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Jugend im Nationalsozialismus

Studienarbeit 2005 26 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Hauptteil
1.Erziehung zur Zeit des Nationalsozialismus
2. Die Hitlerjugend
2.1 Die Anfänge der HJ
2.2 Aufbau des Monopols der HJ
2.3 Der Weg zur Jugenddienstpflicht
2.4 Der Dienst in der Hitlerjugend
2.5 Jugend im Krieg
3. Die Frau im Nationalsozialismus
3.1 Die Diskriminierung der Frau
3.1.1 Politik
3.1.2 Wirtschaft und Gesellschaft
3.1.3 Ausschluss der Frau von höheren Posten und Positionen
3.1.4 Familiärer Bereich
3.1.5 Sexueller Bereich
3.2 Frauenbild
3.3 Widersprüche
4. Der Bund deutscher Mädel- BDM
4.1 Die Entstehung des BDM
4.2 Organisation innerhalb des Bund deutscher Mädel
4.2.1 Einteilung in Organisationseinheiten
4.2.2 Hierarchie
4.2.3 Aufstiegsmöglichkeiten im BDM
4.2.4 Uniform
4.2.5 Mitglieder
4.2.6 Alterstufen im BDM
4.3 Das BDM- Werk “Glaube und Schönheit”
4.4 Aktivitäten des BDM
4.5 Der BDM im Kriegseinsatz
4.6 Ziele des BDM

III. Resumee

IV. Literaturverzeichnis

V. Anhang

I. Einführung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Jugendorganisationen der NationalsozialistenHitlerjugend und Bund deutscher Mädel. Zu dieser Zeit sollte die Jugend einem gesunden, körperlich tüchtigen Ideal entsprechen.

Die nationalsozialistische Schulung der Jugendlichen sowie die Erziehung zur Volksgemeinschaft war ein Hauptziel des NS- Regimes um somit eine sogenannte “Herrenrasse” nach den Vorstellungen Adolf Hitlers zu schaffen. Wer sich diesem totalitären Führungsapparat in den Weg stellte, hatte eine konsequente Ausgrenzung zu befürchten.

Dem Nationalsozialisten ging es nicht um das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Erziehung, sonder viel mehr um den Erhalt und die Förderung eines Nachwuchses , der die Zukunft des Dritten Reiches sichern sollte. Hierbei ging es nicht um Individualität und persönliche Interesse des Einzelnen, sonder um totale Gleichschaltung der Jugendlichen.

Was anfangs noch mit sozialer Arbeit im Jugendbereich vergleichbar war, artete gewissermaßen zu einer Ausbildung und Vorbereitung auf den kommenden Krieg aus.

II. Hauptteil

1. Die Erziehung zur Zeit des Nationalsozialismus

Da in die Aufrüstung relativ viel Geld investiert wurde, nutzten sie preiswert produzierte Zusatzhefte für die Fortbildung des Volkes.

Diese Zusatzhefte trugen meist den Titel „Arbeitshefte für Volksfortbildungsschulen“ und waren `amtlich genehmigt`.

In unterschiedlichen Ausgaben und Lehrgängen wurden Vorgaben für den Unterricht gegeben.

Dabei legte man großen Wert auf das Erlernen genauer und exakter Buchführung, aber auch auf alltagsrelevante Themen, wie z.B. das richtige Schreiben einer Postkarte (siehe Anhang - Abb. 4).

Eines der obersten Ziele der Nationalsozialisten war es, die Kinder körperlich abzuhärten und „ihre Körper zu stählen“.

Das Boxen kam neu im Lehrplan dazu, da es den Angriffsgeist und die blitzschnelle Entschlusskraft fördern sollte.

Auch die olympischen Spiele 1936 wurden ganz im Sinne der NS-Ideologie repräsentiert, indem man dem „Olympiajahr“ besondere Aufmerksamkeit in den Arbeitsheften und im Unterricht schenkte.

Neben der körperlichen Ertüchtigung nahmen ebenso der Geschichts- und Politikunterricht eine wichtig Position ein. Er sollte dazu dienen die Wehrgedanken zu fördern und die `Erfolge der Deutschen und der NSDAP` zu loben. Hierfür wurden in den Arbeitsheften Gesetze und Beschlüsse der Regierung abgedruckt.

Die Einführung der Unterrichtsbereiche „Vererbungs- und Rassenkunde“ im Fach Biologie sollten das Rassenbewusstsein der Schüler ausprägen. Indem man hier ebenfalls Gesetze in den Heften aufzeigte, versuchte man die `Rassenmischung` als Kulturverfall zu vermitteln und die Schüler dazu zu animieren fragwürdige Beobachtungen, welche evtl. gegen diese Gesetze verstießen, schriftlich zu dokumentieren.

Die Rasse als Themengebiet wurde sogar fächerübergreifend behandelt, indem man im Deutschunterricht Aufsätze und Nachschriften schrieb, die sich mit dem „Arier“ und seinen Merkmalen auseinander setzten. (siehe Anhang - Abb.7)

Der ganze Unterricht war somit auf das Tun der NSDAP ausgerichtet und viele Schüler unterlagen dem Regime und dessen Auffassungen in der Schule. Auch wer gegen die Nationalsozialisten war musste sich ihnen und Hitler beugen.

2. Die Hitlerjugend

2.1 Die Anfänge der HJ

Durch Initiative Hitlers wurde der Jugendbund der NSDAP noch im 1922 in München ins Leben gerufen. Bald darauf zerfiel der Jugendbund bedingt durch das Verbot und die Auflösung der NSDAP.

Nach der Neugründung der NSDAP entstanden um 1925/1926 erneut Jugendgruppen der Partei. Anders als beim Jugendbund der NSDAP entstanden die nicht durch Initiative der Parteileitung, sondern auf Initiative einzelner Parteiangehöriger.

Seit 1926 trat die Jugend der NSDAP unter einem anderen Namen auf , um die Partei während der Wahlkämpfe zu unterstützen.

Diese Jugend machte zu dieser Zeit nur einen geringen Teil der Jugendbewegungen in Deutschland (siehe Anhang 9 : Große Jugendverbände gegen Ende der Weimarer Republik ). Durch die Eingliederung des “ Bund deutsche Jungvolk ” wuchsen die Mitgliederzahlen.

Zuvor konnte man erst ab dem vierzehnten Lebensjahr in die HJ eintreten, jedoch durch die Eingliederung des Jungvolkes war der Eintritt schon nach der Grundschule erlaubt.

Die meisten Mitglieder der HJ stammten aus dem Proletariat. Dieses beweisen die Zahlen einer Parteiauswertung von 1931/1932 : 69% Jungarbeiter und Lehrlinge, 12% Schuler, 10% kaufmännische Berufe. Ein hoher Prozent der Mitglieder sei arbeitslos gewesen. (vgl. Klönne, A. 2003, S. 19. )

In der Zeit von 1931 bis 1933 wurde die HJ durch Straßenkämpfe mit anderen Jugendgruppen bekannt. Bei diesen Kämpfen kamen mehr als 30 HJ Mitglieder ums Leben.

Dank massiver Propaganda und vielen Wahlversprechen stiegen die Mitgliederzahlen am Ende des 1932 auf 107956. Diese Zahlen werden aber in den folgenden Jahren dramatisch ansteigen.

2.2 Aufbau des Monopols der Hitlerjugend

“ Allen konfessionellen Jugendverbänden, auch den für den Einzelfall gebildeten, ist jede Betätigung, die nicht rein kirchlich-religiöser Art ist, insbesondere eine solche politischer, sportlicher und volkssportlicher Art untersagt. ” ( Anordnung des > Reichsführers der SS Himmler als Stellvertretender Chef und Inspekteur der preußischen und Geheimen Staatspolizei und politischer Polizeikommandeur < , 1935 zit. nach Klönne, A. 2003, S.184. )

Die Durchsetzung dieses Monopols lag hauptsächlich in der Gleichschaltung und des Verbotes der bündischen und konfessionellen Jugendgruppen. Die einzige Ausnahme spielte hierbei nur die katholische Jugend. Im Februar 1933 wurden die Arbeiterbewegungen und ihre Jugendgruppen verboten und die freien Gewerkschaften wurden gleich geschaltet. Die Funktionäre dieser Gruppen wurden verhaftet und ihr Vermögen konfisziert.

Am 5. April 1933 wurden die Geschäftsräume des “ Reichsausschuss der deutschen Jugendverbände ” von HJ besetzt. Dieser Verband repräsentierte 5.Millionen Jugendliche in Deutschland. Baldur von Schirach, der den Befehl zum Besetzen gab, führte anstelle des Ausschusses einen Jugendführerrat ein, den er selbst leitete. In den Geschäftsräumen fand die HJFührung beträchtliches Material über Stand, Führung und Anschriften sämtlicher Jugendverbände. Jüdische, marxistische und sozialistische Jugendverbände wurden sofort verboten, während fast alle rechtsorientierten Organisationen in die HJ eingegliedert wurden. Wer dem Führerrat noch nicht unterstand, dem wurden alle staatliche Vergünstigungen gestrichen.

Am 17. Juni 1933 wurde der “ Reichsjugendführer der NSDAP zum “ Jugendführer des deutschen Reiches ” ernannt und erhielt dabei amtliche Funktionen ( vgl. Klönne, A. 2003, S.23; 48 ). Alle noch bestehenden Jugendorganisationen wurden ihm unterstellt. Seine erste Amtshandlung, noch am Tag seiner Ernennung, war die die Auflösung des “ Großdeutschen Bundes ”, der der eine Vielzahl von Bünden in sich vereinigt hatte. Die noch gebliebenden Gruppen der bündischen Jugend, Wehrverbände oder der Jugendorganisationen wurden verboten oder aufgelöst.

1934 wurde zwischen dem Reichsjugendführer, Reichsbauernführer und dem Reichssportführer eine Vereinbarung getroffen, die eine Zusammenarbeit sichern sollte. Im 1935 und Anfang 1936 wurden die Landjugend und die Reichssportjugend in die HJ eingegliedert ( vgl. Klönne, A. 2003, S.26 ). Jugendliche zwischen vierzehn und achtzehn Jahren dürften bis zum 18. Juni 1937 neben der HJ auch noch Treffen der Sport und Turnvereine besuchen. Dann wurde ein Gesetz erlassen, das eine Doppelmitgliedschaft verbot (vgl. Klönne, A. 2003, S.31 ).

Es wurde noch eine wichtige Vereinbarung mit dem Reichsbischof Ludwig Müller getroffen, der dafür sorgte, dass evangelische Jugendliche, wenn sie einen evangelischen Jugendverband angehörten auch in der HJ waren. Bei der katholischen Jugend sah dieses aber ganz anders aus. Durch Reichskonkordat zwischen Hitler und dem Vatikan scheiterte Schirachs Versuch nach einer Gleichschaltung. Ihre Arbeit wurde jedoch stark behindert zum Beispiel durch das Verbot der Doppelmitgliedschaft und das Verbot Kinder von Beamten aufzunehmen (vgl. Klönne, A. 2003, S.24). 1938 wurden schließlich auch die katholischen Jugendverbände verboten.

Hitler gelang es in kürzester Zeit mit Schirachs Hilfe ein totales Monopol aufzubauen.

2.3 Der Weg zur Jugenddienstpflicht

In den ersten Jahren der HJ war die Mitgliedschaft noch freiwillig, dieses aber auch nur im weitesten Sinne. Durch riesige Propaganda - Aufmärsche, sowie Rundfunk und Presse versuchte Hitler die noch neutralen Jugendlichen zum Eintritt in die HJ zu bewegen. Er machte dabei immer die gleichen Versprechen - Not und Elend zu überwinden, eine nationale Befreiung zu erreichen und Klassengesetze zu vergessen. Weiter versprach er ein modernes Indianerleben, Geborgenheit und Naturverbundenheit.

Ein weiterer Schritt, um die Jugendlichen zu überzeugen war die Einführung des “ Staatsjugendtages “. Diesen Tag erhielten die Jugendlichen jedoch nicht um ihren Hobbys nachzugehen, sondern um ihren Dienst in die HJ zu leisten, der im Sommer bis zu zwölf Stunden dauern konnte. Die Jugendliche, die schon arbeiteten, wurden noch wesentlich stärker beeinflusst. So wurden häufig nur noch HJ Mitglieder eingestellt und beschäftigt. Für Kinder von Beamten war es sogar ab 1935 Pflicht Mitglied der HJ zu sein.

Seit 1936 traten die Pimpfe am Abend von Hitlers Geburtstag (20.04) in das Jungvolk ein. Der Aufruf dazu fand in der Schulen statt. Dem folgten 90 - 95% der angesprochenen Jugendlichen.

“ § 1. Der Jugendführer des Deutschen Reiches ist ausschließlich zuständig für alle Aufgaben der körperlichen, geistigen und sittlichen Erziehung der gesamten deutschen Jugend des Reichsgebietes außerhalb von Elternhaus und Schule.” (Erste Durchführungsverordnung zum Gesetz über die HitlerJugend zit. nach Klönne, A. 2003, S.35).

Am 1. Dezember erging ein Gesetz, in die HJ neben der Schule und der Familie gleichberechtigt ist.

Der Eintritt in die Hitler-Jugend wird als größte Pflicht eines Jugendlichen der Nation gegenüber dargestellt.

Offiziell wurde die Jugenddienstpflicht erst am 25. März 1939 ausgesprochen (vgl. Klönne, A. 2003, S.37 ).

Um jeden Jugendlichen zu erfassen, begann die Regierung Einwohnerkarten, polizeiliche Melderegister und Schulunterlagen zu kontrollieren. Es wurden Erfassungslisten und Jugendstammkarten in der HJ verteilt, mit denen sich jeder Jugendliche auswiesen musste.

Ab 1941 gab es dann den “Jugenddienstarrest” als Disziplinarstrafe für vierzehn bis achtzehn jährige nicht Mitglieder der HJ. Die Strafe wurde nach mehrmaligen Mahnungen und polizeilicher Maßnahmen bei nicht zum Dienst erschienen angewendet. Die Jugendlichen konnten ohne Gerichtsverfahren für einen bis acht Tagen eingesperrt werden und mussten ihre Strafe sofort absitzen.

2.4 Der Dienst in der Hitlerjugend

Die HJ ist die wohl durchstrukturierteste Jugendorganisation, die es je gab. Wenn man nicht Mitglied der HJ war, drohte Separation und Ausgrenzung von Freunden und in der Schule.

Eines der größten Probleme, die die HJ während ihrer gesamten Existenz hatte, war die Ausbildung des HJ-Führers. Es fehlten Leute, die im menschlichen und auch im nationalsozialistischen Sinne geeignet waren, die Führung einer Gruppe zu übernehmen. Wurde n der bündischen Jugend die führende Position von Erwachsenen bekleidet, so sah es bei der HJ anders aus. Man folgte dem Motto : “Jugend soll durch Jugend geführt werden”. Die jüngsten, die über andere zu befehlen haben, waren gerade mal zwölf oder dreizehn Jahre alt. Sie leiteten die Pimpfe als Jugendführer. Die meisten “Führer” waren nur ca. 2-6 Jahre älter als deren Untergebenen. Das Ziel der HJ war es, die Jugend daran zu gewöhnen, dass immer mindestens einer über einem steht. Oft jedoch verstanden die Jugendlichen dieses falsch und benützten ihre Macht, um Schwächere zu demütigen.

Um dem “Führerproblem” ein Ende zu setzen wurden 1934 zweiundzwanzig Führerschulen gebildet und eine Laufbahn und Ausbildungsverordnung für die HJ-Führer bestimmt.

Der Dienst in der HJ begann mit dem Verlassen der Vorschule mit zehn Jahren. Bevor man aufgenommen wurde, musste man eine sogenannte “Pimpfen - Probe” und ein ärztliche Untersuchung, ähnlich einer Musterung beim Militär, über sich ergehen lassen. Hatte man lles überstanden, folgte ein Mal in der Woche der Heimatabend. Vorbei war es mit den schönen Versprechungen von Indianerleben. Sportliche Übungen in Verbindung mit militärischem Drill und weltanschaulicher Unterricht bestimmten ab nun an das Leben der Kinder (vgl.Klönne, A. 2003, S.58; S.60 ).

Es wurde nach einem Lehrplan gelehrt, ähnlich dem in der Schule. Der Heimatabend diente einzig und allein der nationalsozialistischen Schulung. Dieses spaltete sich in drei Themenbereiche: Rassenlehre und Bevölkerungspolitik, deutsche Geschichte und politische Auslandskunde. Die “Herrenrasse” und die Jugendpolitik standen im Vordergrund. Zeitgeschichtlich befasste man sich mit der Biografie von Hitler und der Geschichte von NSDAP. In Auslandskunde wurde vor allem über die faschistischen Bundesgenossen geredet und über die verschwörerischen Nachbarländer. Weiterhin wurden bei den Treffen nationalistische Lieder gelernt und immer wieder gesungen.

“... Und sollten wir nicht siegreich sein, So lebt denn wohl, ihr deutschen Eichen! Vom Schlachtfeld kehren wir nicht heim, Vorm Feind, da wollen wir nicht weichen! Um deutsche Erde kämpfen wir, Für Adolf Hitler sterben wir! ”

(siehe Anhang 10 - Altes Soldatenlied “Du kleiner Tambour schlage ein.“) http://ingeb.org/Lieder/dukleine.html ( 7.01.2006 )

Die letzte Strophe dieses Liedes ist ziemlich hart aber ernst zu nehmen, denn erschreckende Zahlen zeigen die Todesfälle in der HJ bis 1939.

.(siehe Anhang 11- Bericht: Todesfälle in der HJ, 1939

http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/hjtote/ (7.01.2006)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Viel bedeutender als der Unterricht war die körperliche Ertüchtigung. Die sportliche Ertüchtigungen lagen dem Prinzip des Wettkampfes zu Grunde. Mann sollte und musste ständig und überall um seinen Rang kämpfen. Ab 1935 wurden jedes Jahr Reichssportwettkämpfe veranstaltet. Sogenannte Leistungsabzeichen sollten zusätzlich dem Ansporn dienen, konnten aber nur verdient werden, wenn man auch eine Prüfung im weltanschaulichen Bereich bestand. Neben dem Sport fanden noch Ordnungsübungen und stundenlanges Exerzieren statt. Weiterhin sollten auch Übungen in Leichtathletik, Nahkampf und im Mannschaftssport stattfinden, die aber oft an fehlenden Einrichtungen scheiterten. Die Vormilitärische Ausbildung folgte im Geländespiel und ab 1937an der Schusswaffe. Hierbei schossen die Kinder mit Luftgewehren und die Hitlerjungen mit waffenpflichtigen Kleinkalibergewehren. Es konnten beim Dienst an der Waffe auch Leistungsabzeichen errungen werden, wenn die Jugendlichen bestimmte Punkte beim Schiessen erreicht haben. „ Es wurden besondere Schießauszeichnungen für HJ und DJ geschaffen (HJ- Scharfschützen- und Meisterschützenabzeichen)...

“ (vgl.Klönne, A. 2003, S.61).

Wie begeistert die Jugendliche ihren Dienst an der Waffe leisten, zeigt die Tatsache, dass am Anfang des Krieges aus 15000 eigenen HJ-Gewehren ca. 7. Millionen Schüsse abgegeben wurden. Der HJStreifendienst sorgte vor nach den Übungen für Ordnung. Die Mitglieder dieses Dienstes gingen später in die SS oder Gestapo über.

Abwechslung von Kriegsspielen gab es kaum. Selbst die Fahrten in ein Lager hatten nur das Ziel die Kinder national zu schulen und sie auf kommenden Krieg vorzubereiten.

3. Die Frau im Nationalsozialismus

1934 verkündet Hitler öffentlich:

„Wenn die Welt des Mannes der Staat sei, dann sei die Welt der Frau ihr Ehemann, ihre Familie, ihre Kinder und ihr Heim.“ ( Tidl, G., 1984)

Ein wesentlicher Bestandteil des Nationalsozialismus war der Glaube an eine vorgegebene Ungleichheit zwischen den Menschen.

Aus dieser Tatsache ergab sich in der NS-Ideologie nicht nur die Stellung Fremdvölkischer gegenüber dem deutschen Volk, sondern auch die Stellung der arischen Frau.

Diese stand zwar über den Fremdvölkischen, jedoch klar unter dem deutsch- arischen Mann.

Um im 3. Reich überhaupt Frau sein zu dürfen, musste man deutsch- arisch sein.

Fremdvölkische Frauen, also z.B. Polinnen oder Russinnen waren nur Weiber oder Menschentiere.

Im Nationalsozialismus hatte jede Frau einen bestimmten wert, der durch gewisse Tatsachen gesteigert werden konnte.

Vollwertiger Mensch war eine Frau nur dann, wenn sie auch Mutter war. Eine unverheiratete war nur Staatsangehörige und erst die Heirat machte eine Frau zur Bürgerin.

Hitler war der Auffassung: „Sie sei Herrin, wo der Herr ist.“ ( Tidl, G., 1984)

3.1 Die Diskriminierung der Frau

Der Nationalsozialismus hat diese bestehende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern mit Hilfe der Unterschiedlichen biologischen Funktionen und Strukturen zu begründen versucht.

Nur dieser biologische Aspekt wurde von ihnen berücksichtigt, alle anderen, wie historische, soziologische, psychologische, ökonomische und politische Aspekte wurden nicht einmal erwähnt.

Die Diskriminierung der deutsch- arischen Frau, ihre Unterdrückung in den verschiedensten Lebensbereichen, wer von Anfang an, seit der Gründung der NSDAP, ein wesentliches Merkmal nationalsozialistischer Ideologie und Politik und wird in den verschiedensten Bereichen deutlich:

3.1.1 Politik:

Ab Januar 1921 wurden Frauen von der Mitgliedschaft im Parteivorstand der NSDAP ausgeschlossen und auch die NS- Eliteorganisation, die SS, war bis auf eine einzige Ausnahme Männern vorbehalten.

Selbst die NS- Frauenschaft, die wichtigste nationalsozialistische Frauenorganisation, wurde vom September 1933 bis Februar 1934 von einem Mann geführt.

3.1.2 Wirtschaft und Gesellschaft:

Die Berufstätigkeit der Frau wurde seit Anfang der Diktatur streng abgelehnt.

Die Frau wurde für die Arbeitslosigkeit der Männer verantwortlich gemacht und mit einem harten Berufsverbot von ihren Stellen verdrängt.

Dort, wo die Frau nicht gänzlich aus dem Arbeitsleben vertrieben wurde, musste sie extreme Benachteiligungen im Arbeitslohnsystem erfahren. Sie verdiente nämlich laut Stundenhöchstsatz rund ein Drittel weniger aus ihre männlichen Kollegen.

Außerdem waren hohe nationalsozialistische Orden Männern vorbehalten.

3.1.3 Ausschluss der Frau von höheren Posten und Positionen:

Frauen konnten im Nationalsozialismus nicht Richterinnen werden oder bleiben und wurden aus dem Justizwesen ausgeschlossen.

Des weiteren konnten Offiziersstellen nur von Männern belegt werden.

3.1.4 Familiärer Bereich:

Im März 1941 brachte eine Frau in Mochau, Schlesien, Vierlinge zur Welt, für die Hitler die Patenschaft übernahm. Die damalige Tageszeitung, „Der Völkische Beobachter“ berichtete von diesem freudigen Ereignis und nannte den Vater der Kinder beim Namen, wohingegen die Mutter unerwähnt blieb.

Der NS- Staat, sah also die Rolle des Mannes bei der Familiengründung als wichtiger an, als die der Frau.

Außerdem wurden im Reichserbhofgesetz, das eine vorgegebene Erbreihenfolge beeinhaltet, die Gattin und die Mutter nicht erwähnt.

Diese waren erst dann erbberechtigt, wenn kein Mann mehr in der Familie vorhanden war.

3.1.5 Sexueller Bereich:

Wenn einer Frau ein Verhältnis mit einem Kriegsgefangenen oder Volksfremden nachgewiesen werden konnte, so musste sie damit rechnen, laut §4 der Wehrmachtsverordnung, zu bis zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt zu werden.

Außerdem wurden sie öffentlich angeprangert, das heißt, ihre Fotos wurden mit Namen in Zeitschriften veröffentlicht oder sie wurden mit Tafeln behängt, die Aufschriften wie „Dieses Schwein hat sich mit einem Kriegsgefangenen aus Polen eingelassen“ durch die Straßen getrieben.

Männern hingegen war der Verkehr mit Fremdvölkischen Frauen nicht nur erlaubt, sondern war sogar erwünscht. Ihre Befriedigung wurde öffentlich organisiert und Bordelle für Soldaten zweckentsprechend eingerichtet.

3.2 Frauenbild

Obwohl das Führerprinzip für beide Geschlechter galt, gab es eine klare Unterordnung der Frau unter dem Mann.

Die frauliche Tätigkeit war auf drei Gebiete beschränkt, nämlich auf Mutterschaft, Hausfrauendasein und frauliche Arbeit. Damit wurde ihr Leben auf Haus, Hof, Kind und Familie beschränkt. Alle anderen Bereiche fielen damit automatisch dem Mann zu. Er konnte sich unter anderem in Politik, Wirtschaft und Militär verwirklichen. Die Frau war dort unerwünscht und man versuchte, alle Erfolge, die die Frau aus ihrem Kampf um Emanzipation errungen hatte, zu vernichten.

Zur Emanzipation der Frau vertrat Hitler folgende Meinung: „Die Emanzipation der Frau ist ein jüdisches Hirngespinnst und liegt auf der selben Ebene wie die parlamentarische Demokratie.“ ( Tidl, G., 1984)

Das Regime reduzierte die Frau auf ihre biologische Funktion, nämlich das Kinder-bekommen. Frauen sollten nach Hitler „der Vermehrung und Erhaltung der Rasse“ dienen, wie er es in „Mein Kampf“ formulierte.

Das angehören zu den genannten Verbänden war die einzige erwünschte außerhäusliche Aktivität der Frau. Es wurde gefordert, sich in außerhäuslichen Frauenverbänden zu engagieren. Zu den bekanntesten Organisationen zählten der „Bund deutscher Mädel“ (BDM), und ab 1931 die „NS- Frauenschaft“.

Eigentlich gab es in Nationalsozialismus kein richtiges Frauenbild, sondern eher ein Mutterbild. das verdeutlicht die Zuweisung der Frau auf ihren „natürlichen Arbeits- und Lebensbereich“, nämlich Haus und Familie.

Hitler verdeutlichte dies mit folgendermaßen: „Die deutsche kinderreiche Mutter soll den gleichen Ehrenplatz in der deutschen Volksgemeinschaft erhalten wie der Frontsoldat, denn ihr Einsatz von Leib und Leben für Volk und Vaterland war der gleiche wie der des Frontsoldaten im Donner der Schlachten.“ ( Tidl, G., 1984)

Der Muttertag war im Nationalsozialismus ein wichtiger anerkannter und gefeierter Feiertag. Ab 1938 wurden Mutter sogar mit dem „Ehrenkreuz der deutschen Mutter“, im Volksmund auch „Kaninchenorden“ genannt, für überdurchschnittliche Gebärleistungen ausgezeichnet. So erhielt eine Mutter von vier oder fünf Kindern das bronzene, für sechs oder sieben Kinder das silberne und für acht oder mehr Kinder das goldene Kreuz.

Kinder mit Geburtsfehlern wurden nicht berücksichtigt.

3.3 Widersprüche

Somit sollte die Rolle der Frau im Nationalsozialismus klar sein. Das war sie auch, anfangs. Doch mit Beginn des Krieges und den damit verbundenen Niederlagen Hitlers verwickelte sich dieses Frauenbild mehr und mehr in Widersprüche. Die Frauenideologie fiel in sich zusammen und das Idealbild und die Realität lagen somit weit auseinander.

Die Frau, die einst rücksichtslos von ihrem Arbeitsplatz verdrängt wurde plötzlich zur Arbeit verpflichtet. Die Arbeitsaufgabe war also genau das Gegenteil des erwünschen Frauenbildes. Die Erklärung für diesen Widerspruch war wie folgt: Da es die oberste Aufgabe der deutschen Frau war, für das Wohl ihrer Kinder zu sorgen, konnten sie dies zu Kriegszeiten durch die Verrichtung von Fabrikarbeit tun. Denn diese Arbeit hilft dem Staat, und somit auch den Kindern. Sie vernachlässigt es demnach nicht, sondern hilft ihm indirekt.

Auch im Bereich Waffen finden sich Widersprüche, denn zu Beginn des Nationalsozialismus war es keine Frage, dass Waffen ausschließlich für Männer bestimmt waren, da der Mann die Frau als stärkeres Geschlecht schützen musste. Durch die hohen Verluste an der Front wurde dieser Vorsatz jedoch schnell gebrochen.

Man(n) verfügte also über die Frau, wie er wollte.

4. Der Bund deutscher Mädel -BDM

4.1 Die Entstehung des BDM

Bereits 1923 gründete der Deutsche Frauen Orden „Rotes Hakenkreuz“ die ersten Jungmädelgruppen. Die NS-Jungmädel bildeten sich aus Frauenarbeitsgemeinschaften. Der Bund deutscher Mädel hat seine ursprünglichen Wurzeln in Bayern.

1927 entstand die völkische Gruppe „Deutscher Mädel Ring“, welcher zu Beginn nicht absolut nationalsozialistisch ausgerichtet und in Oberbayern angesiedelt war. Mit der Beauftragung von Hilde Königsbauer zur Führerin entstand 1932 zuerst der BDM/ München, welcher dann zum allgemeinen Bund deutscher Mädel heranwuchs. Bis zum Jahre 1933 existierten also mehrere nationalsozialistische- und völkische Gruppierungen, welche von andauernder Konkurrenz geprägt waren. Gerade das Werben von Mädchen war ein ununterbrochener Wettkampf.

Zu diesen Zeiten war der Bund deutscher Mädel den meisten Gruppen hinsichtlich des Mitgliederanteil gleichgestellt und überlag lediglich in der Organisationsstruktur.

Als im Sommer 1931 die Frauenarbeitsgemeinschaften, die lokalen nationalsozialistischen Frauengruppen und der Deutsche Frauen Orden unter Elisabeth Zander zur NS-Frauenschaft zusammengeschlossen wurden, forderte man auch die Vereinheitlichung sämtlicher, zu dieser Zeit existierender NS-Mädchengruppen zu einer übergreifenden Organisation. Dies erfolgte am 7.7.1932 mit der Anordnung, alle Mädchengruppen der Frauenschaft aufzulösen und in den Bund deutscher Mädel zu übernehmen.

Der Weg zur einzigen nationalsozialistischen Mädchenorganisation war somit geebnet. ( vgl. Reese, D., 1989)

4.2 Organisation innerhalb des Bund deutscher Mädel

4.2.1 Einteilung in Organisationseinheiten:

Da der BDM immer unter dem Vorbild der Hitlerjugend stand, teilte man ihn in die selben Einheiten strukturell auf, wie diese.

Dabei war die kleinste Organisationseinheit die „Mädelschaft“ mit etwa 10 Mädel. Vier dieser Mädelschaften bildeten die sogenannte „Mädelschar“ welche bis zu 60 Mädchen in sich fasste.

Wiederrum vier dieser Gruppierungen waren in der „Mädelgruppe“ zusammengeschlossen, und bestanden aus bis zu 200 Mitgliedern. Die Mädelgruppen waren in ganzen Ortschaften oder Vororten angesiedelt und waren somit die kleinste regionale Gruppe.

Drei bis fünf dieser Mädelgruppen waren nun im „Mädelring“ organisiert und umfassten zwischen 600 und 800 Mädel. Der Mädelring fasste ganz Bewohner von Kleinstädten oder Vorstädten zusammen.

Bis zu fünf solcher Mädelringe bildeten nun das „Untergau“ mit ca. 3000 Mitgliedern, von welchen fünf im den Gebieten, genannt „Gau“ gegliedert waren und bis zu 15.000 Mädel unterbrachte. Die größte Organisationseinheit , das „Obergau“ beinhaltete schließlich fünf bis acht Gaue und umfasste ganze Regionen.

Im Jahr 1935 bestand das Deutsch Reich aus sieben Obergauen, mit 35 Untergauen.

4.2.2 Hierarchie:

Wie die meisten Organisationen, war der Bund deutscher Mädel nicht nur geographisch sondern auch hierarchisch eingeteilt.

Die Nationalsozialisten legten dabei besonderen Wert auf das Prinzip der „Selbstführung“ um somit den Eindruck einer freien, selbstbestimmte Jugend zu festigen und von dem, der „Staatsjugend“ abzusehen.

Die Tatsache, dass die meisten Führerinnen nur zwei bis drei Jahre älter waren als die von ihnen geleiteten Mädchen hatte mehrere Vorteile. Die Führungspersonen sollten die Rolle eines Vorbilds übernehmen, indem sie Attraktivität, also einem gut gebauten, straffen und starken Körper in Verbindung mit Erfolg und Macht selbst vorweisen konnten. Außerdem konnten die Führerinnen somit nicht nur Autorität sondern auch Gleichgesinntheit vermitteln.

Aufgrund der zahlreichen Mitglieder im BDM nutzte man 1935 etwa 33.000 Mädchen in Führungspositionen. Mit der Zwangsmitgliedschaft 1936, wuchs der Bedarf an solche noch einmal stark an. ( Reese, D., 1989)

Der Bund deutscher Mädel bestand dabei aus acht Hierarchiestufen.

An aller oberster Stelle stand dabei die BDM-Reichsreferentin. Dieses Amt übernahm zu Beginn Trude Mohr-Bürkner und ab dem 24.01.1937 die 27jährige Jutta Rüdiger.

Ihr untergeordnet war die Gebietsmädelführerin und folglich die Hauptmädelführerin.

Die Leitung eines „Mädelrings“ übernahm die Mädelringführerin und schließlich folgen 3 unterschiedliche Unterführerinnen. Erst an letzter Stelle stand das Mädel selbst.

Der Grund dafür war, das Mädel gleich zu Beginn an völlige Unterordnung zu gewöhnen. Jegliche Befehlskompetenz blieb ihm absolut vorbehalten. Im Gegenteil, es sollte sich kritiklos der Führung unterwerfen und sämtliche Befehle und Anordnungen ohne wiederstand ausführen.

4.2.3 Aufstiegsmöglichkeiten im BDM:

Aufgrund der abrupten Ausdehnung des BDM konnten viel Mädel in den Genuss einer Führungsposition kommen. Dies war jedoch kein leichtes Unterfangen, sondern ähnelte eher einer Berufsausbildung. Genaue Richtlinien bestimmten dabei den langen Aufstiegsweg zur Führerin.

Die jeweilige Führerein der Mädelschar wählte ein geeignetes Mädchen aus, welches nach einem „Führerinnenvorbereitungsdienst“ eigenverantwortlich die Leitung der kleinsten, nämlich der Mädelschaft übernahm. Anschließend absolvierte das Mädchen einen Lehrgang für „Mädelscharenführerinnen“. Erst nach der Erfahrung, solch eine Mädelschar anzuleiten, folget der eigentliche „Führerinnenausbildungsdienst“. Um diesen erfolgreich zu bestehen erforderte es besonderem Engagement, da monatlich eine Wochenentschulung stattfand.

Bevor das Mädel jedoch von der Führung einer Hierarchiestufe zur nächst höheren befördert wurde, musste es zunächst ein halbes Jahr lang die entsprechende Führungsqualität in der Praxis unter Beweis stellen.

Diese harten Aufstiegsbedingungen verdeutlichen welch hohe Erwartung und Verantwortung in die zukünftigen Führerinnen gesteckt wurde. Jutta Rüdiger vertrat dabei die Auffassung: „Charakter und Leitung, kein totes Wissen, sondern Bildung und eine vorbildliche Haltung sollte die Führungspersönlichkeiten auszeichnen“. ( Reese, D., 1989)

Zusätzlich konnten freiwillig Führerinnenschulwerke, Schulen innerhalb der Gebiete und Reichsschulen besucht werden, was vor allem von denjenigen Mädeln genutzt wurde, welche eine höhere Führerinnenlaufbahn vollstrecken wollten.

Doch auch Mädel, welche keinen Posten der Leitung übernehmen wollte, konnten an Sonderausbildungen, wie zum Gesundheitsmädeldienst teilnehmen.

4.2.4 Uniform:

Um auch äußerlich die Zugehörigkeit zum Bund deutscher Mädel zu verdeutlichen bekam jedes Mitglied seine eigene Uniform. Mit unterschiedlichen Schnitten kleidete man die Mädel ihrem Alter entsprechend ein. Das Grundmodell war jedoch immer das selbe und sollte die Mädchen in einer Einheit auftreten lassen.

Dabei gab es u.a. eine Sommeruniform, eine Winteruniform und spezielle Sportbekleidung.

Die Sommeruniform bildete gleichzeitig die Basisbekleidung eines BDM-Mädels. Sie bestand aus einem blauen Rock, welcher bei den Jungmädeln angeknöpft war und einer weißen Bluse, an welcher am linken Ärmel das Dreieckszeichen des jeweiligen Obergaus aufgestickt war. Außerdem trug jedes Mädchen ein schwarzes Halstuch, welches mit einem braunen Lederknoten befestigt war. Weiße Söckchen und Schnürschuhe machten die Uniform komplett. (siehe Anhang - 16. http://www.bdmhistory.com/summer.html )

Diese Uniform wurde zu allen Treffen und offiziellen Anlässen getragen.

Die Winteruniform bestand aus einer Kletterjacke, der „Berchtesgardner Jacke“, einer Baskenmütze und einem langen Mantel. Die weißen Söckchen vom Sommer wurden durch lange braune Strümpfe ersetzt.

Die Winteruniform pflegte man bei Paraden, Ausmärschen und Ausflügen anzulegen. (siehe Anhang - 17, http://www.bdmhistory.com/winter.html )

Natürlich durfte eine spezielle Kleidung für sportliche Aktivitäten nicht fehlen. Sie umfasste ein T- Shirt, eine Sporthose, einen Freizeit- und Badeanzug und Sportschuhe. Außerdem gab es Gymnastikanzüge, welche vor allem von den älteren Mädeln im „Glaube und Schönheit“ genutzt wurden. (siehe Anhang - 18 http://www.bdmhistory.com/sports.html)

Das man nun ohne weiteres die BDM-Mädchen erkannte hatte jedoch nicht nur Vorteile. Viele nationalsozialistisch gesinnte Lehrer bevorzugten dadurch die Mitglieder gegenüber der anderen Nichtmitglieder, was sich häufig in den Noten wiederspiegelte.

4.2.5 Mitglieder:

Nachdem sich die Mitgliederzahlen im BDM zu Beginn bescheiden zurückhielten, war nun im Jahr 1932 ein rapider Zustrom zu verzeichnen. Viele Mädchen stoßen zum BDM da Konkurrenzgruppen wegfielen. Während im Januar 1932 noch 1.669 Mädchen ihre Mitgliedschaft genossen, waren es im Februar bereits 3.691 und im März 5.184 Mädel. Die Anordnung am 7.7.1932 hatte zur Folge, dass Ende des Jahres 1932 mit ca. 10.000 bis 15.000 Mitgliedern gerechnet werden kann.

Ende des Jahres 1935 waren im Bund deutscher Mädel 569.717 Mädchen organisiert. Um es nicht bei diesen Zahlen zu belassen, nannte man 1936 da „Jahr des deutschen Jungvolkes“ und wollte alle Zehnjährigen, also den gesamten Jahrgang 1926 erfassen. Dazu wurden erstmalig Listen erstellt und Eltern schriftlich aufgefordert ihre Kinder in die entsprechende Organisation zu geben. Ende 1936 stellte sich jedoch heraus, dass die verstärkte Rekrutierung nicht vollständig gelungen war und griff nun zu drastischeren Maßnahmen. Ab dem 1.12.1936 unterlagen nicht nur alle Jungen sondern auch sämtliche Mädchen aufgrund dem „Gesetz über die Hitlerjugend“ der nationalsozialistischen Führung und somit einer Zwangsmitgliedschaft.

Zwar kam der BDM den Bedürfnissen vieler Mädchen entgegen und verzeichnete deshalb auch wesentlich höhere Zuwachsraten als die Hitlerjugend, jedoch war er dem Vorbild dieser immer zahlenmäßig, vor allem aber in seinem Ansehen und an Fürsprechern unterlegen. (vgl. Reese, D. 1989)

4.2.6 Alterstufen im BDM:

Um besonders effektiv auf die Mädchen einwirken zu können, teilet man sie identisch der Hitlerjugend in Alterentsprechende Gruppen ein. Dabei begann man bei den Kindern, den jungen Mädchen, im Alter von zehn Jahren.

„Mit Kinder bezeichnen wir die nichtuniformierten Wesen niedriger Altersstufen, die noch nie einen Heimabend oder einen Ausmarsch mitgemacht haben.“, erklärte Baldur v. Schirach 1934 in Leipzig. ( Reese, D., 1989)

Jährlich, an Adolf Hitlers Geburtstag, dem 20. April wurde die Aufnahme der jüngsten in den „Jungmädelbund“ zelebriert. Die Jungmädelprobe wurde 1935 eingeführt, welche nach einem halben Jahr stattfand, und nach welcher das Mädel als vollwertiges Mitglied akzeptiert wurde. Hier wurde das Mädel nun vier Jahre lang geschult.

Ab dem 15. Lebensjahr folget, ebenfalls am 20. April die Übernahme in den Bund deutscher Mädel, indem das Mädchen bis zum 19. Lebensjahr Mitglied war. Nach dieser vierjährigen Schulung erklärte man nun die Jugenddienstzeit für beendet.

Um schließlich auch die 18 bis 21 jährigen, heranwachsenden Frauen in einer Verbindung unterzubringen, gründete man 1938 das „BDM-Werk Glaube und Schönheit“ . Um einen reibungslosen Übergang in die NS-Frauenschaft zu ermöglichen, leitete man die Mädchen mit 21 Jahren automatisch an diese weiter.

Nun war die ununterbrochenen Betreuung und Einflussnahme ab dem 9. Lebensjahr in dem Jungmädelbund bis über das 22. Lebensjahr hinaus in der Frauenschaft garantiert.

4.3 Das BDM- Werk „Glaube und Schönheit“

Das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“, eine Unterorganisation des BDM, wurde am 19. Januar 1938 gegründet. Sie erfasste alle 17- 21 jährigen Frauen und hatte somit in erster Linie den Zweck, die Lücke zwischen dem BDM und der NS- Frauenschaft zu schließen.

Die Mitgliedschaft war zwar formal freiwillig, jedoch wurden ganze BDM- Jahrgänge automatisch übernommen. Frauen, die sich weigerten Mitglied bei „Glaube und Schönheit“ zu werden, mussten austreten und äußerten auf diesem Wege indirekt ihre Kritik am NS- Regime, was Gefahren für sie mit sich zog.

„Glaube und Schönheit“ war in Arbeitsgemeinschaften von 10- 30 Mitgliedern organisiert. Diese dauerten ungefähr ein Jahr und wurden von Fachkräften unterrichtet.

Jeweils 10 dieser Gemeinschaften bildeten eine BDM- Werk- Gruppe, welche von einer BDMWerk- Gruppenführerin geleitet wurde.

Die Mitgliederzahl dieses Werkes belief sich durchschnittlich auf 400.000 Frauen.

Die Aufgabe dieses Mädelbundes war, laut Jutta Rüdiger, ab 1937 Leiterin des BDM, die Erziehung der Mädchen zur „Glaubensträgerinnen nationalistischer Weltanschauung“. (siehe Anhang - Abb.16, http://www.querellers-net.de/2001-3/text25.htm )

Des weiteren sollten sie zu einer, dem rassischen Ideal entsprechend körperlich vollendeten Frau werden, die der Volksgemeinschaft als Mutter arischer Kinder dienen sollte.

Die wichtigsten Arbeitsgebiete waren demzufolge „Leibeserziehung“, „ gesunde Lebensführung“, „persönliche Lebensgestaltung“ sowie „ politische und geistige Bildung“.

Im letzen Punkt wurde vor allem auf die Kindererziehung eingegangen. Die Frauen lernten hier in Arbeitsgemeinschaften Kunstgeschichte, Literatur und Inhalte des deutschen Brauchtums, die sie dann später an ihre Kinder weitergeben konnten.

Nicht zuletzt war das Werk „Glaube und Schönheit“ deshalb so attraktiv, weil es ein vielfältiges Angebot, vor allem im Bereich Sport gab. Die Mädchen konnten sich bei Gymnastik und Tanz, sowie bei Handball und Hockey oder durch Reiten und Rudern körperlich ertüchtigen.

Sehr beliebt waren außerdem die praktisch orientierten, hauswirtschaftlichen Kurse, die dem Familiensinn der jungen Frauen förderten.

Ergänzend dazu wurden Arbeitsgemeinschaften für Gesundheitsdienst und für Kranken- und Säuglingspflege angeboten.

4.4 Aktivitäten des BDM

„Im BDM wird eine klare und sichere Aufbauarbeit mit dem Endziel geleistet, unserem Land eine Mädelgeneration zu geben, die zu wirklichen Trägerinnen nationalsozialistischer Weltanschauung geformt worden ist, die fähig ist, den nationalsozialistischen Gedanken auch in spätere Geschlechter weiterzutragen.“, Trude Mohr, BDM Reichsreferentin.

(http://www.shoa.de/content/view/121/121/)

Höchstes Ziel des BDM war die Erziehung seiner Mädchen zu gehorsamen Mitgliedern des NSStaats sowie zu seiner Ideologie. Sie sollten körperlich gesund sein, dem Rassenideal entsprechen, kritiklos Aufgaben erfüllen und die eigenen Nachkommen im NS- Sinne erziehen.

Im Mittelpunkt standen körperliche Ertüchtigung und ideologische Schulungen.

Um die Sympathie für den Führer zu erwecken gab es sehr viele attraktive Freizeitangebote.

Vor allem Sport wurde unter dem Motto „ Straff aber nicht stramm- herb aber nicht derb“ getrieben ( Reese, D. 1989).

Sportliche Wettkämpfe und Übungen standen wöchentlich auf dem Programm und durch mehrtägige Ausfahrten und Lager hatten die Mädchen ebenfalls Gelegenheit zur körperlichen Ertüchtigung.

Diese sogenannten Freizeiten standen unter einem bestimmten Tagesablauf:

6.30 Uhr Wecken

6.35- 7.00 Uhr Frühsport wie Waldlauf, Körperschule, Leichtathletik

7.00- 8.00 Uhr Waschen, Anziehen, Aufräumen

8.00 Uhr Fahne hissen

8.10- 8.30 Uhr Frühstück

9.30 Uhr Zeitungsbericht

12.15 Uhr Mittagessen

12.45- 14.30 Uhr Freizeit

16.00 Uhr Stehkaffee

19.15 Uhr Abendbrot

19.45- 20.45 Uhr Heimabend

20.45 Uhr Fahne einholen

21.30 Bettruhe

Ähnlich wie bei der Hitlerjugend sollte auch im BDM durch Fahnenappelle, gemeinsame Lieder und Aufmärschen das Gemeinschaftsgefühl im Sinne der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft gestärkt werden.

Ganz besondere Bedeutung hatten aber die wöchentlichen Heimabende.

Sie hatten den Zweck der ideologischen Schulung und es wurden neben praktischen Unterweisungen in Nadelarbeit und Werkarbeit auch die NS- Weltanschauung gelehrt.

Zur Gestaltung dieser Heimabende erschienen monatlich Zeitschriften wie „ Die Jungmädelschaft“ oder „ Die Mädelschaft“.

Außerdem gab es spezielle Schulen des BDM für die ideologische Ausrichtung der Führerinnen.

Innerhalb des BDM gab es unter anderem in den Bereichen Sport, Weltanschauung und Gesundheitsdienst sogenannte Leistungsabzeichen. In diesen mussten die Mädchen ihr praktisches Können und ideologisches Wissen beweisen.

Trotz des strikten Prinzips sahen die Mädchen den BDM als Befreiung aus familiären und bürgerlichen Zwängen. Insbesondere die Ausfahrten boten die Möglichkeit aus diesen auszubrechen.

Des weiteren war der BDM für sie ein Zeichen der Emanzipation und des Fortschritts, denn Aktivitäten wie Fahrten, Wandern und Sport ähnelten sehr denen der Hitlerjugend und so erhielten sie sogar den Eindruck der Gleichberechtigung.

4.5 Der BDM im Kriegseinsatz

Dem BDM wurden nach Ausbruch des Krieges 1939 neue, überaus wichtige Aufgaben zugeteilt.

Anfangs bestand die Hauptaufgabe der Mädchen in erster Line darin, die Frontsoldaten durch das Packen von Feldpostpäckchen oder Besuchen in Lazaretten zu betreuen.

Nachdem mit der „Kinderlandverschickung“, einer Evakuierung der Kinder aus luftbedrohten Großstadtgebieten aufs Land, begonnen wurde, mussten sich die BDM- Mitglieder um deren außerschulische Versorgung kümmern.

Des Weiteren wurden die Mädchen immer häufiger in Erwachsenen- und auch Männerberufen eingesetzt, um mehr Männer für die Front und Frauen für die Rüstungsindustrie zu gewinnen. Sie arbeiteten für die Post, bei der Straßenbahn, halfen bei der Ernte oder bei Flüchtlingstransporten.

Auch in das Kriegsgeschehen wurden sie immer stärker mit einbezogen. Es wurden Schanzeneinsätze und Aufräumdienste organisiert, Kurierdienste übernommen und beim Luftwaffeneinsatz geholfen.

Lediglich ein Waffeneinsatz des BDM ist nicht nachweisbar, denn schließlich war dieser im Nationalsozialismus nicht mit der biologischen Natur der Frau vereinbar.

Nach Kriegsbeginn wurde auch aus der Organisation „Glaube und Schönheit“ eine wichtige Gruppierung im Kriegsdienst.

Im Mittelpunkt standen auch hier Einsätze beim roten Kreuz, in Lazaretten und in der Ernte.

Außerdem waren sie in den verschiedensten Bereichen der Soldatenbetreuung tätig, kümmerten sich um deren Gräber und um die Familien der Gefallenen und unterhielten Fronturlauber während geselligen Nachmittagen mit Tanzveranstaltungen.

4.6 Ziele des BDM

Der Bund deutscher Mädel sollte gerade in den Anfangsjahren der sinnvollen Freizeitgestaltung vieler Mädchen dienen, und eine Möglichkeit darstellen dem eingespielten Leben von zu Hause zu entkommen.

Die körperliche Ertüchtigung spielte ebenfalls eine wichtige Rolle, denn durch den Sport wurden sie zu einer Leitungs- und Konkurrenzgesellschaft getrimmt. Des weiteren betonte man die Kameradschaft untereinander und lehrte ihnen in den Gruppenverbänden sich gesellschaftlich anzupassen und einzufügen. Auch der soziale Aufstieg sollte den Mädeln mit Hilfe der „Führerinnenkarrieren“ ermöglicht werden. Doch bereits während dieser Zeit wollte man ihnen vor allem die nationalsozialistische Ideologie vermitteln.

Dazu Reichsjugendführer Baldur v. Schirach: „Im BDM sollen die Mädel zu Trägerinnen der nationalsozialistischen Weltanschauung erzogen werden.“ ( Reese, D., 1989)

Der BDM sollte die Mädchen außerdem auf ihre künftige Rolle als Hausfrau, vor allem aber als Mutter vorbereiten.

Dazu Adolf Hitler: „ Analog der Erziehung des Knaben kann der völkische Staat auch die Erziehung des Mädchens von den gleichen Gesichtspunkten aus leiten. Auch dort ist das Hauptgewicht vor allem auf die körperliche Ausbildung zu legen, erst dann auf die Förderung der seelischen und zuletzt der geistigen Werte. Das Ziel der weiblichen Erziehung hat unverrückbar die kommende Mutter zu sein.“ ( Reese, D., 1989)

Letztlich sollten die Mädchen immer den Männern und der Hitlerjugend untergeordnet bleiben und sich nach ihrem Vorbild richten.

Baldur von Schirach verlangte dies in seiner Rede am 21.6.1934 in Potsdam und verdeutlichte damit, welchen geringen Spielraum die Mädchen in ihrem Tun akzeptieren mussten: „(...)ich möchte hier aussprechen, dass ich eine Unterstellung von BDM-Einheiten direkt unter die HJ-Einheiten nicht für richtig halte, dass ich aber verlange, dass der BDM sich in allen politischen Fragen der HJ-Führung bedingungslos unterordnet. Das ist etwas so Selbstverständliches, dass wir darüber nicht viele Worte zu verlieren brauchen.“ ( Reese, D., 1989)

III. Resumee

Der 6. Mai 1945 bedeutete nicht nur das Ende des Zweiten Weltkriegs sondern auch das Aus der Ära der wohl größten und durchstrukturiertesten Jugendorganisationen in der Geschichte Deutschlands.

Die Jugendlichen wurden aus dem Halt gebenden und geordneten Alltag herausgerissen und blickten in eine ungewisse Zukunft.

Der ihnen in Jahren der geraubten Individualität eingeredete Glaube und die Hoffnung auf das NS- Regime zerplatzte, und zurück blieb nichts als Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit. Sie folgten ahnungslos falschen Idealen und wurden von der Willkür des Regimes ausgenutzt. Sie wurden zum Erhalt des Staates missbraucht, Tausende mussten für ihn ihre Kindheit oder sogar ihr Leben opfern, sei es im Krieg oder durch die gesamte Ausrichtung ihres Daseins auf den Nationalsozialismus.

Auf den ersten Blick lässt sich hier nicht die geringste Verbindung zur sozialen Arbeit herstellen doch bei genauerer Betrachtung erkennt man, dass die Hitlerjugend und der Bund deutscher Mädel anfangs durchaus Züge einer solchen aufweist. Das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Kameradschaft wurden enorm gefördert und die Jugendlichen erhielten die Möglichkeit auf gemeinsamen Ausflügen und Wettkämpfen Abenteuer zu erleben. Sie konnten somit den alltäglichen Pflichten und Aufgaben entkommen und ihre Freizeit mit gleichgesinnten gestalten.

Letztendlich vermitteln die Hinterbliebenen höchst widersprüchliche Eindrücke. Für die einen erschienen die Jugendorganisationen des Dritten Reichs als vom Staat unterstützte Möglichkeit, ihren Freizeitinteressen nachzugehen, welche ihrer Meinung nach nahezu völlig politikfern war.

Andere empfanden diese allerdings als jugendlichen Idealismus an politische Gläubigkeit, die verraten oder missbraucht wurde.

Details

Seiten
26
Jahr
2005
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110060
Institution / Hochschule
Hochschule München
Note
2
Schlagworte
Jugend Nationalsozialismus GTWN

Autor

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Titel: Jugend im Nationalsozialismus