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Reportage und Feature - ein Vergleich mit Hilfe von zwei exemplarischen Beispielen

Seminararbeit 2005 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. theoretischer Teil
0. Einleitung
1. Die journalistischen Darstellungsformen
2. Reportage und Feature
2.1 Merkmale, Funktion und Aufbau der Reportage
2.2 Merkmale, Funktion und Aufbau des Features
3. Einordnung von Reportage und Feature in die berichtenden Darstellungsformen

II. praktischer Teil
4. Themenauswahl
5. eigene Reportage
6. eigenes Feature
7. Resümee
8. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Reportage und Feature. Aus historischer Sicht klaffen beide Formen weit auseinander. Während Vorläufer der Reportage schon vor cirka 2500 Jahren entstanden sind, ist das Feature eine der neusten journalistischen Darstellungsformen (vgl. Haller 1997, S. 18). Doch wie groß ist die Lücke aus journalistischer Sicht? Gibt es Merkmale, die sowohl auf die Reportage, als auch auf das Feature zu treffen? Wie unterscheiden sich Reportage und Feature konkret von einander?

Auf dieser letzten Frage soll der Schwerpunkt meiner wissenschaftlichen Hausarbeit liegen. Dabei werde ich am Anfang beide Formen in ihrer Funktion, ihren Merkmalen und ihrem Aufbau charakterisieren. Vor allem die Merkmale aus der Forschungsliteratur werden dabei kritisch diskutiert und hinterfragt. Des Weiteren sind die Kapitel inhaltlich bewusst verwoben. So kristallisieren sich erste Unterschiede zwischen Reportage und Feature schon frühzeitig heraus. Der theoretische Teil schließt mit einer Einordnung von Reportage und Feature in die berichtenden Darstellungsformen ab. Dabei gehe ich explizit auf das Verhältnis von Objektivität und Subjektivität ein.

Aufbauend auf dieser Grundlage steht im zweiten, dem praktischen Teil, anfangs die Themenauswahl im Mittelpunkt. Für welches Thema ist welche journalistische Darstellungsform geeignet? Gibt es hier zwischen Reportage und Feature Überschneidungen? Um den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Hausarbeit mit praktischen Elementen gerecht zu werden, bedarf es neben eines kritischen Diskurses der Forschungsliteratur auch eigener Beispiele. Mit meiner eigenen Reportage und meinem eigenen Feature soll dem Rechnung getragen werden. Die beiden verfassten Texte werden als exemplarische Beispiele mit in das Resümee einfließen und basieren auf den von mir erarbeiteten Charakteristiken der Reportage beziehungsweise des Feature. Jedoch werde ich die Texte nur partiell analysieren, um die im theoretischen Teil begonnene Unterscheidung zu komplettieren.

Mein Ehrgeiz besteht am Ende darin, eine möglichst klare Abgrenzung zwischen Reportage und Feature aufzeigen zu können.

1. Die journalistischen Darstellungsformen

In diesem Kapitel soll der Leser einen plastischen Überblick über die journalistischen Darstellungsformen erhalten.

Die wichtigsten journalistischen Darstellungsformen in den Printmedien sind Nachricht, Bericht, Reportage, Feature, Interview, Kommentar, Glosse und Rezension (vgl. La Roche 2003, S. 63ff.). Es gibt auch noch weitere Formen, jedoch bilden diese meistens Unterarten zu den bereits angeführten. Wie kann man nun aber diese verschiedenen journalistischen Darstellungsformen von einander trennen? Mast differenziert in Tatsachenbetonte, Meinungsbetonte und Phantasiebetonte Darstellungsformen. Zu den Tatsachenbetonten zählen Nachricht, Bericht, Reportage und Feature. Kommentar, Glosse und Rezension lassen sich in die Kategorie der Meinungsbetonten Formen einordnen. Zu den Phantasiebetonten Formen gehören Zeitungsromane und Kurzgeschichten (vgl. Mast 1998, S. 221).

Streng genommen hätten nach dieser Einteilung, Reportage und Feature eine informierende Hauptfunktion. Doch will der Feature- und Reportageautor nicht auch überzeugen und unterhalten? Somit würden Elemente aus den Meinungs- und Phantasiebetonten Formen die Informationsfunktion von Reportage und Feature teilweise aufweichen. Aus diesem Grund sind die Grenzen zwischen Tatsachen-, Meinungs- und Phantasiebetonten Formen fließend. Schneider/Raue untermauern den Gedankengang indem sie Reportage und Feature als unterhaltende Informationsform klassifizieren (vgl. Schneider/Raue 2002, S. 99).

Trotz dieser fließenden Grenzen existieren immer noch Grundregeln. Beispielsweise sollte in einer Nachricht kein Kommentar enthalten sein, da eine Nachricht den höchsten Grad an Objektivität aufzuweisen hat (vgl. La Roche 2003, S. 63).

Fassen wir zusammen: Es existieren zwar grobe Einteilungen für die journalistischen Darstellungsformen (Tatsachenbetont, Meinungsbetont und Phantasiebetont), doch speziell Reportage und Feature sind nicht in einer Form verfestigt, so auch meine Ansicht. Interessant ist zudem die Tatsache, dass in der Forschungsliteratur keine weiteren Unterscheidungs- möglichkeiten existieren. Dies zeugt von Einstimmigkeit.

Wann man welche Darstellungsform wählt wird in Kapitel 4 näher beleuchtet.

2. Reportage und Feature

2.1 Merkmale, Funktion und Aufbau der Reportage

,,Der Journalist muss sich zu den Betroffenen in den Rollstuhl setzen." (Pürer 1996, S. 129)

Aus diesem kurzen Zitat wird die Hauptfunktion der Reportage ersichtlich. Sie soll den Leser am Geschehen teilnehmen lassen. Und das so lebendig wie möglich. Die Vorgänger der Reportage sind der Reise- und Augenzeugenbericht (vgl. Mast 1998, S. 240). Daraus kann man ableiten, dass es sich bei der Reportage um eine rein subjektive Darstellungsform handeln muss. Doch ist das wirklich so? Wird die moderne Reportage nur von subjektiv erlebten Momenten geprägt? Schlapp steht dieser Ansicht skeptisch gegenüber. Von seiner Warte her wird die Funktion der Lebendigkeit einer Reportage durch ein Wechselspiel von Beschreibe n, Erzählen, Zitieren und Reflektieren erreicht. Und genau beim letzten Punkt wird die subjektive Komponente relativiert. Wenn ich reflektiere, dann analysiere ich und ziehe Schlussfolgerungen. Meistens ist dazu jedoch Sekundärwissen von Nöten, beispielsweise aus wissenschaftlichen Büchern (vgl. Schlapp 1997, S. 34). Man kann demnach nicht mehr von einer rein subjektiv gefärbten Reportage sprechen. Nichtsdestoweniger überwiegen die subjektiven Anteile. Allgemein ist in journalistischen Arbeiten immer Subjektivität im Spiel. Eine Beschreibung der Wirklichkeit, also innere Objektivität gibt es nicht (vgl. La Roche 2003, S. 133).

Im Folgenden beziehe ich mich auf Pürer und seine Möglichkeiten des Wechsels. Diese sind ebenfalls unerlässliche Bedingungen, um eine Reportage spannend, lebendig und informativ zu gestalten. Zum einen spricht Pürer vom Wechsel zwischen Naheinstellung und Gesamtsicht – für mich der relevanteste Punkt (vgl. Pürer 1996, S.129). Man muss sich diesen Perspektivwechsel wie folgt vorstellen: Die Gesamtsicht ist mit der Vogelperspektive zu vergleichen. Aus großer Höhe hat man einen guten Überblick über das Geschehen. Die Handlung erscheint plastisch. Während aus der Naheinstellung nur der Einzelfall beziehungsweise die Einzelheiten zu betrachten sind. Ähnlich wie bei der Froschperspektive im Film.

Weiterhin existieren noch Tempi-Wechsel zwischen Präsens und Perfekt und zwischen Aktuellem und Latentem. Doch dieses Kennzeichen hat auch das Feature. Auch hier existieren Wechsel, zwischen abstraktem und anschaulichem.

Interessant ist auch ein Blick auf die beteiligten Personen in einer Reportage. Das oberste Gebot lautet Wahrhaftigkeit. Personen sind nicht austauschbar, genau wie die Handlungen. Somit sprechen wir von unverwechselbaren Einzelfällen in einem realen Szenario (vgl. Mast 1998, S. 250). Genau diese Tatsache macht eine Reportage so unverwechselbar gegenüber einem Feature.

Betrachten wir im nächsten Schritt den Aufbau einer Reportage. In der Literatur herrscht Einstimmigkeit darüber, dass eine gute Reportage vom Besonderen zum Allgemeinen voranschreiten soll. Diese induktive Vorgehensweise erlaubt aus meiner Sicht eine dynamische Schilderung. Somit wird ein Kennzeichen der Reportage, das Teilnehmen lassen gefördert (vgl. Schlapp 1997, S. 33). La Roche untermauert meinen Gedankengang. Im Gegensatz zur Nachricht oder dem Bericht ist die Reportage dramaturgisch aufgebaut. Und welcher Effekt soll damit erzielt werden? Wenn am Anfang bereits die spannendsten und wichtigsten Punkte erzählt wurden, was soll den Leser danach noch fesseln? Optimal wären sukzessiv eingebettete Höhepunkte in der Reportage, die zum Weiterlesen animieren (vgl. La Roche 2003, S. 143).

2.2 Merkmale, Funktion und Aufbau des Features

Der Feature-Schreiber „... rückt auch den abstrakten Themen zu Leibe, durchleuchtet sie, löst sie in Handlung und Bilder auf und ersetzt den aufklärenden Aufsatz ...“ (Flade 1963, S. 112) Aus dieser Definition des Features von Flade lässt sich gut dessen Funktion herauskristallisieren. Abstraktes wird anschaulich dargestellt. Außerdem wird trockener Nachrichtenstoff in lockere Beschreibungen umgesetzt. Und das Ganze auf eine unterhaltsame Art und Weise, so dass die Rezeption erleichtert wird. Des Weiteren soll das Feature, wie die Reportage, informieren. Man könnte demnach gut nachvollziehen, warum Mast von ‚ Infotainment’ spricht (vgl. Mast 1998, S. 251).

Nichtsdestoweniger möchte ich an dieser Stelle die Funktion ‚informieren’ aufgreifen, da diese in beiden Darstellungsformen als eine Hauptfunktion genannt wurde. Stellt sich mir die Frage, welche journalistische Darstellungsform nicht informieren soll? Nach Weischenberg ist die Informationsfunktion im Journalismus eine unerlässliche Bedingung (vgl. Weischenberg 1995, S. 94). Infolge dessen halte ich die Charakterisierung ‚ Infotainment von Mast für sehr schwammig. Ein Kommentar und letztendlich auch eine Reportage sind im weiteren Sinne ebenfalls informierend und unterhaltend.

Konzentrieren wir uns nun wieder auf die Merkmale des Features. Ein eminent wichtiges Kennzeichen ist der ständige Wechsel zwischen Anschauung und Abstraktion, sowie zwischen Schilderung und Schlussfolgerung (vgl. La Roche 2003, S. 146). Doch was versteht man darunter? Der Wechsel zwischen Anschauung und Abstraktion ist ähnlich dem Perspektivenwechsel in der Reportage, nur mit einer anderen Funktion. Während in der Reportage Spannung und Lebendigkeit entsteht, wird beim Feature durch den Wechsel vorrangig der Sachverhalt herauskristallisiert. Die Handlung in die das Thema integriert ist, dient lediglich als Rahmen. Deshalb sind Personen und Handlungen im Feature typisiert, also austauschbar (vgl. Mast 1998, S. 250). Mit dem Effekt, dass sich der Leser mit den agierenden Personen identifiziert, denn die Thematik könnte auch den Leser betreffen. An diesem Punkt lässt sich ein weiteres Merkmal des Features einbetten. Die Austauschbarkeit von Personen und Handlungen ist ein Beleg dafür, dass im Feature auch fiktive Szenen verwendet werden können. Der Autor muss im Gegensatz zur Reportage nicht am Geschehen teilgenommen haben (Haller 1995, S. 79). Daher muss ein Feature einen höheren Grad an Objektivität besitzen als eine Reportage – ein wichtiger Unterschied, der in Kapitel 3 thematisiert wird.

Bezug nehmend auf den Wechsel zwischen Schilderung und Schlussfolgerung lässt sich Folgendes festhalten. Geschildert wird vorrangig, um den zu erklärenden Sachverhalt zu illustrieren, eben anschaulich zu machen (vgl. La Roche 2003, S. 146). Schon an dieser Stelle können wir Pürer zustimmen, der postuliert, dass im Feature Reportage-Fragmente eingeflochten sind. Die Schilderung des Sachverhalts, das Teilhaben lassen, gehört zweifelsfrei dazu (vgl. Pürer 1996, S. 153). Weiterhin soll das Feature nicht nur blanke Fakten liefern - vielmehr durch Schlussfolgerungen des Autors beim Leser einen Zuwachs an Erkenntnissen bringen (vgl. Mast 1998, S. 255). Doch kann man Schlussfolgerungen ohne subjektive Färbung ziehen? Nach Schneider/Raue sei ein Feature „... frei von subjektivem Schmus.“ (Schneider/Raue 1996, S. 101) Bereits in Kapitel 1 habe ich konstatiert, dass das Feature zu den Tatsachenbetonten Formen zählt. Die Meinung des Journalisten wäre demnach nicht gefragt, denn es stützt sich, wie bereits erwähnt, auf Tatsachen. Nichtsdestotrotz ist aus meiner Sicht bei Schlussfolgerungen ein leichter subjektiver Ton unausweichlich.

Betrachten wir im Folgenden kurz den typischen Aufbau eines Features. Durch den Feature-Einstieg wird der Leser im Idealfall sofort ins Geschehen geworfen. Danach kommt es dann immer wieder zu den Wechseln. Vom konkreten Sachverhalt zu einer allgemeinen Ebene und wieder zurück. Eine allgemeingültige Aufbaustruktur indes gibt es nicht.

Summa summarum kann ich vor allem mit der Argumentationskette von Pürer konform gehen. Er beschreibt das Feature als „journalistische Mehrkampfdisziplin“. Der Autor versteht es so, dass dem Featureschreiber zwar große Freiräume bei der inhaltlichen und sprachlichen Gestaltung zur Verfügung stehen, trotz alledem muss er sich an gewisse journalistische Grundregeln halten. Eine gründliche Recherche ist eine davon (vgl. Pürer 1996, S.151).

In diesem Zusammenhang sei noch auf die Begriffe ‚ Verfeaturen’ und ‚ Anfeaturen’ verwiesen. Unter Verfeaturen versteht man, einen Text als Feature gestalten. Während hingegen Anfeaturen bedeutet, einen Text mit Fragmenten des Features zu schmücken (vgl. Mast 1998, S. 251).

3. Einordnung von Reportage und Feature in die berichtenden Darstellungsformen

Auf Grundlage von neuen Erkenntnissen zu Reportage und Feature, die ich in den Kapiteln 1 und 2 gewonnen habe, möchte ich im Folgenden die Einordnung beider kritisch überprüfen.

Haller klassifiziert die Reportage als berichtende Darstellungsform mit dem höchsten Grad an Subjektivität. Doch was ist mit der Tatsache, dass sich eine gute Reportage durch einen Wechsel von Erlebten und Fakten auszeichnet? Erlebnisse und Sachinformationen verflechten sich (vgl. Schlapp 1997, S.33). Aus meiner Sicht kann man die Begriffe Erlebnisse und Sachinformationen im weiteren Sinne durch subjektiv und objektiv ersetzen. Die Reportage ist somit keinesfalls nur subjektiv. Aber was bedeutet subjektiv in diesem Zusammenhang überhaupt? Der Autor verlässt sich voll und ganz auf seine Beobachtungsgabe. Nur was er selbst wahrgenommen hat, ist für ihn glaubwürdig und zutreffend. Wie weit er dieser Subjektivität vertrauen kann, ist wieder eine ganz andere Frage. Wichtig ist, dass für den Leser, Subjektivität erkennbar sein muss (vgl. Haller, S. 91).

Ich kann Haller in dem Punkt zustimmen, dass die Reportage von den fünf angeführten berichtenden Darstellungsformen (Zeitungsbericht, Feature, Nachrichtenmagazingeschichte, Hintergrundbericht & Report sowie Reportage), trotz der objektiven Anteile, die subjektivste Form ist.

Bezug nehmend auf das Feature lässt sich Folgendes festhalten. Wie auch ich in Kapitel 2.2 festgestellt habe, so ordnet auch Haller dem Feature ein gewaltig höheres Maß an Objektivität zu, als der Reportage. Auf der anderen Seite enthält das Feature auch fiktive Szenen. Objektivität bei fiktiven Szenen, wie passt das zusammen? Aus meiner Sicht bilden diese fiktiven Szenen ein Gros der geringen Subjektivität des Features. Ausgehend von dieser Tatsache ergibt sich für mich ein Widerspruch mit der Forschungsliteratur. Übereinstimmend werden Reportage und Feature, zu den Tatsachenbetonten oder auch referierenden Formen zugeordnet. Wie kann aber die Reportage mit einem extrem hohen subjektiven Anteil und das Feature mit wenig Subjektivität zu der gleichen Form, der Tatsachenbetonten gehören? Die Reportage passt, nach meinem momentanen Kenntnisstand eher in eine Mischform aus Tatsachen- und Meinungsbetont.

4. Themenauswahl

Bevor ich mich konkret mit dem Thema für meine eigene Reportage beziehungsweise für mein eigenes Feature befasse, werfe ich einen Blick auf die funktionelle Eignung eines Themas. Anhand welcher Punkte entscheide ich, was für eine Darstellungsform für ein Thema geeignet ist? Michael Haller formuliert die Frage so:

„Bei welchem Thema in welchem Medium für welche Leserschaft eignet sich welche Darstellungsform, wenn ich, der Journalist, meinen Intentionen Ausdruck geben möchte?“ (Haller 1997, S. 90)

Entscheidend ist somit, was der Autor beim Leser bewirken will. Will er vorrangig überzeugen, informieren oder unterhalten? Nach seinen jeweiligen Intentionen wählt er demnach die Darstellungsform aus. In der Literatur findet man Themen, die für eine bestimmte Darstellungsform prädestiniert sein sollen. Beim Feature beispielsweise die neue Müllentsorgung oder die Forschungsarbeit eines Physik-Nobelpreisträgers (vgl. Mast 1998, S.230). Solche Themen lassen sich gut veranschaulichen, weil sie für den Laien komplex wirken. Doch eignet sich dieses Thema auch für eine Reportage? Aus meiner Sicht nur bedingt. Man könnte höchstens über den Nobelpreisträger schreiben und ein paar Details seiner Forschungsarbeit herauspicken. Direkt über die Forschungsarbeit ließe sich eine Reportage schwierig verfassen.

Kommen wir nun konkret zu meinem Thema. Im übergeordneten Sinne geht es um Bundestagsabgeordnete. Für die Reportage habe ich eine Bundestagsabgeordnete einen Tag lang in Berlin begleitet. Im Mittelpunkt steht die Person sowie ihr Tun und Handeln – eine sehr gute Basis für eine Reportage. Der Leser soll nun eine möglichst konkrete Vorstellung von einem typischen Tagesablauf bekommen. Meine erlebten Eindrücke verschmelzen mit Sachinformationen. Da ich mir vorgenommen habe, das Feature über ein ähnliches Thema zu verfassen, musste ich mich auf einen bestimmten Sachverhalt, beim Thema Abgeordneter konzentrieren. Anschaulich mache ich in diesem Zusammenhang die finanziellen Einkünfte, die Diäten der Abgeordneten. Dieses Thema bietet für ein Feature die ideale Grundlage. Die Einkommensverhältnisse von Abgeordneten setzten sich aus verschiedenen Teilen zusammen. Man kann hier sehr gut verdeutlichen, wie die Volksvertreter für ihre Arbeit entlohnt werden und den Blick bis zum Übergangsgeld schweifen lassen. Auch bietet sich ein Vergleich zu anderen Berufen an.

5. eigene Reportage

Auf Schritt und Tritt...

Berlin, Jakob-Kaiser-Haus, Zimmer 5762

„Keine Experimente! Konrad Adenauer“, ist auf dem riesigen Kalender zu lesen. Vom Flur her nähert sich ein hektisches Absatzklacken. Die beigefarbene Holztür zum Zimmer 5762 öffnet sich lautlos. Ein Hauch von frisch gebrühtem Kaffee entweicht. Uda Heller steht in ihrem Büro, der Boden ist bedeckt von weinroter Auslegware. Auf dem Schreibtisch vor ihr türmen sich Stapel von Papier, umrahmt von zahlreichen Familienfotos. Die pechschwarze Couch in der linken Ecke trübt die helle Stimmung keineswegs. Uda Heller trägt eine blaue Jeans, eine weiße Bluse mit Stickereien und eine veilchenblaue Korsettjacke. Ihr Gesicht ist freundlich. Im Fensterglas ist die Kontur des braun gelockten, mit Strähnen verzierten Haars zu erahnen. Doch für einen Blick aus dem Fenster ist keine Zeit. Sie schnappt sich ein Stapel Unterlagen und verlässt ihr Büro. Es klackt wieder hektisch. Die Intervalle werden kürzer. Man merkt, Eile ist geboten. Sie hetzt zur nächsten Sitzung. Uda Heller ist CDU-Bundestagsabgeordnete. Seit 2002 sitzt sie im Parlament.

Berlin, Jakob-Kaiser-Haus, Sitzungssaal 2732

Ein Porzellanglöckchen läutet vorsichtig. Die Schwingungen des Glockenschalls verfliegen blitzschnell in dem über fünf Meter hohem Saal. Die mit goldenem Stuck verzierte Decke strahlt mit dem glänzenden hellbraunen Parkett um die Wette. 29 Abgeordnete lümmeln an einem schwarzen U-förmigen Tisch, es sind CDU-Abgeordnete. Jeder hat ein schwarzes Mikrofon vor sich im Tisch eingelassen. Es tagt gerade die Arbeitsgruppe für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Uda Heller nippt an einem Glas Wasser und verzieht dabei keine Mimik. Nach 38 Minuten ist es endlich soweit, es leuchtet das rote Lämpchen an ihrem Mikrofon. In ihrer sicher anmutenden Stimme ist ein leichter Hauch von thüringischem Dialekt auszumachen. Es geht um Kinderernährung, Uda Hellers Spezialgebiet. Sie ist Diplom-Lebensmitteltechnikerin. „Firmen, wie Coca Cola sind uns in punkto Gesunderhaltung der Kinder weit voraus, weil sie strategisch weitsichtiger Denken.“ Uda Heller berichtet engagiert von einer gestrigen Anhörung. Coca Cola wolle zum Teil Automaten aus den Schulen wieder abbauen und demnächst Mineralwasser anbieten. Beredsames Schweigen bei den Parteimitgliedern. Einige massieren sich mit den Fingern ihr Gesicht, andere lassen ihre Kugelschreiber zwischen den Fingern Kunstturnen. Nach drei Minuten erlischt die rote Diode am Mikrofon. Wohlwollendes Nicken bei den meisten Kollegen. Uda Heller lässt sich genüsslich in die weiche Rückenlehnenpolsterung fallen und lauscht den anderen Schwerpunkten. „Eine Million Mal im Jahr wird das Skalpell zu Schönheitszwecken geschwungen, gepfuscht wird zusehends. Auf jede 5000ste Fettabsaugung kommt sogar ein Todesfall“, zischt Abgeordnete Gitta Connemann. Hier will die Arbeitsgruppe intervenieren. Da sich bisher jeder plastischer Chirurg nennen durfte, soll die neue Bezeichnung - plastisch ästhetischer Chirurg - nur geprüften Fachkräften verliehen werden können. Zum Schutze des Verbrauchers.

Nach gut zwei Stunden lebhafter Diskussion verlässt Uda Heller den Sitzungssaal 2732. Klack ... , Klack ... , Klack ... , die Absätze trommeln auf dem Parkett des Jakob-Kaiser-Hauses. Noch fünf Minuten bis zur Arbeitsgruppensitzung Tourismus. Uda Heller bewegt sich elegant, vorbei an unzähligen Bürotüren, die wie zu einem Innenhof ausgerichtet sind. Insgesamt 1700 Büroräume machen, das aus acht Häusern bestehende Jakob-Kaiser-Haus zu einem der größten Bürobauten Europas.

Berlin, Jakob-Kaiser-Haus, Bundestagskantine

Geschafft. Lange 90 Minuten musste Uda Heller, mit knurrendem Magen, der 14-köpfigen starken Arbeitsgruppe Tourismus beisitzen.

Jetzt wuseln Hunderte Menschen in der übergroßen Bundestagskantine umher. Aus dem allgemeinen Gebrabbel ist das laute Teller- und Geschirrklappern kaum auszumachen. Die Luft riecht nach gebratenen Kartoffelecken, krossgebackenem Schweinefleisch und blanchiertem Mischgemüse.

Ein dicker Knochen, einige Fetzen Haut und Spuren von Spinat sind das Einzige, was auf Uda Hellers Teller noch zu sehen ist. „Manchmal kommt es vor, dass ich hier meine erste Mahlzeit zu mir nehme“, murmelt sie, während sie das letzte Stückchen Kaninchenfleisch mit der Gabel aufspießt. Drei Arbeitsgruppensitzungen liegen heute bereits hinter ihr.

Urplötzlich ein hektisches Winken. Uda Heller strahlt. Die Absätze klacken wieder – diesmal spiegeln sie aber keine Eile wieder. Sie lässt sich am Tisch von Bernd Heynemann nieder, der ehemaligen FIFA-Schiedsrichter Koryphäe. Endlich mal Zeit für private Angelegenheiten. Bernd Heynemann berichtet stolz vom letzen Fußballspiel des FC Bundestag, einer Fußballmannschaft die nur aus Abgeordneten besteht. Regelmäßig lassen einige Volksvertreter in der Turnhalle des Jakob-Kaiser-Hauses die Bälle flattern. Uda Heller hört aufmerksam zu, ob sie sich wirklich für Fußball interessiert, ist ihrem Gesichtsausdruck allerdings nicht zu entnehmen. Jedoch kann man die behagliche Stimmung zwischen den beiden Ost-Abgeordneten förmlich spüren.

Berlin, Reichstag, Fraktionsebene

Die Türen des Fahrstuhls öffnen sich. Heraus quillt eine Traube von Abgeordneten. Uda Heller mittendrin. Ein halbes Dutzend Kameras starren ihr aus zwei Metern tief in ihre rehbraunen Augen. Unbeirrt schreitet sie an der Journalistenschar vorbei. Flankiert von Parteikollegen betritt sie den turnhallengroßen Fraktionssaal. Durch die riesigen transparenten Pultdachflächen fällt soviel Licht, dass die kleinen Brillianten am rosafarbenen Gürtel Uda Hellers, wie echte Brillianten funkeln.

Das Klacken ihrer Absatzschuhe ist nach dem Mittagessen unrhythmisch geworden. Sie geht ein paar Schritte - bleibt stehen - hebt grüßend die Hand, schreitet weiter. 247 CDU/CSU-Abgeordnete schlängeln sich an meterlangen Tischen vorbei zu ihren Plätzen. Uda Hellers kurzes Begrüßungsnicken an den Fraktionsvorstand wird von Angela Merkel und Edmund Stoiber nicht bemerkt. Beide plaudern jovial vor der Presse, sortieren Dutzende Stapel Papier. Ruhe ausstrahlen vor einer besonderen Fraktionssitzung. Zwei Tage vor der entscheidenden Abstimmung über die EU-Verfassung, „muss die CDU/CSU-Fraktion immer noch ihre Schäflein zusammenhalten.“ So posaunt es SPD-Chef Franz Müntefering vor den Fraktionssälen in die Mikrofone der Journalisten. Uda Heller fühlt die elektrisierte Stimmung. Die schalldichten Türen werden von Plenardienern geschlossen. Ab sofort hört die Öffentlichkeit nicht mehr, wie Angela Merkel ihre Parteikollegen auf die bevorstehende Landtagswahl in Nordrhein Westfalen einschwört.

Berlin, Sperlingstrasse 1

Um 23.12 Uhr hat das Klacken der Absätze von Uda Hellers Stöckelschuhen endlich ein Ende. Die hellblauen Absatzschuhe, die Uda Heller sechzehn Stunden lang durch Berlin getragen haben, fühlen sich mittlerweile bestimmt rau und stumpf an.

Uda Heller plumpst auf ihre terrakota-farbene Couch und ihr Gesicht entspannt sich merklich. Ein erleichtertes Stöhnen ist allerdings nicht zu hören, dafür ist die sachsen-anhaltinische Politikerin zu hart im Nehmen. Im kleinen Wohnzimmer riecht es neutral, nach nichts Markantem. Kein Raumspray und kein Blumenduft retardieren das sachliche Flair der Wohnung. Uda Heller ist hier nur zum Schlafen. In der Hand hält sie ihren, mit braunem Leder ummantelten Terminplaner. „Morgen ist wieder fast alles voll.“ Nur zwischen 16 und 17 Uhr lugt ein weißer Fleck im sonst tintenblauen Kalenderblatt hervor.

Was wird sie hier wohl noch eintragen? Vielleicht – Schuster – ihre hellblauen Absatzschuhe würden es ihr sicherlich danken.

6. eigenes Feature

Was verdienen unsere Abgeordneten?

Knatterndes Surren in einer Filiale der Berliner Postbank. Nach einer knappen Minute spuckt der graue Kontoauszugsdrucker drei bedruckte Blätter aus. Bernd Jäger greift nach ihnen. Schreitet in die nächste Ecke und liest: Mai 2005; + 7009,00 €; + 3551,00 €; + 8979,00 €. Ein kurzes Nicken zu sich, dann verlässt er eilig die Filiale.

„Der Arbeitsaufwand von Bundestagsabgeordneten für ihr Mandat ist mit 67 Stunden während der Sitzungswochen schon erheblich. Außerhalb der Sitzungswochen liegt er bei rund 60 Stunden. Und für die Nebentätigkeiten wenden Abgeordnete, wenn sie dann solche ausüben, rund acht Stunden auf“, erläutert der Soziologe Heinrich Best.

Für einen durchschnittlichen zwölf Stundentag fallen rund 7000 Euro im Monat aus dem Staatssäckel in die Geldbörsen der Volksvertreter. Dieser Betrag ist voll zu versteuern. Ein Abgeordneter der 1977, damals noch in Bonn im Parlament saß, bekam auch 7500, allerdings Deutsche Mark. Doch im Vergleich zu Richter- und Unternehmerbezügen ist die Diätenerhöhung moderat ausgefallen. Inzwischen verdient der Prokurist eines mittelständischen Unternehmens 1000 Euro mehr im Monat, bei knapp 20 Wochenstunden weniger.

Zu dem steht jedem Parlamentarier eine steuerfreie Kostenpauschale in Höhe von 3503 Euro zur Verfügung. Was finanzieren unsere Parlamentarier damit? Die Kosten für Miete und Einrichtung des Wahlkreisbüros beispielsweise, wo sich Bürger direkt mit ihren Fragen hinwenden können. Oder aber den Zweitwohnsitz während der Sitzungswochen in Berlin. Einige Bundestagsmitglieder beteuern auf ihren Homepages, dass ein Teil der Kostenpauschale für Reisespesen verwendet werden muss. Bei oberflächlicher Betrachtung entpuppt sich dies als glatte Lüge. Bundespolitiker genießen freie Fahrt mit der Deutschen Bahn und Freiflüge innerhalb der Republik. Letztere nur im Auftrag des Bundestages. Der kassiert dann auch die Bonusmeilen. So sollte es zumindest sein.

Mit verschärftem Blick sieht es ein bisschen anders aus. Bernd Jäger hat seinen Wahlkreis im Oberallgäu. In einer Sitzungsfreien Woche in Berlin tourt er zwischen Bodensee und Schloss Neuschwanstein von Veranstaltung zu Veranstaltung, um präsent zu sein. Dabei wäre er mit Wanderstiefeln schneller vor Ort, als mit der Bahn. Von Flugverbindungen kann hier im Alpenland schon gar keine Rede sein. Bei mehreren zehntausend Kilometer im Jahr verzichtet Bernd Jäger jedoch auf Blasen an den Füßen und setzt sich in sein Auto. Den Sprit zahlt er selber.

Noch schneller kann man seine Kostenpauschale dezimieren, indem man Sitzungen und Abstimmungen in Berlin fernbleibt. 100 Euro werden bei unentschuldigtem Fehlen von der Kostenpauschale abgezogen und selbst 20 Euro bei Entschuldigung.

Nun haben unsere Volksvertreter beim vielen Geschäftsreisen nicht immer genügend Zeit, ihre Reden auf regionalen Veranstaltungen oder im Bundestag selbst zu verfassen. Mit der so genannten Mitarbeiterpauschale in Höhe von 8979 Euro werden wissenschaftliche Mitarbeiter, Sekretäre und Bürohilfskräfte finanziert. Und genau diese wissenschaftlichen Mitarbeiter, meist sind es Hochschulabsolventen der Politikwissenschaft oder der Rechtswissenschaft, unterstützen ihre Chefs in Sachthemen. Entwerfen Redemanuskripte und kümmern sich um Bürgerfragen.

„Abgeordnete mit "Nebenjobs" bringen Farbe ins Parlament. Mit ihren außerhalb des Parlaments gewonnenen Erfahrungen und Eindrücken bereichern sie die parlamentarische Arbeit.“ Diese Aussage findet man auf der Homepage des deutschen Bundestages unter der Rubrik „Nebenjobs“. Bernd Jäger sitzt im Beirat der Hamburg-Mannheimer Versicherungs-AG und unterhält zudem noch eine Anwaltskanzlei. Seine Nebeneinkünfte sind beim Bundestagspräsidenten anzeigepflichtig, wenn sie 18 000 Euro im Jahr oder 3000 Euro im Monat übersteigen. Eine Obergrenze gibt es nicht. Doch haben unsere Abgeordneten mit Nebenjobs noch genug Zeit sich auf ihre Hauptaufgaben als Parlamentarier zu konzentrieren? Ein einstimmiger Tenor mit Ja, hallt von den Internetseiten der Volksvertreter. Politikwissenschaftliche Analysen bestätigen dies. Der zeitliche Mehraufwand halte sich mit vier bis acht Stunden pro Woche in Grenzen. Wozu aber dann die Nebenjobs?

Die Abgeordneten klammern sich bei ihren Rechtfertigungen oft an ein Argument. Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag steht man wieder schnell in Lohn und Brot – der Nebenjob wird zum Vollzeitjob und der Gang zur Arbeitsagentur bleibt einem erspart. Dabei wird der Abgang vom politischen Parkett mit einer stolzen Summe Geld versüßt. Um sich eben ohne finanzielle Not wieder einen Job suchen zu können. Für jedes Jahr der Parlamentszugehörigkeit wird ein Monat Übergangsgeld in Höhe der jeweiligen Abgeordnetenentschädigung gezahlt, längstens jedoch 18 Monate lang. Für Bernd Jäger heißt das: Falls 2006 Schluss ist bekommt er zwölf Monate seine Diäten weitergezahlt, für zwölf Jahre Bundestagszugehörigkeit. Macht unterm Strich – rund 85000 Euro Übergangsgeld.

Damit hinkt er seinen amerikanischen Kollegen weit hinterher. Im gleichen Zeitraum bekäme der fast 30 Prozent mehr.

Alles in allem bleiben dem Durchschnittsabgeordneten cirka 10.000 Euro im Monat. Das Gleiche verdienen Topmanager, allerdings in drei Tagen.

Bernd Jäger ist wieder zu Hause. In seinem angespannten und gestressten Gesicht huscht ein Hauch Freude, als er seine Frau Hannelore vor dem gedeckten Abendbrotstisch erblickt. Als halbtags arbeitende Gärtnerin verdient sie 1.500 Euro im Monat. Doch sie strahlt und ist glücklich. Geld ist eben nicht alles.

7. Resümee

Nachdem ich im theoretischen Teil die Merkmale von Reportage und Feature gegenübergestellt habe, sollen im Fazit die eigenen Texte für den Vergleich mit einfließen. Bei genauerer Analyse zeigt sich, dass in den ersten Zeilen des Features auch Reportageelemente verwendet werden. Die konkrete Beschreibung der Situation untermauert dies. Allerdings wird im Unterschied zum Beginn in der Reportage, die Person nicht so detailliert beschreiben. Letztendlich, so meine Auffassung, hat ein Feature meistens reportierende Elemente. Und genau diese Fragmente würzen ein Feature mit einem Hauch Subjektivität beziehungsweise Erlebnishaften.

Des Weiteren wird zwar im Feature die Hauptfigur Bernd Jäger kontinuierlich aufgegriffen, doch es werden keine präzisen Erläuterungen zu dessen Gefühlszustand oder äußeren Erscheinungsbild gegeben. Die Person ist eben austauschbar und repräsentiert einen beliebigen Abgeordneten. Anders in der Reportage. Der Leser kann sich aus meiner Sicht die Abgeordnete Uda Heller besser vorstellen, als Bernd Jäger. Ihre Gestiken und Mimiken werden fortlaufend und stimmungsvoll beschrieben. Auch die Reaktionen ihrer Kollegen werden mit aufgegriffen.

In Bezug auf die Wechsel lässt sich Folgendes festhalten: Im Grunde genommen existieren sie in beiden Darstellungsformen. Der Unterschied besteht in der Intensität. In der Reportage wird mehr ins Detail gegangen, als beim Feature. Ein exemplarisches Beispiel findet sich von Zeile 29 bis 34 der Reportage. Beim Wechsel auf die Gesamtsicht, in dem Fall auf das Verhalten der Abgeordneten, werden diese Verhalten genaustes beschrieben. Im Vergleich dazu das Feature von Zeile 155 bis 158. Nüchtern werden die Nebentätigkeiten von Bernd Jäger erwähnt. Beim Wechsel auf die allgemeine Ebene kommt es auch zu keiner detaillierten Beschreibung.

Stellt sich eine weitere Frage: Lässt sich im Informationsgehalt eine Abgrenzung festhalten? In meinem Feature dominieren die Fakten. Die Momente um die Person Bernd Jägers haben eher eine Überleitungsfunktion. Von den 75 Zeilen sind 42 Zeilen mit informativem Charakter gefüllt, weit mehr als die Hälfte. Bei der Reportage haben wir ein konträres Bild. Knapp ein Fünftel beträgt hier der Informationsanteil.

Daraus können wir Folgendes Ableiten: In der Reportage werden Fakten geliefert damit der Leser selber Schlussfolgerungen ziehen kann. In den meisten Fällen trifft dies zu. Anders im Feature. Aufgrund der Fülle von Informationen übernimmt der Autor die Schlussfolgerungen. Ein exemplarisches Beispiel findet sich von Zeile 167 bis 173. Es wird erklärt, wie das Übergangsgeld berechnet wird. Wie es sich konkret bei Bernd Jäger verhält und wie er im Vergleich zu anderen Abgeordneten abscheidet wird als Schlussfolgerung angehangen. Abschließend bleibt folgendes festzuhalten. Eine klare Abgrenzung zwischen Feature und Reportage existiert aus meiner Sicht nur in der Theorie. Die Reportage lässt den Leser am Geschehen teilnehmen, das Feature macht das Thema für den Rezipienten anschaulich. So die grobe Differenzierung. Die Möglichkeiten des Wechsels, sei es die Perspektive oder die Zeitform lassen sich auf beide Formen anwenden.

So vermischen sich in der Praxis oft Fragmente aus beiden Darstellungsformen. Oft unbewusst, aber gerade das macht die Reportage oder das Feature so lebendig.

8. Literaturverzeichnis

Ahlke, Carola / Hinkel, Jutta 2000. Sprache und Stil. Ein Handbuch für Journalisten. 2., aktualisierte Auflage. Konstanz

Haller, Michael 1997. Die Reportage. Ein Handbuch für Journalisten. 4. Auflage. Konstanz

Häusermann, Jürg 2001. Journalistisches Texten. Sprachliche Grundlagen für professionelles Informieren. Konstanz

Mast Claudia (Hg.) 1998. ABC des Journalismus. Ein Leitfaden für die Redaktionsarbeit. 8., überarbeitete Auflage. Konstanz

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Details

Seiten
18
Jahr
2005
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v109588
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,3
Schlagworte
Reportage Feature Vergleich Hilfe Beispielen Proseminar

Autor

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Titel: Reportage und Feature - ein Vergleich mit Hilfe von zwei exemplarischen Beispielen