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Das Schul- und Bildungssystem der Republik Türkei

Seminararbeit 2003 24 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Einführung

Meine Hausarbeit über das türkische Bildungssystem möchte und kann trotz intensiver Recherche, den zahlreichen persönlichen Diskussionen mit türkischen Freunden und meinen eigenen persönlichen Erfahrungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Die vorliegende Ausarbeitung beabsichtigt allerdings einen umfangreichen, differenzierten und kritisch-reflektierenden Überblick zum Thema. Je tiefer die Recherche erfolgte - in welcher die persönlichen Diskussionen mit türkischen Bekannten und Verwandten die interessantesten Momente darstellten – desto stärker entwickelte sich in mir das Gefühl, dass eine endgültige Urteilsbildung[1] über die türkische Schulbildung aufgrund ihrer Komplexität, ihrer Fülle von unterschiedlichen Informationen, Ansichten und Beurteilungen unmöglich sei. Besonders erkennbar wird die Komplexität in Bezug auf den Status der Minderheiten im türkischen Bildungssystem (siehe Kapitel 7).

Da ein Bildungssystem eines Landes unter anderem auch durch den gesellschaftshistorischen und geographischen Kontext geprägt wird, soll Kapitel 1 eine kurze Einführung in die Landes- und Bevölkerungsstruktur der Türkei und Kapitel 2 einen historischen Rückblick bezwecken. Die Verwaltungsstruktur des aktuellen türkischen Bildungswesens folgt im 3. Kapitel und daraufhin im 4. Kapitel die einzelnen Schulformen mit ihren Merkmalen. Die letzten Kapitel - 5 und 6 - betrachte ich persönlich als die wichtigsten Bereich einer demokratischen und plurikulturellen Gesellschaft: der Umgang mit den so genannten ‚Schwächsten der Gesellschaft’, den Minderheiten. Hierbei gehe ich besonders auf den Entwicklungsstand der türkischen Sonder- und Förderschulen[2] und zuletzt auf die Minderheitenschulen ein.

1 Landes- und Bevölkerungsstruktur der Republik Türkei

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Landkarte der Türkei

Quelle: Spiegel-Online

Geographisch wird der west-östliche[3] Zipfel der Türkei – dies entspricht 3 % seiner Gesamtfläche – als Teil des europäischen Kontinents (Ostthrakien) definiert und der Rest als Vorderasien bzw. Kleinasien (Anatolien)[4]. Das Land ist mit 814.578 km² um das 2,3- Fache größer als Deutschland. Bei der Volkszählung 2000 wurden offiziell 67,8 Mio. Einwohner mit einer Wachstumsrate von 1,8 % verzeichnet. Die Hauptstadt der Türkei ist Ankara (3,6 Mio. Einwohner).

Türkisch ist zwar die Amtsprache, jedoch werden in weiten Teilen des Südostens und Ostens auch verschiedene kurdische Dialekte gesprochen.[5]

99% der türkischen Bevölkerung bekennen sich zur islamischen Religion, davon gehören 70 % der sunnitischen und 15 – 25 % der alevitischen Glaubensgemeinschaft an. Sunniten fühlen sich verpflichtet, den ‚Weg’ (arab. ‚sunna’) des Propheten Mohammeds zu folgen. Aleviten entlehnen ihre Bezeichnung von ihrem Vorbild Ali, dem Schwiegersohn Mohammeds, und betrachten die Praktizierung der sunnitischen ‚5 Grundpflichten des Islams’ (das islamische Glaubensbekenntnis, das tägliche fünfmalige Gebet, Fasten während des Fastenmonates, Abgabe der Armensteuer, Pilgerfahrt nach Mekka) als nicht verpflichtend. Der nicht-muslimische Bevölkerungsanteil der Türkei gehören den unterschiedlichen jüdischen (ca. 25 000) und christlichen Gemeinschaften an (Armenier: ca. 70 000; Griechisch-orthodoxe: ca. 3 000; Syrisch-Orthodoxe: ca. 15 000; Römisch-Katholische: ca. 20 000).

Seit 1923 ist die Türkei eine Republik mit den in der Verfassung Art. 2 verankerten Prinzipien einer ‚demokratischen, laizistischen[6] und sozialen Nation’[7]. Diese Prinzipien werden in Art. 4 als ‚unveränderbar’ deklariert.

Die 81 Provinzen werden zentralistisch verwaltet. In den Städten leben 75% der Gesamtbevölkerung. 30% sind unter 15 Jahre. 5,3 % des Bruttosozialproduktes werden für das Militär, 3,3% des Bruttoinlandproduktes für Öffentliche Ausgaben wie Bildung u. Erziehung ausgegeben. In der Türkei werden pro Schüler umgerechnet nur 90 US $ ausgegeben (in Deutschland 817 US $). Nur 7 Prozent der Staatsausgaben werden in Bildung investiert.[8] Die Analphabetenrate betrug 1998 bei der männlichen Bevölkerung 7% und bei der weiblichen 25 %.

2 Historischer Rückblick der osmanisch-türkischen Schulsysteme

1.1 Schulsystem im Osmanischen Reich

Im Osmanischen Reich (1300 – 1922) herrschte ein differenziertes Schulsystem mit einer Grund- und Mittelschule. Diese Tatsache wird besonders in der westlichen Literatur verdeckt und pauschal die These aufgestellt, im Osmanischen Reich existierten lediglich religiöse und militärische Bildungseinrichtungen. Obwohl das Reich und somit auch das Bildungssystem religiös orientiert war, wurden in diesen Schulen ebenfalls Fächer wie Mathematik, Geografie und Naturwissenschaften unterrichtet. Die nichtmuslimische Minderheiten hatten als ‚Schutzbefohlene’ eine kulturelle Autonomie, d.h. sie verwalteten selbständig ihre eigenen Kirchen, Synagogen und Bildungseinrichtungen.

Privatschulen wurden erst 1869 zugelassen. Für die Berufsausbildung sorgten neben den religiösen auch die militärischen Ausbildungsstätten, deren Besuch nur männlichen Schülern erlaubt war. Lediglich die Errichtung der Hebammenschulen 1842 und die Lehrerinnenschulen 1847 ermöglichte die berufliche Ausbildung auch der Frauen. Ende des 19. Jahrhunderts befand sich das Osmanische Reich in einem ständigen Abstiegsprozess durch zahlreiche Faktoren (Verlust von strategisch wichtigen Handelsrouten und Regionen durch die neuen Handelswege nach Amerika, zahlreiche Kriege, verschwenderische Hofhaltung u.a.)

1.2 Schulsystem der Republik Türkei

Die Grundstrukturen des heutigen türkischen Schulsystems wurden durch die Ausrufung der Republik Türkei (türk. ‚Türkiye Cumhuriyeti’) im Jahre 1923 festgelegt. Die führende Persönlichkeit zur Gründung der heutigen Türkei war Mustafa Kemal. Als Anerkennung seiner historischen Leistungen wurde ihm der Ehrentitel ‚Atatürk’ (türk. ‚Vater der Türken’) zugewiesen. Nach Mustafa Kemals (Von 1923 bis 1939 türkischer Staatspräsident) war der Ansicht, dass eine Modernisierung der Türkei nur durch Orientierung an westlichen Werten und Idealen zu vollbringen sei.

Zur landesweiten Vermittlung der neuen Prinzipien diente die Vereinheitlichung des Bildungswesens. Ziel der Schulerziehung war die Formung eines zu türkischen Nation und seinem Gründer treu ergebenden Staatsbürgers, der sich kritiklos zu den folgenden wichtigsten kemalistischen Prinzipien bekennt:

1. Nationalismus und die Unzertrennbarkeit der Türkischen Republik,
2. Laizismus (Trennung von Religion und Politik),
3. Republikanismus (Souveränität des Volkes),
4. Populismus (das Volk und nicht eine politische Klasse ist Träger der Souveränität),
5. Reformismus (ständige Fortführung der kemalistischen Reformen),
6. Etatismus (partielle staatliche Lenkung der Wirtschaft).

Die heutige Verehrung der historischen Persönlichkeit Mustafa Kemals kann in der Türkei teilweise einer göttlichen Verehrung und Anbetung gleichkommen, da seine menschlichen Schwächen in der offiziellen türkischen Geschichtsschreibung – besonders in den türkischen Schulbüchern - konsequent unerwähnt bleiben.[9]. Ich kann mich noch eines Ereignisses erinnern, bei dem ich als Kind in einem Schulbuch das Porträt von Atatürk mit einem Bart und weiteren Kritzeleien ‚verschönern’ wollte, als mich mein Bruder ausdrücklich daraufhin verwarnt hatte, da man dadurch sehr leicht in Schwierigkeiten geraten könne.

Die Vermittlung der kemalistischen Prinzipien führte zur Abschaffung des Religionsunterrichts, 1928 zur Abschaffung des arabischen und Einführung des lateinischen Alphabetes. Landesweit erfolgte eine Gründungswelle zahlreicher „Schulen für die Nation“ (türk.: Millet Mektepleri), damit das neue Alphabet und die damit verbundenen Werte vermittelt werden konnten. Alle Bürger zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig Jahren sollten zum Besuch dieser Schulen verpflichtet werden. Folgende Abbildungen zeigen Mustafa Kemals Rundreise über die Türkei, in denen er persönlich zur Vermittlung der neuen Reformen beitrug:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2

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Abb. 3

Mustafa Kemal lehrt 1928 in Kayseri persönlich das lateinische Alphabet

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Abb. 4: Atatürk unterrichtet seine

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Abb. 5 Adoptivtochter ‚Ülkü’

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Abb. 6 und 7: Atatürk 1933 bei einer Abfrage eines Farmers und die darauf folgende Belohnung, indem Atatürk ihm sein Taschentuch schenkt.

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Abb. 8: Atatürk unterrichtet 1934 einem Soldaten das lateinische Alphabet.

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Abb. 9: Atatürk bei einer Mathematikvorlesung

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Abb. 10: Atatürk bei einer Vorlesung der Rechtswissenschaften in einem Technischem Gymnasium für Männer 1931 in Istanbul 1930

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Abb. 11: Atatürk in einem Frauengymnasium

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 12: Atatürk 1937 zu Besuch bei Näherinnen

Quelle: Verein zur Förderung des Gedankenguts Atatürks e.V. Berlin und das Türkische Erziehungsministerium (MEB)

Diese tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderung blieben nicht ohne Kritik Besonders die Schriftreform stieß auf energischen Widerstand. Kritiker argumentierten, dass die radikale Abschaffung des arabischen Alphabets eine willkürliche Identitätsberaubung darstelle, da sie ohne eine demokratische Legitimität durch eine Volksabstimmung entschieden worden wäre. Des weiteren beraube die Abkehr vom Arabischen den Zugang des türkischen Volkes zu ihren eigenen historischen Quellen und Literatur und somit auch ihrer eigenen Identität.

1924 wurde das Osmanische Kalifat und das islamische Rechtssystem durch Gesetz des türkischen Parlaments auf Initiative von Atatürk offiziell abgeschafft. Das Kalifat - abgeleitet aus dem arabischen „ khalifat rasul allah „ (خليفة رسول الله ) = Nachfolger des Gesandten Gottes - ist eine islamische Regierungsform, bei der säkulare und geistliche Führerschaft in der Person des Kalifen vereint sind. Zwischen der offiziellen Übernahme des Kalifats 1517 und der jungtürkischen Revolution war das osmanische Kalifat nicht nur spirituelles Oberhaupt der Sunniten, sondern auch stärkste weltliche Macht des sunnitischen Islams. Der Abschaffung des Kalifats folgten die Einführung einer westlichen Kleiderordnung, die Auflösung zahlreicher religiöser Einrichtungen (z.B. die Orden der Tanzenden Derwische und der Bektasi), die Einführung eines Bürgerlichen Gesetzbuches nach schweizerischem Modell, eines Strafrechtes nach italienischem Muster und eines Wirtschaftssystem nach deutschem Vorbild.

Von 1923 bis 1951 existierte lediglich die staatliche 5-jährige Grundschule als kostenlose Schuleinrichtung, dessen Besuch für die 6 bis 11-jährigen obligatorisch war.

Neben den ‚Schulen für die Nation’ wurden ab 1942 Dorfinstitute eingerichtet, wodurch allen Bevölkerungsschichten neben einer Werteerziehung auch praxisorientierte Erziehung (z.B. Einsatz moderner landwirtschaftlicher Methoden und Technologien) zugute kommen sollte. Allerdings wurden diese Dorfinstitute nach 1946 in Lehrerbildungsstätten umgewandelt, da sie in den Verruf gerieten, linksgerichtete Ideologien zu verbreiten.

Für die Reformierung des türkischen Bildungswesens wurden außerdem ausländische Erziehungs- und Bildungsfachleute – unter anderem auch aus Deutschland – zu Rate gezogen.

1920 wurde das Unterrichtsministerium [türk. ‚Milli Egitim Bakanligi’ (MEB)] gegründet, welches durch eine Zentralverwaltung für die Einhaltung der kemalistischen Erziehungsprinzipen (Laizismus, Nationalbewusstsein und Republikanimus) zu sorgen hatte. Da die aus der Französischen Revolution entstandene Laizismusvorstellung eine strikte Trennung von Religion und Politik vorsah, wurde der Religionsunterricht vom Schulplan gestrichen. Zunächst konnte allerdings dieser tiefgreifende Schritt 1927 an den städtischen Grundschulen und erst 1938 in den ländlichen Schulen umgesetzt werden. 1930 folgte die Schließung der Predigerschulen und 1933 die der theologischen Fakultäten.[10]

1926 wurden im Bildungsbereich die nach Geschlechtern getrennte Unterrichtsform abgeschafft und die Koedukation eingeführt, d.h. Männer und Frauen wurden in einer Klasse gemeinsam unterrichtet, wodurch die Gleichheit von Mann und Frau betont werden sollte. Auch der Sport-, Musik- und Fremdsprachenunterricht fand Eingang in türkische Stundenpläne. Als Fremdsprache konnte ausgewählt werden zwischen Deutsch, Französisch und Englisch. Somit wurde die zuvor unterrichtete arabische und persische Sprache endgültig aus dem Stundenplan verbannt. Die Westorientierung wurde dermaßen konsequent vollzogen, dass sogar 1932 unter Anweisung Mustafa Kemals die türkische Sprachgesellschaft [türk. ‚Türk Dil Kurumu (TDK)][11] gegründet wurde, mit dem Ziel, persische und arabische Sprachelemente bzw.

-einflüsse aus der türkischen Sprache zu beseitigen. Die ‚Sprachreinigung’ brachte jedoch auch Unterdrückungsmaßnahmen gegen die kurdische Sprache mit sich, da Atatürk 1924 alle kurdischen Organisationen und Publikationen in kurdischer Sprache und das Tragen kurdischer Nationalkleidung verbot.[12]

Noch während der Regierungszeit Mustafa Kemals (1923 bis 1939) gab es Unruhen aufgrund des strengen Diktates und seiner Auslegung des Laizismusgedanken, da die Grenzen zwischen privaten und öffentlichen Religionsausübung nicht immer klar erkennbar waren. Ein Beispiel dafür war die bürokratische Anordnung, dass der bisher in Arabisch abgehaltene Gebetsruf in türkischer Sprache erfolgen müsse. Erst kurz nach dem Tode Mustafa Kemals wurde diese Anordnung wiederum aufgehoben. Dennoch gibt es bis zum heutigen Tage sich den kemalistischen Ideen treuverbunden fühlende Vertreter, die sich für eine absolute Abwendung von allen religiösen und arabischen Einflüssen einsetzen.

Nach dem Tode Atatürks 1939 bestand weiterhin ein Einparteiensystem mit der von Ihm gegründeten Partei CHP als Regierungspartei. Atatürk hatte aus taktischen Gründen 1924 eine Oppositionspartei – die Fortschrittspartei – zugelassen, um seine Absichten nach einer ‚demokratischen Gesellschaft’ zu bekunden. Es ist allzu verständlich, dass in dieser Partei auch Gegner der kemalistischen Reformen aktiv waren, besonders die Anhänger einer Theokratie, d.h. eines Staates, dass auf das islamische Recht, der Scharia, basiert. Nachdem 1925 ein Aufstand im überwiegend von Kurden bewohnten Südostanatolien ausbrach, die von Befürwortern des Kalifats und Mitglieder der neuen Oppositionspartei angeführt wurde, erfolgte durch die Anordnung Mustafa Kemals die Ausrufung des nationalen Notstandes. Durch die Notstandsgesetzte wurde die einzige Oppositionspartei aufgelöst, die Anführer und Verdächtige hingerichtet und die Pressezensur eingeführt.

Erst 1946 – nach dem Tode Mustafa Kemals - erhielten weitere Parteien den Einzug ins Parlament und mit ihnen auch die Auflockerung der bisher strengen Laizismusregeln. Der Religionsunterricht durfte nun auf freiwilliger Basis in der Grundschule besucht werden, die Predigerschulen und theologischen Fakultäten wurden wiederum eröffnet und 1951 wurden aus Mangel an ausgebildeten religiösen Prediger die Imam-Hatip Gymnasien gegründet.

Die bisher landesweit einheitlich eingeführte 5-jährige Grundschule seit 1923 wird nun ab 1951 erweitert auf eine 3-jährige Mittelschule (türk. ‚Orta okul’), dessen Besuch jedoch bis 1982 nicht obligatorisch war

Damit der Staat die religiösen Lehrpläne gestalten und kontrollieren konnte, wurde 1961 das ‚Amt für Religiöse Angelegenheiten (türk. ‚Diyanet Isleri Bakanligi’)[13] eingerichtet . Es sei dabei angemerkt, dass sich diese Lehrpläne an die mehrheitlich der sunnitischen Glaubensgemeinschaft angehörenden Mitglieder orientiert, weswegen die restliche muslimische Gemeinschaft der Aleviten sich in diesem Amt und ihren Lehrplänen nicht repräsentiert fühlen.

1982 wird im Artikel 24 der türkischen Verfassung nunmehr der Religionsunterricht als Pflichtfach verankert, von denen nicht-muslimische Kinder befreit sind.

3 Verwaltung des Bildungswesens

Das türkische Bildungssystem wird zentralistisch verwaltet durch das Ministerium für Nationale Erziehung (MEB) mit der Hauptzentrale in der türkischen Hauptstadt Ankara. Das Erziehungsministerium unterhält Vertretungen im In- und Ausland. Alle Entscheidungen über Erziehungsangelegenheiten müssen von ihr genehmigt werden, d.h. von der Vorschulerziehung bis zur Erwachsenenbildung.

Die formale Bildungsstruktur ist gekennzeichnet durch die Einheitlichkeit der Schuluniformen, Schularten, Lehrplaninhalte und deren pädagogischen Vermittlung.

Bis 1946 herrschte in der Türke ein Einparteiensystem mit der von Mustafa Kemal gegründeten Republikanischen Volkspartei (CHP = Cumhuriyet Halk Partisi). Die Bevölkerung gab ihren Wunsch nach einer wirklichen Volksdemokratie durch Unruhen zum Ausdruck. 1950 erlitt dadurch die Republikanische Volkspartei (CHP) eine Wahlniederlage. Durch den darauffolgenden Demokratisierungsprozess erhielten die türkischen Hochschulen 1961 eine verfassungsmäßig verankerte Selbstverwaltung und Autonomie. Aufgrund der weiterhin andauernden politischen Unruhen nach 1957, denen die Studentenbewegung in den 60er Jahren folgte, übernahm das türkische Militär 1960 und 1971 die Regierungsangelegenheiten. Die staatlichen Kontrollen in den Hochschulen wurden somit verstärkt und 1981 endgültig per Gesetz die Hochschulautonomie aufgehoben, um eine Entpolitisierung der Hochschulen zu erzwingen. Seitdem liegt die Zuständigkeit für das gesamte Hochschulwesen beim Aufsichtgremium des Hochschulrates YÖK (türk. Y üksek ö gretim K urulu)[14]. Der gesamte Lehrplan, das Personal und die Organisation werden vom YÖK bestimmt. Bei der Wahl von Dekanen und Professor können die Hochschulen lediglich eine Kandidatenliste vorlegen. Die Auswahl, Ernennung, Versetzung bzw. Entlassung erfolgt allerdings durch das YÖK. Der Hochschulrat YÖK hat 25 Mitglieder von denen 17 von staatlicher Stelle berufen und die restlichen 8 Mitglieder durch die Hochschulen gewählt werden. Die Wahl der Hochschulmitglieder muss allerdings vom Staatspräsidenten bestätigt werden.

Im Jahre 1982 wurde das Amt für Religiöse Angelegenheiten (Diyanet Işleri Bakanlığı) gegründet, das direkt dem Ministerpräsidenten unterstellt ist. Zu seinen Aufgaben gehört die Planung, Koordination und Überwachung des seit 1982 für alle muslimischen Schüler obligatorischen Religions- und Ethikunterrichts. Von dem Besuch des Religionsunterrichts sind die Kinder der Minderheiten befreit. Die religiösen Inhalte beziehen sich hauptsächlich auf die sunnitische Glaubensrichtung mit dem Ziel, die Religion in Übereinstimmung mit den kemalistischen Prinzipien und wissenschaftlichen Erkenntnisse zu lehren. Auch die außerschulischen Korankurse liegen in der Verantwortung dieses Amtes, welches sowohl den Lehrplan, die Dauer, den Teilnehmerkreis und die Unterrichtsorte festlegt, um einer ‚religiöse Radikalisierung’ vorzubeugen.

Seit 1993 ist eine Lockerung der zentralistischgelenkten Schulbildung zu erkennen, indem das Erziehungsministerium MEB mehr Verantwortung und Zuständigkeit an die lokalen Provinzverwaltung übergibt.

4 Struktur und Inhalte des Bildungswesens

4.1. Vorschulerziehung

Seit 1915 bemüht sich die türkische Regierung vergeblich um den Ausbau von staatlichen Vorschuleinrichtungen durch Übernahme einer Teilsumme bzw. der Gesamtkosten. Es wurde zum Beispiel vergeblich versucht, die Unternehmen mit über 300 Arbeiter zur Errichtung und Führung eines Kindergartens für deren Beschäftigte zu veranlassen.

Die Vorschulerziehung in der Türkei ist nicht gesetzlich verpflichtend und wird deswegen hauptsächlich von Kindern der städtischen Mittel- und Oberschicht bzw. von Kindern der in der Türkei lebenden Ausländern und Minderheiten besucht. Die Versorgungsquote 1991/92 betrug 5,1%[15]. Besonders durch die steigende Anzahl der Kleinfamilien in städtischen Ballungsgebieten mit einem hohen Anteil von erwerbstätigen Elternteilen gewinnt die Vorschulerziehung immer mehr an Bedeutung und wird in folgenden 4 Formen angeboten:

4.1.1. Kindergrippen für Kinder bis zu zwei Jahren

Das Ziel dieser Kindergrippen ist die Förderung der sprachlichen, körperlichen und moralische Entwicklung in folgenden Punkten zum Ausdruck gebracht wird:

- Entwicklung einer vernünftigen Ausdrucksweise,
- Erfahrung der Umwelt,
- Gewährleistung von Gesundheit, Sicherheit und richtiger Ernährung,
- Hilfestellungen zur angemessenen körperliche Entwicklung.

4.1.2. Heime für zwei- bis vierjährige

Bei diesen Heimen handelt es sich um Internate, die sowohl wiederum staatlich als auch privat verwaltet sein können. Wie in allen Schuleinrichtungen der Türkei genießen die Privateinrichtungen einen (sehr) guten Ruf, sind jedoch für den Grossteil der Eltern nicht erschwinglich.

4.1.3. Kindergärten für vier- bis fünfjährige Kinder

Die Kosten für die staatlichen Kindergärten werden - je nach Art der Erziehungsanstalt - teils von den Eltern, teils vom Staat bestritten. Die Kosten für die teuren privaten und besser ausgestatteten Kindergärten übernehmen die Eltern.

Im Kindergarten soll folgendes gefördert werden:

- Richtige Verwendung der türkischen Sprache,
- Vorbereitung auf das Lesen und Schreiben,
- Sauberkeit,
- Umwelterfahrungen

4.1.4. Vorklassen an Grundschulen für fünfjährige Kinder

Diese dienen der intensiven Vorbereitung für die Grundschule. In den staatlichen Vorschuleinrichtungen werden neben der Pflicht auf eine Schuluniform ebenfalls Wert auf das äußere Erscheinungsbild der Kinder gelegt, bei der die Haare der Mädchen mit einem Zopf gebunden werden muss und die Jungen einen kurzen Haarschnitt haben müssen.

4.2. Grundschule (Ilkokul)

Die Kinder werden normalerweise mit sechs oder sieben Jahren eingeschult. Nach der Träger- bzw. Schülerschaft gibt es 4 Formen von Grundschule: kostenlose staatliche, kostenpflichtige private Grundschulen und daneben die privaten Grundschulen für ausländische Schüler und für Minderheiten (Juden, Armenier und Griechen). Der Besuch der Grundschule ist obligatorisch. In den staatlichen Grundschulen werden keine Einschulungstests durchgeführt. Die Selektion durch diese Test erfolgt in einigen privaten Grundschulen aufgrund der steigenden Nachfrage und wegen dem Wunsch, die begabtesten Kinder aus der großen Auswahl aufzunehmen.

Durch die Schulreform 1997 wurde die bisherige 5-jährige in eine 8-jährige Grundschulzeit ersetzt. Somit gibt es keine Mittelschulen mehr und die Schulpflicht beträgt seitdem 8 Jahre.

Diese Reform war stark umstritten, da deren Zweck- und Rechtmäßigkeit angezweifelt wurde. Einerseits wollte man damit die Möglichkeit der Kinder verhindern, nach einer 5-jährigen Grundschule die religiösorientierten Imam-Haptip-Gymnasien mit ihren Mittelschuleinrichtungen zu besuchen.

Die Imam Hatip Gymnasien sind ursprünglich zur Predigerausbildung errichtet worden. Allerdings stieg die Nachfrage dieser Gymnasien in den 90er Jahren. Die Vertreter der kemalistischen Prinzipien betrachteten diesen Anstieg als eine Gefahr für die säkularisierte und laizistischen türkische Republik.

In den Grundschulen werden folgende Fächer unterrichtet:

- Türkisch (erst 10, danach sechs Wochenstunden)
- Mathematik (5 bis 4 Wochenstunden)
- Gesellschaftswissenschaften
- Naturwissenschaften (4 Wochenstuden)
- Sozialkunde (3 Wochenstunden)
- Sport (2 Wochenstunden)
- Religion und Ethik (Din ve Ahlak Biligisi) (2 Wochenstunden)
- Kunst
- Musik (1 Wochenstunde)
- Umwelt, Gesundheit, Verkehr, Lesen (1 Wochenstunde)[16]

Die wöchentliche Unterrichtsstundenzahl beträgt stets 30 Stunden Ein Schuljahr dauert 190 bis 200 Schultage, von denen in den ländlichen Regionen mit Rücksicht auf die Erntezeit 30 Tage entfallen. Nach der 8-jährigen Grundschulzeit, welche gleichzeitig die Schulpflicht darstellt - können die Schüler die Schule verlassen. Diejenigen, die von der Schule abgehen -und das ist ein Großteil- arbeiten meist im elterlichen Geschäft oder ergreifen Berufe, für die keine weitere Ausbildung nötig ist, um die Eltern finanziell zu unterstützen. Vor allem in ärmeren ländlichen Gebieten gehen die Schüler nur fünf Jahre zur Schule, trotz der 8-jährigen Schulpflicht.

Das Schuljahr beginnt am 1. September und endet am 30. Juni. Eine Unterrichtsstunde beträgt 40 Minuten in allen Schulformen. Zweimal im Jahr werden Zeugnisse ausgegeben, in der sowohl Fach- und Verhaltensnoten berücksichtigt werden. Die Bestnote ist dabei die 5 (sehr gut) und die schlechteste 1 (erfolglos). Das Sitzenbleiben während der Grundschule wurde durch die Verwaltungsvorschrift für die Primarbildungseinrichtungen 1992 abgeschafft und ist nur in Ausnahmefällen durch die Zustimmung der Eltern möglich.

Obwohl in der traditionellen und modernen türkischen Erziehung die Vermittlung von Wissen, die Fähigkeit ihrer praktischen Anwendung durch Analyse und Kritik als erstrebenswertes Ziel angesehen wird, dürfen dabei die kemalististischen und nationalen Ideologien nicht angezweifelt werden. Um schon im Kindesalter die Prinzipien Mustafa Kemals verinnerlichen zu können, hängen seit 1932 in allen Schulen – ebenfalls auch in allen öffentlichen und in zahlreichen privaten Einrichtungen - die Bilder Atatürks an der Wand. Vor jedem Schulbeginn wird die türkische Fahne gehisst und der Schul- bzw. Nationaleid gemeinsam aufgesagt. Dieser Eid lautet folgendermaßen:

„Ich bin Türke, aufrichtig, fleißig. (Mein Grundsatz ist,) meine Jüngeren zu schützen, die Älteren zu respektieren, mein Land und meine Nation mehr zu lieben als mich selbst. Mein Ideal ist, aufzusteigen und vorwärtszukommen. Mein Dasein soll dem Türkischen geschenkt sein.

Oh, Du großer Atatürk! Auf dem Weg, den Du uns bereitet, und dem Ziel entgegen, das Du uns gezeigt hast, werde ich ununterbrochen gehen. Das schwöre ich! Mein Dasein soll dem türkischen Dasein gewidmet sein. Wie froh ist derjenige, der sagen kann, ein Türke zu sein.“

(türkisch: „Türküm, dogruyum, caliskanim. Ülküm kücüklerimi korumak, büyüklerimi saymak, yurdumu, milletimi özümden cok sevmektir. Ülküm yükselmek ileri gitmektir. Varligim Türk varligina armagan olsun.

Ey bu günümüzü gösteren ulu Atatürk. Actigin yolda, kurdugun ülkede gösterdigin amacta hic durmadan yürüyecegime anticerim. Ne mutlu Türküm diyene.“ )

Der letzte Abschnitt wurde 1971 nach dem Militärputsch dem Eid hinzugefügt.

Dieser Eid ist ebenfalls in allen Schulbüchern – die vom Erziehungsministerium oder von diesem autorisierten Schulbuchverlagen erstellt und veröffentlicht werden - auf den ersten 4 Seiten zu finden. Die erste Seite eines Schulbuches enthält die türkische Nationalhymne[17], die zweite Seite das Bild Mustafa Kemals und die dritte Seite den Text seiner im Jahre 1927 an die türkische Jugend gehaltene Ansprach mit folgendem Wortlaut:

Die deutsche Übersetzung des Nationaleides lautet folgendermaßen:

„Türkische Jugend!

Deine erste Pflicht ist, die türkische Unabhängigkeit und die Türkische Republik für alle Zeiten zu schützen und zu verteidigen.

Das ist die einzige Grundlage Deiner Existenz und Deiner Zukunft. Sie ist die wertvollste Quelle Deiner Sicherheit. Auch in der Zukunft kann es innere and äußere Feinde geben, die Dir diese Quelle rauben wollen. Wenn Du eines Tages gezwungen sein wirst, Deine Unabhängigkeit und Deine Republik zu verteidigen, wirst Du diese Aufgabe ausfüllen, ohne Rücksicht zu nehmen auf die Möglichkeiten und Voraussetzungen, in denen Du Dich befindest. Sie können sehr ungünstig sein. Die Feinde, die nach Deiner Unabhängigkeit und Republik trachten, können einen beispiellosen Sieg in der ganzen Welt errungen haben. Es kann sein, dass alle Festungen Deines Vaterlandes mit List und Gewalt eingenommen, alle Werften besetzt, alle Heere besiegt worden und in alle Ecken des Vaterlandes Feinde eingedrungen sind. Noch schlimmer und furchtbarer als diese Lage kann es geschehen, dass diejenigen, die die Macht in deinem Vaterland ausüben, in Unachtsamkeit, auf Irrwege und sogar an der Macht sind, ihre persönlichen Interessen mit den politischen Absichten der Feinde verbinden. Die Nation kann in Not und Armut erschöpft und zusammengebrochen sein.

Jugend türkischer Zukunft! Auch unter solchen Umständen und Voraussetzungen ist es Deine Pflicht, die türkische Unabhängigkeit und Republik zu retten.

Die Kraft, die Du dazu brauchst, ist in Deinem edlen Blut vorhanden.

M.K. Atatürk“

Obwohl die Prügelstrafe und andere Disziplinierungsstrafen offiziell durch die Verwaltungsvorschrift für die Primarbildungseinrichtungen von 1992 untersagt wurde, werden diese weiterhin in der Praxis angewendet, solange die Eltern diese nicht ausdrücklich verbieten. Es gibt sogar ein überliefertes Sprichwort, welches des öfteren den Lehrern gegenüber in der Gegenwart des Kindes ausgesprochen wird und zwar: „Das Fleisch (des Kindes) gehört Dir und der Knochen mir“ (türk. “Eti senin, kemigi benim”). Man kann schon erahnen, dass dies für den Lehrer eine eindeutige Aussage seiner absoluten Hoheitsgewalt in der Schule darstellt. Ein Kind, welches die Bedeutung dieses Sprichwortes erkennt, wird sich deswegen hüten, jemals Schulprobleme – besonders die Probleme mit Lehrern - den Eltern anzuvertrauen.

4.3. Gymnasium (Lise)

Nach erfolgreicher Beendigung der achtjährigen Grundschule kann das 3 beziehungsweise 4- jährige Gymnasium besucht werden oder mit einer betrieblichen Berufsausbildung beginnen. Die Gymnasien sind gegliedert in den allgemeinbildenden, berufsbildenden und technischen Bereichen.

Die folgende Liste zeigt die Gymnasien des türkischen Bildungssystems im Überblick. Sie werden anschließend erläutert:[18]

Allgemeinbildende Gymnasien

1. Staatliche Gymnasien

(a) Klassische Gymnasien
(b) Naturwissenschaftliche Gymnasien
(c) Anadolu Gymnasien

2. Private Gymnasien

Technische und Berufsgymnasien

I. Technische Gymnasien

1. Technische Gymnasien
2. Gymnasien für industrielle Berufe
3. Anadolu-Technische Gymnasien

II. Gymnasien für Handel und Tourismus

1. Gymnasien für Tourismus und Gastronomie
2. Berufsgymnasien für Handel
3. Abendgymnasien für Handel

III. Andere Berufsgymnasien

1. Lehrergymnasien

2. Gymnasien für Geistliche und Prediger (Imam-Hatip)

3. Sonstige Berufsgymnasien für:

(a) Landwirtschaft
(b) Gesundheitswesen
(c) Polizei
(d) Kataster (Grundstücksvermessung)
(e) Finanzen
(f) Eisenbahner
(g) Meteorologie
(h) Konservatorium

4.3.1. Allgemeinbildende Gymnasien

Die allgemeinbildenden Gymnasien bereiten ihre Schüler in erster Linie auf das Hochschulstudium vor. Es gibt staatliche und private Gymnasien.

4.3.1.1. Staatliche Gymnasien

- Klassische Gymnasien

Dies sind Gymnasien, die ihre Schüler auf der Basis klassischer Bildungsprogramme ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechend auf das Hochschulstudium vorbereiten. Die Ausbildung in diesen Gymnasien dauert 3 Jahre. Manche von ihnen haben ein Internat und sind kostenlos.

- Naturwissenschaftliche Gymnasien (Fen Lisesi)

Diese Gymnasien verfügen über moderne Labors und führen reformierte Programme für begabte Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften durch. Angesichts der guten Lehrqualität haben die Abiturienten dieser Schulen günstigere Chancen bei den Aufnahmeprüfungen der Universitäten.

- Anadolu-Gymnasien mit Fremdsprachenunterricht (Anadolu Lisesi)

Diese Lehranstalten bereiten innerhalb von 4 Jahren ihre Schüler (über das allgemeine Curriculum des Gymnasiums hinaus) durch Fachunterricht in einer Fremdsprache auf das Hochschulstudium vor. Sie wurden 1981 errichtet und gelten im Gegensatz zu den klassischen staatlichen Gymnasien als Elitegymnasien und haben einen Status ähnlich die der Privatgymnasien. In ihnen werden Schüler aufgenommen, die die jetzige 8-jährige türkische Grundschule abgeschlossen und gleichfalls eine spezielle Aufnahmeprüfung bestanden haben. Zur Vorbereitung für diese Aufnahmeprüfung werden teilweise auch außerschulische, kostenpflichtige Kurse bzw. Privatunterricht genommen, die hauptsächlich in den Städten angeboten werden. Auch dies ist ein Nachteil für die Schüler aus ländlichen Regionen, da keine Nachhilfeeinrichtungen auf dem Lande existieren und viele Eltern sich die Nachhilfestunden nicht leisten können.

Das erste Jahr der Anadolu-Gymnasien ist die Vorbereitungsstufe, welches entscheidet, ob die nächsten 3 Jahre der Schüler im Anadolu-Gymnasium bleiben kann oder in das klassische Gymnasium wechseln muss. Der Lehrplan ist zwar dem der allgemeinbildenden staatlichen Gymnasien angepasst, jedoch sind diese – wie auch die privaten Gymnasien - von den Lehr- und Lernmitteln besser ausgestattet. Ursprünglich wurden die Anadolugymnasien als reine Rückkehrerschule gegründet, d.h. für die Kinder der bisher im Ausland lebenden Familien, die sich für die Rückkehr in die Türkei entschieden haben. Ihre Kinder sollten in dieser Schulform eine leichte Eingliederung ins türkische Schulsystem erfahren durch gleichzeitige Förderung ihrer im Ausland erworbenen Sprachkenntnisse.

An allen Anadolugymnasien war Fachunterricht in der Fremdsprache vorgesehen. Dies scheiterte in der Praxis aber am Fehlen der geeigneten Lehrkräfte. Insbesondere an den zahlreichen englischsprachigen Anadolugymnasien war es nicht möglich, ausreichend fach- und sprachkundiges Personal zu finden. Somit gilt seit einigen Jahren bereits die Regel, dass nur dort der Unterricht in der Fremdsprache zu erteilen ist, wo es entsprechende Lehrer gibt, z.B. in den deutschen Schulen wie der Deutschen Schule Istanbul [19], dem Istanbul Lisesi [20] und dem Österreichischen St.Georgs-Kolleg [21].

4.3.1.2. Private Gymnasien

Diese Lehranstalten sind von einzelnen Personen, Gesellschaften, Stiftungen oder Ausländern gegründet worden und unterliegen der Aufsicht und Kontrolle des Ministeriums für Nationale Erziehung. Ermöglicht wurde dies durch ein Hochschulgesetzt von 1991, wodurch Privatinvestoren mit günstigen staatlichen Konditionen und bis zur 45%igen Subventionierung sogenannte ‚Stiftungshochschulen’ gründen konnten.

Der Besuch ist erst nach dem Bestehen der Aufnahmeprüfung möglich. Gegen ein entsprechendes hohes Entgelt kann auch ohne Aufnahmeprüfung der Zugang gewährt werden. Das erste Jahr ist wie bei den Anadolugymnasien ebenfalls ein Vorbereitungsjahr. Auch hier wird ein Großteil des Unterrichts in einer Fremdsprache gehalten. Materiell wie personell sind die Privatschulen besser ausgestattet als die klassischen staatlichen Gymnasien.

4.3.2. Technische Gymnasien und Berufsgymnasien

Technische Gymnasien und Berufsgymnasien sind sowohl ein Weg zur Hochschulreife als auch ein Weg der beruflichen Bildung.

Hier liegt ein wichtiger Unterschied zwischen der üblichen Berufsausbildung in der Türkei und in Deutschland:

Die schulische Berufsausbildung in der Türkei erfolgt mehrheitlich an Gymnasien - ohne betriebliche Praxis. Allerdings sehen kritische Stimmen hier ein großes Manko: Relevante Praxiserfahrung wird, so heißt es vielfach, in vielen dieser Gymnasien nicht erworben. Zwar verfügen die Schulen über Lehrwerkstätten, doch oft lässt deren Standard zu wünschen übrig.

Nach Abschluss der 8jährigen Grundschule können die Jugendlichen ein dreijähriges Berufsgymnasium oder ein vierjähriges technisches Gymnasium besuchen. Der erfolgreiche Abschluss qualifiziert zum Besuch einer Hochschule oder zum Einstieg ins Berufsleben. Absolventen von gewerblich-technisch orientierten Schulen erhalten zudem einen Befähigungsnachweis für eine selbständige Berufsausübung.

4.3.2.1. Das duale Berufsausbildungssystem

Das traditionelle Berufsausbildungswesen wurde in zwei Gesetzen 1977 und 1986 reformiert. Wesentliche Unterschiede des Gesetzes von 1986 zum alten Gesetz sind:

- Das Berufsbildungsalter wurde von 12 auf 13 Jahre erhöht unter Einschaltung einer Lehrlingskandidatenzeit.
- Der Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherungsbeiträge für Lehrlinge wurde vom Erziehungsministerium übernommen.
- Für Schüler von vollzeitlichen berufsbildenden und technischen Gymnasien wurde nunmehr eine praktische Ausbildung in Industrie- und Dienstleistungsbetrieben während der Ferien zur Pflicht, um ihnen praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln.
- Auch die Staatsbetriebe wurden als Lehrbetriebe einbezogen.
- Zur Planung, Entwicklung und Bewertung von berufsbildenden Maßnahmen bzw. von diesbezüglichen Fragen wurde ein „ Rat für Berufsausbildung“ gegründet.

Das neue System beruht auf der Einheit von Betrieb und Schule. Die Aneignung von Berufskunde und theoretischen Kenntnissen erfolgt in der Schule, gleichzeitig findet die praktische Ausbildung im Betrieb Berücksichtigung. Beide ergänzen sich und sind gleichgestellt.

4.3.2.2. Grundsätze der Lehrlings- und Gesellenausbildung

Alle Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren und mit einem Volksschulabschluss können eine Lehrlingsausbildung in Betrieb und Schule machen. Jugendliche, die ihr 13. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, müssen eine einjährige „Lehrlingskandidatenphase“ absolvieren: Sie haben zwar einen Lehrlingsvertrag, sind im Betrieb als Lehrling tätig, besuchen aber noch nicht die Berufsschule. Damit wird bezweckt, die Kinder im Alter zwischen 11 und 13 Jahren vor zu hoher Arbeitsbelastung zu schützen, sie als Schüler zu behandeln und ihnen - entsprechend ihrer Interessen und Begabung - eine entsprechende Berufswahl zu erleichtern. Sie sind nunmehr als Lernende (Schüler) und nicht mehr als „billige Arbeitskraft“ zu betrachten.

Die Ausbildung gründet auf einem privaten Vertragsverhältnis mit einem Arbeitgeber (Lehrbetrieb) und einer Berufsschule. Der Auszubildende verbringt etwa ¾ der Woche in seinem Lehrbetrieb und den Rest in der Berufsschule. Die Berufsbildung ist für den Lehrling kostenlos. Die Arbeit im Ausbildungsbetrieb wird entlohnt, wenn auch kaum ausreichend. Die Auszubildenden verfügen über einen Monat bezahlten Urlaub. Die Lehre beginnt mit einer Probezeit zwischen mindestens einem und höchstens drei Monaten. Auch in der Probezeit wird der Lehrling bezahlt.

Die Dauer der Lehrzeit beträgt je nach Berufszweig drei bis vier Jahre. Für Auszubildende werden bestimmte berufsspezifische Lehrpläne ausgearbeitet und angewendet. Sie entsprechen jeweils den Gegebenheiten des Berufszweiges bzw. der Betriebe und werden unter Aufsicht des Ausbilders durchgeführt.

Der Betrieb und die Berufsschule werden als eine berufsbildende Einheit betrachtet. Entwicklung und Leistungen des Auszubildenden werden von Betrieb und Schule gemeinsam verfolgt und bewertet. Auch die Prüfungen der Auszubildenden zum Gesellen und zum Meister werden von Schule und Betrieb gemeinsam vorbereitet und durchgeführt. Für Lehrlinge ist mindestens 8 Stunden pro Woche und 32 Wochen pro Jahr eine theoretische Kenntnisvermittlung/Unterweisung in der Berufsschule [sog. Ausbildungszentren (ÇEM)] vorgesehen. Die Lehrlinge sind dafür von ihren Betrieben freizustellen. Die praktische Ausbildung erfolgt dagegen in den Betrieben. Durch den aktiven Einsatz der Lehrlinge im Betrieb soll sich ein hoher Praxisbezug ergeben, womit auch die Übergangschancen in eine anschließende Beschäftigung erhöht werden sollen.

Die Berufsgymnasien bieten ein vielfältiges Programmangebot. Zu ihrer beruflichen Bildung können Jugendliche zwischen technischen Gymnasien, Gymnasien für Handel und Tourismus sowie sonstigen Berufsgymnasien wählen.

4.3.2.3. Technische Berufsgymnasien (Teknik Liseleri)

- für Jungen und Mädchen

Diese Schulen für Jungen und Mädchen bereiten die Schüler durch verschiedene Programme auf den Beruf bzw. auf das Hochschulstudium vor. Seit 1983 gibt es auch Anadolu-Berufsgymnasien und Anadolu-Technische Gymnasien, bei denen teilweise oder ganz in einer Fremdsprache unterrichtet wird. Mit einem Vorbereitungsjahr, das hauptsächlich der sprachlichen Vorbereitung und einer fachlichen Grundausbildung dient, dauert die industriell-technische Ausbildung vier Jahre. Dies gilt auch für Anadolu-Berufsgymnasien.

Die technischen Gymnasien und alle Anadolu-Berufsgymnasien technisch-gewerblicher oder kommerzieller Art haben eine Ausbildungsdauer von 4 Jahren. Nur die Anadolu-Technischen Gymnasien haben eine 5-jährige Ausbildungsdauer. Die Technischen Gymnasien haben einen theoretischen Schwerpunkt, während die Industriellen Berufsgymnasien einen stärkeren Praxisbezug aufweisen. Wer die dritte Klasse eines technischen Gymnasiums mit Erfolg absolviert hat, gilt bereits als Absolvent einer technisch-gewerblichen Berufsschule.

Technische Gymnasien haben einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt und sollen Industriefachkräfte (Techniker) ausbilden. Absolventen erlangen auch die Hochschulreife. Der Schwerpunkt der Ausbildung erfolgt in folgenden Branchen: Maschinenbau, Hochbau, Tiefbau, Elektronik, Motor, Chemie, Mikrotechnologie, Industrieelektronik, Elektrotechnik, Datenverarbeitung. Die am häufigsten angebotenen Ausbildungsgänge sind: Schlosser, Metallverarbeitung, Holzverarbeitung, Elektrotechnik, Mechaniker, Technisches Zeichnen, Elektroniker, Bautechnik, Formgießer und Modellschlosser.

- Technische Gymnasien für Mädchen

Es gibt auch technische Gymnasien, die nur weibliche Fachkräfte ausbilden. Die Ausbildung umfasst vor allem folgende Berufe:

Lebensmitteltechnologie (Besin teknolojisi), Damenbekleidung (Kadin Giyim), Herrenbekleidung (Erkek Giyim), Konfektion, industrielle Fertigung (Hazir Giyim), Praktisches Zeichnen (Uygulamali Resim), Dekoratives Handwerk (Dekoratif Sanatlar), Weben und Spinnen (Tekstil-Iplikçilik). Mädchen werden auch in Berufslyzeen für Mädchen (Kiz Meslek Liseli) ausgebildet.

- Berufsgymnasien für Tourismus und Handel

Die Berufsgymnasien bilden die Hauptform der Berufsausbildung. Sie sind Vollzeitschulen mit Abitur. Sie dienen der Vorbereitung auf den Eintritt in das Berufsleben, teilweise auch der Ausbildung für anerkannte Lehrberufe und führen gleichzeitig die grundlegende Bildung weiter, jedoch in recht unterschiedlicher Breite. Sie sind in manchen Branchen geschlechtsspezifisch.

Mitte der 70er Jahre wurden Berufsgymnasien für Gastronomie und Tourismus (Otelcilik ve Turizim Meslek Lisesi) und für Sekretäre/innen (Sekreterlik Meslek Lisesi) gegründet. Es gibt diese Schulen nur in wenigen Großstädten und einigen Küstenorten. Sie sollen der stark gestiegenen Nachfrage nach Fachkräften in der Hotel- und Touristikbranche bzw. den veränderten Berufsanforderungen im Dienstleistungsbereich Rechnung tragen. Großes Gewicht wird auf den Erwerb von Fremdsprachen gelegt. Die Absolventen von Berufsgymnasien gehen hauptsächlich in den Dienstleistungsbereich. So sollen z. B. in Handelsgymnasien Arbeitskräfte für den Dienstleistungssektor auf Sachbearbeiterebene ausgebildet oder es soll auf ein Studium an einer Wirtschaftsfachhochschule vorbereitet werden. Eine Berufsausbildung wie in anderen Berufsgymnasien findet jedoch nur bedingt statt. Vermittelt wird überwiegend berufstheoretisches Wissen, eine berufspraktische Ausbildung wird zum Teil einbezogen. Der Hauptanteil der Ausbildung (fast 60 % des Unterrichts) entfällt auf die allgemeinbildenden Fächer.

Die Gliederung der Berufssparten erfolgt erst in der elften Klasse und nur durch die Wahlpflichtfächer, deren Anteil sechs Unterrichtsstunden in der Woche umfaßt. Diese sind Buchhaltung (Muhasebe), Genossenschaftslehre (Kooperatifcilik), Sekretär (Sekreterlik), Bankangestellter (Bankacilik), Tourismus (Turizm) und Hotelgewerbe (Otelcilik)

Durch die Art der Ausbildung, die nur in geringem Umfang den Erwerb beruflicher Kenntnisse und Fertigkeiten zulässt, wird keine besondere Qualifikation gegenüber den Abiturienten geschaffen. Auch die Chancen, ein Studium aufzunehmen, sind gering.

- Islamische Predigergymnasien - Imam Hatip Lisesi

An islamischen Predigergymnasien sollten ursprünglich die künftigen islamischen Prediger (Imam) für die Moscheen des Landes ausgebildet werden. Der Imam ist ein hauptamtlich ausgeübter, vom Staat besoldeter Beruf für Männer.

Doch es wurden und werden auch Mädchen aufgenommen. Die aktuelle Gesamtzahl der männlichen Schüler ist erheblich höher als der Bedarf an Predigern je sein wird.

Besonders beliebt waren bisher die Imam Hatip Lisesi, die verstärkten Fremdsprachunterricht angeboten hatten (in diesem Falle nicht nur das Arabische, sondern auch deutsch, englisch und französich). Die Kosten der Schulausbildung sind in diesen Gymnasien erheblich niedriger als an anderen Schulen, welches unter anderem bei einem erheblichen Bevölkerungsanzahl große Zustimmung und Sympathie fand und auch weiterhin vorhanden ist.

Mit starker Skepsis betrachtet wird von türkischer offizieller Seite die Gefahr einer starken religiösen Beeinflussung der Jugendlichen. Aus inoffiziellen Bereichen wird argumentiert, dass der wesentliche Grund der Erweiterung der Grundschule von 5 auf 8 Jahre 1997 darin liege, um den Einfluss der Predigergymnasien auf die Kindern zu verhindern.

4.4. Der traditionelle betriebliche Berufsbildungsweg

Die traditionelle Lehrlingsausbildung wird noch weithin praktiziert. Seit den 80er Jahren wird an einer Reform dieser Ausbildung gearbeitet - im Sinne der Einführung des dualen Systems nach dem Vorbild in Deutschland. Diese ist jedoch noch nicht landesweit umgesetzt.

Bei der traditionellen Lehrlingsausbildung wird das Ausbildungsverhältnis grundsätzlich zwischen dem Betriebsinhaber und den Eltern des Auszubildenden mündlich geregelt. Eine Vereinbarung in Form eines offiziellen Lehrvertrages liegt generell nicht vor. Die rechtlich-soziale Absicherung des Lehrlings ist dem Ermessen (bzw. der Willkür) des Betriebsinhabers, der mit dem Titel ‚Usta’ (Meister) angesprochen wird, überlassen. Auch das Ende der Ausbildungszeit wird von der subjektiven Beurteilung des Arbeitgebers bestimmt und kann variieren zwischen drei und fünf Jahren. Oft ist dieser Zeitpunkt spätestens mit der Einberufung zum Militärdienst erreicht. Dabei wird keine abschließende und berufsqualifizierende Prüfung abgelegt. Die subjektive Anerkennung der Lehrlings-Leistungen durch den Betriebsinhaber ist der Quasi-Nachweis beruflicher Qualifikation. Der Betriebsinhaber verleiht nach abgeschlossener Lehrlingsausbildung den Titel ‚Kalf’ (Geselle) und die Befähigung wird vom Vorsitzenden der jeweiligen Berufskammer bestätigt und durch einen Gesellenbrief bestätigt. Nach einige Jahren kann nun der Geselle einen Gewerbeschein beantragen und damit ein eigenes Gewerbe eröffnen.

In der Praxis fehlt es vielfach an der Vermittlung theoretischer und fachkundiger Kenntnisse. Der Betriebsinhaber kann sich auch dann Meister nennen, wenn er für das „Ausbilden“ keine sachliche Qualifikation und damit keine offizielle Kompetenz besitzt. Deshalb ist die Grundlage der Ausbildung meistens die praktische Berufserfahrung des Meisters. Ein gleichzeitiger Besuch einer berufsbildenden Schule findet zwar oft nicht statt, ist aber auch nicht ausgeschlossen. Die Ausbildung des Lehrlings kann einfach auf praktische Anschauung und Mithilfe bei der Arbeit reduziert bleiben und/oder aus dem Erlernen bestimmter praktischer Fertigkeiten bestehen. In der Realität werden allzu oft die Kinder dabei als unqualifizierte und billige Arbeitskräfte eingesetzt.

4.5. Universiät/Hochschule (Universite)

Am Ende der 11. Klasse erhält der Schüler lediglich ein Zeugnis über den erfolgreichen Abschluss der Oberstufe („ Lise Diplomasi “).

Seit den 60ern stieg die Nachfrage nach einem Hochschulstudium beständig, so dass 1963/64 zum ersten Mal in der türkischen Hochschulgesichte eine einstufige und ab 1983 eine zweistufige Universitätsaufnahmeprüfung eingeführt wurde. Seit 1994/95 muss jedoch nur noch eine Prüfungsleistung durchgeführt werden. Grundvoraussetzung an der Teilnahme der Prüfung ist das Abiturszeugnis. Der Kandidat gibt zuvor seinen erwünschten Studiengang und die von ihm bevorzugten Universitäten an. Man kann maximal 18 Universitäten angeben, in denen man sich für ein entsprechenden Studiengang bewerben möchte. Die Universitäten haben je nach Aufnahmekapazität und Beliebtheit einen Art Numerus Clausus. Erst wenn die von der entsprechenden Universität bestimmte Punktzahl in der Aufnahmeprüfung erreicht wird, wird der Bewerber als Student aufgenommen.

Der Prüfling muss in der Prüfung ca. 180 Fragen aus allen Unterrichtsfächern beantworten, bei denen jedoch nur die studiengangrelevanten Fragen mit den Höchstpunkten vergeben werden, d.h. hat jemand sich für einen naturwissenschaftlichen Studiengang beworben, so erhält er nur bei der richtigen Beantwortung einer naturwissenschaftlichen Aufgabe die Höchstpunktzahl. Die folgende Tabelle zeigt einen Ausschnitt eines türkischen Gymnasiums mit den Resultaten seiner an der Aufnahmeprüfung teilgenommenen Schüler. Die erste Schülerin, Derya Ayyilmaz, hat z.B. zwar die meisten Punkte erhalten, 200.109, dennoch konnte sie damit lediglich die von ihrer Seite an 9. Stelle gewählten Universitäten zugeteilt werden. Mustafa Takkali hat als sechstbester noch den Zugang in die aus seiner Wunschliste an 14. Stelle angegebenen Universität erhalten. Kann aufgrund der mangelnden Punktzahl ein Prüfling in keinen seiner 18 angegebenen Universitäten zugewiesen werden, besteht die Möglichkeit einen anderen Studiengang mit freien Studienplätzen zu wählen oder an der nächsten Prüfung ein Jahr später teilzunehmen und sich bei den zahlreichen Privatnachhilfeeinrichtungen vorzubereiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.geocities.com/Athens/Atrium/6329/kazanan2002.htm

Im Studienjahr 1992/93 konnten nur 27% der Hochschulbewerber aufgenommen werden, welches den Mangel an Hochschulen und Hochschulpersonal andeutet.[22] Strukturen einer Fernuniversität sind in der Türkei noch nicht ausgebaut und sind deswegen unbeliebt und finden kaum Nachfrage.

Das Hochschulstudium ist in zwei Stufen gegliedert. Der erste Teil ist das 4jährige Lizenziat, woraufhin das 2-jährige Oberlizenziat folgt. Am Ende des Oberlizenziats kann ein Magisterabschluss erworben werden, dem eine vier- bis sechsjährige Promotion folgen kann.

5 Sonder- und Förderschulen

Die Sonder- und Förderschulformen sind in der Türkei kaum entwickelt. Erst in den 40er Jahren wurden Schulen für Körperbehinderte errichtet, d.h. Schule für Blinde und Taube. 1955 wurde die erste Klasse für geistigbehinderte eingerichtet. Eine verfassungsmäßige Verankerung (§ 50) auf ein Recht der geistig- und körperbehinderter Menschen nach schulische Bildung erfolgte 1961. 1992/93 konnten lediglich 2,37% der Sonderschulbedürftigen eine angemessene Schulbildung angeboten werden[23], da es an ausgebildetem Personal, Ausstattung und Finanzierung mangelt. Die Situation hat sich bis zum heutigen Tage nicht erheblich gebessert. Im Jahre 1998/99 gab es in der Türkei 1.019 Sonderschulen.[24]

Mangelhaft ist ebenfalls die Begabtenförderung im Gegensatz zu den zahlreichen politischen Bekundungen für die Verbesserung dieser Situation. Derzeit gibt es lediglich 5 Wissenschafts- und Kunstzentren für besonders Begabte.

6 Minderheitenschulen (türk. ‚Azinlik Okul’) in der Türkei

Dieses Kapitel habe ich aus persönlichem Interesse dieser Hausarbeit beigefügt. Mir ist aufgefallen, dass dieses Thema in der Literatur über das türkische Bildungssystem - wenn überhaupt – lediglich als Randthema behandelt wird. Dies spiegelt leider auch die allgemeine gesellschaftliche Perspektive vieler meiner türkischen Landsleute sowohl innerhalb als auch außerhalb der Türkei wider. Wer sich also ein reales Bild über das Leben der in der Türkei lebenden Minderheiten machen möchte, müsste direkt vor Ort mit diesen in Kontakt treten, ansonsten ist die Gefahr einer Übernahme von Falschinformation, wenn nicht sogar von Vorurteilen relativ groß. In diesem Zusammenhang berücksichtige man als Beispiel das Thema des historischen Verhältnisses zwischen den Armeniern und Türken, nicht zuletzt durch die am Ende des 19. Jahrhundert und 1915 per Regierungsanordnung durchgeführten Deportationen der armenischen Bevölkerung im Osten der Türkei. Aus nichttürkischer Seite werden diese Ereignisse als „Völkermord an den Armeniern" beschrieben. Dieses Thema mit türkischen Bürgern zu besprechen, kann eine heikle Angelegenheit werden, besonders wenn das Wort des ‚Völkermordes’ erwähnt wird. In dieser Hinsicht ist viel Einfühlungsvermögen gefragt, da dieses Thema in der türkischen Geschichtsschreibung aus einer völlig anderen Perspektive betrachtet wird und in der Schulbüchern überhaupt keine Erwähnung findet.

Bei der Internetrecherche sind mir einige Seiten von Minderheitenschulen aufgefallen. Die wesentlichen Merkmale einer Minderheitenschule entnehme ich exemplarisch aus der Dreisprachigaufgebauten Internetseite (armenisch, türkisch, englisch) der ‚ Getronagan Ermeni Lise’ unter http://www.getronagan.org . Aufgrund der professionellen Gestaltung mit zahlreichen Bildern und Informationen in 3 Sprachen habe ich diese Seite ausgewählt.

In dieser armenischen Minderheitenschule wird nicht der ‚Vater der Türken’, sondern der damalige Erzbischof der osmanischen Armeniern Vehabetyan geehrt, dessen Bild bereits auf der Hauptseite ins Auge sticht. Der Schüler bzw. die Schülerin soll zu einer ‚guten Person und guten Bürger’ erzogen werden, welches sich durch die drei Haupteigenschaften ‚Respekt gegenüber den Mitmenschen, das Selbstbewusstsein und ein würdevolles Leben’ ausgedrückt wird. Auf die Förderung und Pflege der armenischen Sprache und Kultur wird großen Wert gelegt.

Obwohl also das Armenisch als gleichberechtigte Kultur zum Türkischen betrachtet wird, müssen die kemalistischen Prinzipien respektiert werden. Dieser Respekt wird in den Bildern von Mustafa Kemal Atatürk in jedem Amtsraum und bei allen Veranstaltungen ausgedrückt. Außerdem müssen in diesen Schulen die vom türkischen Erziehungsministerium erstellten Schulbücher benutzt werden. Weiterhin verboten sind religiöse Bekundungen und religiöse Symbole, die den kemalistischen Prinzipien widersprechen. Neue Einrichtungen dürfen im Allgemeinen nicht gegründet werden, lediglich die Erweiterung der bestehenden mit der Zustimmung des Ministeriums. Der überwiegende Teil der Schülerschaft bzw. deren Eltern bekennen sich zum Islam. Auch daran kann man die Intoleranz erkennen, da viele Minderheiten sich in der Türkei nicht mehr als gleichberechtigte Bürger empfinden und deswegen entweder die Auswanderung aus der Türkei bevorzugen oder die Übernahme des Islams, um nicht als eine Minderheit aufzufallen.

Die Minderheitenschulen genießen jedoch eine gewisse Autonomie, bei der die eigene Kultur in Grenzen gepflegt und gelebt werden darf. Diese Autonomie ist historisch begründet durch den Vertrag von Lausanne 1923. Allerdings bezieht sich diese kulturelle Autonomie lediglich auf die Minderheitengruppen der Griechen, Juden und Armenier in der Türkei, keinesfalls aber auf die restlichen Minderheiten wie die der Kurden, Tscherkessen und Lazen, geschweige den auf die Sinti und Romas in der Türkei.

Ein gängiges türkisches Vorurteil entwürdigt die Kurden als ‚Bergtürken’, weil der größte Anteil dieser Bevölkerungsgruppe im heutigen gebirgigen Südosten der Türkei wohnhaft ist. Einer von zahlreichen Vorurteilen bezüglich der kurdischen Herkunft besagt, dass die weiblichen Vorfahren der heutigen Kurden bei einem Kriegsausbruch schutzsuchend sich in den Gebirgen niederließen. Da sich ihre Ehemänner im Krieg befanden, wurden die Frauen von Wölfen[25] aufgenommen und beschützt. Diese Mensch-Tier-Beziehung habe zum Geschlechtsverkehr zwischen den kurdischen Frauen und den Wölfen geführt, woraufhin die Kinder aus diesen Beziehungen in 7 Generationen Wolfsschwänze gehabt hätten. Deswegen kursiert auch das Vorurteil vom ‚kuyruklu Kürt’ (türkisch = Kurde mit einem Schwanz).

Dass auch die kurdische Sprache und somit auch die kurdische Kultur nicht als etwas Eigenständiges und Gleichwertiges betrachtet wird, erkennt man sogar in den offiziellen politischen Bekundungen. Auf der Internetseite des türkischen Außenministeriums[26] ist folgende Stellungnahme nachzulesen:

„Entgegen der Behauptungen einiger voreingenommener Gruppen, gibt es in der Türkei keine Einschränkungen was die Verwendung der Sprachen angeht. [...] Es gibt zahlreiche Bücher und Zeitschriften die analog veröffentlicht werden. An dieser Stelle sollte angemerkt werden, dass sich "Kurdisch" nach linguistischen oder gesellschaftlichen Aspekten kaum als "eine einzelne Sprache" beschreiben lässt. Viele Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es viele verschiedene Regionalsprachen und Dialekte gibt, die in der Südosttürkei verwendet werden, wie beispielsweise Zaza und Kirmanchi, wobei diese einander nicht ähnlicher sind als Französisch und Englisch. Diese Regionalsprachen und Dialekte sind einander so unähnlich, dass sich die Bewohner eines Dorfes noch nicht einmal mit der benachbarten Dorfbevölkerung verständigen können. Infolgedessen ist die türkische Sprache zum einzigen Verständigungsmittel in der Region geworden.“

Man betrachte nur, dass der Begriff ‚Kurdisch’ in Anführungsstrichen wiedergegeben wird und die kurdische Sprache aufgrund ihrer Vielfältigkeit als ‚Dialekt’ diffamiert wird. Auch die Verschleierung bzw. Verharmlosung der Realitäten ist nicht zu übersehen, wenn die türkische Sprache als ‚einziges Verständigungsmittel’ hochgelobt wird.

Auch über die Internetpräsenz des türkischen Außenministeriums http://www.mfa.gov.tr[27] sind zahlreiche Vorurteile herauszulesen. Für die Bestätigung der eigenen Vorurteile wird hierbei geschickt das Buch ‚Die Kurden’ eines nichttürkischen Wissenschaftler, Erich Feigl, online zum Lesen angeboten. Kontroverse wissenschaftliche Meinungen werden jedoch keineswegs erwähnt. Im Kapitel des Buches ‚Die Sprachen der Kurden’ gibt Erich Feigl folgende Meinungsäußerung von sich:

„Geradezu klassisch ist in diesem Zusammenhang der völlig irreleitende, weil unrichtige Ausdruck ‚Kurdisch’ zu sehen. Es gibt kein ‚Kurdisch’, so wenig wie es ein ‚Schweizerisch’ als Sprache gibt. Der Ausdruck ‚Kurdisch’ könnte in Paranthese etwa nur so verstanden werden wie ‚Eidgenössisch’. Auch die deutsch-schweizerischen Jünger des Tell sprechen eben Deutsch, nicht Italienisch oder Französisch oder gar Romanisch als Muttersprache. Der Trick, der mit ‚Kurdisch’ angewandt wird, ist der, daß dem arglosen Beobachter der Politszene suggeriert wird, es gäbe nur diese eine, nationale Sprache ‚Kurdisch’; die Unterschiede, die augen- und ohrenfällig sind, werden als ‚Dialekt’ abgetan. Aber: Sind Englisch und Deutsch Dialekte des Germanischen oder selbständige Sprachen?“

Auch bei Feigl erkennt man das Phänomen, dass man einer unterdrückten und diskriminierten Volkgruppe bzw. Minderheit die Fähigkeit abspricht, ihre eigene Identiät selbständig zu definieren und zu bestimmten. Dies erkennt man bereits daran, dass der Begriff ‚Kurdisch’ ohne Differenzierung fremdbestimmt wird. Dasselbe Problem der Fremdbestimmung existiert wie in allen Ländern auch bei den Sinti und Romas der Türkei, die auch dort mit der beleidigenden und fremdbestimmten Namensgebung ‚Zigeuner’ (türkisch = Cingene) angesprochen werden. Nach meinen persönlichen Erfahrungen ist unter allen Minderheiten der Türkei die Situation der Sinti und Roma am schlimmsten, da deren Selbstbewusstein durch offene und subtile Diskriminierungsmechanismen am stärksten gelitten hat. Zahlreiche Angehörige der Sinti und Roma in der Türkei verbergen aus Scham ihre eigene Herkunft in der Öffentlichkeit verbergen.

Allerdings steigt die Anzahl der Menschen, die sich auch diesen bisher als Tabuthemen betrachteten Herausforderungen stellen wir der Schriftsteller und Türkischlehrer in Bochum, Kemal Yalcin. In seinem neuesten Buch ‚Mit dir lacht mein Herz’ schreibt er über die Armenier in der Türkei und erläutert seine Zukunftshoffnung folgendermaßen[28]:

„Der Lehrplan in den Schulen der Türkei basiert auf dem türkischen Nationalismus und den Atatürkischen Prinzipien. Was fehlt, ist die Vermittlung von Toleranz, von kritischem Denken, von Menschenrechten. In den Grundschulen muss noch immer jedes Kind, egal ob armenisch, jüdisch oder türkisch, Tag für Tag schwören, „Ich bin Türke, ich bin rechtschaffen, ich bin fleißg“. Über dem Eingang jeder Minderheitenschule, die es ohnehin nur in Istanbul für Griechen und Armenier gibt, steht »Glücklich, wer sagen kann, ich bin ein Türke« (Ne mutlu Türküm diyene). Was wir in der Türkei brauchen, ist eine Friedenskultur, eine Kultur, in der die Menschen mit allen ihren Unterschieden akzeptiert und respektiert werden. Dazu sollen meine Bücher beitragen.“

7 Aktuelle Missstände des türkischen Bildungssystems

Die türkische Gewerkschaft für Bildung und Erziehung (Egitim-Sen) beschreibt die gegenwärtige türkische Schulsituation folgendermaßen:[29]

„In der Türkei werden pro Schüler umgerechnet nur 90 US $ ausgegeben (in Deutschland 817 US $). Nur 7 Prozent der Staatsausgaben werden in Bildung investiert. Insbesondere fehlt es an Lehrern. Derzeit unterrichten 523.000 Lehrer 15 Millionen Schüler (pro Lehrer 28 Schüler). Zwar haben 86.000 Personen im Jahr 2000 Lehrerzertifikate erhalten, doch nur 25.000 haben eine Stelle gefunden. Es fehlten 250.000 Lehrer und 106.000 Klassenräume. Die Ausstattung der Schulen sei schlecht, nur 2.000 Schulen seien mit Computern versorgt.

In Ost- und Südost-Anatolien sind 4.000 Schulen geschlossen.

Die Ausstattung von Privatschulen gilt als gut, aber sie finden sich überwiegend nur in Großstädten. Die Kosten, die Eltern für Privatschulen aufbringen müssen, sind 2000 gestiegen.

30 % der Kinder in der Türkei zwischen sechs und 14 Jahren arbeiten. Etwa 78 % der arbeitenden Kinder besuchen keine Schule. Etwa 21 % der Kinder sind Analphabeten.

Fast eine Million Kinder haben eine Behinderung, die besonderen Unterricht erforderlich macht. Aber nur 30.000 erhalten eine solche. Insgesamt 12 % der Kinder im Grundschulalter haben keinen Zugang zur Grundschule. Nur 25 % der Jugendlichen besuchen weiterbildende Schulen. Damit rangiert die Türkei hinter Chile, Jordanien und Libanon.“

Im November 2003 protestierten zahlreiche Studenten in den türkischen Großstädten gegen die Feierlichkeiten zum 22.-jährigen Bestehen des Aufsichtsrates des Hochschulgremiums YÖK, wobei die Polizei die Proteste durch Gewaltanwendung auflöste. Unterstützt wurden diese Proteste von Menschrechtsvereinen – unter ihnen auch der durch das Kopftuchverbot entstandene Verein ÖZGÜR-DER – und Bildungsgewerkschaften. Forderungen nach Abschaffung des Kopftuchverbotes in staatlichen Einrichtungen, Unabhängigkeit und Mitbestimmungsrecht der Studentenschaft wurden geäußert.

8 Fazit

Das türkische Bildungssystem zeigt auf beeindruckende Weise, wie sehr eine Gesellschaft durch historische Schlüsselereignisse geprägt wird. Einem Außenstehenden mögen bestimmte Strukturen und Prinzipien des türkischen Bildungssystems – wie z.B. der Nationalismus oder die immerwiederkehrende Hinwendung zur Religiosität - befremdend wirken, wenn der gesellschaftshistorische Kontext nicht berücksichtigt wird. Bereits die geographische Einteilung der Türkei in einen asiatischen und europäischen Teil weist auf eine gesamtgesellschaftliche Identitätssuche eines Landes hin. Diese Suche ist allerdings nicht frei von Schwierigkeiten und Widersprüchen, jedoch stets verbunden mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, eine Zukunft, in der alle Bürger und Bürgerinnen eines Landes die gleichen Rechte innehaben, ohne Rücksicht auf die Herkunft, Religionsangehörigkeit oder Gesellschaftsstatus; eine Zukunft, in der Unterschiede und das Anderssein nicht als Bedrohung, sondern als eine gesellschaftliche Bereicherung empfunden und demnach nicht nur geduldet, sondern respektiert und erwünscht wird.

10 Literaturverzeichnis

ANWEILER, Oskar/Boss-Nünning, Ursula/Brinkmann, Günter/Glowka, Detlef u.a.: Bildungssysteme in Europa. Weinheim/Basel 1996, Seiten 231-249.

DÖBERT, Hans (Hrsg.): Die Schulsysteme Europas. Bd. 46. Hohengehren 2002, Seiten 558-574.

Fischer Weltalmanach. Zahlen, Daten, Fakten. Frankfurt am Main 2002.

GRONAU, Friedrich: Mustafa Kemal Atatürk oder Die Geburt der Republik. Frankfurt a. M. 1994.

11 Internetquellen

- Auswärtiges Amt Deutschland.

Online im Internet: URL: http://www.auswaertiges-amt.de [Stand: 01.07.2003]

- Diyanet Isleri Bakanligi – Amt für Religiöse Angelegenheiten.

Online im Internet: URL: http://www.diyanet.gov.tr [Stand: 01.07.2003]

- Egitim ve Bilim Emekcileri Sendikasi (Egitim Sen). Türkische Bildungsgewerkschaft. Online im Internet: URL: http://www.egitimsen.org.tr/yayinlarimiz/brosur.html [Stand: 01.07.2003]

- Insan Haklari Dernegi (IHD). Menschenrechtsverein (türkisch-kurdisch-englisch)

http://www.ihd.org.tr/eindex.html

- Isoplan - Institut für Entwicklungsforschung, Wirtschafts- und Sozialplanung GmbH. Online im Internet: URL: http://www.isoplan.de [Stand: 01.07.2003]

- Izmir Anadolu Lisesi (Izmir Anadolugymnasium) – zweisprachig in türkisch-deutsch. Online im Internet: URL: http://www.izmiranadolu.com/alm-default.asp [Stand: 01.07.2003]

- Mazlum DER – Istanbuler Menschrechtsverein (türkisch-englisch)

http://www.mazlumder.org

Anmerkungen: Dieser Menschenrechtsverein wurde hauptsächlich von Autoren, Journalisten, Rechtsanwälten und Selbständige gegründet

- Milli Egitim Bakanligi (MEB) – Türkisches Erziehungsministerium.

Online im Internet: URL: http://www.meb.gov.tr [Stand: 01.07.2003]

- Özgür Düsünce ve Egitim Haklari Dernegi – Verein für Gedanken- und Bildungsfreiheit

http://www.ozgurder.org

Anmerkung: Dieser Verein wurde von Menschen gegründet, denen der Zugang zur Schulbildung aufgrund ihres ‚religiösen’ äußeren Erscheinungsbildes - wie Kopftuch und Vollbart – verweigert wurde.

- Republic of Turkey – Ministry of Foreign Affairs (MFA)

Online im Internet: URL: http://www.mfa.gov.tr [Stand: 01.07.2003]

- Spiegel-Online.

Online im Internet: URL: http://www.spiegel.de/jahrbuch [Stand: 01.07.2003]

- Türkiye Büyük Millet Meclisi (Türkisches Nationalparlament).

Online im Internet: URL: http://www.tbmm.gov.tr [Stand: 01.07.2003]

- Verein zur Förderung des Gedankenguts Atatürks e.V. Berlin.

Online im Internet: URL: http://www.add-berlin.de/turkce/resim_tr [Stand: 01.07.2003]

[...]


[1] Bereits der deutsche Begriff des Urteils ruft in mir einen negativen Beigeschmack hervor, weil aus diesem sich die Wörter wie ‚Verurteilung’ und ‚Vorurteil’ ableiten lassen. Auch die alltägliche Diskussionspraxis – besonders in der Politik – veranschaulicht eindrücklich, wie oft eine Urteilsbildung mit einer Verurteilung einhergehen kann.

[2] Leider konnte ich über diese Schulwesen keine ausführliche Literatur finden, weswegen dieser Abschnitt im Vergleich zu anderen relativ dürftig ist.

[3] Vgl. Fischer Weltalmanach, S. 807.

[4] Bewusst habe ich diese geographische Zergliederung eines Landes als „Definition“ bezeichnet, da diese Zergliederung ein menschlicher Konstrukt.

[5] Trotz der kurdischen Dialekte stellt das Kurdische eine eigenständige Sprache dar, auch wenn die offizielle türkische Argumentation das Gegenteil behauptet (Vgl. Kapitel 6 Minderheitenschulen, S. 20).

[6] Entlehnt wurde der Laizismusbegriff aus dem Griechischen . laikos’ = „zum Volke gehörig“ mit der heutigen Bedeutung einer Trennung zwischen Religion und Politik.

[7] Türkisches Parlament: T ürkiye B üyük M illet M eclisi (TBMM) http://www.tbmm.gov.tr

[8] Vgl. Egitim Sen – Türkische Bildungsgewerkschaft Online http://www.egitimsen.org.tr

[9] Religiöse Fanatiker und Gegner einer Säkularisierung bezeichnen leichtfertig – geprägt vom religiösem Hass und Intoleranz - Atatürk als ‚jüdischen Spion’, der als Endziel die Abschaffung des Islams beabsichtigte, andere wiederum sahen in ihm einen ‚Diktator’. Beide Ansichten können der eigentlichen Persönlichkeit Mustafa Kemals in seiner menschlichen Gesamtheit nicht gerecht werden, da sie einen Menschen aus einer oberflächlichen Perspektive betrachten und den historischen Kontext, in dem ein Mensch gelebt hat, ausblenden.

[10] Vgl. Anweiler, S. 232 ff

[11] Internetseite: http://www.tdk.gov.tr/ (19.06.2003)

Das von Seiten der türkischen Sprachvereinigung ständig erweiterte offizielle türkische Wörterbuch enthielt in ihrer Ausgabe 1998 insgesamt 99.605 Wörter. Davon werden lediglich 14.394 Wörter als ‚fremder Herkunft’ betrachtet. Am häufigsten sind die arabischen (6455), die französischen (4702), persischen (1361) und englischen (470) Fremdwörter vertreten.

[12] Vgl. Gesellschaft für Bedrohte Völker http://www.gfbv.de/voelker/nahost/bva115-1.htm (19.06.2003)

[13] Offizielle Internetseite: http://www.diyanet.gov.tr

[14] Internetseite: http://www.yok.gov.tr/

[15] Anweiler, S. 235. Leider konnte ich keine aktuellen Daten ausfindig machen., jedoch ist auch in der Gegenwart von einer geringen Besuchsquote auszugehen.

[16] Die einzelnen Fächer werden in einem Wochenzyklus unterrichtet, d.h. in der ersten Woche Umwelt, in der zweiten Woche Gesundheit, … und in der fünften Woche wiederum Umwelt.

[17] Die türkische Nationalhymne enthält 10 Strophen, von denen normalerweise die ersten 2 gesungen werden.

[18] Quelle: Isoplan. Institut für Entwicklungsforschung, Wirtschafts- und Sozialplanung GmbH

[19] Internetseite: http://www.ds-istanbul.de

[20] Internetseite: http://www.s.shuttle.de/istanbul-lisesi

[21] Internetseite: http://www.sg.k12.tr

[22] Vgl. Anweiler, S. 224

[23] Anweiler, S. 238

[24] Vgl. Döbbert, S. 570

[25] Der Begriff ‘Wolf’ lautet im türkischen ‘Kurt’ . Einen Kurden bezeichnet man im türkischen als ‚Kürt’ und die Ähnlichkeit zwischen den Begriffspaaren ‚Kurt’ - ‚Kürt’ scheint zur jener Vorurteilsbildung beigetragen zu haben.

[26] http://www.mfa.gov.tr/grupe/eh/eh01GER/09.htm

[27] http://www.mfa.gov.tr/grupe/eg/eg03/05.htm

[28] http://www.nadir.org/nadir/initiativ/kurdi-almani-kassel/aktuell/2002/jan2002/armenier_tr.htm

[29] Vgl. Turkisch Daily News, 11.09.2000

Details

Seiten
24
Jahr
2003
ISBN (Buch)
9783640114238
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v108566
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)
Note
sehr gut
Schlagworte
Schul- Bildungssystem Republik Türkei Schulsysteme Vergleich

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Titel: Das Schul- und Bildungssystem der Republik Türkei