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Die Anfänge der Tschadistik und ihre Einordnung in ein afroasiatisches (hamito-semitisches) Sprachmodel

Hausarbeit 2007 16 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Inhaltsverzeichniss:

1. Einführung

2. Die Anfänge der Hausaistik
2.1 Erste Beschreibungen
2.2 Erste Klassifikationsversuche

3. Hamito-Semitisch vs. Afroasiatisch
3.1 Die hamitische These
3.2 Die Schwesterfamilien-These

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die tschadische Sprachfamilie ist mit über 125 Sprachen die größte innerhalb des Afroasiatischen, und zugleich die Jüngste in ihrer Erforschung und ihrer Einbeziehung in ein afroasiatisches Sprachphylum. Dabei besteht ein großes Ungleichgewicht in ihrer Erforschung. Während eine Grammatik-Skizze des Hausa schon 1843 verfasst wurde und bis dato unzählig viele Aufsätze zum Hausa erschienen sind, blieb der Großteil der tschadischen Sprachen lange Zeit undokumentiert.

In diese Arbeit werde ich die Anfänge der Hausa-Wissenschaft beleuchten, und die ersten Versuche, das Hausa klassifikatorisch mit anderen Sprachen oder Sprachgruppen in Verbindung zusetzen. Der Kern meiner Arbeit soll die gängigen Meinungen über die Klassifikation des afroasiatischen (hamito-semitischen) Sprachphylums vorstellen, wie sie etwa bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vorherrschend waren. Hierbei nimmt der wissenschaftliche Disput zweier Lager einen zentralen Platz ein. Einige Wissenschaftler, wie beispielsweise Richard Lepsius, waren der Meinung, dass alle afroasiatischen Völker aus einem Urvolk hervor gegangen seien, die sich nach der biblischen Überlieferung in Jafetitisch, Hamitisch und Semitisch teilten. In Bezug auf Afrika wären demnach alle nicht-semitischen Sprachen den hamitischen Sprachen zu zuordnen. In Zusammenhang mit dieser These wurden die afrikanischen Sprachen auch anhand von Rassenmerkmalen untergliedert.

Im Gegensatz dazu stand die Ansicht, die afroasiatischen Sprachen oder Sprachfamilien seien gleichbedeutend nebeneinander stehende ‚Schwesterfamilien‘. Diese Annahme brauchte jedoch eine lange Zeit um sich durchzusetzen, ist heute aber die allgemein anerkannte Theorie.

Zu den Zitaten sei gesagt, dass die, für die Belegung meiner Aussagen, wichtigen Zitate vorrangig im Haupttext stehen und die Zitate in der Fußzeile als Ergänzung dienen sollen.

2 Die Anfänge der Hausaistik

2.1 Erste Beschreibungen

Während erste Wörtersammlungen des Hausa, wie „Kaschne“ (=Katsina) in Adelung und Vaters Mithridates, schon Anfang des 19. Jahrhunderts bekannt waren, so kann man den Anfang der systematischen Erforschung des Hausa erst mit den Arbeiten von Jacob Friedrich Schön (1803-1889) ansetzen, der 1842, unter dem englischen Namen James Frederick Schön, ein Grammatical sketch of the Hausa Language (Journal of the Royal Asiatic Society) und 1843 ein Wörterbuch zum Hausa verfasste. Erst 1862 erschien seine Grammar of the Hausa Language (London: Church Missionary House; 1971 Wiederveröffentlichung durch Gregg International Publishers Ltd.). Weiterhin verfasste Schön ein weiteres Wörterbuch (1876), ein Hausa Reading Book (1877) und eine Textsammlung (1885-86), die unter dem Titel Magana Hausa von Schöns Nachfolger Charles H. Robinson 1906 erneut herausgegeben wurde (Vgl. Wolff 1993: 13).

Robinson führte die Arbeit von Schön weiter, wodurch eine Hausa-Grammatik (1897 mit Neuauflagen bis 1914) und zwei Wörterbücher (Hausa-Englisch: 1897, Englisch-Hausa: 1899, jeweils Wiederauflagen bis 1925) entstanden.

Einen Höhepunkt erreichte die Hausaistik mit dem Wörterbuch von G. P. Bargery: A Hausa-English Dictionary and English-Hausa Vocabulary (London: Oxford Unversity Press) von 1934, das in Umfang von etwa 40.000 Einträgen und Qualität „alles bislang Erreichte in den Schatten stellte“ (Wolff 1993: 14). Es war tonbezeichnend und berücksichtigte auch die Distinktion von Vokallänge. Ein weiteres umfassendes Wörterbuch ist von R. C. Abraham und Mai Kano 1946 erschienen (Dictionary of the Hausa language. London: University of London Press), das Vereinfachungen in der Tonmarkierung einführte. Während andere tschadische Sprachen nur sehr gering betrachtet wurden, zählte eine Bibliographie von 1911 über Nordnigeria von B. Struck bereits 227 Titel zum Hausa, und auch danach steigt die Flut der Publikationen kontinuierlich weiter. S. Baldis Systematic Hausa Bibliograhy von 1977 enthält bereits 965 Titel.

2.2 Erste Klassifikationsversuche

Der erste, der Vermutungen über ein verwandtschaftliches Verhältnis zwischen tschadischen Sprachen, resp. Hausa und anderen Sprachen, die nach heutigem Stand als afroasiatische Sprachen zusammengefasst werden, äußerte, war Francis W. Newman. Im Anhang zu James Prichards Naturgeschichte des Menschengeschlechts (1945. Leipzig: Voß), verfasste Newman zwei Artikel: Ueber die Struktur der Berbernspache, und Bemerkungen ueber die Haussa-Sprache mit Grundlegung des „Vokabularium derselben mit grammatischen Elementen von J. F. Schön 1843“. In diesen stellt Newman Überlegungen zu der Verwandtschaft des Berberischen mit dem Semitischen zum Einen, bzw. was für uns von größerem Interesse ist, des Hausa mit den semitischen und den Berbersprachen zum Anderen an:

„Eine nur sehr geringe Anzahl von Zeit- und Hauptwörtern der Haussa-Sprache haben Ähnlichkeit mit denen der hebräo-afrikanischen Gruppe. (...) Weit wichtiger ist die Ähnlichkeit, welche die Haussa-Sprache in den Pronominibus mit der Familie der hebräischen Sprachen überhaupt und in den Präpositionen und Demonstrativis mit der berbernsprache entfaltet“ (F. Newman 1845: 648 f.)[1].

Max Müller (1855, 1861) greift diese These auf, in dem Bewusstsein, das die afroasiatischen Untergruppen nicht alle im gleichen Maße miteinander verwandt sein können:

„Other languages which are supposed to belong to the Semitic family are the Berber dialects of Northern Africa ... Some other African languages, too, such as the Haussa and Galla, have been classed as Semitic; and the language of Egypt, from the earliest hieroglyphic inscriptions to the Coptic ... has equally been referred to this class. The Semitic character of these dialects, however, is much less learly defined, and the exact degree of relationship in which they stand to the Semitic languages, properly socalled, has still to be determined“ (Müller 1861: 269; zitiert nach P. Newman 1980).

[...]


[1] Die Bezeichnung einer Ñhebr‰o-afrikanischenì Gruppe, an anderer Stelle verwendet er die Begriffe ÑSyro-Arabischì und Ñabyssinischì, m¸ssen nach heutiger Klassifizierung wohl eher als geographische Gliederung verstanden werden (vgl. R. Voigt 1995: 3).

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640089130
ISBN (Buch)
9783656245551
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110752
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2
Schlagworte
Anfänge Tschadistik Einordnung Sprachmodel Hausarbeit Tschadisch Hamitosemitisch

Autor

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Titel: Die Anfänge der Tschadistik und ihre Einordnung in ein afroasiatisches (hamito-semitisches) Sprachmodel