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Umweltzertifizierung von Skigebieten. Chancen und Hemmnisse auf kommunikationspolitischer Ebene

Am Beispiel der Planani-Hochwurzen-Bahnen in Schladming/Österreich

Diplomarbeit 2003 155 Seiten

Umweltwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

2.Auswirkungen des alpinen Schisports auf die Umwelt
2.1.Auswirkungen durch die Erschließung von Schigebieten
2.1.1Rodung
2.1.2 Planierung
2.1.3 Bau der Infrastruktur
2.2 Auswirkungen durch die Pistenpflege
2.2.1 Präparierung der Pisten
2.2.2 Künstliche Beschneiung
2.3 Auswirkungen durch das Schifahren

3. Umweltbewusstsein und Schisport
3.1 Begriffsbestimmung „Umweltbewusstsein“ und „Umweltsensibilität“
3.2 Umweltbewusstseinsentwicklung in Deutschland und Österreich
3.3 Umweltbewusstsein von Schifahrern
3.4 Aktivitäten von Verbänden und Organisationen zum Thema „Schisport und Umwelt“
3.5 Reaktionen zum Thema „Schisport und Umwelt“
3.5.1 Reaktionen der Politik
3.5.2 Reaktionen der Tourismus-, Sport- und Schiverbände
3.5.3 Reaktionen der Seilbahnverbände
3.6 Umweltbewusstsein - Risiko oder Chance für Seilbahnunternehmen?

4. Formenderund deren auf Schigebiete, speziell Seilbahnunternehmen
4.1 Begriffsbestimmung und Formen der Umweltzertifizierung
4.1.1 Qualitätsbezogene Umweltzertifizierung
4.1.2 Prozessbezogene Umweltzertifizierung
4.2 Umweltzertifizierung von Schigebieten, speziell Seilbahnunternehmen
4.2.1 Qualitätsbezogene Umweltzertifizierung für Schigebiete
4.2.2 Prozessbezogene Umweltzertifizierung für Schigebiete
4.2.3 Prozessbezogene versus qualitätsbezogene von Schigebieten
4.3 Voraussetzungen für die Entfaltungder eines Umweltzertifikates
4.4 Attraktivitätssteigerungeines durch ein bei einem Kundenkreisaus betriebswirtschaftlicher und Perspektive

5. Empirische Untersuchung: Einbezug eines Umweltzertifikates bei der Wahl des Schigebietes - Ermittlung der Motivation von Schifahrern und Erforschung möglicher Hemmnisse
5.1 Fragebogenkonzept
5.1.1 Hypothesen
5.1.2 Befragungsprinzip
5.1.3 Fragen
5.1.4 Reihenfolgeder
5.1.5 Untersuchungsort
5.2 Untersuchungsort: das Schigebiet„Planai&Hochwurzen“
5.2.1 Die Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH
5.2.2 Umweltmaßnahmen alsProfilierungsstrategie
5.2.3 Vorgehensweise bei der Gästebefragung
5.3 Auswertung
5.3.1 Die Stichprobe
5.3.2 Darstellung und Interpretationder Befragungsergebnisse
5.3.3 Indikatorbildungfür die Motivationzur eines
5.3.4 Zielgruppenanalyse

6. Hemmnisse und Chancen auf kommunikationspolitischer Ebene
6.1 Hemmnisse
6.1.1 Hemmnisse in in Bezug auf die einesals Zusatz-nutzen
6.1.2 Hemmnisse in in beimEinbezugeinesin die desSchi-gebietes
6.2 Chancen

7. Empfehlungen für die Nutzung eines Umweltzertifikates auf kommunikationspolitischer Ebene
7.1 Umweltzertifizierung und Marketing
7.2 Grundlagen des Kommunikationskonzeptes
7.3 Empfehlungen für ein
7.3.1 Ziele
7.3.2 Zielgruppen
7.3.3 Inhalte
7.3.4 Kommunikationsinstrumente
7.3.5 Medien
7.3.6 Zusammenfassende Darstellungder für ein Kommunikationskonzept

Fazit

Anhang A: Fragebogen

Anhang B: Transkribierte Interviews

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der elektronischen Quellen

Verzeichnis der Leitlinien, Richtlinien und Gesetze

Darstellungsverzeichnis

Abbildungen

Abbildung 1: Einflussschema für umweltbewusstes Verhalten

Abbildung 2: Beispiele für qualitätsbezogene Umweltzertifikate

Abbildung 3: EMAS-Logo

Abbildung 4: Label für Schigebiete

Abbildung 5: Einflussfaktoren auf die Empfindung eines Umweltzertifikates als Zusatznutzen und auf den Einbezug eines Umweltzertifikates bei der Wahl des Schigebietes in Anlehnung an das Fietkau-Kessel-Modell

Abbildung 6: Werbefoto der Planai-Hochwurzen-Bahnen

Abbildung 7: Befragungsort

Abbildung 8: Altersgruppierung

Abbildung 9: Sportgerät

Abbildung 10: Besuchergruppierung

Abbildung 11: Häufigkeit des Schisports

Abbildung 12: Geschlecht

Abbildung 13: Herkunftsländer

Abbildung 14: Interesse an Umweltzertifizierungsprozess der Planai-Hochwurzen-Bahnen

Abbildung 15: Bereitschaft für ein Schigebiet mit Umweltzertifikat mehr zu bezahlen

Abbildung 16: Umweltproblembewusstsein der Schifahrer

Abbildung 17: Vertrauen in Umweltzertifikate

Abbildung 18: Kriterien für ein Wunschschigebiet

Abbildung 19: Bedeutung der Förderung einer naturnahen Pistenpflege durch ein Bergbahn- unternehmen

Abbildung 20: Erwartungen an den Aufenthalt im Schigebiet

Abbildung 21: Umgang mit dem Konflikt „Schisport und Umwelt“

Abbildung 22: Auswahlkriterien für das Schigebiet

Abbildung 23: Gewünschte Informationen über das Schigebiet

Abbildung 24: Bedeutung von Tiefschneemöglichkeiten für die Attraktivität des Schigebietes

Abbildung 25: Bedeutung einer eigenen Piste für Snowboarder für die Attraktivität des Schigebietes

Abbildung 26: Bedeutung einer gesicherten Talabfahrt für die Attraktivität des Schigebietes

Abbildung 27: Bedeutung einer Schischaukel für die Attraktivität des Schigebietes

Abbildung 28: Beeinflussung durch Mitreisende

Abbildung 29: Medien

Abbildung 30: Bedeutung der Verbesserung einer umweltfreundlichen Anreise durch ein Bergbahnunternehmen

Abbildung 31: Bedeutung der Schaffung eines umweltfreundlichen Gesamtangebotes durch ein Bergbahnunternehmen

Abbildung 32: Bedeutung der Förderung der Direktvermarktung durch ein Bergbahnunternehmen

Abbildung 33: Umweltsensibilität der Schifahrer

Abbildung 34: Gruppeneinteilung nach der Motivation, ein Umweltzertifikat in die Wahl des Schigebietes einzubeziehen

Abbildung 35: Beeinflussung der „Motivierten“ durch Mitreisende

Abbildung 36: Bedeutung einer gesicherten Talabfahrt für die

Attraktivität eines Schigebietes aus Sicht der „Motivierten“

Abbildung 37: Bedeutung einer eigenen Piste für Snowboarder für die Attraktivität

des Schigebietes aus der Sicht der „Motivierten“

Abbildung 38: Bedeutung einer eigenen Piste für Snowboarder für die Attraktivität

des Schigebietes aus der Sicht der „Motivierten“

Abbildung 39: Bedeutung einer Schischaukel für die Attraktivität des Schigebietes aus der Sicht der „Motivierten“

Abbildung 40: Auswahlkriterien der Motivierten für das Schigebiet

Abbildung 41: Geschlechterverhältnis der „Motivierten“, Motivierbaren“ und „Indifferenten“

Abbildung 42: Herkunftsland der „Motivierten“, Motivierbaren“ und „Indifferenten“

Abbildung 43: Altersgruppen der „Motivierten“, Motivierbaren“ und „Indifferenten“

Abbildung 44: Besuchergruppierung der „Motivierten“, „Motivierbaren“ und „Indifferenten“

Abbildung 45: Erwartungen der „Motivierten“, „Motivierbaren“ und „Indifferenten“ an den Aufenthalt im Schigebiet

Abbildung 46: Mediennutzung der „Motivierten“, „Motivierbaren“ und „Indifferenten“

Abbildung 47: Verhältnis umweltbewusster Schifahrer zu umweltfreundlichem Seilbahnunternehmen

Tabellen

Tabelle 1: Nutzenpotentiale für Seilbahnunternehmen

Tabelle 2: Kriterien für ein Wunschschigebiet in Rangfolge

Tabelle 3: Zusammenhang Indikatorpunkte für Umweltsensibilität –

Vertrauen zu Umweltzertifikaten

Tabelle 3a:Merkmalsdefinitionen der drei Gruppen

Tabelle 4: Zusammenhang Motivation ein umweltzertifiziertes Schigebiet zu wählen – Bedürfnis nach schöner Landschaft

Tabelle 5: Zusammenhang Motivation ein umweltzertifiziertes Schigebiet zu wählen – Bedürfnis nach Verbundenheit mit der Natur

Tabelle 6: Zusammenhang Motivation ein umweltzertifiziertes Schigebiet zu wählen – Zahlungsbereitschaft für ein Umweltzertifikat im Schigebiet

Tabelle 7: Zusammenhang Motivation ein umweltzertifiziertes Schigebiet zu wählen –

Bedeutung der Förderung einer naturnahen Pistenpflege durch

ein Bergbahnunternehmen

Tabelle 8: Zusammenhang Motivation ein umweltzertifiziertes Schigebiet zu wählen –

Bedeutung der Schaffung eines umweltfreundlichen Gesamtangebotes durch

ein Bergbahnunternehmen

Tabelle 9: Zusammenhang Motivation ein umweltzertifiziertes Schigebiet zu wählen – Umweltproblembewusstsein

Tabelle 10: Zusammenhang Geschlecht – Wahl des Schigebietes

Tabelle 11: Kriterien der „Motivierten“ für ein Wunschschigebiet

Tabelle 12: Darstellung der Zielgruppen im Vergleich

Tabelle 13: Empfehlungen zur Reduktion von Hemmnissen bezogen auf die Wahl eines umweltzertifizierten Schigebietes durch Umweltkommunikation

Wenn im Rahmen dieser Arbeit Substantive verwendet werden, die eine bestimmte Funktion oder Aktivität einer Person verdeutlichen, wie Schifahrer, Wintersportler o.ä., so beziehen sie sich auf beide Geschlechter gleichermaßen

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Diese Arbeit hat mir die Chance gegeben, mich intensiv mit der für mich sehr spannenden Thematik „Umweltzertifizierung von Schigebieten“ auseinander zu setzen. Obgleich durch das Instrument der Umweltzertifizierung der Prozess der nachhaltigen Entwicklung der Alpenregion gestärkt werden könnte, wurde dieses Instrument bisher im wissenschaftlichen Diskurs nur ansatzweise behandelt. Es bleibt zu hoffen, dass sich dies, mit dem aktuellen Anliegen der Alpenkonferenz, den Wettbewerb zwischen Schigebieten unter Kriterien des nachhaltigen Tourismus zu fördern, ändern wird. Die Anregung, mich insbesondere mit dem Aspekt der Nachfrage nach einem Umweltzertifikat zu beschäftigen, habe ich von Frau Dr. Ulrike Pröbstl bekommen. Dieser Aspekt ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil er für Seilbahnunternehmen einen Anreiz für die Durchführung eines Zertifizierungsprozesses darstellen kann. Frau Dr. Ulrike Pröbstl verdanke ich zudem den guten Kontakt zu der Planai- Hochwurzen-Bahnen GmbH. Das Seilbahnunternehmen hat mich, vertreten durch den Leiter der Marketing- und PR-Abteilung Ernst Trummer, großzügig bei der Durchführung der Schifahrerbefragung unterstützt. Mein Dank gilt auch der Universitätsgesellschaft Lüneburg e.V., die mir einen Zuschuss für die entstandenen Reisekosten gewährleistet hat.

Meine beiden Schwestern, mein Vater und mein Freund Thomas haben durch ihre Hilfe als Interviewer dazu beigetragen, dass die Befragung in einem verhältnismäßig umfangreichen und auch angenehmen Rahmen durchgeführt werden konnte.

Zu guter Letzt möchte ich all jenen danken, die mir während der Diplomarbeitszeit unterstützend zur Seite gestanden haben.

Lüneburg, im September 2003

Bettina Schmid

1. Einleitung

Während der großflächigen Erschließungen von Schigebieten in den 70er Jahren wurden die entstehenden Folgen für das alpine Ökosystem kaum beachtet. Als jedoch etwa ein Jahrzehnt später einzelne gravierende Umweltauswirkungen in Form von Wasserschäden, Rutschungen und Murenabgängen ersichtlich wurden (z.B. im Axamer Lizum 1983, Schlossalm/Bundes- land Salzburg 1980), sahen sich Seilbahnunternehmen mit zunehmender Kritik konfrontiert (vgl. LAUTERWASSER 1989, S. 68; Seilbahnen International 1995, S. 101).

Auf Grund der Zunahme umweltbezogener Regulierungen, wie Erschließungsbeschrän- kungen, dem Verbot des Einsatzes von Chemikalien im Kunstschnee in Deutschland und Österreich und dem zunehmenden Kooperationswillen der Seilbahnunternehmen mit der Landwirtschaft und den Naturschutzbehörden, sind die kritischen Stimmen leiser geworden. Jedoch hat sich das Problembewusstsein bezüglich der negativen Auswirkungen des Schisports auf die Umwelt im Laufe der Jahrzehnte in dem Bewusstsein der Bevölkerung verankert, sodass dem alpinen Schisport nach wie vor ein negatives Umweltimage anhaftet (vgl. Südwestdeutsche Verlagsanstalt/Institut für Demoskopie Allensbach 1993, S. 132; DSV/AGL 1995, o.S.; WEISS u.a. 1999, S. 11.; WWF Schweiz/IITF 1998, S. 56f.).

Trotzdem ist der Schisport als Tourismusaktivität und Freizeitbeschäftigung sehr beliebt (vgl. ZINS 1998, S. 82). Er bildet einen wirtschaftlich wichtigen Bereich in der Tourismus- und Freizeitbranche.1 Einen Kompromiss zwischen Ökologie und Ökonomie zu finden ist demnach in diesem Bereich eine wichtige Aufgabe. Um eine weitere Verbesserung der Umweltsituation in Schigebieten zu erzielen, bedarf es deshalb nicht nur ordnungsrechtlicher, sondern auch freiwilliger marktwirtschaftlicher Instrumente. Hier besteht die Möglichkeit,dass sich Seilbahnunternehmen nach ökologischen Kriterien richten oder ein Umwelt-Audit (Umweltbetriebsprüfung) durchführen. Das Unternehmen könnte sich für die Bemühungen zum Umweltschutz bzw. für die Einhaltung von Umweltstandards mit einem Umwelt- zertifikat auszeichnen lassen. Dies kann, neben der Reduktion der Umweltprobleme im Schigebiet, das Image des Unternehmens verbessern und seine Attraktivität für einen umweltsensiblen Kundenkreis erhöhen. Derzeit existiert kein speziell für Schigebiete oder Seilbahnunternehmen konzipiertes Umweltlabel, jedoch gibt es einzelne Seilbahnunter- nehmen, die mit einem Zertifikat für die Durchführung eines Umwelt-Audits ausgezeichnet wurden. Diese Umweltzertifikate finden aber im Rahmen der Außendarstellung der Schigebiete kaum Verwendung. „Wir schätzen aber auch das (Umweltzertifikat, Anm. d. Verf.) nicht als ein wesentliches Argument ein für die Entscheidung von Fahrgästen, zu uns zu kommen oder nicht“.2 Dieses Zitat stammt von dem ehemaligen3 Umweltmanagement- beauftragten der Bayerischen Zugspitzbahn AG, die 1997 mit einem Umweltzertifikat nach ISO 14001 (Umwelt-Audit-System) ausgezeichnet wurde, dieses jedoch nicht offensiv im Rahmen der Werbung für das Schigebiet einsetzt. Diese Tatsache erscheint verwunderlich, da in der Mehrheit der Bevölkerung4 ein Problembewusstsein bezüglich der Umweltauswirkung durch den alpinen Schisport vorherrscht (vgl. Kap. 3.3).

Trotz aller Einsicht sowohl in der Politik als auch in der Ökonomie und der einzelnen Bürger unterscheidet sich (...) das faktische Handeln ganz wesentlich von den Festreden zur Umweltproblematik. Im Sport zeigt sich das insofern, als wir weiter Schi fahren, wohl wissend, dass durch den Massenschilauf bereits große Schäden in den Alpen verursacht wurden (DIGEL 1992, S. 118).

Dieses Zitat von DIGEL (1992) beschreibt die in zahlreichen Studien aufgezeigte Diskrepanz zwischen Umweltbewusstsein und Umwelthandeln (vgl. DIEKMANN/PREISENDÖRFER 1991 u. 1992; SIX/EGGES 1992; UBA 1994). Um diese Diskrepanz zu begründen, wurden diverse Erklärungsmodelle erstellt (vgl. DE HAAN/KUCKARTZ 1996, LINNEWEBER/KALS 1996, PREUSS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Einflussschema für umweltbewusstes Verhalten (F IETKAU /K ESSEL 1981, S. 10)

1997). Diese Arbeit bezieht sich auf das klassische Fietkau-Kessel-Modell (vgl. FITKAU/KESSEL 1981, S. 10).

Nach diesem Modell hat das Umweltwissen Einfluss auf die Umwelteinstellung. Ob die Einstellung zum Umwelthandeln führt, ist abhängig von vorhandenen Verhaltensangeboten und Handlungsanreizen. Wird ein umweltgerechtes Verhalten ausgeübt, so sollten die positiven Konsequenzen des Handelns bewusst gemacht werden, damit sich Einstellungen diesbezüglich festigen und das Umwelthandeln wiederholt wird (vgl. Abb. 1).

Wendet man dieses Modell auf den Bereich der Umweltauswirkungen durch den Schisport an, kann folgendes festgestellt werden: Hat ein Schifahrer umweltfreundliche Einstellungen und Werte, stellt sich die Frage nach einem dementsprechenden umweltfreundlichen Verhalten. Es besteht die Möglichkeit für den umweltbewussten Menschen, auf das Schifahren vollständig zu verzichten. Für begeisterte Schifahrer bedeutet dies aber eine starke Einschränkung ihrer Bedürfnisse und solch ein Verzicht wird deshalb nur von einem geringen Teil stark ökologisch motivierter Wintersportler praktiziert. Fraglich ist jedoch, was für Optionen im Sinne eines umweltfreundlichen Handelns für solche umweltsensible Schifahrer bestehen, die auf den Schisport nicht verzichten wollen. Der Schifahrer könnte darauf achten, möglichst umweltfreundliche Schigebiete zu wählen.5 Das Problem, welches jedoch bei der Wahl eines umweltfreundlicheren Schigebietes auftritt, ist die Beurteilung der Umweltsituation in den Schigebieten durch den Schifahrer. Es gibt zwar Schigebiete bzw. Seilbahnunternehmen, welche die Durchführung ihrer Umweltschutzmaßnahmen in ihrer Außendarstellung verwenden, jedoch ist es schwierig für den Schifahrer, die gesamte Umweltsituation im Schigebiet zu beurteilen. Dabei kann ein kontrolliertes Umweltzertifikat hilfreich sein. Ist es von einem unabhängigen Gutachter verliehen, kann es die Glaubwürdigkeit der Umweltkommunikation des Unternehmens erhöhen (vgl. HOPFENBECK/ZIMMER 1993, S. 162). Zusätzlich ermöglichen bestimmte Umweltzertifikate die Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Seilbahnunternehmen in Bezug auf ihre Umweltfreundlichkeit (vgl. Kap. 4).

Als Grundlage dieser Arbeit gilt die Annahme: Ein Umweltzertifikat ermöglicht es dem umweltbewussten Schifahrer, sich für ein vergleichsweise umweltfreundliches Schigebiet zu entscheiden. Durch ein entsprechendes Marketing und vor allem durch eine effektive Kommunikationsstrategie mit Hilfe eines Umweltzertifikates können dem Schifahrer Handlungsangebote und Handlungsanreize offeriert werden. Hat sich der Schifahrer bereits bewusst oder unbewusst für das zertifizierte Gebiet entschieden, kann ihm durch eine geeignete Kommunikation eine positive Rückmeldung seines umweltfreundlichen Handelns bzw. des Handelns des Seilbahnunternehmens, welches er unterstützt, gegeben werden. Dies kann dazu führen, dass der Schifahrer das Umweltschutzbemühen des Unternehmens als 5 Eine weitere Form des Umwelthandelns besteht für umweltbewusste Schifahrer darin, sich im Schigebiet umweltfreundlich zu verhalten. Auf diesen Aspekt, der für den Umwelt und Naturschutz eine wichtige Rolle spielt, soll im Rahmen dieser Arbeit nicht näher eingegangen werden (Vgl. dazu FIS 2002, PRÖBSTL 1998, LAUTERWASSER/ROTH 1995).

Zusatznutzen sieht und bereit ist, das zertifizierte Gebiet wiederholt zu besuchen. Grundlegende Annahme dieser Arbeit ist also, dass durch eine professionell durchgeführte Kommunikationsstrategie mit Hilfe eines Umweltzertifikates die Diskrepanz zwischen Umwelteinstellung und Umwelthandeln für ökologisch orientierte Schifahrer verringert werden kann. Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive würde dies bedeuten, dass sich die Attraktivität von Seilbahnunternehmen durch die Auszeichnung mit einem Umweltzertifikat bei einem umweltsensiblen Kundenkreis erhöht und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens dadurch gesteigert werden könnte.

Die Voraussetzung für die Bestätigung der formulierten Annahme ist, dass Schifahrer tatsächlich motiviert sind, ein umweltzertifiziertes Schigebiet gegenüber anderen zu bevorzugen. Es wird daher im Rahmen dieser Arbeit untersucht, ob ein Umweltbewusstsein, bezogen auf den alpinen Schisport in der Gesellschaft und speziell bei den Schifahrern vorhanden ist und ob dieses Bewusstsein dazu führt, dass ein Umweltzertifikat im Schigebiet als Zusatznutzen empfunden wird. Zusätzlich wird ermittelt, ob Schifahrer tatsächlich ein Umweltzertifikat in die Wahl des Schigebietes einbeziehen würden und welche Hemmnisse dem möglicherweise entgegenstehen.

Das Ziel der Arbeit ist es, Hinweise für die Umweltkommunikation für Seilbahnunternehmen zu ermitteln, welches dazu beitragen soll, Hemmnisse des Umwelthandelns zu überwinden und Chancen für die Profilierung eines Unternehmens zu nutzen. Dieser Arbeit liegt demnach ein interdisziplinärer Ansatz zu Grunde, der versucht, durch die Verknüpfung der umweltpsychologischen mit der betriebswirtschaftlichen Perspektive Lösungen für eine ökologische Optimierung zu generieren.

Zunächst werden knapp die ökologischen Auswirkungen des alpinen Schisports aufgezeigt (vgl. Kap. 2). Des weiteren werden Umwelteinstellungen im Bezug auf den Schisport, sowohl in der Bevölkerung Deutschlands und Österreichs als auch bei politischen Akteuren skizziert und Reaktionen betroffener Verbände und Organisationen, aufgezeigt (vgl. Kap. 3). Darauf folgend wird erörtert, wie Seilbahnunternehmen bzw. Schigebiete durch die Auszeichnung mit einem Umweltzertifikat die Umwelteinstellungen ihrer Gäste nutzen können, um ihr Image zu verbessern und sich dadurch zu profilieren (vgl. Kap. 4). Verschiedene Möglichkeiten der Umweltzertifizierung von Schigebieten werden aufgezeigt und miteinander verglichen. Da für die mögliche Profilierung durch die Umweltzertifizierung eines Unternehmens die Nachfrage seitens der Schifahrer notwendig ist, wird in einer empirisch- quantitativen Untersuchung festgestellt, wie viele und welche Schifahrer an einem Umweltzertifikat potentiell interessiert sind. Einerseits wird die Einstellungsebene, also der empfundene Zusatznutzen durch ein Umweltzertifikat, und andererseits die Verhaltensebene, also der Einbezug eines Umweltzertifikates in die Wahl des Schigebietes, untersucht. Da es für Schifahrer praktisch (noch) keine derartigen Handlungsangebote gibt, werden Hinweise und mögliche Einflussfaktoren auf den Einbezug eines Umweltzertifikates bei der Wahl des Schigebietes im Rahmen der Befragung ermittelt und abgefragt (vgl. Kap. 5). Für die Untersuchung wurde das Schigebiet der Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH in Schladming, Österreich ausgewählt, das die Durchführung eines Umwelt-Audit-Verfahrens anstrebt (vgl. Kap. 6). Im Rahmen der Auswertung werden Zielgruppen ermittelt, die sich in ihrer Motivation, ein umweltzertifiziertes Schigebiet zu wählen, unterscheiden (vgl. Kap. 7). Auf der Grundlage der empirischen Untersuchung und den vorrangegangenen Erläuterungen werden Chancen und Hemmnisse im Rahmen der Kommunikation eines umweltzertifizierten Seilbahnunternehmens aufgezeigt (vgl. Kap. 8). Anschließend werden Empfehlungen für ein Kommunikationskonzept gegeben, welches dazu beitragen soll, die ermittelten Hemmnisse zu reduzieren (vgl. Kap. 9).

2. Auswirkungen des alpinen Schisports auf die Umwelt

In den 60er Jahren erfuhr der alpine Schisport auf Grund der Zunahme des Wohlstandes, der Mobilität und der Freizeit der Bevölkerung einen starken Zuwachs. Als Reaktion auf die erhöhte Nachfrage wurden großzügig Schigebiete6 erschlossen, Pisten planiert und infrastrukturelle Einrichtungen ausgebaut. Dies führte zu großflächigen Veränderungen der Landschaft mit weitreichenden ökologischen Konsequenzen (LAUTERWASSER in PRÖBSTL 2001, S. 5). Mitte der 80er Jahre entstand auf Grund dessen eine kontrovers geführte Debatte über ökologische und landschaftliche Beeinträchtigungen durch den alpinen Schisport. Die Debatte soll in diesem Kapitel kurz skizziert werden. Es ist hierbei nicht das Ziel, einen vollständigen Überblick über die gesamte Diskussion zum Thema Schisport und Umwelt aufzuzeigen, es sollen lediglich die am häufigsten auftauchenden Argumente knapp dargestellt werden.

Der Begriff „Umwelt“ soll in diesem Kontext die natürliche Umwelt7 bezeichnen. Sie wird definiert als das komplexe Wirkungsgefüge einer großen Anzahl von vielfältigen Funktionseinheiten aus belebter (biotischer) und unbelebter (abiotischer) Natur (vgl. OLSSON/PIEKENBROCK 1998, S. 346). Eingeschlossen sind demnach sowohl ökologische als auch landschaftliche Aspekte.

Die skizzierten möglichen Auswirkungen sind nicht pauschal zu betrachten. Sie können von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich ausfallen. Auch innerhalb eines Gebietes sind sie von der Landschaftsstruktur, den ökologischen Gegebenheiten wie Boden, Vegetation, Klima etc. und der Höhe abhängig.

2.1. Auswirkungen durch die Erschließung von Schigebieten

Neuerschließungen werden zwar, zumindest in den bereits stark touristisch erschlossenen nördlichen Alpen, heute kaum noch zugelassen. Jedoch werden weiterhin Erweiterungen oder Zusammenschlüsse von Schigebieten vorgenommen, die vergleichbare Auswirkungen mit sich bringen (vgl. GÜTHLER 2003, S. 8ff.).

Bei der folgenden Darstellung soll berücksichtigt werden, dass Umweltschäden, die durch den Bau von Schigebieten entstehen, von der Flächennutzung im Sommer abhängen. Werden z. B. Weiden als Pistenflächen genutzt, bedarf es kaum Landschaftskorrekturen.

2.1.1 Rodung

Der Bergwald spielt für die Stabilität des alpinen Ökosystems eine wichtige Rolle. Durch die hohe Wurzelmasse und das damit zusammenhängende große Wasserspeichervermögen wird der Oberflächenabfluss vermindert und der Boden stabilisiert (vgl. SCHAUER 1999, S. 5). Auf einer waldfreie Fläche gelangt 30 – 70% mehr Niederschlag auf den Boden. Das führt zu einem erhöhten Erosionsrisiko (vgl. DSV 1994, S. 10). Für die Schaffung von Talabfahrten werden häufig Teile des Bannwaldes, der zum Schutz vor Schlamm- und Schneelawinen dient, gerodet (vgl. BÄTZING 1988, S. 68). Hinzu kommt, dass künstlich aufgerissene Wald- ränder stark sturmgefährdet sind.

In Bayern reichen die Werte der für den Bau von Schipisten gerodeten Flächen im Verhältnis zur Gesamtfläche der Schipisten, je nach ursprünglicher Nutzung, von rund 4% am Sudelfeld bei Bayrisch-Zell bis zu 31% im Schigebiet Hausberg-Kreuzeck-Osterfelder. Im Durchschnitt liegt der Rodungsanteil der Pistenfläche in Bayern bei 25% (vgl. PRÖBSTL 2001, S. 38f.). In Österreich ist dieser Anteil mit 23% etwa gleich hoch (Arbeitsgruppe Schipisten in PRÖBSTL 2001, S. 39). Nach PRÖBSTL (2001) kann auf Grund dieser Daten nicht von einer generellen Destabilisierung des Bergwaldes durch den Ausbau der Schigebiete gesprochen werden. Es ist jedoch erforderlich, dass durch Pflege- und Lawinenschutzmaßnahmen die fehlende Schutzfunktion des Bergwaldes kompensiert wird.

2.1.2 Planierung

Das Planieren8 zur Schaffung von Schipisten erfolgt durch Sprengung des Gesteinsuntergrunds und durch Ausebnung, Aufschüttung oder Abtragung des Bodens (vgl. MOSIMANN 1983, S. 25ff.). Dies hat die Zerstörung der Pflanzendecke und des Oberbodens zur Folge. Übrig bleiben Rohböden, Gesteinsverwitterungsschutt oder Fels (vgl. MEISTERHANS 1988, S. 17). Nach PRÖBSTL (2001) sind Pistenflächen, die in den 70er Jahren erschlossen wurden, bis heute in ihrer Stabilität, Vielfalt und Naturnähe beeinträchtigt (vgl. PRÖBSTL 2001, S. 40ff.). Wird die Planierung oberhalb der natürlichen Baumgrenze durchgeführt, kann sich die alpine Vegetation auf Grund der geringen Wachstumsperiode nur sehr langsam wieder auf den kahlen Flächen anzusiedeln. Laut MOSIMANN (1983) kann es oberhalb 2000 m unter Umständen Jahrhunderte dauern, bis sich auf einer vegetationslosen Fläche ein geschlossener alpiner Rasen entwickelt hat (vgl. MOSIMANN 1983, S. 53). Dies wird durch die Durchmischung des Oberbodens und die damit einhergehende Abnahme des Feinerdeanteils verstärkt. Dadurch verändert sich das Porenvolumen und somit die Wasserspeicherung und die Versickerungsleistung der Standorte. Die Erhöhung des Oberflächenabwassers und das damit zunehmende Erosionsrisiko auf Schipisten wird noch verstärkt (vgl. PRÖBSTL 2001, S. 41, SCHAUER 1999, S. 5, CERNUSCA 1992, S. 158ff.). Beieiner Wiederbegrünung ändern sich diese Werte nur geringfügig, da die Wurzelmasse der künstlich entstandenen Vegetation auch nach Jahren um ein Vielfaches geringer ist als die der natürlicher Pflanzengesellschaften (vgl. SCHAUER 1999, S. 5). Erhöhter Oberflächenabfluss kann, unter bestimmten hydrologischen Bedingungen, bei Starkregen zu Wildbach- vermurungen führen und so das Hochwasserrisiko ansteigen lassen (vgl. CERNUSCA 1992, S. 162, SCHAUER 1999, S. 5f.). Nach PFITZNER und KERSCHNER (1992) ist die Hochwasserwirksamkeit von Schigebieten bescheiden, solange die planierten Flächen unter zehn Prozent der Einzugsgebietsflächen ausmachen. Bei der Beurteilung müssen jedoch auch mögliche Rückkopplungseffekte, wie z.B. das eventuelle Freilegen von potentiellen Geschiebeherden9 berücksichtigt werden (vgl. PFITZNER/KERSCHNER 1992, S. 172f.).

2.1.3 Bau der Infrastruktur

Auch der Bau von Infrastruktureinrichtungen erfordert zumindest Teilplanien und stellt damit ebenso einen Eingriff in die Landschaft dar. Zu der Infrastruktur gehören neben den sichtbaren Liftanlagen, Ver- und Entsorgungseinrichtungen etc. ebenfalls unterirdisch verlegte Strom- und Versorgungskabel bzw. Rohrleitungen. Es werden Gebirgsbäche verrohrt und großflächig Rohre, Strom- und Druckluftleitungen für Beschneiungsanlagen verlegt. Die baulichen Veränderungen stellen einen Eingriff in das Landschaftsbild dar und können vor allem im Sommer den ästhetischen Wert der Berglandschaft mindern. Durch die Errichtung von Infrastruktur im Berggebiet und dem Betrieb der Seilbahnanlagen wird der Lebensraum von Säugetieren und Vögeln eingeschränkt. Dies gilt insbesondere für winteraktive Tierarten, wie das Schalenwild und die Rauhfußhühner (vgl. Stiftung pro natura – pro ski 2003, S. 61ff.).

2.2 Auswirkungen durch die Pistenpflege

2.2.1 Präparierung der Pisten

Die mechanische Präparierung mit Schneeraupen und verschiedenen Zusatzgeräten dient dazu die Pisten so zu gestalten, dass sie leicht befahrbar sind und der Schnee möglichst lange erhalten bleibt. Durch die Verschiebung der Schneeschmelze um ca. ein bis zwei Wochen verzögert sich das Wachstum der Vegetation um mindestens ein paar Tage und der Luftaustausch zwischen Vegetation und Boden wird beeinträchtigt. Dies kann zur Fäulnisbildung bei der Vegetation führen. Werden Pistenraupen bei ungenügender Schneelage eingesetzt, so kommt es zu einer Zerstörung der Vegetationsdecke (vgl. LAUTERWASSER 1989, S. 73).

Die chemische Präparierung der Pisten mit Düngesalz wird ebenfalls zur Verzögerung der Schneeschmelze verwendet, insbesondere bei der Präparierung von Schirennstrecken. Infolge des erhöhten Nährstoffeintrages kann es zu einer Veränderung der Artenzusammensetzung kommen (LAUTERWASSER/ROTH 1995, S. 35).

2.2.2 Künstliche Beschneiung

Der Einsatz von Kunstschnee bzw. Kompaktschnee hat auf Grund der Klimaerwärmung und der damit zusammenhängenden Erhöhung der Schneegrenze an Bedeutung gewonnen um die Schneesicherheit zu garantieren und die Grasnarbe zu schützen. In den letzten 10 Jahren ist der Anteil der künstlich beschneiten Flächen um mehr als das 6fache gestiegen (vgl. GÜTHLER 2003, S. 8f.). Laut GÜTHLER (2003) ist auf Grund der stagnierenden Zahlen im Winter- tourismus der Alpen und der damit einhergehenden Konkurrenz zwischen den einzelnen Schigebietsbetreibern eine „Aufrüstungsspirale“ entstanden, bei der der Kunstschnee eine wesentliche Rolle spielt (GÜTHLER 2003, S. 6).

Bei der Herstellung von Kunstschnee wird Wasser mittels Druckluft fein zerstäubt und in Form von Tröpfchen aus dem Beschneiungsgerät herausgeschleudert. Bei geringer Luftfeuchtigkeit und niedrigen Temperaturen verdunstet ein Teil des Wassers. Dies führt zu einem Entzug von Wärme, sodass die verbleibenden Wassertröpfchen gefrieren und als Schnee zu Boden fallen. Im allgemeinen weist Kunstschnee im Vergleich zu natürlichem Schnee eine höhere Dichte auf. Damit ist er weniger luftdurchlässig und verfügt über eine schlechtere thermische Isolationsfähigkeit. Auf Grund seiner Kristallstruktur schmilzt Kunstschnee langsamer. Die Schneeschmelze verzögert sich dadurch um drei bis vier Wochen. Wird für die Herstellung des Kunstschnees statt Regenwasser Trinkwasser, Fluss-, oder Teichwasser verwendet, so werden dem Schnee zusätzliche Stoffe, wie beispielsweise Nitrate, beigemischt (vgl. HEGG 1992, S. 200f.). Die genannten Eigenschaften des Kunstschnees führen zu einer Veränderung der Standortbedingungen, was die Verschiebung des Artenspektrums zur Folge haben kann.

Durch den höheren Wassergehalt des Kunstschnees kann es zu einem vermehrten Wassereintrag während der Schneeschmelze kommen, was das Erosionsrisiko auf instabilen Hängen weiter erhöhen kann. Die tatsächlichen ökologischen Auswirkungen der künstlichen Beschneiung sind u.a. abhängig von der Höhenlage, den Standortbedingungen der Vegetation, der sonstigen Nutzung, der Vegetationsbedeckung und den hydrologischen Verhältnissen (vgl. CERNUSCA u.a. 1992, S. 193ff.).

Neben den ökologischen Auswirkungen ist die Produktion von Kunstschnee auch mit einem erhöhten Ressourcenverbrauch verbunden. Der Wasserbedarf für einen Quadratmeter beschneite Piste liegt etwa bei 200 bis 600 l pro Saison. Das benötigte Wasser wird zumeist in speziell erbauten Speicherbecken gesammelt (vgl. SCHAUER 1999, S. 6f.). Der Energieaufwand für ein Hektar beschneite Fläche schwankt je nach Gerätetyp, Intensität der Beschneiung und Witterung zwischen 2 000 und 2 7000 kWh pro Saison.

Durch den Lärm, der bei der überwiegend nachts durchgeführten Herstellung von Kunstschnee entsteht, und die Erhöhung der nächtlichen „Lichtverschmutzung“, kann es auch zu einer zusätzlichen Störung von Großsäugern und Vögeln kommen (vgl. Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, S. 4 u. 11).

Im Rahmen der Nutzung künstlicher Beschneiung in den letzten 15 Jahren sind aus ökologischer Sicht jedoch auch positive Effekte zu verzeichnen. An der Vegetation wurde eine Verringerung der mechanischen Schäden durch Schikantenschliff und Pistengeräte verzeichnet. Zudem wurden auf Grund der isolierenden, konservierenden Abschirmung der künstlichen Schneedecke und durch das verlangsamte Abschmelzen Frostschäden vermieden (vgl. BACHLEITNER 1998, S. 115; Interview mit Ernst Trummer, Anhang B.I) .

2.3 Auswirkungen durch das Schifahren

Auch durch das Schifahren selbst können bei geringer Schneelage durch die scharfen Stahlkanten der Schier mechanische Schäden an der Vegetation entstehen. Tiefgehende Schäden treten vor allem auf Kuppen und an windexponierten Stellen auf. Vor allem das Variantenfahren10 kann gravierende Schäden hervorrufen. Das gilt insbesondere für Waldflächen, in denen durch das Schifahren die Verjüngung der Bäume gestört werden kann. Die Schutzfunktion des Waldes kann dadurch beeinträchtigt werden (vgl. PRÖBSTL 2001,S. 39). Zudem können Tiere gestört werden, die den Wald als Rückzugsgebiet nutzen.

In diesem Kapitel wurde erläutert, dass der alpine Schisport durch die Erschließung bzw. die Erweiterung der Schigebiete und der damit einhergehenden landschaftlichen Umgestaltung gravierende ökologische Auswirkungen mit sich bringen kann. Aber auch die Pistenpflege, zu der die Präparierung der Pistenflächen und die künstliche Beschneiung gehören, und das Schifahren selbst können zu Beeinträchtigungen der natürlichen Umwelt führen. Auf Grund der Veröffentlichung zahlreicher ökologischer Studien, die zum Teil erhebliche Folgen für das alpine Ökosystem aufzeigen, und der damit einhergehenden Zunahme der öffentlichen Kritik am alpinen Schisport, ist in der deutschen und österreichischen Bevölkerung ein hohes Problembewusstsein bezüglich der Auswirkungen des alpinen Schisports auf die Umwelt entstanden. Dies soll im folgenden Kapitel genauer erläutert werden.

3. Umweltbewusstsein und Schisport

In den letzten 35 Jahren ist in den industrialisierten Ländern das Bewusstsein für die zunehmende Gefährdung der natürlichen Umwelt des Menschen stark angestiegen. Mit dem Beginn der politisch motivierten Umweltbewegung in den 60er Jahren hat sich die Umweltthematik mehr und mehr in den Köpfen der Menschen verankert. Heute gehört die Umweltpolitik zu einem weitgehend akzeptierten und fest integrierten Teil des Gesellschaftssystems. Im folgenden wird die Entwicklung des Umweltbewusstseins am Beispiel von Deutschland und Österreich dargestellt. Die Erläuterungen beziehen sich insbesondere auf diese beiden Länder, da die empirische Untersuchung im Rahmen dieser Arbeit in Österreich stattgefunden hat und überwiegend Schifahrer11 deutscher und österreichischer Nationalität umfasst.12

3.1 Begriffsbestimmung „Umweltbewusstsein“ und „Umweltsensibilität“

Bei der Verwendung des Begriffs „Umweltbewusstsein“ wird die Definition des Rates der Sachverständigen für Umweltfragen (1978) zugrunde gelegt. In seinem Umweltgutachten von 1978 definiert er Umweltbewusstsein mit „Einsichten in die Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen durch diesen selbst, verbunden mit der Bereitschaft zur Abhilfe“ (Rat der Sachverständigen für Umweltfragen 1978, S. 445). Bezogen auf die Ausdifferenzierung des Begriffes „Umweltbewusstsein“ durch MELONEY/WARD (1973) in Umweltwissen, Umwelteinstellung und Umweltverhalten sind in der Definition des Rates der Sachverständigen für Umweltfragen lediglich die ersten beiden Elemente enthalten (vgl. MELONEY/WARD 1973, S. 787f.). Dadurch wird bei der Darstellung der Diskrepanz zwischen Umweltbewusstsein und Umwelthandeln eine bessere begriffliche Klarheit gewährleistet.

Für die Zusammenfassung der Begriffe Umweltbewusstsein und Umweltverhalten wird im Rahmen dieser Arbeit der Begriff „Umweltsensibilität“ verwendet.

3.2 Umweltbewusstseinsentwicklung in Deutschland und Österreich

Seit den 70er Jahren wurden zahlreiche Studien im Rahmen der Umweltbewusstseins- und Umweltverhaltensforschung durchgeführt, die sowohl steigende umweltfreundliche Einstellungen, als auch umweltfreundliches Verhalten aufzeigen. So ermittelt etwa eine Studie des Deutschen Umweltbundesamtes (UBA) auf der Basis einer Repräsentativbefragung mit 3 000 Bundesbürgern bei einem Vergleich des Umweltbewusstseins im Jahre 1985 und 1992 einen Zuwachs von 20%. Die Bereitschaft sich umweltbewusst zu verhalten lag bei der Befragung 1992 bei einem Anteil von 80% der Befragten (UBA 1994, S. 3ff.). Auch die Querschnittsbefragung des Institutes für Marketing der Universität Münster wies bei einem Längsschnittvergleich des Umweltbewusstseins der deutschen Bevölkerung in den Jahren 1977, 1985 und 1994 eine Steigerung sowohl der ökologischen Einstellungen als auch der ökologischen Handlungsorientierung nach. Im Rahmen dieser Untersuchung ergaben sich bei der Auswertung vier Gruppen mit unterschiedlichem Grad an Umweltbewusstsein. Zählte die Gruppe der ökologisch bewussten Konsumenten mit positiven Angaben bezüglich des ökologischen Wissens, der ökologischen Einstellung und des ökologischen Verhaltens im Jahre 1977 erst 16% der Befragten, so stieg sie im Jahr 1985 auf 37% an. Als umweltbewusste Kunden konnten 1994 55% der Befragten eingestuft werden (vgl. MEFFERT/BRUHN, 1996, S. 10ff.).

Seit Ende der 80er Jahre hat die Bedeutung des Themenfeldes Umweltschutz für die politische Agenda in Deutschland nach Untersuchungen im Auftrag des Deutschen Umweltbundesamtes kontinuierlich abgenommen.13 Andere Themen, wie die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die Ankurblung der Wirtschaft, die Sicherung der Rente und weitere Themen aus dem Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik, haben den Umweltschutz in seiner Bedeutung für die politische Agenda überlagert. Hieraus kann jedoch nicht gefolgert werden, dass dadurch der Umweltschutz insgesamt als unwichtig eingestuft wird. Bei der aktuellen repräsentativen Bevölkerungsbefragung im Auftrag des Umweltbundesamtes zum Thema Umweltbewusstsein in Deutschland wurde neben der Frage nach den wichtigsten Themen Deutschlands, auch nach der dem Umweltschutz beigemessenen Relevanz gefragt. Dabei ergibt sich ein anderes Bild: 51% der Befragten halten den Umweltschutz für „sehr wichtig“, 42% für „eher wichtig“ und nur 7% für „weniger wichtig“ (vgl. UBA/KUCKARTZ 2002, S. 19).

Auch in Oberösterreich wurde im Rahmen einer Studie der Umweltakademie in Linz ein hohes Umweltbewusstsein festgestellt. Den Befragten erschien bei der Erziehung ihrer Kinder das „Umweltbewusste Handeln“ um 15% wichtiger, als dies bei ihrer eigenen Erziehung war. Zudem gaben 55% an, sich für die Lebensqualität ihrer Nachkommen verantwortlich zu fühlen (vgl. AICHHORN 1997, S. 6).

Auch Untersuchungen, die sich speziell mit dem Kaufverhalten von Konsumenten bezüglich umweltfreundlicher Produkte befassen, bestätigen eine hohe Umweltsensibilität bei den Konsumenten. In einer Befragung des Institutes für Markt-Umweltgesellschaft (imug) im Jahr 1993 gaben 63% der insgesamt 1 500 Befragten an, bei ihrer Kaufentscheidung solchen Unternehmen zu bevorzugen, die im besonderen Maße die Umwelt schützen (vgl. imug- Emnid 1993, S. 20). Knapp 80% gaben an, ein Produkt, welches mit einem Umweltgütesiegel gekennzeichnet ist, gegenüber anderen zu bevorzugen (ebd., S. 23). Nach einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) im Jahre 1996 kann davon ausgegangen werden, dass knapp die Hälfte der Verbraucher in Deutschland umweltbezogenen Produkthinweisen (in der Befragung speziell auf Verpackungen) in hohem Maße Beachtung schenken (BMU 1996, S. 24). Nach einer Analyse diverser Studien über Umweltbewusstsein in Deutschland kommt KUCKARTZ (1998) zu dem Schluss, dass die Umweltfreundlichkeit von Produkten zunehmende Bedeutung für die Kaufentscheidung bekommt. Dieser Faktor sei vergleichbar mit der Bedeutung von Qualität und Preis.

Für 90% der Käufer ist dies ein wichtiger oder sehr wichtiger Aspekt beim Kauf. Unternehmen können sich durch Umweltengagement profilieren: Keine andere Art von Imagepflege wird derart positiv bewertet und wirkt sich so günstig auf die Kaufentscheidung aus (KUCKARTZ 1998, S. 33).

Geht es bei Befragungen direkt um das Kaufverhalten, so sind die Ergebnisse niedriger. In der aktuellen Bevölkerungsbefragung des Umweltbundesamtes geben lediglich ca. ein Drittel der Befragten an, immer oder häufig Produkte zu kaufen, die mit dem Zusatz „Bio“ oder „Öko“ gekennzeichnet sind. Diese Angabe ist im Vergleich zur vorherigen Untersuchung im Jahr 2000 um 5% gestiegen (vgl. UBA/KUCKARTZ 2002, S. 77).

Auch in Österreich ist ein hohes Potential für ein umweltkonformes Verhalten beim Einkauf ermittelt worden. Nach einer repräsentativen Konsumentenbefragung aus dem Jahr 2001 zum Thema „Umweltbewusstsein beim Einkauf nach 10 Jahren staatliches Umweltzeichen in Österreich“ von PRIEWASSER (2002) ziehen 79% der Österreicher das Kriterium „geringe Umweltbelastung“ bei der Kaufentscheidung von Produkten mit ein (PRIEWASSER 2002, S. 206). 85% geben an, dass ein Umweltzeichen auf einem Produkt für sie ein Kaufgrund wäre (ebd., S. 209).

3.3 Umweltbewusstsein von Schifahrern

Parallel zu dem ansteigenden Umweltbewusstsein der Bevölkerung Deutschlands und Österreichs ist auch das wachsende Umweltbewusstsein von Touristen und im Speziellen von Schifahrern zu verzeichnen. Nach einer 1993 durchgeführten Vergleichsstudie vom Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Süddeutschen Verlagsanstalt sehen im Jahr 1989 55% der westdeutschen Schifahrer das Schifahren als ernstes Problem für die Umwelt an, im Jahr 1993 sind es 56% (vgl. Südwestdeutsche Verlagsanstalt/Institut für Demoskopie Allensbach 1993, S. 132). Bei einer repräsentativen Meinungsumfrage im Auftrag des DSV (Deutscher Skiverband) geben 1995 rund 75% der befragten Schifahrer an, die Aussage „der Schisport ist eine der Hauptbelastungen der alpinen Bergwelt“ sei mindestens teilweise zutreffend (DSV/AGL 1995,o.S.).

Auch WEISS u.a. (1999) ermittelt in einer empirischen Analyse des Umweltbewusstseins von über 2 000 Schitouristen und Einheimischen ein Problembewusstsein bezüglich der Auswirkungen des Schitourismus auf die Umwelt. Von zehn aufgeführten Umweltauswirkungen, die durch den Schisport entstehen, wird keines im Durchschnitt als„weniger problematisch“ oder „unproblematisch“ eingestuft. Am kritischsten werden das erhöhte Müll- und Abwasseraufkommen, der Ausbau der Infrastruktur, das erhöhte Verkehrsaufkommen und die Vegetationsschäden durch Rodung und Planierung beurteilt (vgl. WEISS u.a. 1999, S. 11). Das hohe umweltbezogene Problembewusstsein der Schifahrer scheint jedoch nicht wesentlich zu einem Rückgang der Nachfrage zu führen. Die überwiegende Mehrheit der Schitouristen gibt im Rahmen der Studie von WEISS u.a. (1999) an, dass sie trotz ihres Wissens über ökologische Schäden durch den alpinen Schisport nicht auf das Schifahren verzichten wollen.

Fast die Hälfte der Befragten und knapp 40% der Einheimischen geben im Rahmen derselben Studie an, sich nicht ausreichend über die Schadensproblematik im Schigebiet informiert zu fühlen (vgl. ebd., S. 9f.). Auch bei der oben zitierten Schifahrerbefragung, die 1995 vom DSV in Auftrag gegeben wurde, antworteten auf die Frage, wie wichtig Umweltinformationen zum Schigebiet für die Ausstattung eines attraktiven Schigebietes seien, 72% mit „ganz wichtig“ oder „sehr wichtig“ (vgl. DSV/AGL 1995, o.S.).14 Im Rahmen einer umfassenden Studie des Forschungsinstituts für Freizeit und Tourismus in Bern wurden Erwartungen von Wintersportgästen in Bezug auf die Qualität15 von Seilbahnunternehmen untersucht. Bei der Abfrage der Relevanz von Umweltkriterien sind folgende Werte ermittelt worden: Der Aspekt„Luftseilbahnbetreiber nehmen Rücksicht auf die Umwelt“ erhält auf einer Skala von 1 (unwichtig) bis 6 (sehr wichtig) einen Durchschnittswert von 5,31. „Die Rücksichtnahme auf die Umwelt wird von den Gästen immer noch als wichtig beurteilt, obwohl in den letzten Jahren das Bewusstsein eher stagniert oder abgenommen hat“ (MICHEL 2001, S. 169).

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass unter den deutschen und österreichischen Schifahrern sowohl ein hohes umweltbezogenes Problembewusstsein, als auch umweltfreundliche Einstellungen vorherrschen. Von Seilbahnunternehmen werden Informationen über die Umweltsituation im Schigebiet gewünscht und die Rücksichtnahme auf die Umwelt findet breite Zustimmung. Dieses Umweltbewusstsein der Schifahrer wird von in der Öffentlichkeit agierenden Organisationen und Verbänden unterstützt.

3.4 Aktivitäten von Verbänden und Organisationen zum Thema „Schisport und Umwelt“

In den letzten Jahrzehnten sind vor allem im Alpenraum zahlreiche Verbände und Bürgerinitiativen entstanden, die sich gegen die negativen Auswirkungen des alpinen Schisports auf die Umwelt einsetzen. Eine der bekanntesten Organisationen ist der Alpenverein. Sowohl der DAV (Deutsche Alpenverein) als auch der ÖAV (Österreichischer Alpenverein) fordern die Einstellung weiterer Erschließungsmaßnahmen. Baumaßnahmen, die zum Zwecke der Qualitätssteigerung der Schigebiete durchgeführt werden, sind nach ihrer Forderung einer Umwelt- und Raumverträglichkeitsprüfung zu unterziehen. Diese Forderungen sind im Grundsatzprogramm des DAV, ÖAV und AVS (Alpenverein Südtirol) von 1977 verankert. Zusätzlich fordert der DAV einen generellen Verzicht auf die Erschließung bzw. den Ausbau von Gletschergebieten, einen begrenzten Einsatz von Beschneiungsanlagen und die Nutzung der Pistenflächen erst ab einer ausreichenden Schneehöhe.

Eine weitere NRO (Nichtregierungsorganisation), die im Alpenschutz aktiv ist, ist die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA. Die Organisation ist ein Dachverband, der über 100 Organisationen und Verbände aus allen sieben Alpenstaaten vertritt. Die Alpenschutzkommission hat wesentlich zu der Entstehung der Alpenkonvention beigetragen (vgl. Kap. 3.5) und versucht ihre Umsetzung voranzutreiben. Im Rahmen der Umsetzung des Tourismusprotokolls setzt sie sich gegen die weitere Erschließung der Alpen durch Seilbahnen und Liftanlagen ein. Des weiteren richtet sich die Kommission gegen massive künstliche Beschneiung und Heliskiing. Die CIPRA spricht sich nicht grundsätzlich gegen den alpinen Schisport aus, appelliert jedoch dafür, diesen in einem sozial- und umweltverträglicheren Rahmen zu gestalten (vgl. GÜTHLER 2003, S. 13).

An Hand dieser beiden Beispiele sollte verdeutlicht werden, dass es organisierte Formen der Kritik an den Umweltauswirkungen durch den alpinen Schisport gibt. Durch ihre Öffentlichkeitsarbeit tragen diese Organisationen dazu bei, das Konfliktfeld „Schisport und Umwelt“ aufzuzeigen und die Umweltsensibilität von Schifahrern aufrechtzuerhalten bzw. noch zu verstärken.15

Das Konfliktfeld „Schisport und Umwelt“ wurde bereits von verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren erkannt. Polische Parteien, Tourismus-, Sport- und Schiverbände und Seilbahn- verbände haben auf den Konflikt reagiert und sind bestrebt ihn zu minimieren.

3.5 Reaktionen zum Thema „Schisport und Umwelt“

3.5.1 Reaktionen der Politik

In den letzten Jahren ist innerhalb der Regierungen Deutschlands und Österreichs die verstärkte Beschäftigung mit dem Themenbereich „Umwelt und Tourismus bzw. Sport“ erkennbar. Der Deutsche Bundestag hat in der 13. Legislaturperiode einen umfangreichen Beschluss zur umweltverträglichen Entwicklung des Tourismus gefasst (BT Drs. 13/4217). In einem dazu verfassten Konzept hat sich die Bundesregierung verpflichtet, die Umwelt- orientierung touristischer Leistungsangebote und die Nachfrage danach zu verbessern. Sowohl das Deutsche Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, als auch das Österreichische Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft haben ein Gütesiegel für umweltfreundliche touristische Institutionen entwickelt (vgl. Kap. 4.2.2).

Seit Beginn der Umweltbewegung und des ansteigenden Umweltbewusstseins (vgl. Kap. 3.2) sind in Deutschland und Österreich zahlreiche Gesetze entstanden, welche die Nutzung der natürlichen Umwelt durch Sport- und Tourismusaktivitäten regeln. Dazu gehören u.a. Raumordnungsgesetze, Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetze, Naturschutzgesetze, Wald- bzw. Forstgesetze, Immissionsschutzgesetze, Wasserschutzgesetze, Abfallgesetze usw.

Im Hinblick auf den Schisport sind in beiden Ländern zusätzliche ordnungsrechtliche Regelungen aufgestellt worden, um die negativen Auswirkungen der Sportart auf die Umwelt zu reduzieren. In Deutschland ist bereits 1972 ein Umweltplan entwickelt worden, der als Teil des Landesentwicklungsprogramms Bayerns, umfangreiche Ruhezonen ausweist, in denen keine Erschließungsmaßnahmen stattfinden dürfen. Zusätzlich wurde 1984 der „Bergwald beschluss“ des Bayerischen Landtages verabschiedet, wonach kein Bergwald für touristische Zwecke gerodet werden darf.16

In Österreich wurden in verschiedenen Bundesländern ordnungsrechtliche Regelungen bezüglich Schigebietserweiterungen erlassen. Beispiele dafür sind die „Richtlinien für die Schigebietserschließung im Bundesland Salzburg“, die „Seilbahngrundsätze des Landes Tirol“ und das „Kärntner Wintererschließungskonzept“ (vgl. GÜTHLER 2003, S. 8).

Die Produktion von Kunstschnee ist im allgemeinen innerhalb der Wassergesetze der einzelnen Bundesländer geregelt. In Bayern und in Teilen Österreichs ist die Verwendung biochemischer Zusatzstoffe im Kunstschnee verboten.

Sowohl Deutschland als auch Österreich haben im Juli 2002 die Protokolle der Alpenschutzkonvention ratifiziert, sodass diese im Dezember 2002 in Kraft treten konnten. Bei der Umsetzung in nationales Recht könnte insbesondere das Tourismusprotokoll zu weiteren Regulierungen des alpinen Schisports führen. Jedoch auch freiwillige marktwirtschaftliche Instrumente sollen gefördert werden. Erste Ansätze sind bereits in dem vom deutschen Vorsitz der Alpenkonferenz erstellten Arbeitsprogramm 2003, 2004 (VII – VIII Alpenkonferenz) ersichtlich. In dem hier erstellten 10-Punkte-Programm zur Umsetzung der Alpenkonvention, geht Punkt 6 explizit auf die Förderung eines Wettbewerbs unter Kriterien der Nachhaltigkeit, insbesondere in Schigebieten ein (vgl. BMU 2003, S. 3).

Auch europaweit gibt es inzwischen Regelungen zum Schutz der natürlichen Umwelt vor Auswirkungen des alpinen Schisports. Dabei spielt insbesondere die „Richtlinie über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten“ (85/337/EWG) eine Rolle. Diese Richtlinie und die Änderungsrichtlinie 97/11/EG bestimmen die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) bei Geländeveränderungen und der Errichtung von Lifttrassen.17 Auch die eventuelle Notwendigkeit einer UVP bei künstlicher Beschneiung wird von der Änderungsrichtlinie festgelegt.

In Zukunft wird für einzelne Seilbahnunternehmen die Natura 2000, die im Jahr 2004 gültig wird, an Bedeutung gewinnen. Die Natura 2000 ist ein europaweites Netz aus Schutzgebieten, welches dazu dienen soll, gefährdete Lebensräume und Arten zu erhalten. Jedes Mitgliedsland ist verpflichtet, die nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie (92/43/EWG) oder der Vogelschutz-Richtlinie (79/409/EWG) geschützten Gebiete auszuweisen. Für die ausgewiesenen Flächen gilt das sogenannte Verschlechterungsverbot für geschützte Lebensräume und Arten. Unternehmen, die innerhalb der Schutzgebiete Projekte planen, müssen nachweisen, dass dadurch keine negativen Auswirkungen auf die Schutzobjekte entstehen. Doch auch Projekte außerhalb der Gebiete dürfen sich nicht negativ auf die geschützten Flächen auswirken.18 Da innerhalb der Alpenregion viele Flächen als Natura 2000-Gebiete ausgewiesen wurden, sind auch Seilbahnunternehmen von dieser Regelung betroffen.19

3.5.2 Reaktionen der Tourismus-, Sport- und Schiverbände

Die Tourismuswirtschaft hat ebenfalls auf das gewachsene Umweltbewusstsein reagiert. Die Einhaltung ökologischer Kriterien gewinnt im Tourismus laufend an Bedeutung. Die Tourismusverbände zielen darauf hin, einen ökologischeren Qualitätstourismus zu fördern. So haben die wichtigsten deutschen Tourismusverbände 1997 eine Umwelterklärung herausgegeben, in der sie sich dem Ziel verschrieben, einen nachhaltigen Tourismus zu fördern. Dabei spielen freiwillige marktwirtschaftliche Instrumente im Rahmen der Leitlinien eine entscheidende Rolle.

Umweltmanagementsysteme sowie (...) Wettbewerbe, Modellprojekte, Umweltsiegel und kriterien, Beratung und Aufklärung werden von der Tourismuswirtschaft eingesetzt und aktiv unterstützt. Auch das Öko-Audit-Verfahren sollte in geeigneten Bereichen angewandt werden (...). (Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft e.V. u.a. 1997, S. 8).

Im Sport ist die Beschäftigung mit Umweltaspekten ebenfalls zur Selbstverständlichkeit geworden. So hat beispielsweise der Deutsche Sportbund (DSB) umweltpolitische Grundsätze aufgestellt, in denen er sich zu einer Kooperation mit dem Natur- und Umweltschutz verpflichtet (vgl. DSB 1999).

Auch die Schiverbände haben auf das wachsende Umweltbewusstsein der Schifahrer reagiert. Der Deutsche Schiverband (DSV) hat 1985 einen Umweltbeirat ins Leben gerufen. Dieser hat die Aufgabe, Probleme und Zusammenhänge im Bereich „Schisport und Umwelt“ zu erforschen und Maßnahmen zur Konfliktlösung beizutragen. So hat der DSV beispielsweise Umwelt-Regeln für den Einsatz von Pistenraupen aufgestellt (vgl. LAUTERWASSER 1989,S. 74). Derzeit unterstützt der Verband ein Projekt der Liechtensteiner Stiftung „pro natura pro ski“ zur Entwicklung eines Öko-Audit-Verfahrens für Schigebiete (vgl. Kap. 4.3.2).20 Neben Forschungsprojekten zur Verminderung der Umweltbelastungen durch den Schisport ist es dem DSV auch eine wichtige Aufgabe, durch sachliche Kommunikation den Schifahrern das Thema Schisport und Umwelt zugänglich zu machen und sie für den Umweltschutz zu sensibilisieren (vgl. DSV 2003). Dafür werden z.B. Umweltbildungs- veranstaltungen in Form von Schulungen und Jugendcamps durchgeführt.

Auch der Internationale Schiverband FIS engagiert sich für den Umweltschutz. Im Jahr 1994 hat er sich im Mainauer Manifest dazu verpflichtet, bei der Förderung des Schisports Rücksicht auf Natur und Landschaft zu nehmen (vgl. FIS 1994). Zudem wurde in dem Manifest festgelegt, dass bei der Auswahl von Stätten zur Durchführung von internationalen Wettkampfveranstaltungen auf Umweltaspekte verstärkt Rücksicht genommen werden soll. Auf dieser Grundlage hat der Verband Umweltleitlinien für Kandidaten um FIS- Weltmeisterschaften ausgearbeitet und 1998 veröffentlicht. Außerdem engagiert er sich für die Sensibilisierung der Schifahrer im Bereich Umweltschutz. Er hat Umweltregeln für Schi- und Snowboardfahrer aufgestellt, die den Schifahrer u.a. dazu auffordern, Schigebiete zu unterstützen, die sich um die Umwelt sorgen. Ferner soll sich der Schifahrer bei der Anreise und während des Aufenthaltes im Schigebiet umweltfreundlich verhalten (FIS 2002, S. 28).

3.5.3 Reaktionen der Seilbahnverbände

Auch die Seilbahnverbände haben das Umweltproblembewusstsein im Bezug auf den Schisport aufgegriffen. Der Verband deutscher Seilbahnen (VDS) vertritt die Belange der deutschen Seilbahn- und Schleppliftunternehmen gegenüber der Öffentlichkeit, den Medien und der Politik. Dabei sieht er es als seine Aufgabe an, sich auch mit Fragen des Umweltschutzes zu beschäftigen. Im diesem Bereich wurden u.a. Informationsbroschüren erstellt, in denen der VDS über beispielhafte Maßnahmen einzelner Mitgliedsunternehmen in den Bereichen Kooperation mit der Landwirtschaft, umweltfreundliches Verkehrs- management, naturnahe Landschaftspflege u.a. berichtet.

Auch der Fachverband der Seilbahnen Österreichs greift das Thema Ökologie auf. In dem von ihm gegründeten „Forum Marketing & PR“, welches die Aufgabe hat das Image der Seilbahnen zu verbessern, nimmt der Umweltaspekt eine zentrale Stellung ein. Es wurde ein Umweltforum eingerichtet, welches Informationsbroschüren zu umweltrelevanten Themen erstellt hat.21 Ebenso gehört das Aufstellen von Pistenberatungskommissionen, die

Beauftragung von Gutachten und Studien und die Konzeption von Leitfäden zu den Aufgaben des Umweltforums.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die gesellschaftlichen Akteure, die sich mit dem alpinen Schisport befassen, auf das Konfliktfeld „Schisport und Umwelt“ reagiert haben. Ordnungsrechtliche Regelungen sind entstanden, um die Umweltsituation in Schigebieten zu verbessern. Tourismus- und Sportverbände haben sich einem umweltverträglichen Verhalten verschrieben und Seilbahnverbände betreiben eine intensive Öffentlichkeitsarbeit, um dem negativen Umweltimage, welches dem alpinen Schiport anhaftet, entgegenzuwirken. Auch Seilbahnunternehmen sind auf Grund dieser Dynamik dazu gezwungen, sich mit dem Umweltschutz auseinander zu setzen.

3.6 Umweltbewusstsein – Risiko oder Chance für Seilbahnunternehmen?

In dem Kapitel „Umweltbewusstsein und Schisport“ wurde erläutert, dass bei den Schifahrern ein gestiegenes Umweltbewusstsein vorherrscht, welches durch in der Öffentlichkeit wirkende Umweltverbände noch weiter verstärkt wird. Auf das hohe Problembewusstsein wurde seitens der betroffenen gesellschaftlichen Akteure bereits reagiert.

Aus den Erläuterungen dieses Kapitels geht hervor, dass Seilbahnunternehmen Umweltschutzmaßnahmen durchführen müssen, um handlungsfähig zu bleiben. Es werden bestimmte Anforderungen im Rahmen von gesetzlichen Regelungen an sie herangetragen, die sie erfüllen müssen, um die Legalität ihres unternehmerischen Handelns zu bewahren. Hinzu kommen Stakeholder22, wie z.B. Umweltgruppierungen, die durch öffentliche Kritik die Legitimität des Unternehmens in Frage stellen. Die Unternehmen sind demnach darauf angewiesen, intensive Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und umweltbezogene Handlungen vorzuweisen, um den Vorwürfen entgegenzuwirken. Die Seilbahnunternehmen befinden sich demnach in einer reaktiven Position.

Es stellt sich die Frage, ob ein Unternehmen eine Strategie wählen kann, mit der es die schon vorhandenen Aufwendungen für den Umweltschutz positiv nutzen kann.

Durch die freiwillige Durchführung von Umweltschutzmaßnahmen kann ein Seilbahn- unternehmen aus der reaktiven Position heraustreten und sich durch eine offensive Strategie profilieren. Dabei kann sich das Unternehmen durch eine entsprechende Kommunikation23

nach außen ein „grünes“ Image zulegen. Für umweltbewusste Kunden kann ein Seilbahnunternehmen durch das nach außen kommunizierte umweltfreundliche Image im Vergleich zu anderen attraktiver erscheinen. Dies kann für Seilbahnbetriebe ein weiterer Schritt in Richtung Qualitätsorientierung darstellen. Gute Qualität kann zu mehr Kundenzufriedenheit, Kundenbindung und ökonomischem Erfolg beitragen. Der Trend zur Qualitätsorientierung hat innerhalb der Seilbahnbranche zur Verbesserung der Rentabilität vieler Bahnen an Bedeutung gewonnen.24 Laut MICHEL (2001) entsteht Qualität aus der Differenz der von den Kunden erwarteten und erlebten Leistung. Die Kenntnisse der Bedürfnisse und Erwartungen der Gäste ist daher von zentraler Bedeutung für die erfolgreiche Gestaltung der künftigen Angebote eines Seilbahnunternehmens (vgl. MICHEL 2001, S. 11).

Die Voraussetzung für die Erlangung eines umweltfreundlichen Images ist jedoch eine hohe Vertrauenswürdigkeit der Seilbahnunternehmen gegenüber den Gästen. Diese Glaub- würdigkeit kann durch ein geprüftes Umweltzertifikat geschaffen werden.

4. Formen der Umweltzertifizierung und deren Anwendungsmöglichkeiten auf Schigebiete, speziell Seilbahnunternehmen

In diesem Kapitel werden Möglichkeiten für Seilbahnunternehmen aufgezeigt, sich anhand eines Umweltzertifikates zu positionieren und gegebenenfalls zu profilieren. Dafür ist es erforderlich Formen der Umweltzertifizierung und ihre Anwendbarkeit auf Schigebiete aufzuzeigen.

4.1 Begriffsbestimmung und Formen der Umweltzertifizierung

Zertifizierung ist ein Prozess, bei dem neutrale Institutionen das Vorhandensein bestimmter Eigenschaften von Objekten, Dienstleistungen oder Regionen prüfen und beglaubigen bzw. bestätigen. Dem formalen Vorgehen im Rahmen des Zertifizierungsprozesses liegen in der Regel spezifische Richtlinien, Normen oder gesetzliche Verordnungen zugrunde. Ein Zertifikat stellt die Bestätigung bestimmter Anforderungen in Form eines Formulars oder Logos dar. Werden Umwelteigenschaften geprüft und beglaubigt, spricht man von ökologischer Zertifizierung oder Umweltzertifizierung (vgl. MEFFERT/KIRCHGEORG 1998, S. 305).

Der Begriff Umweltzertifikat wird in dieser Arbeit als übergeordneter Begriff von zwei verschiedenen Formen der Kennzeichnung verwendet. Es wird durch den Verfasser eine Einteilung in qualitätsbezogene und prozessbezogene Umweltzertifikate vorgenommen. Qualitätsbezogene Umweltzertifikate kennzeichnen einen bestimmten Qualitätsstandard; prozessbezogene Umweltzertifikate hingegen weisen auf die Durchführung eines geprüften Umweltmanagementprozesses hin. Die erste Form der Zertifizierung bezieht sich vorwiegend auf Produkte oder Dienstleistungen, das zweite auf Unternehmen. Die beiden Versionen der Kennzeichnung unterscheiden sich sowohl in ihrer Funktion als auch in ihrer Anwendungsmöglichkeit.25

4.1.1 Qualitätsbezogene Umweltzertifizierung

Kommt bei einem Zertifizierungsprozess ein Umweltgütezeichen oder Umweltlabel zum Einsatz, so handelt es sich in der Regel um eine qualitätsbezogene Umweltzertifizierung. Der Begriff Label bedeutet im Deutschen Etikett bzw. Schild und ist ein Synonym für Gütezeichen.

Labels sind – mit Hilfe eines leicht wiedererkennbaren Logos – sichtbare Merkmale einer Gruppe von Produkten, Dienstleistungen oder auch Landschaften, die besondere Qualität signalisieren. Ziel dabei ist es, die so ausgezeichneten Produkte gegenüber Konkurrenzprodukten abzugrenzen, leicht identifizierbar zu machen und sie so im Markt zu positionieren und zu profilieren.

„Labeling“ ist also ein Marketinginstrument (CIPRA International 1998).

Die Kennzeichnung von Umweltqualität kann einerseits bedeuten, dass die ökologischen Auswirkungen, die von dem Produkt ausgehen, gewisse Grenzwerte unterschreiten, andererseits kann es aber auch eine umweltbezogene Güte garantieren (z.B. Herstellung ohne Zusatzstoffe usw.). Dabei kann die Vergabe des Zertifikates nach einem absoluten Niveau oder einem relativen Maßstab unterschieden werden. Im ersten Fall werden messbare umweltbezogene Kriterien aufgestellt, die als Bedingung zur Kennzeichnung mit dem Zertifikat erfüllt werden müssen. Im zweiten Fall sind die Vergabekriterien variabel und beziehen sich zumeist auf die ökologisch vorteilhafteste Lösung. In beiden Fällen dienen die Umweltlabels dazu, die Vergleichbarkeit von Produkten, Dienstleistungen und Regionen bezüglich ihrer Umweltqualität zu gewährleisten. Eine Gutachterfunktion für qualitäts- bezogene Umweltzertifikate ist für diverse Institutionen denkbar. Neben staatlichen Organisationen können u.a. Beratungsunternehmen, Umweltverbände oder Zeitschriften für die Auszeichnung verantwortlich sein. Dabei ist es möglich, dass sich die Organisation, welche die Auszeichnung eines Produktes, einer Dienstleistung o.ä. mit einem Zertifikat anstrebt, sich für dieses bewirbt. Die auszuzeichnenden Objekte können jedoch auch im Rahmen eines Vergleichstests oder Wettbewerbs ausgewählt werden.

Qualitätsbezogene Umweltzertifikate können in jeglicher Form der Kommunikation mit den

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Beispiele für qualitätsbezogene Umweltzertifikate

Kunden eingesetzt werden und insbesondere im Rahmen der Werbung eine entscheidende Rolle spielen.

Derzeit existieren diverse Umweltlabel in den unterschiedlichsten Bereichen auf verschiedenen Ebenen (lokal, national, international).

Für den Tourismusbereich können beispielhaft das vom österreichischen Umweltministerium initiierte „Österreichische Umweltzeichen“26 und die durch die Zusammenarbeit der Deutschen Bundesregierung mit Umwelt- und Tourismusverbänden entstandene Umwelt- dachmarke „Viabono“ genannt werden. Auch auf europäischer Ebene existiert unter dem Namen „EU-Eco-label for tourist accommodation service“ ein Ökolabel, mit dem sich ebenfalls touristische Beherbergungsbetriebe auszeichnen lassen können (vgl. Abb. 2).

4.1.2 Prozessbezogene Umweltzertifizierung

Eine prozessbezogene Umweltzertifizierung ist nach dem Umwelt- bzw. Öko-Audit- Verfahren (Umweltbetriebsprüfung) möglich. Das Ziel des Umwelt-Audits ist es, einen Anreiz für die Einführung eines betrieblichen Umweltmanagementsystems zu schaffen, um dadurch die durch ein Unternehmen induzierten Umweltbelastungen zu reduzieren. Wird im Rahmen der Betriebsprüfung eine kontinuierliche Verringerung der Umweltauswirkungen nachgewiesen, wird das Unternehmen von einem unabhängigen Prüfer (Auditor) mit einem Zertifikat ausgezeichnet.

Im europäischen Raum werden zur Durchführung eines Umwelt-Audits üblicherweise die EMAS-Richtlinien (Environmental Management and Audit Scheme) und die Richtlinien der Weltnormungsorganisation ISO (International Standard Organisation) nach der Normenreihe ISO 14001 genutzt.

EMAS ist 1993 als Verordnung der Europäischen Gemeinschaft in Kraft getreten. Bisher wurde das EG-Öko-Audit überwiegend im Bereich gewerblicher Unternehmen angewandt. Seit der Novellierung der Öko-Audit-Verordnung (EMAS II) am 27. April 2001 können europaweit alle Organisationen mit relevanten Umweltauswirkungen an dem Audit-System teilnehmen.

Seit Oktober 1996 liegt die ISO 14001 „Umweltmanagementsysteme – Spezifikationen und Leitlinien zur Anwendung“ vor. Die privatwirtschaftliche ISO-Norm hat weltweite Gültigkeit und kann auch auf öffentliche und private Organisationen jeglicher Art angewandt werden. Das Regelwerk fordert die Festlegung einer Umweltpolitik auf höchster Managementebene, in der sich die Unternehmen zur Einhaltung der Gesetze und zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) verpflichten (vgl. International Cert Zertifizierung GmbH 2002).

Die Möglichkeiten im Bereich der externen Kommunikation sind bei der Zertifizierung nach EMAS durch die neue EG-Öko-Audit-Verordnung (EMAS II) erheblich erweitert worden. Zuvor war es bereits für alle teilnehmenden Organisationen ver- pflichtend, alle drei Jahre eine Umwelterklärung zu verfassen. Diese

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Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: EMAS-Logo

hat allgemeine Informationen über das Unternehmen, über spezifische Informa-tionen hinsichtlich der Umweltaus-wirkungen, über getroffene Maßnahmen und über die erzielten Verbesserungen zu enthalten. Es ist ein neues EMAS-Logo mit zwei verschiedenen Versionen entstanden, welches registrierte Teilnehmer im Rahmen der Umweltkommunikation verwenden dürfen (vgl. Abb. 3). Die erste Version des EMAS-Logos weist darauf hin, dass ein Produkt, eine Tätigkeit oder eine Dienstleistung von einer in EMAS eingetragenen Organisation erzeugt wurde. Die zweite Version bestätigt Umwelt-informationen, die in direktem oder indirektem Zusammenhang mit Produkten, Tätigkeiten und Dienstleistungen stehen und soll somit die Glaubwürdigkeit der Informationen erhöhen.27

Bei dem Audit-System nach ISO 14001 steht die externe Kommunikation weniger im Vordergrund als bei EMAS. Nach einer Studie des Instituts für Wirtschaftswissenschaften der Universität Klagenfurt wird von EMAS-zertifizierten Betrieben wesentlich häufiger als Ziel der Durchführung des Auditings die verbesserte Kommunikation nach außen genannt als dies bei ISO 14001- zertifizierten Unternehmen der Fall ist (SCHWARZ u.a. 1999, S. 1f.). Dies liegt einerseits daran, dass ein nach ISO 14001 zertifiziertes Unternehmen der Öffentlichkeit lediglich seine Unternehmenspolitik und keinen ausführlichen Umweltbericht darzulegen hat. Andererseits ist für kritische Anspruchsgruppen die staatliche Kontrolle bei EMAS vertrauenswürdiger. Ein großer Vorteil im Rahmen der Kommunikation mit umweltsensiblen Kunden ist bei EMAS das beschriebene Logo. Auf Grund des neuen Designs mit einem grünen Blatt auf einem blauen wellenförmigen Untergrund wird deutlich, dass es sich um ein Umweltzeichen handelt. Bei ISO 14001 hingegen gibt es kein nutzbares Logo. Das Zertifikat besteht lediglich aus der Aufschrift „Zertifikat DIN EN ISO 14001“. Diese Angaben sind für Konsumenten nur schwer zuzuordnen. Sie spielen eher für andere wirtschaftliche Anspruchsgruppen, wie Lieferanten, Abnehmer, Banken und Versicherungen eine Rolle (vgl. MANHART 1996, S. 5).

Für Unternehmen, die mit einem Umweltzertifikat für die Durchführung eines Öko-Audit- Verfahrens offensive Öffentlichkeitsarbeit und Werbung betreiben wollen, ist es daher empfehlenswert EMAS als Audit-System zu wählen.

Das Instrument Umweltzertifizierung kann in zwei Formen eingesetzt werden. Einerseits können im Rahmen einer qualitätsbezogenen Zertifizierung Produkte, Dienstleistungen oder Regionen mit einem Gütesiegel oder Label gekennzeichnet werden; andererseits können sich durch eine prozessbezogene Zertifizierung Unternehmen bzw. Organisationen die Durchführung eines Umwelt-Audits kennzeichnen lassen. Inwiefern diese beiden Zertifizierungsformen bei der Zertifizierung von Schigebieten Anwendung finden können, soll im folgenden erläutert werden.

4.2 Umweltzertifizierung von Schigebieten, speziell Seilbahnunternehmen

Mit einem Umweltzertifikat für das Produkt „Schitourismus“ können Tourismusregionen, Tourismusorte, Schigebiete oder Seilbahnunternehmen ausgezeichnet werden (vgl. STALDER/SAUVAIN 1998, S. 9).

An dieser Stelle soll noch mal auf den bereits in Kapitel 2.1 definierten Begriff „Schigebiet“ und seine Verwendung im Rahmen dieser Arbeit hingewiesen werden, da er die Grundlage für die folgenden Erläuterungen darstellt. Demnach steht „Schigebiet“ für die von einem Seilbahnunternehmen für den alpinen Schisport bereitgestellten Flächen, inklusive der dazugehörigen Infrastruktur wie Gaststätten usw. Sonstige Einrichtungen eines Wintersportortes werden also nicht unter diesem Begriff subsumiert.

Es existieren bereits Ansätze zur Auszeichnung umweltfreundlicher Alpengemeinden, wie etwa zur „Alpenstadt der Jahres“ durch die „Arbeitsgemeinschaft Alpenstädte“28, zur„Gemeinde der Zukunft“ durch das Gemeindenetzwerk „Allianz der Alpen“29 oder zu „Der umweltbewussten Gemeinde“ durch die Bayerische Staatsregierung 30 u.a.. Die Anwendung eines Zertifikates auf einen umfassenden Bereich ist zwar sowohl aus Sicht des Naturschutzes als auch in Bezug auf die Bedürfnisbefriedigung umweltsensibler Schifahrer sinnvoll. Je

breiter dieser Bereich ist, desto schwieriger ist es jedoch, auf Grund der Vielzahl möglicher Vergabekriterien, eine faire Auszeichnung zu gewährleisten. Bei der Auszeichnung einer ganzen Region müssen beispielsweise neben den Umweltauswirkungen im Schigebiet (Begriffsklärung vgl. Kap. 2) auch politische Aktivitäten wie die Ausgestaltung von Regional- und Bebauungsplänen, die Ausweisung von Schutzgebieten, die Verkehrspolitik usw., Berücksichtigung finden.

Aus dem genannten Grund beschäftigt sich diese Arbeit insbesondere mit der Auszeichnung von Seilbahnunternehmen, welche die kleinstmögliche Zertifizierungseinheit bezüglich des Produktes „Schitourismus“ darstellen. Wird im Kontext dieser Arbeit der Begriff Seilbahnunternehmen verwendet, so gilt er auch als Synonym für Schigebietsbetreiber. Das Seilbahnunternehmen ist neben der Verantwortung für den Transport der Schifahrer auch für den Betrieb der gesamten durch den Schisport direkt genutzten Fläche zuständig. Die genutzte Fläche haben die Seilbahnunternehmen zumeist von Bauern oder Bundesforsten gepachtet (vgl. Fachverband für Seilbahnen Österreich – Marketing Forum 2003, S. 4f.). Die Zertifizierung eines Seilbahnunternehmens und eines Schigebietes beziehen sich somit gewöhnlich auf ein und denselben Antragsteller für die Auszeichnung. Es ist jedoch auch möglich, dass ein Schigebiet von mehreren Seilbahnunternehmen gemeinsam betrieben wird. In diesem Fall ist es zur Erzielung einer marktbezogenen Wirkung empfehlenswert, die Auszeichnung mit nur einem gemeinsamen Umweltzertifikat anzustreben.

Seilbahnen umfassen alle Bahnen, die durch ein Zugseil vorangetrieben werden. (vgl. MICHEL 2001, S. 43). Darunter fallen neben Kabinenbahnen (Gondeln) auch Sesselbahnen und Schlepplifte (vgl. BIEGER/BRÜGGER 1991, S. 45). In dieser Arbeit wird sich auf Seilbahnen konzentriert, die der Ausübung des Wintersports dienen.31 Die Luftseilbahnen werden neben Hotels, Gastronomie- und Unterhaltungsbetrieben zu den touristischen Leistungsträgern gezählt. Für Einheimische und Tagestouristen stellen sie eine Dienstleistung im Freizeitsektor dar.

Zu den Leistungen der Seilbahnen gehören neben den Transportleistungen in das und im Schigebiet Aufgaben im Bereich des Rettungs- und Pistendienstes. Vermehrt kommen in den letzen Jahren ergänzende Angebote wie Serviceleistungen, Unterhaltung, Gastronomie etc. hinzu (vgl. MICHEL 2001, S. 60).

BIEGER/RÜGGER (1991) unterteilen das Produkt der Luftseilbahnen in drei Komponenten: Das

Kernprodukt, das formale Produkt sowie das erweiterte Produkt:

- Das Kernprodukt umfasst das grundliegende Bedürfnis, welches befriedigt werden soll. Dabei kann es sich beispielsweise um sportliche Aktivitäten auf den Schiern, ein Wintererlebnis in der Sonne und der frischen Luft, die Suche nach Ruhe und schöner Aussicht handeln.32
Das formale Produkt stellt die physische Leistung dar, welche die Konsumtion des Kernproduktes erst ermöglicht. Bei Seilbahnen ist dies die Transportleistung.
- Das erweiterte Produkt besteht in den Zusatzleistungen und Nebenleistungen, welche angeboten werden. Dies kann beispielsweise ein besonderes kulinarisches Angebot in der Gondel sein (vgl. BIEGER/RÜEGGER 1991, S. 75ff., MICHEL 2001, S. 59).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Label für Schigebiete

Führt ein Seilbahnunternehmen Umweltmaßnahmen durch, die über die erforderlichen Mindeststandards hinausgehen, um die Attraktivität seines Produktes zu steigern, so kön-nen diese Maßnahmen zu den Zusatz- bzw. Nebenleist-ungen des Unternehmens gezählt werden.

Die Verleihung von Gütesiegeln stellte in den letzten Jahren einen wichtigen Versuch zur Aufwertung von Schigebieten dar. Hier kamen vor allem Zertifikate für Qualitätsmanagement nach ISO 9000 und Qualitätsgütesiegel, etwa das Qualitätsgütesiegel für Schweizer Tourismus, zum Einsatz (vgl. MICHEL 2001, S. 81ff.). Weitere Beispiele für Gütesiegel sind das von den jeweiligen Bundesländern vergebene Steierische 33 und Tiroler Pistengütesiegel (vgl. Tiroler Landesregierung o.J.) sowie das von der Londoner Tageszeitung „Daily mail“ vergebene Siegel für den „Europäischen Schigebietstestsieger“ 34.

Im Hinblick auf die Auszeichnung eines Schigebietes bzw. eines Seilbahnunternehmens mit einem Umweltzertifikat sind sowohl qualitäts- als auch prozessorientierte Formen der Zertifizierung denkbar. Ob sich das Umweltzertifikat auf das Produkt bzw. die Dienstleistung„Aufenthalt im Schigebiet“ bezieht oder auf das Seilbahnunternehmen, ist eher zweitrangig. Da zu den Aufgaben eines Seilbahnunternehmen u.a. auch die Anlage und Pflege der Pistenfläche gehört, wirkt sich das umweltfreundliche Handeln des Unternehmens auch auf den Zustand des Schigebietes aus. Umgekehrt sollte in einem umfassenden Kriterienkatalog für ein qualitätsbezogenes Umweltzertifikat für Schigebiete auch ein umweltfreundlich wirtschaftendes Seilbahnunternehmen als Kriterium inbegriffen sein. Im folgenden soll die jeweils mögliche Zertifizierungsform am Beispiel von Schigebieten dargestellt werden.

4.2.1 Qualitätsbezogene Umweltzertifizierung von Schigebieten

Für die Auszeichnung eines Schigebietes mit einem qualitätsbezogenen Umweltzertifikat ist es notwendig, Kriterien festzulegen, an hand derer die Umweltfreundlichkeit eines Schigebietes gemessen wird. Es können einerseits bestimmte Standards festgelegt werden, die für die Auszeichnung mit einem Umweltzertifikat vollständig oder teilweise erfüllt werden müssen. Andererseits besteht die Möglichkeit, die jeweils umweltfreundlichste Alternative auszuzeichnen. Auf Grunde der Vielzahl von Schigebieten erscheint die erste Möglichkeit sinnvoller. Dabei sollten jedoch folgende Aspekte berücksichtigt werden:

- Die Kriterien sollten über die Erfüllung der gesetzlichen Mindeststandards hinausgehen und überdurchschnittliche umweltbezogene Leistungen auszeichnen, damit sich das Zertifikat nicht zum Branchenstandard entwickelt.
- Die Kriterien sollten flexibel sein, sich nach dem bestmöglichen Stand der Technik richten und nur für einen begrenzten Zeitraum (max. 5 Jahre) vergeben werden, damit der Anreiz zu einer stetigen Verbesserung gegeben ist.
- Die Kriterien sollten die verschiedenen Voraussetzungen der Schigebiete berücksichtigen, damit möglichst viele Gebiete einen Anreiz zur Teilnahme haben.
- Die Kriterien sollten möglichst für den gesamten Alpenraum anwendbar sein, damit ein einheitliches Zertifikat entstehen kann.

Entsprechende Prüfungskriterien könnten durch eine paritätische zusammengesetzte Kommission von Tourismus- und Umweltschutzvertretern erarbeitet werden.36

Folgende Kriterien für den umweltfreundlichen Betrieb eines Schigebietes sind denkbar (vgl. MANHART 1995, S. 6ff.):

für den Bereich der Schiabfahrten:

- Landschaftsangepasste Geländeveränderungen
- Wiederbegrünung mit standortangepasster Vegetation
- Anteil vorhandener Waldfläche
- Möglichst geringer Anteil an planierten Flächen
- Keine Vollplanien oder sonstige Zerstörungen der Vegetationsdecke über 1500 m Höhe
- Schutz ökologisch wertvoller Pistenflächen
- Schutz angrenzender Waldflächen insb. der Waldränder
- Umweltverträgliche Pistenpflege und Nutzung (z.B. durch den Einsatz umwelt- schonender Pistenfahrzeuge)
- Umweltverträgliche Mehrfachnutzung, Kooperation mit Landwirtschaft und Sommertourismus - Umweltverträgliche Beschneiung in begrenztem Maße
- Nutzung der Pisten nur bei ausreichender Schneehöhe

für den Bereich der Seilförderanlagen und Baulichkeiten:

- Geringe betriebliche Umweltbelastungen (Emissionen, Abfallaufkommen, Ressour- cenverbrauch etc.
- Möglichst effiziente und umweltfreundliche Beförderungsmöglichkeiten
- Landschaftsangepasster Baustil

für den Bereich sonstiger Infrastruktur:

- Vermeidung von Infrastruktur, die über das Schigebiet hinaus störend wirken können (z.B. Flutlichter)
- Umweltfreundliche Abwasserentsorgung
- Getrennte Abfallentsorgung
- Versorgung der Gastronomie mit regionalen, überwiegend ökologischen Nahrungs- mitteln

für den Bereich Verkehr:

- Betrieb öffentlicher Verkehrsmittel im Ort
- Kooperation mit dem Fernverkehr, (Bahn und -Busunternehmen)

für den Bereich Kommunikation:

- Hinweise zum umweltfreundlichen Verhalten
- Förderung umweltfreundlicher Einstellungen

Bei der Prüfung der Umweltverträglichkeit eines Schigebietes sollte zudem die Eignung der Landschaft für die schitouristische Nutzung und der Eigenwert von Natur (Potential an Flora und Fauna) und Landschaft (landschaftsökologische Beurteilung) berücksichtigt werden (vgl. BRANDER u.a. 1995, S. 196ff.).

Kriterien für die Eignung der Landschaft für die touristische Nutzung sind nach BRANDER u.a. (1995):

- Geländeeignung
- Regenerationskraft der Vegetation
- Bodenstabilität
- Wassernutzung
- Geländenutzung

Als Kriterien für das Potential an Flora und Fauna nennen die Autoren:

- Belastbarkeit der Lebensräume
- Belastbarkeit der Spezialstandorte

Kriterien für die landschaftsökologische Beurteilung sind:

- Bedeutung der Landschaft für den Sommertourismus
- Größe der Schigebiete

Als erster Ansatz eines umweltbezogenen Gütesiegels wurde in Tirol der Schigebietskristall konzipiert. Schigebiete, die besondere Anstrengungen auf den Gebieten des umweltbewussten Handelns, der Sicherheit und der Organisation unternehmen sowie mit Zusatzeinrichtungen aufwarten, können für diese qualitätsverbessernden Maßnahmen als Ergänzung zum Pistengütesiegel mit dem „Tiroler Schigebiets-Kristall“ ausgezeichnet werden (vgl. Tiroler Landesregierung o.J., S. 6). Im den Bereich „Umweltbewusstes Handeln“ wurden folgende Kriterien aufgestellt:

- Fachgerechte Mülltrennung und Müllentsorgung
- Abwasserentsorgung im Schigebiet
- Umweltaktivitäten bei den Präpariergeräten
- Ausweisung und Kennzeichnung von „Schon-Zonen“ (Wald- und Wildschutzzonen)
- Informationen zum umweltbewussten Verhalten der Schifahrer
- Verkehrsmindernde Maßnahmen
- Sonstige Maßnahmen

[...]


1 Die Österreichischen Seilbahnen, http://www.seilbahnen.at/seilbahnen/brancheninfos/fakten, 20.8.2003.

2 Vgl. Günther Karl, Umweltmanagementbeauftragter der Bayerischen Zugspitzbahn AG bei einem Telefoninterview am 6.12.02, Anhang B.II.

3 In Pension seit Januar 2003.

4 Hier bezogen auf Deutschland und Österreich.

5 Eine weitere Form des Umwelthandelns besteht für umweltbewusste Schifahrer darin, sich im Schigebiet umweltfreundlich zu verhalten. Auf diesen Aspekt, der für den Umwelt und Naturschutz eine wichtige Rolle spielt, soll im Rahmen dieser Arbeit nicht näher eingegangen werden (Vgl. dazu FIS 2002, PRÖBSTL 1998, LAUTERWASSER/ROTH 1995).

6 Der Begriff „Schigebiet“ wird in diesem Kontext für die von einem Seilbahnunternehmen für den Schisport bereitgestellten Flächen, inklusive der dazugehörigen Infrastruktur, wie Gaststätten usw., verwendet.

7 Die natürliche Umwelt wird hier abgegrenzt von der künstlichen Umwelt, die aus Systemen und Produkten, z.B. Geräten, Maschinen, Städten, Bauwerken, Verkehrssystemen u.a. besteht.

8 Mit dem Begriff der Planierung sind hier Vollplanien gemeint, die im Gegensatz zu Oberflächenplanien oder Teilplanien aus großflächigen Geländekorrekturen mit völliger Durchmischung und Zerstörung des natürlichen Bodenprofils bestehen.

9 Als Geschiebe werden im Wasserbau die in Flüssen mitgeführten Gesteinsbruchstücke bezeichnet (vgl. Der Große Knaur 1986, S. 2868).

10 Als Variantenfahren wird das Schifahren abseits der gekennzeichneten Flächen bezeichnet.

11 Der Begriff „Schifahrer“ wird in dieser Arbeit in erweitertem Sinne verwendet, d.h. es sind alle Wintersportler eingeschlossen, die ein Schigebiet nutzen oder genutzt haben, um dort im Bereich der Schiabfahrten Wintersport zu betreiben. Bei der allgemeinen Verwendung des Begriffs „Schifahrer“ sind auch Benutzer von anderen Sportgeräten, wie Snowboards, Monoschi usw. mit eingeschlossen.

12 Trotzdem werden im Kapitel 4 auch Beispiele für Zertifizierungsformen aus der Schweiz gewählt, da dieses Land in dem Bereich bereits fortschrittliche Ansätze entwickelt hat und die grundsätzliche Situation innerhalb der Schigebiete auf Gebiete in Deutschland und Österreich übertragbar ist.

13 Seit 2000 ist in den Studien im Auftrag des UBA jedoch nur noch eine geringfügige Abnahme des Themas Umweltschutz im Vergleich zu anderen Themen in der Politik zu verzeichnen.

14 Hier muss jedoch kritisch bemerkt werden, dass der Begriff „Umweltinformationen“ sehr weit gefasst und darunter nicht nur das Interesse an Umweltschutz oder dem Zustand der Natur im Schigebiet verstanden werden kann. Qualität wird im Rahmen dieser Arbeit für die Güte oder den Wert eines Produktes verwendet (vgl. Der Duden, S. 542).

15 Die Massenmedien spielen in dem Prozess der Umweltbewusstseinsbildung von Schifahrern ebenfalls eine erhebliche Rolle. Darauf kann jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter eingegangen werden.

16 Der Beschluss des Bayerischen Landtages (Drs. 10/3978) vom 05.06.1984 zum Schutz des Bergwaldes sieht vor, dass dieser grundsätzlich Vorrang vor allen anderen Nutzungsansprüchen hat und Rodungen für neue Freizeiteinrichtungen oder Infrastrukturmaßnahmen nicht mehr zuzulassen sind.

17 Demnach ist ein Schigebiet-Erweiterungsprojekt ab einer Inanspruchnahme neuer Flächen von mindestens 20 ha bzw. 10 ha in besonderen Schutzgebieten einzelfallprüfungspflichtig. Innerhalb einer Einzelfallprüfung muss mit Blick auf die Höhe der Beeinträchtigung des Bauvorhabens auf die natürliche Umwelt geprüft werden, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erforderlich ist.

18 Vgl. Das Land Niederösterreich, http://www.noel.gv.at/Service/RU/RU5/Natura2000/Natura2000.htm, 29.8.2003.

19 Vgl. Interview mit Ernst Trummer, Planai-Hochwurzen GmbH, am 6.3.2003, Anhang B.I.

20 Vgl. Deutscher Skiverband, http://dsv.skitty.de/content.php?lang=de&folder=330, 8.7.2003.

21 Vgl. Fachverband der Seilbahnen Österreichs - Marketing Forum, http://www.seilbahnen.at/seilbahnen/marketingforum/publikationen. 8.7.2003.

22 Als Stakeholder werden Gruppen bezeichnet, die bestimmte Ansprüche, von denen das Unternehmen abhängig ist, an ein Unternehmen stellen. Dazu gehören z.B. Lieferanten, Abnehmer, aber auch Bürger- und Verbraucherinitiativen.

23 Wird in dieser Arbeit der Begriff Kommunikation verwendet, so handelt es sich speziell um die Kommunikation eines Seilbahnunternehmens mit seinen Kunden. Dabei wird diese Kommunikation überwiegend von dem Unternehmen gestaltet, in dem es dem Kunden Informationen zukommen lässt. Im Rahmen der Umweltkommunikation handelt es sich hierbei um umweltrelevante Informationen.

24 Die problematische wirtschaftliche Situation ist u.a. mit dem zurückhaltenden Kaufverhalten der Gäste, der stagnierenden Nachfrage und den steigenden Investitionskosten zu erklären. Die ökologische Kritik wird jedoch ebenfalls als Einflussfaktor für die schlechte Situation vieler Unternehmen genannt (vgl. MICHEL 2001, S. 55f.).

25 Weitere Einteilungsmöglichkeiten für Umweltzertifikate sind die Differenzierung nach den Vergabekriterien (absoluter oder relativer Maßstab), nach der Vergabedauer und nach den Zertifizierungsinstitutionen (vgl. MEFFERT/KIRCHGEORG 1998, S. 307ff.).

26 Vgl. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, www.umweltzeichen.at, 25.7.2002.

27 Vgl. Artikel 8 u. Anhang IV der EG-Umwelt-Audit-Verordnung (EG Nr. 761/2001) sowie die „Leitlinie zur Verwendung des EMAS-Zeichens” (ABl. EG Nr. L 247, S. 24ff.).

28Vgl. Arbeitsgemeinschaft Alpenstädte, http://www.cittalpi.net, 30.8.2003; Stadt Bad Reichenhall, www.alpenstadt2001.de, 30.8.2003.

29 Vgl. Allianz in den Alpen, http://www.alpenallianz.org/d/wettbewerb/einfuehrung.htm, 30.8.2003.

30 Vgl. Umweltlexikon, http://www.gapinfo.de/gesundheitsamt/alle/umwelt/lex/a/023.htm.

31 Andere Bergbahnen, die ebenfalls für den Transport von Wintersportlern zuständig sein können, wie Adhäsionsbahnen und Zahnradbahnen, werden hier nicht speziell erwähnt, sind aber im Rahmen dieser Arbeit auf den Begriff Seilbahnen übertragbar.

32 Da im Rahmen dieser Arbeit die Umweltsensibilität von Schifahrern untersucht wird, ist hier insbesondere die sportliche Aktivität auf Schiern als Kernprodukt von Bedeutung.

33 Wirtschaftskammer Steiermark, http://www2.wkstmk.at/wko.at/verkehr/pistenguetesiegel.html, 9.8.2003.

34 vgl. Planai-Hochwurzen-GmbH, http://www.planai.at/content/das_skigebiet/planai_intern/das_skigebiet_d_297_DEU_HTML.htm, 29.7.2003.

Details

Seiten
155
Jahr
2003
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v109232
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
1,3
Schlagworte
Umweltzertifizierung Skigebieten Chancen Hemmnisse Ebene Eine Untersuchung Beispiel Planani-Hochwurzen-Bahnen Schladming/Österreich

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Titel: Umweltzertifizierung von Skigebieten. Chancen und Hemmnisse auf kommunikationspolitischer Ebene