Lade Inhalt...

Sexuelle Gewalt gegen Kinder

Referat (Ausarbeitung) 2002 8 Seiten

Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten

Leseprobe

Thesenblatt

1 Eine Definition, wann die Grenze des Kindeswohl überschritten wird ist umstritten. Alle Handlungen, die durch Drohungen oder körperliche Gewalt erzwungen werden, gegen den Willen des Kindes geschehen oder ohne dessen Einwilligung gehören dazu. Die Altersgrenze für jegliche sexuelle Handlung liegt laut Gesetz bei 14 Jahren, ist aber aufgrund unterschiedlicher körperlicher Entwicklung fraglich. § 176 StGB „Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen“ zieht die Altersgrenze bei 18 Jahren.

2 Die Dunkelziffer der Vergehen wird auf 80000 - 300000 im Jahr geschätzt; zur Anzeige kommen jährlich 10000Taten in Deutschland. Zwei Drittel der Opfer sind weiblich, es geschieht in allen sozialen Schichten und Altersstufen. Jedes 4.bis 5. Mädchen und jeder 12. Junge macht Gewalterfahrung. Die Täter kommen in der Regel aus dem Lebensumfeld des Opfers (Väter, Brüder, Lehrer, Mütter, Babysitter, Bekannte der Eltern).

3 Formen sexueller Ausbeutung sind vielfältig. All das, was vermittelt, dass das Kind als Mensch nicht interessant ist und das freie Verfügung über seinen Körper suggeriert ist als sexuelle Ausbeutung zu verstehen- ob verbal oder konkret.

4 Sexuelle Gewalt wird weder durch Homosexualität, schwierige Familienverhältnisse, Persönlichkeitsstörung, sexuellen Notstand noch durch Überreaktion ausgelöst. Sie ist eine Machtdemonstration. Die Täter sind meist männlich. Das Phänomen weiblicher Täter ist weitgehend unerforscht. Ein Drittel der Täter entstammt dem engsten Familienkreis. Die meisten kommen jedoch aus dem sozialen Umfeld (Schule, Kirche, Sportverein, etc).

5 Die Täter haben meistens mehrere Opfer, die sie gut kennen. Ihr Vorgehen ist planvoll und geschickt. Die Mittel, das Opfer zum Schweigen zu bringen variieren zwischen Suggestion einer Eigenverantwortung bis hin zur körperlichen Gewalt. Viele (teilweise prominente) Pädophile (pädophil = kinderlieb) plädieren für das Recht des Kindes auf sexuelle Selbstbestimmung, eine fortschrittlichere Sexualpädagogik und verstehen sich als pädagogische Förderer des kindlichen Wohls.

6 Die weitestgehend patriarchalisch geprägte Gesellschaftsordnung begünstigt einen solchen (männlichen) Machtmissbrauch durch unterschwellige Toleranz. Männliche Sexualität wird häufig als schwer zu kontrollierende Kraft betrachtet. Jungen werden selten über verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität aufgeklärt und haben Schwierigkeiten, sich als Mann zu definieren.

Sexualisierung von Macht ist Teil der männlichen Sozialisation.

7 Begünstigende (nicht zwingende) Faktoren in einer Täterbiografie sind u.a. Gewalterfahrung in der Familie, emotionale Vernachlässigung, wechselnde Bezugspersonen und frühe, massive Konfrontation mit Sexualität. Diese wird nicht als liebevoller Ausdruck, sondern als Mittel zur Beherrschung anderer verstanden. Die hinzu kommende Pornographie vermittelt eine ständige sexuelle Bereitschaft des anderen Geschlechts und übergeht Gefühle oder körperliche Vorraussetzungen.

Referat:

Sexuelle Gewalt gegen Kinder oder sexueller Missbrauch/ sexuelle Ausbeutung

Vorwort:

Jeder hat eine ungefähre Ahnung davon, was sexueller Missbrauch ist (durch Medienberichte etc.). Dabei beherrschen Vorurteile und Klischees viele Vorstellungen (Schwule vergehen sich an kleinen Jungen, etc.). Gerade in der pädagogischen und sozialen Praxis (professioneller oder familiärer Art) ist es wichtig, Opfer oder Täter erkennen zu können und in der Lage zu sein, besonnen zu reagieren und dadurch zu helfen/ unterstützen. Um dies möglich zu machen ist ein Umreißen des unschönen Themas notwendig.

Allgemeine Ausführung zum Thema:

- sexueller Missbrauch / sexuelle Gewalt ist klar abzugrenzen gegen körperliche Misshandlung in Form von Schlägen oder Vernachlässigung, wie mangelnde Hygiene oder hungern lassen
- ➔die Ursachen sind andere, das Täterprofil weicht ab, körperliche Misshandlung zieht nicht konsequent sexueller Missbrauch nach sich und ist offensichtlicher nachweisbar (von Kindern belegbar); eine Anwendung von körperlicher Gewalt zur Erzwingung sexueller Handlungen ist dagegen häufig beobachtbar, wobei seelische Gewalt die Regel ist, um missbrauch zu vertuschen
- sexuelle Handlungen mit Kindern existieren schon immer, war in der Antike oder im Mittelalter alltägliches Phänomen und wurde nicht verwerflich betrachtet
- erst seit es Kindheit gibt (Aufklärung) ist über speziellen Schutz für Kinder reflektiert worden
- bereits Freud verfasste einen Bericht über Langzeitschäden bei Opfern sexueller Gewalt
- sexueller Missbrauch ist noch Anfang der 80er Jahre ein Tabu, das durch die Arbeit von Betroffenenorganisationen durchbrochen wird
- heute ist es besonders in den Sensationsmedien beliebt und hat über das Internet eine relativ geschützte Möglichkeit der Verbreitung erfahren
- durch dramatische Berichterstattungen entstehen Missverständnisse
- wenige fachliche Erfahrung mit dem Umgang und daher hysterische Überbewertungen, Ignoranz oder Fehldiagnosen sind die Folge
- immer noch wird die Bestrafung und Verfolgung der Verantwortlichen erschwert durch gesellschaftlich manifestierte Vorurteile ( Täter als Opfer der Verführung, Unglaubwürdigkeit der Opfer, schwierige Beweislage)

Zahlen und Fakten

- Fakt ist, dass sexueller Missbrauch in allen sozialen Schichten und in allen Altersklassen (0- 20) vorkommt
- in Deutschland kommen pro Jahr 10.000 Fälle zu Anzeigen
- Die geschätzte Dunkelziffer der Vergehen liegt bei 80.000 – 300.000
- 2/3 der Opfer sind weiblich, der Missbrauch an Jungen wird erst seit kurzem auf Langzeitfolgen und Ursachen hin untersucht und anerkannt
- Jedes 4.bis 5. Mädchen und jeder 12. Junge macht sexuelle Gewalterfahrung durch
- ein Drittel der Gewalttaten geschehen innerhalb der engsten Familie (Inzest), zwei Drittel im näheren Umfeld (Schule, Bekannte der Eltern, Sportverein, Ferienlager), nur wenige Prozente werden von völlig Fremden verübt (konträr zu der Warnung gegenüber Fremden misstrauisch zu sein!)

Definition (schwierig)

- Der Gesetzgeber unterstellt jegliche sexuelle Handlung an unter 14jährigen der Strafe
- handelt es sich um Schutzbefohlene (Schüler o.ä.), die sich aufgrund ihres Verhältnisses zum Täter kaum schützen und wehren können, erhöht sich die Altersgrenze auf 18 Jahre
- Diese Altersgrenzen sind insofern strittig, als dass ein Mädchen mit 14 reifer und erwachsener wirken oder sein kann als eine kindliche 18jährige
- wann und womit aber genau wird die Grenze des Wohl des Kindes überschritten?
- Alle Handlungen, die durch Drohungen oder körperliche Gewalt erzwungen werden, gegen den Willen des Kindes geschehen oder ohne dessen Einwilligung gehören dazu
- Altersunterschied von mehr als 5 Jahren ist Grenze
- beide Definitionen sind lückenhaft: erstere setzt die Fähigkeit zum Neinsagen voraus, die vielen Opfern aufgrund von Angst oder Unwissen abgeht; Zweiteres lässt Vergewaltigung unter Gleichaltrigen außer acht. Außerdem kann auch ein Unterschied von 9 und 13 immens sein

Details

Seiten
8
Jahr
2002
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v108602
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,0
Schlagworte
Sexuelle Gewalt Kinder Alltagsphänomen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Sexuelle Gewalt gegen Kinder