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Die Organisation eines Gesprächs unter besonderer Berücksichtigung der Partikel, der nonverbalen Kommunikation sowie der Feministischen Linguistik

von Marina Müller (Autor) Martin Flesch (Autor) Victoria Schürer (Autor) Friedhelm Lorig (Autor)

Seminararbeit 2003 70 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsangabe

Einleitung

Grundlagen der Organisation eines Gespräches
Entwicklung und Geschichte des Gesprächs (Victoria Schürer)
Definitionen (Marina Müller)
Was ist Kommunikation?
Was ist ein Gespräch?
Der Sprecherwechsel(Martin Flesch)
Organisationspannen und Reparaturmechanismen (Martin Flesch)
Sprecherrolle /Sprecheraktivität (Friedhelm Lorig)
Hörerrolle / Höreraktivität (Friedhelm Lorig)
Transkriptionsverfahren (Friedhelm Lorig)
Gesprächsanalytische verbale- und nonverbale Aspekte

Die Rolle der Partikel in Bezug auf die Organisation eines Gespräches (Martin Flesch)
Begriffsdefinition
I. Die Bedeutung der Partikel bei der Organisation eines Gesprächs
Partikel im Rahmen einer Gesprächsanalyse
a) Redeleitende Partikel
b) Modal- oder Abtönungspartikeln
II. Feldbusch, Schwarzer und Partikel
Schlussbetrachtung

Die nonverbale Kommunikation im Gespräch (Victoria Schürer)
I. Einleitung
1. Der Blickkontakt
2. Die Mimik
3. Die Gestik
4. Die Körperhaltung
II. Die Bedeutung der Kleidung
III. Die Stimme
1.Versteckte Botschaften
2. Geschwindigkeit und Deutlichkeit
3. Das Lachen
4. Lautäußerungen ohne verbalen Inhalt
5. Stimmen sind Markenzeichen
IV. Die Sprache der Taubblinden
Schlussbetrachtung

Feministisch linguistische Aspekte in der Organisation eines Gesprächs (Marina Müller)
Was ist „Feministische Linguistik“?
Werden Frauen im Gespräch unterdrückt?
Sprecherwechsel
Unterbrechungen
Gesprächsarbeit
Nonverbale Kommunikation

„Body trifft Brain“ – Ein Anwendungsbeispiel (Analyse des Ausschnitts auf Gesprächsorganisatorische Aspekte hin) (Friedhelm Lorig)
Zusammenfassung bis zum Analysebeginn
Analyse
Soziolinguistische Analyse
Gesprächsfortgang nach dem Analyseende

Schlussbemerkung

Anhang
Transkript der „Johannes B. Kerner Show“(Friedhelm Lorig)
Alphabet des Lormens

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Organisation eines Gespräches ist ein alltäglicher Vorgang, der von uns meist nur un­terbewusst wahrgenommen wird. Aus dieser Tatsache heraus verwundert es, dass gerade aufgrund der Komplexität dieses Sachverhaltes, nur verhältnismäßig wenige „Pannen“ ge­schehen.

Daher versuchen wir in unserer Arbeit, das Gefüge der „stummen“ Regeln verständlich darzulegen und dieses unter verschieden Aspekten speziell zu beleuchten. Aus dem ab­schließenden Anwendungsbeispiel (Johannes B. Kerner Show vom 28.Juni 2001) heraus erschien es uns interessant folgende Gesichtspunkte gezielter zu untersuchen: ››Die Rolle der Partikel in Bezug auf die Organisation eines Gesprächs‹‹, ››Die nonverbale Kommuni­kation im Gespräch‹‹ und ››Feministisch linguistische Aspekte in der Organisation eines Gesprächs‹‹.

Zuvor jedoch soll in einer allgemeinen Überblicksdarstellung in das Thema und die daraus resultierende Problematik eingeführt werden.

Zum Abschluss folgt der Versuch der Umsetzung der Theorie in Form eines Analysebei­spiels anhand der Fernsehdiskussion zwischen Verona Feldbusch und Alice Schwarzer in der oben genannten Sendung.

Um die Lesbarkeit der Arbeit zu erleichtern, verzichten wir bewusst auf die jeweils einzelne Nennung der männlichen und weiblichen Formen; es ist bei Verwendung der maskulinen Ausdrucksweise immer auch der feminine Part angesprochen.

An dieser Stelle möchten wir uns beim Team des ZDFs für die kostenlose und schnelle Bereitstellung einer Aufnahme der Sendung bedanken.

Grundlagen der Organisation eines Gespräches

Was ist herrlicher als Gold? fragte

der König. –Das Licht, antwortete

die Schlange. –Was ist erquicklicher

als Licht? fragte jener. –Das

Gespräch, antwortete diese.

Goethe, Das Märchen

Entwicklung und Geschichte des Gesprächs (Victoria Schürer)

„Konversationsanalyse“(Kallmeyer/Schütze 1976); „Linguistik des Dialogs“ (Steger 1976);“Gesprächsanalyse“(Ungeheuer 1974);oder auch die “Diskursanalyse“ (Wunderlich 1976), all diese Begriffe meinen ursprünglich dasselbe.[1]

In der europäischen Dialogforschung wird der „Dialog“ allerdings gegen die „Unter­redung“ und das „Gespräch“ dadurch unterschieden, dass der Begriff „Dialog“ eher das ernsthafte Gespräch meint, über welches bedeutungsvoll zu erörtern ist. Die „Unterredung“ oder „Konversation“ hingegen meint mehr die oberflächliche und unver­bindliche Unterhaltung. Das Wort „Gespräch“ ist hingegen neutraler und aus unserer Sicht auch leichter verständlich. Da Kommunikation im Kern dialogisch ist, d.h. dass mindestens ein Sprecher und Hörer vorhanden sein muss, gehört das Gespräch zum Menschen dazu, genauso wie ein einzelner über seine Sprachfähigkeit mit anderen Menschen in Kontakt tritt. Diesen daraus basierende Dialog erläuterte Wilhelm von Humboldt folgendermaßen: „‚Es liegt aber in dem ursprünglichen Wesen der Sprache ein unabänderlicher Dualismus, und die Möglichkeit des Sprechens selbst wird durch Anrede und Erwiderung bedingt.’(W. von Humboldt 1827). Die Anrede des einen ist somit auf die Erwiderung des anderen hin angelegt, nur im Gespräch erfahren wir voneinander.“[2] „‚Hörender’ und ‚Erwidernder’ ist derjenige, der dem Sprecher, besser: dem Gesprächspartner gegenübergestellt ist. Damit ist auf das Gespräch als ursprünglichste und reichste Form menschlicher Verständigung ver­wiesen. (Priesemann 1965).“[3]

„Schon in der Wortbildung Ge – spräch (vgl. Ge-birge und Ge-wässer) (<mhd. gespraeche < ahd. gisprahhi) ist durch das Präfix ge die Gemeinsamkeit der anredenden und er­widernden Gesprächspartner bezeichnet.“[4] Auch die Philosophie hat verschiedene Aspekte des Gesprächs beschrieben. Die griechische Philosophie ist aus europäischer Sicht in erster Linie in dem von Plato entworfenen Dialogen des Sokrates mit seinen wechselnden Ge­sprächspartnern vorherrschend.[5] Das Gespräch stand also von vornherein im Mittelpunkt der Wissenschaft, auf welche ich im zweiten Teil der hier vorliegenden Einleitung eingehen werde.

Für den forschungsgeschichtlichen Überblick sind für die linguistische Gesprächsanalyse drei Richtungen ausschlaggebend:

1.) in den 60er Jahren entwickelte sich der Zweig der gesprochenen dt. Sprache, der sog. GS-Forschung.
2.) die „conversational analysis“ entstand in den 60ern in den USA.
3.) aus der angelsächsischen Sprachphilosophie stammt die Sprechakttheorie, die Anfang der 70er Jahre immer mehr Gestalt annahm und sich heute zu einem festen Bestandteil der Linguistischen Pragmatik etablierte.[6]

Die ersten Pioniere auf dem Gebiet der gesprochenen Sprache waren Ch. Leska, H. Zim­mermann und H. Rupp im Jahr 1965. Nun wurde das bis dahin Geschriebene immer mehr durch das Gesprochene ersetzt. Um diesen Forschungsaspekt weiter voranzutreiben wurde 1966 unter der Leitung von H. Steger das Forschungsinstitut für „Gesprochene Sprache“ in Freiburg gegründet. Hieraus ging das „sog. Redekonstellationsmodell“ hervor, das sich auf die Theorie von abgegrenzten Redekonstellationstypen im Vergleich zu sprachlichen Texten stützte.[7]

Weitere Fortschritte in der GS-Forschung basierten vor allem auf der amerikanischen „conversational analysis“ und der angelsächsischen Sprechakttheorie.

Die „conversational analysis“ (H. Sacks, E.A. Schegloff, G. Jefferson u.a.) untersucht die immer wieder ablaufenden täglichen Prozesse, vor allem in Alltagsgesprächen. Sinn und Zweck dieser Forschungsrichtung sind die Versuche einer Rekonstruktion der in Ge­sprächen vorhandenen Bedeutungen und Interpretationen. Probleme der Gesprächs­organisation und der Bedeutungen liefern somit wertvolle Einblicke in die linguistische Gesprächsanalyse. Unterschiede zur amerikanischen Konversationsanalyse weist die Sprechakttheorie von J.L. Austin und J.R. Searle u. a. vor. Diese legt mehr Wert auf die Art und die Äußerung, wie der Sprecher dem Hörer etwas vermittelt. Es wird nicht mehr so sehr auf die Interaktionsprozesse in Alltagsgesprächen Wert gelegt, vielmehr auf sprecher­orientierte Kommunikation.

Die Entwicklung in den 70er Jahren verlief immer mehr in die Analyse von ganzen Se­quenzen, also Sprechakten und nicht mehr nur in den einzelnen Sprechakttypen.[8]

Nach diesem Stand der Entwicklung sind Gespräche sprachliche Verhaltensweisen, die es uns ermöglichen, in Rede und Gegenrede mit verschiedenen Kommunikationspartnern zu interagieren.

Definitionen (Marina Müller)

Was ist Kommunikation?

[lat. communicatio ››Mitteilung‹‹] Die Kommunikation wird allgemein als wechselseitige Übermittlung von Nachrichten bzw. Informationen durch Wörter oder andere Symbole zwischen nachrichtenverarbeitenden Systemen oder Organismen, wie Mensch und Tier, verstanden.[9]

„In der nachrichtentechn. bestimmten Theorie-Variante wird dies in einem sogenannten ››Kommunikationsmodell‹‹ beschrieben […]: Eine aus einer ›Quelle‹ (››source‹‹) stammende ›Information‹ oder Nachricht wird von einem ›Sender‹ (››transmitter‹‹) als Signal durch einen ›Kanal‹ (››channel‹‹) an einen ›Empfänger‹ (››receiver‹‹) übermittelt, der das ›Bestimmungs­ziel‹ (››destination‹‹) der Nachricht ist.“[10]

„Im engeren (sprachwiss.) Sinn“[11] geht es um die „zwischenmenschliche Verständigung mittels sprachlicher und nichtsprachlicher Mittel“[12], d.h. verbale und nonverbale Verstän­digung zwischen zwei sozialen oder personalen Systemen (Quelle und Ziel), die sich gegen­seitig beeinflussen.[13]

Was ist ein Gespräch?

Das Gespräch enthält Formen gesprochener Sprache.[14] Das bedeutet, dass eine abwech­selnde Rede unter mehreren Personen stattfindet. Es ist eine Grundform des menschlichen Miteinanders.

Der Begriff des Gespräches wird als Oberbegriff in der Linguistik gesehen von Dialog, Konversation und Diskurs.[15]

Beim Dialog wird eine Erörterung eines Themas vorgenommen.[16] Die Konversation wird allgemein als geselliges, leichtes Gespräch bzw. als Plauderei verstanden. Unter Diskurs versteht man entweder eine methodisch aufgebaute Abhandlung über ein auch wissen­schaftliches Thema oder einen heftigen Wortstreit.[17]

Der Sprecherwechsel(Martin Flesch)

Wenn ich schreibe oder einen Monolog führe, stellt sich mir nicht die Frage, ob ich mich an irgendwelche „Rede-Regeln“ halten muss. Tritt jedoch eine weitere, oder sogar mehrere, Person(en) hinzu, und es kommt, wie meistens, zu einem Gespräch, in welchem möglichst jeder Gesprächsteilnehmer zu Wort kommen und seinen turn (Gesprächsbeitrag) leisten will, so würde es ohne bestimmte Regeln/Richtlinien wohl schnell zu einem verbalen Chaos kommen. Da dieses Chaos aus unserer eigenen Erfahrung heraus meist nicht ein­tritt, müssen irgendwelche Regeln/Richtlinien vorhanden sein. Daher „steht die Frage, wie GesprächsteilnehmerInnen eigentlich reihum zu Wort kommen, ohne dass ein verbales Chaos entsteht, am Anfang gesprächsanalytischer Arbeit.“[18]

Der Sprecherwechsel, das so genannte turn-taking, kann entweder durch Fremd- oder durch Selbstwahl erfolgen. Die Fremdwahl kann implizit oder explizit erfolgen. Das bedeutet: entweder wird einem Gesprächspartner `indirekt´, beispielsweise durch nonverbales Ver­halten des Sprechenden, ein Impuls gegeben das Gespräch fortzuführen, oder er wird direkt dazu aufgefordert („Verona, was bewundern Sie an Frau Schwarzer?“[19] ). Kompli­zierter ist die Selbstwahl, da hier vom Sprechenden das Wort nicht durch Fremdwahl weiter­gegeben wird, sondern im Prinzip jeder das Gespräch fortführen kann. Damit in diesem Fall nicht das oben erwähnte verbale Chaos entsteht, muss sich jeder zunächst ein­mal im Klaren sein, dass auch tatsächlich eine Selbstwahl vorliegt. Es muss also klar sein, dass der vorige Sprecher seinen Beitrag auch wirklich beendet hat und nicht etwa eine Denkpause macht. Auch sollte man sicher sein, dass nicht doch irgend ein implizites Zei­chen Anlass zu einer Fremdwahl gegeben hat. Und drittens sollte man sich mit den übrigen einigen, in welcher Weise auch immer, wer als nächstes das Wort ergreift.

Die Grundregeln eines Gesprächs sind[20]:

1. Es spricht nur immer eine Person! (Parallelsprechen mehrerer Personen ist zu ver­meiden!)
2. Wer nach einem Gesprächsbeitrag zuerst als nächster das Wort ergreift, hat das An­recht auf den Gesprächsbeitrag.
3. Die Regel 2. gilt nicht, wenn aufgrund `älterer Rechte´ der nächste Beitrag schon für jemand aus der Gesprächsrunde reserviert ist.

Diese Regeln funktionieren natürlich bestenfalls in der Theorie. In der Praxis wird immer wieder, absichtlich oder unabsichtlich, gegen diese Regeln verstoßen. So entstehen ver­schiedenste Formen des Sprecherwechsels:

Der `Optimalfall´ ist wohl der Sprecherwechsel mit oder ohne Sprechpause (gap). Hier ist zwischen zwei Gesprächsbeiträgen keine, oder nur eine kurze Pause vorhanden. Hier muss eine intensive Koordination der Gesprächspartner vorliegen, da sonst ein „Überlappen“ (overlap) eintreten würde. In diesem Fall „überlappt“ ein Gesprächsbeitrag den anderen, das heißt, der zweite Sprecher beginnt bereits, obwohl der erste noch gar nicht fertig ist. Partikel sind in diesem Fall ein sinnvolles und gerne verwendetes Instrument, um den In­formationsverlust, der durch gleichzeitiges Sprechen entstehen kann, zu minimieren („ja also,... also, ich meine“). Bis hierher kann man noch von keinem „Versagen der Ge­sprächsmechanismen“[21] sprechen. Kompliziert wird der Fall, tritt beim Sprecherwechsel eine längere Pause, oder sogar ein längeres Schweigen auf. Dies wird meist als unangenehm oder peinlich empfunden. Es kann mangelndes Interesse am Gesprächsthema oder sogar am Gesprächspartner signalisieren. Ähnlich ist der Fall, wenn der Sprecherwechsel durch Unterbrechung ausgelöst wird. In beiden Fällen kann man nicht mehr von einem gap oder von einem overlap sprechen, da die Zeiträume und die Art und Weise der Gesprächs­sicherung die Grenzen des `normalen´ Sprecherwechsels (gap und overlap) überschreiten.

Um dies zu vermeiden, müssen Gesprächsteilnehmer bestimmte Rollen übernehmen: so entscheidet die Sprecherrolle beispielsweise über die Länge des eigenen Gesprächsanteils- diese hängt maßgeblich von der Art der Rede/ des Gesprächs ab. Die Rolle des Hörers beinhaltet als vielleicht wichtigstes Element das so genannte Hörer-Feedback, das dem Sprecher signalisiert, sein Gegenüber ist noch an dem Beitrag interessiert. Fehlt dieses Feed­back, so kann schnell eine Verunsicherung beim Sprecher eintreten, und es entsteht eine unangenehme Pause.

Man kann also gut erkennen , dass nicht nur die Sprecherrolle, sondern auch die Hörerrolle hohe Koordinationsfähigkeit verlangt, um eben unerwünschte Sprecherwechsel, wie zum Beispiel den mit längerer Pause, zu vermeiden. Es scheint daher beruhigend, dass diese Feedbacks meist unabsichtlich oder unterbewusst abgegeben werden.

Organisationspannen und Reparaturmechanismen (Martin Flesch)

Tritt nun eine Organisationspanne, also in gewisser Weise ein `Versagen´ der Gesprächs­mechanismen, auf, gibt es so genannte Reparaturmechanismen.

Der ehemalige Sprecher kann, wenn eine Pause als ein störendes Schweigen empfunden wird, das Gespräch z. B. dadurch reparieren, dass er seinen schon beendeten Gesprächs­beitrag verlängert. Dies kann auf zweierlei Weise geschehen:

1. durch "Nachdoppeln", d. h. Verwendung von Floskeln wie also, eben, ich meine halt, man sollte eben ...
2. durch explizite Fremdwahl des nächsten Sprechers, an den das Wort direkt über­geben wird.

Auch die übrigen Gesprächsteilnehmer können ‚mithelfen’, indem sie „das Schweigen so­zusagen zu einer kollektiven Denkpause umdeuten“[22].

Bei dem Fall der Unterbrechung existieren ebenfalls zwei Möglichkeiten der Reparatur:

1. Der Unterbrecher kann selbst nach kurzer Zeit seine Unterbrechung einstellen und das Wort an den Unterbrochenen zurückgeben.
2. Der Unterbrochene kann, indem er seinen Redebeitrag beispielsweise verkürzt, in jedem Fall aber schnell beendet, so tun, als handle es sich bei der Unterbrechung um einen Sprecherwechsel mit Überlappen.

Im Rahmen der Erläuterung des Sprecherwechsels dürfen natürlich die Bereiche Partikel und nonverbales Verhalten nicht fehlen, doch möchte ich sie an dieser Stelle nicht einbringen, da diese im weiteren Verlauf dieser Arbeit in eigenen Kapiteln behandelt werden.

Zusammenfassend kann wohl gesagt werden, dass der Sprecherwechsel „kein reiner For­malismus“[23] ist, der mit Hilfe der Regeln entweder gelingt oder bei deren Missachtung nicht, sondern dass die Beziehungskonstellationen der Gesprächsteilnehmer mindestens ebenso dazu beitragen. „Unterbrechen kann eine Art von Machtausübung sein; Schweigen kann auf mangelnde gemeinsame Interessen verweisen“[24].

Sprecherrolle /Sprecheraktivität (Friedhelm Lorig)

Wer Sprecher ist, der übt in einem Gespräch in der Regel den aktiven Führungspart aus. Üblicherweise sind die Bedingungen wann jemand Sprecher ist oder werden kann und was die Aufgaben des Sprechers sind klar definiert. Der Sprecher erlangt seinen „Titel“ und damit das Rederecht entweder durch Fremd- oder Selbstwahl. Je nach „Ort, Zeit, Öffent­lichkeitscharakter des Gesprächs, Beziehung der GesprächsteilnehmerInnen, Thema des Gesprächs etc.“[25] kann er dieses Recht länger oder kürzer innehaben. Natürlich haben auch die längsten Rederechte irgendwann ein Ende, und die Sprecherrolle geht an den nächsten Teilnehmer über.

Für den Fall dass der Redner sein Rederecht halten will gibt es verschiede Signale, die der Sprecher aussenden kann, damit ein möglichst fließender Wechsel ohne Unterbrechungen zu Stande kommt. Denk- oder Formulierungspausen füllt er mit Partikeln wie hmm, ähm oder öh, um den Redefluss fortbestehen zu lassen. Kommt es dennoch zu einer vorzeitigen Unterbrechung, so hat der Redner, da er selbst im Moment der Unterbrechung noch der offizielle Inhaber des Rederechtes ist, stärkere Möglichkeiten sich durchzusetzen als der Unterbrecher. Häufig schafft er dies allein durch Lautstärkesteigerung und Übertönen des anderen. Eine weitere Methode ist den letztgesagten Redeteil, in dem die Unterbrechung stattgefunden hat, zu wiederholen, notfalls mehrmals bis der Unterbrecher schweigt. Non­verbal lässt sich durch starkes Gestikulieren oder Hervorbeugen (Paradebeispiel hierfür sind Gesprächsrunden à la Sabine Christiansen). Die letzte und härteste Möglichkeit ist das eindeutige Hinweisen darauf, dass man unterbrochen wurde und noch weiter sprechen möchte.

Will der Sprecher jedoch nicht weiterreden kann er im Prinzip einfach aufhören, sprich eine Pause einlegen. Dies alleine würde jedoch in den meisten Fällen zu einer unangenehm auffallenden Gesprächsunterbrechung führen. Also hat der Sprecher die Möglichkeit durch Zeichen wie leiser werdende Stimme, Verlangsamung des Redeflusses oder anhängen soge­nannter „tag-questions“ (wörtlich „Anhängsel-Fragen“) das Ende seines Gesprächs­beitrages anzukündigen. Die sicherste Methode die Sprecherrolle abzugeben bleibt jedoch die Fremdwahl zur Bestimmung des nächsten Sprechers.

Hörerrolle / Höreraktivität (Friedhelm Lorig)

Wenngleich der Hörer in der Gesprächskonstellation nur die „zweite Geige“ spielt, ist er dennoch die Komponente, die den Gesprächsbegriff definiert und ihn von zum Beispiel dem Monolog unterscheidet. Das sieht man daran, wenn der Hörer zwar zuhört, aber dies wirklich nur in Form von Aufnahme der „Sendungen“ des Sprechers auslebt, ohne selbst zu „senden“. Ein Abbruch des Gespräches ist dadurch vorprogrammiert (es sei denn, der Sprecher sieht seine Rolle zufällig auch nur als die eines Senders und verlangt überhaupt kein Feedback).

Das Hörerfeedback, ob verbal oder nonverbal, ist grundsätzlich in zwei Kategorien zu unter­schieden:

1. aufmerksamkeitsbezeugende Signale, die die Sprecherrolle bloß unterstützen und zeigen, dass der Hörer „noch da ist“
2. kommentierende Signale, die gleichzeitig zur Aufnahmebestätigung auch eine Wertung ausdrücken, Zustimmung, Zweifel, Unklarheiten, ...

Insbesondere beim Hörerfeedback ist der Anteil der nonverbalen Kommunikation deutlich höher als in anderen Gesprächsbereiche. Blickkontakt, Mimik, Gestik, Körperzuwendung, Kopfbewegung oder einfach schlichtes Lächeln sind mögliche Formen des Hörer­feedbacks. Ergänzend können Einstreuungen wie mhm, hmm, jaja oder einfache Fragen wie „Ach ja? Wirklich?“ dem Sprecher die gewünschten Botschaften übermitteln.

Vieles geschieht aber einfach unbewusst, da es ja immer einen Akt des Parallelsprechens erzeugt und in dieser Phase aber weiterhin Informationsaufnahme stattfinden soll. Die Art und Weise, wie dies ausgeübt wird, entscheidet darüber, ob es sich um einen „guten oder schlechten“ Zuhörer handelt. Im schlimmsten Fall kommt so wenig Feedback zum Sprecher dass dieser sogar nachfragen muss, ob der Hörer ihm überhaupt noch zuhört. Gute Höreraktivität kann aber auch nur gespielt sein, so zum Beispiel am Telefon, wenn man nebenbei noch etwas anderes macht und zwischendurch kurze „hm’s“ oder „jaja’s“ einstreut.

In einer Gruppe von mehreren Zuhörern kann es aber auch sein, dass es einen Haupthörer an den sich der Sprecher direkt wendet gibt, der auf jeden Fall für das Feedback verant­wortlich ist und die anderen nur gelegentlich, aber keineswegs notwendiger Weise agieren.

Schließlich kann der Hörer durch gezieltes Feedback aber auch dahingehend Einfluss nehmen, dass er das Gespräch auf einen Wechsel hinlenkt, der ihn zum Sprecher macht. Möglich ist dies zum Beispiel durch stark ausgeprägtes Rückmeldeverhalten.

Transkriptionsverfahren (Friedhelm Lorig)

In der Gesprächsanalyse haben sich mehrere Notationsarten zur Erstellung von Transkripten entwickelt. Je nach Art der Analyse kann es sinnvoll sein ein umfangreicheres System zu nutzen oder aber auf eine minimalistischer angelegte Methode zurückzugreifen. Auf einige Unterschiedliche soll hier eingegangen und das für diese Arbeit Verwendete begründet werden.

Ein nahezu allumfassendes ist das „Gesprächsanalystische Transkriptionssystem (GAT)“ von Selting[26], welches sich z.B. selbst mit den Ebenen der Sprechgeschwindigkeits­veränderungen und des Atmens befasst.[27] Die für viele Transkripte jedoch zu weitreichende Notation zeigt sich anhand einer Stelle aus dem Gespräch (Z. xy), die in diesem System folgendermaßen aussehen würde:

[S Also auch wieder diese]

[F Also]

S Sache (.) wissen Sie .h wenn ich das so sehe dann <<acc> liegen sie da so auf dem Boden > in so=nem Abendkleid und daneben steht so=ne kleine Kamera <<rall> und das is' so fifty : > ,h das ist so dermaßen gestrig c...

Sehr ausführlich und häufig verwendet ist die so genannte Partiturschreibweise – eine Form die ähnlich der Schreibweise von Noten „gleichzeitige Kommunikationsereignisse in parallel zu lesenden, untereinander angeordneten Zeilen“[28] festgehalten wird – genau ge­nommen die Notation aller Intonationskurven, nonverbalen Verhaltens oder eventuellen Kommentaren des Beobachters. Die schon für GAT verwendete Stelle zeigt hier den zum Teil eher verwirrenden und die Lesbarkeit beeinträchtigende Charakter dieses Systems[29]:

S also auch wieder diese

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

F also

S Sache + wissen Sie wenn ich das so sehe ++ dann liegen sie da so auf

dem Boden in so( nem) Abendkleid und daneben steht so ne kleine Kamera

und das ( is *) so f I fty + das ist so dermaßen g E strig ...

Henne/Rehbock haben einen Kompromiss zu dieser Form der Notation gefunden, indem sie zusätzliche akustische und visuelle Beobachtungen in Kommentarspalten unter­gebracht haben[30]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach diesem Muster ergäbe sich für oben erwähnte Stelle folgende Notation:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Betrachtet man jedoch andere Zeilen so wird schnell klar, dass auch dies in diesem Ge­spräch nicht nötig ist. Generell ist die Lesbarkeit durch die Spaltenschreibweise und das damit noch stärker horizontale Auseinanderrücken des Textes stark beeinflusst. Oftmals ließen sich die Kommentarspalten auch gar nicht zufrieden stellend ausfüllen oder würden zu einer weiteren Verschlechterung der Lesbarkeit führen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei allen Transkriptionssystemen zwischen der Notwendigkeit bestimmter Informationen und der Lesbarkeit des Trankskriptes individuell abzuwägen ist. Wird tatsächlich der Anspruch einer Komplettanalyse erhoben so kommt man um bestimmte Zusätze nicht herum.

In dem hier vorliegenden Fall der Gesprächsanalyse, der sich hauptsächlich auf die Gesprächs­organisation beschränkt, kann jedoch auf gewisse Dinge verzichtet werden. So schließt die besondere Form des Gespräches, ein sehr exzessives Streitgespräch, gewisse Faktoren aus. Generell verlangt die Notation für eine gesprächsanalytische Aufarbeitung zwar eine genauste und klare Kennzeichnung von Pausen, im Grunde enthält der analy­sierte Textabschnitt jedoch so gut wie keine gesprächsorganisatorisch verwendeten Pausen. Hauptgrund dafür ist das permanente „ins Wort fallen“ der Gesprächsteilnehmer, aber auch das sehr hohe Sprechtempo, gerade bei Freu Feldbusch. Die Beiden „schenken sich nichts“ denn sie wissen dass eine Pause fast immer von der anderen genutzt würde das Wort zu ergreifen. Notfalls greifen sie, wenn ihnen „der Stoff ausgeht“, zu den in Kapitel II beschriebenen Partikeln als Füllmittel, um auf gar keinem Fall eine Pause entstehen zu lassen:

Das ist also alles noch nicht so lange her äh das find’ ich gut und ich finde gut, ich finde gut äh dass sie offensichtlich Verona ähm äh aus der Art wie Sie sind sozusagen etwas machen, ja Sie sagen... (Zeile 15)

Um die Lesbarkeit und somit die Nachvollziehbarkeit der gesprächsorganisatorischen As­pekte in größtmöglicher Form zu ermöglichen wird bei dem Transkript weitestgehend auf Sonderzeichen sowie Sonderschreibweisen innerhalb des Textkorpus verzichtet. Die Ortho­grafie und Zeichensetzung richtet sich jedoch zum Teil nach dem tatsächlich ge­sprochenen Wort. Insbesondere ellipsenhafte Formulierungen und dergleichen sind teils eins zu eins ohne weiteres Hinzufügen von Satzzeichen übernommen.

Gesprächsanalytische verbale- und nonverbale Aspekte

Die Analyse eines Gespräches, oder auch nur der Teil eines Gespräches stellt, wenn sie den Anspruch der größtmöglichen Genauigkeit erhebt, an sich eine Arbeit vom Umfang weit mehr als diese Schrift dar. Eine genaue Gesprächsanalyse umfasst zudem noch Grenz­bereiche der Pragmatik wie Phonetik, Soziologie, Psychologie und je nachdem mit welcher Intention die Analyse erfolgt unter Umständen noch andere Bereiche. Für die rein linguis­tische Betrachtung ist aber insbesondere der tatsächliche gesprochene Bereich von Inte­resse. Besonders ergiebig und aufschlussreich lässt sich dabei der gesprächsorganisatorische Teil analysieren, da hier zu einem großen Teil klare Regeln existieren, aus denen klare Be­deutungen abzuleiten sind. Aus diesem Grund beschränkt sich auch die Analyse des Aus­schnittes der „Johannes B. Kerner - Show“ auf letztgenannten Bereich.

Die Rolle der Partikel in Bezug auf die Organisation eines Gespräches (Martin Flesch)

In der folgenden Arbeit befasse ich mich mit einer Wortart, für die in einer Definition gilt, dass sie über ihre „interaktiv-gesprächsorganisatorische oder inhaltlich modifizierende Funktionen“[32] zu erschließen ist, nicht über ihre semantische Dimension: die Partikel. „Ge­lehrte Worte über leere Wörter“[33] ? Sicherlich nicht, auch wenn sie in der geschriebenen Sprache kaum eine Bedeutung besitzen. Um so bedeutsamer sind Partikel in der ge­sprochenen Sprache. Hier erfüllen sie nicht nur die „bescheidene“ Aufgabe beispielsweise ein Gespräch in Gang zu halten, sie ermöglichen es erst. Ohne Partikel wäre die Organisa­tion eines Gesprächs nur schwer denkbar. Ich werde im Folgenden nach einer möglichen Definition der Menge der Partikel diese in Gruppen unterteilen, die alle, wie an Beispielen veranschaulicht wird, für die mündliche Kommunikation relevant sind. In einem zweiten Teil soll mit Hilfe der Gruppeneinteilung das in der Anlage beigefügte Transkript einer Talkshow (Johannes B. Kerner, Sendung vom 28.06.2001) auf Partikel hin untersucht werden und somit die Bedeutung und die Notwendigkeit der Partikel belegt werden. Zu erwähnen wäre wohl noch, dass die verwendete Literatur überwiegend von den Partikel-Forschern Elke Hentschel und Harald Weydt stammt, da diese, in Bezug auf die Partikel des Deutschen, die wohl relevantesten sind. Im Übrigen ist die Literatur in Bezug auf Partikel­forschung des Deutschen eher spärlich, mit Ausnahme der eben erwähnten Wissen­schaftler.

Begriffsdefinition

Bei dem Versuch den Begriff Partikel genau zu definieren, stellt sich schnell heraus, dass dies nicht ohne weiteres möglich ist. Besonders in Elke Hentschel und Harald Weydts Auf­satz „Wortartenprobleme bei Partikeln“[34] wird dies deutlich: „Eine weit verbreitete, ent­weder explizit gegebene oder implizit missverstandene Definition besteht darin, unter Parti­keln einfach alle unflektierbaren Wortarten zu verstehen.“[35] Wäre dem so, so müssten auch die Adjektive und Artikel des Englischen zu den Partikeln zählen. Unter Berück­sichtigung dieses und anderer Beispiele stößt dieser Definitionsversuch an seine Grenzen [Auch wenn ich mich in diesem Aufsatz lediglich mit den Partikeln der deutschen Sprache befasse, so sollte der Versuch einer allgemeinen Definition, für möglichst alle Sprachen geltend, angestrebt werden]. Nach Hentschel und Weydt muss man zunächst „auf einige grundlegende Unterschiede innerhalb der Wortbedeutungen zurückgreifen“[36] und erhält dann „zwei große Gruppen von Wortarten“[37]:

Zum einen die Hauptwortarten = Autosemantika (Verb, Substantiv, Adjektiv), die sowohl eine lexikalische als auch eine Wortartenbedeutung haben, und zum anderen die „Wörter, die weder eine Wortarten- noch eine lexikalische oder deiktische, also eine hinweisende, Bedeutung aufweisen, und die ihre Semantik nur im Zusammenhang mit anderen Worten entfalten: die Synsemantika [= Funktionswörter] oder Synkategoremata[38] im klassischen Sinne“[39]. Partikel müssten nach Hentschel und Weydt der letzten Gruppe zugeordnet wer­den und könnten somit als „Wörter ohne lexikalische und ohne Wortartenbedeutung defi­niert werden“[40]. Dieser Definitionsversuch scheint mir sinnvoller als beispielsweise die `kurze´ Dudendefinition[41], da dort, wie bereits oben erwähnt, die Adjektive und Artikel des Englischen in die Menge der Partikel `aufgenommen´ werden müssten. Beim Gegenüber­stellen beider Definitionsversuche scheint mir die Vorstellung, ein Adjektiv[42] – welcher Sprache auch immer - zu den Partikeln zu zählen, nicht korrekt. Somit haben Hentschel und Weydt mich insofern überzeugt, dass ihr Definitionsversuch präziser ist als der des Dudens.

I. Die Bedeutung der Partikel bei der Organisation eines Gesprächs

Wie gesagt, eine eindeutige Definition des Begriffes der Partikel zu geben ist schwierig. ´Einfacher´ wird es, grenzt man das große Gebiet der Partikel ein in Bezug auf ihre Funk­tion im Rahmen der Organisation eines Gespräches: hier findet nur eine „funktional be­stimmte Auswahl“[43] aus der Menge der Partikel Verwendung.

Dass Partikel nicht mehr nur als „Füllwörter“ oder als „Läuse im Pelz der deutschen Sprache“[44], sondern „in Wirklichkeit [als] sehr nützliche und oftmals sogar notwendige Bestandteile der Rede wie des Schreibens“[45] gelten, ist erst der jüngeren Forschung zu ver­danken. Besonders der Bereich der gesprochenen Sprache weist eine Vielzahl an Partikeln auf und ist somit Beleg für deren Notwendigkeit. Für Hentschel und Weydt müssen die Partikel im weiteren Sinne wie folgt unterteilt werden:

1. in Konjunktionen. Partikel dienen hier zur Verknüpfung von Sätzen oder Satz­teilen. Als Beispiel: „Die Zuschauer werden aufgefordert, Ruhe zu bewahren oder aber den Gerichtssaal zu verlassen.“ Weitere Konjunktional-Partikel wären aber, doch, jedoch, trotzdem.
2. in Präpositionen. Hier haben Partikel „die semantische Funktion, Relationen auszu­drücken und die syntaktischen Satzteile einzuleiten; sie verbinden sich stets fest mit einem nominalen Element und bilden jeweils notwendige und unverzichtbare Be­standteile eines Satzteiles“[46]. Als Beispiel: „Des Geldes wegen ermordete er seine Frau.“ Weitere Präpositional-Partikel wären um...willen, wie, als.
3. in Intensivpartikeln. Diese Partikel dienen der Modifizierung (Verstärkung oder Ab­schwächung) Als Beispiel: „Ich bin ziemlich müde“. Weitere Intensiv-Partikel wären sehr, ganz, umgangssprachlich irre, voll, echt.
4. in Fokuspartikeln. Mit ihrem Beziehungswort (Skopus) zusammen bilden sie eine ge­meinsame Konstituente, die den Fokus des Satzes darstellt. Als Beispiel: „ Nur du kannst mir helfen.“ Weitere Fokus-Partikel wären auch, ausgerechnet, bereits.
5. in Modalpartikeln. Diese Partikel dienen dazu, den „Wahrscheinlichkeitsgrad einer Äußerung zu bezeichnen“[47]. Oft findet man sie in Fragesätzen, beispielsweise in einer Entscheidungsfrage: „Heißt du vielleicht Rumpelstilzchen?“ Weitere Modal-Partikel wären wahrscheinlich, eventuell, sicherlich.
6. in Abtönungspartikeln. Diese Partikel finden besonders in der mündlichen Rede sehr häufig Verwendung. Sie kommentieren den Satz, in dem sie stehen, als „Ge­samtäußerung von einer Metaebene aus und verankern ihn so im Redekontext“[48]. Das bedeutet, mit diesen Partikeln ist man in der Lage bestimmte Sachverhalte zu kommentieren und zu modifizieren. Diese Partikel treten häufig kombiniert in Gruppen auf: „Das ist ja denn doch wohl ein bisschen zu viel.“ Eine weitere Ab­tönungspartikel wäre eigentlich.
7. in Antwort- und Negationspartikeln. Hierzu zählen alle die Partikel, die als positive oder negative Antworten auf Entscheidungsfragen oder Aufforderungen verwendet werden. Die einfachsten Partikel sind hier ja und nein. In Abwandlung zu ja treten ebenfalls doch, jawohl, oder Interjektionen wie mhm oder hm auf. Negierende Partikel wären beispielsweise nicht oder kein.

In dieser Aufzählung mögen nun die Adverbien (hier, gestern, hoffentlich, deshalb) fehlen, ob­wohl nach Linke, Nussbaumer und Portmann die „Klasse der Partikeln [zu] unterteilen [ist] in Subklassen wie Konjunktion[...], Präposition[...], Adverb“[49]. Ich möchte mich hier jedoch gerne Hentschel und Weydt anschließen, für die „Adverbien wie gern, erfreulicherweise oder hoffentlich [...] eine lexikalische Bedeutung [haben], während solche wie dort, heute, hier eine deiktische Bedeutung haben“[50] und somit die ´Bedingungen´ der eingangs erarbeiteten Defi­nition der Partikel nicht erfüllen.

Partikel im Rahmen einer Gesprächsanalyse

Nach dieser recht weitgreifenden Übersicht von Hentschel und Weydt möchte ich mich nun der Bedeutung der Partikel im Rahmen der Gesprächsanalyse zuwenden. Hier scheint es sinnvoll, die Vielfalt der Partikeln in zwei große Gruppen zu unterteilen: in redeleitende Partikel und Modal - oder Abtönungspartikel. Diese beiden Gruppen sollen nun im Folgenden näher erläutert werden.

a) Redeleitende Partikel

Redeleitende Partikel sind für das Zusammenspiel von Sprecher und Hörer in einem Ge­spräch, insbesondere beim Sprecherwechsel, besonders wichtig. Sie können maßgeblich dafür verantwortlich sein, ob ein Gespräch erfolgreich verläuft oder auch überhaupt erst zustande kommt. Es lassen sich mehrere Hauptfunktionen unterscheiden, wie in der nach­folgenden Grafik deutlich wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[51]

1. Pausenfüller. Während des Gesprächs signalisiert ein Gesprächsteilnehmer, während er spricht, mit Floskeln wie „ja, äh, also da hab ich ein Problem“, „ ähm, tja, alsoo, es ist so, dass..“, dass er eine Denkpause benötigt, seinen Beitrag aber noch nicht beendet hat und somit das Wort nicht abgeben möchte. Pausenfüller gelten dann als Reparatur­mechanismus, wenn sie zwischen zwei benachbarten Redebeiträgen eingesetzt werden.
2. ´Knautschzone´ beim Sprecherwechsel. Hier werden Partikel eingesetzt, um den Informa­tionsverlust bei überlappendem Sprecherwechsel (Overlap) möglichst klein zu halten. „ Ja also..., also ich meine, dass “.
3. Redeeinleitung. Hier dienen Partikel der Sicherung des Gesprächsbeitrages. Man ist mit Hilfe von „ Ja, also, äh, ich meine halt “ in der Lage bereits das Wort zu ergreifen, ohne schon zu wissen, wie man es genau formulieren möchte.
4. Überbrückung von Gesprächsflauten. Partikel eignen sich hier besonders gut, wenn man am Gespräch teilnehmen will, auch wenn man (noch) nicht viel inhaltlich zu sagen hat. Häufen sich Partikel dagegen bei allen Sprechern und auf Sprecher- und Hörerseite kann dies ein Zeichen für eine Ermüdung des Themas, aber auch für einen kom­menden Themenwechsel sein. Dass ein solches Verhalten besser ist, als sich anzu­schweigen, oder das Gespräch absolut auf den Inhalt zu beschränken, zeigt sich darin, dass „viele Alltagsgespräche [...] nicht um der Inhalte willen geführt [werden], sondern [...] dem Aufbau sowie der Erneuerung und Bestätigung sozialer Beziehungen [die­nen]“[52].
5. Sprechersignal. Hier werden über Partikel bestimmte Aufforderungen des Sprechers an den Hörer gesandt. Äh, hmm, öh, sind Indizien dafür, dass der Sprecher eine Denk- oder Formulierungspause benötigt, seinen Gesprächsbeitrag aber noch nicht beendet hat. ...oder? ...nicht wahr? deuten auf den Wunsch eines Sprecherwechsels von Seiten des mo­mentanen Sprechers hin.
6. Hörersignal. Dies ist wichtig, um dem Sprecher zu signalisieren, dass der Zuhörer auch wirklich zuhört. Hier erfüllen unter anderem Partikel genau diesen Zweck. Durch ein mhm, jaja, ach ja wirklich? signalisiert der Hörer Aufmerksamkeit und gibt dem Sprecher die 'Erlaubnis' fortzufahren.

b) Modal- oder Abtönungspartikeln

Die zweite große Gruppe, die Modal - oder Abtönungspartikel, dient dazu, geäußerte Sachver­halte zu modifizieren und zu kommentieren. Sätze ohne Modalpartikel sind rein intellek­tuell, neutral; sie teilen lediglich mit und geben Anlass zu einer bestimmten Handlung. Ver­ändert man aber einen Satz wie „Sie werden es finden“, indem man eine Modalpartikel wie schon hinzu gibt, so ändert sich der Satz in seiner Bedeutung: „Sie werden es schon finden!“ Hier ist nun zu der neutralen Aussage eine „subjektive Modalität“[53], das heißt eine Emotion hinzugekommen. „Der Sprecher drückt in den Sätzen mit Modalpartikeln sein subjektives Verhalten zum Gesagten“[54] aus. Im Unterschied zu den redeleitenden Partikeln haben sie im Gespräch also weniger gesprächsorganisatorische als vielmehr metakommunikative Funk­tionen[55]. Das bedeutet: sie ´färben´ die Aussage eines Sprechers in einem bestimmten Ton ein, und zeigen dem Gesprächspartner, dass man auf ihn als Person und auf seine Aus­führungen und Argumente eingeht.

Wie bei den redeleitenden Partikeln sind auch bei den Modal - oder Abtönungspartikeln ver­schiedene Sonderfunktionen zu erkennen:

1. zur Unterstreichung und Glaubwürdigkeit der eigenen Aussage. Hier wären Formu­lierungen wie „So ist das nun mal “ oder „Ich rate ihnen durchaus dazu“ gute Beispiele.
2. zur Signalisierung der eigenen Unsicherheit. „ Irgendwie leuchtet mir das schon ein...“.
3. zur Signalisierung einer bestimmten Erwartungshaltung gegenüber einem Gesprächs­partners. „Ihr kommt doch am Sonntag“ oder „dem ist zwar so, aber ich habe dennoch in diesem Fall recht“.
4. zur Signalisierung bestimmter Gefühle und Haltungen. „Was machst du denn ?“ oder „Was soll das eigentlich ?“

Häufig werden Modalpartikel im Gespräch noch durch gezielte Intonation ergänzt, da diese in Kombination eine noch größere Verdeutlichung des Gemeinten erzeugen.[56]

Die oben angeführte Liste der Modal - oder Abtönungspartikel wäre wohl beliebig erweiterbar, macht aber bis hierher schon deutlich, welch wichtige Stellung auch den Modalpartikeln in der gesprochenen Sprache zukommt.

II. Feldbusch, Schwarzer und Partikel

Nach dieser Darstellung und Klassifizierung der Partikel im Allgemeinen möchte ich nun in einem Beispiel die Bedeutung von Partikeln verdeutlichen. In einer Talkshow (Johannes B. Kerner, Sendung vom 28.06.2001) treffen Verona Feldbusch und Alice Schwarzer auf­einander. Zwei Frauen, die beide auf ihre Art zu einem gewissen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung gelangt sind. Der dritte Anwesende ist der Moderator Johannes B. Kerner, der jedoch nach und nach im Streitgespräch der beiden Frauen „untergeht“.

Anhand des in der Anlage beigefügten Transkripts möchte ich deutlich machen, wie unver­zichtbar Partikel für ein Gespräch – und damit für einen Großteil unseres täglichen Lebens, indem wir ja überwiegend mündlich kommunizieren, sind.

Beginnen möchte ich mit der Verwendung von Partikeln in der Redeeinleitung. Hier werden bevorzugt Partikeln wie also (lfd. Nr. 9, 13, 14, usw.), tja (lfd. Nr. 5) und Kombinationen wie nein, eben, ich mein (lfd. Nr. 80) verwandt, die deutlich machen, dass der Sprecher das Wort ergriffen hat, ihm gleichzeitig aber auch noch Zeit geben, über das Folgende noch nachzudenken. Damit kämen wir zu den Pausenfüllern und Sprechersignalen. In vielen Ge­sprächsbeiträgen finden sich Klassiker, wie äh (lfd. Nr.13, 15, 17, 70), ähm (lfd. Nr. 7, 15), also (lfd. Nr. 5, 7, 9, 15, 18, 22,…) oder sag ich mal (lfd. Nr. 9, 29). Als „Reaktion“ auf Sprecher­signale können Hörersignale folgen, wie ja, ja (lfd. Nr. 31, 39, 55, 106, 110), nein, nein (lfd. Nr. 32); in diesem Dialog wurden die „Sprechregeln“ jedoch meist nicht eingehalten und im Anschluss an die eben genannten Partikel versuchte der Sprecher, sich den Ge­sprächsbeitrag bewusst zu sichern. Da sich keiner der Gesprächsteilnehmer an irgend­welche Sprach-Konventionen gehalten hat, lassen sich Knautschzonen (Overlaps) natürlich nicht vermeiden. Hier ist es wohl am besten erkennbar, wenn ich auf die laufenden Num­mern 98-135 verweise: durch die Verwendung von Antwort- und Negationspartikeln wie ja (lfd. Nr. 104, 116, 122, 124), ja aber, ja eben (lfd. Nr. 113, 126), nein, nein (lfd. Nr. 125, 133), Wiederholungen wie „ So ist es, so ist es“ (lfd. Nr. 108) oder auch „ Jetzt gibt es also ja. Jetzt gibt es also “ (lfd. Nr. 135) entsteht keinerlei Informationsverlust, jedoch hat sich der Ge­sprächsteilnehmer, zumindest für den Moment, das Wort „gesichert“. Da, wie eben schon erwähnt, unter anderem der prozentuale Anteil an Knautschzonen recht hoch ist, treten er­wartungsgemäß keine Gesprächsflauten mit entsprechenden Partikeln auf.

Nach dieser Auflistung der Redeleitenden Partikel fällt auf, dass Partikel mehrere Funktionen einnehmen können (die Partikel ja ist vielleicht die am vielseitigsten einsetzbare – als Ant­wortpartikel, Hörersignal, Pausenfüller, Modalpartikel usw.). Die Vielseitigkeit der Partikel und ihre damit verbundene Häufigkeit zeigen sich nirgendwo deutlicher, als in der ge­sprochenen Sprache.

Auch für die große Gruppe der Modalpartikel lassen sich in der Dialogsequenz mehrere Beispiele finden. „Das sind so optische Reize“ oder „ich bin gar nicht so ´n Mensch“ (beide lfd. Nr. 9; wertende Funktion), „weil das ist ja auch [...] ironisch“ (lfd. Nr. 17; Unter­streichung der Glaubwürdigkeit) oder „die meisten fühlen sich übrigens zu dick“ (lfd. Nr. 64; ´rechthaberisch´) sind gute Beispiele für die metakommunikative Funktion, die Modal­partikel erfüllen. Ohne die Verwendung von Partikeln würden die Aussagen erheblich an Wirkung verlieren - gerade in einem Streitgespräch, wo es mitunter schwer fällt, einen „kühlen, klaren Kopf“ und eine entsprechende Ausdrucksweise zu bewahren.

Ich möchte an dieser Stelle meine „Beispielkette“ abbrechen. Es ließen sich sicherlich noch weitaus mehr Beispiele finden, doch glaube ich die Bedeutung und die Verwendung von Partikeln in einem Gespräch ausführlich genug dargelegt zu haben. Der prozentuale Anteil von Partikeln in diesem Transkript beträgt zwar „nur“ um die zehn Prozent[57], der Anteil der Formulierungen und Satzteile, die ihre wesentliche Bedeutung und Aussagekraft durch die Partikel erlangen, ist um ein Vielfaches höher und trägt somit maßgeblich dazu bei, dass dieses Streitgespräch für eine Fernsehsendung so erfolgreich wurde.

Schlussbetrachtung

Auch wenn es streitbar ist, ob das Gespräch zwischen Alice Schwarzer und Verona Feld­busch als solches erfolgreich war oder nicht, so lässt sich doch nicht übersehen, welch be­deutende Rolle die „Flickworte [,die] Läuse in dem Pelz unserer Sprache“[58], innehaben und dass ohne sie ein alltägliches, aber auch ein niveauvolles, Gespräch nicht stattfinden könnte.

Überall, wo Partikel vorkommen, erfüllen sie ihre spezielle Funktion. Ihre Bandbreite reicht von der Konjunktion zweier Satzteile über die verschiedensten Mechanismen innerhalb eines Gesprächs (Redeleitende Partikeln) bis hin zur Darlegung subjektiver Empfindungen (Modalpartikeln).

Die nonverbale Kommunikation im Gespräch (Victoria Schürer)

I. Einleitung

Zunächst stellt sich natürlich die Frage, was verstehen wir unter „Nonverbaler Kommu­nikation“ bzw. „Nonverbalem Verhalten“? Da jedem Menschen fünf Sinne zu Eigen sind, nämlich: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen drücken wir durch diese nicht nur unser Innerstes aus und nehmen unsere Umgebung mit diesen wahr, sondern teilen uns dadurch auch unseren Mitmenschen mit. Wir kommen mit anderen in Kontakt, wenn wir Zeichen senden, die eine andere Person wahrnimmt und darauf reagiert! Diese Zeichen sind Kommunikation und werden über Mimik, Gestik, Blickkontakt, Körperhaltung und vieles mehr ausgedrückt. Mit diesen Verhaltensweisen öffnen wir unsere Seele und lassen andere an unserem Empfinden teilhaben. Die Art und Weise wie wir uns anderen gegen­über verhalten, hat sehr große Auswirkungen auf den Verlauf und das Ergebnis von Ge­sprächen. Ich möchte in der Einleitung einen Überblick der bekannten nonverbalen Ver­haltensweisen geben und mich im Hauptteil auf spezifische nonverbale Kommunikation beschränken.

1. Der Blickkontakt

Das Auge spiegelt unsere Gedanken, mit ihnen nehmen wir zuerst unsere Umgebung wahr und „tasten“ sie ab! Was mit einigen Blicken alles wahrzunehmen ist, können wir weder schriftlich noch mündlich irgendwie ausdrücken. Was mit dem Auge eingeprägt wird, bleibt am tiefsten in unserem Inneren verankert. Dies sehen wir z. B. in der Schule: der Anschau­ungsunterricht kann durch noch so gutes Erklären nicht ersetzt werden.

„‚Das Auge hat nicht nur die […] pragmatische Funktion der Orientierung in der Welt, sondern auch eine soziale; es spielt eine Rolle im zwischenmenschlichen Bezug [...] wenn wir uns einem Menschen zuwenden als einem Wesen mit einer Innenwelt, dann sehen wir ihm ins Auge. [...]dem anderen gelingt, die Blickrichtung direkt in unsere zu lenken, dass beide ineinander verlaufen und die Konstellation Pupille-Pupille geschaffen ist, dann haben wir das Gefühl eines Aufgedecktseins, [der inneren Nacktheit sozusagen][59], einer inneren Berührung, so als sähe der andere in unser Innerstes, als bekäme er Kenntnis von dem, was an Gedanken, Wünschen, Absichten usw. in uns lebendig ist.’( Lersch 1957, p.411)“[60]

Über den ersten Blickkontakt lässt sich auch viel über den Mensch dahinter aussagen: „Je­mand der wenig, aber langen Blickkontakt aufrechterhält, wird freundlicher beurteilt als jemand, der häufig, aber immer nur kurz Blickkontakt aufnimmt.“[61]

Ich möchte ein weiteres Zitat anführen, dass mir für den Unterpunkt Blickkontakt sehr aussagekräftig erscheint und damit auch die Betrachtung meines ersten Punktes ab­schließen: „‚Wie viele Kinder gäbe es, wenn der Blick befruchten könnte! Wie viele Tote, wenn er töten könnte! Die Straßen wären voll von Leichen und schwangeren Frauen!’“[62] ( Paul Valery)

2. Die Mimik

Das Gesicht ist der eindeutigste Ausdrucksort von Emotionen, es ist die wichtigste Infor­mationsquelle über die Be­findlichkeit von Personen. Da das Gesicht eine hoch diffe­renzierte und komplexe Mus­kulatur aufweist, ist es sehr schwierig die Gesichtsmuskeln unter Kontrolle zu bekom­men. Wir wissen nämlich nicht, wenn wir einen Ge­sichtsausdruck zeigen, wie wir dabei aussehen, und wie unser Gegenüber diesen Ausdruck auffasst!?

Die Mimik wird vor allem in Filmen sehr gut dargestellt. In dem Film „Das Fenster zum Hof“, von Alfred Hitchcock, der es ausgezeichnet verstand die Schauspieler mimisch in Szene zu setzten, wird durch Mimik Hochspannung erzeugt! „‚Nehmen wir eine Großauf­nahme von James Stewart: Er schaut zum Fenster hinaus und sieht ein Hündchen, das in einem Korb in den Hof hinunter getragen wird. Wieder Stewart: Er lächelt. Jetzt zeigt man anstelle des Hündchens... ein nacktes Mädchen, das sich vor einem offenen Fenster dreht und wendet. Man nimmt wieder dieselbe Großaufnahme von Stewart und jetzt sieht er aus wie ein alter Lüstling. (Truffaut, 1975; p. 211).’“[63]

3. Die Gestik

Mit Gestik sind alle Gebärden der Arme gemeint, und natürlich auch die gesamte Sprache der Hände und Finger; sowie ganz normale Handlungen, wie zum Beispiel das Öffnen einer Tür oder das Ausdrücken einer Zigarette.[64] Die Gestik wird oft verwendet, wenn wir mit Worten nicht mehr weiterwissen, um das was wir ausdrücken wollen zu „verdeut­lichen“. Man sagt nicht umsonst, wenn man sich im Ausland befindet und der Sprache nicht mächtig ist: „Mit Händen und Füßen reden.“

Aber Gestik wird auch gebraucht, um das Gesagte zu verstärken und zu unterstützen. Wie schon gesagt, besteht eine enge Beziehung zwischen Sprache und Gestik. „Es wird postu­liert, dass gestisches Verhalten die historisch früheste Kommunikationsform darstellt, aus der sich dann die gesprochene Sprache erst entwickeln konnte. So postuliert Hewes (1973), dass sich die menschliche Sprache aus Hand- und Armgesten entwickelt hat, da ein differen­ziertes visuelles Signalsystem sehr viel eher zu einer verbalen Sprache führen könne als die emotionalen Lautäußerungen.“[65]

Es gibt Bewegungen, die gelernt wurden um selbstbezogene und körperbezogene Bedürf­nisse zu befriedigen(> Adaptoren), zu diesen ge­hören:

Mit den Lippen, Zähnen, Beinen oder Füßen spielen, oder auch mit den Händen Kontakt zu einem an­deren Körperteil suchen und dieses reiben, drücken, kratzen, halten, bedecken oder massieren, aber auch spielen im Gesicht, oder mit den Haaren.(Vgl. Frau Schwarzer).

Weitere Bewegungen, die direkt verbal übersetzt wer­den können und in allen Kulturkreisen bekannt sind, werden Embleme genannt.[66] Ein Beispiel wäre die Geste für „Schlafen“: hier wird der Kopf zur Seite geneigt und senkrecht zum Körper gebracht und beide Hände als Kissen unter den Kopf gelegt (dies sehen wir auch wieder im nebenstehenden Bild bei Frau Schwarzer).

Diese Zeichen geschehen meistens mit einer bewussten Absicht, einer anderen Person ein­deutige Botschaften zu vermitteln, wie zum Beispiel mit dem Finger an die Stirn tippen; durch diese Geste ist alles gesagt, und derjenige, dem dieses Zeichen gilt, wird dement­sprechend darauf reagieren.

4. Die Körperhaltung

Ob wir sitzen, gehen, stehen oder liegen, all diese Eigenschaften sagen uns etwas über un­sere Haltung. Der eine verhält sich wie ein Zappelphilipp und kann keine Minute ruhig sitzen bleiben, der andere sitzt stocksteif da, als wäre er erstarrt. Schwebt jemand ge­räuschlos vorbei, wie eine Elfe, oder poltert er herum wie ein Trampeltier? All diese Ver­gleiche dienen der derselben Betrachtung, der Körperhaltung.

„Jede plötzliche Veränderung der äußeren Haltung spiegelt immer eine plötzliche Verän­derung der inneren Haltung wider.“[67] Dies sehen wir an Situationen, wie dem „Auf­springen“ von einem Stuhl, wenn wir erregt sind, oder im Fußballstadion, wenn ein Tor geschossen wurde. Aber auch das „in der Erde versinken“ deutet auf eine Veränderung des Innenlebens hin, und wirkt sich in der Körperhaltung aus, denn sowohl wenn man Angst hat, als auch bei einer peinlichen Situation, macht man sich automatisch kleiner und würde am liebsten unter dem Tisch verschwinden! Dieses Verhalten wird oft bzw. meistens durch die Mimik verstärkt, wie z. B. das Erröten. Eine extreme Art der Körperhaltung wird vor allem beim Ballett und der Pantomime dargestellt, wobei die nonverbale Kommunikation weitgehend auf das Bewegungsverhalten und die übertriebene Mimik (vor allem bei der Pantomime) beschränkt ist. Der Zuschauer wird hier auf das reine Bewegungsverhalten aufmerksam gemacht, der wohl bedeutendsten Informationsquelle, und weggelenkt von dem Kontextbezug.[68]

Ein wichtiger Aspekt ist die Unterscheidung zwischen Körperhaltung und Körperorien­tierung. Unter Körperhaltung versteht man die Anordnung der einzelnen Körperteile bei einer Person wohingegen die Körperorientierung auf die Orientierung zum Interaktions­partner in einem Gespräch gezielt ist.

Innerhalb der Körperorientierung kann man noch einmal unterscheiden zwischen einer

a) vis-à-vis-Orientierung, in der sich die Ge­sprächspartner ge­genübersitzen (z. B. Arzt-Patient, Lehrer-Schüler) oder
b) einer Parallel-Orien­tierung, die sich da­durch kennzeichnet, dass die Gesprächspartner nebeneinander sitzen und die­selbe Blickrichtung haben.

„In jeder Kultur müssen Individuen diese kommunikativen Verhaltensformen lernen und sie angemessen einsetzen, wenn sie sich in ihrer Welt wohlfühlen und vielleicht sogar, wenn sie auch nur in ihr überleben wollen.“[69]

Dieses Zitat erklärt zahlreiche Regeln und auch Bräuche, die einfach eingehalten werden müssen, um nicht negativ aufzufallen, wie z. B. die korrekte Haltung beim Essen, bei einem Vortrag und auch der Besuch eines Gottesdienstes fällt darunter.

II. Die Bedeutung der Kleidung

„Die unscheinbarste Frau präsentiert sich,

wenn sie <angezogen> ist, nicht selbst der Betrachtung.

Sie ist wie das Bild oder die Statue

oder der Schauspieler auf der Bühne

nur die vermittelnde Kraft,

durch die eine nicht anwesende Person angedeutet wird-

das heißt, der Typ, den sie zwar repräsentiert,

der sie aber nicht wirklich ist.

Es ist die Identifizierung mit etwas Unrealem, Festem,

Vollkommenen... die sich erfreut;

sie strebt danach, sich mit dieser Figur zu identifizieren

und sich selbst den Anschein einer stabilen,

in ihrem Glanz gerechtfertigten Existenz zu geben.“[70]

(Simone de Beauvoir)

Was sagt Kleidung aus? Warum zählt man Kleidung überhaupt zur nonverbalen Kommu­nikation?

An erster Stelle steht Kleidung natürlich als Schutzfunktion vor Kälte, Regen und auch Hitze, aber auch um bestimmte Körperteile zu verdecken. Frauen in islamischen Ländern z. B. verbergen den ganzen Körper und verdecken ihr Gesicht, wohingegen die Inderin ihren Bauch zeigt und Frauen in Afrika lediglich eine Nabel- oder Schamschnur um die Taille tragen.

Unter diesem Aspekt lässt sich aber auch die Frage stellen, ob bei den früheren Natur­völkern die Kleidung als Schutz vor dem Klima im Vordergrund stand, da diese Kleidung als solche noch gar nicht kannten! Zu bezweifeln wäre des Weiteren, ob die damaligen Jä­ger das Fell wirklich als Kälteschutz benutzten oder eher um ihren Mitstreitern die neue Trophäe zu zeigen und sich so in den Vordergrund zu stellen. Hier wären wir auch schon bei dem Punkt der „beabsichtigten Öffentlichkeit“[71], die den anderen absichtlich etwas vor Augen führt. Auf diesen Aspekt werde ich an anderer Stelle noch genauer eingehen.

Was sich allerdings wirklich ganz pauschal sagen lässt, ist, dass die Wahl der Kleidung im­mer noch den ersten Eindruck, den man von einem Menschen gewinnt, prägt. Die Klei­dung sagt etwas über die Persönlichkeit eines Menschen aus, dessen Gruppenzugehörigkeit und den sozialen Status; aber auch über sexuelle Bereitschaft, Aggressivität oder Zurückge­zogenheit. Betrachten wir uns doch selbst einmal von außen, nach welchen Kriterien gehen wir zuerst vor? – Natürlich nach der Kleidung! Nach diesem ersten „Blickeindruck“ (mustern von oben nach unten), denken wir doch: „Ach, herrje, wie sieht der denn aus? Ein Haarschnitt könnte dem auch nicht schaden!“ Oder: „Wirklich, ich muss sagen, die sieht beneidenswert gut aus, so elegant,...“

Mal ehrlich! Dieses Muster spielt sich doch täglich in uns ab.

„Aufgrund dieser ersten Eindrucksbildung, wirkt der Mensch bereits schon vor der Auf­nahme des Gesprächs (Knapp 1972, S. 80).“[72] Wir beurteilen die Person, stecken sie eine Schublade, obwohl wir sie doch gar nicht kennen! Diese Beurteilung liefert natürlich keine genaue Aussage über die Person, die hinter der Silhouette steckt!

Wer trägt welche Kleidung, in welchem Zusammenhang, bei welchem Anlass? Hier wäre als erstes auf die Trachten und Feiertagskleidung einzugehen, die natürlich auch die ver­schiedenen Nationalitäten charakterisieren. Die Sansculotten in der Revolution wurden aufgrund ihres Äußeren (deutsch: ohne Kniehosen) so benannt; aber auch die Schotten erkennt man an ihrem Kilt, die Türken an ihren Pumphosen, nur um einige Beispiele zu nennen. „Bekanntlich nennen wir bis auf den heutigen Tag die Krawatte nach den Kroaten, welche sie zuerst getragen und unter Ludwig XIV. in Frankreich Mode gemacht haben.“[73]

Genauso wie die Trachten zur Identifikation eines Volkes gehören, ist ein Unter- schied zwischen Alltagskleidung und Festtagsverhalten zu verzeichnen. Diese besonderen Tage, wie zum Beispiel, Taufe, Kommunion oder Hochzeit, aber auch die Beerdigung laufen nach einem bestimmten zeremoniellen und rituellen Verhalten ab, richten sich also auch nach Kleidung!

Die Kleidung und auch die Farbe drückt sehr viel Emotionen aus, die wir sonst nie zeigen würden; vor allem bei Beerdigungen sieht man dies sehr deutlich, man greift zu schwarzen oder dunkle Tönen. Ja, werden einige jetzt sagen, mit Kleidung trauert man doch nicht, das läuft alles im Inneren ab. Aber, greifen wir wirklich alle zu schrillen und kreischenden Far­ben (die Fröhlichkeit ausdrücken), wenn wir gerade einen sehr lieben Menschen verloren haben? Ich denke, einige wollen damit ihre wahren Gefühle überspielen, oder es lag ihnen wirklich nichts an dem anderen Menschen.

In unserer Gesellschaft gibt es gewisse Kleidervorschriften. In unserer Freizeit können wir alle diese Kleidung bevorzugen, in der wir uns wohl fühlen, aber Menschen in gehobeneren Positionen tragen einen Anzug oder ein Kostüm. Ein Koch oder Maler kann seine Arbeit in einem Anzug natürlich nicht verrichten, sondern trägt die dementsprechende Kluft. Ei­nige Normen sind einfach in unserer Gesellschaft verankert, daran kann man nicht rütteln; einige Beispiele:

Kleiderregeln in Institutionen wie Kirche, Schule, Gericht, Gefängnis, Krankenhaus und Standesamt. „Selbst bei den relativ liberalen Kleidungsnormen unserer Gesellschaft kann weder die Richterrolle in Jeans noch die Examenskandidatenrolle im Sportzeug ange­messen gespielt werden."[74]

Diese Kleiderregeln dienen hier eindeutig zur Identifizierung der Gruppenzugehörigkeit. Durch gemeinsames Tun und Streben wird eine gewisse Verbundenheit ausgedrückt, die sich dadurch äußert, dass sie an die Anderen ausgerichtet ist. Auch will man durch diese „erwartete Öffentlichkeit“[75] die Beachtung und Anerkennung der anderen, mit der sich dann das Selbstwertgefühl enorm steigert und wir auch gerade durch Fremde oft über uns nachdenken und zur Selbstreflexion gezwungen sind.

Erwarten wir aber nicht durch die Stellungnahme der anderen schon eine gewisse Akzep­tanz? Wollen wir nicht durch ihre Anerkennung schon dazugehören? Gerade durch diese Fragen stehen wir vor dem Problem, wollen wir wirklich „In“ sein, obwohl es uns eigent­lich gar nicht steht? Dazugehören, heißt auch immer, mit der Mode gehen, aber müssen wir das wirklich tun, teure Klamotten kaufen, die nicht zu unserem Image passen, nur um auf­zufallen!

„‚Die Mode ist ein periodischer Stilwechsel von mehr oder weniger zwingendem Charak­ter’, sagt das Lexikon. Wie aber lässt sich erklären, warum gerade die Mode einen solchen Zwang ausübt? Warum werfen wir uns in eine neue Hülle, obwohl die alte längst nicht durchgesessen ist? Warum schnüren wir einmal den Körper in Korsetts, um ihn dann we­nig später unter weiten Gewändern frei atmen zu lassen? Warum halten wir kurze Röcke einmal für ordinär, ein paar Jahre später aber für jugendlich und frisch?“[76]

Ich denke dies ist ein gefährliches Terrain auf dem wir uns hier begeben, denn wie viele Kinder und Jugendliche werden ausgestoßen, nur weil sie keine „Markenkleidung“ tragen! „War im späten Mittelalter die Länge der Schuhspitze ein Statussymbol für den eitlen Höf­ling, so verraten heute gewisse Zeichen am Hemd den ‚Insider’.“[77]

Der hier beschriebene Punkt, der „beabsichtigten Öffentlichkeit“ war sowohl früher als auch heute ein Paradebeispiel für Macht, Stärke und Dominanz. Könige und Kaiser trugen nicht umsonst einen Mantel aus Purpur und den feinsten Stoffen, um gegenüber dem Volk ihre Stellung deutlich zu machen.

Kleidung ist das erste Symbol durch welches wir uns darstellen und auch anderen sagen, dass wir sie akzeptieren. Wer nicht dementsprechend gekleidet und gepflegt ist, fällt auf! Unsere Augen fühlen sich durch diesen Anblick beleidigt, da es manchmal unzumutbar ist, wie manche Menschen sich kleiden. Daraus lässt sich schließen, dass sie sehr wenig Wert auf sich legen und uns die Betrachter dadurch vernachlässigen. Es ist erwiesen, dass besser gekleideten Menschen eine höhere Sensibilität, Freundlichkeit, interessantere Erscheinung und Geselligkeit zugeschrieben wird (Argyle, Trower 1981, S.94).[78]

Sehr oft wird Kleidung aber auch als Anstoß für Erregung, Lust und Dominanz angesehen. Dies äußert sich, indem sich vor allem Frauen auffallend sexy, verspielt, dominierend und kess anziehen, um ganz bestimmte Ziele zu erreichen, zum Beispiel bei einem Be­werbungsgespräch erstens den Chef zu beeindrucken und letztlich die Stelle zu ergattern, oder einfach nur um sich selbst zu gefallen und unerwartet in eine Rolle positioniert wer­den, der sie sich selbst gar nicht bewusst sind!

Aber auch Männer geizen nicht mit ihren Reizen und verstehen es, sich auffällig und ex­pressiv zu kleiden bzw. zu stylen. Auch eine zweite Form des Gebrauchs von Kleidung muss hier berücksichtigt werden, nämlich die der gediegenen, korrekten, zurückhaltenden oder auch einfach praktischen. Das muss nicht heißen, dass die Leute, die sich so kleiden langweilig oder monoton seien; mit einem klassisch-eleganten Stil ist man sehr gut gekleidet und fällt im Gegensatz zu der oben genannten Form nicht so sehr auf, wie ein buntes Bon­bon!

Um noch einmal auf die Kleidung als Reizfaktor einzugehen, kann man sagen, je schriller, bunter und abweichender, desto interessanter und reizstärker wird jemand wahrgenommen. Wilde Farbmuster und sich widersprechende Farben führen zu einer enormen Steigerung der Erregung, im gleichen Augenblick können sie jedoch abstoßend wirken. Eine eben­solche Steigerung lässt sich bei durchsichtigen Stoffen verzeichnen. Dieses Wissen wird sehr oft von Schülerinnen oder Studentinnen verwand, um bei den Lehrenden bessere Noten zu bekommen. Hier benutzen die Frauen ihre Attraktivität als Manipulationsmittel, was sich in der Länge bzw. der Weite der Röcke, Höhe und Tiefe der Taillen und Dekolle­tierungen feststellen lässt! In den USA mussten die Schüler durch solche Aktionen (Mini­röcke, Hot- Pants,...) die Schule verlassen.

Diese sexuelle Attraktivität hängt jedoch nicht allein von der Kleidung ab, sondern auch von verschiedenen anderen Faktoren, wie dem Haar, der Gepflegtheit oder anderen Acces­soires, wie zum Beispiel Schmuck. Große Ketten oder Ohrringe sind optimale Blickfänger und vergrößern die Aufmerksamkeit; in Afrika werden heute noch sog. „Knochenketten“ als Trophäe angezogen. Aber auch Brillen führen zu einer ersten Personenwahrnehmung. Trägt man schlicht und einfach, versucht die Brille also irgendwie an das Gesicht anzu­passen, oder greift man zu einem völlig extravaganten, ausgefallenen Modell, nur um aufzu­fallen? Eine Brille wird zuerst mit Attributen wie intellektuell und zuverlässig verbunden, auch die Vorstellung, dass brillentragende Menschen intelligenter seien, ist in manchen Köpfen verankert. Diese Behauptung lässt sich aber nicht bestätigen, denn oft verschwin­det dieser erste Eindruck in wenigen Sekunden, nämlich dann, wenn die betreffende Per­son den Mund aufgemacht hat, und die ersten Töne heraussprudeln. Frauen schneiden bei dieser Betrachtung allerdings nicht sehr positiv ab, denn brillentragende Frauen werden meistens negativer eingeschätzt. Aus diesem Grund sieht man bei den Damen, welche die Nachrichten im Fernsehen moderieren fast gar keine Brillen!

„Mädchen mit kurzen Röcken, heller Kleidung und mit [auffallendem] Make-up wurden als aufgeschlossener, unmoralisch und attraktiv angesehen; Mädchen, die eine Brille trugen, wurden konventionell, schüchtern, religiös und weniger attraktiv und aufgeschlossen ange­sehen.“[79]

Das wohl bedeutendste Zeichen für Sinnlichkeit und Sexualität sind die Haare, vor allem bei Frauen. Aber auch hier müssen Abstriche vorgenommen werden, denn nur lange Haare werden als erotisch betrachtet, wohingegen ein Kurzhaarschnitt bei Frauen als männlich angesehen wird. Auch hier gilt wieder die Regel: Muss ich mir wirklich die Haare wachsen lassen, um „In“ zu sein, obwohl es mir gar nicht steht?

Leute, die zum Beispiel eine Glatze tragen, müssen nicht unbedingt rechtsradikal sein oder eine Modeerscheinung mitbestimmen. Diese Art des „Kopfschmuckes“ kann ganz andere, tiefgründigere Wurzeln haben. Zum Beispiel die Auswirkung einer Chemotherapie bei einer Krebsbehandlung, und hier freuen sich die Betreffenden bestimmt nicht über den neuen Look bzw. den Imagewandel. Ein Sprichwort besagt, dass man bei jeder neuen Frisur einen bestimmten Abschnitt seines Lebens vollzogen hat und bereit ist für Neues, das mit dem Alten möglichst wenig zusammenhängt! Ist das wirklich so? Kann man nicht eher sagen, dass solche Leute mit sich selbst nicht zufrieden sind und immer noch auf der Suche nach sich selbst sind, indem sie „öfters mal was Neues ausprobieren“? Ist man ein zufriedener, ausgeglichener und glücklicher Mensch greift man nicht alle vier Wochen zu einem Radi­kalschnitt!

Man muss das Phänomen „Haar“ allerdings auch von einem anderen Blickwinkel betrach­ten, denn das lange und zersauste Haar der 60er und 70er, der sog. Hippie-Look prägte eine ganze Generation.

Teilweise ändert sich die Frisur auch mit der Kleidung; ein Punk würde man niemals in schlichter und legerer Kleidung sehen!

Kommen wir zu der Schlussbetrachtung „machen Kleider wirklich Leute?“ Ich meine schon, denn nimmt man das berühmte Beispiel vom Penner oder Aschenputtel ist ein hochkarätiger Imagewandel zu verzeichnen. „Normgerechte Kleidung, das sind in der etablierten Gesellschaft Sakkoanzug, Hemd und Krawatte für die Herren oder das Kostüm für die Damen- garantieren dem Träger, Ernsthaftigkeit auszustrahlen und Vertrauen zu erwecken, egal, wie bestechlich oder menschenverachtend der Träger auch sein mag. Die konventionelle Kleidung ist zur Gesellschaftsmaske geworden, aber keinesfalls eine Gleich­gültigkeit.“[80]

Abschließend lässt sich festhalten, dass ALLE in gewisser Weise mit Kleidung kommuni­zieren, egal, ob sie jünger wirken wollen oder sexy sein wollen!

„Mode ist ein unerklärliches Phänomen,

zumindest was folgende Dinge angeht:

die Zwanghaftigkeit, mit der sie neue Zeichen sucht,

ihre offensichtlich willkürliche und ständige Produktion

von Bedeutungsinhalten - eine Art Streben nach Bedeutung-

und das logische Geheimnis ihres Kreislaufs.

Sie alle gehören zu ihrem Wesen.“[81]

(Jean Baudrillard)

III. Die Stimme

Dem Liebsten flüstert sie erotisch zu, auf dem Fußballfeld brüllt sie cholerisch, und im Konzertsaal bringt sie mit zauberhaft geträllerten Melodien das härteste Herz zum Schmel­zen: die Stimme. Sie ist das komplizierteste und wundersamste Instrument, das die Natur wohl jemals hervorgebracht hat. Mit ihr lassen sich nicht nur Töne und Worte erzeugen, sie drückt auch Gefühle aus - sogar unabhängig vom Inhalt des Gesagten. Jetzt werden sich natürlich einige die Frage stellen, wieso kann man die Stimme der Nonverbalen Kommuni­kation zuordnen, denn mit ihr sprechen wir doch, und dieses Phänomen lässt sich eindeu­tig der verbalen Seite zuschreiben!? Nun, dieses Argument ist auch vollkommen richtig und die Kritik angebracht, denn verbal bedeutet wörtlich, mündlich, beinhaltet die gesprochene Sprache mit Wortwahl und Syntax. ABER: Die nonverbale Kommunikation bzw. Verhal­ten lässt sich in zwei Gruppen unterteilen. Zum einen in die „nonvokale“(von den Stimm- und Sprechwerkzeugen unabhängig), diese Gruppe haben wir schon kennen gelernt, sie umfasst die Mimik, Gestik, Blickkontakt und die Körperhaltung, und zum Anderen in die „vokale“( von den Stimm- und Sprechwerkzeugen hervorgebracht bzw. abhängig). Dies wären:

- zeitabhängige Aspekte, z. B.: Sprechdauer, Pausen, Tempowechsel
- stimmabhängige Aspekte, z. B.: Stimmqualität (Tonhöhe, Klangfarbe, z. B hoch, schrill, tief, brummig, glasklar,...)
- kontinuitätsabhängige Aspekte, z. B.: Versprecher[82]
- Intonation z. B.: Tonhöhenverlauf, senken, heben, schweben der Stimme
- Dynamik z. B.: Betonung und Lautstärke

1.Versteckte Botschaften

Denken wir zurück an unseren sprachlichen Anfang; hier nahmen wir zunächst nur eine Abfolge von Lauten wahr, mit denen wir zwar nichts anzufangen wussten, aber schon tiefe Bindungen bestanden: Bereits im Babyalter besteht zwischen Mutter und Kind ein so enges Verhältnis, das man mit Worten gar nicht beschreiben kann. „Der Schrei des Neugebo­renen wird allgemein als Element der Kommunikation und als angeborene Fähigkeit, die soziale Umwelt zu alarmieren, betrachtet.“[83]

Stimme und Stimmung sind untrennbar miteinander verbunden. Ein griechischer Philo­soph nannte die Stimme den „Spiegel der Seele“, sie ist schrill, zittrig, rau, zischend, schep­pernd, krächzend, metallisch, hart oder samtig, voll, sonor, wohltönend, weich und ero­tisch. Sie lässt vieles „durchklingen“, was wir so gar nicht meinten, oder der Klang der Stimme lässt den Inhalt völlig vergessen, weil wir nur auf die wohltönende, weiche oder erotische Stimme fixiert sind. „ Addington (1968) stellte fest, dass männliche Sprecher (bei Frauen sind die Ergebnisse anders) bezüglich ihrer Persönlichkeit folgendermaßen beurteilt werden, wenn sie verschiedene Redestile annehmen:

hauchend - jünger, künstlerisch

fad - männlicher, schwerfällig, kühl, zurückhaltend

nasal - sozial unerwünscht in verschiedener Weise

angespannt - älter, unbeugsam, rechthaberisch

kehlig - älter, realistisch, reif, weltoffen, gut angepasst

schnell - lebendig, extravertiert

abwechselnd in der Tonhöhe - dynamisch, feminin ästhetisch veranlagt.“[84]

Die Stimme trägt im wahrsten Sinne des Wortes das Innerste nach außen. Sie kann vor Nervosität zittern, vor Wut platzen oder aus Angst laut und schnell werden. Sie kann aber auch etwas über das Alter, den Charakter und die Persönlichkeit eines Menschen verraten, dazu in einer späteren Betrachtung mehr.

Die Stimme fasziniert und fixiert, z. B. verbinden wir eine tiefe, ruhige, dunkle Männer­stimme mit Ruhe und Weisheit; dagegen lassen hohe, schrille junge Mädchenstimme uns die Haare zu Berge stehen.

a) „Der Ton macht die Musik“

Die Stimme weckt mehr Informationen als bloße Worte verraten. „‚ Stimme ist also nicht nur das genetisch ältere, sondern auch das ursprünglichere, biologisch wirksamere Aus­drucksmittel als die Sprache. Die Worte können durch die Stimme einen Gefühlsgehalt, eine Gefühlstönung erhalten, die unabhängig vom ursprünglichen Wortsinn auftritt.’ (Dör­ner, 1946)“[85] Hierfür ist der Tonfall und die Satzmelodie verantwortlich, in dem sich auch die der Gefühlszustand eines Menschen widerspiegelt. Sogar, wenn sich zwei Gesprächs­partner nicht gut kennen, z. B. im Flugzeug, Bus oder Bahn, hören sie am Tonfall sehr schnell heraus, ob das Gegenüber ein Stimmungstief hat oder womöglich gerade eine Lüge auftischt. Will man nämlich seine Ruhe haben und nicht dem quasselnden Nachbarn zu­hören, geschweige denn reden, verfällt man oft in ein sog. „Blabla- Gespräch“ (man spricht nur das Nötigste und das auch nur um höflich zu sein!). Eric Berne hat solche Gespräche als „Zeitvertreib“ bezeichnet. Als Definition könnten wir sagen: „Zeitvertreib stellt eine Kommunikationsform dar, in der nicht der verbale Inhalt unserer Worte sondern allein unser Tonfall es ist, der eine Nachricht sendet.“[86]

b) Veränderungen der Stimmlage

Wenn ein Mensch traurig ist, schlägt sich dies im ganzen Körper nieder. Man wird träger und die Muskeln schlaffer, dadurch natürlich auch die Stimmbänder, die viel langsamer aneinander schlagen. Auch die Stimme verlangsamt sich, wird leiser und träger, manchmal kann man kaum etwas verstehen, da die Worte undeutlich ausgesprochen werden. Ändert sich jedoch der Gefühlszustand, schaltet der Körper sofort um, sämtliche Muskeln sind wieder angespannt (z. B. bei Freude und Ausgelassenheit), die Worte werden wieder deut­licher und sehr viel schneller ausgesprochen (hier spricht man deshalb auch oft vom „Überschlagen“ der Worte). Die Stimme klingt jetzt höher und lauter als zuvor.

Stimme offenbart Persönlichkeit, sie verrät das tatsächliche Befinden, Ängste und Stim­mungen.

2. Geschwindigkeit und Deutlichkeit

Wie oft kommt es vor, dass wir irgendwo anrufen und überhaupt nichts verstehen? Dies hat etwas mit der Geschwindigkeit und der daraus resultierenden Deutlichkeit zu tun. Ein Beispiel: „‚Wischafeban Disuelle Deuschlan Stugard- ich verbinde mit Herrn Hannawa….’(Dies soll heißen: Wirtschaftsverband Industrieller, Deutschland... Herrn Hannawalder!)“[87] Solche Brocken sind bei einem Telefongespräch oft das Einzige was hän­gen bleibt, das wiederum ist abhängig von den Wortsequenzen, die wir mehrmals am Tag wiederholen, und die dadurch schneller und deutlicher ausgesprochen werden. Im Ver­gleich werden schwierige Wörter, wie z. B. Fremdwörter langsamer und deutlicher ge­sprochen, da man sie durch mehrmaliges Sprechen erst richtig lernt. Deutlichkeit kann aber auch mit Verben wie nuscheln, lispeln, stottern, u. ä. zusammenhängen. Manche Sprach­fehler sind angeboren und müssen wegtrainiert werden (durch logopädische Behandlung), manchmal ist es aber auch ganz hilfreich einfach die Hand vom Mund zu nehmen oder die Zähne auseinander zu machen.

Langsames Sprechen kann in manchen Fällen bei dem Hörer Langeweile hervorrufen, da dieser schneller denkt, als der Redner spricht.

Mehrabian und Kollegen haben die Stimmen von verschiedenen Personen untersucht, die überzeugender wirken wollten; „solche Leute sprachen schneller, viel lauter, mit einem größeren Umfang in der Tonhöhe und der Lautstärke und mit einer regelmäßigen Ge­schwindigkeit. Leute die so sprachen, wurden als überzeugender wahrgenommen. Aber konnten Leute, die fließender sprachen tatsächlich überzeugen? (siehe Beispiel Telefon­gespräch) Leute, die fließender sprachen, wurden zwar als kompetenter angesehen, aber nicht als glaubwürdiger oder zuverlässiger; und so ist es nicht erwiesen, dass sie tatsächlich glaubwürdiger sind.“[88]

3. Das Lachen

Natürlich, sagen wir jetzt, das gehört ja auch zur nonverbalen Kommunikation. Das Lachen ist schon so banal, dass wir es beinahe vergessen hätten. Fast täglich lachen wir, aus Ausgelassenheit und Freude mit anderen zusammen oder schmunzeln vor uns hin oder lachen sogar hellauf, wenn wir gerade ein Buch lesen! Aber auch hier müssen Unterschiede festgestellt werden, denn nicht jeder lacht gleich und immer zum selben Anlass. Aus die­sem Grund gibt es verschiedene Lacharten, z. B. auf „haha, hehe, hihi, hoho und huhu“.

Ich würde sagen bei dem Lachen auf „haha“ lacht man herzlich, laut und aus voller Brust heraus. Es wirkt befreiend und erleichternd, danach fühlt man sich sehr wohl und zahl­reiche Glücksbotenstoffe werden ausgestoßen. Es heißt ja nicht umsonst: „Lachen ist ge­sund“; und es ist medizinisch erwiesen, beim Lachen werden 80 Muskeln bewegt und eine Minute lachen erfrischt, wie eine Dreiviertelstunde Entspannungstraining. In vielen Kinder­kliniken werden zur besseren Genesung dafür extra ausgebildete „Clowns“ einge­setzt.

„Das Lachen auf A ist das ursprünglichste Lachen, das Wort Lachen beinhaltet ja auch das „a“ (ebenso: laughter). Hieraus spricht Freude, also Eustress! (‚Freude durch Stress’.)“[89] Das genaue Gegenteil ist das Lachen auf „hehe“, denn hier ist der Mund nicht so weit auf­gerissen, wie bei dem Vokal „a“, sondern verklingt mit einem negativen Touch; hier muss ich an eine Hexe denken, die höhnisch, spöttisch und abfällig über jemanden lacht.

4. Lautäußerungen ohne verbalen Inhalt

Weiter nichtverbale Verhaltensweisen, die wir alle verwenden ohne das es uns auffällt, sind: Stöhnen, seufzen, hüsteln und gähnen. Auch durch diese drücken wir Emotionen und Reaktionen aus. Das Stöhnen wird angewendet, wenn wir mitteilen wollen, dass uns etwas extrem schwer fällt oder dass es zu viel ist. Kommt zum Beispiel der Chef herein und ver­langt von seiner Sekretärin einen Stapel Akten innerhalb von einer gewissen Zeit abzu­arbeiten, wird diese zuerst innerlich stöhnen und wenn der Chef das Zimmer verlassen hat, laut stöhnen und fluchen. Das Seufzen deutet eher auf eine traurige Person hin, die so in ihrer Welt eingeschlossen ist, dass sie gar nichts mehr wahrnimmt. Solche Menschen be­drückt oft großer Schmerz und Kummer. Mit dem Hüsteln wollen wir auf uns aufmerksam machen, es klingt gekünstelt; aber nicht immer will man damit auffallen und stören, meistens muss man hüsteln, wenn man einen Reizhusten hat, oder Rauch ausgesetzt ist. Das Gähnen ist das wohl eindeutigste Phänomen. Für einen Lehrer kann es nichts Schlimmeres geben, wenn seine Schüler gähnen. Dies deutet darauf hin, dass der Stoff langweilig ist, oder der Lehrer die Schüler nicht richtig motivieren kann. Aber nicht nur Langeweile wird ausgedrückt, sondern auch Müdigkeit, da gähnen auch bedeuten kann, dass dem Körper Sauerstoff fehlt.

5. Stimmen sind Markenzeichen

Stimmen graben sich ins Gedächtnis ein, manchmal besser als Gesichter. Keine Stimme gleicht der anderen, selbst wenn manche von uns sie meisterhaft verstellen und andere Stimmen nahezu perfekt parodieren können. Sie ist ein „akustischer Fingerabdruck“. Hat der Täter bei einem Verhör eine zittrige Stimme, deutet dies auf Nervosität hin, was ja vielleicht auf eine Lüge schließen lässt. Kriminologen können mit Hilfe eines Sonagramms sogar verzerrte und verstellte Stimmen entschlüsseln und dadurch Täter überführen. Ein schwäbisches „s“ klingt anders als ein hessisches und sogar Zahnlücken hinterlassen laut­malerische Spuren.

Festhalten lässt sich, dass die Stimme ein Wunder der Natur ist, denn durch sie können wir uns verständigen, Gefühle ausdrücken und auch Emotionen wecken. Sie ist ein wunder­bares Instrument, das bezaubert, verführt, fasziniert und erheitert, sie kann aber auch glücklich und traurig machen. Die innere Stimme eines Menschen ist für andere stumm, erst wenn wir uns dazu entschließen, das gefühlte und erlebte auszudrücken, dringt sie nach außen.

IV. Die Sprache der Taubblinden

Diese Art der Kommunikation hat mich schon immer fasziniert, den Taubblinden liegt nämlich nicht die Form der Gebärdensprache zugrunde, wie den Taubstummen, da ihnen das Medium „Sehen“ fehlt!

Taubstumme können sich durch die Gestik, Mimik, Blickkontakt und Körperhaltung ver­ständigen, also dem ganzen Repertoire der nonverbalen Kommunikation, aber wie kommu­nizieren jetzt Taubblinde? Einige werden sagen, das geht doch gar nicht! Aber diese Menschen können genauso erzählen wie du und ich, denn eine Seite der Verständigung funktioniert ja noch, nämlich die der Sprache.

Die Tochter der Cousine meiner Oma ist taubblind und findet sich im Leben sehr gut zu­recht. Immer wenn wir uns sehen ist sie sehr glücklich und freut sich riesig. Die Begrüßung erfolgt zunächst wie bei Sehenden auch, mit dem Händeschütteln, danach wird es ein biss­chen kompliziert, aber mit der Zeit hat man sich ganz schnell eingefunden. Kommen wir nach der Begrüßung zum eigentlichen Gespräch: „Dem Lormen“.

Vor dem Treffen muss ich die einzelnen Buchstaben lernen wie eine Fremdsprache, aber zum Glück habe ich immer meinen „Spickzettel“ dabei (siehe Anhang). Wenn sie mich also etwas fragt, z. B.: Macht dir das Studium Spaß?; antworte ich so:

Ich nehme ihre rechte Hand und schreibe ihr mit meinem Finger die Antworten hinein. Ich würde also mit zwei Punkten auf die Mittelfingerspitze beginnen, gefolgt mit einem Punkt auf die Daumenspitze,...

Wir erzählen also mit Hand und Finger, die wie Schlüssel und Schloss genau aufeinander passen. Ich drücke, kreise und umfasse die verschiedenen Finger und sie entschlüsselt die Botschaft. Diese Zeichen- bzw. Fühlsprache gehört für mich automatisch zur nonverbalen Kommunikation dazu!

Schlussbetrachtung

Zu Beginn dieser Arbeit stellte ich die Frage, was verstehen wir unter „nonverbaler Kommu­nikation“ bzw. „nonverbalem Verhalten“? Nonverbale Kommunikation kann vielfältig dargestellt und interpretiert werden, wie ich in dem Hauptteil, an den Beispielen Kleidung und Stimme versucht habe darzustellen. Winzig kleine Ursachen können bei die­ser Art der Kommunikation große Wirkungen hervorrufen. Wird ein kleines Lächeln zum falschen Zeitpunkt eingesetzt, kann dies zu großen Kontroversen führen, oder eine ver­söhnliche Geste wird im richtigen Moment falsch verstanden.

Diese Art der Verhaltensweise wurde vor unserer Zeit gebraucht, wir verwenden sie heute und sie wird auch in Zukunft vorhanden sein, denn ohne sie könnten wir nicht existieren!

Feministisch linguistische Aspekte in der Organisation eines Gesprächs (Marina Müller)

Was ist „Feministische Linguistik“?

„Feminismus“: Dieses Wort wird in[90] unserer Gesellschaft sehr negativ aufgefasst, dabei ist damit die neue Frauenbewegung gemeint, „die ein neues Selbstverständnis der Frau und die Aufhebung der traditionellen Rollenverteilung anstrebt“[91] bzw. es kann darunter in zoo­logisch- medizinischer Betrachtung die „Ausbildung weibl. Merkmale bei männlichen We­sen; Verweiblichung“[92] verstanden werden.

Diese neue Frauenbewegung entstand in den berühmten „68ern“ des 20.Jahrhunderts. Frauen wollten nicht mehr nur Kinderbetreuerin, Kaffeekocherin oder Sekretärin sein, denn selbst im SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) hatten sie kaum andere Positionen. Nach dem legendären Tomatenwurf gründeten sie den „Aktionsrat zur Be­freiung der Frau“. Hier ist der Beginn „feministischer Suche“[93] nach „weiblicher Rede­kultur“[94] in Deutschland zu finden.[95] Jedoch wurden die ersten Arbeiten zum Verhältnis von Geschlecht und Sprache in den USA Anfang der 70er Jahre geschrieben. Die „ameri­kanischen Mütter der feministischen Linguistik“ sind Mary Richie Key und Robin Lakoff. Doch schon im Wintersemester 1974/75 bot Ingrid Guentherodt das erste Hauptseminar in Deutschland an mit dem Thema „Rollenverhalten der Frau und Sprache“, vier Jahre später waren es schon drei Veranstaltungen zum Thema „Sprache und Geschlecht“ bzw. „Frauensprache“. Die „deutschen Mütter“ dieses neuen Forschungsgebietes waren Luise F. Pusch und Senta Trömmel-Plötz.[96]

Diese Frauen hatten einen schweren Weg zu gehen, denn die „Feministische Sprachwissen­schaft“ bzw. „Feministische Linguistik“ wurde von Wissenschaftlern und anderen Män­nern als „Sprachfeminismus“ deklariert und deshalb als Fach abgelehnt.[97] Dabei wollen Frauen „die Wissenschaft, in der sie forschen nicht als einen von ihnen und ihren Inte­ressen abgekoppelten Bereich wissen, sie wollen vielmehr ihr Interesse als Frauen auch in ihrer Arbeit als Sprachwissenschaftlerin artikulieren“[98].

„Ziel der feministischen Linguistik ist es, Sprache in allen ihren Bereichen auf die Möglich­keit der Benachteiligung von Frauen hin zu untersuchen und gefundene diskriminierende Eigenschaften zu beseitigen.“[99] Heute wird es ein wenig abgeschwächter verstanden, denn heute bedeutet „Feministische Linguistik nicht mehr, dass alle Diskussionsbeteiligten Fe­ministinnen sind, dies zeigt schon die Verwendung von anderen Termini wie „Femi­nistische Geschlechterforschung“, es geht also um die Erforschung des Verhaltens beider Geschlechter in Gesprächen und dann vielleicht noch feministisch zu akzentuieren.[100]

Das Hauptaugenmerk der Feministischen Linguistik liegt auf zwei Gebieten: zum einen das System der Sprache und zum anderen das unterschiedliche Kommunikationsverhalten der Geschlechter.

Im ersten Gebiet geht es hauptsächlich um den Sexismus in der Sprache, hier im speziellen in der deutschen Sprache. Denn hier wird die maskuline Form von Substantiven und Pro­nomina generisch verwendet: zum Beispiel hat jeder, egal ob Mann oder Frau, in seinem Reisepass zu stehen: „Der Inhaber dieses Passes ist Deutscher“. Mittlerweile wurden viele Vorschläge gemacht und z.B. Schreibkonventionen wie StudentInnen, SchülerInnen haben in vielen Kreisen der Gesellschaft Anklang gefunden.[101] Ob nun aus wirklicher Akzeptanz heraus oder nur um seine Ruhe zu haben, wäre diskussionswürdig, doch hier ist nicht der geeignete Raum dafür.

Für diese hier vorliegende Arbeit wende ich mich diesem Diskurs ab und konzentriere mich auf das zweite Teilgebiet der feministischen Linguistik – Das Verhalten der Ge­schlechter in Gesprächen mit besonderem Fokus auf die Organisation eines Gesprächs.

Allerdings birgt diese Arbeit einige Schwierigkeiten in sich, da die derzeitige Forschungs­lage nicht befriedigend ist. Die ersten Arbeiten zu diesem Thema sind in den 70er Jahren entstanden. Hier wird die Frau nur als Opfer gesehen und die damals aufgestellten Thesen sind unhaltbar, da auch die Art und Weise der angefertigten Studien nicht wissenschaftlich genug sind, d.h. die Antwort stand am Beginn der Untersuchung schon fest und dement­sprechend wurden auch die Fragestellungen formuliert, somit können keine verwertbaren Aussagen getroffen werden. In den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren sind wissenschaft­lich zuverlässigere Studien erschienen, die sicherlich vom Umfang her noch nicht befrie­digen können, dennoch wurden viele der anfänglich aufgestellten Hypothesen negiert oder abgeschwächt bestätigt gefunden. Da dieses Gebiet noch immer stiefmütterlich in der Lin­guistik behandelt wird, müssen die Forscher der Feministischen Linguistik ihre Brötchen zunächst mit anderen Studien verdienen, so dass es wohl noch seine Zeit brauchen wird, bis man handfeste Untersuchungen und Ergebnisse aufzeigen kann, in wie weit der Faktor Geschlecht in der Führung von Gesprächen eine Rolle spielt.

Es muss noch erwähnt werden, dass der Forschungsschwerpunkt im deutschsprachigen Raum auf dem öffentlichen Sprechen liegt, also Fernsehdiskussionen, Parlamentsdebatten, Arzt – Patienten – Gespräche, Bereiche der Schule und Universität, wohingegen im eng­lischsprachigen Raum die Arbeit auf Paargespräche konzentriert wird.[102]

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich hauptsächlich mit dem deutschen Forschungs­stand.

Werden Frauen im Gespräch unterdrückt?

„Frauen werden im Stadtparlament erst einmal negiert bzw. ausgegrenzt. Selbst wenn ich mich ‚ordentlich’ benehme, sachbezogen argumentiere, niemanden beschimpfe, nicht unter­breche, mich also an die Regeln halte, werde ich absichtlich bei Wortmeldungen übersehen oder von Kollegen dumm und frech angeredet. Inzwischen tu ich einiges, was eine Frau anscheinend nicht tun sollte: ich werde ausgesprochen laut, ich unterbreche, ver­suche das letzte Wort zu behalten und bin polemisch. Dies alles könnten sie mir noch nachsehen, die Kolleginnen und Kollegen, wenn ich mich zudem nicht auch noch als Frau verweigern würde. Ich verweigere Männern ihr Lebenselixier, die notwendige Anerkennung ihrer ‚natürlichen’ Überlegenheit. Ich versuche ihnen auch die Beziehungsarbeit in Ge­sprächen zu verweigern, indem ich mich nicht ständig um einen guten Ausgang bemühe, sie im Gegenteil mit unseren Meinungsverschiedenheiten stehen lasse.“[103]

Dieses Zitat zeugt davon, dass wir uns bestehender Unterschiede sehr sicher sein können. Dennoch ist damit nicht bewiesen, dass es ausschließlich vom Geschlecht abhängt, wie jemand im Gespräch behandelt wird. Denn dass Männer und Frauen in ihrem Verhalten unterschiedlich sind, wird niemand anzweifeln wollen. Dies ist sicherlich nicht nur gene­tisch bestimmt, sondern auch gesellschaftlich durch die Erziehung geprägt.

In den nachfolgenden Abschnitten werde ich auf einzelne Aspekte der Organisation eines Gespräches, den Sprecherwechsel, Unterbrechungen, Gesprächsarbeit und nonverbale Kommunikation eingehen und sie mit Blick auf geschlechtsspezifische Charakteristika hin beleuchten.

Als Grundlage für meine endgültigen Aussagen verwende ich die Studie von Ulrike Gräs­sel, die sich mit Fernsehdiskussionen befasst, da diese mir am aussagekräftigsten erscheint, aufgrund ihrer differenzierten Sichtweise auf die Hypothesen ihrer Vorgänger. Dieser Ein­druck ergibt sich da heraus, dass sie den Faktor „Status“ mit einbezieht, was meiner Mei­nung nach weitaus mehr Sinn macht.

Sprecherwechsel

In Bezug auf den Sprecherwechsel tauchen in der Literatur zur Linguistischen Geschlechter­forschung immer wieder Hypothesen auf wie: Männer ergreifen häufiger selbst das Wort. Frauen wird das Wort öfter erteilt. Frauen sprechen mehr andere Teil­nehmer an. Erleidet eine Frau Misserfolg bei Selbstwahl, so wird dies als Inkompetenz ge­wertet uvm.

Bei der Grässel-Studie wurde festgestellt, dass Frauen das Wort häufiger erteilt wird als Männern.[104] Auf der Statusebene erhalten statusniedrigere das Wort häufiger durch die Mode­ration als statushohe Personen. Experten sprechen zu anderen Personen häufiger als Betroffene, ohne ihnen damit das Wort erteilen zu wollen. Auch ergreifen Experten das Wort häufiger selbst. Statushohe Gesprächsteilnehmer erteilen anderen Diskussionsteil­nehmern durch direkte Anrede das Wort öfter als statusniedrigere.[105]

In der Untersuchung von Wahlmann[106] finden sich diese Tendenzen bestätigt, in der empi­rischen Untersuchung der Fernsehdiskussion „Doppelpunkt“ nehmen sich die Frauen ge­nauso oft das Wort wie die Männer. Dennoch ist der Wert für Fremdwahl doppelt so hoch wie bei den Männern. In ihrer zweiten empirischen Untersuchung der Fernsehdiskussion „Talk im Turm“ kommt ähnliches heraus. Hier jedoch kommen die Frauen mehr durch Fremdwahl als durch Selbstwahl zu Wort. Auch Wahlmann zieht den Status in Betracht, sie schlussfolgert, dass die Frau als statusniedriger gewertet wird.[107]

Damit ist grundsätzlich klar, dass es doch um den Status geht. Es ist natürlich nicht akzep­tabel, dass Frauen generell statusniedriger wahrgenommen werden als Männer. Aber in unseren Gesellschaftskreisen hat sich in den letzten 30 Jahren doch einiges getan, so dass Expertinnen genauso anerkannt sind wie ihre männlichen Kollegen.

Unterbrechungen

In vielen Schriften zur Feministischen Linguistik findet sich die Hypothese, dass Männer häufiger unterbrechen, bzw. dies versuchen als Frauen und dass sie zudem vorwiegend Frauen unterbrechen, wenn diese an der Gesprächsrunde teilnehmen. Wenn Frauen unter­brochen werden, werden diese Unterbrechungen als normaler Sprecherwechsel gesehen. Unterbrechungen sind Dominanzindikatoren.

In der Studie von Grässel gibt es weder signifikante Unterschiede noch Tendenz in Bezug auf das Geschlecht, was die Häufigkeit von Unterbrechungen anbelangt. Erst auf der Ebene eines hohen Status kommt etwas Überraschendes heraus: „Statushohe Frauen unter­brechen häufiger als Männer wegen eines Zusatzes.“[108] Des Weiteren stellt sie fest, dass statushohe Personen häufiger als statusniedrigere unterbrechen.[109]

Wie man sieht, spielt das Geschlecht an sich nicht die Rolle, ob man unterbrochen wird. Es stellt sich jedoch die Frage: „Warum wird man unterbrochen?“ Männer unterbrechen zur Themenkontrolle, um ihren Redebeitrag einzubringen und sich selbst in Szene zu setzen. Dabei werden vorangegangene Beiträge ignoriert und der Vorredner nicht ernst ge­nommen. Frauen hingegen unterbrechen kooperativ, z.B. in Form von Overlaps, Unter­stützungen, Kommentaren, sie beziehen sich auf ihre Gesprächspartner und behalten in den meisten Fällen das Thema bei.[110] D.h. also, dass die Unterbrechung nicht immer damit gleichzusetzen ist mit der Verletzung des Rederechts, es steckt nicht immer dominantes Gesprächsverhalten dahinter. Was die Statustheorie betrifft, zeigen Untersuchungen von Eltern-Kind-Gesprächen, dass 86% aller Unterbrechungen von den Eltern gemacht wer­den. Damit könnte man jetzt wieder darauf schließen, dass Frauen Kindern gleichgestellt wären[111], was nun wirklich zu weit geht, denn wie man bei Grässel sehen kann, hängt es vom Status ab und eine erwachsene Frau hat immer einen höheren Status als ein Kind.

Was ganz besonders in Medieninterviews auffällt, ist die Tatsache, dass der Interviewer unterbricht und dies ohne auf das Geschlecht zu achten, denn es bleiben genauso viele Redebeiträge von Frauen unvollendet wie von Männern. Es finden mehr Unterbrechungen ohne simultane Rede statt als mit. Bei Politikern hingegen fällt auf, dass sie sehr viel simul­tan reden. Was man dem Interviewer zugestehen muss, er ist für eine enge Gesprächs­führung verantwortlich, d.h. er muss viele Fragen stellen, um schnell zu detaillierten Ant­worten zu kommen, zumal im Fernsehen und Radio auch die Zeit für solche Beiträge im­mer eingehalten werden muss. Somit ist der Reporter auch dazu angehalten verbale Hilfe zu leisten, wenn dem Interviewten die Worte fehlen. Und ab und zu muss man mit der ad­versativen Konjunktion „aber“ die wichtigen Informationen noch aus den Politikern heraus­holen.[112] Es gibt also für die Unterbrechung von Reportern plausible Erklärungen.

Gesprächsarbeit

In der einschlägigen Literatur stößt man immer wieder auf die gleichen Hypothesen in punkto Gesprächsarbeit und Geschlecht. Frauen unterstützen vielmehr ihre Gesprächs­partner bei ihren Beiträgen in Form eines Wortes oder umfangreicherer unterstützender Äußerungen. Frauen leisten eine größere Höreraktivität. Männer stellen Scheinbezüge her, Frauen beziehen sich mehr auf ihren Gegenüber im Gespräch. Das weibliche Geschlecht stellt mehr Rückversicherungsfragen uvm.

Schaut man sich nun die Ergebnisse von Ulrike Grässels Studie an, so bestätigt sich die Hypothese, dass Frauen eine größere Höreraktivität zeigen in Form von Unterstützungen, Statements, Satzvollendungen, Nachfragen und Widersprüchen. Dabei interpretiert Frau Grässel dieses Verhalten als Ausdruck mangelnden Selbstwertgefühls, da sie bei Nach­fragen bei den Frauen, warum sie dies taten als Antwort bekam, dass die Frauen oft der Meinung sind, was sie zu sagen hätten, wäre nicht so wichtig.[113] Auch bei einer hohen Status­ebene ist dies noch der Fall, dass Frauen eine höhere Höreraktivität zeigen als Män­ner. Schaut man jetzt jedoch mal rein auf die Statusebene, so stellt man fest, dass status­hohe Personen ebenfalls eine größere Höreraktivität zeigen als statusniedrige.[114] Damit ist es nicht mehr verwunderlich das statushohe Frauen eine große Höreraktivität zeigen.

Frauen verhalten sich im Gespräch kooperativer, dies liegt in ihrer Natur und dass sie eher in privaten Bereichen reden. Sie sucht mittels Sprache ihre Bestätigung im sozialen Netz­werk, deshalb spricht man bei Frauen von „Beziehungssprache“. Sie wollen Harmonie im Gesprächsablauf, jeder soll zu Wort kommen, dies schließt Diskussionen nicht aus. Bei Männern spricht man hingegen von der „Berichtssprache“, ihr Stil ist konfrontativ, konkur­renzerzeugend, kompetitiv und selbstbezogen. Es geht bei Männern immer um die Frage ihres Status, diesen zu bestätigen bzw. zu erweitern.[115]

Nonverbale Kommunikation

Die nonverbale Kommunikation birgt viele Tücken, da sie sehr unterschiedlich interpretiert werden kann und das besonders bei Mann und Frau. „Ein und dieselbe Äußerung kann sowohl Status bzw. Macht als auch Solidarität bzw. Intimität ausdrücken!“[116] Zudem sind bestimmte Verhaltensweisen auch anerzogen je nach Kulturkreis. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass Frauen empfänglicher sind für nonverbale Kommunikation, sowohl bewusst als auch unbewusst.

Allgemein wird behauptet, dass Frauen weniger Raum einnehmen, sie machen sich eng und schmal, sie tragen zudem weniger funktionelle Kleidung. Männer hingegen machen sich breit und tragen funktionelle Kleidung. Beim Augenkontakt wenden Männer sich ab, sie vermeiden ihn untereinander, dies wird als Dominanzgeste gewertet. Frauen hingegen schauen ihrem Gegenüber in die Augen. Wenn Männer Frauen anstarren ist es häufig sexuell motiviert. Frauen lächeln auch mehr als Männer teils beschwichtigend, teils ver­zeihend, um eine angenehme Atmosphäre zu erhalten. Sie kaschieren damit aber auch Un­sicherheiten. Zudem ist bei einem händchenhaltenden Pärchen die männliche Hand vorn, der Mann umfasst die Frau an der Schulter, dies wird als männliche Führung ausgelegt, auch dass die Frau sich beim Mann einhakt und sich an ihn schmiegt.[117]

Adriana Falger äußerte sich so dazu: „Wie es scheint, schlüpfen beide Geschlechter bewußt oder nicht, in die ihnen sozial und kulturell vorgeschriebenen Rollen: der große und starke Mann beschützt die schwache und hilfsbedürftige Frau.“[118]

In der Grässel-Studie sind Tendenzen gefunden worden, dass Frauen mehr auf sich deuten als Männer in einem Gespräch. Auf der Ebene Status und Geschlecht wurde festgestellt, dass statushohe Männer ihren Zeigefinger häufiger erheben als statushohe Frauen. Spricht jedoch ein Experte zu einer statusniedrigeren Person, dann erhebt er seinen Zeigefinger häufiger. Statushohe Frauen lächeln statushohen Männern gegenüber häufiger an unpas­senden Stellen.[119]

Man muss die dargestellten Beobachtungen von Adriana Falger mal etwas genauer unter die Lupe nehmen. Die Sache mit dem Händchenhalten und die Frau bei der Schulter um­fassen hängt wohl unweigerlich mit der Größe zusammen. Es ist nun mal gesellschaftlich aber auch natürlich geprägt, dass der Mann größer ist als die Frau. Es ist äußerst unbequem als kleinere Frau den Mann an der Schulter zu umfassen, bzw. die Hand vorn zu haben beim Hand-in-Hand-Gehen. Das hat nichts mit dem Mann als Führer zu tun, sondern ledig­lich mit dem Größenunterschied. Dass die Frau sich beim Mann einhakt, ist gesell­schaftlich bestimmt, es würde jedem komisch vorkommen, wenn es andersherum wäre, sicherlich ist dies aus patriarchischeren Zeiten übrig geblieben und kann heute nur noch als Tradition unseres Gesellschaftskreises angesehen werden. Zu dem Punkt, dass Frauen weniger Raum einnehmen, sich „eng“ machen: dies ist wohl auch hauptsächlich auf die Erziehung zurückzuführen, denn Mädchen werden ermahnt, wenn sie breitbeinig sitzen, Jungen hingegen nicht. Bei Frauen wird solch eine Gebärde auch eher ins sexuelle ausge­legt. Was die Aussage über die Kleidung betrifft, sind Frauen von heute doch etwas ange­passter, schließlich dürfen sie mittlerweile auch Hosen tragen.

Wie zu Beginn dieses Abschnitts gesagt, ist die nonverbale Sprache sehr breit interpretier­bar und ich weigere mich, mich solchen Aussagen hinzugeben, die eindeutig nur in eine Richtung ausgelegt werden, um eine Hypothese bestätigt zu finden.

Um zu der eingangs gestellten Frage „Werden Frauen im Gespräch unterdrückt?“ nun zu­rückzukommen:

Sicherlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass Männer und Frauen auf unterschiedliche Weise sprechen/kommunizieren, das heißt für mich persönlich nicht, dass sie eine unter­schiedliche Sprache sprechen, wie es in der Theorie der „zwei Kulturen“ von Maltz und Borker (1982/1991 in Deutschland) behauptet wurde. Hier wird davon ausgegangen, dass Mädchen und Jungen getrenntgeschlechtlich aufwachsen. Mädchen lernen die Gleichheits­ideologie und die soziale Welt der Jungen besteht aus der Wahrung ihrer eigenen Domi­nanzposition. Somit werden die Sprachverhaltensmuster den gängigen Geschlechtsrollen­stereotypen zugeordnet[120], sie werden also förmlich in dieses Schema hineingezwängt. Mir stellt sich die Frage, wie eine solche Theorie in den 80er Jahren noch aufgestellt werden konnte, denn die getrenntgeschlechtliche Organisation der Erziehung der Kinder war doch zu dieser Zeit schon fast kein Thema mehr in unserer Gesellschaft.

Meiner Meinung nach kommt die Theorie des „doing gender“ bzw. des „Genderlekts“ der ganzen Frage näher. „Gender“ bedeutet das „soziale Geschlecht“, es reicht hier nicht nur das genotypische und phänotypische des Menschen aus, es werden weitere Faktoren mit in Betracht gezogen wie die situative Dynamik, die soziale Konstellation der Gesprächs­partner, grob gesagt „einem Geschlecht zugeschriebenen sprachlichen Phänomene werden […] in einem vielfältigen Bezugs- und Analyserahmen gestellt“[121]. Es kann also nicht von stabilen Genderlekten ausgegangen werden, denn „gesellschaftliche Machtverhältnisse sind […] nicht einfach“ da, „während wir interagieren, kommunizieren, stellen wir die Macht­verhältnisse her, konstruieren Weiblichkeit oder kulturelle Differenzen.“[122] Und genau diese Prozesse will das „doing gender“ aufdecken, ihre Fragestellung lautet: Wie funktionieren die Konstruktionsprozesse der Geschlechtertypisierungen?[123]

D.h. also, dass wieder alles auf unsere Erziehung hinaus läuft und die Erziehung, die wir heute haben, hat sich seit der Menschwerdung entwickelt, seit wir in sozialen Verbänden leben. In diesen sozialen Verbänden herrschen Gesetze, damit sie funktionieren und über­leben können und diese Gesetze werden weitergegeben und den Entwicklungen der Ge­sellschaft angepasst. Damit steht erst einmal grundsätzlich fest, dass Frauen sich um die Familie kümmern, denn eine hochschwangere Frau kann schlecht einem Mammut hinter­her jagen und sie sollte stets darum bemüht sein die Harmonie in der Gruppe zu erhalten, damit die Gruppe zusammenarbeitet, denn ansonsten überlebt keiner. Man kann erst ein­mal pauschalisierend sagen, dass die Aufgabenverteilung zunächst naturbedingt war, denn Männer sind nun mal kräftiger und Frauen bekommen auch heute noch die Babys.

Nun haben sich die Zeiten ganz bestimmt geändert, der Mensch hat sich weiterentwickelt und ein viel komplizierteres soziales Gefüge/System ausgearbeitet, bedingt durch die Er­findungen, die er gemacht hat, haben sich viele Dinge geändert. Frauen können heute auch auf die Jagd gehen und zwar nach Geld, nicht mehr nach Mammuts, d.h. also sie sind nicht mehr auf die Männer angewiesen, was ihren Lebensunterhalt anbelangt. Sie sind sozusagen selbstständig und unabhängig geworden, was sehr gut ist meiner Meinung nach, dennoch würde diese Gesellschaft nicht funktionieren, wenn Mann und Frau sich von einander trennen würden oder wie existiert die Menschheit dann weiter? Der Punkt ist doch, dass man sich grundsätzlich zueinander hingezogen fühlt, wenn die Chemie stimmt. Und das kann niemand beeinflussen, dies ist naturbedingt, in dieser Hinsicht sitzen wir immer noch auf den Bäumen. Das Problem ist, dass die Herren der Schöpfung und auch die Frauen, denn die Mütter leisten ja die Erziehungsarbeit in den meisten Fällen, umdenken müssen, sie müssen die neuen Gegebenheiten unserer Gesellschaft erkennen und verstehen. Frauen sind mittlerweile genauso gut wie Männer, denn heutzutage geht es mehr darum, was man im Kopf hat und nicht in den Muskeln. Der Mensch ist jedoch ein Gewohnheitstier, wie lange wurden Entdecker verspottet sogar umgebracht für Erfindungen/ Entdeckungen, die für uns heute selbstverständlich sind. Wir schmunzeln doch heute über die mittelalterlichen Vorstellungen von dem Aufbau der Erde. Wie lange hat es gebraucht, bis akzeptiert wurde, dass es Krankheitserreger sind, die Cholera und Pest auslösen und keine bösen Geister und Dämonen. Und gerade solch ein Erkennungsprozess muss auch in der Anerkennung der Frau stattfinden. Es muss bei den Männern aber auch bei den Frauen ein Schalter umgelegt werden und somit in der Gesellschaft.

Es bestehen also tatsächlich Unterschiede im Sprachverhalten von Mann und Frau, weil es uns anerzogen und vorgelebt wird. Frauen wie Alice Schwarzer, Senta Trömmel-Plötz, Friederike Nadig und viele andere mutige Frauen, die sich für die Unabhängigkeit, die Frei­heit von Frauen einsetzen, muss zunächst einmal gedankt werden und ihre Leistungen müssen hoch anerkannt sein. Viele Freiheiten, die die jungen Frauen von heute haben, ha­ben sie mit viel Mühe und unkonventionellen Mitteln erstritten und sie werden heute dafür vielfach noch verspottet. Ich stimme mit deren Meinungen auch nicht immer überein, sie drängen die Frauen zu oft in die Opferecke und machen die Männer zu den Tätern. Das ist von meinem Standpunkt aus auch nicht der richtige Weg, aber sie haben uns gezeigt, dass man mit unkonventionellem Vorgehen eine Menge erreichen kann. Mit der Zeit bringt man die Gesellschaft zum Umdenken, doch es ist ein Prozess, den man nicht von heute auf Morgen vollenden kann, schließlich haben sich unsere sozialen Strukturen auch über Jahr­tausende entwickelt und wir können unsere natürliche Herkunft nicht einfach ablegen. Man(n) und auch frau müssen hier weiter in diese Richtung vorstoßen, jedoch nicht mit irgendwelchen Quoten, denn das ist diskriminierend, nur auf dem Posten zu sein, weil man eine Frau ist und nicht weil man kompetent ist. Dann wird es auch bald ad acta gelegt sein, dass Frauen generell als statusniedriger eingestuft werden und eben so behandelt und mit ihnen gesprochen wird.

Wie Frau Sellach es in ihrem Bericht („Als Feministin im Parlament“) getan hat, sich den sprachlichen Gegebenheiten anpassen, um das zu bekommen, was man will. Denn es wurde auch herausgefunden, dass Männer durchaus den weiblichen Sprachstil beherrschen, wenn sie sich in gemischtgeschlechtlichen Gruppen mit Frauenüberschuss bewegen[124]. Es liegt also nicht nur an den Männern, die Frauen müssen sich bewusst machen, wie man sich zu verhalten hat, wenn man etwas will und das wir alle Menschen sind, egal ob männlich oder weiblich. Dennoch sollte man sich und seinem Geschlecht treu bleiben und nicht als Frau versuchen zum Mann zu werden, denn genetisch sind gewisse Grundlagen und auch Verhaltensweisen bedingt und somit werden Frauen immer etwas gefühlsbetonter sein, dennoch sollte dies nur im richtigen Moment herausgelassen werden.

Um nun die Frage endgültig zu beantworten: „Ja, mit Einschränkungen.“ Ja, Frauen wer­den in gemischtgeschlechtlichen Gesprächen unterdrückt, wenn sie als statusniedriger von ihren Gesprächspartnern angesehen werden, aber auch von ihren Gesprächspartnerinnen. Vor allen Dingen, wenn sie sich in diese Position drücken lassen, werden sie unterdrückt.

Ich beende diese Arbeit mit einem Zitat aus den Schlussworten der Untersuchung von Ulrike Grässel, denn sie spricht mir aus dem Herzen. „Die Leistung von Gesprächsarbeit, die Sorge dafür, daß ein Gespräch gelingt, sollte nicht das einzige Ziel von Frauen in Ge­sprächen sein. Auch Frauen sollten sich die Frage stellen, wie sie in einem Gespräch auch ‚gewinnen’ können, wie sie auch in einem Gespräch ihren Anspruch auf ein eigenes Stück Leben – auf eine eigene Meinung? – geltend machen können. Und ‚gewinnen’ können Frauen, indem sie sich die kommunikativen Funktionen ihres Sprachverhaltens bewußt machen, indem sich Frauen darüber klar werden, wie das, was sie sagen, durch eine be­stimmte gewählte Formulierung bei ihren Gesprächspartnern und –partnerinnen ankommt. Je nach Situation sollten Frauen abwägen und entscheiden, wie sie sich verhalten, welche Formulierungen sie wählen, wie direkt oder zurückhaltend sie sein sollten. […] Ein solches selbstreflexives Moment wäre die Chance, althergebrachte Gesprächsstrukturen aufzu­brechen, eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung auch in Gesprächen zu überwinden, so daß Frauen und Männer dafür verantwortlich werden, daß ein Gespräch gelingt, und da­durch Männer und Frauen die Chance haben, sich in Gesprächen zu behaupten. Ein sol­ches Aufbrechen althergebrachter Gesprächsstrukturen wäre die Chance auch für Frauen, ihren Anspruch auf ein Stück eigenes Leben, auf eine eigene Biographie, eine eigene Persön­lichkeit, ihren Anspruch auf eine eigene Meinung durchzusetzen.“[125]

„Body trifft Brain“ – Ein Anwendungsbeispiel (Analyse des Ausschnitts auf Gesprächsorganisatorische Aspekte hin) (Friedhelm Lorig)

„Ich habe der Einfachheit halber ein paar Fragen vorbereiten.“[126]

Dass ein Moderator auf seine Rolle als Gesprächsleiter hinweisen muss, deutet schon auf einen problematischen Gesprächsaufbau hin. Wenn schließlich auch noch ein Ge­sprächsteilnehmer auf eine Frage mit „Darauf will ich genau antworten.“[127] zunächst „vor-antwor­ten“ muss, um antworten zu können, scheint der Sprecherwechsel nicht funktioniert zu haben. Analytisch jedoch gibt ein nicht funktionierendes Gespräch oft mehr Aufschluss als „glatte“ Kommunikation.

Daher habe ich die Passage zwischen den beiden gerade zitierten Stellen zur näheren Be­trachtung ausgewählt. Sie stellt zum Teil, im Gegensatz zu allgemeinen Gesprächskonven­tionen, einen sehr fehlerhaften Gesprächsablauf dar. Bei der Analyse betrachte ich beson­ders die Aspekte der Fremd- und Selbstwahl, des Turn-takings, Overlaps, Parallelsprech­phasen und dergleichen. Im Anschluss werfe ich noch einen Blick auf soziolinguistische Aspekte. Diese Betrachtung bietet sich vor allem wegen der Kombination zweier absolut konträrer Frauenfiguren an.

Zusammenfassung bis zum Analysebeginn

Das Gespräch wird zunächst eingeleitet durch den Moderator Johannes B. Kerner ( im fol­genden K), der das Publikum begrüßt und die beiden Gäste ankündigt. Verona Feldbusch (F) und Alice Schwarzer (S) kommen hintereinander die Treppe durchs Publikum zu den Sesseln hinunter, F in Weiß, S in Schwarz gekleidet, begrüßen den Moderator und nehmen Platz. K geht kurz auf eine Erkrankung Fs ein, da sie an einem Besuch der Show zwei Wochen früher verhindert war und erkundigt sich im Anschluss auch bei S nach deren gesundheitlichen Befinden. Die nächsten Fragen richtet er ebenfalls an S, sie erzählt kurz über ihren Beruf und ihr Image als „Vorzeige-Feministin“. Auch F fragt er nun nach ihrer persönlichen Definition ihres Berufes. Zwischenfragen von S bringen F zu leicht zynischen Äußerungen über S. S kontert dies, erste Streitgespräche entstehen, mit Overlaps und Unter­brechungen. Als das Gespräch sich aufgrund eines Missverständnisses festzufahren droht schaltet sich K mit der Äußerung „Ich hab der Einfachheit halber ein paar Fragen vorbereitet“ ein, mit der der transkribierte Gesprächsabschnitt beginnt.

Analyse

Die Eröffnung des Gesprächsabschnittes ist klassisch, K spricht und S zeigt in Zeile 2 ihre kommentierende Höreraktivität. Dann erfolgt eine Fremdwahl von F durch K. Bereits in Zeile 7 und 8 erfolgt ein erster Overlap, man könnte auch schon von einer Unterbrechung sprechen, doch K mag allein von der Syntax her eine Pause nach „sachlich zu bleiben“ erwartet zu haben, welche von F (*ein Aspekt der F immer wieder vorgeworfen wird, sie spräche „ohne Punkt und Komma“) jedoch nicht gesetzt wurde.

Am Ende von Zeile 9 gibt es allerdings einen eindeutigen Overlap von S, die dies jedoch sofort repariert, indem sie den Rest, dessen was sie sagen wollte schnell „vernuschelt“. F hat jedoch genug verstanden um darauf zu antworten, was die Reparatur quasi zunichte macht und den Overlap nochmals deutlich hervorhebt.

Eine geschickte Form der nonverbalen Kommunikation setzt F ein, als S von Zeile 13 an zu einem längere Statement ansetzt (Das dies länger werden wird, weiß F daher, dass S die gleiche Frage gestellt bekommt wie sie vorher und sie selbst auch recht lange reden konnte.) Sie fängt an ihr Ansteckmikrofon abzumachen, schaut dabei jedoch die ganze Zeit konzentriert S an. Während S ruhig weiterredet, beugt sich F zum Teil vor um ihr Mikro­fonkabel zu lösen, den Blick jedoch immer auf S gerichtet um eine aufmerksamkeitsbezeu­gende Hörerrolle auszudrücken. In Zeile 14 wirft sie sogar eine zu dem von S Gesagtem passende Aussage ein, wodurch sie wiederum signalisiert, dass sie aufmerksam zuhört. Als permanente Nebenhandlung während S spricht, zieht sie sich schließlich ihre Jacke aus, wodurch die Aufmerksamkeit des Publikums absolut auf ihr liegt. Danach setzt sie sich kerzengerade hin und blickt S „hochinteressiert und angespannt zuhörend“ in die Augen. Ab und zu lächelt sie auf Aussagen S’s hin um ihre immerwährende Aufmerksamkeit zu signalisieren.

Nachdem S die Taktik von F erkannt hat, fängt sie auf einmal selbst an, ihre Hände stark in das Gespräch einzubeziehen, um auf diese Weise die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Ein interessantes Wechselspiel zwischen gleichzeitigen Versuchen der Selbstwahl von bei­den zeigt sich ab Zeile 42. In dem Gesprächsteil von S fällt das Stichwort „junge Frauen“, welches F sofort aufgreift und eine Unterbrechung erzeugend sofort einen längeren Satzteil beginnt, in dem sie sich das Rederecht nimmt. S tut es ihr jedoch gleich, nimmt sich eben­falls ein Fragment aus ihrem Satz und ergreift selbst wieder das Wort. Doch auf deren Äuße­rung „für sie spreche ich gar nicht“ kontert F wieder mit „nicht für mich“ und hat für einen Moment wieder das Gespräch an sich gezogen. Diesmal ist sie jedoch so schlau eine Pause zu machen, in der, wie erwartet prompt eine Unterbrechung von S kommt. Doch als diese daraufhin atmen muss, kann F zu einem verhältnismäßig langen Satz übergehen, der sich bis Zeile 48 erstreckt. Darin fasst sie schnell noch einmal die unmittelbar vorher ge­sagten Punkte zusammen, so dass sie darauf aufbauend etwas Neues erzählen kann. S ver­sucht mit „darf ich“ in Zeile 49 das Rederecht wieder an sich zu ziehen, weil F im Verhält­nis zum vorhergehenden nun einen relativ langen Redebeitrag hatte. Doch F schafft es ohne eine Notiz den Einwurf von S zu „überreden“. Den Fehler den S in diesem Moment begeht, ist, dass sie immer wieder mit dem gleichen Statement „ein bisschen“ den Einstieg in das Gespräch sucht. Da sie dies aber so regelmäßig wiederholt, dass sie nicht merkt, dass F eine Pause macht und sie es zweimal hintereinander ohne eine Weiterführung des Satzes sagt, kann F gut auf ihre nächste Aussage kontern, indem sie einfach ihr Verb negiert. Es wäre egal, ob S kann/darf/soll/muss/will oder was auch immer gesagt hätte, F hätte in jedem Fall geantwortet: „Ne kann/darf/soll/muss/will man nicht“. S wiederholt ihre von F mit den Worten „kann man nicht“ abgeschmetterte Aussage zwar nochmals, doch F geht nicht mehr darauf ein, sondern redet mit ihrem Thema weiter. Der Kampf um das Rede­recht ist damit von F gewonnen, was ihr zwar für den Moment nichts bringt, denn schon einen Satz später gibt sie es, indem sie eine Pause macht, wieder ab. Viel wichtiger ist je­doch die Tatsache, dass sie das kurze Rededuell gewonnen hat, was ihr die stärkere Position für den weiteren Gesprächsverlauf gibt.

In Zeile 58 geht S, nachdem sie das vorherige Duell verloren hat, auf ein ernsteres Thema ein, weil sie sich dort eine stärkere Position gegenüber F erhofft. F muss dieses verhindern und unterbricht mit einer Beleidigung, die in diesem Moment im Publikum aber Lachen auslöst. Somit ergibt sich eine Gesprächspause, F kann sich den weiteren Text überlegen und hat zudem automatisch das neue Rederecht, denn es wird natürlich eine Entschuldi­gung von ihr erwartet. Zwei Zeilen später hat S aber wieder den Anschluss an ihr Thema geschafft, da F nicht wieder auf die gleiche Weise zu Rederecht gelangen kann. Glück­licherweise macht S eine Atempause, in der F, indem sie schon mit einem Overlap kurz vor der Pause beginnt, wieder von S’s Thema ablenkt und auf das Publikum verweist, was S wiederum in Zeile 62 zu einer Aussage darüber nötigt, die sie, wie man an ihrer Intonation merkt, jedoch nur ungern tätigt. Sie weiß auch, dass sie sich dadurch wieder ein Stückchen weiter von ihrem Thema entfernt hat.

Nun unterbricht F bewusst nur noch in unbedingt notwenigen Momenten, wie Zeile 65 und gibt S im Folgenden bewusst in Momenten die Gelegenheit zu antworten, zum Bei­spiel Zeile 67 und 71, wenn sie sich sicher ist das S so schnell nichts einfällt. So steht S für einen winzigen Moment als wortwörtlich „sprachlos“ da, was in diesem Gespräch das so von Overlaps und Unterbrechungen geprägt ist, einem Todesurteil gleicht.

K hält sich während des größten Teils des Gespräches zurück. Als Moderator hätte er je­doch die Kompetenz jederzeit in das Gespräch einzugreifen, das Rederecht an sich zu zie­hen und es mittels Fremdwahl an einen der Gesprächsteilnehmer weiterzugeben. Im Grunde müsste dazu eine Unterbrechung (im Idealfall bloß ein Overlap oder sogar nur nonverbale Kommunikation) genügen. Sein erster Versuch ist ein Overlap als F zum Ende von 93 mit der Stimme nach unten geht. F unterbricht und begeht Selbstwahl mit den Worten: „Ich noch eine Sache dazu sagen.“ K versucht es jedoch ein zweites Mal. Zum einen beugt er sich weiter über den Tisch nach vorne, was ausdrückt dass er den „Unter­brecher nonverbal zurückdrängt“[128]. Nachdem auch dieser Versuch von F übergangen wurde, versucht auch S vergeblich das Rederecht auf K zu schieben, ohne dass F ihre Rede­geschwindigkeit und den Redefluss auch nur ein bisschen reduziert. In Zeile 103 wiederholt S genau dieses noch einmal, diesmal jedoch aufgrund der exakten und noch dazu langsameren und betonter gesprochenen Wiederholung mit Erfolg.

Die Probleme die K beim Ergreifen des Rederechts hatte, spiegeln sich darin wider, dass er versucht ist, nun niemanden der Beiden mehr zu Wort kommen zu lassen oder nur ganz kurz. Er fragt in Zeile 115 S nach einer von ihr getätigten Aussage. Als sie ihre Antwort mit einer etwas abschweifenden Aussage beginnt, hakt er nochmals nach, wieder unter­brechend und diesmal sogar mit einer geschlossenen Frage, die S sogar mit nur einem Wort beantwortet. Doch als er seine nächste Aussage tätigt, unterbricht sie schon wieder um ihr vorher Gesagtes zu relativieren. K gibt ihr auch die Gelegenheit dies zu tun, doch dann wird er von F unterbrochen, indem diese eine Aussage an S richtet. Im Grunde fand zwischen S und F nur ein Overlap statt, da K aber auch noch sprach, war F’s Äußerung für ihn eine Unterbrechung. Dieser unterbricht im Gegenzug wieder F mit der Bitte, S doch bitte ausreden zu lassen.

F fühlt sich nun von K unterbrochen und unterbricht im Gegenzug ihn wieder. Die Beiden schaffen es, dies zu klären, bzw. sagt K ihr offen ins Gesicht: „Jetzt rede ich mal kurz.“, etwas unverfroren, doch nur so konnte er sich das ihm als Moderator zustehende Rede­recht beschaffen. Doch reicht es K nicht F ausgebremst zu haben, er muss sich nun auch noch gegen S durchsetzen, der er eigentlich das Rederecht beschaffen wollte. Er redet des­halb so schnell und steigert sich so in die Ergreifung, dass er die Zustimmung von Frau Schwarzer nicht versteht und so kommt es zu dem etwas ironischen Dialog:

K: Frau Schwarzer Moment nein nur eine Frage zu Ende

S: Ja ich will antworten.

K: Jetzt gibt es also ja jetzt. Jetzt gibt es also dieses Zitat und meine Frage ist, wie haben Sie’s gemeint.

S: Darauf will ich genau antworten.

Soziolinguistische Analyse

Die Konstellation Schwarzer Feldbusch ist auch deshalb eine so interessante, da es sich zwar um konträre Persönlichkeitsverhaltensweisen handelt, diese aber somit den Bereich der weiblichen Kommunikation über das komplette Spektrum von einem Extrem zum anderen auflisten. Dies führt dann schon zu einem regelrecht „unweiblichen“ Verhalten, zumindest im klassischen Sinn von Weiblichkeit.

In Zeile 9 äußert F: „nach meiner Meinung würd’ ich sagen“ bzw. S “ in Zeile 13 mit „ich denke“. Diese typischen, weiblichen, skopusverkleindernde Mittel schränken den Wirkungs­bereich ihrer Aussagen ein.

Eine weitere Form der Abschwächung, diesmal zur Harmoniewahrung eingesetzt, ist Indi­rektheit. Insbesondere S nutzt dies wie Beispielweise in den Zeilen 15 „aus der Art wie Sie sozusagen...“ und 17 „dass Sie sozusagen...“.

Über längere Passagen[129] zeigt sich bei F eine recht primitive Art, indem sie rein unkoope­rative Unterbrechungen einstreut, die keinerlei Inhaltsgegebene Notwendigkeit aufweisen.

S auf der anderen Seite ist sich nicht zu schade für Direktheiten in ihren Äußerungen, so zum Beispiel der Vergleich Fs mit einer „Frau die es tut in St. Pauli“.

Ironie und Sarkasmus sind es, die Fs Aussage in Zeile 77 „Ach so nur mein Name, hätte ich das gewusst.“ zu Grunde liegen.

Im Gegensatz zu dem maskulin geprägten Gesprächsverhalten der beiden Frauen, passt Kerner sich situationsbedingt einem weiblichen Stil an. Er stellt Rückversicherungsfragen, wie „Ist das korrekt?“ in Zeile 107, oder unterstützt einzelne Gesprächsbeiträge mit „mmh, mmh, mmh“. Und er entschuldigt sich selbst nach kleinsten Unterbrechungen über­schwänglich wie an dem „Nein, nein, Sie können natürlich ach Sie können also natürlich das“[130] für das zugegeben etwas freche unterbrechen durch „Kurz?“[131].

Alles in allem lassen sich typisch männliche bzw. weibliche Charakteristika zu denen Ge­schlechtern zuordnen. Es finden sich aber, wie oben aufgeführt, auch umgekehrte Bezüge, denn die Frauen lassen sich beide nicht die Butter vom Brot nehmen. Interessanterweise weist Alice Schwarzer mehr weibliche Züge, was den Sprachstil anbelangt, auf als Verona Feldbusch, obwohl gerade Schwarzer als Feministin sich mit diesem Thema besonders auseinandergesetzt haben müsste. Verona Feldbusch wird dies wohl aus ihrer Persönlich­keit heraus einfach tun, da kaum zu erwarten ist dass sie sich vorher mit feministischer Linguistik auseinandergesetzt hat. Kerner hat sich, als Mann, der Situation angepasst, er spricht mit zwei Frauen, daher nimmt er den weiblichen Stil an, da jegliches Profilierungs­gebaren in einer solch konstruierten Gesprächsgruppe (2 Frauen und 1 Mann) nicht nötig ist.

Gesprächsfortgang nach dem Analyseende

K stellt S und F noch einige Fragen zu ihrem Werdegang und jetzigem Leben. Es ist ten­denziell festzustellen, dass F auch weiterhin das Gespräch dominiert. S versucht zwar mit „ernsten“ Themen das Wort zu ergreifen, doch bekommt die Sendung dadurch gewisse „Längen“ und so versucht K das Gespräch ein wenig mehr in Richtung von F zu lenken. Gegen Ende sind beide in ihren Aussagen mehr oder weniger auf gewisse Schemata festge­fahren. Zum Schluss fasst K noch kurz seine Eindrücke zusammen, S lacht, F wirkt etwas pikiert. Das Gespräch ist zu Ende.

Schlussbemerkung

Die Fähigkeit ein Gespräch erfolgreich führen zu können, erfordert das Einhalten be­stimmter Regeln und ist keine Selbstverständlichkeit. Die in der vorliegenden Arbeit be­handelten Schwerpunkte im Rahmen der Organisation eines Gesprächs sollten auszugs­weise die Komplexität des Themas verdeutlichen. Die Facettenvielfalt der Einflussfaktoren auf das Gelingen eines Gesprächs lässt sich noch beliebig erweitern. Daher wäre es allge­mein wünschenswert, dass die Erforschung und die Beschäftigung mit dem Thema der Organisation eines Gesprächs, vor allem im deutschsprachigen Raum, weiter intensiviert und möglicherweise irgendwann komplettiert wird.

Anhang

Transkript der „Johannes B. Kerner Show“(Friedhelm Lorig)

Gäste: Alice Schwarzer und Verona Feldbusch

Ausschnitt: 10:50 Minuten – 21.20Minuten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alphabet des Lormens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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www.teachsam.de/deutsch/d_lingu/gespraechsanalyse/ gespraech_3_5.htm. letzter Be­such: 16.10.2003.

[...]


[1] Vgl. Henne, Rehbock 1982, S. 7.

[2] Ebd. S. 12.

[3] Cherubim, Henne, Rehbock 1984, S. 2.

[4] Henne, Rehbock, S. 13.

[5] Vgl. Henne, Rehbock, S. 8.

[6] Vgl. Brinker, Sager 1996, S.14.

[7] Vgl. ebd. S. 15.

[8] Vgl. ebd. S. 17.

[9] Vgl. Stammerjohann 1975, S.216f.

[10] Glück 1993, S.316.

[11] Bußman 1983. S.246.

[12] Ebd.

[13] Vgl. Stammerjohann 1975, S.216.

[14] Vgl. Glück 1993, S.222.

[15] Vgl. Ueding 1996, S.929ff.

[16] Vgl. Knobloch 1986, S.603.

[17] Vgl. Drosdowski 1990, S.191.

[18] Linke, Nussbaumer, Portmann 2001, S 264.

[19] Transkript, lfd. Nr. 4.

[20] Vgl. Linke, Nussbaumer, Portmann 2001, S 265.

[21] Ebd. S 266.

[22] Linke, Nussbaumer, Portmann 2001, S 270.

[23] Ebd.

[24] Ebd.

[25] Linke/Nussbaumer/Portmann: S. 267

[26] Selting, M./Auer, P./Barden, B./Bergmann, J. et. Al. (1998) Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem (GAT). In: Linguistische Berichte 173, 91 – 122.

[27] Einige Zeichen des GAT und ihre Bedeutung:
Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[28] Linke/Nussbaumer/Portmann: S. 276

[29] Einige Zeichen der Partiturschreibweise und ihre Bedeutung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[30] Henne/Rehbock: S. 77

[31] [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

[32] Linke, Nussbaumer, Portmann 2001, S 273.

[33] Winkler 1999.

[34] Hentschel, Weydt 1989, S 3-18.

[35] Ebd. S 4.

[36] Ebd. S 5.

[37] Ebd.

[38] Synkategorema: unselbstständiges, nur in Verbindung mit anderen Worten sinnvolles Wort oder Zeichen; vgl. Duden Fremdwörterbuch S. 970.

[39] Hentschel, Weydt 1989, S 5.

[40] Ebd. S 6.

[41] Partikel: Wort, das nicht flektiert werden kann... Duden Fremdwörterbuch, S. 734.

[42] Adjektiv: Eigenschaftswort; vgl. Duden Fremdwörterbuch, S. 26.

[43] Linke, Nussbaumer, Portmann 2001, S.270.

[44] Reiners 1951, S 283.

[45] Hentschel 1986, S 1.

[46] Hentschel, Weydt 1989, S 9.

[47] Ebd. S12.

[48] Ebd. S 14.

[49] Linke, Nussbaumer, Portmann 2001, S 77.

[50] Hentschel, Weydt 1989, S 7.

[51] www.teachsam.de/deutsch/d_lingu/gespraechsanalyse/ gespraech_3_5.htm

[52] Linke, Nussbaumer, Portmann 2001, S 272.

[53] Krivonosov 1989, S 31.

[54] Ebd. S 32.

[55] Vgl. Linke, Nussbaumer, Portmann 2001, S 272.

[56] Vgl. Krivonosov 1989, S 32.

[57] Errechnet durch das Verhältnis von Partikeln zur Gesamtwortzahl des Transkripts.

[58] Reiners 1951, S 283.

[59] Anmerkung des Verfassers.

[60] Scherer, Wallbott 1979, S. 59.

[61] Ebd. S. 82.

[62] Bernard, Klugsberger, Withalm 1989, S. 71.

[63] Wallbott 1990, S. 12.

[64] Vgl. Birkenbihl 1979, S. 44.

[65] Scherer, Wallbott 1979, S. 104.

[66] Vgl. ebd. S. 111.

[67] Birkenbihl 1979, S. 81.

[68] Vgl. Wallbott 1990, S. 11.

[69] Scherer, Wallbott 1979, S. 155.

[70] Aschke 1989, S. 199.

[71] Hoffmann 1985, S. 189.

[72] Klammer 1989, S. 107.

[73] Kleinpaul 1972, S. 151.

[74] Enninger 1983, S. 30.

[75] Hoffmann 1985, S. 190.

[76] Aschke 1989, S. 213.

[77] Ebd. S. 206.

[78] Vgl. Klammer 1989, S. 109.

[79] Argyle 1979, S. 316.

[80] Aschke 1989, S. 212.

[81] Ebd. S. 149.

[82] Vgl. Althaus, Henne, Wiegand 1980, S. 268.

[83] Scherer 1982, S. 81.

[84] Argyle 1968, S. 333, 334.

[85] Scherer 1982, S. 138.

[86] Birkenbihl 1979, S. 164.

[87] Birkenbihl 1979, S. 176.

[88] Argyle 1979, S. 329.

[89] Birkenbihl 1979, S. 185.

[90] Stand Oktober 2003

[91] Drosdowski 1991, S.267.

[92] Ebd.

[93] Samel 2000, S.16.

[94] Ebd.

[95] Vgl. ebd. S.10ff.

[96] Vgl. ebd. S.10.

[97] Vgl. ebd. S.9.

[98] Ebd, S.9.

[99] Encarta 2001, Stichwort: Feministische Linguistik.

[100] Vgl. Schoenthal, Kommunikationsverhalten, 1998, S.155-174.

[101] Encarta 2001, Stichwort: Feministische Linguistik.

[102] Vgl. Schoenthal, Kommunikationsverhalten, 1998, S.155-174.

[103] Sellach 1987, S.120-136.

[104] Grässel, 1991, S.268.

[105] Vgl. ebd. S.272f.

[106] Wahlmann 1993, S.173-270.

[107] Vgl. ebd.

[108] Grässel 1991, S.270.

[109] Vgl. ebd. S.271ff.

[110] Vgl. Falger 2001, S.56f.

[111] Vgl. Samel 2000, S.183f.

[112] Vgl. Kowal 1998, S.279-299.

[113] Vgl. Grässel 1991, S.288f.

[114] Vgl. ebd. S.268ff.

[115] Vgl. ebd. S.61ff.

[116] Ebd. S.87.

[117] Vgl. ebd. S.87ff.

[118] Ebd. S.90.

[119] Grässel 1991, S.271ff.

[120] Vgl. Samel 2000, S.160ff.

[121] Ebd. S.164.

[122] Ebd. S.165.

[123] Vgl. ebd. S.164ff.

[124] Vgl. Thimm 1998, S.325-346.

[125] Grässel 1991, S.313-314.

[126] siehe Transkript im Anhang (in folgenden Fußnoten Ts). Z.1.

[127] Ts. Z.136.

[128] Linke/Nussbaumer/Portmann: S. 268

[129] Ts. Z. 30-55

[130] Ts. Z.16

[131] Ebd.

Details

Seiten
70
Jahr
2003
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v108985
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1.0
Schlagworte
Organisation Gesprächs Berücksichtigung Partikel Kommunikation Feministischen Linguistik Proseminar Pragmatik

Autoren

  • Marina Müller (Autor)

    1 Titel veröffentlicht

  • Martin Flesch (Autor)

  • Victoria Schürer (Autor)

  • Friedhelm Lorig (Autor)

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Titel: Die Organisation eines Gesprächs unter besonderer Berücksichtigung der Partikel, der nonverbalen Kommunikation sowie der Feministischen Linguistik