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Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. DasMarawi Multi-Purpose HydroProject in Hamdab

3. Ziele von Staudammbauten
3.1. Ziele des neuen Staudamms in Hamdab
3.2. Weitere allgemeine Ziele bei Staudämmen
3.2.1. Vorteile für dort lebende Menschen
3.2.2. Vorteile für Menschen, die nicht dort wohnen

4. Nachteile
4.1. Sozioökonomische und sozioökologische Probleme
4.2. Probleme im Bereich der Landwirtschaft

5. Umsiedlungen
5.1. Geplante Umsiedlung in Hamdab
5.2. Folgen von Umsiedlungen

6. Forderungen
6.1. Forderungen der Bauern in Hamdab bei der Umsiedlung:
6.2. Auf politischer Ebene
6.3. Weitere Forderungen außerhalb Hamdabs

7. Fazit

8. Literatur

1. Einleitung

Staudamm Großprojekte haben immer eine gewaltige Auswirkung auf die örtliche Bevölkerung. Welche dies im Einzelnen sind und in wie weit sie sich auf die dort le­benden Menschen auswirken, soll in folgender Arbeit erörtert werden.

Zu Beginn soll in Abbildung 1 eine grobe Übersicht darüber gegeben werden, was alles verändert wird be­ziehungsweise verändert werden muss, wenn ein neuer Stausee geflutet wird. So wird eine große Menge fruchtbaren Schwemmlandes überflutet, ganze Städte werden umgesiedelt und Straßen müssen teilweise komplett neu gebaut werden. Bei dem hier gezeigten Beispiel handelt es sich um den Sobradinho-Staudamm in Brasilien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vergleich der Situation vor und nach dem Staudammbau (entnom­men: Bernhauser 1981: Zusatzmaterial Overheadfolien)

Der Sobradinho-Staudamm ist eines von vielen Beispielen für ein Staudammgroßprojekt. Generell werden dadurch immer sehr viele Menschen beeinflusst. Wie groß allein die Zahlen der umzusiedelnden Menschen sind, soll nun an einigen Fallbeispielen dargelegt werden. In Brasilien wurden damals 70.000 bis 100.000 Menschen umgesiedelt (vgl. Moser, Pater & Rübel 18: 1985).

Ebenso viele Einwohner mussten in Ägypten bei Bau des Assuan-Staudamms ihren ursprünglichen Wohnort verlassen. Vergleichsweise gering erscheint hierbei die Anzahl von 12.000 bis 16.000 Menschen, die in der Türkei zugunsten des Ilisu-Stau­damms weichen mussten (vgl. Friends ot the earth 2004). Die bisher größte Um­siedlung auf Grund eines Staudamms ist jedoch momentan noch in vollem Gange. Und zwar in China. Dort werden zurzeit 1,1 bis 1,8 Millionen Menschen umgesiedelt, um das so genannte „Drei-Schluchten-Projekt“ am Jangtse zu verwirklichen (vgl. Kennedy 2004).

In diesem Aufsatz allerdings sollen allgemeine Auswirkungen von Staudamm Großpro­jekten dargestellt werden und es wird nur der Anschaulichkeit halber ein bestimmtes Beispiel ge­ben. Das ausgewählte Beispiel ist das „Marawi Multi-Purpose Hydro Project“ in Ham­dab im Sudan.

2. Das Marawi Multi-Purpose Hydro Project in Hamdab

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 2: Über­sichtskarte des Sudan (entnommen Beck 1997: 80)

Dieses Staudammprojekt ist in seinen Ausmaßen mit dem Bau des Assuan Stau­damms zu vergleichen. So sind hier mit ca. 60.000 betroffenen Bauern fast genau so viele betroffen wie in Ägypten. Der dadurch entstandene Flächenverlust ist ebenfalls vergleichbar, wenn auch in Hamdab noch 2.000 ha mehr Bewässerungsland verloren gingen als in Ägypten, wo es 10.000 ha waren. Geographisch einzuordnen ist dieser Staudamm in das so genannte Nilknie zwischen Marawi und Hamdab im Sudan. Dies entspricht der schraffierten Fläche in Abbildung zwei. Hamdab selbst ist ein kleines Dorf, in dem die Bewohner von Bewässerungsgärten und Dattelhainen leben (vgl. Beck 1997: 79).

3. Ziele von Staudammbauten

Beim Bau eines Staudamms gibt es viele Ziele, die verwirklicht werden sollen. Aller­dings werden diese nur teilweise erreicht und nützen auch nur bestimmten Gruppen von Menschen, sodass es auch immer Benachteiligte gibt.

3.1. Ziele des neuen Staudamms in Hamdab

Beim Staudammbau in Hamdab war das primäre Ziel vor allem die Stromerzeugung. Das Nilwasser soll über Turbinen das ganze Jahr hindurch kontrolliert abfließen und hierbei Strom erzeugen. Dies wiederum sollte in Zukunft für Industrieentwicklung in Staudammnähe sor­gen. Außerdem gaben die Staudammplaner auch die Vermei­dung von Hochwasser­schäden und Überflutungen, sowie ein großes Fischereipoten­zial im Stausee als Ziel des Dammbaus an (vgl. Beck 1997: 83).

3.2. Weitere allgemeine Ziele bei Staudämmen

Neben diesen speziell in Hamdab ausgesprochenen Zielen gibt es selbstverständlich noch viele andere Gründe, warum Staudämme gebaut werden. Die Vorteile eines Staudamms lassen sich in welche für dort lebenden Menschen und welche für Men­schen, die außerhalb des Staudammgebiets wohnen unterteilen.

3.2.1. Vorteile für dort lebende Menschen

Die wohl wichtigsten Vorteile für Bauern, die im Bereich des Staudamms wohnen, sind die Sicherung des Wasserbedarfs in Trockenzeiten, die verbesserte Nahrungs­mittelerzeugung durch ausgedehnte Anbaufläche und auch Anbauzeit (vgl. Kohler 1994: 143). Auch die Fläche des Bewässerungsfeldbaus wird dadurch vergrößert. Mithilfe des Damms ist nun ganzjähriger Anbau möglich und das Risiko von Dürren und Überschwemmungen verringert (vgl. Janzen 1990: 34).

Außerdem entsteht durch den Bau eines Staudamms eine bessere Infrastruktur und auch die Trinkwasserversorgung des Gebietes wird optimiert. Diese Maßnahmen bleiben auch nach dem Bau erhalten und nützen so auch im Nachhinein ortsansäs­sigen Bauern.

3.2.2. Vorteile für Menschen, die nicht dort wohnen

Sehr große Vorteile haben aber auch viele Menschen, die nicht dort wohnen. So kann sich mithilfe der Elektrizität in Staudammnähe leichter Industrie entwickeln, die wiederum Arbeitsplätze bringt (vgl. Ibrahim 1984: 241).

Ein weiterer Punkt ist auch das Entstehen von Freizeit- und Erholungsangeboten im Bereich des Staudamms. So werden oft parallel zum Bau eines Staudamms Filme über dessen Entwicklung gezeigt und auch informative Führungen im Gelände des Staudammbaus durchgeführt. Weiter entstehen nach Fertigstellung eines Stau­damms auch zahlreiche Sportmöglichkeiten im Bereich des Stausees. So kann man in diesem schwimmen, surfen, angeln und Wasserski betreiben. Teilweise werden auch im Bereich des Stausees Nationalparks errichtet. Allerdings muss hier noch ergänzt werden, dass Tourismus nicht bei allen Seen möglich ist und auch viele Probleme mit sich bringt. So gelangen auch viel Müll, Viren, Bakterien, Öle und Fette ins Wasser (vgl. Baumann 1984: 89).

4. Nachteile

Neben all diesen bis jetzt benannten Vorteilen, hat ein Staudamm aber auch viele Nachteile. Auch diese lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen. Zum einen gibt es Probleme auf sozioökonomischer, sowie auf sozioökologischer Ebene und zum anderen treten zahlreiche Probleme im Bereich der Landwirtschaft auf.

4.1. Sozioökonomische und sozioökologische Probleme

Eines der bedeutendsten Probleme ist, dass sich die Landesentwicklungspolitik meist nur nach städtischen Eliten richtet. Nicht selten werden die Meinungen der Bauern wenig bis gar nicht beachtet. Oder es wird nur ein Teil der Bauern in die Pla­nung mit einbezogen und zwar der, der für solch ein Projekt ist.

Es wird zum Beispiel meist keinerlei Rücksicht darauf genommen, in welches Umfeld die Menschen umgesiedelt werden. Zerstörte Nachbarschaftseinheiten in Neusied­lungen und auch der Zerfall einer intakten Dorfgemeinschaft interessieren die Planer eines solchen Projektes kaum. Oftmals verlieren die betroffenen Menschen auch ihre Arbeit und finden keinen neuen Job in ihrer neuen Heimat. Eine Folge dessen wie­derum ist, dass diesen Menschen jede Art von Lebens- und Zukunftsperspektive fehlt.

Ein völlig anderer Punkt ist der, dass es auch zahlreiche ökonomische Probleme durch einen Staudammbau gibt. So sinkt durch bauliche Maßnahmen oftmals der Grundwasserspiegel in der Umgebung. Dies wiederum hat zur Folge, dass die Bau­ern tiefere Brunnen benötigen, um an Wasser zu kommen. Für tiefere Brunnen wür­den sie jedoch leistungsfähigere Dieselpumpen brauchen, die sie sich allerdings nicht leisten können. Somit verlieren viele Bauern ihre Lebensgrundlage (vgl. Kohler 1994: 147).

Und auch wenn von vielen Projektplanern auf ein großes Fischereipotenzial im Stau­see hingewiesen wird, so muss man dennoch bedenken, dass dafür im Mündungs- und Unterstrom der Flüsse die Fische fehlen werden und Fischer somit ihre Lebens­grundlage verlieren (vgl. Baumann 1984: 71).

Neben den bereits genannten Problemen gibt es auch gesundheitliche Folgen von Stauseen. So kommt es meist zu einer sehr dichten Besiedlung im Bereich des Stau­sees. Diesen Menschenmengen wiederum sind die dortigen sanitären Einrichtungen, soweit überhaupt vorhanden, nicht gewachsen. Auch fehlt es meist an einer zuver­lässigen Müllentsorgung. Somit ist die Gefahr für das Ausbrechen von Seuchen hier sehr hoch.

Außerdem entsteht erhöhte Infektionsgefahr durch die Tsetsefliege und des Weiteren erhöht sich auch das Risiko von Malaria und Bilharziose. Dies ist darauf zurückzufüh­ren, dass durch den ganzjährigen Anbau und die verstärkte Nutzung von Bewässe­rungskanälen stets mehr Wasser vorhanden ist und somit auch Insekten besser überleben können. Zuvor wurde ihre Populationsdichte immer wieder periodisch von Wasserknappheit ausgedünnt. Der Stausee als stehendes Gewässer bietet des Weiteren auch sehr gute Lebensgrundlagen für Krokodile.

4.2. Probleme im Bereich der Landwirtschaft

Auch im Bereich der Landwirtschaft haben die Bauern mit vielen Problemen zu kämpfen. So lebten sie vor der Umsiedlung meist von Subsistenzlandwirtschaft, Fischfang, Viehzucht und Kleinhandel (vgl. Bernhauser 1981: 28). Dies ist nun oft­mals nach einer Umsiedlung nicht mehr möglich. Zum Beispiel ist eines der größten Probleme vor allem die gesteigerte Bodenversalzung (vgl. Ibrahim 1984: 241). Ne­ben diesem Problem haben die Bauern auch zahlreiche andere Bodenprobleme wie zum Beispiel Humusschwund, Nährstoffverlagerung, Auswaschung, Austrocknung, Bodenerosion. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Nährstoffablage­rungen durch das frühere Ändern des Pegels nun vollkommen entfallen (vgl. Kreditanstalt für Wiederaufbau 1986: 20).

Auch verlieren sie oft durch die Anlegung eines Stausees große Mengen an Sied­lungsplätzen, Anbauflächen sowie Weideflächen (vgl. Janzen 1990: 35). Doch nicht nur Weideflächen gehen verloren, auch zahlreiche Tränkeplätze in flachen Uferberei­chen oder auf Sandbänken können nach der Überflutung nicht mehr genutzt werden. Und, was besonders für die mobilen Viehwirtschafter, die Nomaden und Halbnoma­den relevant ist, ist, dass auf Grund der höheren Führung des Wassers ihr Vieh nun nicht mehr durch die Flüsse waten kann (vgl. Janzen 1990: 34).

5. Umsiedlungen

Am meisten werden die Menschen jedoch vermutlich durch Umsiedlungen beein­trächtigt. Was man unter einer Umsiedlung versteht, soll folgende Definition erklären:

„Generell handelt es sich dabei um die Schaffung von neuen Lebens- und Existenzbedingungen für eine jeweils aus spezifischen Gründen betroffene Bevölkerung in einem für sie neuen Siedlungsgebiet." (Thomi 1981: 23)

Auch bei Umsiedlungen gibt es Befürworter und Gegner. Zu den Befürwortern gehö­ren zum Beispiel landarme Bauern und junge Männer die erst eine Parzelle bekom­men würden, wenn ihr Vater oder älterer Bruder gestorben ist. Auch die Aussicht auf größere Parzellen und damit die Möglichkeit, mit der ganzen Familie zusammen­zule­ben zu können, ist für viele Bauern eine verlockende Aussicht. Oftmals wird diese meist geringe Anzahl von Bauern, die für den Staudamm sind vom Staat als Reprä­sentanten aller Bauern gesehen und damit die Mehrheit jedoch vernachlässigt.

Gegner und gleichzeitig die Mehrheit, sind vor allem ältere Bauern, die sich mühsam eine Altersvorsorge aufgebaut haben, wie beispielsweise einen Dattelhain und die­sen nun aufgeben müssen und dann vor dem Nichts stehen. Oder auch Bauern, die völlig im Dunkeln stehen, da sie kaum informiert werden, sind meist gegen eine Um­sied­lung.

5.1. Geplante Umsiedlung in Hamdab

Im Rahmen der Umsiedlung in Hamdab sollte das Land der Bauern in etwa so um­getauscht werden: Bauern, die vor der Umsiedlung Land hatten, das mit Motorpum­pen bewässert wurde, sollten im neuen Siedlungsgebiet genau das Doppelte davon bekommen. Besaßen die Bauern vorher Land, das regelmäßig vom Nil über­schwemmt wurde, so erhalten sie nun nur noch ein Drittel der Fläche, die sie vorher hatten. Des Weiteren bekamen sie 1 Feddan (0,47 ha) für je 120 Dattelpalmen. Was allerdings mit gepachtetem Land geschehen sollte, war nicht klar (vgl. Beck 1997: 84). Außerdem muss hier noch hinzugefügt werden, dass die Bauern hierbei kaum Mitbestimmungsrecht hatten und die Entscheidungen der Politiker gezwungenerma­ßen hinnehmen mussten. Wohin sie umgesiedelt werden sollten, war nicht erkennt­lich.

5.2. Folgen von Umsiedlungen

Umsiedlungen haben vielfältige Folgen. Zu nennen ist hierbei zum Beispiel das Ein­schleppen von Krankheiten durch Migration in beziehungsweise aus dem Stau­see­gebiet (vgl. Baumann 1984: 62). Eine große Rolle spielen auch die Umstrukturie­run­gen im Leben der umgesiedelten Menschen. So wurde vielen älteren Menschen da­durch ihre Altersvorsorge zerstört, denn statt vor, über Jahre hinweg aufge­zogenen Dattelpalmanlagen, standen sie nun vor dem Nichts. Folgen dessen sind wiederum Verarmung und oftmals auch Kriminalität (vgl. Seiffert 1997: 186). Unter­stützt wird der letzte Punkt noch dadurch, dass sämtliche sozialen und kulturellen Strukturen zerstört werden und sich Konflikte durch das neue erzwungene Zusammen­leben unterschiedliche Menschengruppen bilden. Es wurde auch eine Zunahme von psy­chologischem und physiologischem Stress beobachtet, der sowohl auf den Verlust der Heimat als auch darauf zurückzuführen ist, dass viele durch die Umsiedlung von Selbstständigen zu Lohnarbeitern wurden (vgl. Baumann 1984: 95). Weiter kommt es auf Grund von fehlenden Ausbildungs- und Umschulungskursen zu Arbeitslosig­keit, da oft der frühere Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.

Negative Folgen einer Umsiedlung entstehen auch durch fehlerhafte Planung. So wird oftmals die Zahl der umzusiedelnden Menschen mit Absicht unterschätzt, um die Umsiedlung dann nur mangelhaft zu finanzieren und somit Geld zu sparen. Hierbei lässt sich deutlich feststellen, dass Finanzgeber und Planer nur Interesse am öko­nomischen Erfolg haben und sich nicht für soziale Verträglichkeit ihrer Projekte inte­res­sieren. Auch im Bezug auf Entschädigung lässt sich feststellen, dass Geld hier eine große Rolle spielt. So bekommen Führungspersönlichkeiten meist mehr Ent­schädigung als gewöhnliche Bauern, deren Grundbedürfnisse oftmals nicht mal be­rücksichtigt werden (vgl. Kohlhepp 1998: 434).

Im Bezug auf die Art der Umsiedlung gibt es drei weit verbreitete Modelle. Beim ers­ten Modell sind die umzusiedelnden Personen vollkommen auf sich selbst gestellt und bekommen eine Entschädigung ausgezahlt. Eine andere Art ist die, dass die Durchführung mittels einer Organisation erfolgt, die auch für neue Häuser sorgt. Das dritte Modell ist ein Modell, bei dem die umzusiedelnden Personen minimal vom Staat unterstützt werden und fast komplett auf sich selbst gestellt sind (vgl. Thomi 1981: 42).

6. Forderungen

Die bisherigen Ausführungen haben gezeigt, dass Bauern bei den meisten Stau­dammprojekten starke Nachteile einstecken müssen. Aus diesem Grund soll nun im Folgenden gezeigt werden, was Bauern sich wünschen würden, wenn sie umsiedeln müssen.

6.1. Forderungen der Bauern in Hamdab bei der Umsiedlung:

Speziell in Hamdab hatten die Bauern vor allem den Wunsch, dass ihre Kultur nicht mit fremden Kulturen vermischt wird. Außerdem wollen sie, dass sie in die gleiche Klimazone und in den gleichen Haustyp umgesiedelt werden, aus dem sie auch kommen. Des Weiteren ist es ihnen auch wichtig in ihrem neuen Gebiet die gleichen Früchte anbauen zu können wie in ihrem alten (vgl. Beck 1997: 86).

6.2. Auf politischer Ebene

Allgemein wird vor allem gefordert, dass die Betroffenen klare Informationen vonsei­ten der Politiker erhalten. Bisher war es oft so, dass die Fragen der Bauern nicht be­antwortet wurden und diese somit teilweise nicht einmal wussten, ob sie von dem Staudammbau betroffen sind oder nicht. Falls sie betroffen waren, wussten sie nicht, ob ihr ganzes Gebiet überflutet wird oder ob sie auch einen Teil ihres Gebietes be­halten können. Denn meist wissen sie nicht einmal, wann ihr Gebiet überschwemmt wird und ob sich zum Beispiel der Bau eines neuen Schulhauses überhaupt noch lohnt. Des Weiteren fordern sie, dass sie auch mit in die Planung einbezogen werden und mehr Mitbestimmungsrecht bekommen (vgl. Beck 1997: 87).

In Bezug auf die Landwirtschaft wird vor allem gefordert, dass Staat und Entwick­lungshilfeorganisationen den neuen Rahmenbedingungen angepasste Tränkeein­richtungen errichten und einen Zugang zu Tränkeplätzen am Fluss freihalten (vgl. Janzen 1990: 34). Außerdem wünschen sie, dass gute flussnahe Weidegebiete als Reserveweide für Trockenzeiten erhalten bleiben und Fähren gebaut werden, um mit den Viehherden über den Stausee zu kommen (vgl. Janzen 1990: 36).

6.3. Weitere Forderungen außerhalb Hamdabs

Auch viele Geldgeber haben inzwischen festgestellt, dass bei Umsiedlungsaktionen viele Menschen ungerecht behandelt werden und nur unzureichend entschädigt wer­den. Deshalb fordert zum Beispiel die Weltbank inzwischen bei Umsiedlungsver­fah­ren, dass es umfassendere Pläne gibt als bisher. Und dass es eine Umwandlung von einem wohlfahrtsähnlichen Ansatz hin zu tatsächlicher finanzieller Entschädigung gibt. Ihr Ziel ist es, die Lebensqualität der Umzusiedelnden in den Mittelpunkt zu stellen (vgl. Kohlhepp 1998: 433).

Außerdem wird immer öfter gefordert, dass das neue Siedlungsland genauer geprüft werden muss. Bei den Prüfungen geht es vor allem darum, ob im neuen Siedlungs­gebiet die Qualität des Farmlandes in Ordnung ist, die Wasserversorgung gesi­chert ist, das Gebiet zugänglich ist und auch Schulen, Märkte und öffentliche Latrinen gut zu erreichen sind (vgl. Thomi 1981: 42). Weiter sollen human- und veterinärmedi­zini­sche Kampagnen ein integrierter Bestandteil der ländlichen Regionalentwicklung sein.

7. Fazit

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die meisten Bauern in einem Zwiespalt stehen: Auf der einen Seite haben sie Angst vor Neuem und sind unsicher gegenüber der ungewissen Zukunft. Auf der anderen Seite jedoch steht die Möglichkeit, durch eine Umsiedlung der aktuellen Landknappheit und Armut zu entkommen (vgl. Beck 1997: 85).

Vergleicht man nun aber direkt die Situation der Bauern vor und nach dem Bau eines Stau­damms, so stellt man fest, dass sie kaum Nutzen vom wirtschaftlichen Aufschwung durch einen Staudammbau haben (vgl. Kohlhepp 1998: 435). Umfragen zu Folge, sind die meisten Bewohner mit ihrer neuen Situation unzufrieden, was auch folgende Antworten in einem Interview deutlich zeigen.

Die Bewohner einer Neusiedlung wurden nach einer Umsied­lung befragt, wie sie ihr neues Land einschätzen. Hierbei sollten sie in einer ersten Umfrage positive Standortfaktoren auflisten, wobei man dieses Ergebnis feststellen konnte:

Knapp ein Viertel der Umgesiedelten wusste hierauf keine Antwort, 42,8% sahen nichts Positi­ves im neuen Siedlungsgebiet, 28,6% sahen das soziale Leben als positiv und 4,7% empfanden die Nahrungsmittelversorgung als positiven Standortfaktor. In einer weiteren Umfrage zu den nega­tiven Standortfaktoren sagten 4,8%, dass sie nichts wissen. Wasserversorgung, Transportprobleme und die allgemeinen Lebenskonditionen wurden mit je 23,8% am schlechtesten bewertet, während die allgemeinen Lebens- und Arbeitskonditionen von je 9,5% als negative Standortfaktoren gewertet wurden. Die restlichen 4,8% fal­len unter den Punkt „Sonstige" (vgl. Thomi 1981: 155).

Abschließend kann man feststellen, dass ein Staudammbau zwar viele Vorteile mit sich bringt, jedoch auch jede Menge Menschen dadurch starke Nachteile zu spüren bekommen.

8. Literatur

Baumann, W. & Bayer, H. et al. (Hrsg.) (1984): Ökologische Auswirkungen von Stau­dammvorhaben. Erkenntnisse und Folgerungen für die entwicklungspolitische Zu­sammenarbeit. Köln.

Beck, K. (1997): Wer kennt schon Hamdab? Ein Staudammvorhaben im Sudan. In: Pörtge, K.-H. (Hrsg.): Forschungen im Sudan. Erfurter Geographische Studien 5. Erfurt. S. 79-88.

Bernhauser, J. (1981): Gemeinsam gehen. Bauer Goncalves muss dem Staudamm weichen. Aachen.

Friends ot the earth: Ilisu dam won`t meet international standards.

http://www.foe.co.uk/resource/press_releases/20000907101519.html (14.1.04).

Gruber, G et al. (1981): Umsiedlungsmaßnahmen und geplanter Wandel im Rahmen von Staudammprojekten in der Dritten Welt. Frankfurt am Main.

Hopfinger, H. (1987): Die Erfolgsaussichten des geplanten Staudamm- und Bewäs­serungsgroßprojektes am nordsyrischen Khabour – Dargelegt an einem Fallbeispiel. In: Hütteroth, W.-D. & Becker, H.: Verhandlungen des Deutschen Geographenta­ges 45. Stuttgart. S. 336-345.

Ibrahim, F. (1984): Der Hochstaudamm von Assuan – eine ökologische Katastrophe? In: Geographische Rundschau 36, 5, S. 236-242.

Janzen, J. (1990): Staudämme und großflächiger Bewässerungsfeldbau contra mo­bile Viehwirtschaft? Das Baardheere-Staudammprojekt in Süd-Somalia und mögliche Folgen für die mobile Viehwirtschaft. In: Die Erde 121, 1, S. 25-38.

Kennedy, B.: China's Three Gorges Dam, http://www.cnn.com/SPECIALS /1999/china.50/asian.superpower/three.gorges/ (14.1.04).

Kohler, S. (1994): Der neue Staudamm von Marib (Republik Jemen). In: Geo­graphica Helvetica 49, 4, S. 143-149.

Kohlhepp, G. (1998): Große Staudammprojekte in Brasilien. In: Geographische Rund­schau 50, 7-8, S. 428-436.

Kreditanstalt für Wiederaufbau (1986): Der Assuan-Staudamm und seine Folgen. Frankfurt am Main.

Moser, C., Pater, S. & Rübel, G. (1985): Staudamm gegen das Volk. Ein „Ent­wicklungs(hilfe)projekt“ in Brasilien. Bonn.

Seiffert, B. (1997): „Der Staudamm nützt nur der Regierung – nicht uns!“. Ge­schichte von den Auswirkungen des Lesotho Hochland Wasserbauprojektes. Berlin.

Thomi, W. (1981): Umsiedlungsmaßnahmen und geplanter Wandel im Rahmen von Staudammprojekten in der dritten Welt. Das Beispiel der Siedlungsneugründungen am Volta-Stausee/Ghana. In: Frankfurter Wirtschafts- und Sozialgeographische Schriften 39. Frankfurt.

Details

Seiten
15
Jahr
2003
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v108771
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
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Schlagworte
Staudamm Großprojekte

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Titel: Staudamm Großprojekte