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Herausforderung Digitalisierung - Kommunikation im Internet: Konsequenzen für den kirchlichen Religionsunterricht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2001 23 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Internet
3.1 Geschichte
3.1.1 Technisch
3.1.2 Theologisch
3.2 Internetdienste
3.2.1 WWW (World Wide Web)
3.2.2 E-Mail
3.2.3 Newsgroups
3.2.4 Mailinglisten
3.2.5 Chat/IRC

4 Kommunikation
4.1 Religiöse Kommunikation
4.2 Symbolhafte Kommunikation
4.3 Verbale Kommunikation
4.3.1 Kennzeichen verbaler Kommunikation
4.3.2 Kommunikationsmodell
4.4 Elektronische Kommunikation
4.4.1 Pro und Contra
4.4.2 Gewichtung

5 Internet in der pädagogischen Praxis
5.1 Bedeutung für die Schule
5.1.1 Medienkompetenz
5.1.2 Perspektiven
5.2 Bedeutung für den RU
5.2.1 Parallelen
5.2.2 Authentisches Material
5.2.3 Exegese

6 Fazit

7 Literatur

8 Abbildungsverzeichnis

2 Einleitung

Das Jahr 2000 hat mannigfaltig Mythen befördert. Allgemein als erstes eines neuen Jahrtausends ausgerufen, wiewohl eigentlich das letzte des zu Ende gehenden, entstanden Weltuntergangsszenarien auf der einen, Science-Fiktion-Hoffnungen auf der anderen Seite.

So hat auch die erste Weltausstellung auf deutschem Boden, die Expo 2000 in Hannover, im Vorfeld mit dem Blick in die Zukunft geworben („Was werden wir essen?“). Das Motto der Expo „Mensch-Natur-Technik“ bekam Schlagseite in Richtung Technik, von der explizit und in großem Maße implizit erwartet wurde, sie werde alle Probleme in den Griff bekommen und lösen können.

Die moderne Technik und die Gläubigkeit der Menschen daran drückt sich nicht mehr in gewaltigen stählernen Maschinen aus, sondern in elektronischen Geräten, die immer und immer kleiner werden. Während der erste Computer noch raumfüllende Ausmaße hatte, werden die heutigen Computerchips und -prozessoren je leistungsfähiger sie werden, um so kleiner. Die ganze „High-Tech“ läßt sich schließlich auflösen in eine schier unendliche Reihenfolge von Null und Eins. Während Gott noch sah, „daß es gut war“ (Gen 1, 10 et al.), sieht der Computer nur noch „Information“ (Eins) oder „Nicht-Information“ (Null). Der binäre Code ist eine effektive, aber beschränkte Art der Kommunikation.

Ganz im Zeichen des Computers stand auch die Weltausstellung. Überall auf dem Gelände versuchten die Aussteller, die Aufmerksamkeit der Besucher durch blinkende Computermonitore oder computeranimierte Figuren und Filme zu locken. Der Christus-Pavillon bildete eine Ausnahme. Evangelische und katholische Kirche setzten auf Stille, Kerzen, liturgische Abläufe und den Einsatz „analoger“ Betrachtungsobjekte.

Im Trubel der Expo eine wohltuende Oase. Doch es stellt sich die Frage, ob Kirche sich einfach so raushalten kann aus der digitalen Globalisierung. Kann der Einsatz des Internet den Religionsunterricht (RU) bereichern oder sollte dieser davon freigehalten werden? Während die Politik fordert, „Schulen ans Netz“ zu bringen, spenden Unternehmen Computer und Internetzugänge für Schulen. Welche Auswirkungen dies für die Kirche und insbesondere auf den RU haben kann, soll in dieser Arbeit Thema sein.

3 Internet

3.1 Geschichte

3.1.1 Technisch

Das Internet ist gar nicht mehr so jugendlich, wie es sich den Anschein gibt. Schon zu Beginn der 60er Jahr gab es auf Initiative des US-Verteidigungsministeriums erste Zusammenschlüsse von Computern zu Netzwerken. „Diese waren zentral gesteuert und kontrolliert und somit sehr störanfällig gegen Ausfälle der Rechnerverbindungen oder der Steuereinrichtungen.“[1] Daher wurde ein Rechnernetz entwickelt, das dezentral organisiert wurde. Netzknoten sollten die Verteilung von Nachrichten, die der Sender zerteilt und numeriert auf den Weg schickt, sicherstellen. Der Computer des Empfängers hat so nur noch die Datenpakete zusammenzusetzen, um an die gewünschte Nachricht zu kommen. „Diese Technologie hat heute die Bezeichnung Protokoll TCP/IP.“[2] Darüber hängen heute weltweit Computer am Netz, verbunden über eine gemeinsame Sprache.[3]

3.1.2 Theologisch

Begleitet wird diese technische Entwicklung für den einzelnen Menschen durch

„die Machterfahrung der Computerisierung. Sie eröffnet dem Menschen noch nie dagewesene Möglichkeiten, sich selbst und seine Umgebung zu gestalten und umzugestalten. Neue Schöpfungspotenzen werden entdeckt. Der Mensch nimmt sich, ähnlich wie zu Beginn der Renaissance, als alter deus, als zweiter Gott war.“[4]

Darüber hinaus stellt das Internet eine bislang unvorstellbare Anhäufung und Vernetzung von Wissen dar. Bücher, Bibliotheken, Meinungen, Erklärungen, Manifeste, fast alles, bis hin zum kleinsten Traktat, steht allen zur Verfügung. In der praktischen Arbeit sind Dokumente somit leicht verfügbar, doch es „liegt der Gedanke nicht fern, daß die Partizipation am Internet fast so etwas ist, wie die Teilnahme an der Allwissenheit Gottes.“[5] Mit diesen Allmachtsphantasien ist theologisch umzugehen, und es muß versucht werden, die Menschen wieder auf den Boden der Realität zurückzuholen, denn: „Was ist der Mensch?“ (Ps 8,5).

3.2 Internetdienste

Der Begriff „Internet“ bezeichnet zunächst nur „die Möglichkeit, Daten zwischen von einander entfernten Rechnern auszutauschen.“[6] Das Internet umfaßt eine ganze Reihe von Diensten, die es erlauben, diese Verbindung effektiv zu nutzen. Die wichtgsten[7] sollen im Sinne einer Begriffsklärung kurz vorgestellt und ihr möglicher Nutzen für den RU beispielhaft angedeutet werden.

3.2.1 WWW (World-Wide-Web)

Die Hauptanwendung des Internet, die wohl in stärkstem Maße zu seinem Siegeszug beigetragen hat, ist das World-Wide-Web, da es erlaubt, über die Hyper TextMarkup Language (HTML) als universaler Computersprache, die sogenannten Internetseiten zu erstellen und weltweit abrufbar zu machen. „Im Zusammenwirken mit dem Hypertext Transfer Protokoll (http) ermöglichen sie die Kommunikation von Bild, Ton und Schrift zwischen unterschiedlichen Rechnersystemen.“[8] Hyperlinks, Verknüpfungen von Dokumenten etc. erlauben eine endlose Reise durch das weltweite Netz. Für den RU ist das WWW eine riesige Bibliothek und Datenbank.[9]

3.2.2 E-Mail

Die elektronische Post ermöglicht einen Briefverkehr, ähnlich wie auf dem gewöhnlichen Postwege. Mit dem Unterschied, daß die Nachrichten wesentlich schneller zugestellt werden und nicht nur Text, sondern auch Bild und Ton enthalten können. Im Unterricht erlauben E-Mails den Schülern schnell und unmittelbar mit Ansprechpartnern in Kontakt zu treten, oft direkt von einer aufgerufenen Webseite aus.

3.2.3 Newsgroups

Newsgroups sind die schwarzen Bretter des Internet. Jeder kann eine Frage „posten“, jeder der möchte, kann darauf antworten. „Hier treffen sich Spezialisten, und entsprechend groß ist die Chance, fachkundige Hilfe zu den unterschiedlichsten Problemen zu erhalten.“[10] Diese Probleme können im RU durch den Lehrer gestellt, die Antworten aus dem Netz in der Klasse untersucht und diskutiert werden.

3.2.4 Mailinglisten

Diese Listen sind eine restriktivere Variante der Newsgroups, da sich die Teilnehmer dazu anmelden und Nachrichten in der Regel von einem Moderator an die eingetragenen Mitglieder versandt werden, nachdem „Müll“ und Beleidigungen aussortiert worden sind. Diese Anwendung des Internet eignet sich für Lehrer, um an Fachdiskussionen zu partizipieren.

3.2.5 Chat/IRC

Dies ist die unmittelbarste Form der Kommunikation via Internet. Über Tastatur und Monitor sind zwei oder mehrere User direkt miteinander verbunden. Die Eingaben erscheinen direkt auf dem Bildschirm des anderen, wobei die Anonymität der Teilnehmer gewahrt bleibt. Diese Möglichkeit ist bei Jugendlichen sehr beliebt. Sie ermöglicht einen unkomplizierten Meinungsaustausch, auch mit (kirchlichen) Autoritäten, wie sich auch schon Politiker zum Chat ins Internet begeben haben.

4 Kommunikation

RU ist Kommunikation und lebt von ihr. Kommunikation läßt sich am umfassendsten mit dem bekannten Wort von Watzlawick kennzeichnen, wonach es dem Menschen nicht möglich sei, nicht zu kommunizieren.[11] Es lassen sich verschiedene Arten der Kommunikation unterscheiden.

4.1 Religiöse Kommunikation

Religiöse Kommunikation setzt schon vor dem Menschen an, etwa in der Vorstellung, daß Gott Himmel und Erde schuf und als die Erde „wüst und leer“ (Gen. 1,2) war, durch sein Wort alles entstehen läßt, auch das Leben des Menschen. Im Johannes-Evangelium steht ebenfalls das Wort am Anfang:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist“ (Joh. 1,1-3).

In gewisser Weise handelt es sich um die Ur-Kommunikation, die hier geschildert wird. Gott spricht, und es wird etwas geschaffen.

Die christliche Botschaft selbst und die Entstehung kirchlicher Strukturen sind das Ergebnis eines Kommunikationspozesses.

„Das Netz ist eine alte Metapher der christlichen Überlieferung. Am Anfang standen ein Wanderprojekt und Fischer, die Gruppe wurde zu Menschenfischern, Kommunikation unterwegs zum Prinzip einer Vernetzung, die auf Bildung einer Gemeinschaft in der Gesellschaft zielt“[12]

Diese Gruppenkommunikation und ihre Folgen dauert, unter stetem Wandel der Sozial- und Kommunikationsformen, bis heute an.

4.2 Symbolhafte Kommunikation

Seit jeher haben die Menschen auf Symbole wie das Netz zurückgegriffen, wenn von dem, an was sie glauben, die Rede war.

„Symbol ist dort vorhanden, wo die Sprache Zeichen produziert, in denen der Sinn sich nicht damit begnügt, etwas zu bezeichnen, sondern einen anderen Sinn bezeichnet, der nur in und mittels seiner Ausrichtung zu erreichen ist.“[13]

Symbole gehen also über direkte verbale Kommunikation hinaus, sind gefüllt mit Bedeutung. Michael Meyer-Blanck fordert daher, „Symbole einerseits semiotisch als Kommunikations- und Kulturphänomene, andererseits Symbolinterpretationen als bestimmten theologischen Codierungen gehorchend aufzufassen.“[14]

Im RU spielen die religiösen Symbole und ihre Bedeutungen eine große Rolle. Wohl nicht zuletzt ist dies dem Einfluß von Paul Tillich geschuldet, der die Meinung vertrat:

„Von Gott als dem Lebendigen müssen wir in symbolischen Begriffen reden. Jedes wahre Symbol partizipiert jedoch an der Wahrheit, die es symbolisiert.“[15]

[...]


[1] Bert Wendland (21996) „Was ist eigentlich das Internet?“ In: Computerleitfaden für Studierende. Hg. vom Direktor des Rechenzentrums [der Humboldt-Universität zu Berlin], p 15.

[2] Wendland, p.15.

[3] Cf. Abschnitt 3.2.1.

[4] Jörg Herrmann (1998) „Vom Himmel in den Hypertext: Die religiösen Dimensionen des Cyberspace.“ In: medien praktisch 2/98; hier zitiert nach: URL http://www.gep.de:80/medienpraktisch/medien/mp2-98/2-98herr.htm (Zugag am 14.7.2000).

[5] Herrmann.

[6] Wendland, p. 16.

[7] Es wird verzichtet auf FTP (File Transfer Protokcol) und Telnet.

[8] Herrmann.

[9] Cf. Abschnitt 5.2.2.

[10] Andreas Mertin (2000) Internet im Religionsunterricht. Göttingen, p. 32.

[11] P. Watzlawick et al. (1969) Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien. Bern, p. 53.

[12] Hans Norbert Janowski (1998) „Kirche im Internet.“ In: c’t 14/98, p. 75.

[13] Paul Ricœur (41993) Die Interpretation. Ein Versuch über Freud. Frankfurt a.M., p. 29.

[14] (1995) Vom Symbol zum Zeichen: Symboldidaktik und Semiotik. Hannover, p. 15.

[15] Paul Tillich (81987) Systematische Theologie I. Berlin, New York, p. 280.

Details

Seiten
23
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638172691
Dateigröße
695 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10995
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Praktische Theologie
Note
3,0
Schlagworte
Religionsunterricht digital Internet Kommunikation Globalisierung Computer Web www

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Titel: Herausforderung Digitalisierung - Kommunikation im Internet: Konsequenzen für den kirchlichen Religionsunterricht