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Ethnobotanik - Ensete als Rohstoffquelle im Hochland von Ägypten

Hausarbeit 2006 19 Seiten

Biologie - Botanik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINFÜHRUNG IN DIE ETHNOBOTANIK
1.1 Einleitung
1.2 Begriffsklärung: Ethnobotanik

2. ENSETE: BOTANIK, VERBREITUNG UND ANBAU
2.1 Botanische und einheimische Charakterisierung von Ensete
2.2 Geographische Verbreitung
2.3 Ensete-Anbausysteme

3. DIE ETHNOBOTANISCHE BEDEUTUNG UND NUTZUNG VON ENSETE
3.1 Ensete als Nahrungsmittel
3.2 Ensete als Arzneipflanze
3.3 Technische Nutzung von Ensete

4. SCHUTZ VON BIODIVERSITÄT UND INDIGENER BEVÖLKERUNG IN DER ETHNOBOTANIK

5. FAZIT UND AUSBLICK
II. LITERATURVERZEICHNIS
III. ABBILDUNGSVERZEICHNIS
IV. ERKLÄRUNG

1. Einführung in die Ethnobotanik

„Und an dem Strom werden an seinem Ufer auf beiden Seiten allerlei fruchtbare Bäume wachsen; und ihre Blätter werden nicht verwelken und mit ihren Früchten hat es kein Ende. Sie werden alle Monate neue Früchte bringen; denn ihr Wasser fließt aus dem Heiligtum. Ihre Früchte werden zur Speise dienen und ihre Blätter zur Arznei.“ Ezechiel 47,12 Dieses Bibelzitat gibt eine gute Einführung in das Thema der Arbeit: „Ethnobotanik – Ensete als Rohstoffquelle im Hochland von Äthiopien“, da es die Abhängigkeit des Menschen von der Pflanzenwelt – aber auch die Nutzbarmachung des Reichtums dieser zeigt.

Die Tatsache, dass bestimmte Pflanzen neben der Nutzung als Nahrungsmittel, Konstruktions- und Brennmaterial auch heilende oder giftige Wirkungen besitzen, wurde schon früh entdeckt. Die Ethnobotanik beginnt schon mit den Anfängen der menschlichen Existenz, so wie bewiesen ist, dass sich Tiere bestimmte Pflanzen zu ihren Zwecken nützlich machen. Schon immer haben Menschen die Pflanzenwelt klassifiziert in nutzbare und ungenutzte Pflanzen, in Nahrungs-, Heil-, Gift- und psychoaktive Pflanzen. In jeder Kultur gab und gibt es Personen, die ein besonderes Wissen über die Nutzbarkeit der Pflanzen innehielten.

Mit der Sesshaftigkeit stieg die Abhängigkeit der Menschen vorwiegend von Pflanzen, die der Ernährung dienen. Ernährung und Ernährungssicherung spielen auch heute noch eine wichtige Rolle, besonders in den Entwicklungsländern. Nicht umsonst hat die FAO zur jährlichen Feier ihrer Gründung, dem „World Food Day“, am 16.10.2005 das Thema "Agriculture and intercultural dialogue" gewählt. Diese Thematik “recalls the contribution of different cultures to world agriculture and argues that sincere intercultural dialogue is a precondition for progress against hunger and environmental degradation”. Wenn Hunger und Umweltzerstörung nur durch den interkulturellen Dialog zu mindern sind, so soll diese Arbeit einen Beitrag dazu leisten, indem am Beispiel Südwest-Äthiopiens aufgezeigt wird, wie eine Gesellschaft durch ihr indigenes Wissen ihr Überleben sichert.

Äthiopien zählt zu den ärmsten Entwicklungsländern. Vor allem die Ernährungssicherung gehört zu den Kernproblemen des Landes und nahm unter den Bürgerkriegsbedingungen der 1980er Jahre dramatische Ausmaße an. Doch die Hungerkrise konnte einige Regionen Äthiopiens nicht erreichen. Die Nutzung der „falschen Banane“ in einem angepassten Bewirtschaftungssystem sicherte die Ernährung. Heute wird Ensete von über zehn Millionen Bewohnern Äthiopiens angebaut. Hunger ist in den Ensete-Anbaugebieten trotz hoher Bevölkerungsdichte so gut wie unbekannt. Trotzdem ist Ensete eine der am wenigsten wissenschaftlich untersuchten Grundnahrungsmittel Afrikas. Da Ensete durch die vielfältigen Nutzungsformen den Mittelpunkt einiger Ethnien Äthiopiens bildet, soll im Folgenden die Pflanze in ihrer ethnobotanischen Bedeutung als Rohstoffquelle dargestellt werden.

1.1 Einleitung

In dieser Arbeit soll herausgestellt werden, inwiefern Ensete als ausgewähltes Pflanzenbeispiel aus dem Hochland von Äthiopien eine Rohstoffquelle für die dortige Bevölkerung bildet und ethnobotanischen Nutzen findet. Um dies herauszufinden, wird zuerst der Begriff und die Geschichte der Ethnobotanik (1.2) kurz angerissen um im zweiten Kapitel die Pflanze mit ihren botanischen Charakteristiken (2.1) in ihrem Verbreitungsgebiet (2.2) zu erläutern. Innerhalb des Anbaugebietes von Ensete werden die Ensete-kultivierenden Ethnien vorgestellt und die Unterschiede zwischen den Anbausystemen (2.3) aufgezeigt. Im Kapitel 3 wird Ensete in der ethnobotanischen Bedeutung und Nutzung dargestellt. Die anthropogene Pflanzennutzung bildet den Schwerpunkt in der Verwendung von Nahrungsmitteln. Die Vielfältigkeit der Nahrungspflanzen und deren Nutzung wird im Abschnitt 3.2 herausgestellt. Ein wichtiger Bereich der Ethnobotanik ist die Untersuchung von Arzneipflanzen, wozu besonders viele Forschungsergebnisse vorliegen. Deshalb wird die Wirkung der Pflanze als Arzneimittel (3.2) vorgestellt. Das Kapitel schließt mit dem Potenzial der Pflanze in der technischen Nutzung (3.3) ab. Da die Wissenschaft der Ethnobotanik auf der Grundlage des indigenen Wissens der Bevölkerung und der Biodiversität enstanden ist, nimmt dieses Thema ein eigenes Kapitel (4) ein. Die Hausarbeit wird durch eine kurze Zusammenfassung mit Ausblick (5) abgeschlossen.

1.2 Begriffsklärung: Ethnobotanik

Die Geschichte der Ethnobotanik beginnt mit Carl von Linnaeus, der durch seine taxonomisch-botanische Nomenklatur Rahmenbedingungen der Ethnobotanik setzte. Während seiner Lappland Reise im Jahr 1732 untersuchte und dokumentierte er die Nutzung von Pflanzen durch die Sami und wurde somit zum ersten modernen Ethnobotaniker [Balick, Cox 1996: 19].

Als Namensgeber der Ethnobotanik gilt John W. Harshberger (1869-1929) der im Jahr 1895 erstmalig die Bezeichnung „ethnobotany“ benutze, nachhaltig prägte und damit eine neue Forschungsdisziplin einberief, die aus dem Kontakt zwischen europäischen Eroberern und der indigenen[1] Bevölkerung Amerikas entstand. Laut seiner Definition bezeichnet die Ethnobotanik die Untersuchung von “plants used by primitives and aboriginal people” [Heinrich 2001: 10].

Heutige Definitionen beziehen sich nicht mehr auf „primitive“ Völker und heben den Aspekt der Interaktion zwischen Mensch und Pflanze hervor. Balick[2] und Cox definieren: „ [...] ethnobotany is the study of relationships between plants and people” [Balick, Cox 1996: 3]. Heinrich spricht vom: “Studium der in einer Soziokultur z.B. als Nahrung, Arzneimittel, Baumaterial oder Färbemittel genutzten Pflanzen” [Heinrich 2001: 145].

Wesentliche Forschungsziele der Ethnobotanik sind die Untersuchung der Pflanzennutzung, ihre Bedeutung für eine Soziokultur und der hiermit zusammenhängenden Fragen (z.B. des Schutzes der Biodiversität).

Die Ethnobotanik ist eine Subdisziplin der „ethnoscience“, welche 1978 von R. Ford definiert wurde als „ the use, importance, and perception of the environment in its most general sense [...] by aboriginal peoples […]. Its allied fields of study are biology, botany, zoology, astronomy, geography, and natural phenomena characteristic of local weather or climate.” Die Ethnobotanik ist innerhalb der Subdisziplinen die bestimmende Disziplin [Dohrmann 2004: 21].

Die interdisziplinäre Forschungsansatz der Ethnobotanik wird erkenntlich durch das Teilen des Wortes Ethnobotanik in „Ethno(logie)“ der Wissenschaft über die Menschen und „Botanik“, der Wissenschaft über die Pflanzen. Ethnobotanische Forschungen können daher sehr unterschiedliche Ansätze haben. Während Kultur- und Sozialwissenschaftler den Schwerpunkt in der Rolle einer Pflanze in der indigenen Kultur legen würden, könnte ein Biologe eine Pflanze in ihrer pharmazeutischen Anwendung näher untersuchen wollen. Um die Verbindung zwischen Mensch und Pflanze verstehen zu können, sehen Balick und Cox den idealen Ethnobotaniker als eine Kombination aus Anthropologe, Archäologe, Botaniker, Chemiker, Psychologe, Ökologe, Entdecker, Folklorist, Pharmakologe und Diplomat. [Balick, Cox 1996: 7]

Es ist also eine hoch komplexe Aufgabe, eine umfassende ethnobotanische Forschung zu leisten. Daher soll auch in dieser Arbeit lediglich eine Pflanze und deren Nutzung als „Rohstoffquelle“ näher, aber dafür umso intensiver untersucht werden.

[...]


[1] „Indigen“ wird in dieser Arbeit als einheimisch, einer lokalen Gruppe zugehörig verstanden und in Bezug auf Bevölkerung im Sinne von einheimische Siedler, die einen traditionellen, nicht-industrialisierten Lebensstil in Regionen führen, in denen sie seit Generationen leben, verwendet.

[2] M. Balick war Schüler des Begründers der wichtigsten ethnobotanischen Schule des 20. Jh: Richard Evans Schultes von der Harvard Universität .

Details

Seiten
19
Jahr
2006
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110659
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,0
Schlagworte
Ethnobotanik Ensete Rohstoffquelle Hochland Ethnobotany

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Titel: Ethnobotanik - Ensete als Rohstoffquelle im Hochland von Ägypten