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Okzitanisch - Zur historischen und gegenwärtigen Situation

Hausarbeit 2007 22 Seiten

Romanistik - Französisch - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Begriffsklärung: Diglossie

III. Verbreitung des Okzitanischen

IV. Sprachliche Voraussetzungen

V. Trobadores und Albigenser: Vom Höhepunkt und einsetzenden Niedergang der okzitanischen Sprache

VI. Vom Siegeszug des Französischen und der Verdrängung des Okzitanischen

VII. Von der Französischen Revolution zur dritten Republik

VIII. Neuere und neueste Entwicklungen

IX. Der naive Sprecher und seine Sprache

X. Aussichten

XI. Schluss

Anhang I - Sprecherzahlen

Bibliographie:

I. Einleitung

Entgegen allgemeiner Erwartungen zeichnet sich ausgerechnet Frankreich, die nation une et indivisible, durch eine beeindruckende Sprachenvielfalt aus. Dabei ist es beileibe keine Selbstverständlichkeit, dass ausgerechnet das Franzische, also der Dialekt der Ile de France, im Laufe der französischen Geschichte zur Nationalsprache avancierte. Konkurrenz gab es genug im Laufe der Geschichte: Auf französischem Staatsterritorium werden sowohl die einzig isolierte Sprache Europas (Baskisch) als auch drei indoeuropäische Sprachen gesprochen.[1]

Angesichts dieser Sprachenvielfalt mag es verwundern, dass die einzelnen Regionalsprachen dem Verschwinden nahe sind und sich außerhalb ihres Verbreitungsgebietes (und der linguist-ischen Kreise) keiner nennenswerten Bekanntschaft erfreuen. Tatsächlich lässt sich die Geschichte der Regionalsprachen als Geschichte des franzischen Aufstiegs unter umgekehrten Vorzeichen lesen.

Ziel dieser Arbeit wird es sein, erstens die historischen Bedingungen der momentanen Situation der Regionalsprachen zumindest anzureißen. Das bedeutet, die Sprachpolitik der Machthaber nachzuerzählen, die sprachnormierenden und sprachpolitischen, zentralistischen Maßnahmen zu skizzieren. Eine Verbindung zwischen politischer und sprachlicher Situation kann – aufgrund des vorgegebenen Umfangs – nur in begrenztem Maße gezogen werden. Sofern sie mir bekannt waren, habe ich auf umfassendere Betrachtungen das Thema betreffend verwiesen.

Zweitens wird es darum gehen, die konkreten Auswirkungen aufzuzeigen. Da es ausgeschlossen ist, auf die Besonderheiten der einzelnen Sprachgebiete einzugehen, muss hier eine Auswahl getroffen werden. Ich habe mich dazu entschlossen, nur eine Sprache zu behandeln. Nicht, um an einem Beispiel die Geschichte der französischen Nationalsprachen beispielhaft nachzuerzählen (was um jeden Preis hätte scheitern müssen), sondern weil mir das Okzitanische aus mehreren Gründen interessant erschien:[2]

1. Von seiner Verbreitung und seinem Einfluss her brachte das Okzitanische alle Voraussetzungen mit, eine bedeutende Sprache in der Romania zu werden. Wie kam es, dass das Okzitanische heute – um es pathetisch zu sagen – in der Bedeutungslosigkeit versinkt?

2. Auf dem literarischen Gebiet haben die mittelalterlichen okzitanische Trobadores Einfluss auf Literaturen in ganz Europa ausgeübt, und das Okzitanische verfügte schon sehr früh über eine Art Schriftstandard. Auf welchem Wege fand die Verschriftlichung des Okzitanischen statt, und wann und unter welchen Umständen wurde das Okzitanische quasi „entschriftlicht“? Welche Bedeutung hat die Schrift für das Fortleben einer Sprache?

3. Nach der Etablierung des Französischen als Schriftstandardsprache blieb das Okzitanische prägend für die entsprechenden Gebiete. Wann und wie kam es zur Verdrängung des Okzitanischen durch das Französische? Anders gefragt: Wie entstand die Diglossie-Situation in Südfrankreich?[3]

4. Man hat – in Anlehnung an die katalanische renaixença – auch im Okzitanischen von einer Renaissance gesprochen. Allerdings hat die okzitanische Bewegung weit weniger Erfolge erzielen können als ihr katalanisches Vorbild. Aus welchen Gründen war und ist der okzitanischen Renaissance so geringer Erfolg beschieden?

5. Außerdem wird die Einstellung der Sprecher zu ihrer Sprache interessieren. Inwiefern finden die gesellschaftlichen Entwicklungen auf einer psycholinguistischer Ebene ihre Entsprechung?[4]

6. Man hat dem Okzitanischen schon häufiger den baldigen Untergang prophezeit und tut es auch heute noch. Bisher hat sich die Sprache in ihren Nischen behaupten können. Welches Aussichten und Prognosen lassen sich angesichts der heutigen Situation anstellen?

II. Begriffsklärung: Diglossie

Die Diglossie beschreibt einen besonderen Zustand der Zweisprachigkeit, in dem die High Variety – also die überregionale Standardsprache – für die „gehobenen“ Anlässe verwendet wird (also in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit, im politischen oder kulturellen Diskurs), während die Low Variety – also der Dialekt oder die Regionalsprache – bei informellen Anlässen zur Verwendung kommt (das heißt beispielsweise im familiären Rahmen). „Es sind zwei verschiedene Idiome in Gebrauch, zwischen denen Funktionstrennung besteht.“[5] Dabei nimmt die High Variety eine gesellschaftlich höher angesehene Stellung ein.

Es scheint mir wichtig, festzustellen, dass eine diglossische Situation keinen statischen Zustand beschreibt, sondern einen dynamischen Konflikt zweier Sprachen. Dieser Konflikt wird entweder durch Substitution gelöst (das heißt, die bisher gesprochene Sprache wird zum Substrat der zukünftig beherrschenden Sprache), oder aber durch Normalisierung (Verdrängung des zukünftigen Superstrats).[6]

III. Verbreitung des Okzitanischen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[7]

Stark schematisiert lässt sich sagen, dass das okzitanische Sprachgebiet das südliche Drittel des französischen Staatsgebietes umfasst. Von einem okzitanischen Sprachgebiet zu sprechen, ist insofern problematisch, als dass in allen Gebieten eine Diglossie-Situation existiert. Kremnitz [8] betont, dass ausnahmslos alle Einwohner der betreffenden Regionen Französisch sprechen. Ich verzichte an dieser Stelle auf langatmige Umschreibungen und hoffe, der Anschaulichkeit durch eine Karte genüge zu tun.[9]

Um definitorisch von einer Sprache (im Gegensatz zu einem Dialekt) zu sprechen, nennt Schlieben-Lange[10] zwei Kategorien.

Außersprachlich definiert sich eine Sprache über eine politische, ethnische und/oder kulturelle Einheit, wobei diese Einheit entweder “gegenwärtig“ oder „in der Geschichte vorliegen“ kann.[11] Im Endeffekt laufen diese Definitionen auf das Prinzip der Interkomprehensibilität hinaus, das Schlieben-Lange folgendermaßen beschreibt:

„Falls Sprecher zweier Sprachgemeinschaften sich nicht miteinander verständigen können, so sind sie Vertreter zweier Sprachen, nicht zweier Untergruppen ein- und derselben Sprache.“[12]

Innersprachlich nennt Schlieben-Lange zwei Kriterien: Erstens muss eine verbindliche schriftliche Norm existieren, und/oder zweitens eine strukturelle Einheit ersichtlich sein.

Für meine Begriffe ist keines dieser Kriterien für sich allein stehend ausreichend. Es gibt wohl keine objektiven Gradmesser für politische, ethnische oder kulturelle Einheiten, sondern höchstens Indizien, und die Frage, inwiefern zwei Sprecher sich miteinander verständigen können, hängt auch immer von der Frage ab, inwiefern sie sich als in einer Sprachgemeinschaft zusammengehörig betrachten.

Diese Frage wird später noch einmal genauer zu untersuchen sein.

IV. Sprachliche Voraussetzungen

Die Problematik, vom Okzitanischen als von einer Sprache zu sprechen, spiegelt sich auch in den diversen Substraten wieder, die je nach Region in das entsprechende parlé eingeflossen sind. Neben dem Keltischen als allen Regionen zugrunde liegendem Substrat treten Überreste des Ligurischen an der provenzalischen Küste, des Iberischen im Languedoc, des Protobaskischen in der Region der Pyrenées-Atlantiques und des Griechischen an der Mittelmeerküste auf.[13]

Historisch bezeichnend für das Sprachgebiet des Okzitanischen ist die frühe und intensive Latinisierung: Das Gebiet der Provincia Romana wird schon von 125 v. Chr. bis 118 v. Chr. von den Römern erobert. Strategisch war das Gebiet von einiger Bedeutung, da hier die Landverbindung (die so genannte Via Domitia als Verlängerung der Via Aurelia) nach Spanien verlief.[14] Die pays d’oc waren also deutlich stärker an Rom angebunden als das spätere Nordfrankreich in seiner relativ kurzen Zeit als römische Provinz.

Im Vergleich zum Französischen interessieren die geringen spezifisch germanischen Einflüsse: Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches werden die pays d’oc ab 413 von den Westgoten beherrscht, die sich nur als eine zahlenmäßig unbedeutende Herrscherschicht installieren (und deswegen sprachlich kaum Einfluss haben). Zwar vertreiben die Franken 507 die ehemaligen Machthaber, richten aber nur relativ schwache militärische und zivile Verwaltungen ein.

Als letzter, wenn auch verhältnismäßig bedeutungsloser Punkt ist das arabische Superstrat zu nennen: In der Zeit zwischen 720 (Eroberung Narbonnes durch die Mauren) und dem Verschwinden der letzten Araber im 10. Jahrhundert wurde die okzitanische Sprache um einige (arabische) Wörter bereichert.

V. Trobadores und Albigenser: Vom Höhepunkt und einsetzenden Niedergang der okzitanischen Sprache

Ende des 11. Jahrhundert setzte im jetzigen Süden Frankreichs die Trobador-Dichtung ein. Es handelte sich dabei um Gedichte, die den Dienst an der Frau und die Frauenverehrung thematisierten. Sie brachten eine bedeutende Neuerung: Sie wurden in der Volkssprache, eben dem Okzitanischen, verfasst. Ohne allzu genau auf die außerordentliche literarische Bedeutung der Trobador[15] -Dichtung eingehen zu wollen, kann doch gesagt werden, dass sie „gleich einer der Höhepunkte mittelalterlicher Literatur“ war, und Nachahmer „weit über [ihr] Ursprungsgebiet fand.“[16]

Das Okzitanische der Trobador-Lyrik als überregionale, normierte Sprache zu betrachten, ist problematisch, da die sprachlichen Eigenheiten der Dichter es jeweils als Limousinisch, Languedokisch, etc. ausweisen. Trotzdem lassen sich zweierlei Normierungstendenzen feststellen, als da wären:

1. Da es sich bei der Trobador-Lyrik nicht in erster Linie um eine schriftliche Produktion handelt, sondern um Vortragsliteratur reisender Sänger, wurden allzu offensichtliche Regionalismen von Seiten des Autors vermieden, „um dem Publikum sprachlich entgegenzukommen“.[17]

2. Außerdem übernahmen die Trobadores signifikante Begriffe ihrer literarischen Vorbilder, ohne deren sprachliche Form zu verändern (Interliterarizität). Somit bildete sich ein überregionaler, literarischer Wortschatz.

Der Niedergang des literarischen Okzitanisch setzte im Jahre 1209 mit den Albigenser-feldzügen[18] ein, als innerhalb weniger Jahre der französische Süden nahezu vollständig verwüstet wurde. Da die herrschende Schicht ruiniert war, verschwand das gesellschaftliche Klima, worin die Trobadores hatten wirken können.

Kurz darauf – 1271 – fiel die Grafschaft Toulouse endgültig per Erbschaft an die französische Krone. In dieser Zeit begann das Französische dem Okzitanischen als Verwaltungssprache (wenn auch vorerst in bescheidenem Maße) Konkurrenz zu machen. Allerdings beherrschte damals noch das Latein die Staatsgeschäfte. Im Anschluss an den Hundertjährigen Krieg erringt die französische Krone 1453 die Macht in der Gascogne, 28 Jahre später fällt auch die Provence per Erbschaft an das Königshaus der Valois. Damit ist der Süden endgültig unter die Herrschaft des Nordens gefallen.

VI. Vom Siegeszug des Französischen und der Verdrängung des Okzitanischen

[19]An der Wende zum 16. Jahrhunderts setzten erstens die (zentralistischen) sprachpolitischen Maßnahmen ein, und zweitens die Versuche der (Pariser) Intellektuellen, das Französische (in erster Linie gegenüber dem Lateinischen, dem Griechischen und – später – dem Italien-ischen[20] ) aufzuwerten. In diese Zeit fallen die ersten Bibelübersetzungen (1523 durch Lefêvre d’Etaples) und die ersten sprachpolitischen Erwägungen zugunsten des Französischen.[21]

1593 erlässt François I[22] die Ordonnance de Villers-Cotterêts. Dieser Beschluss vereinigt zwei bedeutende politische und zentralistische Entscheidungen: Erstens die Einführung eines Einwohnermeldewesens, und zweitens die Festlegung des Französischen als alleinige Verwaltungssprache im gesamten Staatsgebiet[23].

Obwohl diese Reformen häufig als (geglückter) Versuch gelesen worden ist, das Französische gegenüber dem Lateinischen zu emanzipieren, ist doch auffällig, dass – im Gegensatz zu den vorherigen Beschlüssen – die so genannten patois verwaltungstechnisch eliminiert werden sollten und wurden. In der Folge verschwindet das Okzitanische als (schriftliche) Verwaltungssprache. Da auch die literarische Produktion brachliegt, ist das Okzitanische mit dem Verwaltungsakt von Villers-Cotterêts endgültig entschriftlicht.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Schriftlichkeit der okzitanischen Sprache manifestierte sich also erstens in der literarisch-künstlerischen Tradition, andererseits existierte sie in den betreffenden Verwaltungsakten der Reichsgebiete. Durch den Wegfall des weit verzweigten Mäzenatentums in Folge der französischen Eroberung der Grafschaft Toulouse wurde zunächst der literarischen Verschriftlichung die Grundlage entzogen, durch Villers-Cotterêts verlor sich auch die Veranlassung der bürokratischen Schriftsprache.

VII. Von der Französischen Revolution zur dritten Republik

Das Verhältnis der Revolutionäre zur Sprache war geprägt von zweierlei Ansatzpunkten[24]: Erstens befanden sie sich in der Mehrzahl auf dem Standpunkt der Aufklärung, und gingen daher von einer starken Verknüpfung von Denken und Sprache aus. Da das Französische als reine, logische Sprache galt, musste das über die patois vermittelte Denken wenigstens minderwertig sein.[25] Deswegen sagten sie dem angeblich unwissenschaftlichen, falschen Denken innerhalb der patois den Kampf an.

Zweitens sollte das Volk an der politischen Kommunikation beteiligt werden. Dem standen zwei Schwierigkeiten im Wege: einerseits die hohe Analphabetenquote in der Republik, andererseits die weit verbreitete Unkenntnis der französischen Sprache.

Als Abbé Grégoire seinen berühmten Fragebogen auswertete, kam er zu folgendem Ergebnis:

„On peut assurer sans exagération qu‘au moins six millions de Français, surtout dans les campagnes, ignorent la langue nationale; qu’un nombre égal est à peu près incapable de soutenir une conversation suivie; qu’en dernier résultat, le nombre de ceux qui le parlent n’excède pas trois millions, et probablement le nombre de ceux qui l’écrivent correctement encore moindre. Ainsi, avec trente patois différents, nous sommes encore, pour le langage, à la tour de Babel, tandis que, pour la liberté, nous formons l’avant-garde des nations.”[26]

Bei einer angenommenen Bevölkerungszahl von 15 Millionen Franzosen ergibt sich ein für die Revolutionäre ernüchterndes Bild. Nur ein Siebtel der Franzosen beherrschte die Nationalsprache. Um also die citoyens am politischen Diskurs zu beteiligen, mussten Lösungen gefunden werden.

Zunächst sollten die wichtigsten Gesetze und Erlässe in die jeweiligen patois übersetzt wer-den. Dieses Vorhaben scheiterte nicht nur am Betrug der beauftragten Firma, sondern auch an den fehlenden Schriftstandards der patois. Also verständigte man sich auf eine repressive Sprachpolitik: „Citoyens, la langue d’un peuple libre doit être une et la même pour tous. “[27]

Tatsächlich fand man auch im okzitanischen Sprachgebiet folgende Situation vor: Die Oberschicht war zweisprachig Französisch-Okzitanisch, eine kleine Beamtenschicht sprach ausschließlich Französisch, und der große Rest der Bevölkerung ausschließlich Okzitanisch. Diese Konstellation sollte sich auch die nächsten hundert Jahre nur unbedeutend ändern, bis 1881 mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht das Okzitanische auch als mündliche Sprache sukzessive verschwand.[28]

Als Gegenbewegung zu dieser Entwicklung gründete sich 1854 die literarische Organisation lou Felibrige[29] rund um Frédéric Mistral, dem bis heute einzigen okzitanischen Literatur-Nobelpreisträger. Ziel des Felibrige war es, die okzitanische Identität zu stärken und die okzitanische Schriftsprache wiederzubeleben. Zu diesem Zwecke wurde auch ein Wörterbuch (Trésor dou Felibrige) konzipiert. Die Erfolge der okzitanischen Renaissance dürfen als bescheiden angesehen werden. Über Mistral schreibt Kremnitz [30], dass er nach 1871 „zum Sänger einer besonnten Vergangenheit [wird], der sich weigert, in den Konflikten seiner Zeit Stellung zu beziehen, und jeglicher Neuerung mißtrauisch [sic!] gegenübersteht.“

VIII. Neuere und neueste Entwicklungen

Nach den Weltkriegen lockerte der französische Staat seine repressive Sprachpolitik: Zunächst wurde mit der Loi Deixonne 1951 der Unterricht des Okzitanischen an Schulen erlaubt, die Loi Haby dehnte diese Erlaubnis 1975 auf die gesamte Schulzeit aus.[31]

Dass die französische Sprachpolitik trotzdem anderen Sprachen (sowohl den inner-territorialen als auch den außerterritorialen) nicht sehr gewogen ist, lässt sich auch am ersten Satz des zweiten Verfassungsartikels ablesen: La langue de la République est le français.[32] Dieser Artikel steht im Widerspruch zur europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen, die deswegen nicht ratifiziert wurde.

In den pays d’oc entwickelten sich dessen ungeachtet verschiedene Initiativen zum Schutz des Okzitanischen. Exemplarisch sollen die beiden wichtigsten genannt werden:

Seit dem Jahr 1979 existieren auch rein okzitanischsprachige Schulen, so genannte calandretas. [33] Ihre Anzahl (in 37 calandretas wurden im Schuljahr 94/95 ungefähr 1000 calandrons, also Schüler, unterrichtet[34] ) ist aber verschwindend gering. Auch die mediale Präsenz des Okzitanischen ist äußerst schwach, nur in bestimmten kulturellen Feldern erfreut sich das Okzitanische einiger Verbreitung.[35]

Das Institut d‘Estudis Occitans (IEO) unternimmt seit seiner Gründung 1945 den Versuch, das Okzitanische wieder in der französischen Sprachlandschaft zu etablieren. Zu diesem Zweck ist eine Grammatik (von Loïs Alibert) erschienen, die mittelalterliche, mistralische und katalanische Schriftstandards miteinander verbindet.

Heute stellt die mittelalterliche Entschriftlichung des Okzitanischen (man hat in diesem Zusammenhang von einer déstandartisation médieval gesprochen) eines der größten Probleme dar und trübt die Zukunftsaussichten des Okzitanischen .

Laut Kremnitz muss eine Sprache, soll sie „den kommunikatorischen Ansprüchen (…) einer modernen komplexen Gesellschaft genügen“, über erstens „Referenzformen in Grammatik und Lexikon“, zweitens „Konventionen in der Verschriftlichung“, und drittens „Ausarbeitungen der unterschied-lichsten Textsorten“ verfügen.[36]

Gerade das ist beim Okzitanischen nicht der Fall: Es existiert kein verbindlicher Schrift-standard, im Gegenteil. Es herrscht Konkurrenz zwischen verschiedenen Standardisierungs-vorschlägen (Alibert und der Felibrige, um die bekanntesten zu zitieren). Je nach Region, persönlichem Empfinden und sonstigen Gründen kann mal diesem Standard, mal jenem gefolgt werden.[37] Dass sich darüber hinaus das IEO, das sich aus der Résistancebewegungen begründete, und der Felibrige, der sich in Zeiten der occupation der Nähe zum Vichy-Regime schuldig gemacht hat, auch politisch bekrieg(t)en, hat zu einer Zersplitterung der okzitanischen Bewegung geführt, die (kurzfristigen) Erfolgen noch heute im Weg steht.

IX. Der naive Sprecher und seine Sprache

Kremnitz [38] betont, dass es zwei Arten Okzitanischsprachiger gibt: Einerseits die Mutter-sprachler, andererseits die Sekundärsprachler (die erst an der Schule oder der Universität mit dem Okzitanischen in Berührung kommen). Okzitanischen Muttersprachler (oder naive Sprecher[39] ) findet man in erster Linie auf dem Land und dort vor allem in gebirgigen Gegenden. Sie sind vor allem im primären Wirtschaftssektor (und dann vor allem in der Landwirtschaft) tätig und gehören häufig der älteren Generation an. Unter diesen Sprechern ist ein panokzitanisches Bewusstsein wenig oder gar nicht ausgeprägt, das heißt, die naiven Sprecher bezeichnen ihre Sprache je nach Gegend als Provencal, Gascon etc, kurz: als patois.[40]

Das Verhältnis des naiven Sprechers zu seiner Sprache charakterisiert sich nach Schlieben-Lange durch zwei Aspekte:

1. Regionale Begrenzung: Außer im informellen, familiären Bereich kommt das Okzitanische nicht oder selten zur Anwendung. Auch im Kontakt „mit anderen Okzitanischsprachigen aus weiter entfernten Gebieten“[41] wird auf das Französische zurückgegriffen.

2. Minderwertigkeit: Da das Okzitanische nur im informellen Bereich verwendet wird (siehe Anhang II), und keine Partizipation an den öffentlichen (beispielsweise den politischen oder kulturellen) Diskursen ermöglicht, wird das Okzitanische (im Vergleich zum Französischen) als minderwertig angesehen.[42]

Beide Aspekte lassen sich exemplarisch an der literarischen Produktion überprüfen: Okzitanischsprachige Schriftsteller[43] haben häufig darauf verzichtet, in ihrer Muttersprache zu publizieren, erstens, um ein größeres Publikum zu erreichen, und zweitens, weil sie andere soziale Schichten bedienen (also die großstädtische Bourgeoisie zum Beispiel).

X. Aussichten

Nachfolgend sollen – sehr kurz und ohne Anspruch auf Vollständigkeit - einige Entwick-lungen skizziert werden, die vermutlich nicht ohne Einfluss auf das Okzitanische bleiben werden.[44]

1. Inzwischen verschwindet das Okzitanische nach und nach als Erstsprache und rekrutiert quasi nurmehr Sekundärsprecher. Dieser Umstand bleibt nicht ohne Einfluss auf beispiels-weise die didaktische Ausrichtung in den Schulen. Außerdem erreichen die Sekundärsprachler zwar ein relativ hohes passives Niveau, praktizieren das Okzitanische aber seltener als Muttersprachler. Das bedeutet auch, dass insgesamt die durchschnittliche Schrift- und Lesekompetenz zu Lasten der Sprech- und Hörkompetenz zunimmt.

2. Während früher die bilinguale Kombination Französisch-Okzitanisch die Regel war, koexistieren und konkurrieren inzwischen eine Reihe weiterer Sprachen in den pays d’oc: die klassischen schulischen Fremdsprachen (Englisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch, etc.) und die Muttersprachen der Bevölkerungsschichten mit Migrationshintergrund (Berbersprachen, Arabisch).

3. Die pays d’oc sind zum Schauplatz diverser Migrationsbewegungen geworden: Okzitanen ziehen vom Land in die Städte, „Okzitanen verlassen die okzitanischen Länder[,] (…) Nichtokzitanen lassen sich in den okzitanischen Ländern nieder.“[45]

4. Selbst sehr kompetenten Sprechern fehlt häufig der Wortschatz, um sich in einer modernen, städtischen Welt (beispielsweise auf dem Gebiet der Technik) adäquat auszudrücken.[46] In der Regel beschränkt sich der Wortschatz nur auf Themengebiete, die in früheren Zeiten eine größere Rolle gespielt haben (z.B. die Landwirtschaft).

5. Die Frage nach dem Sinn, okzitanisch zu lernen, konnte bisher nicht beantwortet werden. Eine überzeugende Antwort allerdings würde auch die passenden Argumente liefern, um im – pathetisch-martialisch gesprochen - „Kampf der Sprachen“ zu bestehen.[47]

XI. Schluss

Es gibt also, was die weitere Entwicklung des Okzitanischen und seinen Verbleib unter den lebenden Sprachen anbelangt, wenig Grund zu Optimismus. Weder gibt es ein starkes kulturelles und sprachliches Zusammengehörigkeitsgefühl (wie etwa im Baskischen der Fall), noch hat sich die okzitanische Bewegung als einheitlicher politischer Interessenverband etablieren können (wie in Katalonien). Insgesamt lässt sich mit Pierre Bec sagen, dass man „die Tendenz zur Aufgabe der gesprochenen Sprache nicht [hat] umkehren können.“[48]

Gleichzeitig existiert kein Anlass zur bedingungslosen Schwarzmalerei. Die rechtliche Situation der Regionalsprachen in Frankreich hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert, und die Calandreta -Bewegung sichert die Vermittlung der Sprache. Eine allgemein positive Grundeinstellung gegenüber dem Okzitanischen und ein seit ungefähr 30 Jahren aufkeimendes Interesse an der okzitanischen Kultur wird wohl dann positiv umgesetzt werden können, wenn die okzitanische Bewegung einen gewissen Grad der Einheit und Einigkeit erreicht haben wird. Allerdings ist eine Lösung des wichtigsten Problems, das für meine Begriffe die Entwicklung eines allseits akzeptierten Schriftstandards ist, noch nicht in Sicht.

Anhang I - Sprecherzahlen

Die Sprecherzahlen variieren je nach Quelle, weswegen ich mich dazu entschlossen habe, zum Vergleich einige Zahlen nebeneinander zu stellen:

Sprecherzahlen[49] (bei geschätzten 12,5 Millionen Einwohnern)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weitere Sprecherzahlen in der Literatur:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anhang II – Anwendungsbereiche des Okzitanischen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schaubild nach Schlieben-Lange ²1973, S. 44.

Bibliographie:

Bernard Cerquiglini (Hrsg): Les langues de France; Paris 2003.

Raymond Chevallier: Römische Provence. Die Provinz Gallia Narbonensis; Luzern 1985

Georg Kremnitz: Das Okzitanische. Sprachgeschichte und Soziologie; Tübingen 1981.

Georg Kremnitz: Gesellschaftliche Mehrsprachigkeit. Institutionelle, gesellschaftliche und individuelle Aspekte; Wien 1990.

Georg Kremnitz: Die Durchsetzung der Nationalsprachen in Europa; Münster/New York 1997.

Georg Kremnitz: Français – occitan. In: Kontaktlinguistik. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung; 2. Halbband, S. 1188 - 1195. Berlin 1997.

Jacques Le Goff (Hrsg): Das Hochmittelalter. Fischer Weltgeschichte Band 11; Frankfurt am Main 1965.

Fritz Peter Kirsch: Okzitania und Frankophonie. In: Angelica Rieger (Hrsg): Okzitanistik, Altokzitanistik und Provenzalistik; Frankfurt am Main 2000.

Petra Lindenbauer, Michael Metzelin, Margit Thier: Die romanischen Sprachen. Eine einführende Übersicht; Wilhelmsfeld 1994.

Jean-Baptiste Marcellesil, Foued Larouusi: France. In: Kontaktlinguistik Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung; 2. Halbband, S. 1172 – 1187. Berlin 1997.

René Merle: Du triple langage. Occitan, francitan, français... In: Lengas. Revue de sociolinguistique; Nr. 23 (1988).

Heidrun Pelz: Linguistik. Eine Einführung; Hamburg 82004.

Rebecca Posner: The Romance languages; Cambridge 1996.

Sabine Schick: Die Calendreta-Bewegung zwischen Okzitanismus und Reformpädagogik. Eine empirische Untersuchung zur bilingualen Erziehung in Südfrankreich; Zürich 1999.

Brigitte Schlieben-Lange: Okzitanisch und Katalanisch. Ein Beitrag zur Soziolinguistik zweier romanischer Sprachen; Tübingen ²1973.

Rainer Schlösser: Die romanischen Sprachen; München 2001.

Gerd Schwerhoff: Die Inquisition. Ketzerverfolgung in Mittelalter und Neuzeit; München ²2006.

Achim Stein: Einführung in die französische Sprachwissenschaft; Stuttgart ²2005.

Jürgen Trabant: Der gallische Herkules. Über Sprache und Politik in Frankreich und Deutschland; Tübingen/Basel 2002.

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[1] Also Indogermanisch (Flämisch und die Elsässer Dialekte), Keltisch (Bretonisch) und drei romanische Sprachen: Ibero-romanisch (Katalanisch), Italo-romanisch (Korsisch) und Gallo-romanisch (Französisch, Okzitanisch und die frankoprovenzalischen Dialekte).

[2] Es existieren selbstverständlich noch sehr viel mehr interessante Fragestellungen, die anhand des Okzitanischen verhandelt werden könnten, zum Beispiel: Wie verlief der Sprachkontakt über die Jahrhunderte an den Grenzen zu den anderen Sprachgebieten, grenzt es doch an fünf weitere romanische Sprachgebiete?

Ursprünglich sollte im Rahmen dieser Arbeit auch das Francitan behandelt werden – im Verlauf der Recherchen erwies es sich aber, dass die Abhandlung des Francitan zu Kompromissen die Ausführlichkeit und Genauigkeit der Arbeit betreffend führen würde. Literatur zum Thema (und zu den langues régionales insgesamt) findet sich in einer Bibliographie von Trudel Meisenburg unter http://www.home.uni-osnabrueck.de/tmeisenb/HS.Reg.WS02.03.bibl.pdf (Stand: 14.03.2006). Da meine Recherchen keine anderen Titel ergeben haben, belasse ich es beim Verweis.

[3] Die angesprochene Diglossie-Situation bestand für einen Teil der Bevölkerung (pauschal gesagt: den Adel) schon lange Zeit. Die Fragestellung impliziert allerdings, inwiefern und unter welchen Umständen sich diese Situation auf die anderen Bevölkerungsschichten übertragen hat, so dass sie sukzessive zum Verschwinden des Okzitanischen führt.

[4] Diese Arbeit ist im ersten Teil sprachhistorisch angelegt, im zweiten Teil wird der gesamtgesellschaftliche Aspekt beleuchtet.

[5] Heidrun Pelz: Linguistik. Eine Einführung; Hamburg 82004, S. 222.

[6] siehe dazu auch: Georg Kremnitz: Die Durchsetzung der Nationalsprachen in Europa; Münster/New York 1997 (zukünftig Kremnitz 1997). „Der Terminus Diglossie (…) bezeichnet das gesellschaftliche Auftreten von Zweisprachigkeit, wobei die beiden Sprachen oder Varietäten unterschiedliche kommunikatorische Funktionen erfüllen, unterschiedliches Prestige und gewöhnlich auch unterschiedlichen Status genießen. In modernen Gesellschaften deutet Diglossie auf die Existenz zumindest einer latenten Konfliktsituation hin. Konkret wird die sprachliche Dominanz in jeder einzelnen Kommunikation neu ausgehandelt; die Diglossie der Gesamtgesellschaft löst sich mithin in die diglossische Funktionsweise der einzelnen Kommunikationsakte auf.“ (S. 29). Siehe außerdem Gregor Kremnitz: Gesellschaftliche Mehrsprachigkeit. Institutionelle, gesellschaftliche und individuelle Aspekte; Wien 1990 (Zukünftig Kremnitz 1990).

[7] Georg Kremnitz: Français – occitan. In: Kontaktlinguistik. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung, 2. Halbband; S. 1188 – 1195, Berlin 1997 (Zukünftig Handbuch 1997). S. 1188.

[8] Handbuch 1997, S. 1190. Im gleichen Artikel stellt Kremnitz fest, dass sich okzitanische Sprachinseln in großen Städten (wie Paris oder Lyon) gehalten haben, während viele Städte im ursprünglich okzitanisch-sprachigen Gebiet „deokzitanisiert“ („déoccitanisé“) sind (ebd., S. 1188).

[9] Die Karte stammt von der Internetseite des Institut d’Estudis Occitans: http://ieo.paris.free.fr/fr.html (Stand vom 12.03.2007).

[10] Brigitte Schlieben-Lange: Okzitanisch und Katalanisch. Ein Beitrag zur Soziolinguistik zweier romanischer Sprachen; Tübingen ²1973 (Zukünftig Schlieben-Lange ²1973). S. 3ff.

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] siehe dazu auch Georg Kremnitz: Das Okzitanische. Sprachgeschichte und Soziologie; Tübingen 1981 (Zukünftig Kremnitz 1981). S. 20 ff.

[14] Von der herausragenden Bedeutung der Gallia Narbonensis für die Römer und umgekehrt zeugt nicht nur die vielfältige bauliche Aktivität (die unter anderem die Theater in Fréjus und Orange, die Amphitheater in Arles oder Nîmes oder der Pont du Gard zum Ergebnis hatte), sondern auch der Name, den die Römer dem Gebieten gaben: Provincia Romana, die römische Provinz schlechthin. Zum römischen Einfluss in Südfrankreich siehe auch: Raymond Chevallier: Römische Provence. Die Provinz Gallia Narbonensis. Luzern 1985.

[15] Der Name stammt vom okzitanischen Verb trobar (finden) und bedeutet also „Finder, Erfinder“.

[16] Rainer Schlösser: Die romanischen Sprachen; München 2001, S. 67. Kremnitz 1997, S. 38f, liefert einen kurzen Abriss der okzitanischen Literaturgeschichte jenseits der Trobador-Dichtung.

[17] Ebd., S. 69.

[18] Albigenser, auch Katharer: Dualistische Sekte mit gnostischen Anklängen, die zu Beginn des 13. Jahrhunderts von der römisch-katholischen Kirche als Häresie gebrandmarkt wurde. Der Albigenserfeldzug ist nicht nur sprachgeschichtlich relevant, sondern begründet die bis heute andauernde politische Dominanz des französischen Nordens über den Süden. Sehr kurzer, aber äußerst informativer Abriss in: Jacques Le Goff (Hg.): Fischer Weltgeschichte Band 11. Das Hochmittelalter. Paris ²1969. S. 246 ff. Den Kreuzzug unter kirchenpolitischen Aspekten beleuchtet Gerd Schwerhoff: Die Inquisition. Ketzerverfolgung in Mittelalter und Neuzeit; München ²2006, S. 26-33.

[19] An dieser Stelle wären wohl tiefer gehende Betrachtungen angebracht. Tatsächlich kann man in einem europäischen Maßstab schon weit vorher von einem „Siegeszug des Französischen“ sprechen, der unter anderem durch militärische Aktionen (Eroberung Britanniens durch die Normannen 1066), über literarische Beziehungen, Handelskontakte, dynastische Beziehungen oder die Kreuzzüge bedingt wurde. Dieses Thema würde allerdings den Rahmen der vorliegenden Arbeit bei weitem sprengen.

[20] Die italienische Sprache erlangt (als Feindbild) erst nach der Inthronisierung der Katharina de Medici als Königin Frankreichs 1547 Bedeutung.

[21] Siehe dazu Jürgen Trabant: Der gallische Herkules. Über Sprache und Politik in Frankreich und Deutschland. Tübingen/Basel 2002. (Zukünftig Trabant 2002) Trabant beschreibt in erster Linie die Werke Champ fleury von Geoffroy Tory (1529) und die Défense et Illustration de la langue française von Joachim du Bellay.

[22] Es passt ins Bild, dass François I als Wegbereiter des Absolutismus und des Zentralismus als ein früher Vertreter der „nation une et indivisible“ begriffen wird.

[23] Artikel 111 der Ordonnance besagt: „nous voulons d‘oresnavant que tous arrests, ensemble toutes autres procédures, soient de nos cours souveraines et autres subalternes et inférieures, soient de registres, enquêtes, contrats, commissions, sentences, testaments, et autres quelconques, actes et exploicts de justice, ou qui en dépendent, soient prononcés, enregistrés et délivrés aux parties en langage maternel françois et non autrement.“ Zitiert nach Kremnitz 1981, S. 24.

[24] Zur Sprachpolitik der Revolution siehe auch: Kremnitz 1997, S. 68-77.

[25] Tatsächlich wurden die einzelnen patois sogar den (außerstaatlichen) „Feinden der Republik“ zugeordnet: „Le fédéralisme et la superstition parlent bas-breton; l’émigration et la haine de la République parlent allemand; la contre-révolution parle l’italien, et le fanatisme parle le basque. » Barère am 8 pluviôse II (27.01.1794), zitiert nach Trabant 2002, S. 44.

[26] Zitiert nach Kremnitz 1981, S. 27.

[27] Aus der Rede von Bertrand Barère am 8. pluviôse II (27.01.1794). Zitiert nach Trabant 2002, S. 52.

[28] Was natürlich auch maßgeblich mit dem Umstand zusammenhängt, dass erst zu dieser Zeit reelle Aufstiegschancen für Kinder aus der Provinz bestanden – vorausgesetzt, sie sprachen Französisch.

[29] In der französischen Schreibweise auch „le Félibrige“.

[30] Kremnitz 1997, S. 88.

[31] Für weitere staatliche Maßnahmen und ihren Auswirkungen siehe Handbuch 1997, S. 1191f.

[32] Der Artikel wurde parallel zum Maastricht-Vertrag eingeführt. Siehe den Verfassungstext auf http://www.assemblee-nationale.fr/connaissance/constitution.asp#title1 (Stand: 14.03.06).

[33] Zu den calandretas siehe Sabine Schlick: Die Calandreta-Bewegung zwischen Okzitanismus und Reformpädagogik. Eine empirische Untersuchung zur bilingualen Erziehung in Südfrankreich; Zürich 1999. (Zukünftig: Schick 2000)

[34] Schick 2000, S. 124. Die okzitanische wikipedia spricht von aktuell „1700 escolans repartits dins 37 establiments primaris dins divèrsas regions“ (http://oc.wikipedia.org/wiki/Calandretas; Stand: 19.03.2007).

[35] Zur medialen Präsenz des Okzitanischen vgl. Handbuch 1997, S. 1191f und Schick 2000, S. 75ff.

[36] Kremnitz 1997, S. 26. In dieser Hinsicht ist das Ergebnis der Befragung durch Schick bemerkenswert: Innerhalb der okzitanischen Bewegung zählen nur 5 % der Befragten das „Graphieproblem“ zu den meistdiskutiertesten Fragestellungen (Schlick 2000, S. 81f).

[37] „Nur 1/3 der Untersuchungseinheiten gibt an, sich für eine Graphie unter Ausschluß der anderen entschieden zu haben.“ Schlick 2000, S. 75. Untersuchungseinheiten bezeichnen hier okzitanische Vereine.

[38] Handbuch 1997, S. 1190.

[39] Die Bezeichnung stammt aus Schlieben-Lange ²1973.

[40] Es passt ins Bild, dass sich „ein Drittel der okzitanischen Bewegungen sich vorwiegend für das so genannte „occitan local“ einsetzen“ (Schick 2000, S. 73). Zumindest illustriert es die Uneinigekeit der okzitanischen Bewegung und liefert einen Erklärungsansatz unter vielen, warum das Okzitanische nicht dauerhaft und ungefährdet etabliert werden konnte.

[41] Schlieben-Lange ²1973, S. 45f.

[42] Kremnitz 1990 (S.56) betont den eigendynamischen Effekt: „Die Betroffenen, Sprecher einer Sprache oder Varietät, die im direkten gesellschaftlichen Kontakt mit einer anderen steht, übernehmen nach einer gewissen Zeit die offizielle Abwertung und sehen ihre eigene Sprachform als weniger leistungsfähig (im Französischen bezeichnet man solche Sprachformen als Patois).“ Auch aus diesem Grund haben lange Zeit viele Eltern nicht mit ihren Kindern auf Okzitanisch gesprochen, um ihre Aufstiegschancen nicht zu gefährden (siehe dazu Schlieben-Lange ²1973, S.44).

[43] Es mangelt in der französischen Literaturgeschichte nicht an Beispielen: Neben Marcel Pagnol und Jean Giono (die Schlieben-Lange ²1973 anführt) könnte man unter anderem auf Anouilh, Artaud, Mauriac, Montesquieu, Rivière und Valéry verweisen.

[44] siehe auch Kremnitz 1997, S. 89-105. Im Handbuch Kontaktlinguistik macht Kremnitz (S. 1190) darauf aufmerksam, „[qu’il] est impossible d’appuyer ces observations, faites pendant les dernières années, par des données statistiques.“ Ähnliches scheint für die Sprecherzahlen zu gelten: für die verschiedenen Angaben in der Literatur siehe Anhang I.

[45] Kremnitz 1997, S. 91.

[46] Zur Anwendung der Okzitanischen Sprache siehe das Schaubild in Anhang II.

[47] siehe auch Schick 2000, S. 33.

[48] Zitiert nach Kremnitz 1997, S. 89.

[49] nach Kremnitz 1981, S. 12f.

Details

Seiten
22
Jahr
2007
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110680
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
Schlagworte
Okzitanisch Situation

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Titel: Okzitanisch - Zur historischen und gegenwärtigen Situation