Lade Inhalt...

,,Nur Personen haben ein Recht auf Leben" - Inwiefern argumentiert Peter Singer in der Tradition des Utilitarismus?

Hausarbeit 2006 11 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Biographie - Peter Singer

Peter Singer - Aussagen und Thesen

Utilitarismus

Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Einleitung:

Peter Singers Aussage, dass nur Personen ein Recht auf Leben haben ist eine sehr kontroverse und hat für einigen Wirbel gesorgt. Denn gerade die damit verbundene Abtreibungsproblematik ist immer wieder Kern vieler moralischer, ethischer, politischer und damit auch rechtlicher Diskussionen. Vielfach werden seine Aussagen in die Nähe des ,,Euthanasieprogramms" der Nationalsozialisten gerückt und Behinderte fühlen sich bedroht.

Im Folgenden soll also erörtert werden in wie weit er damit in der Tradition der Utilitaristen argumentiert. Dazu werde ich erst auf Peter Singer und seine Aussagen und Thesen eingehen, danach auf den Utilitarismus. Anschließend werde ich versuchen die Frage im Titel dieser Arbeit zu beantworten.

Biographie - Peter Singer

Peter Albert David Singer wurde 1946 in Melbourne geboren. Seine Eltern stammten aus Wien, die Österreich 1938 Richtung Australien verließen, weil sie Juden waren. Er studierte an der Universität von Melbourne, sowie in Oxford.

Als Professor für Philosophie lehrte er an der New York University, in Oxford, sowie an der La Trobe University und an der Monash University in Melbourne. Derzeit lehrt er an der Princeton University. Bekannt wurde Peter Singer durch Publikationen im Bereich Tierschutz und Euthanasie, vor allem durch sein Buch ,,Animal Liberation". In diesem Buch stellt er seine Ansichten zum moralischen Status von Tieren dar und gilt damit als ,,Begründer der modernen Tierethik"[1] Er setzt sich auch stark für den Schutz von Tieren ein, beispielsweise ist er der Ansicht, dass der Vegetarismus ,, die einzig moralisch zu vertretende Lebensweise sein kann"1

Weiterhin schrieb er die Bücher ,,Democracy and Disobedience", ,,Practical Ethics", ,,The Expanding Circle", ,,Marx", ,,Hegel", ,,How are they to live", sowie Animal Factories" u.v.a. Darüber hinaus ist er für die Enzyklopädie ,,Britannica" Autor einiger Artikel, die sich mit Ethik befassen. Außerdem ist er Mitherausgeber der Zeitschrift ,,Bioethics" und der Präsident von ,,Animal Rights International.[2]

Umstritten sind vor allem seine Ansichten zum Umgang mit behinderten Menschen in Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbruch. Denn seiner Ansicht nach ist bei bestimmten Behinderungen das Töten von Neugeborenen ethisch durchaus zu rechtfertigen.

Peter Singer - Aussagen und Thesen

Nach Ansicht Peter Singers ist eine Abtreibung ethisch zu rechtfertigen. Damit ist für ihn das menschliche Leben nicht unantastbar, womit er eine ziemlich kontroverse These aufstellt. Für ihn ist ein Leben erst unantastbar, wenn sich das Selbstbewusstsein entwickelt hat. Das geschieht laut Singer innerhalb der ersten sechs Monate nach der Geburt. Dann erst ist ein Mensch auch eine Person. Er stellt damit eine strikte Trennung zwischen Mensch und einer Person auf.3 Daher lehnt es Singer auch ab, dass das Leben von Angehörigen unserer Gattung, dem von Angehörigen anderer Gattungen übergeordnet wird. Seiner Ansicht nach sind diejenigen Lebewesen höhergestellt, die Personen sind. Beispielsweise wäre es weitaus schlimmer einem vollständig gesunden Affen das Leben zu nehmen, als einem Menschen, der aufgrund einer schweren geistigen Behinderung keine Person sein kann. Entscheidend für das Recht auf Leben ist also, ob man den Status einer Person hat, oder nicht. Allerdings kann nicht jedes Lebewesen eine Person werden. Für Singer sind zum Beispiel Fische niemals Personen, Vögel eher auch nicht, aber Säugetiere wahrscheinlich schon, genauso wie der Mensch und andere menschenähnliche Wesen (Affen). Folglich kann man drei Kategorien von Lebewesen aufstellen. Zum einen Lebewesen ohne Bewusstsein, Lebewesen mit Bewusstsein, aber ohne Selbstbewusstsein und zu guter letzt Lebewesen mit Selbstbewusstsein, die Peter Singer etwas eigenwillig als Personen bezeichnet.[3]

Für die Problematik der Abtreibung bedeutet das nun wieder, dass zum Beispiel in Frage zu stellen ist, weshalb ein Fötus innerhalb des Mutterleibs weniger Rechte besitzt, als ein Frühgeborenes Kind zum gleichen Zeitpunkt. Peter Singer meint also, dass Neugeborene ,, kein eigenes Recht auf Leben haben"[4] und man folglich auch nicht alles in seiner Macht stehende tun muss, um ein Baby am Leben zu erhalten. Die Tötung eines Neugeborenen wäre also bis zur Entwicklung des Selbstbewusstsein möglich. Doch hier schränkt Peter Singer - aus welchen Gründen auch immer - das Zeitfenster auf etwa einen Monat nach der Geburt ein. Wenn sich innerhalb dieser Zeit niemand für das Kind die Verantwortung übernehmen will, muss der Staat einspringen. Zieht der es jedoch vor dies nicht zu tun, können Ärzte und Eltern die Entscheidung fällen, ob ihr Kind am Leben bleiben soll, oder nicht.

Jedoch spricht Peter Singer nicht nur Neugeborenen bis zum einem bestimmten Zeitpunkt das Selbstbewusstsein ab, sonder auch schwer geistig behinderten Menschen, sowie senilen Menschen3. Müssen sich jetzt also behinderte Menschen sorgen um ihr Leben machen? Singer verneint dies und sagt, wenn sie in der Lage wären sich durch seine Thesen bedroht zu fühlen, müssten sie genau das nicht tun. Denn nur wer nicht begreifen kann, dass er am Leben ist muss sich durch Singer bedroht fühlen (was er natürlich nicht kann).4 Daher sind die Proteste von Behinderten anscheinend unbegründet.

Utilitarismus

,, Die Erhebung der Nützlichkeit zum Bewertungskriterium der sittlichen Qualität einer Handlung (Nützlichkeitsprinzip). Entscheidend ist dabei ihr Beitrag zum größtmöglichen Glück für die größtmögliche Anzahl von Menschen (Sozialeudemismus)"[6]

Diese Richtung der Ethik wurde von den Philosophen Jeremy Bentham und John Stuart Mill während des Übergangs zum Industriezeitalter begründet. Geprägt ist der Utilitarismus durch eine ,, materialistische Wirklichkeitsauffassung und eine empiristische Grundhaltung"[7]. Das Ziel einer nach utilitaristischen Gesichtspunkten getroffenen Entscheidung ist, dass der größtmögliche Nutzen für die größtmögliche Anzahl (siehe Lexikoneintrag oben). Um dieses zu erreichen, müssen vier Grundprinzipien beachtet werden. Nämlich das Konsequenzprinzip, das hedonistische, das universalistische und das Utilitätsprinzip.[8]

Allerdings spaltet sich der Utilitarismus auf, in den klassischen Utilitarismus und modernere Auffassungen. Zum klassischen Utilitarismus gehören die Richtungen des Handlungsutilitarismus und des Regelutilitarismus. Laut Handlungsutilitarismus muss für jede einzelne Handlung die Folgen bedacht wird. Man verlässt sich damit in Gegensatz zum Regelutilitarismus nicht auf bestehende, allgemeine moralische Regeln, sondern muss in jeder Situation neu abwägen. Wie bei einer weiteren Art des Utilitarismus, dem hedonistischen Utilitarismus, definiert der klassische Utilitarismus Nutzen als die Maximierung von Lust bzw. Glück.6 [9]

Ein neuerer Ansatz ersetzt diese schwammige Definition des Nutzens durch Präferenzen. Eine Handlung ist gemäß des Präferenzutilitarismus richtig, wenn sie den Präferenzen eines Wesens entspricht, ohne das die Präferenzen eines anderen verletzt werden. Konkret heißt das zum Beispiel, dass man keine Person töten dürft, denn damit wäre die Präferenz dieser Person, dass sie weiterleben möchte, missachtet.

Zusammenfassung

Argumentiert Peter Singer mit seinen Aussagen zum Recht auf Leben nun in der Tradition der Utilitaristen, oder nicht. Laut seiner Argumentation haben diejenigen Wesen das Recht auf Leben, deren Interesse es ist weiterzuleben. Aufgrund diesem Fundament spricht er Neugeborenen das Recht auf Leben ab, da man annimmt, dass sie ein solches Interesse aufgrund ihres Entwicklungsstadiums noch gar nicht entwickeln können. Der Utilitarismus besagt nun, dass man so handeln muss, das die Handlung von größtmöglichem Nutzen für alle Beteiligten sein muss. Singer macht sich hier für seine Aussagen zunutze, dass Neugeborene noch gar nicht wissen können, was ihnen von Nutzen ist. Sie haben noch nicht die Präferenz weiterzuleben. Damit ist Peter Singer eigentlich der Begründer einer neuen Richtung des Utilitarismus, dem Präferenzutilitarismus. Nicht mehr der größtmögliche Nutzen ist das Ziel, sondern die Erfüllung der Präferenzen eines Individuums. Man könnte also sagen, dass Singer die Ideen des Utilitarismus weiterdenkt und weiterführt, er aber nicht direkt in der Tradition der Utilitaristen argumentiert, sondern den Utilitarismus als Grundlage für seine Argumentation sieht. Er fügt sozusagen einen weiteren Aspekt zum Utilitarismus hinzu.

Ich selbst halte diesen Ansatz für geeignet um sich so schwierigen Themen wie Abtreibung und Sterbehilfe zu nähern. Die Frage nach den Präferenzen eines Individuums und ob es diese überhaupt haben kann, erfüllt meiner Ansicht nach die Anforderungen für eine moralisch gute und richtige Handlung. Sicherlich kann man Singers Aussagen leicht in die Nähe Nazis zu rücken, die jedoch keinerlei moralische Maßstäbe ansetzten, sondern behinderte Menschen ganz einfach auf Grund ihrer Behinderung umbrachten. Peter Singer wird diesem wahllosen Morden ganz sicher nicht gerecht, stellt er doch klar die nachvollziehbaren Begründungen für das Töten von schwerbehinderten Neugeborenen dar.

Quellenverzeichnis

Internet: http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/phg/13442.html ; 18.12.2006

http://www.heise.de/bin/tp/issue/r4/dl-artikel2.cgi?artikelnr=2017&zeilenlaenge=72&mode=html; 18.12.2006 http://www.phillex.de/utilitar.htm; 18.12.2006

http://www.princeton.edu/~psinger/faq.html; 18.12.2006

http://www.princeton.edu/~psinger/note.zip; 18.12.2006

http://www.project-syndicate.org/series/31/description/2; 18.12.2006

http://www.psychophilo.at/content/philo/ethik.html; 18.12.2006

http://www.vegan.at/vgoe/buecher/tierrechte/singer_pe.html 18.12.2006 http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Singer; 18.12.2006

Cover-Bild:

http://www.princeton.edu/~psinger/preview_of_photo.jpg; 18.12.2006

Literatur:

Nink, Hermann (Hrsg.): Standpunkte der Ethik, Paderborn 2005,

Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co KG (Hrsg.): Das Lexikon. Mit dem besten aus der Zeit, Hamburg 2005

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Singer; 18.12.2006

[2] http://www.princeton.edu/~psinger/note.zip; 18.12.2006

[3] http://www.vegan.at/vgoe/buecher/tierrechte/singer_pe.html; 18.12.2006

[4] Nink, Hermann (Hrsg.): Standpunkte der Ethik, Paderborn 2005

3 http://www.vegan.at/vgoe/buecher/tierrechte/singer_pe.html; 18.12.2006

4 Nink, Hermann (Hrsg.): Standpunkte der Ethik, Paderborn 2005

[6] Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co KG (Hrsg.): Das Lexikon. Mit dem besten aus der Zeit, Hamburg 2005

[7] http://www.psychophilo.at/content/philo/ethik.html; 18.12.2006

[8] Nink, Hermann (Hrsg.): Standpunkte der Ethik, Paderborn 2005

[9] http://www.phillex.de/utilitar.htm; 18.12.2006

Details

Seiten
11
Jahr
2006
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110527
Note
13 Punkte
Schlagworte
Personen Recht Leben Inwiefern Peter Singer Tradition Utilitarismus

Autor

Teilen

Zurück

Titel: ,,Nur Personen haben ein Recht auf Leben" - Inwiefern argumentiert Peter Singer in der Tradition des Utilitarismus?