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Freizeitsportentwicklung und schulischer Sportunterricht - Ist Schulsport noch zeitgemäß ?

Facharbeit (Schule) 2003 22 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Gliederung

A. Die sportlichen Interessen der heutigen Jugend und die Probleme des Schulsports

B. Freizeitsportentwicklung und schulischer Sportunterricht - Ist Schulsport noch zeitgemäß?
I Die sportliche Entwicklung in Deutschland
1.1 Die sportliche Entwicklung in der ehemaligen DDR
1.2 Die sportliche Entwicklung in der BRD
1.3 Die aktuelle Situation des Sports
II Das Sportangebot für den Schüler am Beispiel des Lehrplans
2.1 Das Sportangebot in der Unter- und Oberstufe
2.2 Das Sportangebot in der Kollegstufe
2.2.1 Das Angebot im Sportgrundkurs
2.2.2 Das Angebot im Sportleistungskurs
III Die Aufgaben des Schulsports
3.1 Die Förderung von sportlichen Interessen
3.2 Die Integration in die Gemeinschaft
3.2.1 Die Integration von Ausländern
3.2.2 Die Integration von Aussenseitern
3.3 Die Aneignung sportlicher Grundwerte
3.4 Der Ausgleich fehlender sportlicher Freizeitbeschäftigung
IV Die neuen Trendsportarten der Jugendlichen
4.1 Die neuen Fun- und Extremsportarten aus Amerika
4.1.1 Der Basketball - Boom in Deutschland
4.1.2 Weitere Beispiele für beliebte Trendsportarten
4.2 Die Fitnesswelle in Deutschland
V Kann der Schulsport die Interessen der Jugendlichen erfüllen?
5.1 Fehlende qualifizierte Lehrkräfte
5.2 Fehlende finanzielle Mittel
5.3 Der Unterschied zwischen Schulsport und Freizeitsport
VI Der Schulsport und die Pisa-Studie
6.1 Umfrage im Internet von Januar bis Februar 2002
6.2 Die Auswirkungen der Pisa-Studie auf den Schulsport

C. Mit seinen Aufgaben für die heutige Jugend ist der Schulsport auf jeden Fall noch zeitgemäß und darf auf keinen Fall in seiner Bedeutung vernachlässigt werden

A. Einleitung

Genau wie sich unsere Gesellschaft in viele verschiedene soziale Gruppen einteilen lässt, kann man ebenfalls viele diverse Entwicklungen und Trends in sportlicher Hinsicht erkennen. Besonders die Interessen und Aktivitäten der Jugendlichen zeigen ein breites Spektrum an neuen, sogenannten Funsportarten und traditionellen Sportarten, wie zum Beispiel der Leichtathletik, auf. Jedoch werden die traditionellen Sportarten von dem Funsport immer mehr verdrängt und abgelöst. Genau wie man in unserer Gesellschaft eine große Schicht von Sporttreibenden unterscheiden kann, zeigt sich auch die immer größer werdende Schicht der Menschen, die sich gar nicht oder sich nicht regelmäßig sportlich betätigen. Besonders Jugendliche bestimmen den Großteil dieser Gruppe. Als häufige Folgen treten bei jüngeren Menschen Krankheiten wie zum Beispiel die Adipositas, die Fettleibigkeit, zum Vorschein. „Etwa jeder dritte Schüler weist in Deutschland Zeichen der Überernährung auf.“1) „Folgende Erkrankungen, wie Diabetes, Hypertonie und sogar der Herzinfarkt werden in höherem Alter durch das Übergewicht begünstigt.“2) Deshalb ist eine regelmäßige und ausgewogene sportliche Aktivität, vor allem im Jugendalter, obligatorisch notwendig. Für Jugendliche, die sich nicht freiwillig in ihrer Freizeit sportlich Betätigen wollen oder können, bietet der Schulsport eine gute Möglichkeit, Bewegungsmangel auszugleichen und eventuelles Interesse an einer Sportart und dem Sport im allgemeinen zu wecken. Doch der momentane Trend zeigt klar, dass die Bedeutung des Schulsports immer weiter zurückgeht und das Interesse der Jugend klar zu den Sportarten tendiert, die der Schulsport nicht bieten kann. Die unzähligen Funsportarten aus Amerika und anderen Ländern ziehen viele deutsche Jugendliche an. Aber auch die Schüler, die an Sport wenig Interesse zeigen, fühlen sich durch das Sportangebot in der Schule wenig oder überhaupt nicht angesprochen. Die Möglichkeiten, die der Schulsport bietet und seine enorme Wichtigkeit in der heutigen Zeit werden zunehmend unterschätzt. Obwohl der Sport in der Schule natürlich nicht die Möglichkeiten hat, das sportliche Interesse und die Wünsche aller Jugendlichen zu decken, stellt er das beste Bindeglied zwischen dem Schüler und dem allgemeinen Sport dar. Doch wie soll der Schulsport das Interesse der Schüler wecken, wenn die sportlichen Betätigungen der Schüler in ihrer Freizeit stark von dem Angebot des Schulsports abweichen und was könnte man unternehmen um den Schulsport wieder attraktiv zu machen?

B. Freizeitsportentwicklung und schulischer Sportunterricht Ist Schulsport noch zeitgemäß?

Denn wenn man die Freizeitsportentwicklung der Jugendlichen mit dem schulischen Sportunterricht vergleicht, stellt sich die Frage, ob der Schulsport noch zeitgemäß oder schon längst überholt ist?

I Die sportliche Entwicklung in Deutschland

1.1 Die sportliche Entwicklung in der ehemaligen DDR

Um diese Fragen zu beantworten, liegt es nahe, zunächst die sportliche Entwicklung in Deutschland genauer zu betrachten und zu analysieren, in wie fern sich das Interesse der Gesellschaft gewandelt hat. Im Hinblick auf die deutsche Geschichte ist es unumgänglich, die sportliche Entwicklung der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik genauer zu unterscheiden. „Die Sportentwicklung in der DDR wurde im wesentlichen von den parteipolitischen Vorgaben der SED geprägt und beeinflusst.“3) So war eine vielfältige Sportentwicklung, welche an den Bedürfnissen der Bürger orientiert war natürlich nicht möglich. Für die SED stellte der Sport ein Instrument der nationalen Repräsentation dar. Durch die herausragende Bedeutung des Spitzensports dominierte auch im Schulsport ein sehr begrenztes Sportartenkonzept. In nahezu allen Bereichen der Gesellschaft war der Sport an den Zielen der SED-Politik orientiert. So galt im Schulsport die Erziehung sozialistischer Persönlichkeiten, in den Betrieben eine soziale- und gesundheitspolitische Ausrichtung und vor allem im Militär sollte der Sport diese politischen Ziele der SED verwirklichen. Durch die Entwicklung dieser ausgewählten Sportarten stellten Sportstätten meist nur Zweckbauten für Leistungssteigerung dar. Besonders das Interesse der Jugend wurde auf die fragwürdigen, sozialistischen Ziele der SED ausgerichtet und somit eine breite Sportentwicklung, wie sie heute der Fall ist, vollständig unterdrückt. Das größte Problem war die Finanzierung der Sportstätten. Denn nur wer sich an die Vorgaben der SED hielt, wurde mit finanziellen Mitteln unterstützt.

1.2 Die sportliche Entwicklung in der BRD

Anders war die Sportentwicklung in der ehemaligen Bundesrepublik. Zwar wurde auch hier der Sport als Zweck der nationalen Repräsentation gesehen und auch unter diesem Aspekt gesteuert und finanziert, doch kann man in erster Linie eine Entwicklung von unten nach oben erkennen. Entscheidend dafür war die Rolle des Individuums, also die Bedürfnisse, Anliegen und Probleme der einzelnen Bürger.

Der Sport begann sich nun zunehmend von der traditionellen Organisationsform zu lösen. Diese Loslösung von der Organisationsform des Vereins und des Verbandes, kann durch das Merkmal einer radikalen Pluralisierung gekennzeichnet werden. Die Sportler hatten sich nun von geschichtlichen und politischen Vorgaben gänzlich befreit und befanden sich nun in einer modernen Gesellschaft. Eine genaue Definition des Begriffs Sport war jetzt nicht mehr möglich. Er hatte sich zu einem dynamischen Gebilde entwickelt, welches sich laufend veränderte und keine Abschlussgedanken mehr kannte. Genau hier kann man den gravierenden Unterschied zwischen den beiden deutschen Staaten deutlich erkennen. Im Gegensatz zum SED abhängigen Sport in der ehemaligen DDR, wurde in Westdeutschland der Begriff Sport neu definiert und wie es heute nach der Wiedervereinigung zum größten Teil der Fall ist, auf die gesamte Gesellschaft und ihre vielen sozialen Schichten verteilt und übertragen.

1.3 Die aktuelle Situation des Sports

Die aktuelle Situation des Sports lässt sich von vielen Seiten her betrachten und kritisieren. Durch die Modernisierung unserer Gesellschaft wird die Bedeutung des Sports immer stärker zurückgedrängt. An erster Stelle stehen in unserer Zeit natürlich der Erfolg im Beruf und damit die Sicherung der sozialen Stellung und des Einkommens. Kaum ein Mensch hat somit Zeit ausgewogen Sport zu treiben und somit natürlich auch das allgemeine Interesse am Sport zu fördern. Der Sport hat sich somit mit dem Hauptstrom der Gesellschaft arrangiert und ist zu einem Ausdruck der dominanten Ober- und Mittelschichten geworden, auf deren Bedürfnisse hin er entwickelt und verändert wird. Durch die sogenannten Funsportarten, die hauptsächlich aus dem Ausland importiert werden, ist der Leistungs- und Wettkampfsport mit seinen Traditionen stark gefährdet. Besonders die Jugend wendet sich von den traditionellen Sportarten ab und gründet zunehmend ihre eigene sportliche Generation. Fitneß und Gesundheit sind somit zu einem Propagandathema von Wirtschaft und Staat geworden. Wer modern sein und dem Trend folgen möchte, wendet sich eher den Sportarten der Masse zu, anstatt sich individuell sportlich zu betätigen. Sport hat sich in eine Fitnesswelle verwandelt, die unsere komplette Gesellschaft bewegt. Der Körperkult und somit das Bedürfnis sein Äußeres immer weiter zu verbessern bestimmt das alltägliche Leben. Ebenfalls wird durch die Modernisierung der Gesellschaft auch erreicht, dass viele Menschen überhaupt keinen Sport mehr betreiben.

Meistens gehören Jugendliche, die ihre Freizeit am Computer oder vorm Fernseher verbringen zu dieser gefährdeten Schicht. Oft ist die Schule der einzige Ort, der solche Schüler noch zur sportlichen Aktivität zwingt und traditionelle Sportarten, wie zum Beispiel die Leichtathletik, versucht interessant zu machen.

II Das Sportangebot für den Schüler am Beispiel des Lehrplans

Aus diesem Grund ist es notwendig das Sportangebot in der Schule am Beispiel des Lehrplans genauer zu untersuchen und festzustellen, in welchen Bereichen die Schüler gefördert und für den Sport interessiert werden. Wir betrachten das Programm des Lehrplans für bayerische Gymnasien beginnend mit der Unter- und Oberstufe und anschließend mit einer weiteren Differenzierung zwischen Grund- und Leistungskurs in der Kollegstufe.

2.1 Das Sportangebot in der Unter- und Oberstufe

Ziel der Unterstufe ist es hauptsächlich, den Schülern die Möglichkeit zu geben, sich persönlich zu entfalten und soziale Verantwortung zu übernehmen. Durch den gemeinsamen Umgang mit Regeln und Erfolgen bzw. Mißerfolgen lernen die Schüler soziale Kontakte zu knüpfen und sich in eine Gemeinschaft zu integrieren. Ab der fünften Klasse erhalten die Jugendlichen einen Einblick in die Leichtathletik, ins Geräteturnen und das Schwimmen. Ein wichtiger Bestandteil sind natürlich die Sportspiele, die der Klasse Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl näherbringen. Ebenfalls soll die mangelnde sportliche Betätigung der Schüler in ihrer Freizeit schon in jungen Jahren kompensiert werden. Die Unterstufe dient somit dazu, die Jugendlichen Erfahrungen aus erster Hand sammeln zu lassen, soziale Bindungen aufzuzeigen und sportliche Aktivitäten, die außerhalb der Schule nur bedingt ausgeübt werden, weitgehend zu fördern.

Die Ziele der Oberstufe bestehen eher darin, die in der Unterstufe erlangten Fähigkeiten zu verbessern und „durch die gezielte Auswahl von vier bestimmten vermittelten Sportarten der Klassen 5 bis 10 nach dem Interesse der Schüler ihnen diese näherzubringen. Beispiele für solche Sportarten sind Handball, Basketball, Geräteturnen, Leichtathletik oder Gymnastik und Tanz.“4) Wichtig ist nun, den Schülern ein Gesundheitsbewusstsein zu vermitteln und ihre Fitness zu verbessern. Mit den aus der Unterstufe erlernten Werten erwerben sie Kompetenzen für gesundheitsgerechtes Sporttreiben in eigener Verantwortung. Durch die Auswahl der genannten vermittelten Sportarten wird dem Schüler ermöglicht, in diesen ausgewählten Bewegungsfeldern, auf ein individuelles Leistungsoptimum hinzuarbeiten.

Ebenfalls sollen durch kooperierende und konkurrenzorientierte Aktionen die sozialen Verhaltensweisen in der Gruppe erlebt und reflektiert werden. In dieser sozialen Hinsicht führt die Oberstufe die Gedanken der Unterstufe weiter aus und bietet durch immer wieder neue Herausforderungen an den Einzelnen oder an die Klasse weitere Möglichkeiten, die soziale Verantwortung zu festigen.

2.2 Das Sportangebot in der Kollegstufe

2.2.1 Das Angebot im Sportgrundkurs

In den Jahrgangsstufen 12 und 13, der Kollegstufe, hat der Schüler die Möglichkeit an einem Grund- oder Leistungskurs Sport teilzunehmen. Im Grundkurs werden den Schüler weiterhin grundlegende Aspekte zum Sporttreiben vermitteltet. Im Vordergrund stehen hier die Punkte Gesundheit, Sicherheit, Ernährung, Fairness und natürlich das Handeln in der Gemeinschaft. Den Schülern stehen Individualsportarten wie zum Beispiel Geräteturnen, Leichtathletik oder Gymnastik und Mannschaftssportarten wie Basketball, Fußball oder Volleyball zur Auswahl. Zu den gewählten Sportarten zählen nicht nur praktische Teile sondern auch die Theorien dieser Sportarten, die vom Schüler gelernt werden müssen.

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1) Horst de Marées und Joachim Mester, Sportphysiologie II, 1982, Seite 111

2) Nach Horst de Marées und Joachim Mester, Sportphysiologie II, 1982, Seite 111

3) Nach Helmut Digel, Probleme und Perspektiven der Sportentwicklung, 1997, Seite 15

4) Nach dem bayerischer Lehrplan des Fachs Sport, KWMBI I So.-Nr. 17/1992, Seite 792

Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640074228
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v109241
Note
1-
Schlagworte
Freizeitsportentwicklung Sportunterricht Schulsport Sport

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