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Der Einfluss der Globalisierung nach Becks "Risikogesellschaft" und den "Grenzen der Globalisierung" von Altvater und Mahnkopf

Examensarbeit 2005 22 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
Problembeschreibung
Forschungsfragen

2. Einflüsse der Globalisierung nach Ulrich Beck
Individualisierung
Die Veränderungen von Arbeit und Politik in der Risikogesellschaft

3. Einflüsse der Globalisierung nach Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf

4. Vergleich

5. Resümee

6. Literatur

1. Einleitung

1.1. Problembeschreibung

Über die großen Veränderungen und Umbrüche, welche die Welt(-gesellschaft) in den letzten Jahren durchlebt hat und nach wie vor erlebt, ist in jüngerer Vergangenheit in fast allen wissenschaftlichen Disziplinen viel nachgedacht, analysiert und geschrieben worden. Die Naturwissenschaft, welche die Verschwendung der natürlichen Ressourcen thematisiert und Alternativen wie Solar- und Windenergie erforscht, die Wirtschaftswissenschaft, die, je nach Richtung bzw. Schule, gegen oder für eine Regulierung der globalen Ökonomie plädiert, die Religionswissenschaft, welche die Bedeutung der Spiritualität (u.a. anhand der wachsenden Bedeutung der Esoterik) als Konstante für die Menschen in einer immer schnelllebigeren Lebens-, Arbeits- und Konsumwelt erkannt hat, sie alle beschäftigen sich mit Aspekten der Globalisierung. Doch abgesehen von den oben genannten Teilbereichen und den technischen Innovationen, die in alle Lebensbereiche hineinwirken bzw. deren Geschwindigkeit diese Veränderungen erst ermöglicht haben, stellt sich die interessante Aufgabe, nach den daraus resultierenden Umbrüchen bzw. den Bedingungen solcher Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft zu suchen.

In dieser Arbeit soll anhand einiger Beispiele der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich die traditionellen Beziehungen und Institutionen durch den Einfluss der Globalisierung und der zunehmenden Individualisierung verändern bzw. zur Gänze auflösen. Anhand von zwei Klassikern der postmodernen soziologischen Theorien, nämlich den Büchern „Risikogesellschaft“ von Ulrich Beck und „Grenzen der Globalisierung“ von Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf, werden Transformationen analysiert, die Sichtweisen der Autoren nachgezeichnet und diese anschließend gegenüber gestellt.

1.2. Forschungsfragen

Wie sieht der Soziologe Ulrich Beck die Auflösung von traditionellen Beziehungen und Institutionen in Bezug auf Arbeit und Politik und inwieweit verknüpft er sie mit seiner Diagnose der zunehmenden Individualisierung? Welche neuen Formen, die einen Teil der alten Formen ablösen, erkennt er?

Wie sehen die Autoren Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf die Einflüsse der Globalisierung auf den Staat, die Arbeit und die Politik?

Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen den zwei Diagnosen und wodurch unterscheiden sie sich? Befinden die Autoren die analysierten Entwicklungen als positiv oder negativ? Bieten die Autoren Ausblicke in die Zukunft oder Lösungsvorschläge an?

2. Einflüsse der Globalisierung nach Ulrich Beck

2.1. Individualisierung

Um auf die Diagnose von Ulrich Beck eingehen zu können, muss zu Beginn der Begriff der Individualisierung und die Interpretation des Autors dazu näher beleuchtet werden.

Laut dem Etymologischen Wörterbuch von Kluge leitet sich das Wort vom lateinischen „Individuum“ ab, welches seine Wurzel wiederum im griechischen Vokabel „atomos“ hat und in seiner ursprünglichen Bedeutung „Das Unteilbare“ bedeutet (vgl. das Atom). In der Philosophie der Stoa bezeichnete „Individuum“ zunächst das Existierende, welches nicht mehr geteilt werden kann, ohne seine Eigenart zu verlieren. In der Renaissance und im Humanismus wurde es zur Bezeichnung des menschlichen Einzelwesens, bis es schließlich die heutige Bedeutung, also das Einzelwesen im Gegensatz zur Gesellschaft, erlangte (vgl. Kluge, 2002, S.438).

Für Beck ist Individualisierung keineswegs ein Phänomen der Neuzeit, sondern sie beschreibt bestimmte „ subjektiv-biographische Aspekte des Zivilisations­prozesses “ (Beck, 1986, S.206), wobei der Autor besonders die Zeit der Industrialisierung und Modernisierung für seine Analyse heranzieht. Er entwirft das Modell einer dreifachen Individualisierung, die sich wie folgt zusammensetzt: Zuerst erfolgt die Herauslösung aus traditionellen Lebenslagen und sozialen Bindungen, die Beck als die „Freisetzungsdimension“ bezeichnet. Als „Entzauberungsdimension“ beschreibt er den anschließenden Verlust der traditionellen Sicherheiten in Bezug auf Glauben, Handlungswissen und Normen, der schließlich in eine neue Art der sozialen Einbindung mündet („Reintegrationsdimension“). Daraus lässt sich bereits erkennen, dass der Autor Individualisierung eher als gesellschaftsgeschichtliche Kategorie versteht und weniger unter dem Aspekt der Einmaligkeit bzw. der Emanzipation. Sein Forschungsinteresse gilt deshalb in erster Linie der Biographieforschung und der Veränderung in den Lebensläufen, die durch die neuen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt, in den Bildungssystemen usw. ausgelöst werden (vgl. Beck, 1986, S.207).

Kritisch betrachtet Beck, wie Individualisierung unter den Rahmenbedingungen eines Vergesellschaftungsprozesses beeinflusst wird.

Die traditionellen (Herrschafts-)Beziehungen, aus denen das Individuum herausgelöst wird, werden von den Zwängen des Arbeitsmarktes und der Kosumwelt ersetzt, die wiederum eine Vielzahl von Standardisierungen und Kontrollen beinhalten. Diese „sekundären Instanzen und Institutionen “ (Beck, 1986, S.211) prägen die Lebensläufe der Menschen, indem sie von Moden, Verhältnissen und Markt­entwicklungen abhängig werden und dadurch „ institutionelle Lebenslaufmuster “(Beck, 1986, S.211) annehmen, was Beck zu folgender Schluss­folgerung bringt: „Individualisierung bedeutet Marktabhängigkeit in allen Dimensionen der Lebensführung“ (Beck, 1986, S.212).

Ein weiterer Aspekt der Individualisierung wurzelt in der oben genannten Freisetzungsdimension. Die Herauslösung der Biographie aus traditionellen sozialen Vorgaben bewirkt, dass diese durch Entscheidungen gestaltet und durch das eigene Handeln bestimmt werden können, was Ulrich Beck mit dem Begriff „selbstreflexiv“ beschreibt. (vgl. Beck, 1986, S.216) So ergeben sich zahlreiche wählbare Kombinationsmöglichkeiten, die jedoch wiederum nicht für alle gleich vorhanden sind und das eigene Ich unweigerlich in den Mittelpunkt rücken. Die Ich-Zentrierung des Weltbildes ist daher die Voraussetzung für ein erfolgreiches Überleben.

2.2. Die Veränderungen von Arbeit und Politik in der Risikogesellschaft

Allgemein kann festgehalten werden, dass Arbeit den wichtigsten Aspekt der Lebenssicherung und den Zugang zu gesellschaftlicher Anerkennung darstellt, wobei der Arbeitsmarkt wiederum (Aus-)Bildung voraussetzt. Entscheidend für eine Partizipation an der Gesellschaft wird demnach der Zugang zu Bildung und Lehr- bzw. Lernmöglichkeiten, die, wenn sie Personengruppen vorenthalten werden, diese ins gesellschaftliche Abseits drängen. (vgl. Beck, 1986, S.214) Da sich Institutionen der Verwaltung jedoch an standardisierten Arbeitsbiographien orientieren, die in der Realität immer weniger häufig vorkommen, ergeben sich zwangsläufig auch Probleme für die sozialen Sicherungssysteme. (vgl. Beck, 1986, S.215)

Die Zahl jener, die den Einstieg ins Berufsleben nicht mehr oder nur sehr schwer schaffen, steigt kontinuierlich, was somit der ursprünglichen Idee, also der mehr oder weniger kurzen finanziellen Kompensation während der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, widerspricht. Eine große Menge an Personen, die über einen längeren Zeitraum keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, wird demnach in Zukunft nicht mehr von diesen Systemen ausreichend versorgt werden können. (vgl. Beck, 1986, S.215)

Die Bedeutung der Erwerbsarbeit sieht Beck in ihr selbst begründet und erkennt darin die „ Achse der Lebensführung. “ (Beck, 1986, S.220) Gemeinsam mit der Familie bildete sie in der Industriegesellschaft das zweipolige Koordinatensystem der menschlichen Existenz, an dem sich das restliche Leben, sofern es innerhalb der Normalbiographie verlief, orientierte. (vgl. Beck, 1986, S.220) Als Beispiel bringt der Autor das „Alter“ ein, welches dadurch definiert wird, dass die Person nicht mehr arbeitet, also in Pension ist.

Der Beruf dient auch als eine Art Schablone für die gegenseitige Identifikation, da sich anhand des Berufes des Gegenübers Rückschlüsse auf Einkommen, sozialen Status und Fähigkeiten ziehen lassen. Ebenso wie die Familie sind die traditionellen Formen und Sicherheiten der Erwerbsarbeit im Schwinden begriffen, wodurch ein bedeutender Wandel in der Gesellschaft ausgelöst wird bzw. sich derzeit vollzieht. Zu diesem Schluss kommt auch Andre Gorz, der in seinem Beitrag „Exodus aus der Arbeitsgesellschaft“ schreibt: „ Deshalb müssen wir den Mut aufbringen, den Exodus aus der Arbeitsgesellschaft zu wagen. Sie besteht nicht mehr und kehrt auch nicht wieder zurück.“ (Gorz, 2002, S.135)

Zwei weitere problematische Entwicklungen, die in unserer Zeit sehr viel weiter vorangeschritten sind und bereits als normal vorausgesetzt werden, beschrieb Ulrich Beck schon im Jahr 1986 in seinem Buch „Risikogesellschaft“. Zum einen erkannte er, dass die Umstellung von Betrieben auf informationstechnologische Verfahren auf Kosten von Arbeitsplätzen in den nächsten Jahren massiv vorangetrieben werde, zum anderen stellte er die Kontinuität von Arbeitsbiographien infrage. Die Standardisierungen in den Dimensionen der Arbeit (Arbeitsvertrag, Arbeitszeit und Arbeitsort) werden durch die Entwicklung aufgeweicht und verändern sich zunehmend in flexible und plurale Formen von Beschäftigungsverhältnissen. (vgl. Beck, 1986, S.224)

In Bezug auf die Arbeitspolitik merkt Beck an, dass die Annahme „um die Arbeitslosigkeit zu senken muss nur die Wirtschaft belebt werden“ ein Trugschluss ist und belegt dies mit dem Beispiel der Deutschen Industrie, die Anfang bis Mitte der 1980er Jahre zwar den Umsatz vergrößerte, zugleich aber Personal abgebaut hat. (vgl. Beck, 1986, S.229)

Zusätzlich zu den Problemen, die mit der Verbreitung der Automatisierung entstehen, wächst der Druck auf die Arbeitnehmer, mit den Flexibilisierungen der Arbeitszeit und mit neuen Formen der Arbeit, wie Teilzeitarbeit, geringfügige Beschäftigung und freie Mitarbeit, umzugehen. Diese Neuerungen ermöglichten es den Betrieben und Firmen, den Kündigungsschutz zu umgehen und eine Vielzahl an fragilen Beschäftigungs­verhältnissen zu etablieren, die, damals erst im Entstehen begriffen, heute bereits weit verbreitet sind. (vgl. Beck, 1986, S.234) Die Fragmentierung von Jobs, die sich auch in ihrer Netzwerkstruktur ausdrückt und die durch das so entstehende Fehlen langfristiger Bindungen begünstigt wird, ist eines der Hauptmerkmale von Flexibilisierung. (vgl. Sennett, 2000, S.79)

Ebenso, wie jeder Bürger in seiner Biographie mit Zeiten der Arbeitslosigkeit konfrontiert wird, erkannte Beck in seinem Buch bereits das Potential der Teilzeitarbeit, die ihren Platz zwischen Vollbeschäftigung und Arbeitslosigkeit einnimmt. Allerdings, so der Autor, entsteht dadurch auch für die Politik Handlungs­bedarf. Wenn sich diese Entwicklung ohne Um- und Ausbau der sozialen Sicherungssysteme vollzieht, droht weiten Teilen der Bevölkerung ein Leben knapp über oder unter der Armutsgrenze. Eine andere Möglichkeit sieht Beck in einem auch heute wieder aktuellen Vorschlag: „ Mit der Schaffung eines rechtlich abgesicherten Mindesteinkommens für alle könnte der Entwicklung ein Stück Freiheit ab gewonnen werden.“ (Beck, 1986, S.236)

Die Veränderungen, die sich aufgrund der Neuerungen und dem Gewinn an Gestaltungs­macht im technischen und ökonomischen Sektor vollziehen, stellen die Politik vor neuen Aufgaben, für die sie bisher noch keine Lösungsstrategie gefunden hat. Den Systemwandel des Verhältnisses von Politik und Gesellschaft beschreibt Beck anhand des Bürgers, der einerseits an den Möglichkeiten zur demokratischen Partizipation teilnimmt und andererseits seine Interessen innerhalb der Wirtschaft und der Arbeit wahrnimmt. So erfolgt eine Ausdifferenzierung zwischen einem politisch-administrativen und einem technisch-ökonomischen System, welches dem Nichtpolitischen zugeordnet wird, obwohl es immer auch als Entscheidungs­grundlage für Ersteres dient. (vgl. Beck, 1986, S.301) Durch die wachsende Macht der Märkte, die zunehmend in das Feld der Politik hineinspielen, ergibt sich das Problem, dass nur mehr ein Teil der Entscheidungen, die für die Gesellschaft eine wesentliche Bedeutung haben, innerhalb demokratischer Gremien getroffen werden. Der andere Teil wird der öffentlichen Kontrolle entzogen und mittels informeller Gespräche abgewickelt.[1]

Den theoretischen Unterbau dazu liefert unter anderem die von Friedrich von Hayek beeinflusste „ökonomische Verfassungstheorie.“ Darin werden die Aufgaben des Staates auf wenige Punkte, wie die Sicherung der individuellen Freiheitsrechte, den Schutz des Privateigentums, die Verfügbarkeit einer geregelten Geldversorgung und die Garantie des freien Wettbewerbs, beschränkt. (vgl. Müller, 2002, S.44)

Die Diagnose der „Entgrenzung der Politik“ kann anhand von zwei Phänomenen festgemacht werden. Durch den Druck, der durch die von Bürgern wahr­genommen Rechte auf politische Partizipation entsteht, verliert die Politik Handlungs­spielräume, wobei sich der Verlust aufgrund von Interventionen der entstandenen Neuen Sozialen Bewegungen und Bürgerinitiativen noch weiter verstärkt. Andererseits verliert das technisch-ökonomische System deutlich sichtbar seinen apolitischen Charakter und gewinnt durch seine Legitimationspflicht „ eine neue politische und moralische Dimension.“ (Beck, 1986, S.304) Die Skepsis des Autors gegenüber dem aktuellen Trend, dass Unternehmen ihr Image durch Nachhaltigkeitsberichte und Programme zu Corporate Social Responsibility (CSR) aufzubessern versuchen, drückt sich bildhaft in folgendem Zitat aus: „ Wenn man so will, kann sagen, der Teufel der Ökonomie muss sich mit dem Weihwasser der öffentlichen Moral besprengen und muss sich einen Heiligenschein von Natur- und Sozialfürsorglichkeit zulegen.“ (Beck, 1986, S.305)

Obwohl dieser Vorbehalt im Rückblick verständlich ist, kann mittlerweile davon ausgegangen werden, dass zumindest ein Teil der Unternehmen ihre gesellschaft­liche und ökologische Gestaltungsaufgabe ernst nehmen. Dennoch entziehen sich nach wie vor viele gesellschaftlich bedeutsame Entscheidungen der Möglichkeiten eines demokratischen Zugriffs und müssen erst danach von der Politik gegenüber der Öffentlichkeit gerechtfertigt werden. So kommt der Politik mittlerweile der Status einer Rechtfertigungsinstanz für Entwicklungen zu, die sie selber nur bedingt mitgestaltet hat. Weitere Probleme bereitet die Tatsache, dass jene, welche hinter diesen Entscheidungen, die durchaus politischen Gehalt besitzen, stehen, über keine politische Legitimation verfügen. (vgl. Beck, 1986, S.305) Daraus ergibt sich für den Autor ein Bedeutungsverlust des parlamentarischen Systems, der durch die zunehmend komplexer werdenden gesellschaftlichen Verhältnisse forciert wird.

Eine weitere Folge des wachsenden Einflusses von außen auf politische Entscheidungen kann zum einen aufgrund der steigenden Verwendung von wissenschaftlichen Gutachten in der Politik festgestellt werden, zum anderen manifestiert er sich über den Bedeutungszuwachs diverser Verbände und Interessensgruppen.[2] Auch sie wirken an politischen Entscheidungen (zumindest) im Hintergrund mit und sind maßgeblich an der Willensbildung politischer Parteien beteiligt. (vgl. Beck, 1986, S.308)

Ein Problem, mit dem alle politischen Parteien zu kämpfen haben, ist das große Potential der Wechselwähler, die zu einem unkalkulierbaren Risiko für das politische Überleben geworden sind. Trotz der Versuche von Meinungs­forschungs­instituten, die von dieser Entwicklung finanziell sicherlich am meisten profitieren konnten, diese Situation in den Griff zu bekommen, ergeben sich dennoch bei jeder Wahl Überraschungen, die nicht vorhergesagt werden konnten.[3]

So ergibt sich für die Politik ein tief greifender Systemwandel in der Trennung von Politik und Nichtpolitik, der einerseits in dem Machtverlust, der durch die Wahrnehmung und Durchsetzung von Bürgerrechten zum Beispiel in Form von neuen sozialen Bewegungen und Initiativen begründet ist, der andererseits jedoch aus der oben beschriebenen Wanderung der Wirtschaft und Wissenschaft aus der Nichtpolitik in die Subpolitik resultiert. (vgl. Beck, 1986, S.311)

3. Einflüsse der Globalisierung nach Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf

Im Gegensatz zur heutigen Zeit, in welcher der globalisierte Weltmarkt die Ökonomien und somit die Politik der Staaten maßgeblich mitbestimmt, galt während der Phase der Industrialisierung und Modernisierung noch das Prinzip des souveränen Nationalstaats, der zwar Handel über seine Grenzen hinaus betreibt, aber den eigenen Wirtschaftsraum mittels verschiedener Maßnahmen auch schützen konnte. Grenzen hatten demnach nicht nur eine räumliche Bedeutung, sie markierten ebenso den Bereich, innerhalb dessen die Verwertung von Ressourcen, Gütern und Dienstleistungen erfolgt ist. (vgl. Altvater/Mahnkopf, 1996, S.375)

Durch den Druck der globalisierten Ökonomie können die Nationalstaaten ihre Monopolstellung zur räumlichen Ein- oder Ausgrenzung nur mehr bedingt aufrechterhalten, da diese die wirtschaftlichen Transaktionskosten steigern. Deshalb mussten sie einen Teil der politischen Kontrolle zugunsten des, nach dem Prinzip der Rationalität handelnden, Weltmarkts abgeben. Somit operieren die Staaten zunehmend nach dem der Logik des Standortwettbewerbs, was sich unter anderem durch Steuersenkungen bis hin zu Abgabenbefreiungen für Unternehmen, der Reorganisation der Wissenschaft nach dem Prinzip der ökonomischen Verwertbarkeit und den Privatisierungen von staatlichen Unternehmen ausdrückt. Die Deregulierungen werden mit damit begründet, dass die Aufgaben eines Staates, der im globalen Wettbewerb agiert, darin liegen, für ausreichend Energie und Ressourcen zu sorgen, wobei dazu auch die Bewohner und ihre Arbeitskraft zählen. Alle diese Ressourcen, die auch einen gewissen Wert besitzen[4], können jedoch auf der ganzen Welt zum jeweils günstigsten Preis ge- und verkauft werden, wodurch die Kosten ständig gesenkt und der Profit erhöht werden kann.[5] (vgl. Altvater/Mahnkopf, 1996, S.382)

Ein Aspekt dieser Entwicklung wird jedoch zunehmend problematischer. Einerseits forciert der globale Weltmarkt die Deregulierung staatlicher Kontrolle bzw. die Besinnung auf die wenigen Grundaufgaben, wie sie die „ökonomische Verfassungstheorie“ definiert (siehe oben), andererseits muss der Nationalstaat auch soziale Sicherungs­systeme zur Verfügung stellen, damit eine Gesellschaft, die naturgemäß eine gewisse Heterogenität besitzt, überleben kann. Es stellt sich also die Frage, wer diese Systeme in Zukunft noch finanzieren kann.

Die Auswirkungen der Globalisierung auf die Quantität, also die Menge an vorhandener Arbeit und Erwerbstätigkeit sehen die Autoren darin, dass ein globaler Weltmarkt und die darin involvierten transnationalen Unternehmen nicht ein Wachstum, sondern eher den Abbau von Beschäftigung zur Folge haben. Hier haben vor allem große Unternehmenszusammenschlüsse negative Effekte, da die Ziele von Umstrukturierungen entweder die Zerstückelung und der anschließende Verkauf sind, oder aber die Entlassung einer großen Anzahl von Mitarbeitern den Rationalisierungsmaßnahmen nachfolgt. (vgl. Altvater/Mahnkopf, 1996, S.262-263)

Auch bei Direktinvestitionen in ausländische Produktionsstandorte sind die Beschäftigungs­zuwächse nur gering bis negativ, da Arbeitsplätze eher innerhalb des Unternehmens umverteilt, anstatt neu etabliert werden. Selbst bei arbeitsintensiven Aktivitäten, von denen anzunehmen wäre, dass bei einer Auslagerung die Schwellen- und Entwicklungsländer vom Zuwachs an Arbeitsplätzen profitieren könnten, verfolgen Unternehmen eher die Strategie, durch höhere Investitionen in Produktionsanlagen den Bedarf an der Belegschaft geringer zu halten als bisher. So wird Arbeit trotz ihrer geringen Kosten durch Kapital ersetzt, um weitere Rationalisierungseffekte zu erzielen. (vgl. Altvater/ Mahnkopf, 1996, S.266)

Zusammenfassend halten die Autoren fest: „In der Regel erzielen alle Unternehmen im Ausland genau wie im Inland steigende Umsätze mit immer weniger Arbeitskräften.“ (Altvater/ Mahnkopf, 1996, S.267)

Neben dem Verlust von Arbeitsplätzen ergeben sich für die Industrieländer außerdem Probleme bezüglich der Qualität der Stellen, da auch Berufe mit hohen Qualifikations­­anforderungen durch die Möglichkeiten der Aufwertung eines Wirtschaftsstandortes[6] verlagert werden können und so der historische Anspruch auf die „guten Jobs“ schwindet. (vgl. Altvater/ Mahnkopf, 1996, S.268) In einigen Ländern mit niederem Lohnniveau sind hoch qualifizierte Arbeitskräfte, eine gute Infrastruktur und andere wichtige Faktoren vorhanden, wodurch der Konkurrenzdruck zwischen den Staaten um das beste Standortangebot natürlich steigt und auch so genannte Billiglohnländer zunehmendem Verdrängungs­wettbewerb aussetzt. (vgl. Altvater/ Mahnkopf, 1996, S.272)

Nun stellt sich die Frage, wer in den Industrieländern von dieser Entwicklung profitieren wird. Für Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf sind die Gewinner der Globalisierung auf jeden Fall die „Leistungsträger,“ die meist über einen Hochschulabschluss oder ein Diplom verfügen, in netzwerkartig organisierten (globalen) Teams an Strategien zur Lösung von Problemen arbeiten, Vermittlerfunktion haben und deren Dienste zudem weltweit gehandelt werden können. Der amerikanische Volkswirtschafter Robert B. Reich[7] bezeichnete diese Gruppe[8] als „Symbolanalytiker“ und beschreibt deren Tätigkeit folgendermaßen: „Symbol-Analytiker arbeiten oft allein oder in kleinen Teams, die mit größeren Organisationen, auch weltweiten Netzwerken, im Verbund stehen können. Teamwork ist oftmals ein entscheidender Faktor. (...) Wenn sie sich nicht gerade mit ihren Teamkollegen beraten, sitzen sie vor ihren Computerterminals, prüfen Wörter und Zahlen, bewegen und ändern sie, probieren neue Wörter und Zahlen aus, formulieren und testen neue Hypothesen, gestalten Designs und entwerfen Strategien.“ (Reich, 2002, S.152)

Der restliche Teil der Arbeitsgesellschaft, also die Gruppen der Personen, die hauptsächlich Routinearbeiten oder Routinedienstleistungen ausführen, geraten durch den wachsenden Konkurrenzdruck unter permanenten Zwang zur weiteren Qualifizierung. Ebenso steigt ihr täglicher Arbeitsaufwand als Folge der Rationalisierungs­maßnahmen ständig an, wodurch die unbezahlte Mehrarbeit zunimmt. Durch die starke Koppelung von Beruf (und dem daraus resultierenden Einkommen) mit dem wachsenden Anspruch auf Bildung verschlechtern sich die Chancen für ungelernte Arbeiter dramatisch.

Diese Entwicklung lässt darauf schließen, dass sich die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern der Globalisierung innerhalb der Nationen, aber auch zwischen den Staaten weiter vertieft. (vgl. Altvater/ Mahnkopf, 1996, S.272-273)

Wie bereits weiter oben erwähnt, bestimmten in der Vergangenheit national­staatliche Grenzen die Reichweite politischer Kontrolle gegenüber der Gesellschaft, der Umwelt und dem Markt.

Somit ist Souveränität an ein bestimmtes Territorium gebunden, wobei innerhalb dieses Territoriums politische Kongruenz herrscht. Hier befinden sich demnach einerseits die Entscheidungsträger und andererseits die Betroffenen der Entscheidungen, die Kontrollrechte, zum Beispiel in Form von Wahlen gegenüber den Entscheidungsträgern ausüben können. Die räumliche Kongruenz von Entscheidung und Kontrolle ist demnach die Grundlage für das klassische demokratische System, jedoch nur, solange den politischen Prozessen eine gewisse Relevanz innewohnt. Für die Autoren löst sich diese Konstellation aber zunehmend auf, wobei sie den Verlust an Demokratie, wie auch bereits zuvor Ulrich Beck, darauf festmachen, dass „ Entscheidungen aus der politischen Verantwortung entlassen und privaten Mächten überantwortet werden, die sich nicht mehr gegenüber einem Wahlvolk zu verantworten haben.“ (Altvater/Mahnkopf, 1996, S. 543)

Die Räume der Wirtschaft sind demnach nicht mehr mit den Entscheidungen und Einflussmöglichkeiten der demokratisch legitimierten Vertreter von Nationalstaaten deckungsgleich. Durch diese Entwicklung erweitern sich jedoch die Möglichkeiten der Nicht-Regierungsorganisationen und der Neuen Sozialen Bewegungen, die versuchen, sozialen Ausgleich zu schaffen. (vgl. Altvater/Mahnkopf, 1996, S. 549)

Ein Ausgleich, der nötig erscheint, da die Logik der Ökonomie und des Wettbewerbs, gekoppelt mit finanziellen Ressourcen, zum neuen Paradigma der politischen und gesellschaftlichen Partizipation aufgestiegen sind und das Prinzip der Gleichheit aller Bürger zunehmend bedeutungslos wird. (vgl. Altvater/Mahnkopf, 1996, S. 119)

4. Vergleich

In beiden Werken tauchen einerseits zahlreiche ähnliche Ansätze in den Diagnosen auf, andererseits gibt es einige Entwicklungen, die Ulrich Beck zwar ansatzweise schon diagnostizierte, die sich aber in den zehn Jahren, die zwischen dem Erscheinen der beiden Bücher liegen, noch stark zuspitzten.

Zu gemeinsamen Diagnosen kommen die Autoren, wenn sie feststellen, dass sich die traditionellen Beziehungen, sei es nun in Bezug auf Herrschaft, Gesellschaft, Arbeit oder Familie, zunehmend auflösen, durch die Zwänge des Konsums bzw. Arbeitsmarkts ersetzt und in Folge von diesen abhängig werden.

Durch die Entgrenzung der Politik, also den Verlust von Handlungsspielräumen der politischen Institutionen, entziehen sich politische Entscheidungen immer mehr der demokratischen Kontrolle und wandern auf eine politische „Hinterbühne“, wobei Ulrich Beck, der zwar noch am Beginn dieser Entwicklung stand, dieses Phänomen bereits in seinen Grundzügen beobachten konnte. Im Jahr 1996, als E. Altvater und B. Mahnkopf zu einem ähnlichen Analyseergebnis kamen, konnten sie diese Beobachtung um die globale Komponente erweitern und diagnostizierten daher eine räumliche Inkongruenz von politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen, die dadurch noch schwieriger zu kontrollieren und zu beeinflussen sind.

Neben den transnational organisierten Unternehmen, die schon in den 1980’er Jahren an Einfluss gewinnen konnten, erlangten mit deren Aufkommen auch weitere Gruppen von global vernetzten Akteuren an Bedeutung, die sich, statt für ökonomische Belange, für sozialen Ausgleich oder die Reduzierung der ökologischen Schäden einsetzen. In beiden Werken finden sich demnach Beobachtungen, die Neue Soziale Bewegungen, Bürgerinitiativen und NGOs als Schlüsselfaktoren für eine gerechtere Welt ausweisen.

Einstimmigkeit herrscht ebenso darüber, dass der globale Weltmarkt und die darin agierenden transnationalen Unternehmen nicht die Garantie für ein Wachstum von Arbeitsplätzen sind, sondern eher deren Abbau zu verantworten haben. Diese Entwicklung gewinnt durch den Fortschritt in der Technik und der Menge an Innovationen noch zusätzlich Dynamik.

Die Auflösung standardisierter bzw. traditioneller Lebensentwürfe, von der auch die meisten Formen der Erwerbsarbeit betroffen sind, beschreiben die Autoren Altvater und Mahnkopf, im Gegensatz zu Ulrich Beck, konkret anhand von Zahlen und Beispielen wie den Auswirkungen von Unternehmens­zusammen­schlüssen und Direktinvestitionen in ausländische Produktionsstandorte.

In beiden Werken wird die Problematik thematisiert, dass Bildung zum essentiellen Schlüsselfaktor für den Zugang zum Arbeitsmarkt wird und ein Defizit daran zur Chancenlosigkeit führt. Diese mündet in weiterer Folge, neben den finanziellen Schwierigkeiten und aufgrund der Bedeutung des Berufes als Definitionsmerkmal, unweigerlich im gesellschaftlichen Abstieg.

Die Unterschiede in den beiden Werken resultieren meist daraus, dass das Buch „Grenzen der Globalisierung“ zehn Jahre nach der „Risikogesellschaft“ erschienen ist und somit einige Tendenzen, die Beck erst in ihren Ansätzen beobachten konnte, bei Altvater und Mahnkopf bereits wesentlich weiter entwickelt bzw. Teil des Alltags sind. Vor allem die unumgängliche Notwendigkeit, mit den aktuellsten technischen Geräten zu arbeiten, oder die große Verbreitung von neuen Arbeitsformen, konnte der Autor Ulrich Beck in dieser Form noch nicht beschreiben, obwohl er sie zum Teil prognostizierte.[9] So liefert er eine Art Grund­gerüst für eine zukünftige Entwicklung der Gesellschaft, welches weniger mit Datenmaterial arbeitet und in seinen Analysen meist allgemeiner gehalten ist, als etwa bei den Autoren des anderen Werkes, die zum Beispiel eine Zunahme an fragilen Beschäftigungs­verhältnissen mit konkretem Zahlenmaterial unter­mauern konnten.

Sowohl die Autoren von „Grenzen der Globalisierung“, als auch Ulrich Beck stehen den Entwicklungen, die sie beobachten und analysieren, sehr kritisch gegenüber.

Die Freisetzung des Menschen von traditionellen Beziehungen und Werten, die daraus resultierende Aufgabe, ständig zwischen Optionen für die Gestaltung der eigenen Biographie wählen zu müssen (die oftmals in der übertriebenen Fokussierung auf das eigene Ich mündet) und die Abhängigkeit von Moden, Markt und Ökonomie überfordert viele Menschen und zwingt sie in die Resignation.[10]

Als ebenso problematisch erkennen sie den Verlust der räumlichen und der damit verbundenen ökonomischen Souveränität des Nationalstaats, der durch die verstärkte Deregulierung von Barrieren an demokratisch legitimierter Ordnungsmacht verliert und der Logik des Wettbewerbs um den besten Wirtschaftsstandort unterworfen wird.

Als möglichen Lösungsansatz betrachten Altvater und Mahnkopf das Global Governance Konzept und sehen außerdem einen bedeutenden Zuwachs an Spielraum und Zustimmung für Neue Soziale Bewegungen und NGOs.

Das Konzept der „Global Governance“ untersucht die Möglichkeit der Regierbarkeit der Welt und versucht, mit Hilfe einer neuen Weltordnungspolitik auf Konsensbasis Lösungen für grenz- überschreitende Probleme wie Umwelt­zerstörung, Migration und ökonomische Fragen anbieten, sowie zukunftsfähige Entwicklungen im Bereich der Ökonomie, der sozialen Belange und der Ökologie umzusetzen. Neben diesen Eckpfeilern sollen, im Sinne einer umfassenden Weltethik, alle Menschen Anrechte auf Gleichberechtigung in Bezug auf ein sicheres Leben, Informationszugang, globale öffentliche Güter, Arbeit, kulturelle Unterschiede, das Geschlecht und einen fairen Gerichtsprozess haben. Ebenso besteht die allgemeine Verpflichtung, dass alle auf eine ihren Möglichkeiten entsprechende Art, zum Gemeinwohl beitragen und ihre Entscheidungen im Sinne der Nachhaltigkeit treffen. (vgl. Gruber, 2000, S.206-207) Eine Schwäche dieses Konzepts sehen Altvater und Mahnkopf jedoch darin, dass die zu regulierenden Probleme immer mit politischen und ökonomischen Interessen verknüpft sind. Die verschiedenen Interessensgruppen werden sich nur so lange in das „Governance“ Netzwerk einfügen, wie sie von diesem profitieren. (vgl. Altvater/Mahnkopf, 1996, S. 556)

5. Resümee

Obwohl seit dem Erscheinen des Buchs „Risikogesellschaft“ beinahe zwanzig Jahre vergangen sind, hat sich vieles, was für Ulrich Beck damals eher prognostizierbar als konkret zu beobachten war, in groben Zügen in die Richtung entwickelt, die von ihm skizziert wurde. Mehr denn je sind wir mit dem Einfluss der globalen Wirtschaft, den Risiken der neuen Arbeitsformen, der Inhaltsleere und Ohnmacht der politischen Kultur und der Diktatur des Konsums (mit den dazugehörigen Medien) konfrontiert.

Vor allem der Bereich Arbeit, der als zentraler Bestandteil aller westlichen Gesellschaften gesehen werden kann und daher alle anderen Lebensbereiche in irgendeiner Form beeinflusst, erlebt derzeit wieder massive Umstrukturierungen und Diskussionen, bis hin zu der Frage, ob Arbeit nur als Erwerbsarbeit definiert ist, oder auch andere Formen der Beschäftigung unter diesem Begriff subsummiert werden können. Im Gegensatz zu Politikern der westlichen Industriestaaten, die nach wie vor die Vollbeschäftigung (im Sinne der Erwerbsarbeit) als Ziel ihrer Arbeitspolitik sehen, mehren sich jedoch bereits die Stimmen, welche dies als nicht durchführbar erkennen. So titelte das deutsche Wirtschaftsmagazin „Brand Eins“ die September Ausgabe mit dem provokanten Spruch „Nie wieder Voll­beschäftigung. Wir haben Besseres zu tun.“ Das darin enthaltene Schwerpunkt­thema „Arbeit“ diskutierte Themen wie ein allgemeines Grund­einkommen und verschiedene neue Arbeitsmodelle anhand der provokanten Analyse, dass die Probleme der Arbeitsgesellschaft erst durch den Erfolg des Kapitalismus, der technischen Innovationen und der damit verbundenen Automation hervorgerufen wurden. (vgl. dazu: Brand Eins, 7. Jahrgang, Heft 07, Hamburg, 2005)

Als Weiterführung der Grundanalyse von Ulrich Beck kann das Buch „Grenzen der Globalisierung“ verstanden werden, in welchem die Autoren Aspekte, die von ihm bereits angedacht wurden, anhand aktuellerer Entwicklungen diskutieren und ausführen, weitere Beobachtungen aufnehmen und diese mittels Daten und Beispielen belegen. Aspekte, die in diesem Buch wesentlich breiter ausgeführt werden, sind unter anderem die Gestaltungsmacht der globalen Wirtschaft, die Forderung nach freien Handel ohne steuerliche Belastungen und Kompensationszahlungen, sowie die Problematik der weltweiten Zerstörung der ökologischen Ressourcen zu Lasten der Entwicklungsländer.

So gestaltet sich die Analyse von Altvater und Mahnkopf um einiges umfangreicher, da sie die Entwicklung der (Welt-)Gesellschaft dahingehend konkretisieren, dass jeder Mensch, ausgehend von routinemäßigen Alltags­tätigkeiten, dem Lebensumfeld in den kleinsten Verwaltungseinheiten, dem Konsum jeglicher Art von Produkten bis hin zur Nutzung globaler Kommunikationsmedien, Teil eines, die Welt umspannenden, Netzwerkes ist, dem sich kein/e Bewohner/in der Erde entziehen kann.

6. Literatur

Altvater, Elmar / Mahnkopf, Birgit: Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft, Münster, 1996

Beck, Ulrich: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt/M., 1986

Gorz, Andre: Exodus aus der Arbeitsgesellschaft?, in: Kemper, Peter /Sonnen­schein, Ulrich (Hrsg.): Globalisierung im Alltag, Frankfurt/M., 2002, S.135-143

Gruber, Petra: Zukunftsfähige Entwicklungen jenseits einer durchkapitalisierten Weltgesellschaft, Linz, 2000

Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Aufl., Berlin/New York, 2002

Müller, Klaus: Globalisierung, Bonn, 2002

Reich, Robert B.: Die drei Jobs der Zukunft, in: Kemper, Peter/Sonnenschein, Ulrich (Hrsg.): Globalisierung im Alltag, Frankfurt/M., 2002, S.144-158

Sennett, Richard: Der Flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus, 8. Aufl., Berlin, 2000

[...]


[1] Vgl. hierzu den Begriff des „Lobbyings“, der als die „Beeinflussung von Abgeordneten durch Interessensgruppen“ definiert wird.

[2] z.B.: Gewerkschaften, Interessensvertretungen wie die Wirtschaftkammer, die Seniorenbünde usw.

[3] wie die der FPÖ bei der Wahl in Wien 2005

[4] Die Autoren verwenden dafür den Begriff der „Inwertsetzung“

[5] Dies wird unter anderem durch die Abwanderung von Unternehmen in so genannte Billiglohnländer deutlich

[6] Bedingt durch den technischen Fortschritt und die Anbindung an globale Kommunikationsnetze ist es möglich, von nahezu jeden Ort der Welt aus bestimmte Tätigkeiten für ein Unternehmen durchzuführen (bis hin zur Teilnahme an Konferenzen mittels Videoschaltung in Echtzeit über das Internet), sofern die Infrastruktur vorhanden ist.

[7] Er lehrte bis zu seiner Berufung als Arbeitsminister in die Regierung von Bill Clinton an der Harvard Universität. Eines seiner Hauptwerke ist das 1993 auf Deutsch erschienene Buch „Die neue Weltwirtschaft. Das Ende der nationalen Ökonomie“.

[8] Laut Reich existieren in den westlichen Ökonomien grundsätzlich folgende drei Hauptkategorien von Arbeit: „Routinemäßige Produktionsdienste“, „Kundenbezogene Dienste“ und „Symbolanalytische Dienste“.

[9] Wie zum Beispiel die starke Zunahme an Teilzeit Beschäftigten.

[10] Weiters ist zu beobachten, dass durch die schwindende Bedeutung der klassischen „Sinngeber“, also den Religionen, viele Menschen vermehrt andere Formen von spirituellen Erlebnissen suchen.

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22
Jahr
2005
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110563
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1
Schlagworte
Auflösung Beziehungen Auswirkungen Globalisierung Werke Risikogesellschaft Beck Grenzen Altvater Mahnkopf Fachprüfung Soziologie

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Titel: Der Einfluss der Globalisierung nach Becks "Risikogesellschaft" und den "Grenzen der Globalisierung" von Altvater und Mahnkopf