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Graf zu Stolberg, Friedrich Leopold - Genius

Referat / Aufsatz (Schule) 2004 4 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Lyrik in verschiedenen literarischen Epochen

Friedrich Leopold Graf zu Stolberg

„Genius“ 1774

Aufgabe:

Analyse und Interpretation des Gedichts

Bestimmung der epochentypischen Merkmale auch im Vergleich mit anderen Werken aus der Epoche des Sturm und Drang

Das Gedicht „Genius“ von Friedrich Leopold Graf zu Stolberg aus dem Jahr 1774 beschreibt die Kraft der Kunst des Schreibens und dessen Auswirkungen.

Es ist in fünf Strophen unterteilt die jeweils vierzeilig verfasst sind. Das Gedicht gleicht einer Ode, da es wie ein Lobgesang klingt.

In der ersten Strophe wird ein junger Adler beschrieben, der noch im Nest hockt. Seine „schwachen Flügel“ haben noch zu wenig Kraft um zu fliegen, doch trotzdem spürt er die gewaltige „Urkraft“ in sich, während er mit den Flügeln schwingt und die Sonne in sich aufnimmt. Hier sind deutlich viele Inversionen zu erkennen mit der die Wichtigkeit einzelner Strophen hervorgehoben wird. Die Inversion in der dritten Zeile deutet auf die schwachen Flügel des Adlers. Trotz dieser physischen Schwäche fühlt er die Kraft in ihm selbst, die sich später ausbilden soll. Die zeigt, dass trotz einer inneren Schwäche eine andere Stärke schon vorhanden sein kann.

In der zweiten Strophe werden zunächst die Gaben der Natur für den Adler erwähnt. Er erhielt den „Flug und den Sonnendurst“. Doch schon in der zweiten Zeile kommt das Thema auf das lyrische Ich, das zum ersten Mal genannt wird. Auch dessen Gaben werden hier angesprochen. Es sind „Feuer! Durst nach Unsterblichkeit!“. Zusätzlich kann das lyrische Ich fühlen und bewusst immer wieder Neues entdecken, das es dann in Staunen versetzen kann, „welches durch jegliche Nerven zittert“. Diese Gefühle werden in Zeile neun noch stärker durch Metaphern betont. In dieser Strophe werden die Gaben des Tieres und des Menschen durch die Chiasmen in Zeile sieben und acht noch mal deutlich hervorgehoben und stark voneinander abgegrenzt. Gab die Natur dem Adler nur die Kunst zu fliegen und das Verlangen nach der Sonne und dem Himmel, so gab sie dem Menschen, dem Dichter, der hier vom lyrischen Ich verkörpert wird, das Verlangen nach „Unsterblichkeit“, die Kraft und die Gabe Gefühle wie Erregung und Erstaunen zu empfinden.

Die dritte Strophe beschreibt die „Seelen werdender Lieder“. Dies ist eine Metapher. Gemeint sind die Ideen, die den Dichter ´umspülen´, wenn er schreibt, die Ideen wenn die Lieder noch nicht vollendet sind. Die Sprache, die die Gedanken und Gefühle des Dichters wiederspiegelt, wird hier als das „nachahmende Gewand der Sprache“ bezeichnet. Sie legt sich als Hülle und somit als Schutz über die Werke des Dichters. Doch sie hemmt ihn nicht,here im Gegenteil, sie hilft ihm „neue Höhen (zu) finden“. Diese Strophe zeigt die Wirkung der Sprache auf die Kunst. Sie wird hier als Schützend empfunden.

Die vierte Strophe beschreibt noch mal die natürlichen Gaben wie die Kraft für die Begeisterung, die Liebe für das Schöne und das Gefühl für das Wahre. Die Natur lässt ihrer Phantasie freien Lauf, lässt sie immer wieder Neues erfahren das die Kunst des Handwerks zum Beispiel, nie erblicken würde. Die Dichtkunst wird hier zwar auch als eine Art Handwerk betrachtet, doch gemeint ist Dichtkunst als bewusstes Handwerk. Betont werden die Gefühle in dieser Strophe. Gleichfalls wird zwischen zwei Kunstarten differenziert. Die Dichtkunst und die Kunst des Handwerks zum Beispiel. Also einmal die Physische Kunst und einmal die psychische Kunst. Diese Beiden sollen nicht als gleich betrachtet werden, da das Schreiben in der Lage ist höhere Ebenen zu erreichen als ein Handwerker zum Beispiel. Auch der Dichter besitzt, wie der Adler, Flügel. Auch ein Künstler fliegt mit den „Schwingen hoher Begeisterung“. Diese Metapher bestärkt diese Aussage um so mehr.

Die fünfte und letzte Strophe beschreibt, dass Worte den Menschen sehr weit bringen können, selbst an Orte die bis dato keiner gesehen hat. So kann der Leser beziehungsweise der Schreiber den Sternen viel näher kommen. Sprache kann Dinge verändern, sie kann den Ozean verändern, die Nacht erhellen, sowie den „vertrauten Olymp“, der sonst so blendend ist, eindämmen. Die letzte Strophe beschreibt die Kraft der Sprache, sie befreit den Menschen, sie kann alles erreichen und der Mensch mit ihr.

Abschließend kann man sagen, dass dieses Gedicht aussagen will, dass ist man mit der Kraft des Schreibens im Leben vorangetrieben werden kann. Sie kann den Menschen beflügeln, ihm Dinge näher bringen, die er zuvor nie gesehen oder nur aus der Ferne gesehen hat. Sie ist sozusagen die Tür zu der Freiheit. Im Vergleich dazu wird der Adler genannt, der ebenfalls seine Schwingen ausbreiten und fliegen kann. Doch er tut dies unbewusst, es ist seine natürliche Gabe id er jedoch nicht im Mindesten begreifen kann. Auch Menschen können fliegen, sie können ihr Phantasie fliegen lassen. Die Flügel der Sprache sind in der Lage die Menschen an jeden gewünschten Ort zu bringen. Doch das Bewusstsein der Menschen über diese Tatsache ist gespalten. Einige der Menschen sind wie der Adler, sie wissen nicht welche Gaben die Natur ihnen geschenkt hat. Sie sind sich dessen nicht im Mindesten bewusst. Die Anderen jedoch, die das Bewusstsein über ihre Freiheit haben, sind wirklich frei, ihr Leben erscheint dadurch wertvoller. Die Titel des Gedichts ist „Genius“. Hiermit sind meiner Meinung nach zwei Dinge gemeint. Der Mensch, der die Sprache nutzt, der sich über die Freiheit dieser bewusst ist, ist der Genius, das Genie. Er hat die Gabe der Natur erkannt und nutzt sie somit, um sein Bewusstsein zu erweitern und zu schärfen. Doch die Sprache kann ebenfalls das Genie sein. Sie ist genial, weil sie Menschen verzaubert, sie in ihren Bann zieht und Gefühle wie Liebe, Leidenschaft, Hass oder Trauer hervorrufen kann. Sie kann mit den Menschen spielen, ihn bewerten oder sogar manipulieren und betrügen.

Der Begriff Genie ist typisch für die Sturm und Drang Zeit. Das Genie ist eine produktive Kraft, die Taten entstehen lassen kann. Diese Taten haben Folgen die von Dauer sein können. Produktive, fortwirkende Kraft ist die Eigenschaft des Genies. Die Definition des Genies lässt auch auf Goethes Aussagen in „Dichtung und Wahrheit“ zurückführen. Doch hier zählt nicht die Quantität sondern die Qualität der Erzeugnisse.

Goethe schrieb in seinem Gedicht „Prometheus“ aus dem Jahr 1774 über das Genie. Er selbst sagt über diesen Begriff, dass diese Eigenschaften eines Genies ihm ganz allein gehörte und dass er selbständig damit umgehen musste. Seiner Meinung nach war Prometheus, ein Halbgott, ein Genie, denn er schuf die Menschen. Außerdem begründet Goethe seine Aussagen damit, dass Prometheus „ eine ganze Welt von seiner Werkstatt aus bevölkerte“.

Der Begriff des Genius passt auch zu den typischen Merkmalen der Sturm und Drang Zeit. Denn diese Epoche unterstütze das Individuum, das selbstständige Denken und Schaffen. Die Kreativität und die Schaffenskraft des Menschen wurden gefördert und das Recht auf Freiheit und Gleichheit wurden durch die revolutionären Vorgehensweisen der Franzosen hervorgehoben, die Ideen der nahenden französischen Revolution (1789) schwappten nach Deutschland über und steckten die Menschen an. Eine Einheit begann sich zu bilden. Die Einheit der Menschen. Forderungen wurden laut und wurden durch die Literatur unterstütz. Auch in Gedichten und Erzählungen wurde das Individuum an sich angesprochen und aufgefordert sich zu stärken, sch ihrer Individualität bewusst zu werden.

Egal ob politisch oder menschlich, die Zeit des Sturm und Drang war eine Zeit des Umbruchs. Ein Appell an die Menschen, die selbstverschuldete Unmündigkeit nicht länger zu akzeptieren, sie abzulegen.

Details

Seiten
4
Jahr
2004
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v108807
Note
1
Schlagworte
Graf Stolberg Friedrich Leopold Genius

Autor

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Titel: Graf zu Stolberg, Friedrich Leopold - Genius