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You´ll (n)ever walk alone - Gesellschaftliche Entwicklunglinien im Fußball

Vordiplomarbeit 2000 72 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Ball Ist rund wie unsere Welt - Von Evolutionen und Revolutionen
2.1 Von wokommt derBall?- odereine kleineFrühgeschichte des Fußball
2.2 Der Ball wird herrschaftlich - oder wie das Volk enteignet wird
2.3 Reclaim the game I - Fußball wird proletarisch
2.3.1 Arbeiterspielen Fußball
2.3.2 Fußball wird zur proletarischen Massenkultur
2.3.3 Fußballgeschichte in Deutschland - Später zwar, aber in der Entwicklung ähnlich
2.4 Instrumentalisierungsversuche

3 Proletarisierung bewirkt Professionallsierung - Der Spieler wird zum Kulturarbeiter

4 Exkurs 1: Arbeitersport, Fußball und die organisierte Arbeitersportbewegung in Deutschland

5 Exkurs 2: NS-Herrschaft und Fußballkultur

6 Ein Kapitel für sich: Spielen können - Spielen wollen ?! - Fußballfrauen

7 Reclaim the game II - Kommerzialisierung des Fußballs und Kulturkampfvon Fans - Wer holt sich welches Spiel zurück?
7.1 Der neue Blick aufs Spielfeld - 53 cm in der Diagonale, Fußball wird zum individuellen Fernsehereignis
7.2 Das gekaufte Spiel - Fußball als Finanzanlage
7.3 Stehen oder Sitzen - Wer soll Fußball live erleben
7.4 Hass oder Spaß - Reaktionen auf - und Aktionen gegen kul­turelle Enteignung

8 Exkurs 3: Der neue Entwurf des Menschen - Gedanken zum Sportler als technologisches Produkt - abseits vom Fußball

9 Fußballkultur: Teilhabe als konsumierendes Produkt oder Widerstand gegen die Entwicklung zum marktfähigen Fußballfan?

Anhang

1 Einleitung

Die nachfolgende Arbeit ist aus der Diskussion um die Erarbeitung eines empirischen Feldes im sozialökonomischen Projekt „Gesellschaftliche Partizipation unter neoliberaler Neuordnung - am Beispiel von Stadter­neuerung in Hamburg" entstanden.

Das zur Diskussion stehende empirische Feld hat als Arbeitstitel „Vom kritischen Fan zum Fan in eigener Sache?" und will am Beispiel von or­ganisierten Fan-Strukturen rund um den FC St. Pauli, untersuchen ob und wie sich „neoliberale Neuordnung" auf die vorgeblich kritische Sicht dieser Fans, gegenüber dem kommerzialisierten und professionalisierten Fußballgeschehen auswirkt.

Im Rahmen der Diskussion, Inwieweit ein solches empirisches Feld in­nerhalb des Rahmens des gesamten Projekts zu bearbeiten wäre, ent­standen bei mir thesenhafte Überlegungen darüber, dass Sport, Insbe­sondere als kulturelle Veranstaltung für Massen, möglicherweise ein Ausprobierfeld für gesellschaftliche Organlsatlonsmodelle und Ideologien darstellt und darüber die Zustimmungsfähigkeit der Gesellschaft zu die­sen Entwicklungen hergestellt werden kann.

Ausgangspunkt für diesen Gedanken Ist meine persönliche Erfahrung, beim Besuch von Fußballspielen der beiden oberen Spielklassen In Deutschland. 1970, ich war damals 10, besuchte Ich In Köln die ersten Fußballspiele im Stadion „alte Radrennbahn" in Köln-Müngersdorf. Wer­bung vor, während und nach dem Spiel oder gar auf Banden oder Tri­kots der Spieler ist mir nicht erinnerlich. Dies hat sich Mitte der siebziger Jahre geändert. Heute Ist Werbung (als offensichtliches Zeichen der Veränderung im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen und der un­begrenzten Vermarktung einer Freizeitbeschäftigung) Im und mit Fußball (bzw. anderen Sportarten) und den dort beruflich Tätigen (Spieler, Trai­ner, Manager etc.) gang und gäbe. Die theoretische und praktische Ent­wicklung des neoliberalen Gesellschaftsprojekts, scheint in den selben Zeitraum zu fallen. Mir drängte sich im Zusammenhang damit, die oben angeführte Fragestellung geradezu auf.

Die Beschäftigung mit dieser Fragestellung hat mich weit zurückgeführt in der Entwicklung des modernen Fußballs in Europa und seinen mögli­chen Parallelen zu bisherigen gesellschaftlichen Entwicklungen. So liegt ein Schwerpunkt dieser Arbeit auf der Parallelität zwischen den Entwick­lungen von Sport (hier Fußball)[1] und Gesellschaft.

Die Beschäftigung mit diesem Thema führte auch zu Betrachtungen über kulturelle Zusammenhänge, der Frage was ist das besondere am Neoll- berallsmus in diesem Zusammenhang und nicht zuletzt, ob und warum auch im Sport, hier vorrangig als Darbietung vor Zuschauern, Ge­schlechterverhältnisse eine durchaus wichtige Rolle einnehmen.

Vorweg genommen sei an dieser Stelle, ein Ergebnis: Auf die am Anfang stehende Fragestellung finde ich in dieser Arbeit keine mir hinreichend erscheinende Antwort. Weder bestätigender noch verneinender Art. Aber neue Fragestellungen die eine weitere Verfolgung dieser Thematik gera­dezu herausfordern.

Was alles andere betrifft: „Schau 'n m'r mal"[2]

2 Der Ball ist rund wie unsere Welt - Von Evolutionen und Revolutionen

Wann genau Menschen angefangen haben einen Ball (gemeint als annä­hernd runden, rollenden Gegenstand) mittels Anstoß durch den Fuß zum Rollen zu bringen, läßt sich heute nicht mehr feststellen. Auch nicht wann zum erstenmal mindestens zwei Menschen sich einen Ball gegenseitig zurollten und warum.

Vielleicht war es eher zufällig, vielleicht aus Beobachtung, vielleicht so­gar aus Langeweile und dabei wurde dann als Nebenprodukt das Rad erfunden. Waren es Frauen oder waren es Männer, die gleichsam mit dem Ballspiel, eine erste Rationalisierungswelle im Transportbereich er­möglichten? Hierüber liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor.

2.1 Von wo kommt der Ball? - oder eine kleine Frühgeschichte des Fußball

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sicher aber ist, dass die Menschen schon sehr früh angefangen haben einen Ball mit ihren Füßen in Bewegung zu versetzen. Ob es die Men­schen im heutigen China als erste waren, die als Akrobaten den Ball mit den Füßen tanzen ließen[3] und später ohne Berührung mit den Händen versuchten den Ball In der Luft zu halten und Ihn in ein Tor in der Spielfeldmitte unterzubringen, sei dahingestellt. Jedenfalls, es ist be­kannt, dass dort bereits vor 5000 Jahren (also ca. 3000 v.u.Z.) mit dem Fuß Ball gespielt wurde.

Nicht ganz soweit zurückliegend, aber auch schon etliche Jahrhunder­te her, sind Quellen die das Spielen eines Balls mittels der Füße bereits bei den Ägypterinnen und Ägyptern, 1500 v.u.Z. für Zentralamerika, 500 v.u.Z. in Griechenland, die Eskimo-Frauen kannten ein Fußballähnli­ches Spiel, bei den Angehörigen des römischen Senates um 50 v.u.Z, im 12 Jhd. spielten französische Bäuerinnen das Volksspiel "la Soule" und aufjeden Fall vor 1314 in England belegen.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im letzt genannten Jahr liegt auch der erste nachweisliche Versuch staatlichen Eingriffs, durch Spielverbot. Der englische König Edward II drückte sein Siegel „unter eine königliche Bulle, die dieses niedere und Aufruhr stiftende Spiel verdammte, >> diese Scharmützel um einen Ball von ansehnlicher Größe, die viel Übel verursa­chen, vor denen uns der allmächtige Gott bewah­ren möge <<."[5] Zur gleichen Zelt, hatte auch der Bürgermeister von London seine Probleme mit diesem Spiel. Er erließ folgenden Aufruf; "Wäh­rend unser König in Schottland Krieg führt und uns aufgetragen hat, Frieden zu halten [...] kommt es durch Fußballspiele zu großem Aufruhr in der Stadt. Wir verbieten deshalb im Namen des Königs und unter An­drohung von Gefängnissstrafen die Austragung solcher Spiele innerhalb der Stadt."[6] Bis 1666 sind weitere 29 Verbote durch die Obrigkeit be­legt[7], was darauf schließen läßt, dass Verbote wenig nutzten.

Sport- und Spielverbote der Obrigkeit, erfolgten meist zugunsten des Bogenschießens und/oder zum Schutz gegen Beschädigung von Perso­nen und Eigentum.[8] Das Spiel wurde als „Volksspiel" Im Sinne des Wor­tes betrieben. Es gab keine Begrenzungen des Spielfeldes, keine Be­grenzung der Anzahl Spieler oder Spielerinnen und es standen sich oft ganze Dörfer, Städte oder Stadtviertel gegenüber, die den Ball In ein Tor aus einem Mühlstein unterzubrlngen versuchten.[9] Dabei kam es durch­aus zu schweren Verletzungen, die keine Seltenheit waren. In dieser Phase der Fuß­ballentwicklung, wurde dieses vorwiegend von Bauern und Gesellen gespielt. Aristo­kratie und Gentry hielten sich von Ihm fern.[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es dauerte bis weit In das 19. Jahrhundert, bis der Volksfußball geregelt wurde.

2.2 Der Ball wird herrschaftlich - oder wie das Volk enteignet wird

Die Entstehung des Fußballspiels, wie wir es heute kennen, ist In der ersten Hälfte des 19 Jhd. zu suchen. An den englischen "Public Schools", wurde das Volksspiel bereits Mitte des 18 Jhd. aufgegriffen und Schritt für Schritt zu einem modernen Sportspiel - mit fester und formaler Or­ganisation und einem aufgeschriebenen Regelkatalog - umgestaltet.

Die "Public Schools" waren ursprünglich gegründet worden, um Jugend­lichen der Unterklassen kostenlose Schulbildung zu ermöglichen. Doch schon bald wurden sie von englischem Adel und Gentry übernommen, was zur Folge hatte, daß die Autoritätsverhältnisse in den Schulen aus ihren bis dahin gültigen formalen Strukturen gerieten und sich statt des­sen zwischen Schülern und Lehrern eine Machtbalance bildete.[11]

Während die Schüler auf die formale Schulbildung kaum angewiesen waren, waren aber die Lehrer von der Gunst der reichen und wohlha­benden Eltern und deren Zuwendungen abhängig. Das Spiel wurde durch die Schüler aufgegriffen, selbständig organisiert und diente, neben der Provokation der Lehrenden, der Konstituierung einer eigenständigen Hierarchie innerhalb der Schülerschaft, die als eine Art Selbstverwaltung (als "Primaner-Fuchs-System" bezeichnet, basierend auf der Herrschaft der älteren und stärkeren über die jüngeren und schwächeren Schüler) das bestehende Autoritätsvakuum ausfüllte[12].

Auch aus der Sicht der den herrschenden Klassen angehörenden Eltern, wurden diese Zustände keineswegs abgelehnt, denn aus deren Sicht hatten die Bildungseinrichtungen vor allem der informellen Erziehung der Jugendlichen zu dienen. "Die Macht- und Prestigekämpfe, in die sich die Jungen verwickelten, wurden deshalb als besonders wichtig angese­hen. Ebenso beurteilte man ihre rauhen, ungeordneten Spiele und sogar ihre gelegentlichen Rebellionen gegen die Schulautorität. Das ' informel­le Leben ' der Public Schools hielt die Mehrheit der Eltern für ein nützli­ches Training zu Männlichkeit, Führertum und Unabhängigkeit. Sie wur­den deshalb höher bewertet als Latein und Griechisch. "[13]

Das Fußballspiel war also nicht nur ein Freizeitvergnügen, sondern er­füllte innerhalb der elitären Bildungseinrichtung auch eine soziale Funk- tion. Für die Kinder des Adels und der aufstrebenden Bourgeoisie diente es einerseits als Mittel ihre Statusüberlegenheit gegenüber den sozial unter ihn stehenden Lehrern zu dokumentieren (nach Schulze- Marmeling gab es in der Zeit von 1732 bis 1832 nicht weniger als 22 Rebellionen an den Public Schools[14] ) und damit bestimmte Rechte durchzusetzen, andererseits war es ein Mittel zur Hierarchieblldung und Strukturierung der Schülerschaft.

Diese Phase der Sozialgeschichte des Fußballs, die sich etwa von 1750 bis 1840 erstreckte, ist gekennzeichnet durch das Aufgreifen des unge­regelten Volksspiels seitens der Public Schools und der damit einherge­henden Anpassung an die dort herrschenden Sozialstrukturen und Macht- und Autoritätsverhältnisse.

Zwischen 1830 und 1870 erfolgt die formale Organisierung und Regulie­rung des Fußball und damit seine Zivilisierung, gemeint als Fortentwick­lung zum modernen Sportspiel. In dieser Periode wird offensichtlich Fußball, der über Jahrhunderte ein Spiel des Volkes (als der beherrsch­ten) war, zu einem Spiel in dem nur noch adelige und bürgerliche Füße das runde Leder traten.

Bis in das 18. Jhd. wurde in England unter "sportsmen" im wesentlichen die männlichen Angehörigen der Aristokratie verstanden, die längst nicht mehr arbeiten brauchten und daher genügend Zeit zur Verfügung hat­ten, sich Spiel und Unterhaltung zu widmen. Sport existierte für diese scheinbar losgelöst von Arbeit, Produktion und Gesellschaft, denn "die Kapitalisten hatten genug zu tun mit dem Aufbau der Fabriken und der Jagd nach Profit", während "die Arbeiter so sehr ausgebeutet wurden, dass sie weder Kraft noch Zeit für 'Sport ' hatten. "[15]

Das änderte sich allerdings mit fortschreitender Industrialisierung und der dadurch hervorgerufenen Verschiebung der Machtbalance zwischen Adel und Gentry auf der einen, und dem aufstrebenden Bürgertum auf der anderen Seite. Diese Auseinandersetzung zwischen den alten herr­schenden Klassen und der entstehenden Bourgeoisie äußerte sich in dem Kampf um die Kontrolle der gesellschaftlichen Institutionen in Eng­land. Davon blieben auch die Public Schools nicht verschont, die im Rahmen einer "Schulkrise", u.a. um das "Primaner-Fuchs-System", durch eine Reihe von Reformen gelöst worden.[16]

Ausgangspunkt und Zentrum dieser Schulreform war die Public School von Rugby, die eine Domäne In der Ausbildung des modernen bürgerli­chen Nachwuchses geworden war, und die Schüler In Industrie, Handel, Administration und Rechtsprechung ausbildete. Dass das Bürgertum sich nicht als mächtig genug erwies, Adel und Gentry als herrschende Klasse komplett zu verdrängen, Adel und Gentry aber andererseits nicht In der Lage waren, die Herausforderung der Bourgeoisie komplett abzuwehren, sondern mehr und mehr auf dieses angewiesen waren, führte zur Her­stellung von Klassenkompromissen. So auch beim besagten "Prlmaner- Fuchs-System" dass In seiner traditionellen Form jugendlicher Selbst­verwaltung zu einem geregelten Indirekt Herrschaftssystem transfor­miert wurde.[17]

So auch beim Fußball. 1845 legte die Public School in Rugby erstmals ein schriftliches Regelwerk vor: "The Law of Football as played in Rugby School". Dieses Regelwerk unterschied erstmals zwischen legitimer und Illegitimer Gewalt. Bereits 1849 legte die Public School in Eton ein eige­nes Regelwerk vor, die das Spielen des Balles mit der Hand untersagten und die Größe des Tores veränderten. Bereits 1846 hatte Cambridge jeden gefährlichen körperlichen Angriff wie Treten, Stoßen oder Halten untersagt.[18] Damit wurde Im übrigen die Trennung zwischen den heuti­gen Sportarten Rugby (od. American Football) und Fußball (od. Soccer) eingeleitet. Die endgültige Trennung zwischen diesen beiden Spielvarl­anten fand 1863 in London Ihren Abschluss, mit der Gründung des ers­ten Fußballverbandes der Welt, "Football Association (FA)" und im Jahre 1872 mit der Gründung der "Rugby Football Union".[19]

Damit wurde das Spiel seiner allzu brutalen Züge und seiner Wildheit entledigt und anstelle der realen Kämpfe, traten Scheinkämpfe. Das Spiel bedurfte Immer weniger der direkten körperlichen Kraft. An deren Stelle traten spielerische und technische Fähigkeiten. Mit dieserVerrege- lung hatte das Spiel einen Schritt gemacht, hin zu einer Spielform In der zwar noch genügend Raum für Individualität und "männliche direkte Auseinandersetzung", aber eine Balance geschaffen wurde zwischen ge­waltigem Körpereinsatz und Fähigkeit, Spontaneität und Kontrolle. Die schriftlichen Regeln sorgten dafür, dass sich die Erregung Im Spiel nie­mals allzuweit von den zivilisatorischen Standards entfernten die sich an den Schulen durchzusetzen begannen. "Fußball näherte sich den Erzie­hungszielen der Schulleitung und den Verhaltensstandards, die sich in der britischen Gesellschaft im Zusammenhang mit den interdependenten Prozessen der Industrialisierung und Verbürgerlichung entwickelten. "[20]

Diese zivilisatorischen Standards, entsprachen den sich durchsetzenden historisch neuen bürgerlichen Normen. Mit diesen korrespondierte die Unterscheidung in ¡Ilegitime und legitime Gewalt, die zur Selbstdisziplin (^Verzicht auf illegitime Gewalt) bei gleichzeitigem Durchsetzungsver­mögen (^Anwendung legitimer Gewalt) erziehen wollte. Der Prozess der Verregelung bezog sich jedoch nicht nur auf die Frage der Gewalt, son­dern erstreckte sich ebenso auf die Maße des Spielfeldes, der Anzahl und Größe der Tore, der Begrenzung der Spielzeit sowie auf die Anzahl der Spieler.[21]

Diese Festlegung von Maßen und Anzahl, entsprach der Vereinheitli­chung von Maßen und Gewichten, als Gleichheit in der Konkurrenz, wie sie in Handel und Industrie notwendig geworden waren. Diese Gleich­heit, als Voraussetzung der Konkurrenz, manifestiert sich sinnbildlich auch im Wechsel der Seiten, nach einer Halbzeit. Jede Mannschaft soll einmal gegen die Sonne, bzw. mit dem Wind im Rücken spielen. Auch die Addition von Toren und Punkten kommt der Buchführung gleich. Die Verzeitlichung des Spiels korrespondierte gleichsam mit dem durch den Kapitalismus bewirkten Umschlag zur zeitlich bemessenen Arbeit, die durchaus in der Redewendung "Time is money" ihren gültigen Ausdruck findet.[22]

Diese Wandlung des Fußball als Volksspiel hin zu einem geregelten Spiel der herrschenden Klassen, korrespondierte mit dem Vormarsch der in­dustriellen Revolution, die die Unterklassen in ein drakonisches Fabrik­system preßte und für das wilde und unregulierte Volksspiel - anders als in die an natürlichen Abläufen orientierte Zeiteinteilung der agrarischen Feudalgesellschaften - keine Gelegenheit mehr ließ[23]. Es waren die An­gehörigen der Landbevölkerungsschicht, die ehedem Fußball spielten und nun in die Fabriken gezwungen worden. Mit sieben Arbeitstagen in der Woche und täglichen Arbeitszeiten von 16 Stunden, blieb kein Raum und keine Zeit für eine sportliche Betätigung zur Reproduktion. Was Verbote über Jahrhunderte nicht erreichen konnten, hatte die industriel­le Revolution geschafft. Die Angehörigen des Proletariats spielten weder das alte rauhe Volksspiel, noch das sich gerade entwickelnde Rugby o­der Soccer.

Spielen war den Herrschenden Vorbehalten, ebenso wie andere kulturel­le Betätigungen, die sich diese aneigneten. Die Entwicklung des Fußballs vom Volkssplel zum modernen Sportspiel wurde von der Industriellen Revolution und dem Klassenkampf zwischen Aristokratie und Gentry auf der einen und dem aufstrebenden Bürgertum auf der anderen Seite an- getrleben[24] die damit gleichsam das entstehende Proletariat auch kultu­rell entelgnete.

2.3 Reclaim the game* I - Fußball wird proletarisch

Wie bürgerlich der Fußball war, zeigt ein Blick in die Mitgliederlisten der Fußballverelne. Einer der ältesten Fußballverelne der Welt, der 1857 gegründete FC Sheffield, zählte von 29 Mitgliedern alleine 11 Fabrikan­ten. Dieser Verein war von ehemaligen Schülern der Sheffield Collegiate School gegründet worden. Bis zum ausgehenden 19 Jhd. rekrutierten die englischen Fußballclubs sich aus ehemaligen Teams der Public Schools und damit aus der Oberschicht.[25]

Bereits mit der endgültigen Verregelung des Fußballs durch die Vereini­gung von ehemaligen Public School Absolventen 1863, begann die (Re-) Proletarlslerung des Fußball. Nur zwanzig Jahre später, 1883, gewann zum erstenmal In den seit 1872 bestehenden Pokalspiele ein Arbeiter­verein den Pokal. Die "Blackburn Olympics" gewannen 2:1 gegen die "Old Estonia". Bereits 1879 hatte ein ausgesprochener Arbeiterverein, die "Nottingham Forests" den Einzug In das Halbfinale erreicht.[26]

Mit dem Finale von 1879 wurde die Dominanz bürgerlicher Universitäts­und Public School-Teams beendet. Die Mannschaft der Gewinner be­stand aus vier Textilarbeitern, drei Metallarbeitern, einem Angestellten, einem Klempnermeister, einem Wirt und einem Zahnarzt. Die unterle­gene Mannschaft "Old Estonia" zeigte sich ebenso wie andere aristokra­tisch-bürgerliche Fußballclubs, derartig angegriffen, dass sie sich aus dem Pokalwettbewerb, dem angesehensten Vergleich des englischen Fußballs, ganz zurückzogen und das Feld den proletarischen Vereinen überließen.[27]

Nach 1883 sollte keine Mannschaft einer Public School oder einer Uni­versität wieder ein Pokalfinale erreichen. Viele der Schulen und Universi­täten wandten sich vom Fußball ab und den "angemesseneren Gentle­men" Disziplinen zu. Sie widmeten sich verstärkt den Individualsportar­ten zu, deren Ausübung sozloökonomlsche Privilegien voraussetzte und damit soziale Exklusivität sicherte, ohne Kontakt zu den als bedrohlich empfundenen proletarischen Massen zu haben.[28]

Dieser, gemessen an den sonstigen gesellschaftlichen Herrschaftsver­hältnissen, bescheidene Sieg des Proletariats über die englische Upper- class und die Wiederaneignung des Fußballs als nun geregeltes Volks- splel, lag In dem gleichen gesellschaftlichen Wandel angelegt, der zu­nächst das Spiel zum Privileg der Herrschenden gemacht hatte.

Die Verbürgerlichung und Industrialisierung der Gesellschaft, die zu­nächst das Fußballspielen für das Volk unmöglich machte, schuf aber ebenso eine klare gesellschaftliche Trennlinie zwischen Produktion und Reproduktion, zwischen Arbeit und Freizeit. Die Voraussetzung für sport­liche Aktivitäten der Arbeiterklasse lagen in der Ausweitung der für die Reproduktion zur Verfügung stehenden Zeit und der Verkürzung der Zeit in der sie dem Kapitalisten zur Produktion zur Verfügung standen. Damit war aber nicht nur ein mehr an Zelt zur freien Verfügung, sondern auch ein Mehr an Energie die auf Freizeltaktivitäten wie Fußball verwendet worden konnte und die Erhöhung der Löhne. Dass diese Voraussetzun­gen in den 1860er bis 90er Jahren gegeben waren, lag an der zuneh­menden Organisation der Arbeiterklasse und der von Ihr geführten sozialen Kämpfe.

Der Zusammenhang scheint offensichtlich: Die Dominanz der proletari­schen Fußballclubs realisiert sich nach der Verkürzung der Arbeitszeit, Insbesondere nach Einführung des freien Samstagnachmittag zwischen I860 und 1870. Ebenso wie in England, Ist auch in Deutschland und Frankreich festzustellen, daß die Zunahme der Beteiligung von Arbeitern an sportlichen Aktivitäten und Veranstaltungen zusammenfällt mit der allmählichen Verbesserung der Einkommen und der Kürzung der Ar­beitszeiten. Der direkte Druck den die organisierte Arbeiterklasse mittel Streiks, Kundgebungen, Wahlen und parlamentarischen Aktionen ausüb- te, war in Verbindung mit der Befürchtung der herrschenden Klasse vor Revolution und Enteignung, für Verbesserungen der Lebens- und Ar­beitsbedingungen der Arbeiterschaft verantwortlich. So führte die weit­gehende Einführung des Achtstundentages und anderer Verbesserungen nach dem ersten Weltkrieg nicht nur zur Beruhigung der aufständischen Massen sondern im Gefolge zu einem gewaltigen Ansteigen des Arbei­teranteils am organisierten Sport.[29]

2.3.1 ArbeiterspielenFußball

Was machte aber den Fußballsport für Arbeiter so attraktiv? Warum war gerade Fußball die bevorzugte Disziplin und nicht etwa andere Sportar­ten?

Die Arbeitsweise in den Industriebetrieben war gekennzeichnet von Zer­gliederung, Monotonie und vollkommener Entfremdung des Produzenten vom Produkt. Kreativität und Intelligenz waren in den Industriekasernen keine gefragten Eigenschaften der dort Tätigen. Es ist anzunehmen, dass im gleichen Umfang, wie die zu leistende Arbeit immer weniger zur psychischen Entlastung der Werktätigen beitragen konnte, wuchs bei diesen das Bedürfnis nach freiwilliger und ausgleichender körperlicher Beschäftigung und nach geistiger Befriedigung außerhalb der Arbeits­stätten. Je entfremdender und anstrengender die Tätigkeit war, desto größer das Bedürfnis nach Ausgleich.

Fußball war somit ein ideales "Angebot". Fußball verlangt zwar körperli­chen Einsatz, aber dieser ist nicht vorherbestimmt wie die monotone Arbeitsweise in den Betrieben. So bot dieser Sport auf der einen Seite bekanntes, nämlich den körperlichen Einsatz, Ausdauer und Kondition, aber auch so wichtige Eigenschaften, wie körperliche Gewandtheit, Ge­schicklichkeit, Kreativität und Intelligenz. Letzteres waren Eigenschaften deren Entfesselung vom herrschenden ökonomischen und politischen System, was die Arbeiterschaft betraf verhindert und unterdrückt wer­den sollte.[30]

Darüber hinaus bot das Fußballspiel m.E. noch eine weitere Komponen­te, die mit der Kenntnis der industriellen Produktion zusammenhing, diese aber andererseits umkehrte. Fußball ist ein Mannschaftssport, in dem oft genug das Team gewinnt, dass eine gute Aufgabenteilung (^Arbeitsteilung) zwischen den einzelnen Spielern aufweist (Vereinfacht: Sturm, Mittelfeld, Defensive, Tor). Diese "Arbeitsteilung ist aber, anders als in der industriellen Produktion zu dieser Zeit, niemals vollkommen. Alle Beteiligten einer Mannschaft sind gleichzeitig darauf angewiesen, dass andere Spieler die Funktion Ihres Teamkollegen übernehmen kön­nen. Es kommt also niemals darauf an, dass ein Spieler lediglich eine spezifisch ausgebildete Spielfähigkeit besitzt.

Daraus folgt ein weiterer Aspekt der den Fußball für das Proletariat att­raktiv machte. Die Herstellung von Gruppensolidarität und gemeinsamer Aktion, die im Sport nicht in der Durchsetzung gesellschaftlicher Rechte und zumindest einigermaßen besserer Lebensbedingungen besteht, son­dern in der selbstgewählten und innerhalb des Spiels selbstbestimmten Tätigkeit im Verein mit Gleichgesinnten. Trotzdem stand auch hier die gleiche Erfahrung: Ziele waren nur gemeinsam zu erreichen.

2.3.2 Fußball wird zur proletarischen Massenkultur

Die (Wleder-)Anelgnung des Fußballs durch die Arbeiterklasse, war gleichzeitig gekennzeichnet durch seine Entwicklung zum populären Zu­schauersport. Kein anderer Sport verbreitete sich so rasant und schnell innerhalb der unteren Volksschichten wie der Fußball. Fanden die Spiele zu Zeiten des "Gentlemen"-Fußballs des 19 Jhd. noch weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, und Zuschauer waren wenn überhaupt Vereinsmitglieder die nicht selbst spielten, weil sie zu alt oder zu unqua­lifiziert waren, entwickelte sich Fußball zeitgleich mit der Übernahme des Fußballs durch proletarische Vereine zu einer Veranstaltung für Massen.[31]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Gründe hierfür sind ähnlich denen der Verbreitung des Fußballs als aktiven Sport. Die Bedingungen dafür, dass Fußball zum Zuschauersport wurde, entsprachen seiner sozialen Ausbreitung. Die Verkürzung der Arbeitszeit bedeutete ein mehr an Frei­zeit und auch der leichte Anstieg der Löhne ließ es zu, zu Sportveran­staltungen zu gehen. Ein Fußballspiel nahm aber auch weniger Zeit in Anspruch als etwaige andere Sportveranstaltungen. Fußball war über­dies ein leicht verständliches Spiel. Die Regeln sind relativ einfach. Dar­über hinaus war Fußball ein "demokratisches" Spiel. Demokratisch in dem Sinne, dass es "billig" war und auf Grund der Einfachheit der Re­geln und der Möglichkeit es an anderen Orten selbst zu spielen eine "Mitsprache" der Zuschauer ermöglichte.[32]

Auch die Tatsache, dass die Spieler auf dem Feld, den gleichen sozialen Zusammenhängen angehörten, in den gleichen Fabriken und Betrieben arbeiteten, aus dem gleichen Stadtteil kamen und man somit unter Glei­chen war, mag ein weiterer, nicht unwesentlicher Grund für die Beliebt­heit des Fußballs gewesen sein.[33]

Der einstmals wilde Charakter des Fußballs, der in der oben beschriebe­nen Welse durch eine zahmere und geregel­te Variante ersetzt worden war, verlagerte sich vom Spielfeld auf die Zuschauerränge. Die Vergesellschaftung[34] des Fußballs, die ehemals, als komplette Dorfgemeinschaften gegeneinander antraten, auf dem Feld stattgefunden hatte, erfolgte nun in der Form des Anfeuerns seitens der Zuschauer.

2.3.3 Fußballgeschichte in Deutschland - Später zwar, aber in der Entwicklung ähnlich

In Deutschland verlief die Entwicklung des Fußballspiels schleppender als in England. Im 19. Jhd. war Turnen der Sport Nummer eins in Deutschland. Die deutschtümelnde Jahnsche Turnerschaft betrachtete Fußballspielen als 'undeutsch', dessen Ausbreitung entgegenzutreten (!) sei. Als "Fußlümmelei" verachtet, wurde das Fußballspielen häufig untersagt.[35]

Zwischen "englischem Sport" und "deutschem Turnen" verbarg sich aber mehr als nur eine bewegungskulturelle Differenz. Hinter der Auseinan­dersetzung um Fußball oder Turnen, stand die anwachsende Rivalität zwischen der ersten Industrienation (dem kolonialen englischen Empire) und dem aufstrebenden "gründerzeitlichem", jungen (gerade zum Natio­nalstaat gewordenem) wilhelminischen Deutschland.[36]

Obwohl von den nationalen Kräften abgelehnt, breitet es sich dennoch als Gesellschaftsspiel für bürgerliche Mittelschichten aus, ist aber zu­nächst keine Angelegenheit der Arbeiterschaft.

Ähnlich wie in England, lag die Keimzelle des Fußballspiels in den höhe­ren Schulen und Gymnasien. Als Pionier kann der Turnlehrer Konrad Koch aus Braunschweig gelten, der dem Fußballspielen an Schulen pä­dagogische Überlegungen zu Grunde legte. Motiviert wurde Koch durch das Aufkommen von Schülerverbindungen, die ihrerseits Ausdruck des, als "Feudalisierung des Bürgertums" bezeichneten, erzwungenen Klas­senkompromisses der nach dem Scheitern des bürgerlich­demokratischen Revolutionsversuchs 1848 waren.[37] Dieser Prozess be­stand In der Anpassung des Bürgertums an den weiter dominierenden Adel, um wenigstens seine ökonomischen und die staatliche Einheit betreffenden Forderungen durchsetzen zu können. Zu dieser Entwick­lung gehörte auch die Orientierung an Werte- und Verhaltensmustern der Aristokratie, die ihren Niederschlag unter Schülern und Studenten in den Verbindungen und Korporationen fand, von denen zur damaligen Zeit ein bedeutender stil- und normbildender Einfluß auf das bürgerliche Leben ausging. Diese Verbindungen führten zu exzesshaften Trinkgela­gen an den Gymnasien, die bald durch die Behörden als öffentliches Är­gernis und Brutstätten der Unsittlichkeit betrachtet worden.[38]

Koch wollte mit dem Fußballspiel, dieser Herausforderung begegnen und definierte sein Konzept jenseits der traditionellen Methoden von Repres­sion und Belehrung. Koch verschob den Schwerpunkt des disziplinari­schen Handelns von der Fremd- (beim Turnen gab es den Vorturner der Anweisungen gab) hin zur Selbstdisziplinierung des Fußballspielens (s.o.). Das Fußballspielen zeichnete sich gegenüber dem militaristisch anmutenden Turnen, dadurch aus, dass es zu selbständigen, den Spiel­umständen angemessenen Urteilen und Handlungen anhielt. Damit in­tendierte Kochs pädagogisches Konzept über den Fußball als Methode, die Überwindung adeliger Verhaltensmuster und die Entfeudallsierung des deutschen Bürgertums.[39]

Zunächst stieß Kochs pädagogischer Ansatz aber auf wenig Gegenliebe, trotz seiner Übertragung der Fußballausdrücke ins Deutsche und dem Versuch nachzuweisen, daß Fußball eigentlich ein "deutsches" Spiel sei. Sein Ansatz galt als zu liberal. Daher wurde an vielen Orten die Balltre­terei, als "Fußlümmelei" und undeutsch untersagt. Vor diesem Hinter­grund lassen sich zwei gegensätzliche Komponenten feststellen die zur Verbreiterung des Fußballs in Deutschland führten: Zum einen der Reiz des verbotenen, der die Schüler erst recht motivierte Fußball zu spielen, weil es gegenüber dem drillmäßigen Turnen mehr Möglichkeiten der Selbstentfaltung bot und die allmähliche Übernahme des Koch'sehen Ansatz auch durch andere Pädagogen.[40]

Aber ähnlich wie in England war Fußball In Deutschland zum Ende des 19. Jhd. / Beginn des 20. Jhd. ein Spiel der bürgerlichen und aristokrati­schen Klassen und ihren Bildungseinrichtungen. Unter diesen profilierten sich wiederum insbesondere solche Schulen als Keimzelle des Fußballs in Deutschland, die naturwissenschaftlich ausgerichtet waren und damit den Interessen des modernen Bürgertums am meisten entsprachen.[41] Als Teil bürgerlicher Vereinskultur organisierten es seine frühen Betrei­ber, indem sie, von der Namensgebung bis (Teutonia, Germania, Deutschland) bis zu den Ritualen (Fußball-Kommers, Salamander) das studentische Verblndunswesen übernahmen und imitierten.[42]

Mit der Gründung des DFB (Deutscher Fußball Bund) 1900, als Zusam­menschluß der bürgerlichen Schulvereine, wird aus dem Gesellschafts­spiel ein Kampfspiel, dass ob seiner Protektion durch führenden Vertre­ter deutscher Dynastien (Prinz Heinrich von Preußen, Kronprinz Wilhelm und Prinz Friedrich Karl von Preußen) 1910 Eingang in die Ausbildungs­pläne des wilhelminischen Militärs findet und damit gesellschaftliche Verbreitung findet. Fußball war damit zu einem gesamtdeutschen politi­schen Anliegen geworden, aber er war kein Zuschauersport.[43]

Dazu wurde er auch in Deutschland, wenn auch ungleich später, im Zu­ge allgemeiner Durchsetzung des 8-Stunden-Tages, in der Zeit zwischen dem 1. Weltkrieg und dem Beginn der Nazidiktatur. Vor allem in den Industrieregionen des Ruhrgebietes, der Industriegebiete in Sachsen und In Berlin wurde Fußball zur proletarisch geprägten Fußballkultur, ähnlich der in den Industriegebieten Englands und, zwar zeitverschoben, aber ähnlichen Voraussetzungen.[44]

2.4 Instrumentalisierungsversuche

Dass Fußball eine solche Popularität bei den Massen der Industriearbei­terschaft errang, ging wie ausgeführt mit den gesellschaftlichen Entwick­lungen und der Arbeitsgestaltung selbst einher. Dies besagt wenig dar­über, ob die Aneignung des Fußballspiels Immer nur den eigenen Inte­ressen und Bedürfnissen der Werktätigen, nach Ausgleich von eintöniger und entfremdeter Arbeit und nach sozialem Zusammenhang entsprach.

In der Entwicklung des Fußballs als proletarische Kulturform, sowohl In England als auch In Deutschland, sind Insgesamt drei unterschiedliche Gründungszusammenhänge auszumachen.

Ca. ein Viertel der In England zum Ende des 19 Jhd. bestehenden Clubs waren auf kirchliche Initiativen zurückzuführen.[45] Das kirchliche Enga­gement für den organisierten Fußball stellte eine Reaktion auf den schwinden Einfluß der Religion auf die Arbeiterschaft, der Zunahme der Alkoholproblematik In der Arbeiterschaft und die Zunahme der Wettlel- denschaft und der damit verbundenen Verschärfung familiärer Situatio­nen dar. Zwar läßt sich aus heutiger Sicht kein umfassender kirchlicher Missionserfolg ausmachen, aber das kirchliche Engagement trug sicher­lich dazu bei, das Selbstwertgefühl sozial deprlvlerter, also beraubter, Gemeinschaften zu stärken und Ihren Verfall zu verhindern. Zwar hielten die Vereinsaktiven lockeren Kontakt zu Ihren Kirchengemeinden und ein funktionales Verhältnis bei, Insgesamt, dies beweist die Entwicklung sol­cher Clubs, emanzipierten sie sich recht bald von Ihren kirchlichen Pa­ten[46]

Die Gründung von ersten richtigen Arbeiter- und Werksvereinen erfolgte In England ab 1877, In Deutschland ab 1919. Bezüglich der Vereine die aus Industriebetrieben oder -quartieren hervorgingen Ist zu unterschei­den zwischen denen die durch Fabrikbesitzer ¡ns Leben gerufen worden und solchen die auf Grund autonomer Initiativen, als von den Arbeitern selbst gegründet und aufgebaut worden. Dazwischen lagen die Vereine die zunächst von den Arbeitern gegründet worden, dann aber aus eher paternalistischen denn wohltätigen Erwägung heraus, von Betriebslei­tungen oder lokalen Geschäftsleitungen übernommen worden.

Für die neuen politischen und gesellschaftlichen Eliten, war die Förde­rung des (Betriebs-) Sports unter mehreren Gesichtspunkten von Inte­resse. So war eine gesunde, durch sportliche Aktivität leistungsfähig gehaltene Belegschaft eine wesentliche Voraussetzung für hohe Produk­tivitätsraten. Gleichzeitig trug der Sport zur vermeintlichen Harmonisie­rung der Industriellen Klassenbeziehungen bei und der (Betriebs-) Sport sollte die Identifizierung der Werktätigen mit "seinem" Betrieb stärken. Damit verbunden war die Hoffnung, von sozialen und politischen Prob­lemen, welche die Arbeiter kollektiv betrafen, abzulenken und so den sozialen Frieden Im Betrieb sichern zu helfen.

Aber ebenso wie Im Falle kirchlichen Engagements gingen sozIaIreforme- rlsche Ansätze durchaus damit einher und zielten darauf ab, den Arbei­tern ein Überleben unter den Bedingungen des Industriekapitals zu er­möglichen und gleichzeitig eine revolutionäre Infragestellung des Sys­tems und seiner Hierarchie vermelden.

Beredtes Beispiel dafür Ist der Fall des englischen Fußballclubs "West Ham United". Die Gründung seines direkten Vorläufers (Thames Iron­works FC) 1895 erfolgte auf Unternehmerinitiative nach einem großen, hart geführten Streik. Neben der Einführung des 8-Stunden-Tags 1894, führte die Gründung des Fußballclubs und mehrerer anderer Werksakti­vitäten wie Streichorchester, Theater, Abstinenzler zu einer Bindung an die "Ironworks" über den Arbeitstag hinaus und verlieh den Beschäftig­ten verbunden mit einem "Gewinnverteilungsplan" das Gefühl, den Sta­tusunterschieden zum Trotz, gleichberechtigte Mitglieder ein- und der­selben Familie zu sein.[47]

Ein weiters Beispiel für die Instrumentalisierung des Sports für die Inte­resse der Industrie liefert das Wirken des "Deutschen Instituts für Ar­beitsschulung" (DINTA), dass 1925 von Industriellen gegründet wurde. Als Aufgabe der Einrichtung wurde die Ausbildung des Industrienach­wuchses unter dem Aspekt, der "Befreiung des Arbeiters aus der Ein­samkeit seiner Isolierten Teilfunktion Im Herstellungsprozeß", die "Über­windung der feindseligen Oppositionsstellung zwischen Arbeiter und Un­ternehmer" und die "Befriedigung und Befriedung des Arbeiters Im ge- genwärtigen Wirtschaftssystem" gesehen. Als ebenso vorteilhaft wurde die Möglichkeit gesehen, durch Förderung sportlicher Aktivitäten einen Beitrag zur Steigerung der Produktivität, als auch einen Beitrag zur Ver­hinderung von Arbeltsunfällen zu leisten. Insbesondere der Fußball, als die Sportbetätigung der Arbeiterschaft, spielte in der Arbeit der DINTA eine hervorragende Rolle. Diese Arbeit führte Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre zu einer Welle von Gründungen werksgebundener Sportver­eine.[48]

3 Proletarisierung bewirkt Professionalisie- rung - Der Spieler wird zum Kulturarbeiter

Die Aneignung des Fußballs durch die Arbeiterschaft, sowohl was die sportliche Betätigung betraf, als auch die Entwicklung zum kulturellen Massenereignis des Proletariats, war gleichzeitig die entscheidende Vor­aussetzung dafür, dass Fußballspielen berufsmäßig, also professionell ausgeübt werden konnte. In England, ebenso wie in Deutschland gab es hitzige Debatten zwischen den Verfechtern eines "Amateurismus" und den Befürworten des "Professionallsmus".

Der Amateurismus war ursprünglich eine Erfindung der vermögenden Oberschicht um sich den "Proleten vom Hals zu halten"[49]. Begriffe wie die "Gentlemen"-Regel oder "Sportsmen" wurden Ende des 19 Jhd. syn­onym für die Angehörigen des Adels, der Gentry und des wohlhabenden Bürgertums, benutzt. Diese konnten es sich leisten, Sport als "schönste Nebensache der Welt" zu begreifen. Für sie besaß Sport "im Idealfall das Ziel Spaß, Vergnügen und Freude zu bereiten, einen Zustand angeneh­mer Erregung also und nicht mehr herbeizuführen. Ein solcher Ethos drückt den Wohlstand und die Unabhängigkeit der Public School-Elite aus, drückt aus, daß die Angehörigen dieser Schicht, die sich Muße leis­ten konnten, glaubten, sie könnten Sport hauptsächlich zum eigenen Vergnügen betreiben. Grundlage für diesen Ethos ist die strenge Unter­scheidung von Arbeit und Muße. Professionalisierung so glaubte man, würde aus dem Spiel, das der Sport war, Arbeit machen und so sein Wesen zerstören."[50]

Im gleichen Jahr in dem Vertreter der Oberschicht die FA gründeten (1863), schloss der "Amateur Athletic Club" Sportler aus der Arbeiter­schaft mit der Begründung aus, dass diese es sich nicht leisten könnten, wegen der Teilnahme an Sportveranstaltungen auf Arbeit und Lohn zu verzichten. 1866 schloss die "Amateur Athletic Association" mit Ihrer berühmten "Gentlemenklausel" jeden vom Wettkampf aus "who is a me­chanic, artisan or labourer, or engaged in menial activity."[51] (der Me­chaniker, Handwerker oder Arbeiter Ist, oder In niederen Diensten steht - d. V.). In Betracht der Betuchtheit derjenigen, die diese Regeln auf­stellten, verwundert die Ablehnung des professionell ausgeübten Sports keineswegs. Der Professionallsmus, der sich vornehmlich im industriellen und proletarischen Norden Englands entwickelte, wurde von den wohl­habenderen Gesellschaftsschichten pikiert als Degenerationserscheinung und proletarischer Enteignungsversuch betrachtet.[52]

1885 wurde der Professlonallsmus durch die FA offiziell eingeführt. Ins­besondere auf Druck der Arbeitervereine aus dem englischen Norden und gegen den Willen der Vereine der höheren Gesellschaftsschichten. Die ersten Professionellen Mannschaften rekrutierten sich vornehmlich aus Arbeiter- und Handwerkerkreisen. Bezeichnenderweise war es der erste proletarische Pokalsieger, (die "Blackburn Olympics" s.o.) der in Konflikt mit dem offiziellen Amateurismus geriet. Anfang 1882 wurden sie wegen Verstoßes gegen die Amateurregeln aus dem regionalen "Lan­cashire Cup" ausgeschlossen. Durch die finanzielle Unterstützung einer Eisengießerei, war es dennoch möglich den Einzug In das Finale zu errei­chen.[53]

Eine ganz ähnliche Entwicklung fand, wenn auch zeltversetzt in Deutsch­land statt. Die Auseinandersetzung folgte vergleichbaren Linien, Insofern es darum ging, sportliche Aktivität als Kulturgut der Herrschenden zu betrachten. Anders als in England war die Amateurismusdebatte in Deutschland eine Ideologisch geführte. Der DFB, wie auch andere Sport­vereine standen in der völkischen, nationalistisch-militaristischen Tradi­tion wie schon die Turnbewegung. Der Deutsche Ruder Verband gestatte ab 1919 den Zutritt nur noch solchen die nach Ihrer "gesellschaftlichen Stellung und Art seiner Tätigkeit als Herrenmenschen anzusehen"[54] sei­en. Der Turnführer Götz in Anspielung auf sozialdemokratische Arbeiter als "vaterlandslose Gesellen" verkündete: "Wer kein Vaterland hat, soll gehen"[55] und der DFB propagierte die Überbrückung von Klassengegen­sätzen zugunsten des Aufbaus einer Ideologisch zusammengehaltenen Volksgemeinschaft jenseits hierarchischer Klassenstrukturen. Er be­trachtete es noch 1930 als Pflicht Berufssportler in seinen Reihen "aus­zumerzen"[56] (!).

Er sollte sein Ziel mit der Machtübergabe an die NSDAP 1933 erreichen. Nach dem Verbot der beiden Arbeitersportbewegungen blieb nur noch der DFB übrig und Professlonallslerung wurde ebenso verboten, wie "wilde Straßenmannschaften".

Ähnlich wie in England war es auch in Deutschland ein ausgesprochener Arbeiterverein, die sogenannte "Knappenelf" von "Schalke 04" die mit dem Amateurstatus in Konflikt gerieten und beinahe seiner Existenz be­raubt wurde. Vor der Spruchkammer des Westdeutschen Spielerverban­des (WSV) wurden 14 Spieler zu Berufssportlern erklärt, acht Vor­standsmitglieder aus dem WSV ausgeschlossen und der Verein zu einer Geldstrafe von RM 1.000 verurteilt.[57]

Die Professionalisierung der Arbeitervereine war eine Folge der Klas­senmäßigen Auseinandersetzungen mit den Amateurclubs der Ober­schichten. Deren Spieler waren betucht genug um auf Einnahmen aus den Spielen verzichten zu können. Die proletarischen Spieler der Arbei­tervereine waren dazu nicht in der Lage. Wer im geregelten Spielbetrieb einer Liga, die anders als im K.O. System eines Pokalwettbewerbes, Wo­che für Woche mithalten will, ist darauf angewiesen sich seinem Sport voll widmen zu können. Ohne eine regelmäßige Bezahlung der proletari­schen Spieler, wäre Fußball in seiner sozialen Exklusivität, als müßige Betätigung derjenigen die von dem Produkt der Arbeiteten leben, einge­schlossen geblieben. Außerdem war nicht einzusehen, warum die Arbei­ter und Handwerker die mit ihren Darbietungen die Massen von Kollegen in die Stadien lockten, nicht an den Zuschauereinnahmen beteiligt wer­den sollten. So war die Einführung des Professionalismus zweierlei, die Anerkennung der auf dem Spielfeld erbrachten Leistung als kulturelle Arbeit und die Umverteilung der erzielten Einnahmen. Die Einführung des Profifußballs stellt historisch eine Errungenschaft der Arbeiterschaft dar, weil dieser es erst vollends möglich machte Fußball wieder zum Volksspiel zu machen.

Im Unterschied zu heute, war der Profifußballer der proletarischen Ver­eine nicht in der Lage mit dem berufsmäßigen Betreiben seines Sports reich zu werden. Er verdiente kaum mehr als ein Facharbeiter und blieb seiner lokalen Herkunft und Kultur verbunden. "The professional footbal­ler was traditionally a kind of working-class folk hero, and he know him­self to be such"[58] (Der Berufsfußballer war traditionell eine Art Held der Arbeiterklasse und er war sich dessen auch bewusst - d. V.). Zu diesem "Heldendasein" gehörte aber auch ein System gegenseitiger Verpflich­tung und Abhängigkeiten. Im lokalen Verband wohnend und lebend, war der Spieler in Gaststätten, Kneipen und Veranstaltungen zu treffen. Er stand immer in der öffentlichen Kritik seiner Anhänger, die von ihm Ver­einstreue als Treue zum sozialen Verband erwarteten und ihrerseits ihre Mannschaft in den Stadien unterstützten, mochte es Regnen, Stürmen oder noch schlimmer, eine Reihe von Niederlagen den Verein in eine sportliche Krise treiben.[59]

In Deutschland in dem erst 1949, nach der Befreiung vom deutschen Faschismus auf den reinen Amateurstatus verzichtet und die Semi- Professionalisierung in Form des Vertragsspielers vollzogen wurde, war dies nicht anders. Der Spieler arbeitete acht Stunden täglich, wurde a­ber durch seinen Betrieb von der Arbeit freigestellt soweit dies für sei­nen Sport notwendig war. Der Lohnabzug wurde durch den Verein des­sen Vertragsspieler er war ausgeglichen. Er erhielt zwar im Betrieb leich­tere Arbeit, verdiente aber nicht wesentlich mehr, als seine Kollegen. Er blieb "einer von ihnen". Das höchste was ein solcher Spieler erreichen konnte, war wenn sich so etwas wie eine Karriere abzeichnete, dass er nach Beendigung seiner Laufbahn genug Geld zusammengespart hatte oder einen günstigen Kredit erhielt um sich davon einen Kiosk, ein Ta­bakwarengeschäft mit Lotto/Totoannahmestelle oder eine Schankwirt­schaft übernehmen oder eröffnen konnte. Doch auch das wurde nicht als Klassenflucht begriffen, zumal der Spieler zumeist in seinem Umfeld blieb.[60] Im Rheinland und Im Ruhrgebiet gibt es bis heute noch eine Menge solcher Objekte die von ehemaligen Vertragsspielern gegründet worden sind.

4 Exkurs 1: Arbeitersport, Fußball und die organisierte Arbeitersportbewegung in Deutschland

Der DFB gehörte ebenso wie die Deutsche Turnerschaft (DT) zu den bürgerlich geführten Sportverbänden, mit völkisch-nationalistischer Ver­bandsgesinnung. Anders als etwa in England gab es hierzu in Deutsch­land allerdings eine politische Alternative, den Arbeiter-Turnerbund (ATB).

Der ATB war im Mai 1893 als Antwort auf den zunehmend nationalisti­schen Kurs der DT gegründet worden. Innerhalb der Arbeiterkulturbe­wegung stellte der ATB den stärksten Verband und gehörte politisch ein­deutig zur organisierten sozialistischen Bewegung in Deutschland.

Das hinderte die ATB-Führung aber nicht, gegenüber dem Fußball ähnli­che Vorbehalte zu pflegen wie die der DT. In der Arbeiter-Turn-Zeitung vom 1.11.1901 war bezüglich des Fußball zu lesen: "Wenn uns die Eng­länder darin als Muster hingestellt werden, so sei darauf hingewiesen, daß auch dort die Auswüchse des Sports und des Spielens sich in kras­sester Weise breitgemacht haben, daß Rohheit und Rücksichtslosigkeit, die Grundzüge des englischen Nationalcharakters [!] (...) nicht zum we­nigsten durch Übertreibungen und das Aufdiespitzetreiben dieser Lei­besübungen verschuldet und großgezogen werden."[61] Diese, durchaus der deutschtümelei der DT vergleichbare "Kritik" an dem zu der Zeit schon fast ausschließlich von Arbeitern betriebenen und angesehenen Sport, wurde der ideologischen Korrektheit halber mit einer "linken" Kri­tik versehen. Dem Fußballsport wurde unterstellt, mit seiner Wett­kampforientierung und dem hohen körperlichen Einsatz, zur Verbreitung bürgerlich-kapitalistischer Prinzipien Innerhalb der Arbeiterschaft beizu- tragen.[62] Auch das "ungebührliche" bzw. "unzivilisierte" Verhalten der Zuschauer hatte unter den Augen des ATB keinen Bestand.

Im Grunde war die Kritik des ATB ähnlich deutschtümlerisch, turnfixiert, konservativ und spießig, wie die der DT. Dabei ist Fußball von seiner ganzen Anlage her, weniger autoritär und militärisch diszipliniert gewe­sen, als das Turnen zu dieser Zeit und forderte das Kollektiv sowohl auf dem Spielfeld als auch in Interaktion mit den Zuschauern. Und was das Verhalten der Zuschauer betraf, so verstießen sie gegen Verhaltensnor- men, die von den herrschenden Klassen aufgestellt waren. Fußball war zweifelsohne emanzlpatorlscher als das Turnen und ein authentischer und spontanerer Ausdruck von Arbeiterkultur und Arbeiterbewußtsein.

Die Abstinenz der Arbelter-Turn-Verelne gegen den Fußball kann als symptomatisch für den kulturellen Konservatismus der Organisationen der deutschen Arbeiterbewegung überhaupt betrachtet werden.[63]

Diese Selbstbeschränkung und ablehnende Haltung des ATB drohte den Zugang der Arbeitersportbewegung zu großen Tellen der Arbeiterschaft, Insbesondere der Arbeiterjugend, zu verbauen, die der "Ideologisch ge­festigten" ATB-Posltlon zum Trotz, Fußball spielten wann und wo sie konnten und dies als willkommene Alternative zum drillhaften und eher eintönigem Turnen sahen.

So war den zehn Jahre nach dem obigen Artikel In der gleichen Zeitung zu lesen: "Wir dürfen uns eben nicht der Tatsache verschließen, daß die Jugend vor allem für das Fußballspielen schwärmt. Wir können uns dem nicht entgegenstemmen, sondern müssen in unserem Interesse und dem der Arbeiterschaft im allgemeinen, das Spiel einführen."[64] Und wei­ter drei Jahre später, 1914: "Den überwiegenden Teil der Fußballfreunde stellt die Arbeiterschaft und ihre Jugend. Wir greifen nicht zu hoch, wenn wir konstatieren, daß 80% der Mitglieder Arbeiterkreisen entstammen (...) Die bedauerliche Tatsache ist nur die, daß die Arbeiterjugend, die organisierte [!] Arbeiterschaft, das größte Kontingent der im Deutschen Fußballbund organisierten Fußballspieler darstellt."[65] Fußball spielten also nicht Irgendwelche unpolitischen Zeitgenossen, sondern gerade auch Arbeiter die zum organisierten Teil (d.h. in Partei, Gewerkschaft o.ä.) der sozialistischen Arbeiterbewegung gehörten.

Es dauerte allerdings noch einige Jahre bis diese Erkenntnisse sich auch organisatorisch niederschlugen. Als nach Ende des 1. Weltkrieges, das Turnen wieder eingeführt werden sollte, mußte mancher der von der Front helmgekehrten Vorturner feststellen, daß die jugendlichen Mitglie­der Ihre Turnausrüstungen verkauft hatten um dafür Fußbälle anzuschaffen.[66] Die Zahl von Fußballmannschaften Im Umfeld des ATB stieg sprunghaft an, und um die Gründung eines Arbeiterfußballbundes zu verhindern gestattete der ATB-Bundestag 1919 auf unteren Ebenen die Trennung des Fußballspiels von den übrigen Turnübungen. Die sich Trennung des Fußballspiels von den übrigen Turnübungen. Die sich än­dernde Einstellung schlug sich auch im Namen nieder, der von nun an "Arbelter-Turn- und Sportbund" (ATSB) lautete. 1921 erfolgte dann schließlich die Anerkennung des Fußballs als eigene Sparte Innerhalb des ATSB, einundzwanzig Jahre nach Gründung des bürgerlich geführten DFB.

Hochburgen der Fußballabtellung des ATSB waren ebenso wie die des DFB, das Rhein- und Ruhrgebiet, Sachsen, Thüringen, Sachsen und An­halt, Braunschwelg, Berlin und Brandenburg, also In den Gebieten in den wie oben ausgeführt bereits Fußballhochburgen entwickelt waren und sich die Industriellen Standorte befanden.

Im Zuge der politischen Auseinandersetzung zwischen den beiden gro­ßen Parteien der Arbeiterbewegung in Deutschland (SPD und KPD) blieb auch die Arbeitersportbewegung von der Spaltung in sozialdemokrati­sche und kommunistische Verbände nicht verschont. 1928 wurden kommunistisch orientierte Funktionäre und Vereine aus dem ATSB aus­geschlossen, die daraufhin die "Interessengemeinschaft zur Wiederher­stellung der Einheit Im Arbeitersport (IG)" und die "Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit (KG)" gründeten. Berlin-Brandenburg und Rhein­land-Westfalen wurden die fußballerischen Schwerpunkte. ATSB-Verelne die Angeboten der IG nachkamen Solldarltätssplele zu veranstalten, wurden aus dem ATSB ausgeschlossen und mußten, wollten sie weiter­hin am Spielbetrieb teilnehmen, entweder dem DFB oder der IG oder KG beitreten.[67]

Der ATSB unternahm auch Immer wieder Versuche, dem Fußballspiel seinen angeblichen bürgerlichen Konkurrenzcharakter zu nehmen. So gab es Überlegungen dem Spiel den vollständigen Verzicht auf Tore, Punkte und Meisterschaft zu nehmen, zugunsten reiner "Gesellschafts­spiele". Oder, in die Spielwertung auch unsportliche Vorkommnisse auf­zunehmen. Diese Überlegungen setzten sich jedoch nicht durch. In der Berichterstattung der Arbeitersportpresse verzichteten die Journalisten auf die Namensnennung von Spielern und beschränkte sich auf die Be­nennung der Funktion einzelner Spieler. Auch die Forderung nach rei­nem Amateurismus, die hier sehr der - bereits referierten - bürgerlichen Auffassung nahe kam, sollte einen Beitrag zur Entbürgerllchung des Fußballspiels leisten.[68]

You'll never walk alone - Gesellschaftliche Entwicklungslinien im Fußball Nun ist Fußball zugegeben ein Wettkampfsport der im Vergleich ver­schiedener Mannschaften besteht. Aber ob diese unumstößliche Tatsa­che alleine schon reicht, Ihn als "bürgerlich" zu denunzieren ist wohl in Frage zu stellen. (Abgesehen davon, dass dies dann auch für andere Kulturberelche gelten müßte) Fußball war bereits vor seiner Verbürgerli­chung Im England des 18. und 19. Jhd. ein Wettkampfspiel. Darüber hinaus war Fußball auch oft genug eine spielerisch ausgetragene Form von Klassenauseinandersetzung. "Allerdings waren die Angehörigen der oberen Klassen Immer weniger in der Lage, sportliche Niederlagen von den hinzunehmen, die als sozial tieferstehend und zunehmend auch als feindselig angesehen wurden. Eine Niederlage auf dem Rasen wurde ein Symbol dafür, was man gesellschaftlich am meisten fürchtete: die politi­sche und ökonomische Vernichtung durch die sich erhebende Arbelter- klasse."[69] so Dunnlng/Sheard zur sportlichen Klassenkonfrontation in England.

Rückblickend mag die Kritik des ATSB zwar kleinkariert, dogmatisch und Ideologisch überhöht erscheinen. Angesichts der heutigen Tendenz und den aktuellen Problemen, Brutalisierung des Spiels, übertriebene Kon­kurrenz und Kommerzialisierung bis an den Rand der Existenz, würde eine Beschäftigung mit den "alten" ATSB-Debatten Im Kern durchaus lohnen. Unterschlagen werden, darf auch nicht, dass dem Arbeitersport ungleich schwierigere Startbedingung vorgegeben waren als der bürger­lich geführten. Die Arbeitersportbewegung war bis in die Weimarer Re­publik hinein staatlichen Repressionen ausgesetzt die durchaus dazu geführt haben, dass ein großer Teil, wenn nicht die Mehrheit der Arbei­terschaft, sich zumindest in der Zeit die Ihr zu Reproduktion Ihrer Ar­beitskraft zur Verfügung stand, Sport unbehelligt von staatlicher Repres­sion betreiben wollte.

Von staatlicher Repression und politischer Auseinandersetzung scheinbar unbehelligt, konnte Fußball aber nur in den bürgerlich geführten Verei­nen betrieben werden. Die Mehrzahl der sporttreibenden und zuschau­enden Arbeiter verstand dies als einen "Freiraum oder Schonbezirk jen­seits jedes parteipolitisch-weltanschaulich begründeten Engagements."[70]

Für die fußballsplelenden Arbeiter war die Balltreterel ein Ausgleich zu den Härten des Alltags, zu den nicht in erster Linie die Arbeit an sich gehörte, sondern auch Ängste, Nöte und politische Auseinandersetzun­gen. So gesehen war es für die Arbeitenden wesentlich einfacher in ei- nem bürgerlich geführten Verein Fußball zu spielen, wo Ihnen nicht ne­ben den Spiel ein politischer Diskurs abverlangt wurde und sie trotzdem gemeinsam mit anderen Arbeitern Zusammenhalt fanden.

So mag z.B. auch die Diskrepanz zwischen den Wahlerfolgen der Arbei­terparteien und der Präferenz für bürgerliche Sportvereine, ein Beleg dafür sein, dass die Massenbasis der Organisationen der Arbeiterbewe­gung auf das Ganze gesehen nicht die Überzeugungstreue besaß, wie diese und die kämpferische Selbstdarstellung es auf den ersten Blick vielleicht vermuten ließen.[71] Bereits In einer Studie von Erich Fromm, erhoben zwischen 1929 und 1931, wies darauf hin, dass lediglich 15 % der Anhängerschaft der beiden Linksparteien SPD und KPD aus voll en­gagierten, aktiven und auch zu Opfern bereiten Menschen bestand.[72]

Vor diesem Hintergrund mag es kaum verwundern, dass ein nicht uner­heblicher Teil der Arbeiterschaft sich In das nationalsozialistische (Sport­) System Integrieren ließ.

5 Exkurs 2: NS-Herrschaft und Fußballkultur

Sport diente den Nazis als Mittel nationaler Selbstdarstellung und Über­höhung sowie zur Durchmllltarlslerung der Gesellschaft und sollte den Beweis der Überlegenheit der "arischen Rasse" antreten. Die wllhelml- nlsch-mllltarlstlsche Traditlonsllnle des deutschen Sportbetriebs bot dazu genügend Anknüpfungspunkte. Der Ideologie des Faschismus kam die massenlntegratlve Wirkung des Sports als Mittel zur Disziplinierung durch den Sport entgegen.

Was den Fußball betrifft, bewirkte die Sportpolitik der NSDAP vor allem zwei Dinge: Das Ende des "wilden" Straßenfußballs und die Schaffung einer Monopolstellung für den DFB. Straßen- oder Thekenmannschaften, die sich außerhalb jeder Kontrolle bewegten und damit auch In der Lage waren gesellschaftliche Außenseiter zu Integrieren, stellten für den fa­schistischen Staat eine Bedrohung dar. Ähnliches galt übrigens auch für "wild" entstandene Zusammenhänge, wie die "Swingbewegung", die "Edelwelspiraten" oder das gewachsene Eigenleben der Bergarbeiterko­lonien. Vereine hingegen, hatten Satzungen und Vorstände die greifbar waren, und konnten Im Gegensatz zu den frei gebildeten Straßenmann­schaften o.ä. relativ problemlos aufgelöst oder gleichgeschaltet werden.

Nach der Machtübergabe an die Nazis, erfolgte am 28.02.1933 das Ver­bot der kommunistischen KG, am 30.4.1933 das Verbot des sozialdemo­kratischen ASTB. Die Konten worden gesperrt, Funktionäre und Aktive verhaftet, verhört und in KZ verschleppt. So Ernst Grube, Sekretär für Sportarbeit Im ZK der KPD oder der Arbeiterfußballer Fritz Dressier.

Wenig später, 1935, wurden auch die konfessionellen Verbände aufge­löst sofern sie nicht reinkirchlicher Art waren; "insbesondere eine solche politischer, sportlicher und volkssportlicher Art"[73].Die Gleichsetzung von politischer und sportlicher Betätigung dokumentiert die große Bedeutung die das NS-Reglme der Sportbetätigung und -organisation belmaß.

Die Nazis versuchten zu verhindern, daß sich gesellschaftliche Nischen und sei es Im Sport bildeten, In denen unkontrolliert autonom gehandelt werden konnte. Dahinter steckte die Befürchtung, dass sich wie unpoli­tisch er sich auch generen mochte, ein oppositioneller Diskurs entwickel­te. Statt dessen galt es, mittels des Sport eine möglichst große Masse von Menschen in die Politik des Nationalsozialismus einzubinden und diese Zustimmungsfähig zu machen.

Hierzu diente auch der Zwang zur Organisierung in den NS- Körperschaften. 1936 wurde die gesamte Jugenderziehung des "Deut­schen Reichsausschuß für Leibesübungen" (DRA) in die HJ überführt. Zwar durften die Vierzehn- bis Achtzehnjährigen in ihren Vereinen blei­ben, hatten aber Mitglieder der jeweiligen HJ-Gruppe innerhalb des Ver­eins zu sein, wollten sie an Wettkämpfen teilnehmen.[74]

Der DFB blieb weitgehend unbehelligt, er wurde lediglich "gleichgeschal­tet" und bestand als "Fachamt Fußball" innerhalb des DRA weiter. Die ideologische Affinität zum Faschismus war beim DFB bereits vor dem Machtantritt der Nazis offenbar. Hier ist insbesondere die von der DFB- Führung vertretene Ideologie von der Volksgemeinschaft aller Deutschen zu nennen, die soziale Gegensätze und damit verbundene politische Ori­entierungen negierte und sich scheinbar neutral gab.

Während die Organisationsform des Vereins erheblich gestärkt wurde - durch die Unterbindung vereinsloser Aktivitäten - nahm die Zahl der Vereine und der in ihnen aktiven Fußballspieler in den proletarischen Regionen, wie z.B. dem Ruhrgebiet deutlich ab. Durchschnittlich sank die Zahl der Aktiven und der Vereine um die Hälfte bis zu zwei Dritteln. Zum Einen war dafür die rigorose Auflösungs- und Verbotspolltik gegen­über Vereinen der Arbeiterkulturbewegung verantwortlich, zum Anderen aber legt die drastisch abnehmende Zahl proletarischer Fußballspieler, die Vermutung nahe, dass diese sich gegenüber den Machthabern ab­wartend, bis ablehnend verhielten.[75]

Neben der Instrumentalisierung von Arbeitervereinen wie etwa Schalke 04 aus Gelsenkirchen, der von den Nazis ob seiner Erfolge zum Ausweis des deutschen, arischen Fußballs gemacht wurde (und dies auch nahezu Widerstandslos hinnahm) befleißigten sich die Nazis einer gezielten An- werbestrategie gegenüber den Aktiven der ehemaligen Arbeitersportver­eine. Das Werben der Nazis galt auch hier vor allem den Fußballspielern. Hatten diese ehemaligen Arbeitersportler den Übertritt erstmal vollzogen wurden sie in der Regel mit offenen Armen empfangen. Dies entsprach der Strategie der NS-Sportpolltik: Zum einen sollte der Sport, wie schon im DFB bewußt als unpolitische Amateur- und Freizeitbeschäftigung hin­gestellt werden, die nur der Zerstreuung diente, zum Anderen sollte die You'll never walk alone - Gesellschaftliche Entwicklungslinien im Fußball germanische Überlegenheit demonstriert werden. Mit beidem, und dazu brauchte das Regime die Arbeitersportler, sollte die Identifikation der Bevölkerung mit dem faschistischen System, hergestellt werden.

Fußball, zu diesem Zeitpunkt ein Spiel das fest in der proletarischen Kul­tur verwurzelt war (unabhängig ob in "linken" oder In "bürgerlich" ge­führten Vereinen gespielt) und eingebettet in regionale Bezüge vor Ort, mit lokalen "Helden", war als Massenkultur geradezu geeignet, von den Herrschenden für ihre politischen Zwecke instrumentalisiert zu werden.

Das dies nicht immer funktionierte mag Im Zusammenhang mit der An­nexion der Republik Österreich durch das Deutsche Reich veranschau­licht werden. In Österreich war bereits Im Jahr 1924 der Profibetrieb eingeführt worden. Die Fußballspielenden Arbeiter konnten sich daher ganz ihrer neuen Tätigkeit widmen. Eine Folge war, dass bis weit in die 30er Jahre der österreichische Fußball erfolgreicher war als der in Deutschland (immer noch dem Amateurismus verpflichtet) gespielte.

Der letzte Auftritt einer Österreichischen Auswahl am 3. April 1938, kurz vor der Volksabstimmung über den "Anschluß" Österreichs an Nazi­deutschland war als Begegnung "Deutschösterreich : Altreich" angesetzt worden. Die NS-Führung spekulierte auf eine Demonstration nationalso­zialistischer Überlegenheit. Dieses "Anschluß-Spiel" wurde zu einem an­ti-deutsche/ -preussischen Massenmanifestation, so dass sich der Reichssportführer genötigt sah, in der Halbzeit sein Befremden über die­sen eigenartigen "Nationalismus" zu bekunden. Dennoch, das Spiel en­dete 2:0 für die österreichische Auswahl. Dabei blieb es nicht. Es kam in der Folge immer wieder zu anti-deutschen/ -preussischen Krawallen, wenn Begegnungen zwischen Mannschaften der "Ostmark" und dem "Altreich" angesetzt waren. Die heftigsten Auseinandersetzungen fanden statt, während einer Begegnung der Mannschaften Admira Wien : Schal­ke 04 Im November 1940. Der Mannschaftsbus der Schalker wurde de­moliert und sämtliche Reifen des Wagens von Gauleiter Baldur von Schi­rach zerstochen. Diese Auseinandersetzungen waren ein permanentes Ärgernis und provozierten gar einen Notenwechsel Indem Adolf Hitler von von Schi rach forderte, dass "auch in Wien ein Gegensatz zwischen Aitreich-Ostmark-Wien nicht mehr konstruiert werden dürfe."[76]

Ohne diese Auseinandersetzungen zur heroischen Widerstandstat hoch­zustilisieren, zeigen sie doch, dass Massenveranstaltungen wie Fußball sich nicht so organisieren ließen wie die Machthaber dies gerne gehabt hätten.

6 Ein Kapitel für sich: Spielen können - Spielen wollen ?! - Fußballfrauen

Es ist auffällig, In den ersten Kapiteln dieser Arbeit ist im Zusammen­hang mit Fußball Immer nur in der männlichen Form geschrieben wor­den. Dies liegt nicht am Unwillen des Autors, oder dessen Negierung weiblicher Existenz, sondern schlicht und einfach daran, dass Fußball ein eindeutig männlich dominierter Sport ist. So wird er öffentlich darge­stellt, so wird er öffentlich wahrgenommen und so gerlert er sich selbst wenn er seine Geschichte schreibt.

Frauen und Fußball - das ist auch heute noch für weite Teile der fußball­begeisterten, männlichen Bevölkerung ein nicht zu beseitigender Wider­spruch. Die Ansicht, daß Fußball ein reiner Männersport sei führt gleich­zeitig dazu, dass Frauen aktiv wie passiv für völlig inkompetent angese­hen werden, was diesen Sport angeht.

Ob in Film, Fernsehen oder Presse: Frauen werden fast nie zu Ge­sprächsrunden über Sport eingeladen, schon gar nicht über Fußball. Nir­gends ist in der Journaille der Anteil an Frauen so gering wie im Zu­sammenhang mit der Berichterstattung über Fußball. Die Diplom­Sozialwirtin Sabine Töpperwien ist bis heute die einzige Frau die regel­mäßig als Radiokommentatorin des WDR über Fußballspiele der 1. (Männer-)Bundesliga berichten darf. Auch in der künstlerischen Darstel­lung im Rahmen von Filmen oder Fernsehserien, tauchen Frauen im Zu­sammenhang mit Fußball in der Regel als der verliebte Anhang eines Fußballspielers oder eines männlichen Fans auf.[77]

Dabei haben auch Frauen immer auch Fußball gespielt. Ähnlich der Ent­wicklung des Männerfußballs lassen sich auch hier die Anfänge in Eng­land bzw. Schottland finden. So sollen Anfang des 18. Jhd. auf den Hü­geln von Iverness die verheirateten gegen die unverheirateten Frauen von Kaledonien angetreten sein. Zwei Bäume stellten das Tor dar und gespielt wurde mit einer gefüllten Tierblase. Ringsum standen die Män­ner als Zuschauer. Die verheirateten feuerten ihre Frauen an, die Ledi­gen gingen auf Brautschau unter den unverheirateten Spielerinnen.[78]

1863, als der erste Fußballverband der Welt, die FA, gegründet wurde, war organisierter Sport für Frauen in England oder anderswo nur schwach entwickelt und Frauenfußball so gut wie gar nicht verbreitet. Erstmals aus dem Jahre 1884 Ist überliefert, das "Damen" von entspre­chendem gesellschaftlichen Status in Wimbledon spielten. 11 Jahre spä­ter, im Nachgang zur Gründung des ersten Frauen Hockey Verbandes, fand ein Herausforderungsspiel von Fußballerinnen in Crouch End statt. Dieses Spiel zwischen Vertretungen von Nord- : Süd-England endete 7:1. Was die sportliche Spaltung zwischen dem proletarischen Norden und dem Süden Englands, ebenso wie beim Männerfußball widerspiegel­te[79]. Diese Begegnung läßt darauf schließen, dass es schon aktive fuß­ballspielende Frauen gegeben haben muß.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch über ein Frauenfußballspiel in New­castle wird für dieses Jahr berichtet, dass 8000 Zuschauer anlockte.[80] Überhaupt, gab es in Schottland und Im Norden Eng­lands eine Reihe von Wohltätigkeitsspielen die von weiblichen Teams bestritten wor­den. Zu dieser Zeit war es auch noch üb­lich, dass Frauenteams gegen Mannschaf­ten antraten, anders ist die Warnung der FA von 1902 an die Mitgliedsvereine, Spie­le gegen "Damenteams" auszutragen. Mit dieser Entscheidung wurde die Trennung zwischen den Geschlechtern auch im Fußball vollzogen. Män­ner gegen Männer, Frauen gegen Frauen.[81]

Frauenfußball erhielt nur wenig Unterstützung durch den professionellen Männerfußball, der selber von Jahr zu Jahr ansteigenden Zuspruch er­hielt. Er blieb, zumindest bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges, in den Augen der Männer eine amüsierliche Absonderheit.[82]

Nach Einstellung des Liga-Spielbetriebes 1915, der Beschäftigung von immer mehr Frauen in den Kriegsgüterproduzierenden Fabriken und den politischen Kämpfen um Frauenrechte wirkte wie ein Katalysator für die Popularität des Frauenfußballs. Die ersten Versuche den "Munitionsmäd­chen" Sport anzubieten, führten zwar zunächst zu der erstaunenden Feststellung, dass sie gar nicht gewohnt seien sich sportlich zu betäti­gen, zersetzten aber bald vorhandene Ideale von "weiblicher Vornehm­heit" oder "Passivität" Hier taten sich Insbesondere die Frauen hervor, die die harte Realität der Arbeit In den Kriegsfabriken und den Zusam- menhalt unter den Arbeiterinnen kennengelernt hatten. Die Kooperatio­nen von Frauen unterschiedlicher sozialer Herkunft wie sie nun im Zu­sammenhang mit der Kriegsproduktion möglich wurde, scheint den ent­scheidenden Anstoß gegeben haben, im Rahmen von Wohltätigkeitsver­anstaltungen für die diversen männlichen Kriegsopfer, Fußballspiele zu veranstalten.[83]

Die Frauen-Werksteams fanden die Unterstützung ihrer Arbeitgeber, einerseits weil sie eine gute Reklame bildeten, andererseits weil sie mit ihren Wohltätigkeitsspielen die Moral auf der britischen Insel, angesichts des Blutbads im restlichen Europa, stärkten. Besonders hervor tat sich dabei ein Frauenteam die "Dick Kerr's Ladies" die 1917 von Munitions­arbeiterinnen des gleichnamigen Maschinenbauunternehmens gegründet worden war. Dieses Team war die erfolgreichste Formation der Nord-Ost Liga Englands. Alleine 1920 gewannen sie 25 von 30 Begegnungen.[84]

Bei einer internationalen Begegnung gegen ein Frauen-Team aus Frank­reich sahen 61.000 Zuschauer und Zuschauerinnen dieses Team; erst­mals unter Flutlicht. Die allgemeine Begeisterung in England für die Kerr's Ladies ging einher mit dem unaufhaltsam scheinenden Auf­schwung des seit 1919 wieder aufgenommen Spielbetriebes der Männer. In dieser Zeit boomte sowohl der Frauen- als auch der Männerfußball.[85]

Diese Entwicklung sollte jedoch nicht anhalten. Zum Einen verschwand die Kriegsbedingte Begründung von Wohltätigkeitsveranstaltungen, zum Anderen bedrohte der Frauenfußball auf lokaler Ebene den gerade sich wieder erholenden Männerfußball. Dabei war sicher ausschlaggebend, dass für die Fußballspielenden Männer in England damit der Broterwerb verbunden war, während die Frauen noch zu diesem Zeitpunkt als Ama­teure spielten.

Unter dem Vorwand der Mißwirtschaft im Zusammenhang mit einem Wohltätigkeitsspiel, untersagte die FA am 5. Dezember 1921 sämtliche Vereine an, Frauen-Teams keine Ligaplätze mehr zur Verfügung zu stel­len. Dies führte zur ersten Gründung eines eigenen Frauenfußballver­bandes, der am 10. Dezember 1921 gegründeten English Ladies Football Association (ELFA). Allerdings fehlte es diesem Verband an der man- gelnden organisatorischen Basis und Unterstützung, so dass mit Ende des Jahres 1922 der Frauenfußball ein jähes Ende fand.[86]

Der zweite Weltkrieg verursachte unter ähnlichen Bedingung wie wäh­rend des ersten, wieder ein kurzes Aufleben des englischen Frauenfuß­balls, als jedoch die FA kurz nach dem Sieg über Deutschland, 1946 ihr Verbot von 1921 aufrecht erhielt, schwanden die Perspektiven für einen dauerhaften Aufschwung des Frauenfußballs. Zwar gab es auf lokaler Ebene immer wieder Anstrengungen von Frauen Fußball zu spielen, wie sich an den Platzverboten der regionalen FA's in England ablesen läßt, es sollte aber bis 1966 dauern, dass Frauenfußball wieder zunahm. Be­zeichnenderweise war es die Fußballweltmeisterschaft 1966 (England wurde Weltmeister) in deren Rahmen im Fernsehen ein neues Konzept gefahren wurde. Es gab spezielle Sendungen für weibliche Fans, in de­nen Regeln und sonstige Unwägbarkeiten des Fußballspiels erklärt wor­den. Für Männer gab es solche Sendungen nicht, man(n) ging ohnehin davon aus, dass diese die Regeln kannten.[87] Ein weiterer den Frauen­fußball forcierender Punkt war die aufkommende neue Frauenbewegung die in den 60er Jahren Frauen ermunterte auch sogenannte männliche Sportarten zu betreiben.

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Der neue Enthusiasmus führte 1969 zur Gründung des zweiten Frauenfußballver­bandes, der Womens Football Association (WFA) mit einem Mann (!) als Schriftfüh­rer. Die Gründung eines eigenen Verban­des war notwendig, da die FA ihr Verbot aufrecht erhielt. Dies verhinderte aber nicht den Anstieg der Frauenvereine in der WFA auf 182 binnen drei Jahren. Es sollte bis Mitte der 80er Jahre dau­ern bis die WFA in die FA integriert wurde.[88]

Ähnlich wie in England begann mit dem 1. Weltkrieg und mit den an­schließenden politischen und sozialen Veränderung eine Welle von sport­lichen Aktivitäten von Frauen in bisher für männlich gehaltenen Sportar­ten.[89]

Doch die Zeit zwischen 1919 bis 1933 reichte nicht aus, eigene Struktu­ren zu schaffen und Frauenfußball wirklich zu etablieren. Mit Beginn der NS-Herrschaft, wurde Frauenfußball, ebenso wie die Beteiligung von Frauen an anderen "Kampfertüchtigenden" Männersportarten, verbo­ten.[90]

Ähnlich wie in England 1966 führte die gewonnene Fußball­Weltmeisterschaft der deutschen Auswahl 1954 zu einem zunehmenden Interesse von Frauen an dieser Sportart. Hatten sich schon vorher "wil­de" Frauen-Teams auf Privatinitiative gegründet, führte die Weltmeister­schaft zu einem Sprunghaften Anstieg. Dies nötigte 1955 die zuständi­gen Gremien des DFB die Anerkennung der Fußball spielende Frauen zu diskutieren. Das Resultat dieser Diskussion war ein Verbot an die ange­schlossenen Verbände, Frauenfußballmannschaften zu gründen. Als Be­gründung wurde angeführt, dass man(n) vermelden wolle, dass mit der Zuschaustellung weiblicher Spieler als Show für Männer, Geld verdient werde.[91]

Aber auch hier widersetzten sich die Frauen. Sie behielten Ihre Zusam­menhänge und spielten auf der Straße, auf Bolzplätzen und In privaten Teams. In den 60er Jahren führte dies zur ersten Diskussion einen eige­nen Verband zu gründen. Reglonalverbände existierten bereits in Süd- und Westdeutschland. Obwohl der DFB Immer noch nicht bereit war, Frauenfußball In seinen Mitgliedsverbänden zuzulassen, bildeten in den 60er Jahren die Landesverbände des DFB bereits Schledsrlchterlnnen aus. Dies passte zum vorherrschenden gesellschaftlichen Bild, das Frau­en in dienenden Funktionen anerkannt waren.[92]

Faktisch ließ sich aber die Entwicklung des Frauenfußballs nicht mehr aufhalten. Wichtige Impulse kamen aus dem Ausland. Vor allem in Dä­nemark, den Niederlanden und In der CSSR setzte sich Frauenfußball durch. Der Fußballclub Sparta Prag gründete 1968 (!) seine erste offi­zielle Frauenfußballmannschaft - also In einem bereits bestehenden Ver- ein.[93]

Die Entwicklung führte in Deutschland (In der damaligen DDR etwas frü­her) am 30. Oktober 1970 dazu, dass der DFB das Verbot des Frauen­fußballs aufhob, die Mitgliedschaft der expliziten Frauenvereine Im DFB zuließ und die Einrichtung und Organisation eines regulären Wettkampf­betriebes den Landesverbänden unterstellte. Allerdings dauerte es bis in die 90er Jahre, dass auch die Spielregeln angeglichen worden. Die Spiel­zeit dauerte bis dahin 2 x 40, statt der bei Männern vorgeschriebenen 2 x 45 Minuten. In Puncto Professlonallslerung gibt es diese Angleichung allerdings noch nicht. Dass Frauen Fußball auch Berufsmäßig ausüben könnten, steht derzeit beim DFB noch nicht zur Debatte. Sämtliche Akti­ven Spielerinnen sind "Vertragspielerinnen", ein System, dass der DFB Im Männerfußball bereits in den 60ern aufgeben hat, was bedeutet, dass die Spielerinnen tagsüber Ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.[94] Da die gesellschaftliche Rollenzuwelsung, was die Erfüllung von Hausarbeit angeht Immer noch diese den Frauen zuschreibt, bedeutet der Amateur­status eine besondere Benachteiligung gegenüber den Fußballsplelenden Männern.

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In der Geschichte des Frauenfuß­balls lassen sich ähnliche Entwick­lungslinien wie bei der Entwicklung des Männerfußballs ablesen. Sofern Frauen Fußball spielten, respektive spielen konnten, dies zeigt die Ent­wicklung in England, standen Insbe­sondere Frauen aus den proletarisch geprägten Gegenden an der Spitze der Entwicklung Im Zusammenhang mit wachsender Popularität. Auch die Dominanz von Frauenteams aus dem Industriellen Norden Englands, in der Geschichte des englischen Frauenfußballs folgt offensichtlich den gleichen Entwicklungslinien wie dem des Männerfußballs. Jedenfalls für die Zeit nach 1895.

Die Verbreitung des Fußballs unter dem männlichen Proletariat war eine Aneignung des verbürgerlichten Volkssplels, ähnlich die anfängliche Entwicklung des Frauenfußballs. Sie war die kulturelle Aneignung eines vermännlichten Sports. Dennoch ist Festzustellen, dass dem Frauenfuß­ball offenbar nicht die gleiche massenkulturelle Erfolgsgeschlchte ver­gönnt war, wie Ihn Fußball bei den Männern erlebte.

Unabhängig von der sonstigen Klassenzugehörigkeit, galt, wohl nicht nur in England, dass Frauen weitestgehend vom öffentlichen Leben ausge­schlossen waren und Ihre Funktion sich auf die Erfüllung von (Re- )produktlonsaufgaben für die in der Öffentlichkeit befindlichen Männer zu beschränken hatte. Sei es in aristokratischen und bürgerlichen Krel- sen in der Organisation selbiger[95], oder innerhalb des Proletariats in der eigenständigen Ausführung.

Damit einher ging, ein durch männliche Wissenschaftler vermitteltes Bild, dass sportliche Aktivitäten von Frauen als unnatürlich und gesund­heitlich gefährlich darstellte. Anstrengende Wettkämpfe, Insbesondere während des Heranwachsens und der Menstruationsperlode, zögen wich­tige Energien von lebenswichtigen Organen ab, führten den Frauen Schäden zu und gefährdeten damit das Überleben der Menschheit als solches.[96] Verbunden mit dieser "wissenschaftlichen" Unterstützung, war die Familienideologie Bestandteil eines patriacharlischen Systems, das untrennbar mit Vorstellungen von Geschlechtsidentitäten und sexuellen Sitten verknüpft war. Dies führte zu Ansichten bezüglich der Körperlich­keit des Sports von Frauen in der Öffentlichkeit geäußert, die diesen wegen der vermeintlichen zur Schau Stellung des weiblichen Körpers in die Nähe der Prostitution rückten.[97] Was eher einiges über das Frauen­bild der sie betrachtenden Männer aussagt.

Frauen wurde Natürlichkeit unterstellt und Im Gegensatz zum kulturell aktiven Mann, als etwas betrachtet, dass Mann in Besitz nehmen konn­te. Wesentliche Aufgabe war die Produktion der nicht verkäuflichen, also nicht marktvermittelbaren Güter und die Produktion von Kindern.

Wie bei allen anderen Erscheinungen und Praxen der Geschlechterver­hältnisse, findet sich auch in der Auseinandersetzung um Frauenfußball, eine quer zu allen anderen gesellschaftlichen Verhältnissen liegende Gemeinsamkeit. Diese hauptsächliche Gemeinsamkeit liegt in der ge­schlechtsspezifischen Arbeitsteilung und ihren damit verbundenen Zu­weisungen, wie Öffentlichkeit vs. Privatheit, Kultur vs. Natur, Kampf vs. Pflege usw.[98]

Der Schritt von Frauen sich männlich dominierte Kultur anzueignen, stößt dabei auf heftigen Widerstand und ist wenn überhaupt zunächst nur duldsam wenn er sich Im Rahmen der allgemein (männlichen) Zu­ordnungen bewegt. So Ist zu erklären, dass die ersten Fußballspielenden Frauen dies im Rahmen von Wohltätigkeit "daheim" für die "draußen" [!] kämpfenden Männer taten, und bis heute bis auf wenige Aus­nahmen eine Professionalisie- rung von Frauenfußball durch die aktiven Spielerinnen nicht ernsthaft diskutiert wird.

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Andererseits ist der gleiche Schritt im Rahmen dieser Aus­einandersetzung um kulturelle Aneignung, ein erstes Anzei­chen für sich wandelnde gesell­schaftliche Verhältnisse, ähn­lich dem des Übergangs vom bäuerlichen Volksspiel zur An­eignung und Verregelung durch das aufstrebende Bürgertum und der nachfolgenden Aneignung von Fußball durch das männliche Proletariat.

7 Reclaim the game II - Kommerzialisierung des Fußballs und der Kultur­kampf von Fans - Wer holt sich welches Spiel zu­rück?

7.1 Der neue Blick aufs Spielfeld - 53 cm in der Diagonale, Fuß­ball wird zum individuellen Fernsehereignis

Den größten Zuschauerandrang in den Stadien gab es wohl nach der Befreiung vom Faschismus und in den 50er Jahren. Wie ehedem war es eine preiswerte Möglichkeit, sich am Wochenende mit Kollegen und Freunden zu treffen und sich ein Spiel anzusehen.[99] Dies betraf Im übri­gen nicht nur die höchsten Splelklassen, sondern auch die Fußballbe­gegnungen auf regionaler Ebene. 3.000 Zuschauer bei einem Spiel der vierten oder fünften Splelklasse waren zu dem Zeitpunkt keine Selten­heit.[100]

Seit Ende der 50er Jahre hat der Besucherandrang in den Stadien abge­nommen, zumindest was den Besuch der "unteren" Splelklassen betrifft. Aber auch in den oberen Ligen ist ein volles Stadion eher die Ausnahme als die Regel. Dies hat einen wesentlichen Grund, der in der Verbreitung einer technischen Entwicklung liegt, dem Fernsehen.

Das Fernsehen bot die Möglichkeit, sich zu Hause über das Spielgesche­hen zu informieren. Mann mußte nicht mehr auf harten Holzbänken sit­zen oder nahezu zwei Stunden stehen, Regen, Wind und andere Wetter­unbill konnten einem nichts mehr anhaben, mann war zu Hause und erfuhr trotzdem was gespielt wurde.

Gleichzeitig wurde mit dem Fernsehen aber auch ein breiterer Zuschau­erkreis über Fußball informiert. Was andere Teile der Bevölkerung, als die die in ein Stadion gingen in den Zeitungen schnell überlesen hatte, wurde ihnen zunächst Schwarz in Weis, später dann in Farbe gezeigt. Fußball erhöhte durch Fernsehen seinen Bekanntheits- und Be­liebtheisgrad.[101]

Das Ansehen von Fußball Im Fernsehen bedeutete aber auch, auf das gemeinsame Erlebnis kollektiver Stadlonatmosfäre zu verzichten. Der Fernsehzuschauer ist ein individueller Zuschauer. Wie im weiteren noch aufgezeigt werden soll, sieht er auch ganz individuell ein anderes Spiel.

Die objektive der Fernsehkameras sind In dem was sie zeigen können der Individuellen Wahrnehmung des Zuschauers vor Ort weit überlegen. Über Großaufnahmen ist der Zuschauer näher am Geschehen, Zeitlu­penaufnahmen ermöglichen ihm bestimmte Szenen (die die Regie für wichtig hält) nachzuvollziehen. "Da die Aufmerksamkeit der Fensehregie nur den Spielern unmittelbar um den Ball gilt, bleiben dem Fernsehzu­schauer wesentliche Momente des Fußballspiels vorenthalten."[102]

Mit Auftreten der ersten Privatunternehmen die Fernsehen anboten, än­derte sich auch die Berichterstattung über Fußball. Private Fernsehsen­der sind Im Gegensatz zu öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern alleine auf Einnahmen aus Werbung angewiesen. Um sich finanzieren zu kön­nen müssen sie entweder möglichst viel Werbung schalten können, oder die Werbezeit zu einem möglichst hohen Preis verkaufen. Damit diese Fernsehunternehmen ihre Preisvorstellungen realisieren können, brau­chen sie möglichst hohe Einschaltquoten, also Zuschauer die sich ein Spiel oder die entsprechende Berichterstattung ansehen.

Selbst das langweiligste Spiel, wenn es denn das ist über das der Fern­sehsender entschieden hat zu berichten, muß Dynamik erhalten. Dazu dienen Kameraschnitte, Positionswechsel, der Kommentar zum Bild und im Studio des Senders ein buntes Showprogramm rundherum mit Klatsch und Tratsch über die Stars, Manager und Trainer. Fußball wird so vom Sportspiel zur Spielshow gemacht.

Dazu gehört insbesondere auch der Blick auf einzelne Mitglieder der Mannschaften. Durch die schon erwähnte Großbildführung die auf die direkte Umgebung um den Ball konzentriert ist, geraten andere Ereig­nisse in den Hintergrund. Damit fällt aber auch der technische Blick mehr und mehr auf einzelne Spieler, die begleitet durch die entspre­chende Berichterstattung herausgehoben worden und so zu Stars wer­den. Anders als die lokalen Helden des ehedem proletarischen Fußball sind diese neuen Helden, als Stars Teil einer Fernsehshowgemeinde und aus lokalen Zusammenhängen und den Zusammenhängen ihrer Mann­schaft losgelöst, das meint individualisiert.[103] In diesem Zusammenhang ist interessant festzustellen, dass mit der zunehmenden Fernsehbericht­erstattung auch der Fall jeglicher Spielergehaltsgrenzen einherging.

Diese Individualisierungstendenzen beschreibt der Manager des FC Bay­ern München, Uli Hoeneß so: "Bei uns wird inzwischen nur noch darüber diskutiert, wer der beliebteste Spieler von "Bravo-Sport" oder anderen Blättchen ist, Wir müssen die Profis aufs Grundsätzliche zurückführen, sie sollen sich wieder mit Doppelpaß beschäftigen." Der Trainer des SC Freiburg: Die eigentliche Spielldee, Fußball als Mannschaftssport, wird durch seine mediale Inszenierung massiv gestört. Spieler werden zu Gladiatoren hochstlllslert, und damit wird der Blick der Beteiligten auf die Wirklichkeit verstellt."[104]

Diese doppelte Individualisierung, der des Zuschauers und der des Spie­lers führt dazu, dass Fußball von der Komplexität als soziales Ereignis durch das Fernsehen auf "Nur-Fußball" reduziert wird. Denn das der Be­such eines Stadions ist Immer auch, ein gemeinsames Erlebnis mit Freunden und Bekannten, Arbeitskollegen oder Nachbarn. Der Fußball­platz ist ein sozialer Treffpunkt, mit kulturellem Wert (und darüber ver­mittelt auch gesellschaftliche Tellhabe). Diese Bedeutung des sinnlich Faßbaren als Grundelement des Sportpublikums (und der Öffentlichkeit überhaupt) wird well sie im Fernsehfußball fehlt, deutlich. Denn, dieser ist gekennzeichnet durch den vereinzelten Zuschauer und die damit ver­bundene Abtrennung von sozialen (und solidarischen?) Bezügen.[105]

7.2 Das gekaufte Spiel - Fußball als Finanzanlage

Mit Beginn des Zusammenspiels von Fernsehen und Fußball beginnt die marktwirtschaftliche Durchdringung aller Bereiche die nur annähernd mit dem Spiel zu tun haben. Fußball wurde, nicht nur im Fernsehen, zu ei­nem hervorragenden Werbeträger, weil er durch die Herausnahme aus seiner sozialen Verankerung, mittels des Fernsehens, für mehr als nur die Zuschauer in den Stadien stattfand.[106]

Für die zu Wirtschaftsunternehmen gewordenen Vereine, sind die Zu­schauereinnahmen nicht mehr das entscheidende Kriterium. Weitaus wichtiger sind Einnahmen aus dem Verkauf der Fernsehrechte sowie dem sogenannten Merchandising, der Vermarktung des Vereinsnamens, des Emblems oder sonstigen Vereinsidentifikationen die dann auf Tee­tassen, Kugelschreibern, Bettwäsche, Unterhosen oder sonstigen Le­benswichtigen Gegenständen aufgedruckt auftauchen.

So ist erklärlich, dass ein Verein wie der FC Bayern München In der Sai­son 88/89 ¡m Durchschnitt ¡m jeden Spiel lediglich nur 8.000 Zuschauer mehr hatte, als der gerade eben aufgestiegene FC St. Pauli (In dessen Stadion allerdings nur ein Viertel der Plätze vorhanden sind als bei Bay­ern München) und trotzdem der reichste Verein der Liga Ist. In der Sai­son 90/91 kassierte alleine der Verein Bayer Leverkusen beim UEFA-Cup Spiel gegen Kattowltz Rekordeinnahmen von 1,2 Millionen DM, bei nur 8.500 Zuschauern Im Stadion, dank der Einnahmen aus den Übertra­gungsrechten.[107]

Diese Entwicklung verstärkt wiederum dass Ansteigen der Spielergehäl­ter, die Ihren Teil abhaben wollen. Verdienten die Profifußballer Eng­lands, und auch die In anderen Ländern bis In die 60er Jahre, nicht we­sentlich mehr als Facharbeiter, so sind die vom Fernsehen erschaffenen Stars heute Millionäre.

Damit wiederum Ist verbunden, dass sich nur solche Vereine solche Spieler leisten können, die In der wirtschaftlichen Konkurrenz der Fuß­ballvereine am besten abgeschnitten haben. So sammeln sich die "teu­ersten" Spieler die meist auch nicht die schlechtesten sind, bei Vereinen wie dem FC Bayern München. Auf diese Welse entsteht eine gewisse Garantie für sportliche Erfolge, die Immer noch notwendig sind um für die Fernsehberichterstattung Interessant zu sein. War es bisher so, dass Einnahmen, aus den nationalen Fernsehgeldern, gleichmäßig unter die Ligavereine verteilt worden, gibt es nun Entwicklungen, die den wirt­schaftsstärkeren und sportlich erfolgreicheren Vereinen höhere Anteile zuweisen. Die Idee einer eigenen Europaliga, ohne Auf- und Absteiger kommt nicht von ungefähr. Sie würde einem exklusiven Kreis europäi­scher Fußballvereine, die Aufteilung dieser Fernseheinnahmen unter sich ermöglichen. In England warf wegen dieser Entwicklungen der erste Fußballclub In Aldershot, das Handtuch und liquidierte sich selbst.[108]

Nicht nur Im Fernsehen selbst, Ist Werbung die Finanzquelle die über den Kauf der Übertragungsrechte an die Vereine teilweise weitergege­ben wird. Durch die Medlallslerung Ist auch der Sport selbst zum direk­ten Werbeträger geworden. Ob Trikots oder Banden Im Stadion - dies sind hervorragende Werbeflächen die bei Fernsehübertragungen zu se­hen sind. So können die wirtschaftsstarken Vereine, auch direkt mehr Einnahmen aus Werbung requirieren, haben sie doch ob Ihrer Einnah­men, die besten Spieler, spielen auf europäischer Ebene, erhalten mehr Fernsehgelder, werden von viel mehr Menschen gesehen und sind somit breiter In der Streuung der dort gezeigten Werbung.

Andererseits lebt Fußball davon, dass Menschen In ein Stadion kommen und Ihren Verein anfeuern und sozusagen verbal am Spiel teilnehmen. Dies bildet den atmosphärischen Hintergrund und macht auch einen Teil des Reizes von Fußballspielen aus.

7.3 Stehen oder Sitzen - Wer soll Fußball Uve erleben

Die Diskussion um die Abschaffung der Stehplätze gehört seit einigen Jahren schon zum festen Repertoire derjenigen, die Fußball nicht nur als Spiel, sondern als kulturelles Ereignis begreifen. Als ein Ereignis, dass von den Zusehenden nicht nur begleitet, sondern von Ihnen aktiv mitbe­stimmt, wenn nicht sogar dominiert wird.

Die Diskussion wird auf unterschiedlichen Ebenen geführt. Auslöser der Überlegungen, aus den bisher gemischten Steh- und Sitzplatzstadien reine Sitzplatzstadien zu machen, waren gewalttätigen Ausschreitungen In den 80er Jahren und ein angeblich gestiegenes Komfortbedürfnis der Zusehenden. Sitzplatzstadien sollen weniger anfällig fürAusschreltungen sein. Im April 1991 entschied die UEFA, daß ab der Saison 1991/92 nur 70 % der Stehplätze verkauft werden dürfen und In den folgenden Jah­ren jeweils 10% weniger. Darüber hinaus wurde 1993 beschlossen, daß In einer Übergangsregelung bei Spielen mit ,erhöhtem' Risiko noch bis 1997/ 98 Stehplätze zugelassen werden, allerdings nur bis max. 20 % der Gesamtkapazität des Stadions. Ab der Spielzeit 1998/99 soll es In UEFA-Krelsen nur noch Spiele vor sitzenden Zuschauern geben.109

Der DFB, der Im Grunde nur bei Internationalen Spielen an diese Vorgaben gebunden Ist, schloss sich 1991 In seinen Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen' den UEFA- Bestlmmungen an und empfahl den Bundesligavereinen eine schrittweise Umwandlung der Stehplatzränge In Bereiche mit numerierten Einzelsitzen. Restkontingente an Stehplätzen dürften, so der DFB, je nach Begutachtung durch die DFB-Slcherheltskommlsslon erhalten bleiben. „Wir sehen die Zukunft des Stadions darin, daß es umrüstbare Plätze gibt, daß man also Plätze im Stadion schaffen kann, die sowohl als Sitzplätze als auch als Stehplätze verwendet werden Können."110

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Anders als die Funktionäre halten die Fans die Sitzplatzbereiche im Falle einer Panik für wesentlich gefährlicher als die Stehte- rassen. So sei die Katastrophe von Shef­field bei der 1989 95 Menschen ums Leben gekommen waren und die das Fass in der Sicherheitsdiskussion zum Überlaufen brachte, keine Folge angeblicher Gewalt­bereitschaft der Fans, sondern der krimi­nellen Kartenpolitik einiger Schwarzhänd- lei und eines Veisayen dei Ordnungskräfte im Stadion: „Die Behandlung von Men­schen wie brünftige Schweine und ihre Einpferchung in Gitterkäfige war der Grund für die Panik, die dann ausbrach."[111]

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Obwohl der Sicherheitsaspekt in den öf­fentlichen Diskussionen immer im Vorder­grund stand, werfen Kritiker den Funktio­nären vor, in Wahrheit ökonomische Grün­de für die Abschaffung der Stehplätze zu haben und die Hooligans nur zu benutzen, um -"die Umstrukturierung des Klienteis zur optimierten kommerziellen Ausbeutung"112 - zu ver- schieiern: „Der Sicherheitsgedanke ist nur vorgeschoben. Es geht um die Modernisierungs- und Komfortoffensive der Geldsäcke, die den Fuß­ball endgültig und ein für allemal aus seinen traditionellen Bindungen als Unterschichtssport herauslösen wollen, um ihn in einer Linie mit Tennis und American Football der totalen Vermarktung auszuliefern. Der wilde, leicht angeschickerte, anarchistische Haufen der jugendlichen Fans stört dabei nur. "[113]

„Die neuen Stadien sollen nicht nur sicher sein, sondern auch ein ganz neues Publikum anziehen - und störende Teile des alten ausschließen. Auf den modernen Sitzplatztribünen sollen Familien in freundlicher Pick­nickatmosphäre ihren freien Tag verbringen. In verglasten Luxuskabinen sollen sich auch die wohl fühlen, denen der proletarische Geruch des Fußballs bisher unangenehm in der Nase stach. [...] Der ehemalige Sport der Arbeiter möchte sich heute seine Zuschauer aussuchen und endlich in die Luxuslogen aufsteigen."[114]

Dietrich Schulze-Marmeling ergänzt: „Gesucht wird somit ein neues Publikum, das mehr Geld und ein anderes Milieu in die Stadien bringt."[115] Kritiker dieser Entwicklung ziehen Parallelen zu den USA. Das Zielpublikum sei die Mittelschicht, andere Bevölkerungsschichten könn­ten sich die teuren Karten für die Sitzplätze kaum noch leisten.

Aus welchen Gründen die ,Versitzplatzung' (so nennen die kritischen Fans den Abbau der Stehplätze in ihren Fanzines) von den Verantwortli­chen nun auch immer verfolgt wird, das Ergebnis bleibt das gleiche: Al­lein schon aus finanziellen Gründen werden reine Sitzplatzstadien ein ganz anderes Publikum anziehen. Denn eine Sitzplatzkarte ist in Deutschland der Regel nicht unter 25 Mark zu haben. Für eine gute Sitz­platzkarte muß sogar das doppelte bis dreifache bezahlt werden. In Eng­land, wo die Stadien bereits komplett ,versitzplatzt' sind, kostet der bil­ligste Sitzplatz in allen Stadien 35 Mark. Für Arbeitslose, Sozialhilfeemp­fänger, Jugendliche oder andere ökonomisch schwach gestellte Gesell­schaftsmitglieder wird damit eine Barriere aufgebaut. Sie können sich die teureren Eintrittskarten oft nicht leisten und bleiben so von der Teil­habe am Fußball ausgesperrt. Fußball, der traditionelle Arbeitersport des 20. Jahrhunderts, schließt damit sein ursprüngliches Zuschauerklientel vom Stadionerlebnis aus, wie auch der ,Millerntor Roar!' feststellt: „Wenn, wie überall geplant, die Stadien der Zukunft in schicke noble Einkaufszentren eingebettet werden sollen, wo Mami und Papi aus der Mittelschicht vor und nach dem Spiel noch ordentlich Geld ausgeben und ihren Cappucino schlürfen können, sind Unterschicht-Kids, die maximal das Geld für die Eintrittskarte und eine Dose Bier überhaben, eben fehl am Platz. Sitzplätze werden die sich einfach nicht mehr leisten können. Auch so versucht der DFB, die Leute auszugrenzen und loszuwerden. "[116]

Die betroffenen Vereine stehen der Diskussion zwiespältig gegenüber. Einerseits bedeuten mehr Sitzplätze höhere Einnahmen für sie, gerade auch bei Europapokalspielen, wo erfahrungsgemäß die Nachfrage nach Sitzplätzen bedeutend höher ist als die nach Stehplätzen. ,,Den Spielre­geln der liberalen Marktwirtschaft ausgesetzt, benötigen sie (die Verei­ne, d. V) immer mehr Einnahmequellen, um im Fußballkapitalismus ü­berleben und konkurrieren zu können. Mit dem traditionellen Zuschau- ermilieu läßt sich heute keine Profimannschaft mehr finanzieren."[117] Ein gutes Beispiel für diesen Zusammenhang schildert ein Teilnehmer eines Fanzine-Kongresses: ,,Leverkusen baut ja jetzt diese neue Tribüne [...j.Da kommen hauptsächlich so VIP-Boxen rein und ein paar Sitzplät­ze. Und da hat dann Calmund (der Manager von Bayer Leverkusen, d. V) gesagt, so eine Tribüne kostet 20 Millionen Mark, und die ist nur frei finanzierbar, wenn man da Logen reinbaut, d.h., wenn Bayer Leverkusen ohne Unterstützung der Stadt eine solche Tribüne baut, müssen die sie so anlegen, daß da ein McDonalds reinkommt, daß da VIP-Boxen rein­kommen usw.. Wenn das eine Stehplatztribüne oder selbst wenn es nur eine ganz normale Sitzplatztribüne wäre, wäre es für den Verein nicht refinanzierbar."[118]

Andererseits wissen die Vereine genau, daß die fußballspezifische At- mosfäre von den Stehrängen kommt. Hier kommt der dritte und wahr­scheinlich wichtigste Aspekt noch vor der Diskussion um die Sicherheit und die Finanzen ins Spiel: Die Erhaltung einer spezifischen Stehplatz­Fankultur. Wie weiter oben beschrieben, ist die Fankurve ein Ort, an dem die Fans sich selbst erfahren können, ihre eigene Erlebniswelt in­szenieren: „Wir bestehen auf Interaktion mit dem, was auf dem Rasen vor sich geht, geben uns eben nicht damit zufrieden ein Fußballspiel nur zu SEHEN, wie vor der Glotze, sondern wollen es zelebrieren mit einer eigenen selbst-gegebenen und überaus wichtigen Funktion im kulturel­len Gesamtereignis. Das geht nur stehend! Schließlich spielen die Jungs aufdem Rasen ja auch nicht TippKick, sondern Fußball."[119]

Die Stehplatzkultur erfüllt eine wichtige soziale und kommunikative Funktion:

„Die Stehterasse ermöglicht die Nähe zum Spielgeschehen genauso wie die Nähe zum Nachbarn, sie ermöglicht es, kollektive Freude oder kol­lektives Leid zu empfinden. Im Gegensatz zum Sitzplatz, der oftmals wie ein Automatismus die passive Konsumentenhaltung züchtet, erlebt man hier noch das Gefühl des authentischen Dabeiseins. Hier und nur hier bekommen die Fans noch das Gefühl, ein Teil des Geschehens auf dem Rasen selbst zu sein.,,120

Fußball Diese Aussage wird noch deutlicher, wenn man sich vor Augen hält, daß es auf den Sitzplatzrängen schwierig wird, sich mit einer größeren Grup­pen spontan zusammenzufinden.

„Freunde/Familien, Gruppen etc. können sich nicht mehr länger spontan im Stadion finden und dort zusammen stehen. Nun müssen sie sich vor­her absprechen und ihre Tickets all zur gleichen Zeit kaufen. Das Resul­tat ist daß viele Leute nicht mehr zusammen mit ihren Bekannten zum Fußball gehen, speziell dann nicht, wenn einige von ihnen Dauerkarten­besitzer sind und andere nicht. Für die meisten Menschen ist es ein sozi­ales Ereignis zum Fußball zu gehen. Reine Sitzplatzstadien haben viel davon zerstört. "[121]

„Der Stehplatz gibt den Fans die Freiheit, die sie suchen. Sie können nach Freunden Ausschau halten und ohne Platzkarte mit ihnen zusam­menstehen. Nur so wird Fußball zum Gemeinschaftserlebnis. Man braucht eben Platz für seine Gefühle. Wer mitsiegt und mitverliert, muß sich auch mitbewegen dürfen. "[122]

Das Spiel auf den Stehterrassen, stammt aus der Zeit, in der Fußball noch eindeutig ein Element proletarischer Massenkultur war, als Arbeit und Freizeit eng verbunden und der Stadionbesuch oft die einzige Frei­zeitveranstaltung war, die von den der arbeitenden Klasse Angehörigen besucht werden konnte.[123]

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Die Sitzplatzbesucher verhalten sich in der Regel sehr passiv: die Möglichkeiten der Unterstützung für Sitzplatzbesucher auch eingeschränkt. Denn z.B. das Schwenken von Fahnen würde auf einem Sitzplatz so­fort Protest hervorrufen. Auch lautstarke Fangesänge wird man in auf den Sitzplät­zen so gut wie nie hören. Schließlich findet man auf den Sitzplätzen nicht annähernd so viele Zuschauer, die sich mit dem Ver­ein und dem Geschehen auf dem Rasen identifizieren wie auf den Stehplätzen. Der Zuschauertypus ,krltlscher Konsument', der sich unterhalten lassen will, herrscht hier eindeutig vor, was sich zwangsläufig auf die Stimmung nlederschla- gen muß. Die englische Fan-Gewerkschaft FSA beschreibt vor diesem Hintergrund ihre Erfahrungen mit der ,Sitzplatzkultur': „Tore können im Sitzen nicht gebührend gefeiert werden. Es ist ja jetzt schon so, daß, wenn Leute, die aufstehen, weil irgendwas Aufregendes passiert, dies dazu führt, daß andere ,Hinsetzen' rufen. Die Vereine versuchen, die Leute daran zu hindern zu stehen und haben sich selbst ermächtigt, Leute zu verhaften oder des Stadions zu verweisen, und das lediglich deshalb, weil sie aufgestanden sind!!"[124]

Eine derartige Atmosfäre ist ein Element der vom Staat und seinen loya­len Verbänden, hier der DFB, vermittelten Kultur, ein repressives In­strument zur Schaffung konformen Verhaltens. Die sich auf den Steh­rängen entwickelnde kulturopposltlonelle Provinz außerhalb der Instituti­onalisierten Räume Ist dagegen eine soziale Nische, die wie alle schwer kontrollierbaren Bewegungen schnell der Mißachtung und Stigmatisie­rung unterliegt. Die Vernichtung der Stehränge als Raum für diese Be­wegung, passt sich ein, in die Modernisierung genannte Umformung der Gesellschaft, deren einzelne Mitglieder vollständig individualisiert, ab­seits von kollektiven Handeln, agieren sollen. Diese Individualisierungs­prozesse, die in Folge kommerzieller Interessen, die Zerstörung traditio­neller Wohnviertel und Nachbarschaftsbeziehung, die Aufhebung solida­rischer Arbeitsbeziehungen etc., herbeiführen, machen auch vor Mas­sensportveranstaltungen, wie dem Fußball nicht halt.[125] Mehr noch es scheint, dass sie hier durchaus ihren Ausgangspunkt genommen haben.

Ganz ohne Gegenwehr wollten die kritischen Fans die Entwicklung zu reinen Sitzplatzstadien nicht hinnehmen. Sie sammelten Unterschriften gegen die ,Versitzplatzung' und demonstrierten in zwei aufsehenerre­genden Aktionen am 30. November 1994 vor der DFB-Zentrale in Frank­furt (200 Fans aus 23 Vereinen nahmen teil) und am 29. September 1995, wo sich anläßlich der Auslosung einer Europapokalrunde 50 Fans vor dem UEFA-Sltz in Genf eingefunden hatten. Aber auch diese Aktio­nen konnten bisher den Stehplatzabbau nicht bremsen.

7.4 Hass oder Spaß - Reaktionen auf - und Aktionen gegen kulturelle Enteignung

Fußballfans standen schon im Mittelpunkt vieler Untersuchungen. Eine regelrechte Welle der Veröffentlichungen begann Mitte der 70er Jahre.

Das plötzliche Interesse der Wissenschaftler hatte einen einfachen Grund: Anfang der 70er Jahre nahmen die Gewalttätigkeiten unter den Fußballfans Immer mehr zu, und sowohl die Gesellschaft als auch die Politiker verlangten nach Patentrezepten, um der ausufernden Gewalt Herr(!) zu werden. Fast 20 Jahre lang nahm man Fußballfans Immer nur Im negativen Fokus der Gewalt- und Aggressionsdebatte wahr. Das ver­wundert nicht vor dem Hintergrund der gerade In den 70er und 80er Jahren verstärkt von den Medien In die Öffentlichkeit getragenen Berich­te über Ausschreitungen gewalttätiger Fans bei Fußballspielen. Nachfol­gend soll der Versuch unternommen werden, einen Erklärungsansatz für diese Gewalttätigkeiten zu finden.

Durch den, weiter vorn bereits dargestellten, lebensgeschichtliche Zu­sammenhang von Zuschauern, Vereinen und Spielern war es für das Publikum nicht notwendig, Vereinsembleme als symbolischen Ersatz für Verbundenheit zu nutzen, denn der Anhänger war noch kein ,Fan' und der Spieler noch kein ,Star'. Das änderte sich In der weiteren Entwick­lung des Fußballsports. Der erste Schritt Im Prozeß der Professlonallsle- rung und Kommerzialisierung war die Herausbildung vieler Clubs als städtische Repräsentationsvereine (besonders seit Einführung der Bun­desliga 1963). Damit war vielerorts die direkte Verbindung zwischen den Zuschauern und ,lhren' Stadtteilvereinen gekappt. Auch der Spielertypus änderte sich. Der ,Kumpel von nebenan' wich dem ,Profl', der sich als eine Art Söldner bei den Clubs verdingte, die am meisten zahlten.[126]

„Mit den Vereinen haben sich auch die Zuschauer geändert. Während der Spieler früher Repräsentant war, verknüpft mit dem Ortsteil, dessen Verein er angehörte, eingebunden in das Geflecht von Freunden und Bekannten, Nachbarn und Arbeitskollegen, ist der Spieler neuen Typus, der Profi, seinem Publikum als ,Star' im Alltagsleben entrückt. So wie zum Spieler als Repräsentant eines Ortsteiles der Ortsteilbewohner als Anhänger gehörte, so muß auch der zum Star avancierte, mobile Profi­spieler auf seiten der Zuschauer sein Gegenstück hervorbringen: den ,Fan'. [...] Der Showcharakter des Profifußballs bringt einen Zuschauer­typ hervor, der mehr und mehr zum wählerischen Konsumenten wird."[127]

Die sozialen Bezüge zu den Spielern sind verlorengegangen, die Zu­schauer stehen nicht mehr bedingungslos hinter Ihrer Mannschaft, die Identifikation bröckelt. „Die Mannschaft, die das Viertel repräsentiert, deren Spieler man kennt und zuweilen (und sei's nur an der Theke) trifft, hat kaum etwas mit der zusammengekauften Profitruppe aus Spie­lern zu tun, die man mit einigem Glück noch gerade, bevor sie in ihren Porsche, Mercedes, Maserati steigen, zum Autogrammgeben er­wischt. "[128]

Diese Entwicklung gipfelte in der Entstehung des ,krltlschen Kunden'. Einen Gegenpol zum kritischen Kunden oder Konsumenten bildet der in Gruppen auftretende (jugendliche,) fußballzentrierte Fan. Er identifiziert sich voll mit seinem Verein, feuert die Spieler lautstark an und begleitet seinen Club zu allen Spielen.

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß die kommerzielle Ausrich­tung des Fußballs zu einer Erweiterung des Interessentenkreises, zu einer Massenattraktivität führte, die auf die Unterhaltungsindustrie ab­gestimmt wurde. Der Fußball wurde, aus seiner engen sozialen Veranke­rung herausgerissen.

Kernpunkt der These ist der Zusammenhang der Entwicklung des Fuß­balls zur Show und der Gewalt auf den Rängen. Diese Theorie hat einen klassentheoretischen Einschlag und zielt besonders auf die (jugendliche) Arbeitersubkultur. Nach Horakl Reiten Stocker stellte der Fußball zumin- destens bis in die 50er Jahre das traditionell bedeutendste Freizeitver­gnügen für einen Großteil der Arbeiter und der Arbeiterjugend dar. Hier­zu trug einerseits die Nähe des Fußballspiels zu kulturellen Orientierun­gen der Arbeiterklasse bei sowie andererseits die Möglichkeit, sich im Stadion als Gemeinschaft zu erfahren und einen identitäts- und erfah­rungsstiftenden Zusammenhang aufbauen zu können. Im Zuge der Ver­änderungen im Fußballgeschäft und der sich wandelnden Lebensbedin­gungen verlor sich dieser Zusammenhang zunehmend.

Auch die Lebensbedingungen der Arbeiter veränderten sich. Die traditio­nellen Nachbarschaftsbeziehungen wurden zerstört, es kam zu einer Annäherung der Lebensweise von Arbeiter- und Mittelschicht.[129] Die Fol­ge: „Mit den sozialen Milieus löste sich auch das lokale Klassenbewußt­sein auf, welches für die wechselseitige Verpflichtung von Anhängern und Fußballvereinen bedeutsam war. Die Modernisierung der proletari­schen Lebenszusammenhänge beinhaltete für die Arbeiterjugendlichen besondere Probleme, da sie in der Auseinandersetzung mit den objekti­ven Lebensverhältnissen in ihren Orientierungs- und Identitätsprozessen soziale Leitbilder verloren hatten und teilweise aufgrund ihres ökonomi­schen Status die Versprechen der Konsumideologie nicht nachvollziehen konnten. "[130]

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Das Stadion bot sich nun für die Jugendlichen als naheliegendes Aktions­feld an, da sie über die Unterstützungsrituale eine Gemeinschaft bilden konnten. Je mehr sich der Fußball zum Showgeschäft entwickelte, desto mehr rückte der kritische Kunde in den Vordergrund. Der Fan in seiner traditionellen Anhängerrolle und mit seinen auffälligen Soziallsierungsri- tualen geriet zunehmend ins Abseits. Er versuchte, sich immer mehr von den anderen Zuschauergruppen abzugren­zen. Dabei wurden besonders männliche und proletarische Werte wie Kraft, Härte, Ehre und Stolz hervorgehoben. Aber nicht nur gegenüber den anderen Stadionbesu­chern, sondern gerade auch gegenüber den gegnerischen Fans galt es, das angestamm­te Territorium zu behaupten, weshalb es bei Begegnungen mit rivalisierenden Fans auch öfter zu gewalttätigen Auseinandersetzun­gen kam. Gerade im englischsprachigen Raum ist diese These in vielen Variationen, die sich zum Teil nur in Nuancen unter­scheiden, unter Sportsoziologinnen weit verbreitet.[131]

So argumentiert Critcher, daß der Fußball durch bestimmte Maßnahmen, wie Spleler- transfers, Ausbau von Sitzplätzen, Bezah­lung usw. seine subkulturelle Bindung verlo­ren hat. Die Fußballfans lassen seiner Mei­nung nach diese traditionelle Bindung nun wieder aufleben: „Sie gehen nicht ins Sta­dion weil sie einen Anlaß zu einer Rauferei suchen, sondern um die Rolle des Fußballs in der Kultur der Arbeiterklasse wiederzubeleben."[132]

Taylor ist der Meinung, die Zerfallserscheinungen in den typischen Zu­schauersportarten der Arbeiterklasse seien auf den Zersetzungsprozeß dieser Klasse selbst zurückzuführen. Der „hooligan", so führt er aus, fühle sich gegenüber dem Konsumenten als der wahre Anhänger. „Kämpfen und Vandalismus", so Taylor weiter, "ist kein zufälliger Reflex irgendeiner vagen Frustration. Vielmehr kann man die Gewalttätigkeit beim Fußball als eine spezifische Alternative sehen, die durch die Stel­lung, die der Fußball seit Generationen bei der Arbeiterklasse inne hat, hervorgebracht wird. Die Gewalt ist die letzte, verzweifelte Behauptung traditioneller Werte als demokratische Antwort des Kerns einer Fußball­struktur auf die Verbürgerlichung des Spiels. "[133]

Llndner/Breuer ordnen den Fußball als eine Facette In Karl Marx' Klas- sentheone ein, Indem sie feststellen: „Kommerzialisierung, Oligopolisie- rung (damit Ist die Tendenz zu großen, städtischen Repräsentationsver­einen gemeint, d. V.) und Professionalisierung des Fußballsports sind Formen, in denen der Fußball als Element proletarischer Kultur der bür­gerlichen Gesellschaft kulturell angepaßt wird. Die von Marx skizzierte fortschreitende Subsumtion aller Lebensbereiche unters Kapital hat nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine kulturelle Dimension: die spe­zifische kulturelle Zurichtung eines Interessen- und Lebensbereiches, die diesen in Einklang mit den vorherrschenden Denk- und Verhaltenswei­sen bringt. [...] Den Fußballsport hinsichtlich seiner Arbeiterzuschauer hegemonistisch zu vereinnahmen heißt, ihm seine Faszination als Sport zu belassen, ihn aber gleichzeitig seiner kulturellen Wurzeln zu berauben und die mit ihm verknüpften sozialen und kulturellen Dimensionen abzu­schneiden. "[134]

Fußballfans nur unter dem Gesichtspunkt der Gewaltproblematik oder des Hooliganismus zu beschreiben, stellt m.E. ein unzulässige Veren­gung dar. Sie sind Ausfluss von gesellschaftlichen Tendenzen, die In die­ser Arbeit angedeutet wurden. Der Einfluß des Fernsehens und der Wirt­schaft nimmt stetig zu. Die Austragungsmodi werden geändert, auch Regeländerungen stehen ¡ns Haus. Die "Versltzplatzung" verändert die Struktur der Zusehenden.

Vor diesem Hintergrund Ist es Interessant zu beobachten, wie die Fan­szene auf diese massiven Umwälzungen reagiert. Verhält sie sich zu­rückhaltend und abwartend, greift sie regulativ ein oder begrüßt sie die neuen Entwicklungen sogar?

Da es ,den' typischen Fußballfan nicht gibt, reagieren die einzelnen Gruppierungen jeweils unterschiedlich auf die Veränderungen rund um das Fußballspiel. Wann sich die Gruppe der ,neuen', kritischen Fans, um die es hier gehen soll, herausgebildet hat, läßt sich nicht genau nach­welsen. Kritische Fans hat es sicherlich schon Immer gegeben. Der Un­terschied zu der ,neuen' Fanszene besteht allerdings darin, daß sich die­se Fans nicht nur kritisch gegenüber bestimmten Entwicklungen äußern, sondern auch selbst aktiv werden. Mit dem Slogan ,Holt Euch das Spiel zurück' fordern sie Ihre Teilhabe am Fußballspiel ein. Ebenfalls neu ist, daß die Fans sogenannte ,Fanzlnes' herausgeben, In denen sie unver­blümt Ihre Meinung vertreten und die Vereine, Funktionäre oder das Fernsehen kritisieren.

Wie schon bei der Entwicklung des modernen, verregelten Fußballspiels nahm England auch bei der Entstehung einer ,neuen' Generation kriti­scher Fußballfans eine Vorreiterrolle ein. Zwei Ereignisse rüttelten die englischen Fans, deren Zahl bis Mitte der 80er Jahre kontinuierlich zu­rückgegangen war und die sich In einer tiefen Krise befanden, auf. Ob­wohl es sicherlich schon seit längerer Zelt Fußballfans gegeben hatte, die mit der Entwicklung, die der Fußball in den vergangenen Jahrzehn­ten genommen hat, nicht zufrieden waren, können diese zwei Vor­kommnisse als eine Art Initialzündung einer neuen, kritischen Fanbewe­gung begriffen werden: Die Katastrophe Im Brüsseler Heysel-Stadion am 29. Mai und das Drama von Bradford knapp zwei Wochen vorher. Im englischen Bradford verbrannten 57 Zuschauer, als eine veraltete Holz­tribüne, unter der Müll gelagert wurde, durch eine weggeworfene Ziga­rettenkippe In Flammen aufging. In der belgischen Hauptstadt wurden bei Ausschreitungen von Liverpool-Fans 38 Menschen, zumeist Anhänger von Juventus Turin, getötet, als eine Tribünenwand in der baufälligen Arena unter dem Druck englischer Hooligans zusammenbrach. Zwei Zi­tate von englischen Fußballfans verdeutlichen die Stimmungslage, In der sich die britischen Fans nach den beiden Katastrofen befanden: „Als Fußballfan empfand man nach Heysel Schuld, Empörung und Ohnmacht zugleich. Schuld, weil die Katastrophe offensichtlich von Leuten verur­sacht worden war, die sich auch als Fans verstanden. Empörung, auf­grund der Maßnahmen, die als sogenannte Lösung für Heysel eingeführt wurden, vor allem aber Ohnmacht, weil man sich nicht dazu in der Lage fühlte, die künftige Entwicklung des Fußballs positiv zu beeinflussen. Aus dieser Mischung von Gefühlen entstand die Entschlossenheit einiger Fans, sich nicht länger als bloße Objekte behandeln zu lassen."[135]

„Nach der Katastrophe von Heysel und dem Tribünenbrand in Bradford waren wir Fußballfans für die Presse nur Bestien. Wir galten als Schlä­ger, Säufer und Deppen, nur weil wir gerne ein Spiel besuchen. "[136]

Englischen Fans waren sich klar darüber, daß sich etwas ändern mußte. Sie wollten nicht nur erreichen, daß über die Hooligans vernünftiger in der Öffentlichkeit gesprochen wird, sondern auch völlig neue Themen aufarbeiten: Den Rassismus unter den Fans und Funktionären, das Ver­halten zur Polizei, die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen in den Sta­dien und vor allem das Recht der Fans, Einfluß auf die Politik ihrer Ver­eine zu nehmen. Sie wollten sich nicht länger mit der passiven Zuschauerrolle zufrieden geben, sondern selbst Ein­fluss auf die Entwicklung des Fußballs nehmen. Die ,neue' Fanbewegung prägte das Motto: „Reclaim the ga­me!"[137] 1985 wurde in Liverpool die Football Supporters Association (FSA), gegründet. Kleine Gruppen von Fans begannen, Fußball-Fanzines zu veröf­fentlichen.[138]

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Die Fan-Organisation (rund 40 000 Mitglieder) „räumte mit dem gängigen Klischee des passiven, unkritischen, einfältigen Fußballfans auf, der sich widerstandslos auf verregnete Ränge stellt."[139] Die FSA fordert seit Jahren eine Demokratisierung des Spiels, Mit­spracherecht der Fans auf Club-, Ver­bands- und auf UEFA-Ebene, ziviles Verhalten der Polizei, Beseitigung aller Zäune und die Beibehaltung der Stehplätze in den Stadien. Der erste spürbare Erfolg der neuen englischen Fanbewegung war das Zu-Fall- bringen der Gesetzesvorlage über die Einführung von ID-Cards für Fuß­ballfans. Die Vorlage der Thatcher~Regierung sah vor, nur noch Fußball- fans mit maschinenlesbarem Ausweis Einlaß in die Stadien zu gewähren. Auch die Zäune in den Stadien wurden nach und nach abgeschafft. In einem Punkt allerdings verloren die Fans auf ganzer Linie: die meisten Stadien in England sind mittlerweile reine Sitzplatzstadien.

In Deutschland dauerte es bis ende der 80er Jahre, bis sich auch hier ein kritisches Fan-Potential bildete. Sicherlich nicht zufällig hatte die erste kritische deutsche Fanbewegung Ihren Ursprung auf St. Pauli in Hamburg. „Die soziale und politische Struktur des Hamburger Stadtteils und der Charakter des Vereins, Antipode zum großen ,elitären' HSV be­deuteten, daß hier die Chance bestand, ein überdurchschnittlich großes, kritisches Fan-Potential zu mobilisieren."[140] Das allein reichte jedoch noch nicht, es bedurfte parallel zu den Ereignissen in England eines kon­kreten Anlasses, um das schlummernde Fan-Potential zu wecken. Der FC St. Pauli veröffentlichte zu Jahresbeginn 1989 Pläne für einen hypermo­dernen ,Sport-Dome', der anstelle des altehrwürdigen Wilhelm-Koch- Stadions[141] errichtet werden sollte. Das 500- Mllllonenprojekt sollte ne­ben den Spielen des Vereins anderen Sportarten Platz bieten, Squash­Halle und Fitness-Center beheimaten sowie für außersportllche Veran­staltungen zu nutzen sein. Zusammen mit angeschlossenem Hotel und Tiefgarage sollte ein Sport- und Freizeitzentrum entstehen.

Die Fans und die Bewohner des Stadtviertels lehnten das Großprojekt ab, weil der Sportdome trotz angekündigter Stehplätze ein völlig ande­res Publikum angezogen hätte, „und damit die in Deutschland einmalige Fanstruktur des Clubs zerstört. Darüber hinaus hätte sich der Verein in die Hände der Investoren begeben und damit voraussichtlich sämtliche Kontrolle über den Spielbetrieb und die Finanzen verloren."[142] Weitere Folgen wären Verkehrsprobleme, Mietenexplosion, Umbauten und Spe- kulantentum gewesen, da das St. Paul-Areal mit seiner Citynähe zu ei­nem beliebten Zielobjekt der Immobilienmakler geworden wäre.

Der Kampf gegen das Großprojekt rief im Winter 1988/89 eine Bürger­initiative, bestehend aus Fans und Anwohnern, auf den Plan die groß angelegte Protestaktion gegen die Pläne des Vereins startete. Die Ver­einsspitze begrub das Sport-Dome-Projekt schließlich im April 1989.

„Wir gewannen diesen Kampf, und wir erkannten, daß die Fans sehr wohl in der Lage sind, etwas zu verändern, wenn sie es nur versuchen. Das Selbstvertrauen in die eigene Stärke war geboren: wir können et­was bewirken!"[143]

Das war die Initialzündung für eine Bewegung unter den Fans, die das kämpferische Motto der Engländer ,Reclalm the game' ins Deutsche ü­bersetzte und fortan skandierte ,Holt Euch das Spiel zurück'. Ähnlich wie in England wurden auch in der Bundesrepublik die Fan-Magazine (,Fanzines') zu einem wichtigen Eckpfeiler der ,neuen', kritischen Fan­bewegung. Es dauerte allerdings noch ein paar Jahre, bis sich eine ver­einsübergreifende Initiative ähnlich der FSA in England, das Bündnis Antifaschistischer Fußballfans (B.A.F.F) bildete. Der Erfolg in der Anti- Sportdome-Kampagne' gab den St. Pauli-Fans Selbstvertrauen in die eigene Stärke und zeigte ihnen, daß es durchaus möglich ist, auch aus der relativ schwachen Fan-Position Veränderungen herbeizuführen. Aber ähnlich wie in England bedurfte es auch bei den St. Pauli-Fans erst des Bewußtseins, daß solche Veränderungen notwendig sind. Man mußte sieh zuerst über die eigene Position im Fußballsport klar werden, mußte analysieren, welche negativen Tendenzen einem erfüllten ,Fan-sein' im Wege stehen.

An diesem Punkt kann man den ersten Aspekt zur Charakterisierung der ,neuen' Fanszene festmachen: Die Fans neuer Prägung machen sieh Gedanken über ihre eigene Position im Fußball-Business. Die Politik des Vereins, von der die Fans in vielen Fällen direkt betroffen sind, wurde bis dahin meistens kritiklos hingenommen. Auch die ,kritischen Konsu­menten' auf den Sitzplätzen interessieren sich nicht für Dinge, die über das jeweilige Spiel hinausgehen. Sie wollten ein unterhaltsames Match sehen und zufrieden wieder nach Hause gehen. Die dritte Gruppe, die Hooligans, ist in erster Linie an Prügeleien interessiert. Für sie ist es e­her wichtig, wie sich Polizei und Ordner verhalten, der Fußball an sich und die Politik des Vereins interessieren sie wenig.[144]

Die Fans ,neuer' Prägung lassen sich in die drei oben beschrieben Kate­gorien nicht mehr einordnen. Sie haben eine gänzlich andere Philosophie bezüglich ihres ,Fan-sein'. Den Unterschied zu den ,fußballzentrierten Fans' beschreibt St. Paulis Fan-beauftragter Sven Brux so: „Das eine sind rein sportlich interessierte Fans, egal ob auf dem Sitzplatz oder Stehplatz, die ihre Mannschaft kritiklos anhimmeln, für die der Verein alles ist. Für andere Leute ist der Verein auch alles, aber die haben eine Menge Kritik und die sagen: ,Der Verein, das sind wir und nicht der Spieler. Denn der geht irgendwann, dann sind wir Fans aber immer noch da'."[145]

Raphael Kansky, Herausgeber des St. Pauli-Fanzines ,Splltter', ergänzt: „Andere interessieren sich nur für die 90 Minuten, für die ist danach alles vorbei und dann denken die nur an das nächste Fußballspiel."[146] Daraus ergibt sich ein erster Bestandteil zur Charakterisierung der ,neuen' Fanbewegung, die Kritikfähigkeit', die über sportliche Diskussi­onen oder Debatten über Tralnerentlassungen hinausgeht und das Fuß­ballestablishment als ganzes mit einbezieht.

Ein weiterer zentraler Begriff Ist das ,Drumherum'. Er wird von den kriti­schen Fans sehr häufig verwendet, um zu verdeutlichen, daß das eigent­liche Spiel zwar Anlaß und unverzichtbarer Bestandteil Ihres Fan-Lebens Ist, sie Ihm aber nicht die übergeordnete Bedeutung zumessen, wie das z.B. die ,fußballzentrlerten' Fans und die Kritischen Konsumenten' tun. Dieser Prozeß kann auch als Abkehr vom sportlichen Geschehen als zentralem konstitutiven Faktor des Fan-Lebens beschrieben werden. „Das Drumherum ist nicht wichtiger, sondern gleich wichtig. Weil der Besuch eines Fußballspiels oder das Erfahren eines solchen Tags ver­bunden mit einem Spiel, egal ob auswärts oder zu Hause, ist ja nicht auf die 90 Minuten beschränkt. Das fängt ja weit vorher an, entweder mit der Fahrt zur anderen Stadt, oder mit einem Treffen hier vorher im La­den (gemeint Ist der Fanladen des FC St. Pauli , d. V.) oder in irgendei­ner Kneipe mit den Kollegen, hinlatschen, noch mehr Kollegen treffen, Nachbereitung, wieder am Tresen. Das sind 10 bis 12 Stunden und nicht 90 Minuten. Das ist wirklich nur ein Teil davon. Und wenn ein Teil dieser Sachen wegbricht, dann fehlt etwas. Das ganze kann nicht ohne Spiel stattfinden, aber das Spiel macht auch keinen Spaß ohne das Drumher­um. "[147]

„Sportlicher Erfolg ja, aber nicht um jeden Preis. Zum Beispiel, St. Pauli hat die Chance, in den UEFA-Сир zu kommen, aber dafür spielen hier nur noch Arschlöcher, die Eintrittspreise steigen ins Unermeßliche, der Fanladen wird dicht gemacht, die Fanbetreuung wird eingestellt, alles zielt nur noch auf den Erfolg ab. Dann lieber zweite Liga oder Regionalli­ga, wo wir mehr Spaß haben. "[148]

Jürgen Schwier faßt die Einstellung der kritischen Fanbewegung zu die­sem Aspekt zusammen, in dem er feststellt: „Der Stadionbesuch ist für diese Akteure eben nur ein Teil des Gesamterlebnisses, das generell fünf Akte - nämlich Anreise, die Zeit vor Spielbeginn, das Spiel, die anschlie­ßende ,Paadie' und die Rückreise - zu umfassen scheint. "149

Ein fast noch wichtigerer Faktor, der mit dem ,Drumherum' zusammen­hängt und dieses maßgeblich beeinflußt, ist der Zustand bzw. die Ent­wicklung der gesamten Fanszene bzw. -kultur. Die ,neuen' Fußballfans sehen sich nicht Isoliert, sondern als Teil eines Gesamtzusammenhangs, den sie aktiv nach Ihren Interessen Mitgestalten wollen.

„Das Spiel können wir sowieso nicht beeinflussen, oder nur in geringem Maße, wir versuchen dann lieber bei uns in der Fanszene, wo wir was machen können, etwas zu bewegen. Wir gucken uns die Fanszene sehr genau an. [...] Wenn wir sehen, das geht in eine Richtung, die ziemlich ätzend ist, dann wollen wir da irgendwie gegensteuern. Wenn uns das gelingt, haben wir schon einen Teilerfolg, [...j Wir gucken auch, was stehen da für Leute um mich herum, und ich kann keinen Spaß am Fuß­ball haben, wenn da irgendwelche Idioten um mich herum stehen, da kann das Spiel noch so gut sein. Ich kann aber auch eine Menge Spaß am Spiel haben, wenn die Leute um mich herum in Ordnung sind, wenn die Stimmung gut ist, die Atmosphäre gut ist, wenn vor dem Spiel alles o.k. war, nach dem Spiel alles in Ordnung ist. Dann ist für mich der Fußballtag gelungen."[150]

Damit sind drei Hauptelemente der ,neuen' Fanbewegung beschrieben, die zur Charakterisierung ausreichen sollten:

- Die ,neuen' Fans stehen den Entwicklungen ihres Vereins und des allgemeinen Fußballsports kritisch gegenüber.
- Das sportliche Geschehen verliert seine zentrale Stellung. Den ,neuen' Fans ist nicht nur das Spiel wichtig, sondern der gesamte Spieltag, die ,Vor und Nachbereitung' des Matchs, die Atmosphä­re im Stadion.
- Die ,neuen' Fans wollen den Fußballsport und die Fanszene be­einflussen und sie positiv verändern. Sie verstehen sich nicht mehr nur als teilnahmslose Konsumenten, sondern melden sich zu Wort und mischen sich aktiv ein.

Ähnlich charakterisiert auch Dietrich Schulze-Marmellng die neue Fan­bewegung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Was ist ,neu' an der ,neuen' Fanbewegung? Fans beschäftigen sich nicht länger vorwiegend mit sozialarbeiterischen Themen, die sie auf eine Problemgruppe redu­zieren. Sie beharren auf ihrer Unabhängigkeit und verstehen sich nicht mehr nur als Konsumenten. Statt dessen mischen sie sich ein. Fans diskutieren, wie ,ihr' Stadion auszuse­hen hat, die Organisation der Spiele verbessert wer­den kann, aber auch über allgemeinpolitischen The­men wie beispielsweise ,Rassismus'. Dabei machen sie auch vor Nestbeschmutzung nicht halt, sowohl den Verein als auch sich selbst - d.h. die Fans - betreffend."[151]

8 Exkurs 3: Der neue Entwurf des Menschen - Gedanken zum Sportler als technologisches Produkt - abseits vom Fußball

In der Zeit in der Sport im entstehen Begriffen war, als etwas das gere­gelt verlief und nicht in der vormaligen Urwüchsigkeit spielerischen Be­wegungsdranges, am Ausgang des 18. Jhd., begannen die wissenschaft­lichen Fähigkeiten den menschlichen Körper zu entwerten. Im Ausgleich dazu übernahm der Sport die Wiederherstellung eines Wertes des Kör­pers abseits der Notwendigkeit der Produktion. Mit den Mitteln der In- glenlerwlssenschaften sollte auch die Formung des Körpers auf der Grundlage des technischen Fortschrittes angegangen werden. Gleichsam als anachronistische Ersatzhandlung, ein Feld der moderne, ein Feld des unmodern gewordenen Körpers, eine Art Reservat für Männer.

Der Körper der Frauen hatte noch lange nichts vom technischen Fort­schritt zu spüren bekommen, er bedurfte nicht des Sports, er war be­schäftigt mit den täglichen körperlichen Pflichten der Reproduktion.

Der darauf folgende Schritt war die Verzahnung des Sports mit den Sor­gebereichen des Lebens, der Ökonomie, dem Geldverdienen, dem Stre­ben nach sozialer Position, seiner politischen Bedeutung, seiner Wichtig­keit für die Selbstdarstellung der Person und die damit verbundene Ein­nahme eines großen öffentlichen Raumes und Interesses. Sport ist nichts mehr für nebenbei, er ist kein herumtollen mehr, kein Spiel.

Mit dem großen Elfer Im Sporttreiben geht der Anspruch auf gesell­schaftliche Zustimmung einher. Die Ausübung Individueller Leidenschaf­ten Im Sport ist in den Gesellschaftskörper Integriert worden, verankert in die Hierarchie der sozial anerkannten Tätigkeiten. Vor Medialislerung und Kommerzialisierung, vor der "Darstellung" athletisch anmutender und leistungsfähiger Sportskörper, noch in den späten 50ern, stand Sport am Rande der gesellschaftlichen Werte, gleichsam mit denen die Ihn anschauten.

In den gesellschaftlichen Veränderungen in den wir heute stehen, wo alles vermarktbar Ist, well Immer weniger Körper gebraucht werden um Dinge herzustellen und jede und jeder mit jedem unstofflichen "Pro- dukt"(lst nicht schon die Bezeichnung ein Anachronismus?) angeblich als Unternehmer oder Unternehmerin frei von allen Regularien, glücklich (meint wohlhabend) werden können soll, zählt auch der Körper nur wenn er noch verbessert werden kann. Der unverbesserte Mensch, der seinen Körper aus seinen eigenen Funktionen heraus zu Höchstleistun­gen antreibt ist bereits ein Mythos. Der Zwang, mit seinem Körper Im Sport sein Einkommen zu sichern, dass oft nicht gering Ist, führt zur Anwendung von äußerliche Unterstützung. Die Debatten um Doping sind nur ein erstes Anzeichen dafür, wie der technologische "Fortschritt" auf den Körper angewendet werden soll. Der technologische "Fortschritt" der blo- und gentechnologie lässt den menschlichen Entwurf verbesserungs­fähig und würdig erscheinen, auf dass er noch weiter, schneller und hö­her komme. Und was für die sportliche Übertreibung gut ist, kann doch für den einzelnen Menschen hilfreich sein - lautet so die Gedankenkette wenn wir uns wieder einmal staunend sportliche Höchstleistungen in unserem gemütlichen Fernsehsessel angesehen haben um darauffolgend uns schwitzend und keuchend In ein schickes, mit allem Drum und Drann ausgestattetes Fitnessstudlon in einer unserer schönen neuen Städte zu begeben, In der die schönen Körper erfolgreich sind und die Erfolgreichen Reichen schöne Körper haben, um dem eben verkündeten Ideal wenigstens ein Stück näher zu kommen?

9 Fußballkultur: Teilhabe als konsumierendes Pro­dukt oder Widerstand gegen die Entwicklung zum marktfähigen Fußballfan?

Die Entwicklung des Fußballs, ist eng verbunden mit den Entwicklungen der gesamten Gesellschaft. Er folgt diesen Entwicklungslinien, oft genug zeichnen sie sich im Fußball vorher ab. Als kultureller Zusammenhang einer großen Anzahl von Menschen, ist er das kulturelle Feld auf dem gesellschaftliche Auseinandersetzungen sich nachvollziehen lassen.

Der Volksfußball, dem ausnahmslos die unteren Klassen nachgingen, wurde von dem verregelten Spiel des Bürgertums in den Eliteschulen Englands abgelöst. Die industrielle Entwicklung, der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen führte zur erfolgreichen (Rück)eroberung dieses Sports durch die Arbeiterschaft. Dies aber schon in der Form einer Ar­beitsteilung, zwischen denen die Spielten und denen die sich ein Spiel anschauten.

Die weniger rasant verlaufende Entwicklung des Frauenfußball, ließ und lässt einen ersten Hinweis darauf zu, dass Frauen sich in dieser Gesell­schaft einen gleichberechtigten Platz erst noch erkämpfen müssen. Medlallsierung und Kommerzialisierung des Fußballs, nahmen die Auflö­sung sozialer Bezüge und kultureller Zusammenhänge von Menschen vorweg. Das Spiel wurde (wieder) aus seinen proletarischen Zusam­menhängen entfernt und hineingenommen in die gesellschaftliche Hie­rarchie, in der Kultur eine Frage von wirtschaftlicher Stärke ist.

Fußball Ist Kultur. Fußball Ist eine Kultur für Massen. Kultur ist Teil der Möglichkeiten an der Gesellschaft teilzuhaben. Fußball Ist und war eine Möglichkeit der Massen an der Gesellschaft teilzuhaben.

Fußball, ist ein umfassendes Produkt geworden. Nicht nur das Spiel al­leine, zu dem die Zusehenden Eintrittsgelder zahlen, nein alles was mit Fußball zu tun hat, läßt sich vermarkten. Die Ausrüstung, die Kleidung, die Spieler, die Bilder, einfach alles. Auch die Zusehenden können ver­marktet werden, obwohl sie selbst Abnehmer, also Kunden des Produkts Fußball sind. Über ihre Anwesenheit im Stadion, schaffen sie Stimmung, den Hintergrund für ein gelungenes Spiel, je spontaner, je fröhlicher, je lauter, um so besser für die Übertragung in Rundfunk und Fernsehen, für diejenigen die sich das Spiel in Ruhe zu Hause ansehen..

Um in der Form von Fußball an der Gesellschaft teilzuhaben (Im Stadion, sitzend oder stehend oder Individuell zu Hause vor dem Fernsehen), muß Ich dieses Produkt erwerben. Entweder durch Zahlung einer Ein­trittskarte, oder durch Kauf von Produkten die in den Werbepausen wäh­rend der Übertragung angeboten werden und Im Zuge der Verlagerung von Übertragungen auf sogenannte Рау-TV, durch Zahlung der entspre­chenden Abonomentkosten. Hierzu bedarf ich der finanziellen Mittel. Besitze ich diese nicht, bin ich ausgeschlossen. Die derzeltge Entwick­lung Im Fußball läßt darauf schließen, dass nur noch diejenigen über Fußball gesellschaftlich teilhaben können, die diese Mittel besitzen. Und well der Preis gleichzeitig auch die Einschließung in das Gesamtprodukt bedeutet, wird das Kulturangebot so gestaltet, dass nur diejenigen teil­nehmen die dem zu vermittelnden Ereignis wunschgemäß entsprechen.

"Die Fanbewegung muss sich vergegenwärtigen, dass die Sportindustrie, ebenso wie das übrige Entertainment-Business, für den Kapitalismus im Verlauf der 90er Jahre eine existenzielle Bedeutung gewonnen hat, wo­hingegen klassische Industrien an Relevanz verloren haben. Auf der Skala wirtschaftlicher Bedeutsamkeit, an der sich mittlerweile jedes städtische Projekt messen lassen muss, rangieren Profisportunterneh­men gleich hinter Spielcasinos und gigantischen Kongresszentren als Indikator dafür, dass eine Stadt absolut zu allem bereit ist. [...] Stadtre­gierungen vertreiben Randständige aus den Innenstädten, damit diese zu keimfreien Konsumparadiesen werden - all diese Entwicklungen spiegeln sich verschiedene Weise im Fußball wie­der. ”[152]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Umbau der Stadien zu Stätten des Kommerzes und Konsum, ist kein anglo- amerlkanlsches Phänomen. Dort wie hier, trägt diese Entwicklung den Charakter eines Angriffs auf das traditionelle Fußballpubllkum und einer Klassenauseinandersetzung um kulturelle Hegemonie. Den Marktregeln des Kapitalismus unterworfen, benötigen die Fußballclubs Immer höhere Einnahmen um Konkurrenzfähig zu bleiben. Mit dem traditionellen Zu­schauergruppen, läßt sich heute keine Profimannschaft mehr finanzie­ren. Den neollberalen Ideologen, konnte diese Entwicklung nur recht sein, denn gerade in den Sportstätten des Fußballs kann die Eroberung und Auflösung relativ autonomer Reservate proletarischer Milieus und Gegenkultur erprobt und allseits sichtbar, angegangen werden. Fußball­stadien als proletarische "no go areas" sollen ebenso verschwinden, wie solidarische und kollektive Zusammenhänge in der Arbeitswelt und In den Wohnquatieren. Was bleibt, sind marginallsierte und als folkloristi­sche Beigabe geduldete Reste dieser Kulturellen Zusammenhänge in eingezäunten Sonderbereichen der Stadien.

Die mit der ungeheuren Medlallsierung und Kapitalisierung des Fußballs in den 70er Jahren begonnene Modernisierung dieses Sports, geht zu­meist einher mit der elitären Denunzierung und Zurückdrängung des proletarischen zugunsten eines konsumfähigen, also marktfähigen und auf Komfort Anspruch erhebenden Publikums. Gesucht wird ein Publi­kum, das mehr Geld und ein anderes Milieu In die Stadien bringt, was zur Folge haben muss, dass die Stadien der Zukunft multifunktional, In den Händen privater Betreiber statt im Besitz der öffentlichen Hand sind, damit auch der entsprechende Profit erwirtschaftet werden kann. Der Deregulierungsprozess der neoliberalen Neuordnung im Fußball, so zu- mlndestens der Eindruck, ist wohl nicht nur eine nachholende Entwick­lung, er scheint dort eines seiner Ausprobier- und Auftrefffelder gesucht und gefunden zu haben.

In diesem Zusammenhang stellt sich heute die Frage danach, wie die "kritischen Fans" mit dem darin eingeschlossen Widerspruch umgehen. Denn nichts, so scheint es, hindert daran, einem Fußballverein ein soge­nanntes Underdog-Image zu geben oder zu belassen, in dem gerade die kritischen Fans, Ihre Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe sehen können, solange dieses Image vermarktungsfähig ist. Richtet sich die Kritik der kritischen Fans gegen die Kommerzialisierung von Fußball ge­nerell, oder nur gegen eine bestimmte Art der Kommerzialisierung? Ü­bernehmen die kritischen Fans ein solches Image auch für sich selber und reproduzieren damit ehrenamtlich die Vermarktungsstrategie des Vereins? Wie verhalten sich die kritischen Fans zu den Auswirkungen gegenüber den Städten und kulturellen Zusammenhängen in denen sie selbst und andere Menschen leben?

Profitiert das Fußballgeschäft von den kritischen Fans, in der Weise, dass die Vermarkter dieses Sports die kritischen Tendenzen für sich nutzen? Können und wollen diese kritischen Fans dazu übergehen, die Verände­rungen im Fußball Im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklun­gen zu analysieren und daraus nicht nur im Fußball Widerständlgkeit ableiten?

Anhang

I. Quellen- und Literaturverzeichnis

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II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III. Bildnachweise

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei den verwendeten Bildern handelt es sich teilweise um Ausschnitte der in den oben genannten Fundstellen abgedruckten Bilder.

[...]


[1] Im Rahmen dieser Arbeit geht es vorrangig um Fußball, als die bestimmende Sportart in Europa. Einige Ergebnisse dieser Arbeit sind aber sicherlich auch auf andere Breiten- und Massensportarten übertragbar.

[2] Ein Ausspruch der dem Präsidenten des FC Bayern München und Vizepräsidenten des DFB, Franz Beckenbauer, auch „Kaiser Franz" genannt, häufiger über die Lippen kommt und hier entliehen wurde um die Spannung der Leserinnen vor dem eigentlichen Beginn dieser Arbeit zu erhöhen.

[3] Galeano, Wuppertal, 1998, S. 34

[4] ebenda S. 34 - 37, Pöttinger, Wiesbaden 1989, S. 75; Eichberg, Stuttgart 1978, S. 91, Fechtig, Dortmund, 1995, S.ll

[5] Galeano, Wuppertal, 1998, S. 35

[6] Zit. n. Aschenbeck, Kassel, 1998, S. 10

[7] Eichberg, Stuttgart 1978, S. 91

[8] Pöttinger, Wiesbaden 1989, S. 50;

[9] Galeano, a.a.O., Schulze-Marmeling, Göttingen, 1995 S.15

[10] Hortleder, Frankfurt/M, 1974

[11] Schulze-Marmeling, Göttingen, 1995, S. 16

[12] Dunning in Hopf, Bensheim, 1979

[13] ebenda

[14] Schulze-Marmeling, Göttingen, 1995 S.17

[15] Weinberg in Lienen u.a., Reinbek, 1985

[16] Schulze-Marmeling, Göttingen, 1995, S. 18

[17] ebenda, S. 19

[18] Aschenbeck, Kassel, 1998, S. 11, Schulze-Marmeling, a.a.O. S. 20

[19] Aschenbeck, a.a.O.; Schulze-Marmelinq, a.a.O. S. 21,

[20] Dunning in Hopf a.a.O.

[21] Schulze-Marmeling, a.a.O.

[22] Lindner, Berlin, 1983

[23] Elias/Dunning, London, 1971

[24] Schulze-Marmeling, a.a.O. S. 22 * eigentlich: Das Spiel zurückfordern; aber durchaus auch doppeldeutig: "reclaim" im Sinne von Zivilisieren, urbar machen

[25] ebenda; Aschenbeck, a.a.O. S. 12

[26] ebenda

[27] Schulze-Marmeling, a.a.O. S. 24

[28] ebenda

[29] Wheeler in Ritter, Königstein/Ts., 1979

[30] Schulze-Marmelinq, a.a.O. S. 24 ff.; Aschenbeck, a.a.O. S. 13, Pöttinger, a.a.O. S. 50 ff.

[31] Aschenbeck, a.a.O. S. 13

[32] Schulze-Marmeling, Göttingen, 1997, S. 13

[33] Lindner/Breuer, Frankfurt/M, 1987

[34] Lindner, Frankfurt/M, 1980, S. 11

[35] Aschenbeck a.a.O., S. 14, Schulze-Marmeling, a.a.O., S. 67

[36] Horak in Drakowsky u.a., Hamburg 1995, S. 22, Schulze-Marmeling, a.a.O., S. 68 ff.

[37] Hopf, Bensheim, 1979

[38] Schulze-Marmeling, a.a.O., S. 69

[39] ebenda

[40] ebenda, S. 70; Aschenbeck, a.a.O. S.14

[41] Schulze-Marmeling, a.a.O., S. 73

[42] Eisenberg, Frankfurt/M, 1994

[43] Horak in Drakowsky u.a., Hamburg 1995, S. 23, Schulze-Marmeling, a.a.O., S. 72 f.

[44] ebenda,

[45] So bekannte Clubs, wie Aston Villa, Everton FC, Queens Park Rangers oder Celtic Glas­gow, gehen auf kirchliche Initiativen zurück.

[46] Schulze-Marmeling, a.a.O., S. 29

[47] Ritter, Köniqsstein, 1979

[48] Baumer, München/Leipziq, 1930; Gehrmann, Essen, 1988

[49] Krockow, München, 1980

[50] Dunning/Sheard in Hopf, Bensheim, 1979

[51] Zit, n. Krüger, 1988

[52] Schulze-Marmeling, a.a.O., S. 35

[53] ebenda, S. 47

[54] Ueberhorst, Zit. n. Schulze-Marmeling, Göttingen, 1995, S. 53

[55] Zit. n. Krüger, a.a.O.

[56] Zit, n. Lindner, a.a.O.

[57] Schulze-Marmeling, a.a.O. S. 55

[58] Critcher zit. n. Horak in Draqowski, Hamburg, 1995, S. 24

[59] Horak in Dragowski, a.a.O.

[60] Lindner/Breuer, a.a.O.

[61] Zit. n. Schulze-Marmeling, a.a.O., S. 93

[62] ebenda_____________________________

[63] ebenda, S. 94

[64] Zit. n. ebenda. S. 95

[65] Zit. n. ebenda, S. 96

[66] ebenda. S. 96

[67] ebenda, S. 100

[68] ebenda, S. 101 f.

[69] Dunning/Sheard in Hopf a.a.O.

[70] Gehrmann. a.a.O.

[71] Gehrmann, a.a.O.

[72] Fromm, Stuttgart, 1980

[73] Zit, n. Schulze-Marmelinq, a.a.O. S. 111

[74] Lindner/Breuer, a.a.O.

[75] Gehrmann, a.a.O.

[76] Zit, n. M. Oberländer, Wien, 1980

[77] Pöhland, Göttingen, 1997

[78] Fechtiq, Dortmund, 1995, S. 11

[79] Fechtig, a.a.O., S. 13; Williams/Woodhouse in Dragowski, Hamburg, 1995, S. 31

[80] Williamson, Devon, 1991, S. 4

[81] Williams/Woodhouse in Dragowski, Hamburg, 1995, S. 34

[82] ebenda

[83] ebenda, S. 35; Fechtig, S. 15

[84] Williams/Woodhouse, S. 36

[85] Williamson, a.a.O.

[86] Williams/Woodhouse, S. 38

[87] ebenda S. 40

[88] ebenda S. 42 ff.

[89] Pfister, 1980, S. 35

[90] ebenda, S. 68

[91] Fechtig, S. 25

[92] Fechtig, S. 29

[93] ebenda

[94] ebenda S. 42 f.

[95] In den herrschenden Klassen verfügte man(n) über genügend Vermögen sich zumindest eine Haushälterin leisten zu können.

[96] Williams/Woodhouse, a.a.O. S. 32

[97] ebenda; Diese Argumentation läßt sich noch 1955 bei der erwähnten Entscheidung des DFB zum Frauenfußball zwischen den Zeilen finden.

[98] HauQQ, Hamburg-Berlin, 1995

[99] Maarschik, Wien

[100] Schulze-Marmeling, a. a. O. S. 144

[101] Aschenbeck, a.a.O. S. 19

[102] Vandenheede, S. 25

[103] Aschenbeck, S. 26

[104] Beide zit. n. Aschenbeck, S.26, Knauf in Dragowski, S. 53

[105] Aschenbeck, S. 22, Mikos, S. 20, Lindner, 1980, S.ll

[106] Aschenbeck, S. 47, Schulze-Marmelinq, S. 112

[107] Schulze-Marmeling, S. 157 ff.

[108] Aschenbeck S. 47 ff., Schulze-Marmelinq, S. 159

[109] Aschenbeck, S. 142

[110] Koordinationsstelle Fan-Projekte bei der Deutschen Sportjugend (Hrsg.): Doppelpaß: Fans-Interessen-Fußballstadien, Frankfurt 1995 S. 28

[111] Millerntor Roar! Nr. 1, S. 18

[112] Weber Klüver, Karin: Unselige Verknüpfung; in Hattrick Nr. 8/96, S.39

[113] Millerntor Roar!, a.a.O.

[114] Biermann, Theater der Träume,; in Sports 10/91

[115] Schulze-Marmeling, 1992, S.233

[116] Millerntor Roar a.a.O.

[117] Schulze-Marmeling, 1992, S. 233

[118] Zit.n. Aschenbeck, 1998, S. 145

[119] Millerntor Roar! a.a.O.

[120] Lüttmer, 1995, S.64

[121] Übersteiger, Nr. 17, S. 6

[122] Biermann, 1991

[123] Lüttmer, a.a.O. S. 63

[124] Übersteiger, a.a.O.

[125] Lüttmer, a.a.O.

[126] Aschenbeck, 1998, S.102

[127] Lindner, 1980, S. 15 f.

[128] Lindner/Breuer: Der Fußballspieler als Repräsentant der lokalen Arbeiterklasse; in Hopf 1979, S. 142

[129] Horak/Reiter/Stocker: So nah, so fern, 1998, S.94

[130] Franke u.a. 1989, S. 60

[131] Guttman 81, Critcher 79, Clarke 78, Taylor 75

[132] Critcher, Der Fußballfan in: Hopf 79, S. 156

[133] Taylor: vom Fußball besessen, in Hammerich/Heinemann, 1975, 255 f.

[134] Lindner/Breuer: Fußball als Show, in: Hopf 1979, S. 165

[135] Ticher, M.: Heysel, Hillsborough und die Folgen. Die Fanbewegung in Großbritannien; in: Schulze-Marmeling 1995, S.213 f.

[136] Wuhrer, P: Es ist halb fünf und wir liegen 2:0 zurück; in: Diskus Nr.2/1990, S.30.

[137] Ticher 1995, S.214

[138] Aschenbeck, S. 128

[139] Wuhrer 1990, S.31.

[140] Schulze-Marmeling 1995, S.21.

[141] Dieses Stadion wurde auf Betreiben von Fangruppen, im Mai 1999 in "Millerntor-Stadion" umbenannt, wegen der NS-Vergangenheit des bisherigen Namensgebers und ehern. Prä­sidenten des FC St. Pauli

[142] Lüttmer, H.: Sitzen machen. Von getarntem Kommerz und Kultur; in: Schulze-Marmeling 1995, S.67.

[143] Brux, 5.: St. Pauli-Fans gegen Rechts. Chronik einer Bewegung; in: Fußball und Rassis­mus 1994, S.222.

[144] Aschenbeck S. 130

[145] Zit. n. Aschenbeck, S. 131

[146] ebenda

[147] ebenda

[148] ebenda

[149] Schwier, J.: St. Pauli ist längst überall. Fußball, Fans und Fanzines; Jena 1996, S.6

[150] Kansky 1996, S.7 f.

[151] Schulze-Marmelinq 1995, S.23

[152] Marten in FC St. Pauli, Seiten 282 - 284

Details

Seiten
72
Jahr
2000
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v108610
Institution / Hochschule
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (ehem. Hochschule für Wirtschaft und Politik)
Note
1,0
Schlagworte
You´ll Gesellschaftliche Entwicklunglinien Fußball Sozialökonomisches Projektstudium Partizipation Neuordnung Beispiel Stadterneuerung Hamburg“

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Titel: You´ll (n)ever walk alone - Gesellschaftliche Entwicklunglinien im Fußball