben Peter zum erstenmal gesehen, war etwas in ihr erwacht, worüber sie sich keine Rechenschaft zu geben wusste. [...] in ihr war eine Unruhe [...] Was setzte sie nur derart in Erregung bei dem Gedanken, dass es vielleicht ein Wiedersehen geben würde?“) doch mehrere Zeichen warnen vor ihrer Reise. So hat ihr Vater, Sören Harringa, mehrere Vorahnungen und er warnt, Wiben sei ein „Feuerkopf“, vom Festland kommt das Gerücht, dass es bald Krieg geben würde und kurz vor Eikes Abreise bricht auf der Hallig ein Feuer aus, das nur durch Sören Harringas unermüdlichen Einsatz und durch aufkommenden Regen gelöscht werden kann.

Ipke Rasmussen, genannt der rote John, ein alter umherreisender Seemann, berichtet von Wibens verlorenem Prozess und seiner Weigerung, „ einer Schuld von vierzig Gulden nachzukommen“ (S. 23), zudem hat er die Vorahnung einer kommenden Hochzeit.

Nach ihrer Ankunft auf dem Hof der vier Peter-Brüder (Wiben, Barhold, Klaus, Hans) an der Südermiel, verspürt Eike vor allem Mitleid mit Wiben (S. 29 „Eikes Mitleid verstärkte sich noch“), der bereit ist, sein Recht auch mit Gewalt zu verteidigen. Sie versucht, Wibens jüngsten Bruder Hans zu überreden, Wiben beizustehen.

Wibens alter Jugendfreund und Kampfgefährte Veit Jansen erscheint auf dem Hof, auch er fühlt sich seiner Rechte beraubt, er hat sein Land verloren und ist nun zum gewaltsamen Widerstand bereit gegen die „48 Regenten“. Wiben fasst den Plan nach Speyer zum Kaiser Carol zu reisen, um dort sein Recht bestätigt zu bekommen. Währenddessen ist seine Frau Sigbritt eifersüchtig auf Eike und will sie mit dem Büsumer Reimer Grot zu verkuppeln.

Aber auch Hans Peter wirbt um Eike, doch sie weist ihn zurück und bittet ihn erneut Wiben beizustehen. Nachdem diealte Bille, Haushälterin auf dem Peter-Hof und eine „Frau mit dem zweiten Gesicht“ (S. 5, Personenregister), beim Kartenlegen sowohl Unglück für Wiben als auch Liebe zwischen Eike und ihm ahnt, fühlt Eike sich in „ einem jähen Begehren“ (S. 65) zu Wiben hingezogen.. Als Reimer Grot auf dem Hof auftaucht, rennt sie davon ohne ein Wort zu sagen; nach dieser Blamage droht Reimer Grot Streit an und verlässt den Hof, Sigbritt zeigt daraufhin offenen Hass gegenüber ihrer ehemaligen Jugendfreundin.

Hans erkennt, dass er keine Chancen bei Eike gegen seinen Bruder hat, und entschlisst sich, mit ihm zu ziehen.

Wiben kommt von einer Reise zurück mit Veit Jansen und dem langen Oswald, einem Söldner, und er hat sich entschlossen, nun eine gewaltsame Fehde zu führen. Sein Bruder Barhold lehnt ab, Hans hingegen schlisst sich ihnen an.

Nach einem schweren Blutsturz Sigbritts übernimmt Eike die Pflege des kränkelnden Klein-Barhold. Zwar hat ein Gericht im holsteinischen Rendsburg, Wibens Rechte bestätigt, doch dieses Gericht wird von den Dithmarschen nicht anerkannt, so reist Wiben mit seinen Begleitern ab und begeht dabei bei seinem Nachbarn und Neider Hans Vogede Pferdediebstahl. Im Amtshaus gibt es deswegen eine hitzige Diskussion, in der erst Viele Verständnis zeigen für Wibens Kampf, doch Wibens ärgster Neider und Nachbar Lame Ties fordert seinen Tod. Nur der alte Vogt Olesen kann beruhigen, und lässt eine warnende Nachricht an den Flüchtigen schicken.

Zwischen Eike und dem buckligen Schreiber Jochim, ebenfalls ein Halligfriese, entwickelt sich eine Freundschaft; Jochim drängt auf eine Reise Wibens zum Kaiser, zumal er sich davon selbst eine bessere Stellung verspricht.

Nach einem weiteren Blutsturz stirbt Sigbritt, während Wiben mehrere Überfälle und Raubzüge unternimmt und in Rendsburg im Schutz von Kai Rantzau lebt. Ein Feuer auf dem nachbarlichen Hof von Hans Vogede wird den Peter-Brüdern zugeschrieben und die Stimmung gegen sie wird zunehmend schlechter.

Im Stadtvogteihaus diskutieren die Meldorfer Oberrichter, wie gegen Wiben zu verfahren sei: Der alte Martensen warnt die Bauernrepublik Dithmarschen sei in Gefahr und Vogt Olesen fürchtet einen Krieg mit den Dänen; Barhold wünscht für seinen Bruder einen gerechten Prozess, doch Feldhauptmann Harring fordert einen Feldzug gegen ihn.

Nachdem es auf einem Erntefest zu einer Schlägerei zwischen dem aufrührerischen Boye Kön und Barhold kommt, werden die Brüder ihres eigenen Hofes verwiesen und sie siedeln über nach Braaken. Dieses und den Tod Sigbritts teilt Jochim Wiben und seinen Gefährten mit, die auf dem Weg nach Speyer einen hohen Geistlichen, der sich später als Bischof von Eichstätt entpuppt, vor Räubern retten und schützen.

Nach der Ankunft in Speyer lernen sie zunächst den holsteinischen Ritter Henning von Pogwisch kennen, der ihnen helfen will, er kennt auch den Bischof von Eichstätt, der dann zum Fürsprecher beim Kaiser wird und ein Mandat bei Karl V. bekommt, das Wiben unter kaiserlichen Schutz stellt.

Doch das Mandat wird nach seiner Rückkehr nach Dithmarschen missachtet, und nachdem Eike mit Klein-Barhold zu den Gefährten und Wiben, die sich mittlerweile als Seeräuber betätigen, gestoßen ist, suchen sie Asyl auf der zu Holstein gehörenden Insel Helgoland. Wiben spricht erstmals davon, mit Eike zusammen leben zu wollen, was sie in Aufregung und erfüllte Freude versetzt (S. 178).

Wiben nennt sich und sein Schiff nun Hans Pommereninck und begeht mit seinen Gefährten Raubzüge und Piraterie.

Auf Helgoland gesteht Eike ihre Liebe zu Wiben dem Inselpastor Luder, der sie beruhigt und fordert, sie solle mit Wiben heiraten. Im Haus des alten Lotsen Adams und seiner Tochter Dörte findet sie mit Klein-Barhold ein Heim, und in Dörte eine enge Freundin. Sie versucht, Wiben zu überreden, aufzuhören und seine Fehde einzustellen, doch er will nicht, spricht aber von Heirat mit ihr. (S. 191: „ Ändere jetzt deinen Weg, Wiben, rate ich dir. Laß dich nicht für immer zum Mordbrenner und Seeräuber werden.“, S.193: „[...] ich und du, als meine künftige Frau und Mutter Klein-Barholds!“ „Du willst wir wollen“, atmete sie schwer [...] „Ja, so soll es sein!“, sagte er. “)

Nachdem die Nachricht auf die Insel kommt, dass Feldhauptmann Harring mit Hilfe von Reimer Grot 100 Mann aufgestellt hat und nach Helgoland segelt, soll Hans mit dem Schiff die dithmarscher Flotte aufspüren und auf Sandbänke locken. Doch Hans, in den Dörte heimlich verliebt ist, verzweifelt an seiner unerfüllbaren Liebe zu Eike und dem aussichtslosen Kampf gegen die Obrigkeiten, er lässt das Schiff selbst auf eine Sandbank auflaufen, gerät unter Beschuss und wird vom Mast erschlagen.

Dörte und Klein-Barhold werden von der Gelbsucht befallen und der Kleine stirbt daran. Pastor Luder will für Wiben vermitteln und rät ihm, Eike zu heiraten, auf Helgoland zu bleiben und der Gewalt abzuschwören.

Nach der Landung der Dithmarscher auf Helgoland, erschießt der lange Oswald zunächst Reimer Grot, danach verschanzen sich Wiben und seine wenigen Begleiter, die meisten sind mit dem Schiff ausgelaufen, um neue Vorräte zu rauben, auf dem Friedhof. Pastor Luder fordert von den Dithmarschern den Schutz des Helgoländer Asyls, doch er findet kein Gehör. Nach vier Kanonenschüssen verschanzen sich die Gejagten in der Kirche und verstecken sich auf dem Dielenboden.

Obwohl der alte Klaus Suwel zumindest den Schutz der Kirche fordert, wird die Tür aufgebrochen, und Wiben stirbt durch mehrere Schüsse durch den Dielenboden, Veit Jansen wird wehrlos erstochen und Oswald stirbt durch Harrings Schwert, der Schreiber Jochim wird gefangen genommen.

Der Leichnam von Wiben wird später nach dithmarscher Recht als Seeräuber in Heide geköpft, gerädert und aufgespitzt. Herzog Johann von Gottrop nimmt Rache für den Angriff auf Helgoland und so endet die Bauernrepublik Dithmarschen 1559.

Eike bleibt auf Helgoland und wird die Frau des Witwers Rode Andersen.

Der Roman ist in 54. Abschnitte, von im Schnitt zwei bis fünf Seiten, gegliedert. Einige Abschnitte umfassen auch nur eine halbe Seite, die beiden ersten jeweils 20.

Der auktoriale Erzähler gibt immer wieder Hinweise und Erklärungen auf andere (angebliche) historische Personen und auf historische Begebenheiten, insbesondere zur Rechtsgeschichte und zur Geschichte Dithmarschens.

Insgesamt umfasst die Erzählung etwa drei Jahre, und zwar 1542 bis 1545, dabei gibt es immer wider Zeitsprünge unterschiedlicher Länge nach vorne (von Tagen über Wochen bis Monate).

Um die beiden Protagonisten Eike Harringa und Wiben Peter entwickelt sich eine zweidimensionale Geschichte um zum einen die unerfüllte Liebe zwischen beiden, zum anderen um den sagenhaften Freiheitskampf des unbeugsamen Dithmarschers. Eingebettet ist dieses in die historischen Begebenheiten der Dithmarscher Bauernrepublik und das Leben an der schleswig-holsteinischen Westküste, auf den Inseln und Halligen und in den fruchtbaren Marschen.

1.2 Charakteristika Wiben Peter

Ein um sein Recht kämpfender, freier Dithmarscher Bauer, später als Seeräuber Hans Pommerenink bekannt “ , so wird Wiben Peter im Personenregister (S.5) vom Autor Robert Jung gekennzeichnet.

Auch wenn Wiben Peter am Ende als Mörder und Seeräuber sterben muss, so wird er stets als ein zu Unrecht Verfolgter, als ein um sein Recht Kämpfender und als Freiheitsheld dargestellt. Seine Raubzüge sind Notwendigkeiten in seinem Kampf und gerechte Strafe für die dithmarscher Regenten.

Sein äußeres Erscheinungsbild stimmt mit dem Auftreten und der Sagenhaftigkeit überein, er ist „ ein Hüne fast an Wuchs, das Gesicht wie aus kaltem Stahl gemeißelt “, „ mit der kräftigen Hand, unter der sich eine Tischplatte biegen würde “ (S. 27).

Er gilt als ausgezeichneter und bewunderter Anführer in den Schlachten von Hemmingstedt (1500) und Diekshörn (1531) und erwartet dafür als Dank von den Regenten ein Einlenken (S. 49: „ Gab es denn keinen Dank für sein kämpferisches Eintreten bei Hemmingstedt gegen die Heere des Dänenkönigs? Dies wäre ein vernünftiger Ausgleich gewesen. “), zudem ist er in der Bevölkerung deswegen hoch geachtet und aber auch, weil er ein erfolgreicher und großer Marschbauer ist, immer fair zum Gesinde und zu seinen Mitmenschen, aber mit einem unbeugsamen Gerechtigkeits- und Freiheitswillen.

Erst sein neidischer Nachbar Hans Vogede bringt Wiben in Verruf, er stachelt den Nachbar Lame Ties auf: „ Er habe zu billig verkauft, und der Wiben Peter, dieses Schlitzohr, hätte ihn gehörig übertölpelt. “ (S. 29). Doch zunächst glauben noch viele an seine Redlichkeit, auch der junge Niels Suwel, der später zu den Wortführern gegen Wiben und zu einem Anführer beim Sturm auf Helgoland wird. Auch andere wenden sich mit der Zeit immer weiter von Wiben ab, um so stärker der sich in seine gewaltsame Fehde vertieft und Schutz bei auswärtigen Mächten sucht.

Er hingegen sieht sein Tun als „ Selbsthilfe “ (S. 84) an und betet in Rage gar Gott an, er möge ihm Kraft verleihen, um die 48 Regenten zu strafen (S. 140) und ist zum „ Kampf auf Leben und Tod “ (S. 160) bereit.

Der Lotse Adams sagt ihm auf Helgoland: „ Haßist manchmal ein schlechter Ratgeber “ und fragt ihn, ob er sich „ etwa schon als großen Herrn über Dithmarschen “ (S. 205) sieht, doch Wiben weist egoistische Machtgelüste zurück, spricht aber offen von Hass und Rache, dabei ist er bis zum Ende von sich und seinem Kampf überzeugt und er glaubt auch an einen guten Ausgang des Konfliktes.

1.3 Hinweise auf Sagen und sagenhafte Erzählungen

Neben dem Kern der Geschichte um den sagenumwobenen Wiben Peter gibt es auch viele Hinweise auf andere Sagen, sagenhafte Erzählungen, Übersinnliches ,angeblich Sagenhaftes und angebliche und tatsächliche Volkshelden.

Die Vorstellung vom zweiten Gesicht taucht mehrmals im Roman auf:

Die alte Bille wird im Personenregister auch ausdrücklich als „ Frau mit dem zweiten Gesicht “ (S. 5) bezeichnet, sie hat Visionen (S.59: „ [...] und sie war selbst eine der wenigen Frauen, die noch vorauszusehen wagten. “) und legt Karten, um die Zukunft zu deuten (S.61). In einem längeren Gespräch mit Eike offenbart sie den Tod von Wiben auf Helgoland (S61f: „ Ich sehe viel Blut, Deern! Und ein Schiff, ein Schiff? Nein, es sind mehrere an einem steilen Felsen, rundum ist’s rot, blutrot. Sie jagen uns’ Herrn, den Wiben ... “).

Aber auch dem Halligmädchen Eike wird ein zweites Gesicht nachgesagt, mit dem sie auf der Hallig Unwetter und Sturmfluten kommen sieht (S. 106: „ [...] Jungfer Eike [...]Man sagt euch auf den Halligen das ‚zweite Gesicht’ nach, oder irre ich mich? “), so wie auch ihr Vater Sören Harringa Unglück voraussieht (S. 12: „ Noch nie hatten ihn seine Ahnungen getäuscht. Sie alle, die Harringa, witterten förmlich die Gefahr. “ ; S. 21: „ Sie alle, die Halligbewohner glaubten, Unheil vorauszusehen, sie schworen sogar darauf, und nannten es „das zweite Gesicht“, mit dem man weit vorausblicke. “). Als Beispiel, quasi zur Bestätigung, wird eine Seefahrts-Unglück-Geschichte angeführt, in der Sören Harringa einen Möwenschwarm die Namen von später Verunglückenden schreien hört (S.12). Er hat zudem eine unbestimmte Ahnung vom ausbrechenden Feuer: während er in Gedanken versunken ist, scheint es ihm, „ als wäre die Sonne über dem Meer gläsern.[...] Der glühende Ball stand brennend rot über Jevershallig. “ (S. 11), „ ein Schwarm düsterer Krähen “ sind für ihn „ Vorboten des Unheils “ (S. 13).

Der rote John hat weniger ein zweites Gesicht, vielmehr „ pflegte er “ seine Geschichten „ mit eigenen Anschauungen und allerlei Flunkereien zu würzen “, und ist somit ein gutes Beispiel für die Verbreitung und Veränderung historischer Geschichten durch publikumswirksamen mündlichen Vortrag. Aber er sieht Seeschwalben als Vorboten einer Hochzeit im Hause Harringa (S. 25).

In Speyer trifft Wiben den holsteinischen Ritter Henning Pogwisch, der selbst zwar keine Sagenfigur ist, aber in Beziehung steht zur Sage „Frau von Poggwisch“ von 1404[1] und ein möglicher Nachfahre sein könnte.

Mehrmals erwähnt wird die historisch belegte Schlacht von Hemmingstedt im Jahre 1500, in der die Dithmarscher mit einer Falle „ein geradezu übermächtiges Heer des dänischen Königs“ „vernichtend schlugen“[2]. Hierzu gibt es mehrere Geschichten und Lieder, drei lange Balladen und zwei Zusätze lassen sich bei Müllenhoff finden[3].

Ebenfalls erwähnt wird die Schlacht bei Dieckshörn im Jahre 1531 (S. 29: „ Nach dem letzten Kriegszug bei Dieckshörn, wo er an der Spitze von fünfhundert bewaffneten Dithmarschern dem Dänenkönig und seiner Soldateska die Stirn geboten hatte [...] “ ), auch dazu hat Müllenhoff zwei Lieder aufgeschrieben[4], in einem wird Wiben Peter selbst erwähnt.

Ebenfalls öfters im Gespräch sind Hans Fering, Rode Jeben Clawes und Michael Kros, die so wie Wiben um ihr Recht kämpfen (S.51), und von Hans Fering berichtet der Schreiber Jochim, man richtete ihn „ mit dem Schwert trotz ihm widerfahrenden Unrechts “ (S. 97).

Später erzählt er vom Tod auch der anderen beiden: „ Sie ließen nicht nur den Hans Fering hinrichten, auch Rode Jeben Clawes und Michael Kros haben sie als Landesfeinde bezwungen “ (S. 107). Der Autor Robert Jung stellt mit den dreien Wiben ebenbürtige Personen auf, sie unterstreichen den Gerechtigkeitsansatz seines Kampfes mit ihrem ungerechten, schuldfreien Tod. Überlieferte Sagen oder sagenhafte Geschichten über die Genannten sind mir allerdings nicht bekannt. Bekannt ist aber, das es durchaus außer Wiben Peter auch andere historische Personen gab, die gegen die dithmarscher Regenten rebellierten oder im Allgemeinen die Obrigkeiten, und so ist der Kampf zwischen Geschlechterbverbänden und den Mächtigen, auch der Kirche, und untereinander ein Grund für den Untergang der Bauernrepublik.

Wiederholt wird Wiben gewarnt, seine Piraterie könne enden wie bei anderen bekannten Seeräubern, allen voran Klaus Störtebeker, „ der vom Ostfriesischen her harte Freibeuterei betrieben hatte, auf dem Grasbrook in Hamburg mit dem Schwert richtete “ (S. 194) und so wie Störtebeckers Kumpanen werden auch Wibens Gefährten als „Vitualienbrüder“ bezeichnet. Der Lotse Adams erwähnt zudem die ihm bekannten Kressenjakobstaler, die zum Lebensunterhalt Piraterie betrieben aber „ keineswegs gemeine Räuber oder Menschenfeinde “ (S. 195) waren; er vergleicht ihr Tun mit Wibens und sieht Parallelen: ihr Recht sei mit Füßen getreten worden und sie würden nur darum kämpfen, dabei helfen sie den Armen und verteidigen die Freiheit, die den Dithmarschern als besonders hohes Gut gilt. Eine Sage von den Kressenjakobstalern ist mir nicht bekannt.

Der Titel des Romans weist auf die Geschichte des Michael Kohlhaas hin[5], der als vollkommen ehrlicher und rechtschaffender Mensch durch seinen unbeirrbaren Gerechtigkeitssinn nach erlittenem Unrecht durch adlige Obrigkeiten zum Mörder und Räuber wird. Der Vergleich mit Michael Kohlhaas unterstreicht zusätzlich den gerechten Ansatz von Wibens Kampf.

2. Sagen um Wiben Peter

Es gibt mehrere Sagen, Lieder und Geschichten um und mit der Person Wiben Peter, ich beschränke mich hier auf die bekanntesten Sagen, verwiesen habe ich vorher bereits auf ein anderes Beispiel: die Schlacht bei Dieckshörn.

2.1 Müllenhoff/ Brentano: Wiben Peter [1.] / Wieben Peter

[6] [7] Müllenhoff datiert die Ballade von „Wiben Peter“ auf das Jahr 1545, als Quelle gibt er Neocorus (Johann Adolph Köster)[8] an. Die Brüder Brentano datieren das gleiche Stück in ihrem Sammelbuch auf das Jahr 1539, als Quelle geben sie die „Dithmarsische Kronick, S. 209“ an, die von eben jenem Neocorus verfasst wurde. Bis auf wenige Kleinigkeiten sind die Versionen deckungsgleich, unterschiedlich ist zum Beispiel der Name des Pastors: „Herr Lüder“ bei Müllenhoff, „Herr Ludert“ bei Brentano, was vermutlich eine Angleichung an das Hochdeutsche ist.

Das Lied hat 21 Strophen zu je 5 Zeilen, die ersten beiden Zeilen haben einen Paarreim, dann folgt ein umschließender Reim; es ist in Plattdeutsch verfasst.

Im Groben ist der Inhalt mit dem Kern des historischen Romans identisch: Wibens Kampf gegen die Dithmarscher, seine Umbenennung in Hans Pommerenning, die Flucht nach Helgoland, der Versuch zu vermitteln durch den Pastor, der letzte Kampf und sein Tod.

Es heißt, er wolle die Dithmarscher bezwingen, hat geraubt und gebrannt und mit Gewalt viel Gutes genommen. Nachdem er in Rendsburg war, zog er zum Kaiser Carol/ Karol, um ein Mandat zu erlangen, doch seine Reise brachte ihm kein Glück.

Den 48ern wird berichtet, er habe in Jever im Friesenland Söldner angenommen, um gegen Dithmarschen zu marschieren. An Himmelfahrt wählen die Dithmarscher Bohles Johann zu ihrem Anführer, auch Rode Reimer, Klaus Facke und Reinhold Gerdt werden erwähnt.

Sie segeln mit ihrer Flotte nach Helgoland, und nach ihrer Landung schickt Wiben ihnen zwei Boten entgegen, einer davon ist Pastor Ludert/ Lüder, der sagt, Wiben wolle sich wohl gefangen geben aber nach königlichem (dänischem) Recht. Bohles Johann aber fordert, er solle sich gefangen geben, um sein Leben zu fristen als Strafe.

Als Wibens Bruder Hänschen diesen zur Gefangennahme überreden will, wird er von ihm geschlagen und nach einem sehr tiefem Schluck (Alkohol) ist Wiben zum Kampf bereit. Zwei seiner Männern müssen sterben, als die Dithmarscher das Kliff stürmen. Nachdem sie vier (Kanonen-)Schüsse abgefeuert haben, fliehen sie in die Kirche, wo Wiben stirbt in einer einstündigen Schießerei; einer wird gefangen genommen.

Die 48er beschließen Wiben Peters Leichnam zu rädern und seinen Kopf aufzuspitzen.

Die Geschichte soll von Reinhold Junge und Jarren Reimer überliefert worden sein.

2.2 Müllenhoff: Wiben Peter [2.]

Das zweite Lied/Gedicht hat 19 Strophen zu je zwei sich reimenden Zeilen, Quelle ist ebenfalls Neocorus sowie ein Hans Detleff.[9]

Inhaltlich beschäftigt es sich nur mit dem Ende Wibens auf Helgoland, ist dabei aber eindeutig brutaler als das erste Stück oder der Roman:

Die stolzen Dithmarscher sind mit Schiffen ausgezogen, Anführer sind Runge Michel und Boldes Johan (Hans Detleff Rolves Johann)[10]. Sie wollen nach Helgoland segeln, um Wiben Peter gefangen zu nehmen.

Der Pastor kommt ihnen entgegen und fragt, was sie auf Helgoland wollen „so gram“. Sie antworten, sie hegen nichts gegen Helgoland, sie wollen nur den Wiben Peter haben.

Der Pastor ging nun zu Wiben Peter und bittet ihn, sich gefangen zu geben, da es sonst sein junges Leben kosten würde. Aber der lehnt ab und würde eher sterben als sich gefangen zu geben. Reimer Grot fordert zum Schießen auf, und nach fünf Schüssen fließt Blut vom (Kirchen-) Boden.

Sie bieten einem Bauern einen Taler, damit er den Leichnam abholt. der Bauer kann den Taler gut brauchen, er nimmt Wiben bei den Haaren vom Boden und zieht ihn am Bart zum Hafen.

An einem Pfingsttag wird (der tote) Wiben auf der Heide nach dithmarscher Recht zusammen mit seinem Bruder mit dem Schwert geköpft.

2.3 Müllenhoff: Wiben Peter [3.]

Die dritte Wiben-Sage behandelt die Person ganz anders, in den Anmerkungen von Müllehoff heißt es: „ durch Herrn Schullehrer Rohweder in Thienbüttel “ (Thienbüttel bei Nortorf, mitten In Holstein) „ So hat sich Wiben Peter, der Mordbrenner, freilich in ganz anderen Verhältnissen, selbst im Gedächtnis des eigentlich holsteinischen Bauern erhalten.“[11], zudem ist die Sage auch nicht in Liedform sondern als Prosa-Text und in Hochdeutsch verfasst.

Wiben Peter wohnt in „ Heinkenborstel, Kirchspiel Hohenwestede “, in Holstein und nicht in Dithmarschen. Während des dreißigjährigen Krieges (1618-1648) schließt er sich in einem harten Winter mit einer großen Anzahl Bauern zusammen, um gegen Wallensteins Truppen zu kämpfen. Nach und nach zünden sie die Orte, in denen sich die kaiserlichen Soldaten einquartiert haben, an und lassen niemanden entkommen. Mit dieser Aktion befreien sie das Land, Wiben Peter wird ein so berühmter Held, dass der (dänische) König ihn in seine Dienste nimmt.

2.4 v.d. Kooi : Wiben Peter, alias Hans Pommerenink

Die vierte Sage beschäftigt sich wieder mit dem Angriff auf Helgoland und dem Tod Wiben Peters. Es ist ein Prosa-Text in Hochdeutsch.

Zur Vorgeschichte heißt es nur knapp: „ Der Dithmarscher Wiben Peter, der sich Hans Pomerenink nannte, hatte sich als Seeräuber auf Helgoland festgesetzt.

1545 landen die Dithmarscher auf Helgoland, als gerade viele von Wibens Männern ausgelaufen sind, und da der Pastor nicht vermitteln kann, verschanzt sich Wiben an der Kirche. Nach vier (Kanonen-) Schüssen zieht er sich in die Kirche zurück und flüchtet auf den Dachboden nachdem die Tür aufgebrochen wurde, wo er durch die Dielen erschossen wird. Sein verwundeter Bruder wird ebenfalls erschossen, ein Söldner erschlagen und ein Schreiber namens Jochim wird festgenommen.

3. Vergleich zwischen Roman und Sagen

Mit dem Vergleich zwischen Roman und Sagen, aber auch der Sagen untereinander, möchte ich Parallelen aufzeigen, und damit auch aufzeigen, dass vermutlich die gleichen Quellen verwandt wurden. Auch kann man erkennen, wie durch Ausschmückungen, der Erweiterung des handelnden Personenkreises oder durch Erfindung neuer Handlungsstränge aus einer kurzen Sage ein langer Text werden kann.

Im Schulunterricht kann die Kombination von Roman und Sage Anknüpfungspunkte in beide Richtungen geben und motivationsfördernd wirken.

3.1 Handlungskomplex, Handlungsstränge

Sagen beschränken sich in typischer Weise auf einen kargen Ausdruck in einem knappen Bericht, bei den letzten beiden (Müllenhof [3.], v.d. Kooi) ist das offensichtlich, die beiden Lieder sind zwar durchaus länger und durch die Form und den Reim abweichend vom einfachen Berichtsstil, dennoch aber beschränken auch sie sich inhaltlich auf einen knappen Bericht.

Alle angeführten Sagen sind sogenannte historische Sagen, sie beschreiben objektives Geschehen und erheben dabei auch den Anspruch auf Glaubwürdigkeit, sind aber keine sicher überlieferte und belegte Geschichte.

Die dritte Wiben Peter-Sage bei Müllenhoff, von Rohweder überliefert, weicht von den anderen und auch vom Roman deutlich ab: Ort (Heinkenborstel statt Marschenland), Zeit (dreißigjähriger Krieg statt Zeit der Bauernrepublik), Geschehen (Kampf gegen Wallenstein statt Kampf gegen Dithmarscher/ Seeräuberei) und staatsbürgerliche Herkunft (Holstein/ Dänemark statt Dithmarschen/ römischer Kaiser) sind anders und vermutlich eine Ausdeutung oder Erfindung des Überlieferers.

Im Gegensatz zu den anderen Sagen ist die Person des Wiben Peter eindeutig positiv besetzt, er ist gar ein hochgerühmter Held. Im Roman lässt sich das andeutungsweise zwar auch so finden, aber zum Ende hin, ist er ein gefallener Held und nicht ein vom König geachteter. Gleich aber ist sein Ruf als begabter und erfolgreicher Anführer von bäuerlichen Befreiungstruppen gegen Angreifer, den er sich in der Sage aber im dreißigjährigen Krieg, also zu einer späteren Zeit, und nicht in den Kämpfen der dithmarscher Bauernrepublik holt.

Dabei ist auch die Art des positiv empfunden Sieges durch Anzünden ganzer Dörfer nicht wiederzufinden, aber im Roman gilt er als Mordbrenner, also als durchaus negative besetzte Person.

Die drei anderen Sagen sind inhaltlich deckend und beschreiben das Ende des Wiben Peter auf Helgoland, decken sich damit auch mit dem Roman in Teilen.

Ein Roman hat typischerweise als längerer Text einen umfangreicheren Personenkreis mit differenzierten Charakteren, mehrere (miteinander verwobene) Handlungsstränge, eine spannungsreiche Entwicklung zur finalen Katastrophe oder zum „Happy End“ hin und weitreichende Beschreibungen und Ausschmückungen. Bei einem historischen Roman muss zudem die Einhaltung von Zeit, Ort, und (gesellschaftlicher) Umgebung beachtet werden. Durch die fiktionalen Elemente des Romans kann aber kein Anspruch auf historische Richtigkeit gegeben werden, viel mehr erlaubt die dichterische Freiheit auch Veränderungen, Zeit- und Ortsverschiebungen und Erfundenes.

Nur durch solche romantypische Erfindungen des Autors kann aus den kurzen Sagen ein langes Prosawerk werden.

In „Wiben Peter“ von Robert Jung finden sich noch weitere Erweiterungen wie direkte und indirekte Rede in langen Gesprächen, Diskussionen, Träumen und Gedanken. Dabei erlaubt der auktoriale Erzählstil anders als der objektive Berichtsstil eben auch Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der Handelnden, was in einer Liebesgeschichte von Bedeutung ist für das Verständnis der Handlungen und Äußerungen, denn der Roman unterscheidet sich von den Sagen vor allem durch die Erfindung der Liebesgeschichte des Halligmädchens Eike Harringa.

So verbindet sich die Erzählung von der letztlich unerfüllten Liebe Eikes zu dem Mann ihrer Jugendfreundin und Kämpfers für sein Recht Wiben Peter mit eben dessen Geschichte, die mit seinem Tod endet, für sie aber gibt es ein „Happy End“ durch die Heirat mit Rode Andersen.

Aber auch die Geschichte um Wiben selbst ist stark erweitert und detailreich geschildert:

Erstens wird er äußerlich und sein Gefühlsleben und seine Gedankenwelt genau beschrieben, zweitens wird der ganze Verlauf der Vorgeschichte geschildert bis es zum auch in den Sagen geschilderten Ende kommt. Seine unzähligen verlorenen Prozesse lassen ihn an der Gerechtigkeit zweifeln und sein unbeugsamer Wille und sein fatalistisches Freiheits- und Rechtsverständnis treiben ihn in eine gewaltsame Fehde gegen die eigenen Landsleute und zum Schutz und Recht suchen zu fremden Mächten, was ihn zum Landesfeind werden lässt. So steht seine Seeräuberei in einem besseren Licht da, er selbst sieht sie als „Selbsthilfe“, der Leser soll einen gerechten Kampf für die Freiheit des Einzelnen vor willkürlicher Obrigkeit und für sein Recht erkennen.

Ausgangspunkt der Geschichte des vormals berühmten und angesehnen Anführers in Schlachten, was, wie bereits erwähnt, auch in Sagen überliefert ist, sind die erfundenen neidischen Nachbarn Lame Ties und Hans Vogede, die ihn vor Gericht zwingen.

Von seinen Brüdern Barhold, Klaus und Hans wird in den Sagen namentlich nur „Hänschen“ erwähnt, was als Verniedlichung auf einen jüngeren Bruder schließen lässt, die anderen bleiben nicht nur unbenannt, auch fehlen sie gänzlich als handelnde Personen. Im Roman erschließt sich mit den beiden ein weiterer Ort des Geschehens neben dem um Wiben, sozusagen eine Heimatfront, deren Bedrohung Wiben noch weiter anstachelt in seinem Zorn und seinen Rachegelüsten. Die zu Hause gebliebenen aber müssen indirekt unter Wibens Taten leiden: sie werden beschimpft, beleidigt und denunziert, Sigbritt stirbt, das Kind kränkelt und letztlich werden sie des Hofes verwiesen.

Reimer Grot wird in der zweiten Sage bei Müllenhoff erwähnt als einer der anführenden Dithmarscher beim Sturm auf Helgoland, Robert Jung erweitert die Figur mit der vergeblichen und schmachvollen Werbung des reichen Büsumers um Eike. So wird Reimer Grot zu einem erbitterten Feind Wibens und mit Hilfe seines Geldes kann Harring eine Flotte ausrichten.

Hinzugedichtet hingegen sind Wibens Kampfgefährten, wie der lange Oswald oder Veit Jansen, aber sie sind historisch getreu, denn zur Zeit Wibens gab es mehrere Dithmarscher, die in Fehden um ihr Recht kämpften.

In der Ballade von Müllenhoff ([1.]) bzw. Brentano wird kurz ein Aufenthalt in Rendsburg erwähnt, im Roman findet Wiben Unterschlupf bei dem Rendsburger Amtsmann Kai Rantzau, der eine historisch belegte Person in der Mitte des 16. Jahrhunderts ist.

Die ebenfalls in Sagen geschilderte Reise zum Kaiser verläuft auch im Roman mit ungewünschtem Ausgang, doch durch den Einschub der Geschichte von Rettung und Wiedersehen mit Bischof von Eichstätt wird das ganze erweitert, Wiben hat ein kurzzeitiges Erfolgserlebnis und er hat in seiner Fehde widerstanden, einen katholischen Geistlichen zu überfallen, bleibt damit moralisch „unbefleckt“.

Da die Sagen sich überwiegend mit Wibens Ende auf Helgoland beschäftigen, ergeben sich hier natürlich auch die meisten Deckungspunkte bzw. überhaupt erst Vergleichsmöglichkeiten. Der Kern ist in allen Sagen und im Roman gleich: Die Dithmarscher landen auf Helgoland, der Pastor versucht vergeblich zu vermitteln, Wiben und seine Männer verschanzen sich auf dem Friedhof, nach mehreren Kanonenschüssen fliehen sie in die Kirche, wo Wiben durch die Dielen des Dachbodens erschossen wird.

Im Roman erstreckt sich diese Passage über 15 Seiten, diese Fülle wird erreicht durch detaillierte Beschreibungen, die Einfügung wörtlicher Rede, dabei insbesondere die langen Diskussionen des Pastors mit den Dithmarschern (S. 243-246) und mit Wiben (S. 247f), und mit der Einfügung der Diskussion der Dithmarscher, besonders des alten Klaus Suwel, ob man die Kirche stürmen dürfe.

Durch diese Texterweiterung wird natürlich auch von der historischen Quelle abgewichen, besonders dort wo nicht überlieferte Rede erscheint, so muss die Handlung im Roman als frei erfunden gelten, was der Autor auch in einem kurzen Vorwort anmerkt (S. 4). Aber auch in den Sagen finden sich Ausschmückungen, Übertreibungen und schlicht Unhistorisches, so z.B. in der ersten bei Müllenhoff abgedruckten Sage ein Satz über einen „tiefen Schluck“ des Wiben Peter vor dem Kampf, auch in der Sage von v.d. Kooi wird sein „Mut antrinken“ erwähnt, außerdem wird von einer Siegesfeier der Dithmarscher zusammen mit den Helgoländern berichtet, was historisch eher unwahrscheinlich wahr, denn die Helgoländer fühlten sich durch das Eingreifen der Dithmarscher auf ihrer freien zu Holstein/ Dänemark gehörenden Insel angegriffen, und so bedeutete die folgende Strafexpedition auch das Ende der dithmarscher Republik 1559. Dennoch aber ist diese Sage die Detaillierteste und stimmt sowohl mit Roman als auch mit Quelle (Neocorus) am stärksten überein, vor allem durch die Passage über den Tod und die Gefangennahme des Schreibers Jochim, dabei wird sogar Neocorus zitiert: „ Wiben Peter fanden sie, von drei Kugeln durchbohrt, als Leiche vor. Sein schwerverwunderter Bruder wurde vollends niedergeschossen, ein Landsknecht erschlagen, und ein vierter, ein ‚Schriveman, Jochim geheten’, der sich auf den Hahnebalken geflüchtet hatte, gefangengenommen. “ In der ersten Müllenhof/ Brentano- Sage wird das Gleiche knapper und ungenauer geschildert: es heißt zum einen, dass Wibens Gesellen ihr Leben lassen mussten, dass er selbst stirbt bei der Schießerei und dass einer gefangengenommen wird. In der zweiten Sage ist es noch knapper, lediglich der Tod Wibens wird indirekt erwähnt und dass sein Bruder ebenfalls gerichtet wird.

3.2 Freiheitsbegriff / Rechtsbegriff

Von zentraler Bedeutung im Roman ist der Glaube Wibens an einen gerechten Kampf für sein Recht und für seine Freiheit. Sein unbeugsamer Wille, gepaart mit einer typisch ditmarscherischen Starrköpfigkeit und einem unbeirrtem Gerechtigkeitssinn, lässt ihn nie zweifeln und führt ihn am ende in den Tod, weil er sich weigert, sich nach dithmarscher Recht gefangen nehmen zu lassen, weil er der Meinung ist, dieses Recht nicht gebrochen zu haben.

In den Sagen hingegen finden sich keine Beschreibungen seines Gerechtigkeitsempfindens, da Schilderungen der Vorgeschichte fehlen, lediglich sein Treiben als Seeräuber wird erwähnt, was ihn in eine negative belegte Person wandelt. Dennoch aber ist der Freiheitskampf entscheidend für die Entstehung der Sagen um Wiben Peter, denn er war zum einem in seiner Zeit ein Vorbild für alle Unterdrückten sowohl in Dithmarschen als auch im ganzen Reich, erinnert sei hier an historische Bauernaufstände, die auch im Roman erwähnt werden, zum anderen wurde er ein Idealbild im aufbrechenden nationalen deutschen Idealismus. Als unerschütterlicher Kämpfer für Vaterland, Freiheit und Gerechtigkeit ist er ein Idealtypus des aufrechten, nationalstolzen Bauern, und damit auch ein idealer Dithmarscher im Volksglauben und im historischen Bewusstsein an der Westküste. Geprägt hat dieses Bild sicher auch die Überlieferung in der Chronik des Neocorus, der in besonderer Weise die Freiheit der Dithmarscher hervorhebt, und der umfangreiche Theorien über den Verlust der Freiheit nach der letzten großen Fehde 1559 aufstellt.[12] Historisch führte der Kampf gegen Wiben zum Ende der dithmarscher 48 Regenten, was damit auch eine Erfüllung seiner Ziele post mortem ist. In die Zeit der „Rebellion des Wiben Peters, der die alten Verfassungskörperschaften missachtete“[13] fällt zudem die Durchführung der Reformation in Dithmarschen.

Der Schlüssel zum Verständnis der Zentralität des Bildes vom Freiheitskämpfer ist die Betrachtung der historischen Gegebenheiten, insbesondere der Geschlechterverbände, wegen der Neocorus „den Geschlechterstaat Dithmarschen und die eidgenössische Schweiz“[14] nebeneinander stellt. Entstanden sind diese Geschlechterverbände durch aus dem Norden einwandernde Jüten und aus dem Osten und Süden einwandernde Sachsen bzw. Slawen, sie waren „keine blutsverwandten Sippengemeinschaften, sondern frei zusammengekommene Schwurgemeinschaften“[15], die auf Verteidigung und Selbsterhaltung ausgerichtet waren. Von Bedeutung ist dafür auch der gemeinsame Kampf gegen die Natur und die Gewinnung und Verteidigung von fruchtbarem Land sowie die abgeschnittene Lage Dithmarschens. Im Roman ist dieses Sippenprinzip mehrfach erkennbar, am besten natürlich auf dem Peter-Hof, auf dem alle frei sind, sich aber dem Geschlecht der Peter verbunden fühlen, so müssen sie auch eine Ausweisung als Sippenstrafe gegen Wiben hinnehmen. Auch Wibens Anspruch auf Selbsthilfe entstammt dem teilweise alt-germanischen Recht der Geschlechter, das erst 1447 niedergeschrieben wurde als „dithmarscher Landrecht“, auf das sich Wiben beruft (die 48er hingegen berufen sich auf die Rechtsordnung nach 1500). In diesem Recht wird auch die Blutsrache verbrieft, „ die nicht nur die Blutsverwandten, sondern alle Geschlechtsgenossen, die Vrunte, angeht. [...] Darin und besonders in dem Verzicht auf die Ausübung des Vormundschafts- und Erbrechts deutet es sich an, daß das Geschlecht kein einfacher Blutsverband, keine Sippe war, sondern eine Willensgemeinschaft [...]. Das stärkste Band war der Rechtsschutz, den das Geschlecht in ungewöhnlich hohem Maße, vor allem durch die [...] Eideshülfe gewähren konnte. An die „Nemede“, mittels deren ein Angeklagter trotz aller Belastung und Beweismittel des Klägers freikam, wenn eine je nach Schwere der Tat festgelegte Anzahl von Geschlechtsgenossen für ihn einen Leumund sprach, erinnern ähnliche [...] Möglichkeiten des Reinigungseides im jütischen Recht.“ [16]

Aber dieses Recht, auf das Wiben sich beruft und das Grundlage der dithmarscher Freiheit war, wurde ab 1447 zunehmend eingeschränkt durch den neu gegründeten Rat der 48. „Es waren 48 aus den Geschlechtern gewählte Männer, die als Vertreter der Kirchspiele lebenslänglich ihr Amt ausübten. Anfänglich, 1447, war dieser Rat nur als höchste eigene Berufungsstelle in Rechtsentscheidungen gedacht, aber die Achtundvierzig gewannen bald an Macht und wurden zu einer Regierung Dithmarschens [...]. Im Land nennt man sie jetzt die Regenten.“[17] Unter anderem wurde das Schwurrecht, die Eideshilfe, stark eingeschränkt bzw. später ganz abgeschafft, so sollte die Macht der einzelnen Geschlechter gemindert werden, um Alleingänge und Fehden zu verhindern, unterstützt wurden die 48er von den Reformatoren, welche die Blutrache als Unmoral ablehnten.

4. Das Thema im Schulunterricht

4.1 Sagen und historische Romane im (Deutsch-) Unterricht

Sagen haben im Deutschunterricht einen angestammten und berechtigten (aber teilweise auch umstrittenen) Platz. Sie sind Teil eines ungeschriebenen Kanons der deutschen Literatur, als relativ kurze Texte sind sie für einen Einsatz in unteren Klassenstufen geeignet und oft stehen sie in vergleichender Bindung mit Märchen, die ebenfalls zu den einfacher strukturierten fiktionalen Texten gehören.

Sie können aber praktisch in allen Klassenstufen mit vielen unterschiedlichen Betrachtungsschwerpunkten behandelt werden und zudem bieten sie hervorragende Verknüpfungspunkte zu anderen Fächern, was dem Lehrplan[18] gerecht wird, denn dort wird verbindlich fächerübergreifendes Arbeiten gefordert. ( „ Die Lehrpläne nehmen auch mit dem fächerübergreifenden Arbeiten die pädagogische Forderung nach dem Lernen in Zusammenhängen auf. Das didaktische Selbstverständnis und die Unterrichtspraxis eines jeden Faches schließen das Zusammenwirken der Fächer ein.“[19] )

Ausgangspunkt von Sagen-Analysen ist oft die Definition der Brüder Grimm, die sich als zwei der Ersten ausführlich mit Märchen und Sagen beschäftigten, demnach ist „das Märchen“ „ poetischer, die Sage historischer. [...] Erinnerungen an Erlebtes und fabulierende Ausgestaltung dieser Erlebnisgrundlage bilden zusammen die Substanz dessen, was man als Sage bezeichnet.[20], zusammengefasst wird dieses in den Begriffen „Memorat“ und „Fabulat“.

Der von den Grimms geführte Vergleich von Sage und Märchen ist noch heute vorherrschend bei der Behandlung von Sagen im Unterricht, was sicher mit der gewissen formalen und inhaltlichen Nähe zu erklären ist. Der Lehrplan führt so auch beide Formen zusammen auf für die Klassenstufe 5/6 im Bereich Sachkompetenz:„ Formen und einfache Mittel des Erzählens kennen (z. B. Erlebniserzählung, Gruselgeschichte, Märchen, Sage, Fabel; [...]Altersgemäße Erzählungen kennen (z. B. Märchen, Erzählungen, Sage, Fabel, Jugendbuch) [...] “.

Nach Psaar/Klein lassen sich zwar relativ viele Sagen in Schullesebüchern finden, aber sie hätten „ nie die dominierende Rolle gespielt wie das Volksmärchen[21], zudem fehle oft die didaktische Begründung für die Behandlung von Sagen als Textform, sie wird vor allem im Verhältnis zum Märchen gesehen. So verbleibe die Sage „ ausschließlich in ihrem historischen Bezugsrahmen “ [21]. Das Märchen aber vor allem auch die Fabel hingegen finden Beachtung als Zeugnisse anti-feudaler Texte und Strömungen, obwohl die Sage solche Aussagen noch viel eher liefern kann, da sie ihren Ursprung nicht in bestimmten sozialen Schichten sondern in Bewusstseinshaltungen- und Zuständen hat und damit Aussagen liefern kann über gesellschaftliche Entwicklungsstufen.

Zur Aufbereitung für den Unterricht sind Sagen besonders geeignet, die in lokalem oder regionalem Bezug stehen zum Schulstandort. Auch wenn dadurch „ nur ein jeweils begrenzter Sagenvorrat in Frage kommt[22], so lassen sich doch leichter Verknüpfungen zu lokaler Geschichte und Geographie finden, was zum einen die Materialsuche sowohl für Lehrenden als auch für Lernende erleichtert, zum anderen lässt sich auf eine höhere Motivation hoffen.

Auch wenn Psaar/Klein kritisieren, dass die Sage oft nur in ihrem historischen Rahmen gesehen wird, so weisen sie dennoch darauf hin, dass eben die Verknüpfung mit der Realität ein entscheidendes Merkmal ist, was auch bei der Sagenentstehung beachtet werden muss. Allerdings sind Sagen nie sicher tradierte Historie, sondern sie sind vielmehr subjektive Erlebniserzählungen, die aber den Anspruch auf Glaubwürdigkeit erheben, was durch die gebräuchliche orale Tradierung und ihrer Notwendigkeit zur Unterhaltung des Publikums zu erklären ist.

Von Interesse (vor allem in den 70er Jahren) ist die Sage auch als anti-feudaler Text, oft in kritikloser Verehrung, von volkstümlichen Helden, die sich gegen ungerechte Unterdrückung wehren. Wiben Peter ist für diesen Ansatz ein nahezu klassisches Beispiel.

Als Sonderform hat der historische Roman zwar keinen ausdrücklich geforderten Platz im (Deutsch-) Unterricht, es lassen sich aber viele Einsatzmöglichkeiten mit didaktischer Begründung finden. Der Lehrplan fordert das Lesen von mindestens zwei Ganzschriften in jeder Klassenstufe, so wäre ein Einsatz grundsätzlich in jeder Klassenstufe möglich, allerdings wird die Lektüreauswahl teilweise begrenzt durch die Forderung nach einem Jugendbuch bis Klassenstufe 8 und nach einer Lektüre aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert in den Klassenstufen 9 und 10. Nach den Kriterien zur Auswahl der Ganzschrift wäre die Sage auszuwählen als Beispiel für eine Textgattung und wegen ihrer Eignung zum fächerübergreifenden Unterricht. Bei regional-bezogenen Sagen (wie eben zum Beispiel Wiben Peter in Schleswig-Holstein) ist auch der Belang für die kulturelle Region Schleswig-Holstein und die Zugangsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler entscheidend.[23]

Vorraussetzung zum Lektüre-Unterricht ist natürlich die Basisfähigkeit des Lesens, die durch die Lektüre noch verbessert und gefestigt werden soll, dabei ist wichtig, dass eine lesefreundliche Situation herrscht und lesefördernd wirken kann. Die steigende Lesepraxis wird mit Bewusstmachung und Aneignung von Arbeitstechniken begleitet.

Der historische Roman ist nicht historischer Bericht, sondern er sucht „ Individuelles im historischen Geschehen [...], das sich wiederum kaum in den Quellen finden läßt[24]. Die Subjektivität des Autors, seine Phantasie und seine eigenen Freiräume bestimmen den Grad des Erzählerisch-Fiktionalem im Verhältnis zum Historisch-Realem.

Mit dem historischen Roman im Vergleich zu Sagen aber eröffnen sich für den Unterricht neue Möglichkeiten abseits des „normalen“ und bekannten Vergleichs von Sagen und Märchen.

4.2 „Wiben Peter“ als Unterrichtslektüre

Neben den allgemeinen und rein formalen Kriterien bei der Auswahl von Sagen und historischen Romanen als Unterrichtsstoff sind auch spezifischere Punkte mitentscheidend, so genügt „Wiben Peter“ auf jeden Fall der Forderung nach Regional-Bezug.

Aber auch Aufgabenfelder von allgemeiner pädagogischer Bedeutung können berücksichtigt werden, insbesondere in Verbindung mit Niederdeutsch oder auch Friesisch, wenn zum Beispiel Quellen oder Sagen auf Plattdeutsch gelesen werden.

Bereits in den Klassenstufen 5/6 sollen Sagen als einfache, altersgemäße Textformen behandelt werden. Sowohl die Sagen um Wiben Peter als auch den Roman von Robert Jung halte ich persönlich aber für diese Klassen noch für nicht geeignet, da zum Beispiel die Verknüpfung zum Fach Geschichte noch nicht gegeben ist, aber auch weil ich Inhalt von Sagen und Roman in seiner Aussagekraft für noch zu hoch halte.

Wenn aber bereits in den Klassenstufen 5/6 Sagen als Textgattung behandelt worden sind, so ist ein Einsatz ab Klasse 7 möglich, zudem sollten dann auch grundlegende Arbeitstechniken zum Texterfassen und –verarbeiten erlernt sein.

Der Roman wäre in 7/8 ein Beispiel für eine umfangreichere Erzählung, Sagen gehören als epische Kurzform ebenfalls zum Repertoire zu lesender epischer Texte.

Mit Hilfe der Lektüre sollen „ Einsichten und Kenntnisse “ erweitert und vertieft werden, „ die für das Verstehen und Beschreiben epischer Texte erforderlich sind: u. a. Erzählhaltung, Erzählperspektive; Raum- und Zeitgestaltung; Handlungsstränge, Motive; Figurenkonstellationen, Personencharakterisierung; sprachliche Mittel “, außerdem sollen sich die Schüler „ mit einem Autor/ einer Autorin aus der Region beschäftigen[25].

In den Klassen 9 und 10 sollte ein Einsatz als Unterrichtslektüre gar kein Problem darstellen, zumal ein Roman als komplexerer Erzähltext gefordert wird.

So lässt sich also die Behandlung des Themas „Wiben Peter“ und die Lektüre des historischen Romans im (Deutsch-) Unterricht in allen Klassenstufen vertreten, dabei bieten sich auch mehrere Möglichkeiten der Eingliederung in die im Lehrplan vorgeschlagenen Themen:

In den Klassen 5/6 in das Thema „Wie Starke und Mächtige sich durchsetzen wollen und Schwache sich wehren müssen - Umgang mit Fabeln“, zum Beispiel durch einen Vergleich der (eher politischen) Fabel mit Sagen oder durch Behandlung des Aspektes des Freiheitskampfes von Wiben Peter;

Die Klassen 7 und 8 bieten gleich vier verschiedene Themenmöglichkeiten, in die sich „Wiben Peter“ integrieren lässt: „Eine Autorin oder ein Autor in Schleswig-Holstein“, „Vielerlei Deutsch: Mundarten, Dialekte; Umgangssprache, Gruppen- und Fachsprachen“ , „Vom Manuskript zum Buch“ und „von Heldinnen und Helden“ - Robert Jung als regionaler Autor, Niederdeutsch als Dialekt oder die Entstehung des Romans von der Quelle des Neocorus bis zum Buch wären hier Beispiele.

Literaturliste

- Brentano, A. und C.: Des Knaben Wunderhorn. alte deutsche Lieder, 2. Bd., Heidelberg, 1808, nach: Spiegel-ONLINE, Gutenberg-Archiv: http://gutenberg.spiegel.de , darin: Wieben Peter: http://gutenberg.spiegel.de/arnim/wundhorn/wh2163.htm
- Jenssen, C. u.a.: Dithmarschen. Land an der Küste, Heide, 1976
- Jung, R.: Wiben Peter. der Kohlhaas der Westküste. Ein historischer Roman, Heide, 1996
- Kamphausen, A.: Dithmarschen. Land und Leistung, Hamburg, 1950
- Kienitz, D.: Dithmarscher – mit dem Adel nichts im Sinn. Ein schneller „Ritt“ durch die Geschichte der Landschaft an Schleswig-Holsteins Westküste, nach: http://www.sh-nordsee.de/touri/serie/gesch.html
- Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein (Hrsg.): Lehrplan für die Sekundarstufe I der weiterführenden allgemeinbildenden Schulen. Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule. Deutsch
- Lüdtke, A.: Zur Chronik des Landes Dithmarschen von Johann Adolph Köster, gen. Neocorus. Eine historiographische Analyse, Heide, 1992
- Müllenhoff, K. (Hrsg.): Sagen Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg, Neudruck, 4. Auflage, Kiel, 1985
- Psaar, W. und Klein, M.: Sage und Sachbuch. Beziehung-Funktion-Informationswert-Didaktik, Paderborn, 1980
- Rickmers, H.P. u.a.: Helgoland. Schicksal einer Heimat, 3. neubearbeitete Auflage, Otterndorf, 1986
- Schmidtke, K.-D.: Die Entstehung Schleswig-Holsteins, 2. Auflage, Kiel, 1993
- Verwaltungs-Verlag München (Hrsg.): Faltplan Kreis Dithmarschen, 1. Auflage
- Vahlendieck, A.W.: Das Witte Kliff von Helgoland. Zur Geschichte seiner Zerstörung durch Steinbruchbetrieb, Bredstedt, 1992
- Wiben Peter, alias Hans Pommerenink, in: v.d. Kooi, J.: Der Ring im Fischbauch, S. 153, Leer, 1998, nach Jeske

Anhang

Neocorus

„Johann Adolf Köster (1597-1619) genannt Johann Adolfi Neocorus

J.A. Köster war Pastor in Büsum und lebte von 1550-1630. Die Chronik des Landes Dithmarschen schrieb er unter dem Namen Neocorus. In Band 2 schildert Neocorus das Leben und Sterben des Landesfeindes Wiben Peter. Der gewaltsame Tod ereilte Wiben Peter in der Kirche auf Helgoland. Neocorus pflegte sehr ins einzelne zu gehen.“[26]

Hans Dethleff

Vier Jahre nach dem Tod Neocorus’ war Hans Detleff tho Windtbergen 1634 der erste bekannte Verarbeiter der Chronik.

Er kürzte die Chronik und schrieb sie um auf Niederdeutsch, so wurde seine Version sogar mehr gelesen als das Original.[27]

- Kopie: Müllenhoff, S. 68-71
- Kopie: v.d.Kooi : Wiben Peter, alias Hans Pomerenink
- Ausdruck: Wieben Peter, aus: Brentano, A. und C.: Des Knaben Wunderhorn. alte deutsche Lieder, 2. Bd., Heidelberg, 1808, nach:http://gutenberg.spiegel.de/arnim/wundhorn/wh2163.htm
- Kopie: Müllenhoff, S. 32
- Kopie: historische Karte Dithmarschens im Jahre 1500, markiert sind die Orte Heide und Meldorf, Büsum, das damals noch eine Insel war, der Kampfplatz Hemmingstedt, und die im Roman erwähnten Wohnorte an der Südermiel und in Braacken (hier „Brahm“)
- Vergrößerter Ausschnitt: moderne Karte, markiert sind die selben Orte
- Kopie: Küstenlinie um 1400, markiert sind Heide, Meldorf und Büsum
- Kopie: historische Karten von Helgoland, erkennbar ist, zur Zeit Wibens war die Insel wesentlich größer als heutzutage
- Ausdruck: Kienitz, D.: Dithmarscher – mit dem Adel nichts im Sinn. Ein schneller „Ritt“ durch die Geschichte der Landschaft an Schleswig-Holsteins Westküste, nach: http://www.sh-nordsee.de/touri/serie/gesch.html
- Kopien ausgewählter, zitierter, Seiten aus dem Roman „Wiben Peter. der Kohlhaas der Westküste“

[...]


[1] in: Müllenhoff, K.: Sagen Märchen und Lieder ..., S.32, Text 31

[2] aus: Kienitz, D.: Dithmarscher – mit dem Adel nichts im Sinn

[3] Ebd., S. 59ff, Text 71

[4] Ebd., S. 68, Text 76

[5] v. Kleist, H.: Michael Kohlhaas. Aus einer alten Chronik (1810), in: Spiegel-ONLINE: Gutenberg-Archiv: http://www.gutenberg2000.de/kleist/kohlhaas/kohlhaas.htm

[6] Ebd., S. 68, Text 77

[7] Brentano, A. und C.: Des Knaben Wunderhorn …

[8] siehe Anhang: Neocorus

[9] siehe Anhang: Dethleff

[10] nach: Müllenhoff, S.70, Anmerkungen zu Text 77.2.

[11] Ebd.: S. 70, Anmerkungen zu Text 77.3.

[12] nach: Lüdtke: Zur Chronik ..., S. 84-88, 95-101

[13] Jenssen u.a.: Dithmarschen ..., S. 78

[14] Kamphausen: Dithmarschen ..., S. 12

[15] Kamphausen, S. 21

[16] Ebd., S. 23

[17] Ebd., S. 25f

[18] Lehrplan SH, Sek. I, Deutsch

[19] Ebd, 1.3.3 Fächerübergreifendes Arbeiten

[20] Psaar, Klein: Sage und Sachbuch, S. 31

[21] Ebd., S. 12ff

[22] Psaar, Klein, S. 14

[23] nach: Lehrplan SH, Sek.I, Deutsch: Zusätzliche Angaben. Ganzschriften

[24] Psaar, Klein, S. 202

[25] Lehrplan SH, Sek.I, Deutsch, Kl. 7/8

[26] Vahlendieck: Das Witte Kliff ..., S. 2

[27] nach: Lüdtke: Zur Chronik ... , S. 35

Details

Seiten
18
Jahr
2003
ISBN (Buch)
9783640222551
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v108425
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
gut
Schlagworte
Vergleich Roman Sage Beispiel Wiben Peter Seminar Sagen Nord- Ostseee

Autor

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Titel: Vergleich zwischen historischem Roman und Sage  am Beispiel von 'Wiben Peter'