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Die Rolle von natürlichen Ressourcen für Südafrikas Kapitalismusmodell

©2021 Seminararbeit 31 Seiten

Zusammenfassung

Aufgrund der besonderen Rolle von großen Unternehmen und dem Rohstoffreichtum Südafrikas, ist es besonders interessant, sich die Einordnung des Landes in der vergleichenden Kapitalismusforschung genauer anzusehen. Die Vernetzung dieser Unternehmen mit dem Staat auf der einen Seite, aber auch die Liberalisierung nach der Apartheid auf der anderen Seite, all dies verknüpft mit dem Ressourcenreichtum, ergeben ein interessantes und teilweise widersprüchliches Bild vom südafrikanischen Kapitalismus. Die großen, aufstrebenden Schwellenländer sind schon seit einiger Zeit ein wichtiger Gegenstand der Forschungsliteratur wie der Entwicklungspolitik oder der vergleichenden, beziehungsweise internationalen politischen Ökonomie.

Das südafrikanische Wirtschaftssystem wurde bereits mehrmals versucht, in den Varieties of Capitalism Ansatz zu integrieren. Nattrass 2013 analysiert, dass die Transformation der südafrikanischen Wirtschaft teilweise in Richtung eines CME-Types ging, aber auch durch die Liberalisierung Elemente einer liberal-market-economy hat. Nölke et al. 2014 wiederum grenzen Südafrika von den abhängigen Marktökonomien Osteuropas ab, aber weisen auch auf Unterschiede zu den staatskapitalistischen Ländern wie China und Indien hin. Dennoch geht der Trend am ehesten in die Richtung, Südafrika dem SME-Kapitalismustyp zuzuordnen, auch wenn dies kontrovers diskutiert wird, wie bei Nölke 2019.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Rahmen
2.1 Varieties of Capitalism und Staatskapitalismus
2.2 Natural Resource Governance
2.3 Forschungsfrage

3. Institutionelle Einordnung und natürliche Ressourcen
3.1 Einordnung von Südafrikas Kapitalismusmodell
3.2 Resource Governance in Südafrikas Kapitalismusmodell

4. Fazit und Implikationen

I. Tabellenverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Abbildungsverzeichnis

IV. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 7. Juni 2021 wurde die Abspaltung der Firma ,,Thungela Resources Limited'' von Anglo American an den Handelsplätzen von Johannesburg und London vollzogen, damit startete der Energiekomplex als eigenständiger Akteur auf dem Aktienmarkt. Das Unternehmen hat den Anspruch, in Zukunft ein zuverlässiger Energieversorger aus Kohleverbrennung für Südafrika und andere Entwicklungsländer der Region zu sein (Mining Review 2021). Der südafrikanische Mutterkonzern Anglo American zeigt damit, welche wirtschaftliche Macht er durch den Ressourcenreichtum Südafrikas hat und wie diese bis auf die internationalen Finanzmärkte reicht. Die natürlichen Ressourcen Südafrikas sind wahrscheinlich der Hauptgrund für die relativ hohen Wachstumsraten des Landes seit dem Ende der Apartheid in den 90ern. 20 Jahre nachdem Nelson Mandela die demokratischen Reformen eingeleitet hatte, betitelte CNN das Land als ,,the economic powerhouse of sub-Saharan Africa'', Südafrika wurde zur größten Volkswirtschaft des Kontinents (Kangarlou 2013).

Die marktwirtschaftlichen Reformen, die mit dem Ende der Apartheid einsetzten, haben dem Land relativ hohe Wachstumsraten beschert, bis zur Weltwirtschaftskrise bewegten sich diese zwischen drei und vier Prozent, auch das jährliche Pro Kopf Einkommen stieg auf fast 10.000 USD im Jahr 2007 (Kappel 2012: 3). Die wichtigste Komponente dieses Aufschwungs sind auch die historischen Beziehungen zwischen den großen Bergbauunternehmen und dem Staat, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts bestehen (Weissenbacher et al. 2008: 9). Wie schon in der Zeit der Apartheid profitiert das Land im großen Maße von seinen natürlichen Ressourcen und dem Export dieser, vor allem Gold, Platin, Chrom und Mangan, aber auch Steinkohle. Die Vernetzung dieser Unternehmen mit dem Staat auf der einen Seite, aber auch die Liberalisierung nach der Apartheid auf der anderen Seite, all dies verknüpft mit dem Ressourcenreichtum, ergeben ein interessantes und teilweise widersprüchliches Bild vom südafrikanischen Kapitalismus (Nattrass 2013: 2). Die großen, aufstrebenden Schwellenländer sind schon seit einiger Zeit ein wichtiger Gegenstand der Forschungsliteratur wie der Entwicklungspolitik oder der vergleichenden, beziehungsweise internationalen politischen Ökonomie (Nölke/May/Claar 2013: 9). Eine Teildisziplin von Zweiten ist die vergleichende Kapitalismusforschung, welche versucht, die spezifischen Wirtschaftsmodelle von Staaten in Kategorien einzuordnen. Vorherrschende Theorie ist hierbei der Ansatz namens ,,Varieties of Capitalism'' (VoC), welcher von den Autoren Peter Hall und David Soskice entwickelt wurde (2001) und über eine institutionelle und auf der mikroökonomischen Ebene angesiedelten Analyse, nationale Unterschiede herausarbeitet (Jackson/Deeg 2006: 22). Die Autoren bestimmten zwei grundlegende Kapitalismustypen, die liberal-market-economy (LME) vor allen für die angelsächsischen Länder und die coordinated market economy (CME), beispielsweise in Deutschland oder Japan (ebd.: 23). Der VoC Ansatz könnte für die Betrachtung südafrikanischen Wirtschaft interessant sein, weil er die Rolle von Unternehmen und industrial relations mit einbezieht (ebd.: 24). Die dichotome Kategorisierung von LME/CME wurde seit der Grundlage von Hall und Soskice erweitert, prominent in der Forschung sind dabei vor allem zwei neue Typen: Die Variante des dependant-market-capitalism (DME), vor allem in Osteuropa zu finden, und der state-permeated-capitalism (SME), der das Wirtschaftssystem für die großen Schwellenländer wie China und Indien beschreibt (Nölke et al. 2014: 5).

Das südafrikanische Wirtschaftssystem wurde bereits mehrmals versucht, in den Varieties of Capitalism Ansatz zu integrieren. Nattrass 2013 analysiert, dass die Transformation der südafrikanischen Wirtschaft teilweise in Richtung eines CME-Types ging, aber auch durch die Liberalisierung Elemente einer liberal-market-economy hat (Nattrass 2013: 21). Nölke et al. 2014 wiederum grenzen Südafrika von den abhängigen Marktökonomien Osteuropas ab, aber weisen auch auf Unterschiede zu den staatskapitalistischen Ländern wie China und Indien hin (Nölke et al.: 2014: 6). Dennoch geht der Trend am ehesten in die Richtung, Südafrika dem SME-Kapitalismustyp zuzuordnen, auch wenn dies kontrovers diskutiert wird, wie bei Nölke 2019. Durch die besondere Rolle von großen Unternehmen und den Rohstoffreichtum des Landes, ist es besonders interessant, sich die Einordnung von Südafrika in der vergleichenden Kapitalismusforschung genauer anzusehen.

2. Theoretischer Rahmen

Mit der vergleichenden Kapitalismusforschung und dem VoC Ansatz haben wir einen theoretischen Rahmen, der uns helfen kann, die Besonderheiten der südafrikanischen Wirtschaft einzuordnen. Im folgenden Kapitel werde ich zunächst die theoretische Grundlage sowie die analytischen Kategorien für den südafrikanischen Kapitalismustyp darlegen. Des Weiteren benötigen wir eine Theorie, die uns hilft, die besondere Rolle von natürlichen Ressourcen für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes zu erklären. Der Ansatz dafür stammt aus der Entwicklungstheorie und soll mit Hilfe der Forschungsfrage mit dem Kapitalismustyp Südafrikas verknüpft werden.

2.1 Varieties of Capitalism und Staatskapitalismus

Wie bereits in der Einleitung beschrieben, legt die von Hall und Soskice begründete VoC Theorie einen Schwerpunkt auf Institutionen, Unternehmen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit. Durch eine Analyse von institutionellen Sphären sollen die Mechanismen zur Koordination und Hierarchie von Marktwirtschaften ermittelt werden (Jackson/Deeg 2006: 12). Die institutionellen Sphären variieren bei Autoren und Kapitalismustypen, grundlegend werden meist folgende untersucht: Corporate Governance (also Unternehmenskontrolle), Unternehmensfinanzierung, Arbeitsbeziehungen (vor allem Gewerkschaften), Bildungs- und Ausbildungssystem und Innovationstransfer (Nölke et al.: 2014: 6). Im Bezug auf große Schwellenländer wird häufig der Binnenmarkt sowie die internationale Einbettung als zusätzliche Sphäre herangezogen (ebd.: 8). Die Komplementarität der institutionellen Sphären ist daraus folgend entscheidend für den Kapitalismustyp, denn je nach Modell unterscheidet sich die Ausgestaltung der institutionellen Sphären in ihrer Funktionsweise und Komplementarität (Hall/Soskice 2001: 18). In ihrem mittlerweile kanonischen Grundlagenwerk von 2011 unterscheiden Hall und Soskice zwischen zwei Kapitalismustypen, den LMEs und CMEs. LMEs sind geprägt von Marktmechanismen der Wettbewerbsorientierung, auch um High-Tech-Innovationen (Hall/Soskice 2001: S. 28-31). Unternehmen werden durch den Aktienmarkt finanziert, weshalb der Shareholder Value eine wichtige Rolle spielt. Die Arbeitsverhältnisse sind flexibel, die Ausbildung auf allgemeine Fähigkeiten ausgelegt. Der CME-Typus ist langfristiger angelegt und wird zentral durch seine Arbeitsbeziehungen koordiniert. Rechte für Arbeitnehmer, Firmen-Netzwerke und die Förderung von sektoraler Weiterbildung sorgen für ein spezifisches Fachwissen in gewissen Produktionsgebieten (ebd.: S. 22-25).

Tabelle 1: Varieties of Capitalism Übersicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Nölke et al: 2015: 9

In den mittlerweile 20 Jahren nach dem Erscheinen von ,,Varieties of Capitalism'' wurden weitere Kapitalismustypen entwickelt, welche andere Regionen außerhalb der westlichen Industrieländer in den Blick nehmen. Einer davon ist der dependant-market-capitalism (DME), der sich vor allem in Osteuropa finden lässt. Der DME-Typus ist durch eine hohe Anzahl an Auslandsinvestitionen (foreign direct investment, FDI) und ausländische Eigentümer, die Weitergabe von Innovation innerhalb transnationaler Unternehmen und Niedriglöhne bei gut ausgebildeten Arbeitskräften gekennzeichnet (Nölke/Vliegenthart 2009: S.680). Ein weiterer Kapitalismustyp, der für unsere Betrachtungen interessant ist, ist der des state-permeated-capitalism (SME), der sich auf die Wirtschaftsmodelle der großen Schwellenländer bezieht, vorrangig China, Indien und Brasilien. Diese Länder profitieren vor allem von ihrem großen Binnenmarkt und der Abschottung dessen, sowie von einem Niedriglohnsektor und Beziehungen zwischen dem Staat und großen Unternehmen (Abb:).

Die erste grundlegende Methode dieser Seminararbeit ist die ,,kritische institutionelle Analyse'', die sich aus dem Schwerpunkt der VoC Theorien auf Institutionen und ihrer Komplementaritäten ergibt. Im Mittelpunkt steht die kritische Betrachtung der bereits beschriebenen institutionellen Sphären. Der theoretische Ansatz verknüpft besonders bei schnell wachsenden Schwellenländern Mikroökonomik mit politökonomischen Perspektiven sowie Beziehungen zwischen formeller und informeller Wirtschaft (May/Nölke: 2014: 6). Bei der Terminologie der institutionellen Sphären gibt es je nach Literatur Unterschiede (Jackson/Deeg 2006: 14). Diejenigen, die ich verwende, werden hier kurz beschrieben. Wie bereits in der Einleitung angesprochen, wird in der Literatur die Einordnung Südafrikas in die VoC Theorie kontrovers diskutiert. In der neuesten Forschung wird das Land in eine Reihe mit den großen, schnell wachsenden Schwellenländern wie Brasilien, Indien und China gestellt (BICs, mit Südafrika erweitert zu BICS). Ein Grund, Südafrika in die Diskussion mit einzubeziehen ist, dass das Phänomen des Staatskapialismus nicht nur asiatisch ist (Nölke et al.: 2019: 5). Inhalt dieser Arbeit wird es auch sein zu untersuchen, ob der hier gewählte Blickwinkel der südafrikanischen Wirtschaft die Einordnung als SME bestätigt oder entkräftet.

Corporate Governance: Corporate Governance beschäftigt sich in erster Linie mit der Unternehmensführung und dem Unternehmensbesitz. Je nachdem, ob dabei Eigen- oder Fremdkapital eine Rolle spielt oder die Unternehmen durch viele oder wenige Stake/Share-holder kontrolliert werden, ergeben sich unterschiedliche Implikationen für den Kapitalismustyp. Für große Schwellenländer sind dabei Beziehungen zwischen dem Staat und Unternehmen, interessant, sowie der Staat als Anteilseigner der Unternehmen (May/Nölke 2014: 5).

Investitionsfinanzierung: Eine weitere wichtige institutionelle Sphäre ist die Investitionsfinanzierung, die sich mit der Frage beschäftigt, wie Unternehmen Kapital für Investitionen aufbringen. In der klassischen VoC Theorie ist dies durch bank- beziehungsweise marktbasierte Finanzierung repräsentiert (Jackson/Deeg 2006: 14). Bei SMEs wiederum dominiert nationales Kapital gegenüber Auslandsinvestitionen die Finanzierung (May/Nölke 2014: 11).

Labour Relations: Hierbei geht es in erster Linie um die Beziehungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, sowie die Organisation von zweiteren durch Gewerkschaften und Tarifbildung. Während die Lohnbildung in LMEs eher marktbasiert und bei CMEs durch sektorale Verhandlungen erreicht wird, dominieren bei SMEs Interessen, das Lohnniveau niedrig zu halten (Nölke et al.: 2015: 9).

Innovationstransfer/Bildungs- und Ausbildungssysteme: Diese beiden Sphären sind eng miteinander verknüpft, in erster Linie geht es um Konflikte zwischen low-skill und high-skill labour (Jackson/Deeg 2006: 18). Ausgaben für Innovationen sind wiederum bei SMEs niedriger als bei LMEs und CMEs, aber höher als bei DMEs (Nölke et al.: 2015: 15). Typische SMEs wie Indien und China setzen eher auf den Transfer von Innovationen, teilweise durch sogenanntes reverse engineering (ebd.).

Binnenmarkt und internationale Einbettung: Für die klassischen SMEs wie China und Indien ist der große Binnenmarkt ein wichtiger Faktor für das Wirtschaftswachstum, im Bezug auf Exporte und Abschottung von foreign direct investments (FDIs) (Nölke et al.: 2015). Die Abschottung der heimischen Märkte im Kapitalismusmodell der großen Schwellenländern ist wichtig für die Entwicklung der dortigen Unternehmen, wenn diese eine gewisse Größe erreicht haben, öffnen die Länder ihre Märkte selektiv (May/Nölke 2014: 16). Gleichzeitig machen sie sich relativ unabhängig von weltweiten konjunkturellen Schwankungen und werden dadurch weniger von internationalen Wirtschaftskrisen getroffen. Der Anteil der Länder Indien, China und Brasilien am globalen Finanzmarkt betrug 2013 nur 1,4% (ebd.: 18).

2.2 Natural Resource Governance

Durch natürliche Ressourcen liegt in den Ländern südlich der Sahara ein großes Wirtschaftspotential. Schätzungsweise haben afrikanische Staaten durchschnittlich mehr Bodenschätze als Länder anderer Weltregionen, dennoch profitieren sie davon weniger als andere Volkswirtschaften (Steinberg 2019: 5). Dies hat verschiedene Gründe, darunter das fehlende Kapital und Wissen der Länder, diese Ressourcen zu erschließen, sowie historische Gründe, wie der Vorsprung anderer Länder bei der Erschließung (ebd.). Dennoch sind natürliche Ressourcen einer der wichtigsten Faktoren in afrikanischen Ländern. Dies gilt auch für Südafrika, dort sind es vor allem Bodenschätze wie Gold, die zentral für die wirtschaftliche Entwicklung sind (Schmidt 2013: 7). Die (nachhaltige) Erschließung und Verteilung dieser Ressourcen ist seit einiger Zeit wichtiger Bestandteil verschiedener Forschungsdisziplinen, aber auch von der Arbeit von internationalen Organisationen wie der UNO und von NGOs (NRGI 2019: 4). Zentral ist hier der Begriff des Natural Resource Governance. Eine mögliche Definition dafür, die auch den Ansätze von afrikanischen Wissenschaftlern und Vordenkern gerecht wird lautet:

“the norms, rules, institutions and practices that set limits and provide incentives for interaction between state, private sector and civil society to make and implement decisions towards developing their natural resources to meet their established goal(s) e.g. economic development, environmental protection, etc.” (Kumeh 2017: 3).

Dies impliziert, dass es eine Unterscheidung gibt zwischen good governance, die sich von der Achtung der Menschenrechte und ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit ableitet, sowie bad governance, bei der diese nicht gegeben sind, zusätzlich wird auch Korruption und wirtschaftliche Ungleichheit dazu gezählt (ebd.). Bei der Untersuchung zu resource governance spielen Institutionen eine tragende Rolle, um die Nutzung von Bodenschätzen zu beschreiben (ebd.: 7). Somit ist die Idee von resource governance für afrikanischen Wirtschaften die zweite Variable, die ich verwenden werde, um das südafrikanische Wirtschaftsmodell zu untersuchen.

2.3 Forschungsfrage

Mit der VoC Forschung und der Perspektive des SME-Kapitalismustyps haben wir die abhängige Variable, um das Wirtschaftsmodell von Südafrika zu beschreiben. Ob sich die Kategorisierung als state-permeated-economy erhärtet, soll die Untersuchung zur Bedeutung von natürlichen Ressourcen in Südafrikas Wirtschaft klären. Um diese beiden Theorien zu verknüpfen und die aufgeworfene Frage in der Einleitung zu klären, lässt sich folgende Forschungsfrage formulieren:

Wie lässt sich Südafrikas Umgang mit natürlichen Ressourcen in die Theorie der Varieties of Capitalism (besonders dem SME Typus) einordnen?

Wir haben also zum Einem die Variable der natürlichen Ressourcen und deren Rolle für das südafrikanische Wirtschaftswachstum, welche wir mithilfe der Theorie von Natural Resource Governance untersuchen wollen. Dies umfasst zum Einem ökonomische Überlegungen, jedoch findet der Begriff vor allem auch Verwendung in der Entwicklungs- und Umweltpolitik. Demnach ist auch die Nachhaltigkeit bei Südafrikas Umgang mit Bodenschätzen von Interesse. Fragestellungen bezüglich von Nachhaltigkeit und Umweltpolitischen Themen sind in der vergleichenden Kapitalismusforschung eher spärlich vorhanden und somit können wir hier Ansätze für einen neuen Themenkomplex ergründen. Die zweite Variable aus der sich unsere Forschungsfrage zusammensetzt, ist die Einordnung der südafrikanischen Wirtschaft in die VoC Theorie mithilfe der kritischen institutionellen Analyse. Wie in den vorigen Kapiteln beschrieben, ist die Einordnung Südafrikas in die VoC Theorie ein kontroverses Thema. Den Ansatz den ich hier wähle, ist die Zugehörigkeit des Landes zum SME-Kapitalismustyps vorab anzunehmen, wie es Nölke er. al in ihrem 2019 erschienenen Sammelband machen und dies mit Hilfe der Analyse zu überprüfen.

3. Institutionelle Einordnung und Rolle von natürlichen Ressourcen

3.1 Einordung von Südafrikas Kapitalismusmodell

Die Wirtschaftsentwicklungen in Südafrika werden in der Forschung getrennt durch die Zeit vor und nach der Apartheid. Die Zeit vor den 90ern war geprägt durch die Ausbeutung von farbigen Arbeitskräften und Privilegien für die weiße Bevölkerung, welche ihre Gewinne vor allem aus dem Bergbausektor schöpften (Nölke et al.: 147). Bereits zur Zeit der Apartheid dominierte der so genannte Minerals-Energie-Complex (MEC), dieser wird im Folgenden häufig Erwähnung finden. Mit dem Ende der Apartheid führt die Bewegung des Black Economic Empowerment und Tendenzen zur Liberalisierung zu einer deutlichen Fragmentierung der Wirtschaft (Natrass 2014: 2). Auch wenn der Fokus für diese Arbeit in der Zeit nach der Apartheid liegt, sind die Entwicklungen davor auch wichtig für unsere Betrachtungen.

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Details

Seiten
31
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783346482389
ISBN (Paperback)
9783346482396
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Politikwissenschaft
Erscheinungsdatum
2021 (September)
Note
1,3
Schlagworte
Südafrika Vergleichende Kapitalismusforschung Schwellenländer Resource Governance Umwelt Wachstumsmodelle Varieties of Capitalism
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Titel: Die Rolle von natürlichen Ressourcen für Südafrikas Kapitalismusmodell