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Kommunikationsprozesse in beruflichen Situationen - Das Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun

Hausarbeit 2007 33 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Darstellung der Stoffauswahl
1.1 Klärung der Sachstruktur
1.1.1 Organonmodell von Bühler (1934)
1.1.2 Die 5 Axiome von Watzlawick
1.1.3 Das Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun

2. Sachaspekte des Unterrichtsinhalts

3. Begründung vom Bildungsziel her

4. Begründung von der Individuallage her

5. Allgemeine Angaben zum Unterricht

6. Unterrichtsverlaufplanung

7. Arbeitsblatt I Arbeitsblatt A Arbeitsblatt B

8. Erwartete SchülerInnenergebnisse Folie

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die folgende Ausarbeitung entstand aus dem Seminar „Kommunikative Prozesse in beruflichen Situationen im Wintersemester 2006/2007 bei Frau X. In dem Seminar wurden verschiedene Kommunikationstheorien- und Modelle in Referaten und durch Eigenarbeit vorgestellt und erarbeitet. Zudem wurden verschiedene Möglichkeiten der Kommunikation mit SchülerInnen an beruflichen Schulen mit den Seminarteilnehmerinnen erprobt.

In dieser Arbeit wird eine Unterrichtsstunde an einer beruflichen Schule für Sozialpädagogik geplant, in der sich die SchülerInnen mit dem Kommunikations- quadrat von Schulz v. Thun mit Blick auf den Doppelten Theorie-Praxis-Bezug auseinandersetzen. Der doppelte Theorie-Praxis-Bezug ist immer dann vorhanden, wenn nicht nur „reines Wissen“ vermittelt wird. Die SchülerInnen einer beruflichen Schule für Sozialpädagogik werden in ihrem späteren Berufsleben immer mit Menschen zusammenarbeiten. So muss der Unterricht darauf ausgelegt werden, dass das Wissen, das sich die SchülerInnen aneignen, weiter getragen wird.

Gerade das Kommunikationssquadrat von Schulz von Thun eignet sich für SchülerInnen an beruflichen Schulen für Sozialpädagogik, da das Modell nicht nur die theoretische Seite der Kommunikation erläutert. Nach Leupold (1995, S. 17) sind

„Theoretische und praktische Kenntnisse aus der Kommunikationspsychologie eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Problem- und Konfliktbewältigung der ErzieherInnen (…).“

Hintergrundinformationen zu Kommunikationsmodellen, Arbeitsblätter für die geplante Unterrichtsstunde und erwartete SchülerInnenergebnisse vervollständigen diese Ausarbeitung.

1. Darstellung der Stoffauswahl

Nach der Kommunikativen Pädagogik, die in den 70er Jahren in Anlehnung an die Kommunikationstheorie entstand, ist es Aufgabe des Lehrers, den Lernprozess über Kommunikation zu organisieren und dem Schüler durch Kommunikation spezifische Lernmöglichkeiten zu eröffnen. Dies wird als symmetrische Kommunikation (s. 1.1.2,

S. 5) bezeichnet. Demnach wird Kommunikation als zentrale Kategorie pädagogischen Handelns gesehen.1

Kommunikationspsychologische Grundlagen, wie sie in dieser Arbeit von Bühler, Watzlawick und von Thun aufgezeigt werden, sind die Basis für SchülerInnen, um bewusst kommunikativ handeln zu können. Nach Hobmair (2002, S. 80) ist Erziehung

„immer soziale Interaktion und Kommunikation“. Gerade im sozialen Bereich ist es daher wichtig, dass die SchülerInnen erkennen, dass Sprache auch sichtbar (durch Mimik, Gestik, Schrift und Bild), hörbar oder fühlbar (z.B. Berührung) zum Ausdruck gebracht werden kann.

Es gilt auch zu erkennen, dass Kommunikationsstörungen zur Kommunikation gehören und nicht vollständig ausgeschlossen werden können.2

Hier gilt der Merksatz

Wer?

Sagt was?

Auf welchem Weg?

Zu Wem?

Mit welcher Wirkung?

Im Bereich der Kommunikation planen, führen und reflektieren die SchülerInnen eigene Gespräche, lernen verschiedene Gesprächsarten kennen, tragen vor, präsentieren und kommunizieren schriftlich.

1.1 Klärung der Sachstruktur

Nach Behr (1980, S. 268) ist das „Wissen über die Grundlagen der Kommunikation die Voraussetzung für die Anleitung zur Kommunikation“. Daher werden zuerst die Kommunikationsmodelle von Bühler und Watzlawick vorgestellt, bevor im weiteren Verlauf der Arbeit das Kommunikationsmodell von Schulz v. Thun betrachtet wird, mit dem in der geplanten Unterrichtsstunde gearbeitet wird.

Die Kommunikationsmodelle dienen dazu, Kommunikation als „wahrnehmbare Erscheinungen“ zu betrachten.

1.1.1 Organonmodell von Bühler (1934)

Das Kommunikationsmodell des Psychologen Karl Bühler (1879-1962) wurde 1934 in seiner „Sprachtheorie“ veröffentlicht. Nach Deutschland gelangte es erst 1965, da Bühler in die USA emigrieren musste.3 Bühlers Organonmodell verdankt seinen Namen dem „Kratylos“ von Platon. Für Platon stellt die Sprache ein Organon dar ( €

Werkzeug), mit dem man einer anderen Person etwas mitteilt.

Bühlers Organonmodell unterscheidet zwischen Sender und Empfänger und sieht die Sprache als ein Kommunikationsmodell, dessen Ausgangspunkt das „Sprechen“ ist. Das „Sender-Empfänger-Modell“ war in Deutschland schon vorher, seit 1949, aus der Informationstheorie bekannt.

Dabei steht die „objektive Darstellung eines Sachverhaltes“ oder die Ansicht oder ein Appell des Senders an den Empfänger im Vordergrund.

Nach Bühler erfüllt die Sprache drei Funktionen. Diese nennt er die „drei Aspekte“ in der Sprache. Das Zeichen steht für

- Gegenstände und Sachverhalte (Darstellungsfunktion)
- den Ausdruck (es sagt etwas über den Sender aus) und
- die Appellfunktion (der Empfänger soll zu etwas aufgefordert werden).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: http://www.romanistik.uni- frankfurt.de/mitarbeiter/spiller/Seminarmaterialien/091105/buehler_organonmodell.gif (Februar 2007) )

Sein Modell stellt demnach eine Kommunikationssituation dar. Gleichzeitig kann man anhand seines Modells auch die Verwendung von Zeichen erläutern; es ist also zudem ein Zeichenmodell.

1.1.2 Die 5 Axiome von Watzlawick

Paul Watzlawick wurde 1921 in Österreich geboren und war als Psychotherapeut tätig. Er beschäftigte sich vor allem mit Kommunikationsstörungen. Sein Kommunikationsmodell entstand als Denkmodell unter besonderer Berücksichtigung von Verhaltensstörungen.

Sein Buch „Menschliche Kommunikation“ erschien in Deutschland zuerst 1969. Er beschäftigt sich darin mit dem „pragmatischen“ Aspekt der Sprache. Seine Kommunikationstheorie baut auf fünf pragmatischen Axiomen auf, die als Grundlage einer gelingenden Kommunikation zu sehen sind.

Pragmatik definiert Watzlawick (1990, S.23) folgendermaßen:

„Nicht nur Worte, ihre Konfiguration und ihre Bedeutung- also die Daten der Syntaktik und der Semantik-, sondern auch alle nichtverbalen Begleiterscheinungen, die sogenannte Körpersprache inbegriffen (…) in dieser pragmatischen Sicht ist demnach nicht nur die Sprache, sondern alles Verhalten Kommunikation, und jede Kommunikation –selbst die kommunikativen Aspekte jedes Kontextes- beeinflusst das Verhalten.“

Das Verhalten besitzt nach Watzlawick (1990) verschiedene Bewusstseinsgrade:

- voll bewusst
- unbewusst, aber erkennbar nach Hinweis
- unbewusst und auch nicht durch Hinweis erkennbar

Seiner Annahme nach besitzt alles Verhalten in zwischenmenschlichen Situationen Mitteilungscharakter und ist somit Kommunikation. Verhalten und Kommunikation sind demnach theoretisch, nicht aber praktisch trennbar.4 Daraus leitet sich sein erstes Axiom ab:

[...]


1 vgl. PFEIFFER, SILKE (2007): Lehren und Lernen aus Sicht der kommunikativen Pädagogik, S. 51

2 vgl. vgl. WATZLAWICK, PAUL/BEAVIN, JANET H./JACKSON, DON D. (1990): MenschlicheKommunikation – Formen, Störungen, Paradoxien – 8. unveränderte Auflage, Verlag Hans Huber, Bern Stuttgart Toronto

3 http://www.romanistik.uni-freiburg.de/raible/Lehre/2005_06/Materialien/Buehler_Seminar.pdf

4 vgl. WATZLAWICK, PAUL/BEAVIN, JANET H./JACKSON, DON D. (1990): MenschlicheKommunikation – Formen, Störungen, Paradoxien – 8. unveränderte Auflage, Verlag Hans Huber, Bern Stuttgart Toronto, S.51

Details

Seiten
33
Jahr
2007
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110868
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
2+
Schlagworte
Kommunikationsprozesse Situationen Kommunikationsquadrat Schulz Thun

Autor

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