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Die Verantwortung transnationaler Unternehmen - Der Spagat zwischen Moral und Rendite

Essay 2007 5 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Sonstiges

Leseprobe

Die Verantwortung transnationaler Unternehmen – der Spagat zwischen Moral und Rendite

“A business that makes nothing but money is a poor kind of business.”

(Henry Ford)

Der Gegenstand: das verantwortungsvolle Handeln von Unternehmen

Die Debatte um die Verantwortung von Unternehmen ist nicht neu, doch tritt sie momentan verstärkt auf. Begriffe wie Corporate Social Responsibility (CSR) oder Corporate Citizenship, das Unternehmen als “verantwortungsvoller Bürger” im Gemeinwesen, prägen den Diskurs. Das sozial und/ oder ökologisch nachhaltige Agieren von Unternehmen, im nationalen genauso wie im internationalen Kontext, steht im Fokus der Betrachtung. Der Begriff Corporate Citizenship bringt es auf den Punkt:

Unternehmen sind eben nicht nur ein zentraler Faktor des Wirtschaftslebens, vielmehr sind sie auch als Bürger wichtige Gestalter ihres Gemeinwesens, ihrer Gesellschaft insgesamt. Und als solche müssen sie sich einerseits auch verhalten, andererseits auch geachtet werden. CSR als Teil gelebter Unternehmenskultur. Während im angel-sächsischen Raum die Unternehmen mit ihrem gesellschaftlichen Engagement offensiv Kunden locken und ihr Ansehen verbessern, halten sich die Unternehmen hierzulande mit öffentlichen Äußerungen über ihre sozialen Aktivitäten noch weitestgehend zurück. Dabei gibt es auch in der Bundesrepublik Deutschland genügend Beispiele, wo Unternehmen als verantwortungsvolle Bürger agieren. Zu ihrem eigenen Vorteil, und zum Vorteil der gesamten Gesellschaft. Doch das verstärkte Engagement seitens der Wirtschaft wird nicht von allen gutgeheißen, bzw. unterliegt zumindest einer kritischen Betrachtung. Das geht sogar soweit, dass das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen als fadenscheiniges Täuschungsmanöver bezeichnet wird. Die Wirtschaftsethik, eine relativ junge Disziplin an deutschen Hochschulen, befasst sich intensiv mit genau dieser Thematik.

Gewinn und Moral – kein unauflösbarer Antagonismus!

Der eben angerissenen Debatte liegen auch grundlegende philosophische Fragen zu Grunde: Hat, wie es Kant formulierte, „moralisches Handeln aus Pflicht zu erfolgen, nicht aus Neigung”? Und wenn ja, gilt dies auch für das Handeln von Unternehmen, für die Wirtschaft an sich?

Oder besteht nicht doch ein unauflösbarer Gegensatz zwischen Ethik und Ökonomie? Die Ethik, wie sie gemeinhin verstanden wird, als Anleitung und Orientierung zum Handeln entlang moralischer Normen, notfalls auch zum eigenen Nachteil. Daneben die Ökonomie, die als Ziel die stetige Besserstellung des Einzelnen hat. Das ständige Streben nach dem individuellen Vorteil.

Doch kann es nicht um Nullsummenspiele zwischen Gemeinnützigkeit und Unternehmensnutzen gehen. Es gibt auch keine zwei konkurrierenden Rationalitäten. Wäre dem so, wäre dies das Aus für die Ethik. Denn auch das gesellschaftlich engagierte Unternehmen bleibt ein Unternehmen im Wettbewerb. Gesellschaftliches Engagement darf dem Unternehmen Vorteile verschaffen, nein, es muss dies sogar leisten. Die Ethik und die Ökonomie befinden sich also nicht in einem antagonistischen, sondern in einem komplementären Verhältnis. (Habisch, 2005: 19) Wann immer Konflikte in diesem Verhältnis auftauchen, muss ein Weg gefunden werden, beides (wieder) miteinander verträglich, und im besten Fall sogar füreinander fruchtbar und gewinnbringend zu machen. (Suchanek, 2001: 1) Zusammengefasst besteht somit das grundlegende Defizit ethischen Handelns von Unternehmen unter Bedingungen des Wettbewerbs darin, dass die von einzelnen Unternehmen übernommene gesellschaftliche Verantwortung von den weniger moralischen Konkurrenten ausbeutbar und folglich nicht stabil ist. Somit müssen die von Seiten der Ethik an die Unternehmen gerichteten normativen Empfehlungen, um Chance auf Realisierbarkeit zu haben, aus den empirischen Bedingungen einerseits und den moralische Idealen andererseits hervorgehen.

Veränderte Rahmenbedingungen und ein Lösungsvorschlag

Den Unternehmen wird vor allem auch dadurch zunehmend mehr gesellschaftliche Verantwortung zugewiesen, da sie ihre Aktivitäten in einem Feld sich rasant verändernder Rahmenbedingungen vollziehen. Ein Faktor, der dieses Mehr an Verantwortung beschleunigt, ist die gravierende Erhöhung der potentiellen Transparenz, bedingt durch neue Informations- und Kommunikationsbedingungen. Informationen können weltweit an unterschiedlichste Empfängerkreise überliefert werden; Anteilseigner erfahren detaillierter, inwiefern die jeweiligen unternehmerischen Aktivitäten ihre eigenen Interessen tangieren. Suchanek und Lin-Hi gehen sogar so weit, diese erhöhte Option der Aufdeckung unternehmerischen Fehlverhaltens als „Demokratisierung der Information“ zu bezeichnen.

(Suchanek/ Lin Hi, 2006: 5) Der Aufdeckung der Verfehlungen seitens der Unternehmen können Sanktionen, eine negative Berichterstattung und im negativsten Fall Boykottaufrufe, Kampagnen und Aktivitäten von Pressure Groups (z. B. Umweltbewegungen) folgen. Sanktionen als eine Infragestellung der unternehmerischen licence to operate. Denn diese licence to operate – die gesellschaftliche Legitimation– resultiert nicht mehr nur allein aus betriebswirtschaftlicher Wertschöpfungsaktivität. Vielmehr erfolgt die Sicherung dieser durch angemessene Berücksichtigung gesellschaftlicher Forderungen, oder anderes formuliert: durch die Übernahme unternehmerischer Verantwortung. Diese licence to operate wird auch bei der Unterscheidung zwischen Legalität und Legitimität des Handelns von Unternehmen deutlich. Unternehmen verhalten sich nämlich nicht nur dann ethisch korrekt, wenn sie sich im relevanten rechtlichen Rahmen bewegen. Denn das legale Verhalten von Unternehmen, muss noch lange kein legitimes Verhalten sein. Letzten Endes ist die Zustimmung der jeweiligen Gesellschaft und der Stakeholder zu den unternehmerischen Entscheidungen entscheidend.

Des Weiteren erodiert das öffentliche Vertrauen in Unternehmen zunehmend. Teilweise geht dies sogar einher mit einer Hinterfragung des marktwirtschaftlichen Systems an sich. Die dem Einzelnen sich verschließende Sinnhaftigkeit des Systems verursacht einen Legitimationsdruck der Marktwirtschaft, der sich umgehend auf die Unternehmen überträgt – in den Augen vieler die einzig wahren Profiteure des Systems. Neues Vertrauen in die Wirtschaft und in die Unternehmenseigner ist notwendig – zum Wohle aller!

Die oben erwähnte Unternehmens- bzw. Wirtschaftsethik befasst sich mit der Auflösung des angesprochenen Konflikts zwischen Gewinn und Moral. Ziel muss die Festsetzung einer adäquaten Rahmenordnung sein, in der der klassischen Handlungsethik eine Institutionen- bzw. Bedingungsethik vorgeschaltet ist. Nur durch diese Bedingungsethik läuft das Unternehmen nicht mehr Gefahr, dass seine vorgeschalteten Vorleistungen von anderen Akteuren ausgenutzt werden. Dieser unternehmensethische Entwurf geht zurück auf den Ökonomen Karl Homann, der Wirtschaftsethik als ökonomische Theorie der Moral begreift. Homann bezeichnet die Institutionen- bzw. Bedingungsethik auch als Anreizethik, da das Handeln der einzelnen Unternehmen durch Vorteilserwartungen bzw. Anreize gesteuert wird. Neben dem individuellen Vorteilsstreben treten die moralisch bevorzugten Resultate als Nebenprodukte auf.

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Details

Seiten
5
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640093724
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111292
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Schlagworte
Verantwortung Unternehmen Moral Rendite CSR Corporate Social Responsibility Nachhaltigkeit Transnationale Unternehmen Sustainability Wirtschaftsehtik

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