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Zwischen Therapie und Training: Coaching und Supervision

Studienarbeit 2002 19 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Definitionen

III. Theorie und Praxis

IV. Perspektiven

V. Überblick

VI. Ausblick

VII. Quellen

Im folgenden wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit nur die männliche Form gewählt, die weibliche ist jeweils mitgemeint. Die Zahlen hinter den Zitaten verweisen auf die Literaturliste.

Diese Arbeit und die gesamte Ausbildung ist vor allem durch die großzügige und geduldige Unterstützung meiner Partnerin Caroline Manz ermöglicht worden, der ich an dieser Stelle herzlich dafür danke.

I. Einleitung

Die Idee zu dieser Arbeit entstand bereits vor längerer Zeit. In den letzten drei Jahren der Ausbildung habe ich die Entwicklung der Bereiche Coaching und Supervision verfolgt und war immer mit der Frage konfrontiert, wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegen. Aus meiner Tätigkeit als Supervisor kenne ich die Formen der Einzel-, Team-, Gruppen- und Projektsupervision. Einzel- und Gruppencoaching sind mir vertraut aus meiner Tätigkeit als Personaltrainer und Karriereberater. Der Unterschied bei der Klientel liegt vor allem darin, dass die Supervisanden zum überwiegenden Teil freiwillig, die Coachees dagegen häufig „unfreiwillig“ kommen, d.h. sie werden seitens eines Kostenträgers dazu aufgefordert, an Kursen teilzunehmen. Für mich besteht die Herausforderung darin, im Rahmen des Coachings in einem Prozess, der höchstens einige Wochen mit Sitzungen von circa 30 Minuten dauert, genau definierte Fragen zu stellen und kurzfristige Lösungen zu finden. Supervisionsprozesse erlebe ich als weniger zielorientiert und eher langfristig angelegt. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass beide Ansätze mehr voneinander profitieren können als bisher und die Schnittmenge größer ist als gedacht. Die vorliegende Arbeit soll dazu dienen, zunächst Begriffsklärungen und Analyse des Ist-Standes zu liefern. Anschließend wird ein Überblick über Elemente geliefert mit dem Ziel, die stark polarisierende Fachdiskussion fruchtbar zu machen für die Praxis. Die Abhandlung kann in dem sich rasant verändernden Markt nur eine Momentaufnahme darstellen, ähnlich wie ich mich erst vor einiger Zeit entschlossen habe, dieses Thema für meine Arbeit zu wählen:

„Denn nach langer Beratung ist doch ein jeder Entschluß nur Werk des Moments, es ergreift doch nur der Verständ'ge das Rechte. Immer gefährlicher ist's, beim Wählen dieses und jenes nebenher zu bedenken und so das Gefühl zu verwirren.“ (Goethe, Johann Wolfgang: Hermann und Dorothea, S. 68. In: 9), S. 8948.)

II. Definitionen

Supervision (engl.): „Beaufsichtigung, (Ober-)Aufsicht, Kontrolle, Leitung, Direktion“.

Supervisor: „Aufseher, Aufsichtsbeamter, Inspektor, Kontrolleur, Leiter, Direktor“ In: 35), S. 996. To supervise: „watch and direct (work, workers, an organisation)“ In: 28), S. 884.

Im Englischen liegt der Schwerpunkt von Supervision eindeutig auf Kontrolle zwischen zwei Hierarchieebenen, während es, ursprünglich aus dem Lateinischen kommend, Überblick oder Übersicht bedeutet. Interessant ist allerdings die Engführung auf Arbeit, Arbeiter und Organisationen in obiger Definition, können doch auch Kinder, Tiere oder Fahrzeuge supervidiert werden. Ganz anders beim Coaching. Hier ist das Englische hilfreicher: coach (engl.): „Kutsche, Postkutsche, (Eisenbahn)Wagen, Reisebus, Limousine, Kapitänskajüte, Einpauker, Repetitor, Trainer“. In: 35), S. 171.

„coach: four-wheeled carriage pulled by four or more horses, used to carry passen- gers and mail before railways were built. `To drive a coach and horses through (sth)´, defeat the intention of (a regulation, etc) by finding serious faults in its wording.“

coach: „teacher, esp one who gives private lessons to prepare students for a public examination; person who trains athletes for contests.“ In: 28), S. 159.

Das Wort `coach´ stammt also aus dem Englischen und bedeutet ursprünglich Kutsche, der `coach-man´ ist der Kutscher, aber auch der künstliche Köder. Die Pferde (man beachte die Mehrzahl) bilden eine Art Team, das zu etwas dient: dem Transport von Pas-sagieren und Post. Sprichwörtlich, wenn auch selten gebraucht, steht das Fahren einer Pferdekutsche für das Durchkreuzen einer Anordnung, in deren Formulierung man schwere Fehler findet. Ein schönes Bild für effektives Coaching. Im weiteren Sinne steht `coach´ für Trainer, vor allem im Sport. Es geht also um Bewegung und Führung beziehungsweise Leitung. Interessant ist in dem Zusammenhang die Körperhaltung der Kutscher: eine entspannte, leicht vorgebeugte, die den Pferdedroschkenlenkern mit auf den Oberschenkeln aufliegenden Unterarmen ermöglichte, lange Strecken und Wartezeiten in einer Art Dämmerzustand zu überstehen. Übernommen wurde diese Körperhaltung in das Autogene Training. Der Coach ist also jemand, der ein Fortbewegungsmittel lenkt und den Antrieb steuert. Im Englischen steht `coach´ heute auch für Reisebus.

Bietet die Kutsche nur wenigen Reisenden gleichzeitig Platz, stellt der Bus ein komfortables, wenn auch nicht ganz ungefährliches Fortbewegungsmittel für Gruppen dar.

III. Theorie und Praxis

Im Zuge der Begriffsglobalisierung, die wesentlich über die englische Sprache getragen wird, hat der Begriff `Coaching´ den des Trainings abgelöst. Neuerdings werden sogar Lehrer als Coachs bezeichnet. Im engeren Sinn von `Beratung zu berufsbezogenen Themen´ ist die Vielfalt der Definitionen immer noch verwirrend. Dabei kristallisieren sich zwei Stränge heraus: der eine stellt Supervision, Therapie und Coaching gleichberechtigt nebeneinander, der andere hierarchisiert und ordnet Coaching als einen methodischen Ansatz der Supervision ein. Häufig wird die Unterscheidung im Hinblick auf die Zielgruppe getroffen:

„Unter Coaching wird heute die persönliche Beratung für Führungskräfte in Organisationen verstanden. Dabei geht es um die Verbesserung technischer, konzeptioneller und sozialer Kompetenzen für die Lösung von Managementaufgaben. Mit dem erforderlichen Managementwissen können SupervisorInnen Coaching – im Sinne einer speziellen Weiterentwicklung von Leitungssupervision – durchführen“. In: 8), S. 6.

Erstaunlich: In ihrer neusten Broschüre setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Supervision, die beansprucht, der Berufsverband für Supervisoren zu werden, einen alten Hut auf. Stammt doch die Definition von Coaching als Methode ausschließlich für Führungskräfte aus den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Anerkannte Fachleute wie Astrid Schreyögg definierten diesen Ansatz provozierend:

„Coaching richtet sich an die Zielgruppe der Führungskräfte, Supervision an die der Geführten. Coaching ist primär Personalentwicklung, während Supervision in der „Personenentwicklung“ verharrt. Coaching strebt Veränderung von oben an, während Supervision Veränderung von unten intendiert“. In: 41), S. 40.

Problematisch sind diese Differenzierungen im Hinblick auf Begriffe wie `Führung´, `Personal´, `oben´ und `unten´. Sie vertiefen die alten Dichotomien von Macht und Ohnmacht, Führer und Volk, privat und öffentlich. Oder gehören Leitungskräfte nicht zum Personal wie alle anderen? Personalentwicklung betrifft alle Ebenen eines Unternehmens. Und Veränderung kommt häufig von aussen. Wie aber verhält sich dann das Personal dazu und was braucht es möglicherweise an unterstützender Beratung in Krisensituation oder zur Prävention derselben? Ein sogenannter ganzheitlicher Ansatz muss oben genannte Dichotomien zwar zur Kenntnis nehmen, meines Erachtens aber ist eine Unterscheidung zwischen Supervision und Coaching nur sinnvoll in Bezug auf das Setting, als Antwort auf die Frage: „Wie erreiche ich mein Ziel?“ In dem Zusammenhang leuchtet mir am meisten die Definition Heinrich Fallners und Michael Pohls ein:

„Coaching ist ein professionelles Begleitungskonzept zur Qualifizierung beruflichen Handelns in Arbeits-Systemen.“ In: 13), S. 101. „Coaching ist (...) keine völlig eigenständige, klar abgrenzbare Beratungsform. (...) Wir sehen Coaching und Supervision als zwei Variationen eines Meta-Konzepts, (...) Coaching verhält sich zu Supervision wie eine wendige Yacht zu einem zwar komfortableren, aber etwas schwerfälligeren Luxusliner. (...) Während Supervision – aus dem Lateinischen frei übersetzt – dazu dient, sich einen komplexen Überblick zu verschaffen, übernimmt Coaching die konsequente Arbeit an den so gefundenen Zielen.“ S. 35 ff.

Fallner und Pohl unterscheiden anhand des von ihnen entwickelten Systemhauses zwischen Organisationsberatung, Supervision und Coaching als Zugänge auf verschiedenen Ebenen, ohne dabei wertende Unterschiede zu machen:

„Coaching: Einstieg und Schwerpunkt sind das strukturelle Stockwerk im Kontakt zur Alltagspragmatik über die Rolle des Coach im System.

Supervision: Einstieg und Schwerpunkt sind die Ebene der Alltagspragmatik und/oder das Beziehungs-Erdgeschoß, die Handlung der Supervision verjüngt sich noch (sic!) oben“. In: 13), S. 124.

Ähnlich allgemein ist der Ansatz von Maren Fischer-Epe: „Die Kernidee von Coaching ist, Menschen durch geeignete Unterstützung zur Selbstorganisation ihrer Kräfte und Kompetenzen und zum persönlichen Erfolg zu verhelfen.“ In: 16), S. 225. Aus dem Bereich des Managements ist Coaching nicht mehr wegzudenken, hier hat es Begriffe wie Personaltraining und -entwicklung abgelöst. Heute ist vieles Coaching, was irgendwie mit Anleitung zu tun hat: Coaching für Coaches, Coaching durch Führungskräfte, Kollegiales Coaching, Selbst-Coaching.

IV. Perspektiven

Keine Frage, Coaching ist in Mode, die Frage ist eher, wo die Supervision dabei bleibt. Sie droht unterzugehen, noch bevor sie ganz oben ist. Die DGSv ist gerade dabei, zum Berufsverband zu werden und der Profession Rückhalt zu geben. Coaching scheint leichter, klarer, besser bezahlt und effektiver zu sein. Analog zum Sport sind die Ausbildungen kürzer, teurer und marktgerechter. Dabei sind die Unterschiede zur Supervision zunächst gar nicht so groß, die Theorien und Ansätze nur schwer zu überschauen.

„Es gibt kaum empirische Untersuchungen über das, was faktisch im Coaching geschieht. (...) Die Flut von Literatur zu Coaching steht im umkehrten (sic!) Verhältnis zum empirisch rekonstruierten Wissen über das, was im Coaching geschieht. Was uns für die Konzeptentwicklung derzeit fehlt, ist `master modeling´, die Rekonstruktion der handlungsleitenden professionellen Programme guter Coachs.“ C. Rappe-Giesecke, in: 41), S. 31.

Passend zu dieser neuen Unübersichtlichkeit boomt das Medium Internet, bei der Suche ist es jedoch hilfreich. Ein Test mit Hilfe einer grossen Suchmaschine (google.de, 30. 3. 2002) ergab folgendes:

Gefundene Seiten:

Supervision Coaching

Im gesamten Netz 420.000 2.450.000

Auf deutsch 45.900 98.700

Aus Deutschland 57.900 73.100

amazon.de (3. 4. 2002)

Deutsch 130 197

Englisch 664 1211

Wie zu erwarten: Coaching ist ein internationales Phänomen, zu beachten: `supervision´ meint im Englischen vor allem Kontrolle, etwa im Produktions- und Call-Center-Bereich.

Nicht verwunderlich, dass bei den Seiten aus Deutschland der Anteil an Supervision so hoch ist, weltweit jedoch Coaching deutlich in Führung liegt. Passend dazu als neueste Mode: Cyber-coaching beziehungsweise email- oder online-coaching.

Geht es wirklich um ein Modephänomen, d.h. der Druck eines Marktes, der ständig etwas Neues erwartet, das nicht geliefert werden kann? Wird also der alte, keineswegs schlechte Wein in neue Schläuche gefüllt?

„But maybe, what coaching is nowadays, is what supervision was in its initial stage, many decades ago. (...) If Sigmund Freud had lived today, he may have called his control analysis `coaching´, because he conceptualised his control analysis as a method to train the aspiring psychoanalysts in his methodical concept.“ van Kessel, in: 41), S.18.

In der Tat stammt der Begriff Supervision im Deutschen aus der Psychotherapie, und so ist es kein Wunder, dass immer wieder unter Beweis zu stellen ist, dass Supervision keine Therapiemethode und auch nicht nur im sozialen Bereich angebracht ist. Siehe dazu Freud selbst, der erstaunlich klar persönliche Erfahrungen in Bezug auf Setting und Ähnliches mitteilt und auch hier Grundlegendes formuliert hat, nicht umsonst gibt es den Begriff „Kontroll-Supervision“, der exemplarisch ein weitverbreitetes Vorurteil auf den Punkt bringt: Supervision hat mit Kontrolle zu tun, die ein Aussenstehender oder gar Vorgesetzter über Subalterne ausüben will. Ganz anders im Coaching: Hier scheint nichts möglich ohne Motivation der Teilnehmer, die Intimität zwischen Coach und Coachee ist oft tiefer als die zwischen Supervisand und Supervisor. Analog zum Kontrollsupervisor gibt es den head-coach, das heißt jemand mit mehr Erfahrung und Distanz.

„In fact we could state that the Anglo-Saxon term `coaching´ means in German `Be- gleitung´. (...) supervision can be positioned as a form of `coaching´. But if you look at the specific practice and theory on coaching, you could conclude that coaching is a specific form of supervision, or a specific form of training beside supervision. It depends on the way we define supervision: as a specific method, or as a specific approach, or as a specific professional domain. (...) Personally, I believe that many supervisors can learn to be good coaches, but that not all coaches are automatically good supervisors.“ In: 41), S.19.

Häufig zu finden ist die Perspektive, die Coaching Supervision unterordnet, etwa als eine Methode unter vielen. Ich halte es jedoch für sinnvoll, die beiden Bereiche zu trennen und nebeneinander zu stellen, gerade weil die Konfusion sonst unauflösbar bleibt.

Und so trennt ein Großteil der Fachleute zwischen Supervision für die Subalternen und Coaching für die Manager. Gemeinsam ist beiden Ansätzen, dass es keine geschützten Titel oder ständisch anerkannte Berufsgruppen gibt. Eine Ausnahme bilden die Sporttrainer, die Lizenzen erwerben müssen, um bestimmte Zielgruppen zu trainieren.

„Natürlich zählt in Deutschland nur die Meisterschaft oder der erste Platz, das hat sich in unserer Gesellschaft eben so eingebürgert. Ich finde das eigentlich schade. (...) Für mich ist es der größte Erfolg, die Gruppe so hingekriegt zu haben, dass sie ein Team geworden ist. Früher waren das lauter Individualisten, lauter Stars und Cliquen. (...) Ich weiß nicht, woran es liegt. Vielleicht weil ich einen Traum habe und diesen Traum als Ziel ausgebe: Meister werden. (...) Ich bin aus einem einzigen Grund nach Leverkusen gegangen. Nicht des Geldes wegen, sondern weil ich Meister werden will. Das muss ich in die Köpfe reinkriegen, darauf fiebern wir hin, dafür arbeiten wir hart und das sollte belohnt werden.“ In: 39)

SupervisorInnen und Coachs sind verstärkt dabei, ihre Tätigkeit als Berufsbild zu etablieren. Vor allem, weil sie so erfolgreich sind. Denn immer mehr Menschen bieten die Dienstleistung Supervision und/oder Coaching an. Allein die DGSv hat mittlerweile über 3.000 Mitglieder. Coaching hat noch keinen solchen Verband, ist aber dabei, einen zu gründen. Auf europäischer Ebene gibt es die ECA e.V., die European Coaching Association mit Sitz in Düsseldorf. Weltweit sind Coaches vernetzt, was wiederum die Supervision nicht von sich behaupten kann, nicht zuletzt aufgrund von Sprachproblemen konzentrieren sich die Kontakte auf den deutschsprachigen Raum. Allerdings ist die ANSE, die Association of National Organisations for Supervision in Europe, dabei, den Bereich auszudehnen. Sie war es auch, die bereits im Jahr 2000 die Konferenz `Supervision und Coaching in europäischer Perspektive´ in München organisiert hat.

Nach den Supervisoren sind nun auch die Coachs dabei, vor allem im Ausbildungsbereich genau hinzugucken und Kunden Hilfestellung zu bieten bei der Kontaktaufnahme mit dem richtigen Berater. Die Ethik ist dabei noch freifliegend: Es gibt keine einheitlichen Standards, weder bei den Supervisoren noch bei den Coachs, weder für Tarife, Erstgespräche, Zeiträume oder gar Controlling, Evaluation und Kontraktgestaltung.

Versucht die DGSv mittlerweile, die über dreissig verschiedenen Ausbildungen, die unter ihrem Dach firmieren, stärker zu normieren, kontrollieren und zu evaluieren, entsteht im Coaching-Sektor ein unüberschaubarer Markt.

Allein über das Internet sind bei einem einzigen Anbieter (coaching-report.de) 125 deutschsprachige Ausbildungen zu finden, bei einem anderen elf (coaching.de). Interessanter, weil zukunftsträchtiger, scheint mir der neuste Trend zu sein: Coaching und Supervision in einem Ausbildungsgang zu verbinden. Unter dem Dach der Fachhochschule Frankfurt findet der erste Studiengang `Supervision und Coaching – Beratung in der Arbeitswelt´ statt. In Österreich läuft bereits eine Ausbildung unter dem Namen `Lehrgang universitären Charakters „Supervision und Coaching“´, und zwar an der Akademie für Sozialarbeit Vorarlberg in Bregenz. In den Niederlanden gibt es seit einigen Jahren eine Ausbildung „Supervision und Coaching“, die von der LVSB, der Landelijke Vereniging voor Supervisie en andere Begeleidingsvormen, anerkannt ist. Sämtliche Studiengänge haben auch die Anerkennung der DGSv. Das kann Professionalisierung für beide Professionen bedeuten, wird doch die Kooperation zu Ungunsten der Konkurrenz betont. Hier ist eine echte Synergie möglich: aus zwei Bereichen, die in verschiedenen Feldern ihren Schwerpunkt haben, entsteht eine neue, übertragbare Mischform.

V. Überblick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

VI. Ausblick

„Die Seelenkunde hat manches beleuchtet und erklärt, aber vieles ist ihr dunkel und in großer Entfernung geblieben. Wir glauben daher, daß es nicht zu viel ist, wenn wir sagen, es sei für uns noch ein heiterer, unermeßlicher Abgrund, in dem Gott und die Geister wandeln. Die Seele in Augenblicken der Entzückung überfliegt ihn oft, die Dichtkunst in kindlicher Unbewußtheit lüftet ihn zuweilen; aber die Wissenschaft mit ihrem Hammer und Richtscheite steht häufig erst an dem Rande, und mag in vielen Fällen noch gar nicht einmal Hand angelegt haben.“ (Stifter, Adalbert: Brigitta, S. 3. In: 9), S. 46294)

In diesem Sinn hoffe ich, einen Überblick zu einem Phänomen gegeben zu haben, dessen Zukunft ungewiss ist. Nur eins steht fest, nämlich

„... daß am Schlußpunkt der Beratung, wenn es einen gibt, alle Beteiligten gelernt haben, getrennte Wege gehen zu können (...) Insofern haben Unternehmen und Theorien vielleicht doch etwas gemeinsam: Beider Form beruht darauf, Abschlüsse zu finden, mit denen sich etwas anfangen läßt“. In: 2), S. 229, 244

Hier finden wir eine der wichtigsten Gemeinsamkeiten von Supervision, Coaching und der Ausbildung sowie Ausführungen, die ich im Begriff bin, abzuschliessen: die Finalität. Ziel sollte sein, sich als Berater irgendwann wieder entbehrlich zu machen, beim Coaching früher, in der Supervision später.

VII. Quellen

Hörfunk:

„Teamarbeit“, Deutschlandradio, 26. 1. 2002, 23 Uhr.

„Coaching“, Nachtstudio Hessischer Rundfunk 1, 26. 1. 2002, 23 Uhr.

„Coaching, Supervision, Organisationsberatung“, Hessischer Rundfunk 1, Reihe Arbeit und Beruf, 16. 6. 2001, 9-10 Uhr.

Literatur:

1) Bachmair, Sabine et al.: Beraten will gelernt sein. Weinheim und Basel (Beltz Verlag), 1999.
2) Baecker, Dirk: Die Form des Unternehmens. Frankfurt (Suhrkamp), 1999.
3) ders.: Postheroisches Management. Ein Vademecum. Berlin (Merve), 1994.
4) Bartsch-Backes, Gerhard: Grenzgänge zwischen Supervision und Organisationsbe- ratung. In: supervision. Mensch Arbeit Organisation 1/2001, S. 16 ff.
5) Berker, Peter und Buer, Ferdinand: Praxisnahe Supervisionsforschung. Felder – Designs – Ergebnisse. Münster (Votum), 1998.
6) Brügmann, Wolf Gunter: Leidensdruck im Unternehmen in aktive Neugier verwan- deln. In: Frankfurter Rundschau, 14.8.1999.
7) Buer, Ferdinand: Coaching versus Supervision. In: Van Kessel, Louis und Feller- mann, Jörg (Hg.): Supervision und Coaching in europäischer Perspektive. Beiträge zur ANSE-Konferenz 2000, Köln 2002, S. 97.
8) DGSv (Hg.): Entscheidungshilfen für Kundinnen und Kunden. Supervision – Fragen, Antworten, Anlässe, Zielsetzungen. Köln, 2002.
9) Die digitale Bibliothek der deutschen Literatur und Philosophie. Sonderband: Mei- sterwerke deutscher Dichter und Denker. Sonderausgabe bei 2001, Frankfurt, 2000.
10) Döhring, Bärbel: Was tun gegen die Einsamkeit am Arbeitsplatz? In: Frankfurter Rundschau, 16.6.2001.
11) dies.: Spielchen aufdecken, blinde Flecken bearbeiten, Verhalten ändern. In: Frankfurter Rundschau, 23.6.2001.
12) Echter, Dorothee: Wie Profis Vorstände coachen. In: wirtschaft & weiterbildung, 03/2002, S. 30 ff.
13) Fallner, Heinrich und Pohl, Michael: Coaching mit System. Die Kunst nachhaltiger Beratung. Opladen (Leske und Budrich), 2001.
14) Fatzer, Gerhard (Hg.): Supervision und Beratung: ein Handbuch. Köln (Edition Hu- manistische Psychologie), 1998.
15) Federspiel, Krista und Lackinger Karger, Ingeborg: Kursbuch Seele. Köln (Kiepen- heuer & Witsch), 1996.
16) Fischer-Epe, Maren: Coaching: Miteinander Ziele erreichen. Reinbek (Rowohlt), 2002.
17) Freud, Sigmund: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Studienausga- be. Frankfurt (Fischer), 2000.
18) hochschul-anzeiger. Zeitschrift für den Fach- und Führungskräftenachwuchs, Aus- gabe 54, Frankfurt, Mai 2001.
19) Jansen, Bernd: Zwei Cowboys auf Baggerfahrt. In: supervision. Mensch Arbeit Or- ganisation, 4/2000, S. 53 ff.
20) John, Renate und Fallner, Heinrich: Handlungsmodell Supervision. Hille (Ursel Busch Fachverlag), 1993.
21) Kegel, Corinna: Psychohygiene – eine Herausforderung vor allem für helfende Be- rufe. Diplomarbeit, FH Heidelberg, 1997.
22) Kozinowski, Mathias und Wollsching-Strobel, Peter: Supervision im Profitbereich – Chance oder Sakrileg? In: supervision. Mensch Arbeit Organisation, 4/2000, S. 45 ff.
23) Knierim, Dr. Andreas (Hg.): Coaching-news, coaching-web.de.
24) Kühl, Wolfgang (Hg.): Qualitätsentwicklung durch Supervision. Münster (Votum), 1999.
25) Leuschner, Gerhard: Coaching ist in! Packen wir’s an. In: DGSv aktuell 04/00, S. 20.
26) Morrien, Birgitt E.: Meine Mission: Dream Coaching! In: DGSv aktuell 03/2001, S. 25.
27) Muy, Wolfgang: Chancen und Risiken des Qualitätsmanagements für die Mitarbei- ter in Sozialpsychiatrischen Einrichtungen. Diplomarbeit, FB Sozialwesen der Ge- samthochschule Kassel, 2001.
28) Oxford Advanced Learner´s Dictionary Of Current English, London (Oxford Univer- sity Press), 1975.
29) Pühl, Harald (Hg.): Supervision in Institutionen. Frankfurt (Fischer), 1997.
30) Rauen, Christopher: Coaching. Göttingen (Verlag für angewandte Psychologie), 1999.
31) ders. (Hg.): Coaching-Newsletter, coaching-report.de.
32) Richter, Kurt F.: Erzählweisen des Körpers. Seelze-Velber (Kallmeyer), 1997.
33) ders. und Fallner, Heinrich: Kreative Medien in der Supervision. Hille (Ursel Busch Fachverlag), 1993.
34) Schlippe, Arist von und Schweitzer, Jochen: Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht), 1998.
35) Schöffler-Weis: Wörterbuch der englischen und deutschen Sprache I. Stuttgart (Klett), 1977.
36) Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander Reden 3, Das „innere Team“ und situa- tionsgerechte Kommunikation. Reinbek (Rowohlt), 1998.
37) Stöbener, Dorothée: Spiel mit Möglichkeiten. In: Die Zeit, Nr. 15, 5. 4. 2001.
38) Thönneßen, Johannes: Newsletter Managementwissen, mwonline.de.
39) Toppmöller, Klaus: Ich sitze am liebsten still in der Ecke und trinke mein Bier. In: Frankfurter Rundschau, 28./29. 3. 2002.
40) UN (Ursula Nuber?): Coach statt Couch. In: Psychologie Heute 04/2002, S. 38 ff.
41) Van Kessel, Louis und Fellermann, Jörg (Hg.): Supervision und Coaching in euro- päischer Perspektive. Beiträge zur ANSE-Konferenz 2000. Köln 2002.
42) Weigand, Wolfgang: Der Supervisor als Coach. In: DGSv aktuell 04/00, S. 1 ff.
43) Weißbach, Barbara: Ein guter Coach läßt sich nicht vom Tagesgeschäft auffressen. In: Frankfurter Rundschau, 15. 5. 1999.
44) ZEIT-Job-Newsletter, zeit.de, Coaching: Neue Variante einer alten Idee, 1. 3. 2002.
45) Zimmermann, Thomas: Coaching: Motivationsgekreisch für Manager – oder mehr? In: Psychologie Heute 07/2000, S. 40 ff.

Details

Seiten
19
Jahr
2002
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110263
Note
gut
Schlagworte
Zwischen Therapie Training Coaching Supervision

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Titel: Zwischen Therapie und Training: Coaching und Supervision