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Ludwig Wittgenstein - §§ 138-155, 179-192 der Philosophischen Untersuchungen

Seminararbeit 2003 6 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

In den von mir betrachteten Paragraphen der Philosophische Untersuchungen[1], insbesondere die Paragraphen PU 138 bis 155 sowie PU 179 bis 192, diskutiert Wittgenstein seine Auffassung vom „Verstehen“. Ich möchte mich unter Berücksichtigung der Aufgabenstellung, besonders mit der Frage beschäftigen, ob das Verstehen als geistiger Zustand begriffen werden darf oder nicht. Und was die Gründe für ein blitzartiges Verstehen von gesprochenem Wort sind bzw. seien können.

Nach Wittgensteins Überzeugung ist die Sprache ein regelgeleitete Tätigkeit, wobei die Regeln als Maßstäbe der Richtigkeit zu begreifen sind, welche nicht beschreiben wie Leute sprechen bzw. sprechen sollten, sondern erläutern, was es heißt, richtig und sinnvoll zu sprechen. Ich glaube er denk hierbei nicht unbedingt an die Grammatik, so wie wir sie verstehen, denn derjenige der eine sprachliche Regel ausdrückt, muss keine metasprachliche Aussage über die Anwendung von Wörtern haben, sondern es stellt sich vielmehr das Problem in den Vordergrund ob ein Ausdruck zu einem bestimmten Anlass eine normative Funktion erfüllt. Ich sehe dies als einen angenehm pragmatischen Ansatz in Wittgensteins Denkweise. Man kann somit sagen, dass Wittgenstein eine Differenzierung zwischen einer Regel und ihrem Ausdruck, einer Regelformulierung macht. Aber der Unterschied ist nicht der zwischen einer abstrakten Entität und ihrer konkreten Bezeichnung, sondern vielmehr der zwischen einer normativen Funktion und der sprachlichen Form, die benutzt werden muss um das Konstrukt anzuwenden. Daher glaube ich dass das „Regelfolgen“ als eine Art Erfolgsindikator angesehen werden kann, da es diesen Unterschied zwischen glauben, dass man einer Regel folgt, und ihr wirklich zu folgen, mit einspannt. Entscheidend ist doch, dass es einen Unterschied macht ob ich einer Regel folge oder ob ich vielmehr durch mein bloßes Handeln in Übereinstimmung mit der Regel, die Gesetzmäßigkeit verstanden habe. Hierzu eignet sich das Beispiel aus den PU 143[2] mit dem Niederschreiben von Reihen. Der B hat in diesem Beispiel, zwei mögliche Reaktion, zum einen kann er die Zahlen die er schreiben soll „regellos“ – wirr durcheinander – nachschreiben. In diesem Falle hat er einen regellosen Fehler gemacht, denn er hat nicht verstanden, dass er die Zahlen in einer bestimmten Reihenfolge aufschreiben soll. Anderseits kann der Schüler B auch so reagieren wie im Beispiel, dass er nur jede zweite Zahl aufschreibt. Dann sprechen wir von einem systematischen Fehler – er hat, zwar nicht ganz unserem Willen, durch sein Handeln eine logische Kette aufgebaut uns gezeigt, dass er die Regel zum Teil verstanden hat und somit auch ein Lernprozess eingetreten ist.

[...]


[1] Philosophische Untersuchungen aus ders. Werkausgabe in 8 Bänden, Band 1: Tractatus logico-philosophicus, Tagebücher 1914-1916, Philosophische Untersuchungen (StW501), Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1984,

[2] vgl. PU143 S.312

Details

Seiten
6
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638172950
Dateigröße
341 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11027
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Philosophische Fakultät
Note
1
Schlagworte
Ludwig Wittgenstein Philosophische Untersuchungen Philosophie Sprachphilosophie

Autor

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Titel: Ludwig Wittgenstein - §§ 138-155, 179-192 der Philosophischen Untersuchungen