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Ludwig Wittgenstein - §§ 1 der Philosophischen Untersuchungen - das Augustinische Bild der Sprache

Essay 2002 7 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Wittgenstein erläutert in seinem Werk der Philosophischen Untersuchungen am Beispiel eines Zitat von Augustinus, ein klassisches und pragmatisches Bild der Spracherlernung eines Kindes. Nach Augustinus Auffassung lernt das Kind die Sprache, indem es Gegenstände, auf welche die Eltern, in Form von Gebärden und Mimik hinweisen, mit den dazugehörigen Lauten bzw. Wörtern zu verbinden und diese dann in der richtigen Kombinatorik zu verwenden. Die Mimik und Gestik wird in diesem Falle als Koppelinstrument verwendet. Der Vorteil der Verwendung von Gestik und Mimik scheint mir, genau wie auch Augustinus, passend bzw. die einzigste Möglichkeit, da sie eine Sprache der Gefühle ist und Ausdrucksform von Empfindungen. Augustinus bezeichnet diese als die Ursprache aller Völker, wobei ich glaube, dass dies aufgrund der „Wortlosigkeit“ dieser Kommunikation auch zutrifft, da Worte ein, durch den Menschen entwickeltes Medium sind, welches den natürlichen Irrtümern und Denkverwirrungen des menschlichen Verstandes aufheben. Viele Gefühlszustände werden auf der ganzen Welt auf gleiche Art und Weise dargestellt und sind unabhängig von unterschiedlichen kulturellen Strömungen. Trotzdem werden Laute, also Sprache, benutzt da diese sich den jeweiligen Geflogenheiten und Strömungen des jeweiligen Umfeldes anpasst und einfach nur genauer differenziert.

Das bedeutet, dass Wörter der Sprache Gegenstände benennen, welche eigentlich auch in Form von Gestik und Mimik dargestellt werden könnten. Aber aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten dieser wortlosen Kommunikation sieht sich der Mensch gezwungen auf Worte bzw. Sprache zurückzugreifen. Daraus leite ich ab, dass es sich bei dem gesprochenen Wort um eine „Weiterentwicklung“ der Gebärdensprache handelt, nur um der Pragmatik willen. Somit müssten Sätze wohl auch Verbindungen solcher Bezeichnungen sein. Es stellt sich jedoch die Frage ob das bloße Benennen von Gegenständen ausreicht, um eine Sprache zu sprechen und den Sinn des Wortes zu verstehen. Im Augustinischen Bild der Sprache ist die Bedeutung dem Wort zugeordnet. Sie ist der Gegenstand, für welches das Wort steht. So lernt das Kind nach Augustinus zunächst Gegenstände kennen, welche sich in seinem Umfeld befinden, welche durch Gestik klar definierbar sind. Eigentlich müsste man ja dann auch Empfindungen, welche relativ einfach darzustellen sind, dem Kind durch Gestik und Mimik verdeutlichen können. Doch ist dies denn möglich? Ich möchte meine Meinung kurz am Beispiel der Gestik „Lachen“ erläutern auch wenn ich mir im klaren bin, dass dies kein Gegenstand ist, welcher durch die „Spracherlernung“ nach Augustinus angesprochen wird. Nehmen wir an dass die Eltern dem Kind zulachen und dazu das Wort „Lachen“ benutzen. Und nehmen wir weiterhin an, dass das Kind auch versteht das die Eltern mit ihrem Laut diese Mimik meinen (denn dies ist nicht gerade sehr leicht realisierbar). dann ist doch immer noch die Frage, ob das Kind auch weiß, wann dieses Lachen anzuwenden ist bzw. wann diese Mimik anzuwenden ist bzw. angewandt wird. Muss man daher nicht erst einmal wissen bzw. die Erkenntnis erlangt haben, dass man aufgrund von Glück lachen kann? Das Kind ist meiner Meinung nach noch nicht in der Lage die Logik zu entwickeln um nur aufgrund des Lachen zu wissen, dass es sich hierbei auch wirklich um Glück handelt. Die Kombination von Gefühlen wie „Glück“, welches nicht darstellbar ist, da es sich ja auf einer psychischen Ebene entwickelt, und den dazu passenden Ausdrucksformen wie zum Beispiel das „Lachen“ kann ein Kind nicht verstehen, da es eben diesen Zusammenhang nicht kennt. Das Sprachbild von Augustinus beinhaltet keine erweiterte Kombinatorik bzw. Logik welche dies näher erläutert oder erklärt. Außerdem geht Augustinus kein bisschen darauf ein wie sich das Kind Verben, Adverben, Adjektive etc., welche im Sprachgebrauch verwendet werden aneignet. Wittgenstein kritisiert dies anhand eines Beispiels der Verwendung von Sprache: Jemand wird mit einem Zettel, auf dem ,,fünf rote Äpfel" geschrieben steht, zum Kaufmann geschickt. Der Kaufmann erkennt dass es sich um die Farbe Rot handeln muss und öffnet die Lade, auf der das Zeichen für Äpfel steht und nimmt, indem er die Zahlen bis fünf aufsagt, bei jeder Zahl einen Apfel heraus. Die Bedeutung des Wortes ,,Apfel" ist hier noch durch die einfache augustinische Kombinatorik des Wortes „Apfel“ mit dem Objekt erklärbar: das Zeichen für Äpfel bezeichnet unmittelbar den Gegenstand Apfel. Das gleiche gilt für die Farbe Rot. ,,Was ist aber die Bedeutung des Wortes ,fünf` " fragt Wittgenstein am Ende von §1. Für ,fünf` gibt es keinen Gegenstand, der auf dieses Zeichen verweist, der ihm konkrete zugewiesen werden kann. Die Eltern können dem Kind dieses Wort nicht in Verbindung mit einem Objekt darstellen oder einer Gestik.machen welche ein Äquivalent dazu darstellt. Wenn sie die Finger benutzen würden, würde das Kind höchstwahrscheinlich, die fünf Finger mit dem Wort „Fünf“ assoziieren. Es ist ein Wort, welches sehr pragmatisch ist und nur mit Hilfe spezifischer pragmatischer Erkenntnisse, wie halt die Logik der Zahlen, verstanden werden kann. Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass Worte, wie ich auch schon am Anfang meines Essays erläutert habe, nur ein vom Menschen geschaffenes Äquivalent für ein bestimmtes Objekt ist. Da aber jedes Objekt, immer wieder anders interpretiert werden kann, haben wir das Problem, dass die Bedeutung eines Wortes in dem Gebrauch der Sprache liegt. Auch Wittgenstein möchte mit seinem Beispiel dieses Manko darstellen. Wittgenstein hat diese Auslegung des Sinnes oder auch der Hermeneutik eines Wortes zu seinem Hauptargument gegen die Thesen Augustinus gemacht.

„In den Philosophischen Untersuchungen setzt sich Wittgenstein mit verschiedenen Bedeutungstheorien auseinander,...;er wendet sich dabei gegen drei Auslegungen des Bedeutungsphänomens, und zwar dagegen, dass a) die Bedeutung mit dem bezeichneten Gegenstand, dass b) die Bedeutung mit dem psychischen Gebilde und dass sie c) mit einer idealen Entität identisch sei.“[1]

[...]


[1] Ernst Konrad Specht , Die sprachphilosophischen und ontologischen Grundlagen im Spätwerk Ludwig Wittgensteins, Köln 1963

Details

Seiten
7
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638172974
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11029
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Philosophische Fakultät
Note
3
Schlagworte
Ludwig Wittgenstein Philosophischen Untersuchungen Augustinische Bild Sprache Philosphische Text-Pro-Seminar

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Titel: Ludwig Wittgenstein - §§ 1 der Philosophischen Untersuchungen - das Augustinische Bild der Sprache