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Snoezelen - Sinnesanregung mit therapeutischer Wirkung

Seminararbeit 2006 30 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung in das Konzept Snoezelen
2.1 Was bedeutet „Snoezelen“?
2.2 Die Entwicklung von Snoezelen
2.3 Definition von Snoezelen
2.4 Theoretische Aspekte
2.4 Formen von Snoezelen
2.4 Gestaltung eines Snoezelraumes
2.4.1 Raumauswahl und -gestaltung
2.4.2 Ausstattung und Ausgestaltung eines Snoezelraumes

3 Wahrnehmung und Sinne - welche Sinne werden beim Snoezelen angesprochen?

4 Prinzipien und Ziele
4.1 Grundprinzip
4.2 Prinzipien des Snoezelen
4.2 Zielsetzungen
4.2.1 Primäre Ziele
4.2.3 Weitergehende Zielsetzungen

5 Anwendungsmöglichkeiten
5.1 Zielgruppe
5.2 Einsatzmöglichkeiten
5.3 Beispiele

6 Snoezelen als Interventionsmethode? - Kritische Betrachtung
6.1 Snoezelen im Spannungsfeld von Therapie und Freizeit
6.2 Kritische Anmerkungen zum Snoezelen als Therapie
6.3 Untersuchung zu Wirkungsweisen von Snoezelen
6.3.1 Studie einer Förderklasse
6.3.2 Analyse zur Befindlichkeitserfassung beim Snoezelen

7 Zusammenfassung und persönliches Fazit
7.1 Schlusswort

8 Quellenangaben

1 Einleitung

Das sinnliche Erleben bedeutet, das Leben neu zu entdecken.

Jeder Mensch wird von seinen Sinnen geleitet: Hören, Sehen, Riechen, Tasten oder Schmecken. Wir werden aus unserer Umwelt ständig mit einer Vielzahl von Reizen konfrontiert. Gibt es Beeinträchtigungen oder Störungen in einem der Wahrnehmungsbereiche, werden Reize falsch gesteuert, fehlerhaft interpretiert, unterbrochen oder häufig gar nicht aufgenommen. Diese Erkenntnisse werden beim Snoezelen genutzt. In multisensorischen Räumen wird eine Vielfalt an sinnlichen Anregungen mit diversen technischen Hilfsmitteln, Kombinationen von Musik, Lichteffekten, sanften Vibrationen, taktilen Stimulationen etc. angeboten. Die Benutzer können auf eine Entdeckungsreise durch die Welt der Sinne gehen oder einfach nur ruhen und sich in dieser magischen Atmosphäre entspannen und träumen.

„Gesunder Menschenverstand sagt uns ja schon, dass nichts in unseren Verstand zu finden sei, was nicht zuerst durch unsere Sinne Eingang fand.“

(Dahlke, 1996).

In der vorliegenden Belegarbeit möchte ich die Methode des Snoezelen vorstellen sowie Wirkungen, Prinzipien und Ziele darlegen.

Welche Sinne werden beim Snoezelen wie angesprochen? Für welchen Personenkreis ist diese Maßnahme geeignet? Wo finden sich Anwendungsmöglichkeiten für das Snoezelkonzept?

Im Weiteren wird die Methode des Snoezelen kritisch unter der Fragestellung: „Freizeitaktivität oder Therapie?“ diskutiert. Während der spannenden Recherche zum Thema Snoezelen konnte ich reichlich Informationsmaterial sammeln und bin infolgedessen auf sehr unterschiedliche Ansichten und Meinungen gestoßen. In der Auseinandersetzung mit der Thematik habe ich meinen eigenen Standpunkt gefunden und werde diesen in dem abschließenden Fazit erläutern.

2 Einführung in das Konzept Snoezelen

2.1 Was bedeutet „Snoezelen“?

„Snoezelen“ ist ein Begriff der aus dem Holländischen stammt und von zwei Zivildienstleistenden der Anstalt „Haarendael“ geprägt wurde. Es ist eine Wortkombination aus „snuffelen“ = schnüffeln, schnuppern und „doezelen“ = dösen, schlummern und erinnert an das englische Wort „to snooze“ = dösen. Während „snuffelen“ für unsere Sinne, also Sehen, Fühlen, Schmecken, Hören und Riechen steht, umfasst „doezelen“ alle emotionalen Sinneserfahrungen, also Geborgenheit, Schmusen, Wiegen, Körperkontakt, sich wohl fühlen.

Snoezelen ist eine Aktivität, die es Menschen ermöglicht grundlegende Sinneserfahrungen im taktilen, emotionalen und kognitiven Bereich zu machen. Mit Snoezelen wird also eine Freizeitaktivität beschrieben, in der alle Sinne angesprochen werden mit dem Ziel entspannend und erholend zu wirken.

(Vgl. Hulsegge, Verheul 1998, S. 6 - 7.)

Das folgende Beispiel verdeutlicht, was unter Snoezelen zu verstehen ist:

„Ich schaue aus dem Fenster. Der Regen peitscht über die Straße. Regentropfen laufen am Fensterglas herunter. Draußen laufen Menschen mit bunten Regenschirmen. Sie wollen schnell ins Trockene und Warme. Ich gehe zurück zum Sessel und kuschel mich in eine dicke Wolldecke. Meine Füße lege ich auf eine Wärmflasche. Wohlige Wärme durchflutet mich. Ich habe Zeit. Vor mir liegt ein guter Roman. Der Tee, den ich vorher gekocht habe, duftet so köstlich. Ein Aroma durchzieht den Raum. Ich bin zufrieden und entspannt. Herrlich so ein Snoezelnachmittag.“ (Löding 2004, S. 7).

2.2 Die Entwicklung von Snoezelen

Die erste Snoezeltheorie publizierten 1966 die amerikanischen Psychologen Cleland und Clark und berichteten, dass mit ausgewählten Sinnesangeboten bei Personen mit Entwicklungsverzögerungen, Hyperaktivität, geistiger Behinderung und Autismus eine Förderung der Entwicklung, der Kommunikationsfähigkeit und des Verhaltens möglich war. Mitte der Siebziger Jahre wurde in Holland in Behinderteneinrichtungen der Snoezelgedanke aufgegriffen und weiterentwickelt, wobei damals ausschließlich der Gedanke eines Freizeit- und Erholungsangebotes für Menschen mit Schwerbehinderung vorherrschte.

Die Beschreibung der holländischen Begründer Hulsegge und Verheul verdeutlicht die ursprünglichen Absichten und Ziele des Snoezelen:

„Snoezelen ist ein Freizeitangebot für schwerst Behinderte, bei dem sie ruhig werden und zu sich selbst finden können.“ (Hulsegge, Verheul 1998, S. 10).

Besonders Verheul und Hulsegge haben mit ihren in der Einrichtung „De Hartenberg“ gesammelten und publizierten Erfahrungen zur Weiterentwicklung und Verbreitung des Snoezelen beigetragen und gelten als „Urväter des Snoezelen“.

Etwa zehn Jahre später hat sich Snoezelen auch in anderen Ländern, wie Großbritannien, Schweden, Kanada und Deutschland etabliert und es entstanden in vielen Behinderteneinrichtungen Snoezelräume.

Das ursprünglich für schwerstbehinderte Menschen entstandene Konzept wurde mit dessen Verbreitung seit den neunziger Jahren auch auf andere Zielgruppen ausgedehnt. In Großbritannien wurde das Snoezelen unter anderen in der Behandlung mit Schmerzpatienten eingesetzt und in Deutschland nutzte man ebenso frühzeitig die Möglichkeiten unterschiedliche pädagogische und therapeutische Anwendungen in den Snoezelraum zu verlegen. Auf diesem Wege entstanden weitere Varianten des Snoezelen, so dass heute drei große Strömungen vorherrschen: Snoezelen als Freizeit- und Erlebnismöglichkeit, Snoezelen mit zielgerichteten pädagogischen Absichten und Snoezelen als therapeutisches Maßnahme.

(Vgl. http://www.snoezelen-stiftung.de und Mertens 2005, S. 58.)

2.3 Definition von Snoezelen

Heute findet man zwei fundamentale Definitionen des Begriffes Snoezelen.

Einmal eine Freizeit und Erlebnispädagogisch orientierte Definition:

"Unter Snoezelen verstehen wir das bewusst ausgewählte Anbieten primärer Reize in einer angenehmen Atmosphäre.

Snoezelen ist eine primäre Aktivierung schwer geistig behinderter Menschen, vor allem auf sinnliche Wahrnehmung und sinnliche Erfahrung gerichtet, mit Hilfe von Licht, Geräuschen, Gefühlen, Gerüchen und dem Geschmackssinn. Snoezelen ist das Schaffen authentischer Erlebnismöglichkeiten von Umwelt für die, die anders sind." (Hulsegge, Verheul 1998, S. 36).

Und zum anderen die Arbeitsdefinition der Deutschen Snoezelen Stiftung, die auf weitergehende Möglichkeiten des Snoezelen eingeht:

"Snoezelen ist eine ausgewogen gestaltete Räumlichkeit, in der durch harmonisch aufeinander abgestimmte multisensorische Reize, Wohlbefinden und Selbstregulationsprozesse bei den Anwendern ausgelöst werden. Durch speziell auf den Nutzer hin orientierte Raumgestaltung werden sowohl therapeutische und pädagogische Interventionen als auch die Beziehung zwischen Anleiter und Nutzer gefördert.

Snoezelen kann im Kranken-, Behinderten- und Nichtbehindertenbereich wirksam angewendet werden."

(http://www.snoezelen-stiftung.de/definition.html).

Bei kritischer Betrachtung der genannten Definitionen wird allerdings deutlich, dass es sich vielmehr um Beschreibungen und Vermischungen von Prinzipien, Inhalten und Zielen handelt.

2.4 Theoretische Aspekte

Definitionen und Ziele hängen beim Snoezelen eng mit den Möglichkeiten und Problemen der Nutzer zusammen. Zielgruppe in den Anfängen des Snoezelen waren vorwiegend Menschen mit geistiger Schwerbehinderung. Im Umgang mit ihnen steht Akzeptanz an erster Stelle und ihre oft beschränkten Beschäftigungsmöglichkeiten werden als wertvolle Ressourcen gesehen, sowie ihr Willensäußerungen respektiert.

Snoezelen beruht auf der Ansicht, dass Menschen mit geistiger Beeinträchtigung der Alltag und die Umwelt sehr chaotisch, wie stressig vorkommen müssen. Sie haben wenige Möglichkeiten der Anwesenheit anderer Menschen auszuweichen und sind somit auch den Gewohnheiten und Verhaltensweisen (wie Schreien und Schlagen) anderer regelmäßig ausgesetzt. Diese Menschen sind überfordert, da sie den permanent ausgesetzten Umweltreizen kaum entfliehen beziehungsweise diese ordnen oder verstehen können. Der Alltag wird so bedrohlich und undurchschaubar und aufgrund der nicht oder fehlerhaft verarbeiteten Eindrücke entsteht ein hohes Angst- und Stresspotential. Zudem ist es Menschen mit geistiger Schwerstbehinderung oft nicht möglich ihre Erfahrungen und Erlebnisse verbal zugänglich zu machen.

Beim Snoezelen besteht die Möglichkeit des Rückzuges aus dem chaotischen Alltag, der Entspannung und nonverbalen Kommunikation. Im Gegensatz zu anderen Aktivitäten, die Menschen mit geistiger Schwerbehinderung schnell überfordert, werden beim Snoezelen die Sinne nicht komplex angesprochen, sondern die Reize selektiv angeboten und sich auf einzelne Sinneswahrnehmungen konzentriert. (Vgl. Hulsegge, Verheul 1998, S. 8 – 12.)

2.4 Formen von Snoezelen

Mit der Entwicklung des Snoezelen entstanden verschiedene Formen, auch um den vielseitigen Konzeptionen und Bedingungen der unterschiedlichen Einrichtungen gerecht zu werden. Es gibt insbesondere drei Formen des Snoezelen: den Snoezelraum, das mobile Snoezelen und das wohnbereichsintegrierte Snoezelen. Diese drei Formen sind einzeln sowie gemeinsam in einer Einrichtung anwendbar.

Der Snoezelraum ist die bekannteste und klassische Form des Snoezelen. Abgeschirmt von der alltäglichen Umgebung können die Menschen entspannen, ruhen und träumen. Die Snoezelräume können sehr unterschiedlich und mit abwechslungsreichen Materialen und Gegenständen gestaltet sein. Die Nutzung und Einrichtung eines solchen Raumes ist vorrangig abhängig von den Bedürfnissen der Bewohner, aber auch von den personellen und finanziellen Möglichkeiten der jeweiligen Einrichtung. Die Nutzungsmöglichkeiten eines Snoezelraumes umfassen Einzelsitzungen, als häufigste Nutzungsform sowie Gruppensitzungen. Neben den reinen Snoezelsitzungen werden diese Räume in einigen Einrichtungen auch zum Beispiel für physiotherapeutische Behandlungen oder Massagen genutzt.

Für Einrichtungen, die nicht die erforderlichen Räumlichkeiten für einen Snoezelraum besitzen, bietet sich das mobile Snoezelen an. Mit Hilfe eines Rollwagens oder eines rollbaren Regals wird verschiedenartiges Snoezelzubehör direkt in das Bewohnerzimmer gebracht und dort verwendet. Durch die Nutzung eines Snoezelwagens hat man die Gelegenheit ebenfalls die gewünschte Wirkung des Snoezelens zu erreichen. Nachteile vom Snoezelen im eigenen Zimmer sind natürlich die Alltagsnähe sowie dass eine Reizreduzierung einschließlich der erwünschten Ruhe schwieriger zu erreichen ist.

Durch erlebte Snoezelerfahrungen wächst oft im Alltag das Bedürfnis nach Snoezelelementen und das wohnbereichsintegrierte Snoezelen entsteht als Folge. Snoezelen soll in verschiedenen Lebensbreichen seine positiven Wirkungen zeigen und so werden Wohnbereiche, Bäder, Flure etc. mit Snoezelmaterialen ausgestattet. Vorher oftmals sterile, langweilige und reizarme Räume werden zu besonderen Erlebnisräumen. In der praktischen Umsetzung könnte es bedeuten in einem Flur Wassersäulen zu installieren, Mobiles an die Decke zu hängen, Tastbilder aufzuhängen oder auch einige bequeme Sitzkissen aufzustellen.

(Vgl. Löding 2004, S. 49 - 57).

2.4 Gestaltung eines Snoezelraumes

2.4.1 Raumauswahl und -gestaltung

Auf der Basis von Raumskizzen und Angaben über die zukünftigen Nutzer des Snoezelraumes werden Ausstattungsvorschläge erarbeitet. Die Raumgestaltung sollte möglichst im Team geplant werden um eine größtmögliche Akzeptanz zu erreichen. Das Ziel ist ein Snoezelraum, der von mehreren Nutzern gleichermaßen angenommen wird.

Der erste Schritt ist die Auswahl eines geeigneten Raumes. Der Raum, mit einer optimalen Raumgröße von circa 15 – 30 m², sollte abseits von Lärmquellen liegen, gut belüftbar sein, möglichst viele Anschlüsse für elektrische Geräte haben und er muss für alle Nutzer gut zugänglich sein. Quadratische Räume wirken vorteilhafter und geben mehr gestalterische Möglichkeiten als zum Beispiel schlauchförmige Räume.

Ausgehend von den Bedürfnissen der Benutzer und dem finanziellen Rahmen wird der Raum mit den wichtigsten Basiselementen ausgestattet. Bei der Gestaltung des Snoezelraumes sollte darauf geachtet werden den Raum nicht mit Materialen zu überladen, stattdessen ist es sinnvoller zusätzliche mobile Angebote in einem Nebenraum zu lagern.

Durch selbst gebastelte Mobiles, bunte Tücher und natürlichen Materialen der Jahreszeiten erhält der Raum eine individuelle, persönliche Note und diese Dekoration kann zudem jederzeit ausgewechselt werden.

(Vgl. http://www.snoezelen-stiftung.de/raumplanung.html).

2.4.2 Ausstattung und Ausgestaltung eines Snoezelraumes

In einem Snoezelraum ist ein weicher Boden, auf dem man sich überall hinsetzen kann, ein wichtiges Element zum Fühlen. Der Boden ist die Basis, von dem aus der Besucher seine Umgebung erkundet. Viele Besucher bewegen sich kriechend oder liegend im Raum, so dass die Tastobjekte in erreichbarer Höhe angebracht werden müssen. Die Besucher sind auf diese Weise in Lage sich selbständig mit den Objekten auseinander zusetzen und nicht fortwährend auf die Hilfe ihrer Betreuer angewiesen. Tastgegenstände, wie Plastikstreifen, Wollstränge oder Baumwollfäden, werden so im Raum angebracht, dass der Besitzer unmittelbar mit ihnen konfrontiert und dazu aufgefordert wird sich mit ihnen zu beschäftigen.

Zum weiteren Standardinventar einer Snoezeleinrichtung gehört häufig ein Wasserbett, dass zudem als Musik-Wasserbett konstruiert sein kann. Auf diesem temperierten Wasserbett liegend kann man die Musik nicht nur hören, sondern auch vibratorisch erfahren. In vielen Räumen findet man ebenso ein Bällchenbad.

Zum Tasten und Fühlen werden diverse Kästen mit einer Öffnung aufgestellt, in welchen verschiedene Materialen zum Ertasten gefüllt werden. Ebenso kann man Tastobjekte an der Wand oder an einem Brett befestigen.

Durch die Installation diverser Geräte, wie Lichtsäulen, Spiegelkugeln oder Musikanlagen kommen Licht- und Toneffekte im Snoezelraum zum Einsatz. Mit Hilfe einer Lichtorgel können Geräusche sogar sichtbar und damit Musik visuell wahrnehmbar gemacht werden.

(Vgl. Zimmer 1995, S. 192 – 195.)

Der Snoezelraum sollte ein klares, übersichtlich strukturiertes Umfeld bieten. Zu den Rahmenbedingungen gehört eine auf die Sinne bezogene, konkret erfahrbare Raumgestaltung, welche die einzelnen Sinne in der Tiefe anspricht und Störquellen möglichst vermeidet.

3 Wahrnehmung und Sinne - Welche Sinne werden beim Snoezelen angesprochen?

Snoezelen dient der Entspannung, fördert die Wahrnehmung und kann die Sinne eines Menschen in vielfältigster Form ansprechen. Die sensorischen Erfahrungen, die beim Snoezelen gemacht werden, sind Erfahrungen, welche ebenso im alltäglichen Leben gesammelt werden könnten. Im Alltag gibt es jedoch keine Möglichkeit die Reize zu selektieren und dem einzelnen Menschen individuell abgestimmte Sinnesreize anzubieten. Was die Menschen in einem Snoezelraum wahrnehmen, wird aber nicht nur über die Snoezelelemente und die von ihnen ausgehenden Reize bestimmt, sondern auch von den Besuchern mit ihren unterschiedlichen Wahrnehmungsfähigkeiten, ihren Lebenserfahrungen und ihrer Biografie.

„Die Wahrnehmung ist die Grundlage für jedes In-Beziehung-Treten mit der Umwelt und die Grundlage für die Erfahrungen, die beim Snoezelen gemacht werden können.“ (Löding, 2004, S. 10).

Wahrnehmung erfolgt über unsere Sinnesorgane, sowie durch registrieren und vergleichen der aufgenommenen Reize mit den vorhandenen Erinnerungen und Erfahrungen im Großhirn.

Unsere unmittelbare Umgebung besteht aus einer Kombination von Licht, Geräuschen, Gerüchen und Objekten, welche wir sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen können. Mit unseren Sinnen nehmen wir dies alles war und entsprechend den Sinnesgebieten können wir die Wahrnehmungen bzw. die Reizmöglichkeiten unterscheiden. Die aufgenommenen Reize werden als Informationen durch die spezifischen Rezeptoren des jeweiligen Sinnesorgans über die Nervenbahnen weitergegeben.

Visuelle Wahrnehmung

Die meisten Informationen über die Umwelt erhalten wir durch die Augen. Nach Verarbeitung der visuellen Reize in Form von Umrissen, Farben, Bildern und Bewegungen im Gehirn entsteht ein Bild der unmittelbaren Umgebung. Augen können selbst dann noch Reize in sich aufnehmen, wenn Bewegungen des Kopfes nicht mehr möglich sind. Sie können Reize in Form von Lichtspielen, Farbenschattierungen, Gegenständen, Räumen, Strukturen sowie Größenunterschieden durch unterschiedliche Entfernungen aufnehmen und weiterleiten, damit diese Informationen mit bereits vorhandenen Erfahrungen verglichen und weiterverarbeitet werden können.

Der Sehsinn kann beim Snoezelen auf verschiedene Weise angesprochen werden. Der Einsatz von bestimmten Farben beeinflusst die psychische Stimmung und unterstützt bestimmte Grundstimmungen, so wirkt die Farbe Grün zum Beispiel beruhigend.

Akustische Wahrnehmung

Ähnlich wie das Auge, erhält das Ohr seine Informationen gleichfalls aus der Umwelt. Mit den Ohren können alle Arten von Geräuschen, Tönen und Stimmen in unterschiedlichen Lautstärken wahrgenommen. Die aufgenommenen Reize werden durch die dabei erzeugten Schwingungen vom Trommelfell aufgenommen und weitergeleitet. Da Musik in der Lage ist unter anderem auch die Membranen von Lautsprechern zum Schwingen zu bringen, ist es möglich, ohne das ich Musik hören kann diese über die Hautsinne aufzunehmen.

Durch den Einsatz sehr verschiedener Geräusche, Klänge und Musik werden ähnlich wie bei der visuellen Wahrnehmung verschiedene Stimmungen erzeugt und unterstützt.

Taktile Wahrnehmung

Die Haut ist das größte Wahrnehmungsorgan des Menschen und die Hautsinne setzen sich aus dem Tastsinn, dem Schmerzsinn sowie dem Temperatursinn zusammen. Die verschiedenen Rezeptoren dieser Sinne reagieren in der Regel gleichzeitig. Beim Betasten eines Gegenstandes kommt es gleichzeitig zu einer Erregung der Druck- und Berührungsrezeptoren, der Temperatur- und eventuell auch der Schmerzsinnesorgane. Wir ertasten ob ein Gegenstand hart oder weich, leicht oder schwer, glatt oder mit Struktur behaftet ist. Wir können aber auch erfühlen ob etwas stumpf oder spitz, kalt oder warm ist. Der Temperatursinn ist zudem dafür verantwortlich die Körpertemperatur zu sichern, wofür ihm Kalt- und Warmrezeptoren zur Verfügung stehen.

Die taktile Wahrnehmung lässt sich nicht nur durch menschliche Berührung fördern, sondern gleichermaßen über Snoezelzubehör, wie Tastwände oder Kissen, die ertastet und entdeckt werden können. Bei Menschen mit schweren Beeinträchtigungen oder Pflegebedürftigkeit bleibt die Fähigkeit erhalten Reize über die Haut wahrzunehmen und zu spüren und somit ist die Wahrnehmung von taktilen Reizen häufig die einzige Möglichkeit Kontakt aufzunehmen. Beim Snoezelen kann durch Tasten, Fühlen und Berühren stimuliert und Gefühle von Geborgenheit, wie Sicherheit vermittelt werden.

Olfaktorische und gustatorische Wahrnehmung

Zusätzliche Möglichkeiten Reize aufzunehmen bieten uns der Geruchs- sowie der Geschmackssinn. Über Nase und Mund werden Gerüche, Aromen und Geschmacksempfindungen wahrgenommen und vermitteln Eindrücke wie süß, sauer, herb und bitter.

Beim Snoezelen werden die Sinne meist nur über Düfte angesprochen, sehr selten wird im Snoezelraum der Geschmackssinn unterstützt. Die Duftinformationen werden an den Teil des Gehirns weitergeleitet, der für Gefühle und Wohlbefinden zuständig ist und daher können Düfte die Gefühle, die Stimmung sowie das momentane Befinden beeinflussen. Ähnlich wie die Farbtherapie kann beim Snoezelen die Aromatherapie eingesetzt werden um eine stimmungsvolle, entspannende Umgebung zu schaffen. Die in der Aromatherapie verwendeten ätherischen Öle haben zudem noch heilende Wirkung, so wie zum Beispiel Zitrone harzig, wie auch würzig duftet und konzentrationsfördernd wie ausgleichend auf die Psyche wirkt.

Beim Snoezelen wird sich die Möglichkeit der gezielten Wahrnehmung zu nutze gemacht. Hier werden Sinnesreize bewusst eingesetzt und angeboten, welche angenehme Gefühle auslösen und zum einen zur Entspannung führt, gleichzeitig aber auch zur Steigerung des Selbstwertgefühls, zur Motivation und zur Weiterentwicklung eines jeden, seinen Fähigkeiten entsprechend. Die Vorlieben und Abneigungen für bestimmte Reize werden durch die Biografie der Menschen mit beeinflusst. Snoezelen ist ein Erlebnis für alle Sinne in jedem Lebensalter.

(Vgl. Hulsegge, Verheul 1998, S. 15-19 und Löding 2004, S. 9 - 17.)

4 Prinzipien und Ziele

4.1 Grundprinzip

„… „ Niets moet, alles mag “ …“

(Hulsegge, Verheul 1998, S. 11).

Dieser Satz sagt aus, es muss nichts gemacht werden, alles ist erlaubt und ist ein grundlegendes Prinzip beim Snoezelen. Dieses von Ad Verheul definierte Grundprinzip stellt die Vielfältigkeit und Individualität des Konzepts deutlich dar.

Im Alltag im Wohnheim oder in Wohngruppen sind die Menschen an bestimmte Verhaltensregeln, Abläufe und Zeiten gebunden. Sie werden zu Tätigkeiten, wie putzen, essen und trinken, Therapiebesuchen etc. aufgefordert und müssen sich den Strukturen ihrer Einrichtung anpassen und ihre Bedürfnisse unterordnen. Im Gegensatz dazu dürfen Sie beim Snoezelen machen was sie wollen und ganz sie selbst sein. Dazu müssen die Betreuer ihre eigenen Vorstellungen und Normen in den Hintergrund stellen und die snoezelenden Personen gewähren lassen.

(Vgl. Hulsegge, Verheul 1998, S. 10 – 14.)

4.2 Prinzipien des Snoezelen

Im Folgenden werden die wichtigsten Prinzipien, die oft eng mit den Zielen verbunden sind, in der praktischen Umsetzung des Snoezelen herausgestellt[1]:

(1) Beziehung

Snoezelen ist ein Beziehungskonzept und entscheidend ist den zwischenmenschlichen Kontakt zu den Nutzern des Snoezelraumes zu erhalten. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind nicht durch Anlagen, Materialen oder Gegenständen zu ersetzen. Das ist die Basis von der aus Snoezelen angegangen und erlebt wird.

(2) Menschenbild

Snoezelen geht von einer ganzheitlichen Sichtweise aus. Nicht Defizite oder Fördergedanken stehen im Vordergrund, sondern primär der Erholungs- und Entspannungswert.

(3) Richtige Atmosphäre

Eine stimmungsvolle Atmosphäre beim Snoezelen bietet den Sinnen und dem ganzen Körper Zeit und Raum zum entspannen und Entspannung ist ein wichtiges Ziel beim Snoezelen.

(4) Freiwilligkeit

„Die Freiwilligkeit des Angebotes ist ganz besonders wichtig: Es handelt sich hier nicht um eine Zusammenstellung von Materialien, die lehrgangsmäßig „unterrichtlich“-systematisch erfahren werden muss, sondern um ein stimmungsvolles vielfältiges Angebot an Sinneseindrücken, das freiwillig und gerne genutzt werden soll. Wer auch nach einer Eingewöhnungszeit keinen Gefallen daran findet, braucht an Snoezelen nicht teilzunehmen.“(Hulsegge, Verheul 1998, S.12).

(5) Motivation

Die Motivation wird nicht von den Betreuern ausgelöst, sondern von den Reizen der Snoezelelemente, den Sinneswahrnehmungen und von der Atmosphäre. Wenn überhaupt sollten die Betreuer nur in der Anfangs- und Eingewöhnungsphase motivieren. Wichtig ist die Unterscheidung von Motivation und Hinführung sowie Anleitung zum Kennen lernen vom Snoezelangebot.

(6) Individualität

Jeder Mensch erlebt das Snoezelen auf seine eigene Art und Weise. Das Prinzip richtet die Aufmerksamkeit auf den einzelnen Menschen, der am Snoezelen teilnimmt. Bedeutend ist die individuelle Zielorientierung am Menschen und im Gegensatz zu den Ansprüchen und Werten unserer heutigen Leistungsgesellschaft wird dem Nutzer Wertschätzung und Anerkennung entgegengebracht, ohne dass er dafür etwas leisten muss.

(7) Zeitspanne

Die Dauer einer Snoezeleinheit wird von jedem selbst bestimmt. Je nach ihren Fähigkeiten bringen sie verbal oder nonverbal zum Ausdruck, dass sie das snoezelen beenden möchten oder verlassen den Raum.

(8) Zeit

Die Personen sollen selbst bestimmen dürfen, wann, wie lange und wie oft sie snoezelen möchten. Jeder Mensch braucht für das Snoezelen eine ihm angemessene Zeitspanne, über die er frei verfügen kann.

(9) Tempo

Die Betreuer orientieren sich am Tempo des Klienten, denn jeder Besucher des Snoezelraumes soll mit seinem eigenen Zeitmaß snoezelen dürfen.

(10) Begleitung

Beim Snoezelen ist bis auf Ausnahmen, z.B. bei einer Gruppe mit langjähriger Snoezelerfahrung, eine Begleitung erforderlich. Das Snoezelen kann verschiedene Reaktionen, wie Gefühlsausbrüche, Unwohlsein oder Ängste hervorrufen, die dann vom Betreuer beobachtet und aufgefangen werden können.

(Vgl. Hulsegge, Verheul 1998, S. 10 - 14 und Löding 2004, S. 19-34.)

4.2 Zielsetzungen

4.2.1 Primäre Ziele

Snoezelen soll primär ein Angebot zur Erholung und Entspannung sein und Abwechslung in die Erlebniswelt von Menschen bringen, die in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt sind. Ad Verheul beschreibt den Sinn für die Bewohner so „ auch einmal „auszugehen“, sie kommen in andere Räumlichkeiten und können dort völlig andersartige Erfahrungen machen, ...“[2]

Es geht beim Snoezelen nicht um die Reizmenge sondern die Reizintensität. Die Reize werden selektiv angeboten, da man die Sinne nicht in der Breite sondern in der Tiefe ansprechen möchte. Zudem ist es beabsichtigt angenehme Sinneswahrnehmungen zu ermöglichen, indem die Betreuer ein Gefühl dafür entwickeln was dem Besucher gut tut. In seinen Ursprüngen wollte Snoezelen eigentlich nicht mehr erreichen als „ das Erleben der direkten Umgebung, das Einfach auf-sich-wirken-lassen und das angenehme passive Genießen …“2, denn das „ … sind schon Ziele an sich.“2.

4.2.3 Weitergehende Zielsetzungen

Durch die Weiterentwicklung des Snoezelen, aber auch den erweiterten Möglichkeiten im pädagogischen wie auch therapeutischen Bereich wurden die Ziele dementsprechend ergänzt.

Zu einem elementaren Ziel des Snoezelen gehört sicherlich das Wecken von Kommunikations- und Kontaktbereitschaft. Vertrauen in sich selbst und zu anderen Personen, Dingen und der Umwelt aufzubauen spielt beim Snoezelen eine große Rolle, wie auch die Entwicklung von Kontakt- und Beziehungsfähigkeit, die eine emotionale Öffnung einschließt.

Die Verbesserung der Wahrnehmungsfähigkeit ist ein weiteres Ziel, wobei es dabei um die Selbst- und Körperwahrnehmung, aber auch um das Wahrnehmen der Umwelt geht. Mit Hilfe der Selbstwahrnehmung kann so ein Kontakt zu der eigenen Gefühlswelt gefunden werden und das eigene Körperempfinden verstärkt werden. Allgemein wird durch die verbesserte Wahrnehmung ein Entdecken neuer Erlebnisqualität und Lebensfreude ausgelöst.

Auch auf eine Verbesserung der Entspannungs- und Konzentrationsfähigkeit ist gezielt, denn so ist es unter anderem häufig möglich Muskelverspannungen, selbst Spastiken zu lösen.

Ebenso wird die Umsetzung stereotyper Bewegungen in sinnvollere, wie zum Beispiel in Schaukeln, mit Unterstützung von Snoezelen angestrebt.

Die Erhöhung von Ausdauer und Aktivität wie eine Förderung von Spontaneität ist gleichermaßen ein Ziel des Snoezelen.

Durch verschiedene Übungen im Snoezelraum soll die Koordinationsfähigkeit wie auch die Selbständigkeit und Entscheidungsfähigkeit einzelner Besucher gesteigert werden.

Weiteres Ziel ist die Verminderung und der Abbau aggressiver wie autoaggressiver Verhaltensweisen.

Allen genannten Zielen, so verschiedenartig sie auch sind, formulieren ein Hauptziel: eine Verbesserung der Lebensqualität der Nutzer.

(Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Snoezelen.)

5 Anwendungsmöglichkeiten

Snoezelen ist zu einem anerkannten und feststehenden Begriff geworden und das sich seit dreißig Jahren verbreitende und ständig weiterentwickelnde Snoezelangebot findet heute international in therapeutischen und pädagogischen Arbeitsfeldern sowie im Freizeitbereich Anwendung.

5.1 Zielgruppe

In der Snoezelarbeit lassen sich drei Gruppen von Menschen hinsichtlich ihrer Wahrnehmung und damit der Intention des Snoezelen unterscheiden:

(1) Menschen, die Snoezelen als angenehme, lustvolle und entspannende wie auch erholende Freizeitaktivität erleben, so zum Beispiel Kinder im Kindergarten oder Menschen mit einer körperlichen Behinderung.
(2) Menschen, die aufgrund von einer Krankheit oder Behinderung in ihrer Wahrnehmung eingeschränkt sind und dadurch bedingt in ihrem Alltag eine Reizüberflutung empfinden, so zum Beispiel Menschen mit einer geistigen Behinderung oder Personen mit Demenz.
(3) Menschen, die aufgrund von einer Krankheit oder Behinderung und ihres sozialen Umfeldes nicht genügend Anregungen ihrer Sinne erleben und daher in einer Welt der Reizarmut leben, so zum Beispiel Menschen mit Schwerstbehinderung oder auch Pflegebedürftige, die unter Isolation und Einsamkeit leiden.

(Vgl. Löding 2004, S. 3 – 5.)

Wie in dieser Belegarbeit bereits erörtert wurde, ist der Anwendungsbereich des Snoezelen heute nicht mehr allein auf Personen mit schweren geistigen Beeinträchtigungen beschränkt. Inzwischen findet Snoezelen gleichermaßen bei älteren Menschen, psychische Erkrankten, Kindern im Kindergarten oder bei Vorschul- wie Schulkindern Akzeptanz. (Vgl. Mertens 2005, S.48.)

5.2 Einsatzmöglichkeiten

Alle bisherigen Überlegungen, Prinzipien und Ziele behalten auch über den Personenkreis von Menschen mit schwerer geistiger Behinderung hinaus ihre Gültigkeit und immer mehr Kliniken und Heime nutzen bereits Snoezelen als Freizeit- oder Therapieangebot.

So findet man heute je nach Zielstellung neben der Gruppe der Menschen mit Beeinträchtigungen auch solche, die ganz allgemein das Snoezelen für sich als Angebot der Erholung und Entspannung sowie der Stressreduzierung entdecken. Ein Schwerpunkt ist der Freizeitbereich, in welchem das Erlebnis eines Raumes in Verbindung mit dem Freisetzen von Phantasie und Kreativität in den Vordergrund rückt.

Für das Snoezelen speziell qualifizierte Betreuer arbeiten unter anderem mit Kleinkindern und ihren Angehörigen, mit Kindern im Frühförderbereich, in Kindergärten und in Schulen sowie in Kliniken.

Ebenso wird das Snoezelen immer mehr für ältere und betagte Menschen entdeckt, die sich in den Räumen erholen, zur Ruhe kommen, sich erinnern, ihren Körper wieder entdecken und verstärkt miteinander kommunizieren.

Fast jede Psychiatrische Klinik und jedes Hospiz denkt heute daran, Snoezelenräume einzurichten beziehungsweise kann diese bereits vorweisen.

Für alle diese Zielgruppen wurde von der Internationalen Snoezelen - Association (ISNA) - laut dem Bericht vom Dritten Internationalen Symposium im Jahr 2005 - inzwischen Konzepte und adressaten-spezifische Methoden entwickelt und niedergeschrieben. Im Jahr 2005 gab es in Deutschland über 1200 Snoezelräume, vorrangig in Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung und für Senioren, aber ebenso in Hospizen, Kliniken, hier insbesondere für Psychiatrie, Onkologie, Neurologie und Pädiatrie, sowie in Kindergärten und Schulen.

(Vgl. Mertens, Nouh 2005 und http://www.isna.de/index3.html.)

Zusammenfassend wird Snoezelen in Deutschland also in den folgenden Einrichtungen angeboten und genutzt:

- in der sonderpädagogischen Frühforderung
- in Kindertagesstätten und Kindergärten
- besonders im heilpädagogischen Bereich
- in Grund-, Haupt- und Sonderschulen sowie im Hortbereich
- in Werkstätten für Behinderte
- in Wohneinrichtungen für Menschen mit und ohne Behinderung aller Altersgruppen
- in Freizeiteinrichtungen unterschiedlichster Art
- in Therapie und Rehabilitationseinrichtungen
- in psychiatrischen Einrichtungen
- in medizinischen Einrichtungen und Kliniken

Diese Einrichtungen unterschiedlichen Charakters haben meistens Klienten die auf Grund ihrer Beeinträchtigung oder Erkrankungen entweder zeitweise oder auf Dauer in ihrer Sinneswahrnehmung und somit auch in ihrer Lebensqualität erheblich eingeschränkt sind. Durch Snoezelen erhalten sie die Möglichkeit Sinneswahrnehmungen und damit verbundene Gefühle und Bewegungen bewusst aufzunehmen und für sich zu nutzen.

Form, Inhalt und Ziele von Snoezelen müssen der Klientel entsprechend angepasst werden, jedoch die Prinzipien, wie das Grundprinzip der Freiwilligkeit, werden beibehalten.

(Vgl. http://www.snoezelen-online.de/einsatz.html.)

5.3 Beispiele

Anhand von zwei Beispielen sollen Anwendungsmöglichkeiten des Snoezelen veranschaulicht werden:

(1) Snoezelen in der Altenpflege

„Frau Arndt leidet unter der Alzheimerschen Krankheit und ist dadurch oftmals durch die Reize ihrer Umwelt überfordert und reagiert auf Anforderungen aggressiv. Im Snoezelraum erlebt sie eine reizreduzierte Umgebung, die sie nicht überfordert. Sie kann diese Wahrnehmungen und die anforderungsfreie Zeit genießen. Ihre üblichen Aggressionen bleiben in diesem Raum aus. Dies schafft für die Bewohnerin und für das Betreuungs- und Pflegepersonal eine entspannte Situation. Die Snoezeleinheit hat auch eine positive Wirkung auf den Stationsalltag. Frau Arndt ist noch einige Zeit nach dem Snoezelen entspannt und ausgeglichen und reagiert auf Anforderungen weniger aggressiv.“ (Löding 2004, Seite 4-5).

(2) Snoezelen in einem Wohnheim

„Marijke ist 22 Jahre alt, mehrfachbehindert und verbringt tagsüber einen Großteil ihrer Zeit in einem Spezialrollstuhl. Wegen einer Veränderung ihrer Wirbelsäule kann sie nicht normal sitzen, ihr Rollstuhl ähnelt deshalb mehr einem fahrbaren Bett als einem rollenden Stuhl.

Im Snoezel-Raum legen wir Marijke vorsichtig auf das Wasserbett. Das an sich ist schon jedes Mal eine schwierige Sache. Sie hält sich beim Getragen- werden ganz steif, und mit 50 Kilo Gewicht in den Armen über den weichen Boden laufen ist für den Betreuer auch nicht gerade angenehm. Ist sie endlich einmal auf dem Wasserbett, rollt sie von selbst herum und bleibt auf der Seite liegen. Sie schaut uns mit großen lachenden Augen an. Mit ihren Fingern greift sie ein neben dem Wasserbett liegendes Schaffell. Damit kann sie sich stundelang beschäftigen, langsam auf dem Wasserbett auf und ab schaukelnd und mit ihren Fingern das Vlies berührend. Ab und zu bringt einer von uns das Wasserbett in Schwingung oder wir legen uns mit darauf. Man kann Marijke anmerken, daß sie diese Bewegungen herrlich findet, ihre Augen strahlen…“ (Hulsegge, Verheul 1998, S. 66).

6 Snoezelen als Interventionsmethode? - Kritische Betrachtung

Snoezelen hat einen festen Platz im Wohn- und Freizeitbereich eingenommen und ist aus vielen heilpädagogischen Einrichtungen nicht mehr wegzudenken.

Welche Wirkungen das Snoezelen im Einzelnen erzielen kann, aber auch welche Risiken bei falscher Anwendung zum Tragen kommen ist vielen Anwendern nicht bekannt. Es wurde bisher versäumt den Begriff Snoezelen einzugrenzen und theoretisch einzuordnen. Snoezelen wurde nicht von einem therapeutischen Konzept abgeleitet, sondern ist aus der Praxis und den Bedürfnissen von Menschen mit einer geistigen Behinderung entstanden. Dadurch fehlt eine ausreichende theoretische Fundierung. Wissenschaftliche fundierte Kenntnisse werden jedoch gefordert, da es wichtig ist für die eigene Arbeit mehr Orientierungspunkte und Sicherheit zu bekommen. Der Pädagoge hat viel Spielraum „nichts muss (...), alles ist erlaubt“ (Hulsegge, Verheul 1998, S. 11). Seitens der Sozialpolitik wird der Druck nach Legitimation immer stärker und damit ein weiteres Argument eine begründbare Theorie für die Methode des Snoezelen zu finden.

Die Auffassungen in welchem Bereich Snoezelen anzusiedeln ist, reichen, wie bisher schon dargestellt wurde, von einem therapeutischen Angebot, über ein Freizeitangebot mit therapeutischen Elementen bis hin zu einer reinen Freizeitaktivität.

6.1 Snoezelen im Spannungsfeld von Therapie und Freizeit

Nach einer Interpretation der Deutschen Snoezelen Stiftung ist Snoezelen einerseits ein Modell, welches als Freizeitgestaltung für schwerst geistig behinderte Menschen konzipiert wurde. Zwischenzeitlich wurde die Definition um mögliche Anwendungsbereiche mit unterschiedlichen Zielsetzungen erweitert:

„Snoezelen wird als Freizeitangebot, multisensorische Reizeinwirkung, Anregung der Sinne, gezielte Förderung, strukturierte Therapie, pädagogische Intervention oder als Milieu für verschiedene Methoden der Physio- bzw. Psychotherapie genutzt.“ (http://www.snoezelen-stiftung.de).

Auch die Väter des Snoezelen Hulsegge und Verheul schreiben auf der einen Seite, dass es sich beim Snoezelen um ein Freizeitangebot handelt, sprechen dennoch genauso vom Erreichen therapeutischer Ziele (vgl. Hulsegge, Verheul 1998, S. 10-14).

Grundlegend ist es wichtig, abhängig von den Bedürfnissen der Menschen, den Rahmenbedingungen der Einrichtung und der Ausbildung der einzelnen Mitarbeiter ein Snoezelkonzept zu entwickeln, dass die spezifischen Erfordernisse erfüllt und entsprechend realisiert werden kann. Dabei und um eine eher therapeutische, pädagogische oder freizeitorientierte Anwendung zu fundieren sollte aktuelle Literatur, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die Erfahrung der Mitarbeiter zu Rate gezogen werden.

Welche feizeitorientierten (1), pädagogischen (2) oder therapeutischen Aspekte (3) können einer Konzeption des Snoezelen zugrunde liegen?

(1) Snoezelen kann als reines Freizeitangebot verstanden werden, ohne jeglichen therapeutischen oder fördernden Anspruch. Snoezelen vermittelt hier Freude, Spaß sowie Entspannung und trägt zur Erholung bei.
(2) Beim Snoezelen als Freizeitaktivität unter pädagogischen Gesichtspunkten sind die Grenzen zur reinen Freizeitgestaltung einerseits und zur Therapie andererseits fließend.

Ein Überangebot von Sinneseindrücken, Umwelteinflüssen, psychosozialem Stress und Überforderung kann zu Stress, innerer Unruhe und Verspanntheit führen, was sich unter anderem auch in Verhaltensweisen wie Aggressivität, Hyperaktivität oder Stereotypen zeigt. Der Snoezelraum dient als Ort der Reizreduktion, Ruhe und Erholung oder fungiert als Schutzraum. Wenn durch Snoezelen Entspannung und somit Stressausgleich entsteht, kann man vermuten, dass wenn Snoezelen bewusst eingesetzt wird auch aggressive Verhaltensweisen damit abzubauen sind. Während meiner Hospitation im heilpädagogischen Kindergarten in Niesky wurde so zum Beispiel der Snoezelraum unter pädagogischen Gesichtspunkten genutzt. Als während des Spielens einige Kinder überdreht durch den Raum liefen und andere laut schreiend mit Spielzeug um sich warfen, wurde das Angebot unterbreitet zu snoezelen. Im Snoezelraum fanden alle zusammen bei einem Liederhörspiel zur Ruhe und die Kinder haben die Zeit fühlbar genossen. In diesem Fall wurde das Snoezelen bewusst von den Erziehern genutzt um eine Stresssituation zu lösen.

Wenn bedingt durch Snoezelen eine Person Entspannung findet und dadurch auch zugänglicher wird, dann kann Snoezelen ebenso dazu bewusst eingesetzt werden ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und sich emotional zu öffnen.

Diese Überlegungen könnten den pädagogischen Aspekt des Snoezelen begründen.

(3) Zum dritten besteht die Variante, dass therapeutische und gezielt fördernde Aspekte beim Snoezelen überwiegen. Wenn beim Snoezelen die einzelnen Sinne systematisch angesprochen werden und versucht wird diese zu aktivieren, kann man von einer therapeutischen Intervention sprechen. Der Betreuer bzw. Therapeut fördert dabei die Wahrnehmungsleistung und Reizverarbeitung im Gehirn der jeweiligen Person um dadurch die Informationsaufnahme zu verbessern.

Wird das Snoezelen von einer Einrichtung nicht nur als reines Freizeitkonzept, sondern als therapeutische Intervention genutzt, müssen die Betreuer besonders geschult werden. Ebenso sollte bewusst sein, dass wenn Snoezelen zum Erreichen bestimmter Ziele eingesetzt wird das Risiko einer fehlerhaften Anwendung gegeben ist. Neben einer adäquaten Material- und Raumauswahl, die bei allen drei Richtungen des Snoezelen gegeben sein muss, ist im therapeutischen Bereich ein Diagnose- und Befundbild des Klienten unumgänglich. Eine didaktisch-methodische Erarbeitung der Snoezeleinheiten ist eine elementare Vorraussetzung des Snoezelen und gleichermaßen ausreichende Kenntnisse über die Wirkungsweisen des Snoezelen. Die Betreuer brauchen Fachwissen, Einfühlungsvermögen und ein gut ausgearbeitetes Konzept um erfolgreich therapeutisch agieren zu können.

Nicht bei jedem Menschen lässt sich in jeder Situation eine positive Wirkung erzielen und so darf Snoezelen nicht als „Allheilmittel“ gesehen werden.

Auch beim Snoezelangebot als reine Freizeitbeschäftigung darf der Betreuer eine therapeutische Nebenwirkung nicht aus dem Auge verlieren. Das Risiko einer „falschen Anwendung“ im Rahmen freizeitpädagogischer Angebote ist zwar geringer als wenn therapeutisch interveniert wird, jedoch nicht auszuschließen.

Ob therapeutisch eingegriffen oder freizeitpädagogisch angeboten es steht der Klient mit seinen Bedürfnissen im Vordergrund. Der Pädagoge ist gefordert um entsprechend auf die Wünsche und das Verhalten des Klienten zu reagieren.

Für die Einrichtung eines Snoezelraumes sollte im Vorfeld geklärt werden, welche Bedürfnisse und Indikationen bestehen, ob eher freizeitorientiert, freizeitpädagogisch oder therapeutisch agiert werden soll und zugleich ob und wie dies räumlich, finanziell und personell zu realisieren ist.

Ein anderer Aspekt liegt in der Legimitation des Therapieansatzes, denn damit besteht leider auch die Gefahr, dass beim Snoezelen ausschließlich Fördergedanken und Leistungsanforderungen im Vordergrund stehen. Dies könnte dazu führen Snoezelen nur noch zum Erreichen therapeutischer Erfolge einzusetzen und ausgewählte Personen würden vom Snoezelen ausgeschlossen, weil eine andere Therapie Erfolg versprechender ist, Snoezelen nicht die nötigen Erfolge bringt oder da bereits zu viele Fördermaßnahmen bestehen. Zum anderen entsteht durch den einseitig therapeutischen Fördergedanken Erfolgsdruck, wodurch Menschen mit Beeinträchtigungen ausschließlich über ihre Leistung definiert und der Freizeitgedanke des Snoezelen verloren gehen würde.

Der Freizeitwert des Snoezelen wird aufgrund der therapeutischen Wirkung infrage gestellt beziehungsweise rückt in den Hintergrund und genau in diesem Punkt liegt das Spannungsverhältnis zwischen Freizeitaktivität und Therapie beim Snoezelen.

Kann allerdings nicht eine Freizeitaktivität gleichzeitig auch therapeutische Wirkung erzielen? Und kann nicht umgekehrt eine Therapie Freizeitwert besitzen? Und beides ohne den sonst im Alltag bestehenden Leistungs- und Erfolgsdruck?

Wir stellen doch unsere eigenen Freizeittätigkeiten auch nicht aufgrund eventueller therapeutischer Wirkung in Frage. Eine Freizeitbeschäftigung suchen wir uns aus, weil sie uns Spaß macht und nicht allein wegen ihrer positiven Nebenwirkung. Viele Menschen treiben gern Sport, jedoch nicht vordergründig unter den therapeutischen Gedanken der Stressbewältigung oder des Spannungsausgleiches. Freizeitaktivitäten und die damit verbundene Erholung ist ein menschliches Grundbedürfnis und ein Jeder hat ein Recht auf Freizeit. Zu den Aufgaben von uns Pädagogen gehört es Menschen mit Beeinträchtigungen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung anzubieten und ein solches Angebot kann Snoezelen darstellen.

Die Erarbeitung eines Snoezelkonzeptes einschließlich einer Standortbestimmung des Snoezelen ist immer erforderlich und ermöglicht dem Pädagogen eine Orientierung und damit qualifizierte Arbeit.

(Vgl. Hülshoff 2001, S. 175 - 182.)

6.2 Kritische Anmerkungen zum Snoezelen als Therapie

Trotz der allgemeinen positiven Grundeinstellung gegenüber dem Snoezelen gibt es kritische Ansätze, die davor warnen Snoezelen als Therapieform anzusehen. Die Methode des Snoezelen wird in den letzten Jahren in unterschiedlichsten Bereichen der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung genutzt und findet immer häufiger Anwendung als Therapie- und Förderkonzept.

Die Anwendung im therapeutischen Bereich ist jedoch aufgrund der fehlenden zugrunde liegenden, zum Beispiel wahrnehmungspsychologisch begründeten, Theorien kritisch zu betrachten. Auch Hulsegge und Verheul weisen daraufhin, dass „Snoezelen […] theoretisch zu wenig untermauert“ (Hulsegge, Verheul 1998, S. 164) sei.

Das Snoezelen wird ebenfalls hinsichtlich des Prinzips der Ganzheitlichkeit kritisch betrachtet. Es ist gemeint, dass bei einer Förderung zum einen alle Sinne eines Menschen angesprochen werden, zum anderen jedoch genauso an seine subjektive Lebenswelt und den darin gemachten Lebenserfahrungen angeknüpft werden sollen. Wahrnehmung, Sozialerfahrung, Gefühle, Körpererfahrung, Bewegung, Kognition und Kommunikation stehen stets in Beziehung zueinander und wirken aufeinander ein. Die Gefahr beim Snoezelen besteht darin, dass durch verstärkte Sinnesstimulierung die anderen aufgezählten Bereiche in den Hintergrund treten.

Zudem wird bemängelt, dass der Snoezelraum als künstliche Welt keinerlei Bezug zur realen Alltagswelt des Besuchers darstellt. Somit ist es nach Meinung der Autoren Nikolay und Hilsamen, nicht möglich an bereits gemachte Vorerfahrungen anzuknüpfen, was nach dem Prinzip der Ganzheitlichkeit gefordert wird. Durch den fehlenden Alltagsbezug der Situation beim Snoezelen zur real erlebten Welt wird es außerdem schwierig im Snoezelraum erlebte Situationen auf den Alltag zu übertragen. Der Besucher sammelt zwar beim Snoezelen individuelle Erfahrungen, kann diese allerdings nicht dazu verwenden seinen Alltag gemäß seinen Bedürfnissen zu strukturieren und Problemlösungsstrategien zu entwickeln. Es stellt sich die Frage, ob es nicht mehr zweckmäßiger ist, sinnliche Erfahrungen direkt im erlebten Alltag zu ermöglichen, anstatt im Snoezelraum zu machen.

Darüber hinaus wird auf das Problem hingewiesen, dass durch die Art der Anlegung der Snoezelräume die Besucher nur die Kompetenzen zeigen können, die sie bereits unter den zum Teil isolierenden Bedingungen des Wohnbereichs entwickeln konnten.

Gegen den Therapiegedanken beim Snoezelen spricht ebenfalls, dass das Snoezelen eine gute Grundlage für eine partnerschaftliche, kooperative und von Empathie geprägten Beziehung ist, jedoch nur wenn es frei von Fördergedanken und damit verbundenen Leistungserwartungen ist.

(Vgl. Hilsamen, Nikolay.)

6.3 Untersuchung zu Wirkungsweisen von Snoezelen

„Im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte zur Objektivierung der Wirksamkeit diagnostischer und therapeutischer Verfahren und deren Anwendung in der Förderung und Therapie wird am Institut für Rehabilitationswissenschaften im Bereich der Körperbehindertenpädagogik das Snoezelen untersucht. Dazu steht im Institut ein Snoezeleraum zur Verfügung, der jeweils so umgestaltet werden kann, dass er für unterschiedliche Adressaten das ideale Ambiente für solche Interventionsangebote bietet.“ (Mertens 2005, S. 48).

Um die Wirkungsmöglichkeiten des Snoezelen wissenschaftlich zu begründen sind Analysen erforderlich. Der Betreuer, Therapeut beziehungsweise Pädagoge sammelt Daten, analysiert und gewinnt wichtige Aussagen über den Status einer Person. So kann er durch teilnehmende oder nicht teilnehmende Beobachtung feststellen, unter welchen Umständen ein verändertes Verhalten auftritt und ob dieses von Vorerfahrungen, dem besonderen Zeitpunkt, der Nähe zum Betreuer oder von dem speziell vorbereiteten Snoezelraum beeinflusst wird. Mit entsprechenden fachlichen Kenntnissen kann herausgefiltert werden, welche Snoezelangebote bei welcher Beeinträchtigung angemessen sind.

6.3.1 Studie einer Förderklasse

Die sonderpädagogische Förderklasse bestand aus 11 Kindern im alter von sechs und sieben Jahren im ersten Schuljahr. Die Kinder zeigten Sprachprobleme, Entwicklungsverzögerungen im Bereich der Aufmerksamkeitsleistung, der Wahrnehmung, der Kognition sowie der Feinmotorik und ein Teil der Kinder tendierte zu ADHS[3].

Die Studie umfasste vierzehn Snoezeleinheiten in einem Zeitraum von 7 Wochen. Jede Einheit begann mit einer Einführungsphase (Begrüßung, Vorstellung des Ablaufs etc.) und im Anschluss folgten Aufgaben zur Aufmerksamkeitsförderung mit anschließenden Entspannungsübungen.

Zur qualitativen Einschätzung der Veränderung in der Konzentration und Aufmerksamkeit wurden Beobachtungen, Testverfahren und ein Interview durchgeführt. Insbesondere fanden unter anderem eine Leistungs- und Konzentrationstest nach Kleber, ein Motoriktest zur Erfassung von Hyperaktivität sowie eine Fremdbeobachtung in einer natürlichen Situation nach Flick Anwendung.

Erste Ergebnisse zeigen, dass sich im laufe des Snoezelversuchs die Aufmerksamkeit der Kinder deutlich erhöht hat. Die Konzentrationsleistung lässt sich am besten an den Fehlern bei der Ausführung von aufgaben erkennen und die Testergebnisse zeigen eine klare Abnahme der Fehlerzahl, die vom ersten zum dritten Test beinah halbiert wurde. Die durchschnittliche Entspannungszeit der Kinder hat sich ebenfalls eindeutig erhöht und zum Ende der Untersuchung fast verdreifacht.

Nach Abschluss der mehrwöchigen Intervention wurde über jedes Kind ein Gutachten erstellt, auf dessen Basis der Unterricht in der Schule verbessert und gezielt auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder eingegangen werden konnte. Eingangs- und Abschlussanalyse waren Beleg dafür, ob das Snoezelangebot für das einzelne Kind sinnvoll war oder ob möglicherweise nach einer anderen Interventionsform gesucht werden muss.

6.3.2 Analyse zur Befindlichkeitserfassung beim Snoezelen

In Zusammenarbeit mit Einrichtungen in Schweden, Finnland, Kanada und Deutschland ist 2004 ein Projekt zu Erfassung der Wirkungsweise des Snoezelen über eine psychodiagnostische Analyse gestartet wurden.

Im Vordergrund steht dabei die psychologische Definition von Wohlbefinden als Einheit von psychischen, physischen und sozialen Wohlbefinden. Bei der Feststellung des Wohlbefindens im Zusammenhang mit der Methodik des Snoezelen ist die Komplexität des persönlichen Wohlbefindens zu berücksichtigen.

Es wurde ein Frageboden entwickelt, welcher der Fülle an Reaktionen und Aussagen über die Auslösung von Wohlbefinden im Snoezelraum gerecht wurde.

Die Untersuchungen fanden in zwei Snoezelenphasen statt und der Interventionskomplex beinhaltete mindestens zehn Einheiten. Die erste Phase des freien, nicht gelenkten Snoezelen fand über zwanzig bis vierzig Minuten, mit Standardlichteffekten etc. und ohne Einfluss des Betreuers statt. In der zweiten Phase des gezielten Snoezelen wurde auf die Bedürfnisse der Besucher ein abgestimmtes Angebot zusammengestellt und während des Aufenthalts befanden sich Besucher und Betreuer in Kontakt. Die bisher sechzehn ausgewerteten Datensätze lassen allerdings nur eine tendenzielle Beurteilung zu.

Alle Besucher gehen gleich bleibend mit einer positiven Einstellung in den Snoezelraum und zeigen ein positives Befinden.

Beim freien Snoezelen ist als Tendenz erkennbar, dass es zu keiner kontinuierlichen Verbesserung kommt und lediglich die Anfangsbefindlichkeit erhalten bleibt.

Das Ergebnis des gezielten Snoezelen zeigt, dass das Wohlbefinden insgesamt und in den einzelnen Kategorien – „Freunde und Lust“, „Angst und Sorge“, „Anerkennung und Zuwendung“ sowie „Erkenntnisse und Wissen“ – ansteigt. Wird Snoezelen bewusst interveniert und durch Betreuer begleitet, dann lassen sich beabsichtigte und anhaltende Wirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden über einen längeren Zeitraum hinweg erzielen.

Es ist weiteren Untersuchungen vorbehalten, Nachweise für die Einmaligkeit oder Generalisierbarkeit der dargelegten Untersuchungsergebnisse zu sammeln.

(Vgl. Mertens 2005, S. 48 - 52.)

7 Zusammenfassung und persönliches Fazit

Snoezelen ist eine positive Maßnahme zur Freizeitgestaltung, aber ebenso ein Angebot mit pädagogischer wie therapeutischer Wirkung.

„Snoezelen wird die Aufgabe zur Aktivierung von Wahrnehmung, zur Erhöhung der Entspannungsfähigkeit und zur Förderung der Beziehung zugestanden. Eine offene Frage bleibt, ob Snoezelen die Kriterien als Förder- und Therapiekonzept erfüllt.“ (Löding 2004, S. 130).

Meiner Meinung nach beinhaltet Snoezelen beides: Freizeit- und Therapieansatz!

Beim freizeitorientierten Konzept steht die Möglichkeit der Entspannung, Erholung und des Rückzugs im Vordergrund, während beim therapeutischen Snoezelen verschiedene Fördermöglichkeiten in den Mittelpunkt gerückt werden. Die freizeitorientierten, pädagogischen und therapeutischen Perspektiven des Snoezelen wurden ausführlich diskutiert und sind für mich in allen drei Varianten nachvollziehbar und schlüssig.

Die Umsetzung der Methode des Snoezelen mit seinen Prinzipien hängt stark vom Menschenbild und der Motivation der einzelnen Mitarbeiter sowie der Konzeption der Einrichtung und den finanziellen Rahmenbedingungen ab. Snoezelen kann durch seine Ziele und Prinzipien Menschen unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten.

Beim Snoezelen werden nicht die Defizite der Menschen gesehen, sondern die vorhandenen Möglichkeiten als wertvolle Ressourcen betrachtet und genutzt. Im Umgang mit den Besuchern steht Akzeptanz an oberster Stelle und sie haben während ihres Aufenthaltes im Snoezelraum freie Entscheidungswahl und ihre Willensäußerungen werden akzeptiert.

Snoezelen als alleinige und aktive Therapiemethode ist wissenschaftlich derzeit noch nicht ausreichend untersucht und in seinen Wirkungen belegt. Es bedarf hier weiterer intensiver Forschung, der Ausarbeitung von Snoezelkonzepten und Schulung der Mitarbeiter. Bisherige Untersuchungen (⃗ vgl. Kapitel 6.3) zeigen jedoch das Snoezelen als gezielte pädagogische beziehungsweise therapeutische Intervention beabsichtigte und kontinuierliche Wirkungen erzielt.

Einseitig therapeutische Fördergedanken beinhalten nach meiner Empfindung die Gefahr, dass Erfolgsdruck entstehen kann und die Besucher vorwiegend über ihre Leistung definiert werden. Dies könnte dann ebenso dazu führen bestimmte Personen vom Snoezelen auszuschließen.

Snoezelen fördert den Beziehungsaufbau zwischen Betreuern und Besuchern, sowie bei den Besuchern untereinander auf verbaler und nonverbaler Ebene. Jedoch bin ich der Meinung, dass eine kooperative und dialogische Beziehungsgestaltung beim Snoezelen als Förder- und Therapiekonzept verbunden mit bestimmten Leistungserwartungen erschwert ist.

Wichtig und richtig ist die Methode des Snoezelen nicht als „Allheilmittel“ anzusehen, worauf auch die Autoren Hilsamen und Nikolay in ihrer kritischen Auseinandersetzung mit den Anwendungen des Snoezelen hinweisen.

Die beiden Autoren kritisieren unter anderem, dass in einem Snoezelraum eine künstliche Welt mit einem vielfältigen und abwechslungsreichen Reizangebot geschaffen wird und damit eine falsche Vorstellung der Wirklichkeit die Folge sein kann. Durch den fehlenden Alltagsbezug soll es nicht möglich sein an Vorerfahrungen anzuknüpfen oder andere Kompetenzen zu zeigen, die sie nicht bereits unter den isolierenden Bedingungen des Wohnbereichs entwickeln konnten.

Wie auch andere Autoren (⃗ vgl. Löding oder Hulsegge, Verheul), auf die ich mich bereits bezogen habe, bin ich der Überzeugung, dass man auf Vorerfahungen beim Snoezelen aufbauen kann und auch die beim Snoezelen gesammelten individuellen Erfahrungen im Alltag Bezug finden.

„Was die Menschen in einem Snoezelraum wahrnehmen, wird aber nicht nur über die Snoezelelemente und die von ihnen ausgehenden Reize bestimmt, sondern auch von den Besuchern mit ihren unterschiedlichen Wahrnehmungsfähigkeiten, ihren Lebenserfahrungen und ihrer Biografie.“

(⃗ Vgl. Kapitel 3.)

Ein Snoezelraum stellt für mich keine künstliche Welt ohne Bezug zur realen Alltagswelt dar. Die Elemente des Snoezelen und die davon ausgehenden Reize findet man in der Natur wieder. Im alltäglichen Leben kann ich ebenso Fühlen, Hören, Riechen, Schmecken und Beobachten wie beim Snoezelen, nur strömen in der Realität die Reize geballt auf uns Menschen ein. Für einige Personen stellt der Alltag regelrecht eine Reizüberflutung dar, so dass in den Snoezelräumen die Gelegenheit besteht die Reize einzeln auf- und wahrzunehmen. Als Pädagoge bin ich in die Gestaltung eines solchen Raumes mit einbezogen und kann damit durch die Verwendung von Naturmaterialen verstärkt den Bezug zur Alltagswelt aufbauen.

Bei der Vorstellung der Methode des Snoezelen habe ich schon verdeutlicht, dass Snoezelerfahrungen auch außerhalb des Snoezelraumes, zum Beispiel bei einem Spaziergang, gemacht werden können. Es ist Aufgabe der Betreuer und Pädagogen die zu begleitenden Menschen auch unabhängig des Snoezelraumes zum Snoezelen aufzufordern. Wir können alle jederzeit sinnliche Erfahrungen und Wahrnehmungen machen. Wir müssen uns nur die Zeit nehmen und die Reize unserer Umwelt bewusst aufnehmen. Snoezelen fängt dort an, wo wir uns und andere mit ihren Bedürfnissen wahrnehmen sowie uns und andere wertschätzen.

Snoezelen eröffnet neue Entspannungs- und Aktivierungsmöglichkeiten für Menschen, die sich in ihrem Alltag nicht mehr oder ungenügend zurechtfinden. Doch die Snoezelangebote beeinflussen nicht nur die Besucher positiv, sondern auch die begleitenden Betreuer. Durch diese Dualität wird Snoezelen zu einem ganzheitlichen Konzept, welches die gesamte Arbeit einer Einrichtung verbessern kann.

7.1 Schlusswort

Ich denke, der ursprüngliche Gedanke des Snoezelen als Freizeitangebot muss erhalten bleiben, jedoch darf man nicht die Augen vor den Erkenntnissen der therapeutischen Wirksamkeit des Snoezelen verschließen. Ausgerichtet an den individuellen Bedürfnissen sollte den Menschen mit Beeinträchtigungen Snoezelen als Freizeitaktivität wie auch als Therapie angeboten werden. Wie auch schon das Thema meiner Belegarbeit verrät, ist Snoezelen nach Erarbeitung der ganzen Thematik für mich eine geeignete Methode der Sinnesanregung unter pädagogischen wie therapeutischen Gesichtspunkten mit entsprechender therapeutischer Wirkung, die ich in meiner Tätigkeit als Heilpädagoge gern einsetzen werde.

8 Quellenangaben

Literatur

Hülshoff Thomas (Hrsg.) (2001). Sinneswelten. Lambertus-Verlag, Freiburg im Breisgau.

Hulsegge Jan, Verheul Ad (1998). Snoezelen – Eine andere Welt (7. unveränderte Auflage). Marburg/ Lahn: Lebenshilfe-Verlag. Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. (Hrsg.).

Löding Claudia (2004). Snoezelen. (1. Auflage). Urban & Fischer Verlag, München.

Wermke M., Klosa A., Kunkel-Razum K., Scholze-Stubenrecht W. (Hrsg.) (2001). Duden (Bd. 1 Die deutsche Rechtschreibung, 22., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage). Mannheim: Bibliografisches Institut.

Wermke M., Kunkel-Razum K., Scholze-Stubenrecht W. (Hrsg.) (2001). Duden (Bd. 5 Das Fremdwörterbuch, 7., neu bearbeitete und erweiterte Auflage). Mannheim: Bibliografisches Institut.

Zimmer Renate (1995). Handbuch der Sinneswahrnehmung. Grundlagen einer ganzheitlichen Erziehung. Verlag Herder Freiburg im Breisgau.

Zeitschriften

Mertens Krista (2005). Snoezelen. Untersuchungen zu Wirkungsweisen innerhalb der Rehabilitationspädagogik. Humboldt-Spektrum Heft 3/2005.

Veröffentlichungen aus dem Internet

Krista Mertens, Anja Ait Nouh (2005). Bericht zum 3. Internationalen Snoezelen Symposium vom 29.9.2005 bis 1.10.2005. Die Welt entdeckt Snoezelen. http://www.isna.de/kongresse/symposium2005.html, aufgerufen am 2.10.2006.

U. Hilsamen, C. Nikolay. Kritische Betrachtung des Snoezelen in seinen Anwendungen. http://www.basale-stimulation.de/Paedagogik/online-literatur.php, aufgerufen am 28.7.2006.

Internetquellen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Anmerkung: Die Reihenfolge der aufgezählten Prinzipien ist ohne Bedeutung.

[2] Verheul, Hulsegge 1998, S. 10.

[3] ADHS = Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom.

Details

Seiten
30
Jahr
2006
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110983
Institution / Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz
Note
Sehr Gut
Schlagworte
Snoezelen Sinnesanregung Wirkung Sehr

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Titel: Snoezelen - Sinnesanregung mit therapeutischer Wirkung