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Die Parodie der Ritterromane in Miguel de Cervantes` „El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha“

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 20 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung: Der Don Quijote – ein literaturkritischer Roman

2. Der Ritterroman und seine Leser

3. Definition des Begriffes „Parodie“

4. Im Don Quijote parodierte Bereiche der chevaleresken Literatur
4.1 Titel und Titelheld
4.2 Das Liebesverhältnis
4.3 Don Quijotes Sprache
4.4 Don Quijotes Abenteuer
4.5 Die dargestellte Welt

5. Die Entstehung der Parodie durch Don Quijotes locura

6. Der Zweck der Parodie im Don Quijote

7. Schlussbemerkung

8. Literaturangaben

1. Einleitung: Der Don Quijote – ein literaturkritischer Roman

Miguel de Cervantes´ Roman „El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha“ (1605/ 1615) ist der wichtigste Roman des spanischen Siglo de Oro und ein Klassiker der Weltliteratur. Dieser „Höhepunkt des literarischen Schaffens im Goldenen Zeitalter“[1] erregte gleich nach der Publikation enormes Aufsehen, da der Roman eine Parodie der zur damaligen Zeit überaus beliebten Ritterromane darstellt. Der Don Quijote „gibt sich von vornherein als literatur kritischer Roman zu erkennen, als Parodie der Ritterromane“[2].

Der Don Quijote, der vom Autor ursprünglich wohl als kurze Parodie auf die Ritterromane angelegt war, wurde zu einem Monumentalwerk von über tausend Seiten, verteilt auf zwei Bände. Dass der Roman auf Intertextualität basiert, wird schon im Prolog sichtbar: „esta vuestra escritura no mira a más que a deshacer la autoridad y cabida que en el mundo y en el vulgo tienen los libros de caballerías“.[3]

Im Folgenden soll nun geklärt werden, woraus Cervantes´ Parodie besteht, in welchen Bereichen des Don Quijote sie zu finden ist und welches Ziel der Autor mit dem Einsatz der Parodie verfolgt. Im Hinblick darauf steht zunächst die parodierte Gattung der Ritterromane und eine literaturwissenschaftliche Definition des Begriffes „Parodie“ im Mittelpunkt der Untersuchung.

2. Der Ritterroman und seine Leser

„Die Bedeutung der Parodie im Roman des Cervantes wird [...] greifbar, wenn man bedenkt, daß der Quijote von einem Publikum gelesen wurde, dem die Ritterromane völlig vertraut waren“[4]. Die erfolgreichste, meist gelesene Literaturgattung zur Zeit Cervantes´ waren eindeutig die Ritterromane, „allen voran der Amadís de Gaula, der [...] zwanzig Auflagen erreichte und zum Vorbild von rund sechzig weiteren Ritterromanen wurde“[5].

Ein edler Ritter steht stets im Mittelpunkt dieser Romane: Er besteht in einem fremden Land heldenhaft Abenteuer, kämpft gegen Zauberer, feindliche Heere, Riesen und gefährliche

Bestien und widmet allen Ruhm, den er erringt, seiner angebeteten, adligen dama, der er in unerschütterlicher Liebe zugetan ist. All diese Elemente finden sich im Don Quijote parodiert wieder.

„Para sus contemporáneos, gran parte del placer de leer la novela de Cervantes debe hacer procedido a reconocer en ella incidentes determinados o típicos, situaciones y giros extraídos de su exótico hábitat en los romances de caballerías”.[6]

Die spanische chevalereske Literatur jener Zeit ist „der letzte Nachklang der mittelalterlichen Ritterepik [...]. Die Ritterromanmode des 16. Jh. hat aber kaum noch Verbindungen zu einer chevaleresken Realität.”[7] Kein Mensch käme im Spanien des 16. Jahrhunderts auf die Idee, als fahrender Ritter durch das Land zu ziehen; die letzten Kreuzzüge liegen mehrere hundert Jahre zurück. Die Ritterromane behandeln also als fiktive Abenteuerromane eine vergangene Epoche.

Trotz oder gerade wegen ihrer großen Beliebtheit bei der Leserschaft stoßen die Ritterromane nicht überall auf Begeisterung: Die Gegner kritisieren deren angebliche Lügengeschichten und moralische Verderbtheit, halten ihre Lektüre für unnützen Zeitvertreib – der Druck einiger Bücher ist in Spanien sogar zeitweise verboten.

Cervantes hatte zu den Ritterromanen wohl „Wie viele seiner Zeitgenossen [...] ein zwiespältiges Verhältnis.“[8] Einerseits verurteilte er die meisten Ritterromane (mit Ausnahme des Tirant Lo Blanc und des Amadís de Gaula): „Según Cervantes, la literatura de su época estaba corrompida. [...] el más [...] influyente de esta literatura corrompida lo constituían los libros de caballerías, lectura predilecta del ignorante vulgo.”[9] Andererseits war er auch selbst ein begeisterter Leser solch „unterhaltsamer Abenteuerlektüre”.[10]

Mit dem Don Quijote schrieb Cervantes einen Roman, der sich mit derselben Thematik befasst wie die Ritterromane, der jedoch eine Parodie anstatt eine weitere Fortsetzung darstellt: „One can [...] reconstruct from what Quixote describes or imagines [...] a rather accurate idea of what goes on in a book of chivalry. Of course the big difference is that those books are serious”.[11]

Was die Ritterromane ernst nehmen, parodiert also der Don Quijote. Vor einer eingehenderen Untersuchung des Don Quijote soll nun zunächst die literaturwissenschaftliche Definition der Parodie stehen.

3. Definition des Begriffes „Parodie“

Der Begriff stammt aus dem Griechischen und kann wortwörtlich als „Gegengesang“[12] übersetzt werden. Eine Parodie ist eine „Nachahmung, die einen Originaltext imitiert und dabei das Werk, den Autor oder dessen Meinung verspottet.“[13] Es werden „Form und Stil des Originals beibehalten, aber der Inhalt verändert.“[14] Durch die Diskrepanz zwischen Form und Inhalt ergibt sich ein humoristischer Effekt.

Allerdings kann „pará“ nicht nur als „gegen“, sondern auch als „neben“ übersetzt werden, so dass sich daraus die Bedeutung „Nebengesang“ ergibt.

„Die neuere Forschung sieht den Begriff eher im Zusammenhang mit der Intertextualitätsdiskussion“[15]. Nicht das Gegeneinander, sondern das Nebeneinander von Original und Parodie steht hier im Vordergrund. Die literarische Parodie „ist demnach eine Form der Intertextualität, eine zwar andersartige, aber der Aussage des Original- bzw. Prätextes nicht unbedingt diametral entgegengesetzte und auch nicht unbedingt spöttische Abwandlung.“[16]

Auch der Begriff des Schemas ist bei der Definition der literarischen Parodie wichtig: „Die literarische Parodie – die komisch gehaltene Nachahmung eines als bekannt vorausgesetzten Originals – lebt vom Schema. Ihr Ziel ist es, die Eigenart der Vorlage darzustellen, indem sie dieses Schema mechanisierend auf die Spitze treibt”.[17]

Parodiert werden können natürlich nicht nur konkrete Originaltexte, sondern auch ein ganzes Genre. Cervantes´ Parodie bezieht sich demnach auf das Genre der spanischen Ritterromane. Welche Bereiche der Originale[18] im Don Quijote parodiert werden, wie dies geschieht und welchen Zweck der Autor letztlich damit verfolgt, soll im Folgenden dargestellt werden.

4. Im Don Quijote parodierte Bereiche der chevaleresken Literatur

4.1 Titel und Titelheld

Schon im Bereich des Romantitels und des Titelhelden wird die „Auflösung der traditionellen Vorstruktur“[19] sichtbar: Das Wort „ingenioso“ im Titel „weist sogleich darauf hin, daß sich das Ritterroman-Geschehen nur noch im Kopf des Protagonisten abspielt.“[20] Der lange, für den Leser hochtrabend klingende Titel ist eine Parodie der Ritteromantitel, in denen gewöhnlich der Name des Helden und dessen Herkunft angegeben wurde: „It is a combination of the kind of title Cervantes gave to some of his Exemplary Novels and the parody of the typical title of a romance of chivalry, like Amadís of Gaul, or even Lancelot of the Lake[21].

Der Held in den Ritterromanen war stets ein schöner, starker Königssohn; hier ist es ein magerer, etwa 50-jähriger Landjunker aus der Mancha, der seine Zeit ausschließlich der Lektüre von Ritterromanen widmet: „es un hombre sin historia, [...] Una antítesis de héroe, es feo y viejo”.[22]

In einer ganz und gar unritterlichen Welt fällt es dem Landjunker, der durch die Lektüre der Ritterromane schließlich wahnsinnig geworden ist, ein, das fahrende Rittertum wiederzubeleben („Quise resucitar la ya muerta andante caballería”[23] ).

Er klaubt einige alte Waffen und rüstungsähnliche Gegenstände zusammen und zieht heimlich von dannen: „lo primero que hizo fue limpiar unas armas que habían sido de sus bisabuelos, que, tomadas de orín y llenas de moho, luengos siglos había que estaban puestas y olvidadas en un rincón.” (DQI, S. 117)

Don Quijote hat keinen König als Auftragsgeber, seine Mission entsteht nur in seiner eigenen Fantasie: „Don Quijote [...] ist kein strahlender Held mehr, der sich in einem providentiell gelenkten Geschehen bewährt. Sein Aufbruch geschieht heimlich und durch die Hintertür.”[24]

Don Quijote befindet sich ab seinem Beschluss, ein fahrender Ritter zu werden, nur noch in seiner eigenen Welt, nämlich der der Ritterromane. „Er diagnostiziert, daß die Zeit, in der er lebt, die der Dekadenz ist, des Verfalls der Sitten und der Tugenden, und begreift sich selbst als Heilsbringer, der das in Unordnung Geratene wieder richtet.”[25]

Bereits durch seinen von ihm selbst gewählten Namen wird er „in einem Atemzug Nachfahre und parodistisches Zerrbild des Ritters”[26], schon allein weil das spanische Suffix -„ote” als „vergröberndes und beleidigendes Suffix”[27] gilt, das ein edler Ritter nie an seinen Namen angehängt hätte. Später gibt ihm Sancho den eigentlich unrühmlichen Beinamen „Caballero de la Triste Figura” (DQI, S. 274), den Don Quijote sogleich stolz annimmt und sogar überlegt, sich ein Wappen mit einer besonders traurigen Figur auf sein Schild malen zu lassen: „determino de hacer pintar, cuando haya lugar, en mi escudo una muy triste figura” (DQI, S 275). Durch seinen Namen, sein unrühmliches Aussehen, die Behelfsrüstung, seinen altersschwachen Klepper Rocinante und die bizarren Umstände seines ersten Auszugs aus seinem Dorf in der Mancha wird Don Quijote – für den Leser sofort erkennbar – zur Parodie der edlen Ritterfiguren aus der chevaleresken Literatur.

Unbeirrt verfolgt Don Quijote sein Vorhaben, als fahrender Ritter für das Gute zu kämpfen. Fand der Leser der Ritterromane die Helden dort stets in einer für ihre Absichten adäquaten Umgebung, so findet er im Don Quijote dagegen „die völlige Isolierung des letzten Ritters inmitten einer jetzt ganz und gar verfremdeten Welt”.[28]

Darüber hinaus stellt sich der Titelheld noch einen Knappen an die Seite, der ganz und gar das Gegenteil ist von einem escudero in den Ritterromanen – eine redselige, bäurische, im Roman stets durch wörtliche Rede präsente Figur: „Gewiß gab es den (an sich adligen) escudero auch schon im Ritterroman; aber dort war er bestenfalls eine Nebenfigur ohne Eigengewicht. Im Roman des Cervantes hingegen wird er – jetzt als Plebejer – zur zweiten Hauptfigur, die sprachlich genauso präsent ist wie Don Quijote selbst”[29].

4.2 Das Liebesverhältnis

Da jeder fahrende Ritter eine Dame besitzt, der zu Ehren er seine Abenteuer vollbringt, sucht sich auch Don Quijote zu Beginn des Romans eine solche: „se dio a entender que no le faltaba otra cosa sino buscar una dama de quien enamorarse; porque el caballero andante sin amores era árbol sin hojas y sin fruto y cuerpo sin alma” (DQI, S. 119).

Die Anbetung Dulcineas im Verlauf des Romans entspringt also keineswegs einem konkreten Liebesverhältnis, sondern einzig und allein der Notwendigkeit einer dama, um ein „vollständiger” fahrender Ritter zu sein.

„As in a chivalric love story, Don Quixote fulfills his vows of fidelity, chastity, service and honor, to the lady of his heart and soul. In this respect Cervantes clearly outstripped all his predecessors in chivalric romance, for love triumphs in the absence of a real object.”[30] Denn die erwählte Dulcinea ist abwesender als alle Damen zuvor: Don Quijote kennt sie vage von früher und glaubt, einmal in sie verliebt gewesen zu sein.

Dies genügt ihm, um sie, die Bauersfrau, zur herrlichsten, schönsten und anbetungswürdigsten Dame aller Zeiten zu erheben. „Am Anfang des Romans steht also nicht die hohe und schöne Liebe, die sich Don Quijote nach dem Muster der Ritterromane späterhin noch vorstellt [...], sondern eine zugleich systematische und praktische Erwägung”.[31] Da er gleich zu seinen ersten Abenteuer aufbrechen will und „porque la caballería le obliga a tener dama”[32], wartet er nicht ab, bis er eventuell eine zu ihm passende Dame entdeckt, sondern wählt sie im Handumdrehen selbst aus.

Während der wirkliche Held des Ritterromans beim Anblick einer Königstochter vom Pfeil Amors schicksalhaft getroffen, von der Liebe also ohne sein Zutun ereilt wird und fortan seiner Dame bedingungslos unterworfen bleibt, wartet Don Quijote den Pfeil Amors gar nicht erst ab, sondern trifft für Dame und Liebe schon vorausplanende Vorsorge.[33]

Ausdrücklich ist der Amadís de Gaula sein größtes Vorbild, was die Verehrung Dulcineas angeht: „Amadís fue el norte, el lucero, el sol de los valientes y enamorados caballeros, a quien debemos de imitar todos aquellos que debajo de la bandera de amor y de la caballería militamos.” (DQI, S. 343)

Hier führt Cervantes die Tendenz in den späteren Ritterromanen, vor allem im Amadís de Gaula, weiter, dass die Liebe nicht mehr stets beidseitig und ideal ist, denn „in der Tatsache, daß die Idealität der Dame von dem unbeirrbaren Glauben ihres Ritters abhängt, ist bereits der Schritt vorgezeichnet, mit dem Cervantes am Ende die Idealität der Dulcinea allein noch in der Vorstellung Don Quijotes existieren läßt.”[34]

4.3 Don Quijotes Sprache

Ein wichtiges parodistisches Element im Don Quijote ist die Sprache, derer er sich bedient. Sie verdeutlicht einmal mehr, dass Don Quijote sich in einer Welt bewegt, die ihn im wahrsten Sinne des Wortes nicht versteht. Die Menschen wundern sich nicht nur über seine seltsame Rüstung, sein klappriges Pferd und den dicken Knappen, sondern auch über die altertümliche Sprechweise, die nicht seine eigene ist, sondern die er aus den Ritterromanen übernimmt.

Die bewusste Imitation der altertümlichen Sprechweise in den Ritterromanen wird schon zu Beginn des Romans deutlich, als er Dulcinea anruft: „Con estos iba ensartando otros disparates, todos al modo de los que sus libros le habían enseñado, imitando en cuanto podía su lenguaje.” (DQI, S. 122)

Beispiele für die antiquierte Ausdrucksweise, die Don Quijote benutzt, sind „fermosura” (DQI, S. 407) anstatt der neuen Form „hermosura”, „fasta” (DQI, S. 407) statt „hasta”, „fecho” (DQI, S. 407) statt „hecho”. Auch die Verbform „mostredes” (DQI, S. 124) ist antiquiert (→ „mostreis”). Anstatt „porque” verwendet Don Quijote den Gallizismus „ca” (DQI, S. 124), anstatt „no os lo digo” spricht er „non vos lo digo” (DQ1, S. 124), ebenfalls das Relikt einer älteren Sprachstufe des Spanischen.

„Da Sprache [...] immer auch das Weltbild des Sprechers widerspiegelt, ist der Gebrauch einer antiquierten Sprechweise [...] gleichzeitig Ausdruck einer nicht mehr gültigen Wirklichkeitsauffassung.“[35] Don Quijote wirkt durch die Rittersprache, die er benutzt, auf seine Umgebung gewissermaßen weltfremd.

Teilweise färbt diese in der Welt, in der Don Quijote lebt, so unpassende Redeweise sogar auf seinen Knappen Sancho ab, den seine eigene Frau nicht mehr versteht und ihm vorwirft: „después que os hicistes miembro de caballero andante habláis de tan rodeada manera, que no hay quien os entienda“ (DQII, S. 68).

4.4 Don Quijotes Abenteuer

Don Quijote zieht also in die Welt hinaus, um Abenteuer zu bestehen und für das Gute zu kämpfen: „eran los agravios que pensaba deshacer, tuertos que enderezar, sinrazones que enmendar, y abusos que mejorar, y deudas que satisfacer.“ (DQI, S. 120) Das Schema ist auch hier dasselbe wie in den Ritterromanen. Die Parodie besteht darin, dass Don Quijote sich die Abenteuer selbst heranziehen oder gar einbilden muss, da er sich nicht in „a world of monsters, giants, dwarfs, of sudden transformations and vanishings, of mysterious castles, enchanted weapons, fays, temptresses, abducted maidens”[36] bewegt.

In der Welt der Ritterromane warteten überall Abenteuer auf den mutigen Ritter, „it was about legendary, mysterious or fictious characters and marvellous and even supernatural happenings.“[37]

In den einsamen Landstrichen der Mancha, die Don Quijote durchstreift, gestaltet sich das ruhmreiche Bestehen von Abenteuern bedeutend schwieriger, da die Gegend natürlich äußerst arm ist an Riesen, Zauberern, Ungeheuern oder sonstigen magischen Elementen, die Don Quijote aus seinen Rittergeschichten kennt und nun, selbst zum Ritter geworden, wiederzufinden hofft.

Don Quijotes Begleiter Sancho ist nur durch den ihm versprochenen Gewinn einer Statthalterschaft am Bestehen von Abenteuern interessiert (denn er ist „un labrador gordo, glotón, bebedor, lascivo y motivado por el eventual lucro de las aventuras”[38] ), Don Quijotes „Streitross” Rocinante läuft, wohin es will, und der zum Kampf für das Gute bereite Ritter muss seine ganze Verrücktheit aufwenden, um in jeder noch so banalen Begebenheit ein Abenteuer zu sehen:

Legendär ist sein Kampf gegen die Windmühlen, im Kapitel 26 des zweiten Bandes zerhackt er ein ganzes Marionettentheater, weil er meint, in den Kampf der Figuren auf der Bühne eingreifen zu müssen, und als er dem Mann mit dem Löwenkäfig begegnet, fordert er, mit den Tieren kämpfen zu dürfen, denn schließlich sei es ja möglich, dass die Löwen extra seinetwegen hier an Ort und Stelle seien. „Éste es el mío, y no sé si vienen a mí, o no, estos señores leones.” (DQII, S. 166)

Die Ritter in den dem Publikum bekannten Romanen handeln stets souverän, haben eine Aura des Bedeutsamen um sich, und ihr Handeln hat stets weitreichende Auswirkungen. Dies wird im Don Quijote im Bereich der Abenteuer dadurch parodiert, „daß der Ausgang nicht mehr voraussehbar ist und je nach den Umständen – auch der Zufall spielt hier eine Rolle – so oder so ausfallen kann”.[39] Don Quijote besteht Abenteuer, die er sich erst mühsam selbst suchen muss, steckt meistens Niederlagen, manchmal Siege ein, und bewirkt zu keinem Zeitpunkt die von ihm erhoffte Besserung der Welt.

Während [...] im epischen Ritterroman der Vorrang der überpersönlichen Geschehens [...] daran sichtbar wurde, daß mit dem Ausgang des Abenteuers zugleich eine nicht mehr rückgängig zu machende, für die ganze Welt verbindliche Epoche gesetzt war, [...] wird im Quijote der Vorrang der Personenhandlung und der nur noch persönlichen Initiative durch den Umstand verdeutlicht, daß mit dem Ausgang des Abenteuers allein noch lange nicht darüber entschieden ist, ob die Welt auch wirklich verändert wird.[40]

Oft kommt Don Quijote in ganz und gar unritterliche Situationen, liegt zerschlagen am Boden, muss von Dirnen gefüttert werden, da er seinen Helm nicht abnehmen kann, oder kämpft unter aller Augen im knappen Nachthemd gegen Weinschläuche: „Estaba en camisa, la cual no era tan cumplida, que por delante le acabase de cubrir los muslos” (DQI, S. 488). Und wenn seine Hilfe tatsächlich einmal dringend vonnöten wäre, hindert ihn die umständliche, von ihm gänzlich verinnerte Ritterethik daran, einzuschreiten. So hält er in Kapitel 44 des ersten Bandes der Tochter des Wirts einen Vortrag, als diese ihn bittet, ihren Vater aus einer Schlägerei zu retten: „Fermosa doncella, no ha lugar por ahora vuestra petición, porque estoy impedido de entremeterme en otra aventura en tanto que no diere cima a una en que mi palabra me ha puesto.” (DQI, S. 588)

Im zweiten Teil des Don Quijote, nach der Verzauberung Dulcineas, lässt die Imagination des Don Quijote nach: Er sieht nicht mehr überall Abenteuer, betrachtet Schenken und Herbergen beispielsweise nicht mehr als Schlösser: „llegaron a la venta, a tiempo que anochecía, y no sin gusto de Sancho, por ver que su senor la juzgó por verdadera venta, y no por castillo, como solía.” (DQII, S. 238)

Die Initiative geht nicht mehr von Don Quijote aus: „Wenn der Erste Teil eine Parodie der Ritterromane war, ist der Zweite Teil eine Parodie des Ersten”.[41]

Don Quijote gelangt beispielsweise zum Herzog und der Herzogin, die ihn über eine weite Strecke des zweiten Teils hinweg in ihrem Schloss für ihre Belustigung missbrauchen, ihm eine ritterliche Welt voller zu bestehender Abenteuer vorgaukeln und sich an seinem wunderlichen Gerede und Gebaren ergötzen: „Grande era el gusto que recibían el duque y la duquesa de la conversación de don Quijote y de la de Sancho Pansa, y confirmándose en la intención que tenían de hacerles algunas burlas que llevasen vislumbres y aparencias de aventuras” (DQII, S. 318).

Während die Ritter in den Ritterromanen an Höfen tatsächlich ehrerbietig empfangen wurden, ist die Behandlung, die Don Quijote widerfährt, nur ein Schauspiel, während dessen der ganze Hofstaat sich über ihn lustig macht: „Für den Leser wird die absteigende Linie im Weg des Protagonisten fortgesetzt, denn das höfische Gebaren ist ironisch und die Einladung nur zu dem Zweck erfolgt, an den ritterlichen Chimären Don Quijotes einen Zeitvertreib zu haben.”[42]

Nachdem Don Quijote Sansón Carrasco im Kampf unterlegen ist, kehrt er in sein Dorf zurück, wird krank und stirbt in seinem Bett.[43] Er hat sein Schicksal selbst geschaffen, seine Abenteuer selbst gewählt, und so ist es, im Gegensatz zu den Ritterromanen,

keine von außen kommende Strafe mehr, die Don Quijote ereilt, so wie noch im Palmerín de Inglaterra Floramán und Floriano von schicksalhafter Strafe ereilt wurden. Vielmehr sind es seine eigenen Chimären, mit denen er der Verzauberung Sancho Panzas, den burlas der Herzöge und den Herausforderungen Sansón Carrascos konfrontiert wird und die auf ihren Schöpfer zurückfallen.[44]

4.5 Die dargestellte Welt

Parodiert wird im Don Quijote auch die in den Ritterromanen dargestellte Welt: „los libros de caballerías [...] eran antinacionales. Ninguno de ellos se ubica en territorio español.”[45] Ganz im Gegensatz zum Don Quijote, der die Mancha durchstreift. Die Parodie besteht hier darin, dass die dargestellte Welt die des zeitgenössischen Spaniens ist. Die fantastische Welt der Ritter und Abenteuer wird in die Mancha verlegt, in die weite Ödnis im Herzen des Landes: In der spanischen Alltagswelt „gibt es keine märchenhafte Ferne mehr, sondern nur noch die dörfliche Nähe der Mancha”[46]. Nie hätte ein klassischer Ritterroman im eigenen Land spielen dürfen, die Verlegung des Geschehens in exotische Gefilde war Pflicht:

We have only to recall the exotic lands that disclose the origins of familiy and place of chivalric heroes like Don Belianís de Grecia or Florismarte de Hircania, to recognize the satirical parody of a knight from La Mancha, a region of New Castile undistinguished in the eyes of contemporary Spaniards, except for its many Moriscos, and a most unlikely setting for chivalric adventures.[47]

Diese „Lokalisierung der Handlung in einem allen Spaniern mehr oder weniger vertrauten Gebiet“[48] vermittelt räumliche und zeitliche Nähe. Don Quijote wird als fahrender Ritter ständig mit der Realität konfrontiert, zum Beispiel damit, dass er Geld benötigt, um in einer Schenke übernachten zu dürfen, auch wenn in den Ritterromanen nie ein Wort über Bezahlung verloren wurde. Dem Wirt, der Geld fordert, antwortet Don Quijote demnach: „respondió don Quijote que no traía blanca, porque él nunca había leído en las historias de los caballeros andantes que ninguno los hubiese traído.“ (DQI, S. 129) Doch der fahrende Ritter muss einsehen, dass der Wirt recht hat, und führt fürderhin immer Geld bei sich.

Noch etwas hätte es in der Welt der Ritterromane nie gegeben beziehungsweise hätte dort nie Erwähnung gefunden, nämlich „solch banale Dinge wie Unterhemden, Nachttöpfe, [...] körperliche Verrichtungen [...] oder lange Diskussionen über Mahlzeiten und Nahrungsmittel“[49], wie sie zuhauf im Don Quijote vorkommen.

Teilweise versteht Don Quijote, dass er in einer Welt lebt, die mit der edlen Welt der Ritter nicht viel gemein hat. Er weiß zum Beispiel, dass er sich im Zeitalter der Schusswaffen befindet: Waffen, mit denen ein Feigling einem tapferen Ritter das Leben rauben kann. In einem Monolog lässt er sich über das verderbte Zeitalter aus, in dem er lebt, jedoch nur im Hinblick auf sein Ideal, die tugendreiche, von edlen Menschen bevölkerte Welt des Rittertums: „el alma me pesa de haber tomado este ejercicio de caballero andante en edad tan detestable como es esta en que ahora vivimos“ (DQI, S. 521).

Ein parodistisches Element findet sich auch, wenn am Ende des ersten Teils angeblich alte Manuskripte über den Tod Don Quijotes auftauchen, gleichzeitig jedoch ein Brief Sanchos auf 1614 datiert ist. Diese Widersprüche parodieren „den sorglosen Umgang der Ritterromane mit der Kategorie der Zeit; so spielt AMADÍS kurz nach Christi Geburt, die erzählte Welt ist aber deutlich mittelalterlich.“[50]

Dadurch, dass die dargestellte Welt im Don Quijote keine Ritter-Märchenwelt mehr ist, „können die Situationen des Ritterromans nur dadurch parodistisch wiederholt werden, daß der Held sie, gemäß den Vorstellungen seiner närrischen Phantasie, [...] herbeiführt.“[51] Dies führt zum nächsten Punkt der Betrachtung, nämlich dem Zusammenhang zwischen Parodie und Don Quijotes locura.

5. Die Entstehung der Parodie durch Don Quijotes locura

Die Forschung ist sich einig: „Cervantes will make the parody of chivalry most explicit through Quixote´s fantasy”[52]. Don Quijotes Wahnsinn, der durch die übermäßige Lektüre von Ritterromanen hervorgerufen wurde und im Roman selbst als „la estraña locura de don Quijote” (DQI, S. 441) benannt wird, kann als „der eigentliche Motor der Handlung“[53] angesehen werden. Don Quijote glaubt bedingungslos dem Inhalt der Bücher, die der Pfarrer als „mentirosos y [...] llenos de disparates y devaneos” (DQI, S. 443) beschreibt. Seine locura vernebelt ihm den Blick für die völlig unritterliche Realität[54], und nicht nur der Pfarrer im Roman wundert sich, wie leicht man Don Quijote eine ritterliche Realität vorgaukeln kann: „es cosa estraña ver con cuánta facilidad cree este desventurado hidalgo todas estas invenciones y mentiras, sólo porque llevan el estilo y modo de las necedades de sus libros” (DQI, S. 427).

Die ritterliche Welt existiert nur noch in der Traumwelt des Don Quijote – und im Hintergrundwissen der Leser, die auch die Ritterromane kennen. „Las acciones, palabras y pensamientos de don Quijote necesitan de esa resonancia entre quienes conocen el mundo literario caballeresco que él quiere vivir como una realidad histórica presente, implantando sus formas de vida y ideales.“[55]

Somit ist Don Quijote „jemand, welcher der Traumregie unterliegt“[56] und sich durch nichts beirren lässt. Die locura als Motor seiner Handlung trägt aber auch etwas Gewitztes in sich: So wie Don Quijote zum Beispiel bestimmt, wer die von ihm angebetete Dame sein soll, so steuert er auch alle darauf folgenden Empfindungen, von denen die fahrenden Ritter befallen wurden, selbst. Er wird nicht zu unpassenden Zeitpunkten von der Sehnsucht zu seiner Dame niedergeworfen, sondern kann selbst entscheiden, wann ihm das „Sich-Verzehren“ nach seiner Dame – was ja in den Ritterromanen vorkommt und somit auch für ihn zur zwingenden Pflicht wird – am besten in den Zeitplan seiner ritterlichen Abenteuer passt.

Er beschließt selbst, wann er wahnsinnig vor Liebe werden und wann er seine angebetete Dulcinea mit lyrischen Zeugnissen seiner Verehrung bedenken will.

Am schönsten kommt dieser Aspekt in der Szene zum Ausdruck, als er, angeregt durch die zerklüftete Landschaft der Sierra Morena, beschließt, wie Amadís und Orlando der Liebesraserei zu verfallen (I, XXV-XXVI). Hier wird im Unterschied zum dunklen Wahn seiner Vorgänger das wache ingenium in der locura Don Quijotes besonders deutlich. Was dort schicksalhaftes Verhängnis war, wird hier zu Berechnung und Planung[57]

Don Quijote befindet sich auf Grund seiner locura so tief in der Welt der Ritterromane, dass er, als er verwundet wird, sogar den Schmerz ignoriert, weil Ritter schlicht und einfach keinen Schmerz empfinden dürfen: „si no me quejo del dolor es porque no es dado a los caballeros andantes quejarse de herida alguna, aunque se le salgan las tripas por ella.“ (DQI, S. 169)

Don Quijote glaubt fest daran, in der Welt der Ritterromane zu leben, was die Handlung überhaupt erst in Gang bringt und vorantreibt, denn „Um dies [...] in einer in Wahrheit ja ganz anderen Welt wenn auch nur närrisch zu verwirklichen [...], ist ein besonderer Einfallsreichtum schon Voraussetzung.“[58]

Als er am Ende seinen Verstand wiedererlangt, endet der Roman, denn ohne locura kann es auch keine weiteren Abenteuer mehr geben. Don Quijote sieht ein, welchem fatalen Irrtum er aufgesessen ist: „Yo tengo juicio ya, libre y claro, sin las sombras caliginosas de la ignorancia, que sobre él me pusieron mi amarga y continua leyenda de los detestables libros de las caballerías“ (DQII, S. 633).

Er kommt zu der Einsicht, dass die Ritterromane nur Unheil bringen: „Ya soy enemigo de Amadís de Gaula y de toda la infinita caterva de su linaje; ya me son odiosas todas las historias profanas del andante caballería“ (DQII, S. 634).

6. Der Zweck der Parodie im Don Quijote

Offensichtlich ist der Zweck der Parodie die Kritik an den Ritterromanen. Explizit wird dieses Ziel auch im Roman genannt, nämlich am Schluss, wo es heißt: „no ha sido otro mi deseo que poner en aborrecimiento de los hombres las fingidas y disparatadas historias de los libros de caballerías“ (DQII, S. 640). Auch an anderen Stellen ist die Kritik augenscheinlich. Wenn sich zum Beispiel der Domherr und der Pfarrer über die Ritterromane unterhalten, heißt es vom Domherrn:

son en el estilo duros; en las hazañas, increíbles; en los amores, lascivos; en las cortesías, mal mirados; largos en las batallas, necios en las razones, disparatados en los viajes, y, finalmente, ajenos de todo discreto artificio, y por esto dignos de ser desterrados de la república cristiana, como a gente inútil. (DQI, S. 619)

Trotzdem lässt er an ihnen auch eine gute Seite, so dass die Kritik nicht als überaus scharf und alles vernichtend beurteilt werden kann: In den Büchern sei ein „buen entendimiento [...], porque daban largo y espacioso campo por donde sin empacho alguno pudiese correr la pluma” (DQ, S. 620).

Cervantes verspottet die Ritterromane mit Hilfe der Parodie: „Cervantes los ridiculizó para que sus lectores dejaran [...] al menos de creerlos.”[59] Durch und durch böswillig ist diese Parodie jedoch nicht. Cervantes bedient sich hier wohl eher der horazischen Forderung des „ridentem dicere verum”[60], um die Leser von seiner Sicht der Dinge zu überzeugen. Kritik lässt sich in der humorvollen Verpackung der Parodie dem Leser besser vermitteln als ein offensichtliches Pamphlet – und „su intención no es tanto el atacar esa producción literaria que ha gozado del favor del público, comenzando por él mismo, cuanto el propósito de sustituirla, atrayendo a ese público hacia su propia obra”.[61]

Auf humorvoll-parodistische Weise versteht sich der Roman als „eine Art Ritterbuch gegen die Ritterbücher.“[62] Cervantes hätte auch eine trockene, vernichtende Abhandlung über die Verlogenheit der Ritterromane schreiben können, wenn er gänzlich humorlos gewesen wäre und sie aus ganzem Herzen verabscheut hätte. Doch beim Lesen des Don Quijote ist es möglich, in dem Roman „eine Satire der Ritterromane zu sehen, die zugleich dem Rittertum Verständnis entgegenbringt.“[63]

Da bekannt ist, dass Cervantes zumindest den Amadís de Gaula und den Tirant lo Blanc sehr geschätzt hat, ist der monumentale Don Quijote womöglich neben seinem Dasein als literaturkritisches Werk gar als Hommage an die wenigen guten Werke dieser Gattung zu verstehen, eine durch die parodistische Schreibweise für den damaligen Leser unerwartete, aber belustigend und erfreulich zu lesende Hommage, da „das Werk durch die ständige Durchbrechung des Erwartungshorizontes der Leser, also dadurch, dass er die Forderungen der zeitgenössischen Poetiken gerade nicht erfüllt, „admiratio“ hervorruft und ihnen damit gleichzeitig wiederum entspricht.“[64]

Der Erfolg beim Publikum jedenfalls zeigt, dass die Leser keineswegs verärgert waren über die „Demontage“ ihrer geliebten Ritterromane, sondern dass sie die Parodie derselben freudig lasen: „Los entusiastas de los libros de caballerías, aunque se encontrasen con la parodia del caballero andante, tenían motivo para divertirse, viendo al pobre hidalgo [...], queriendo resucitar la caballería [...] en aquellos tiempos.”[65]

Und so bleibt festzuhalten,

daß die Parodie des Quijote – wie überhaupt jede echte Parodie – nicht als eine bloße Zerstörung des Parodierten verstanden werden darf, sondern vielmehr als eine Auflösung, in der die epische Welt als ein Aspekt der romanhaften (d. h. hier als Phantasie des Landjunkers) noch immer erhalten bleibt, so daß der Quijote nicht nur als Antithese gegen den Ritterroman, sondern auch als Synthese gesehen werden kann[66].

7. Schlussbemerkung

Die Parodie im Don Quijote dient also, wie wir gezeigt haben, zur Kritik an den spanischen Ritterromanen. Gleichzeitig kann der Roman nicht nur als Antithese gegen die Originale, sondern auch als eine Synthese angesehen werden, da er keine reine Vernichtung aller Ritterromane anstrebt. Für die heutigen Leser, von denen wohl kaum einer vor der Lektüre des Don Quijote einen der früheren Ritterromane gelesen hat, ergibt sich eine andere Lesesituation als für das damalige Publikum: Man kennt das parodierte Original nicht, kann sich dennoch allein durch die Lektüre des Don Quijote ein Bild davon machen, wie ein klassischer Ritterroman beschaffen war, welche Elemente in ihm auftauchten – nämlich all jene, die Cervantes parodistisch übertrieben darstellt, seien es die Abenteuer, die ein tapferer Ritter zu bestehen hat, die Werte, für die er kämpft, oder die Liebe zu einer edlen Dame, die ihn motiviert.

Cervantes griff seiner Zeit weit voraus, indem er eine Parodie auf eine im 16. Jahrhundert sehr beliebte Literaturgattung verfasste, die der heutige Leser nicht mehr kennt und auch nicht kennen muss, da der Don Quijote als Parodie des Genres so brillant geschrieben ist, dass keine Vorkenntnisse zur Lektüre nötig sind. Daher ist die Parodie dieser Gattung heute ein wichtiges Werk der Weltliteratur, während die Originale – die meisten klassischen Ritterromane – außer an Universitäten kaum noch gelesen werden. Die Parodie der Ritterromane ist ein Teil der großen Erzählkunst Cervantes´, der statt der Ritter-Fantasiegeschichten über die Welt schrieb, in der er lebte, und der sich selbst nicht in erster Linie als Parodist oder Satiriker betrachtete, sondern vor allem als herausragender Erzähler[67] gelten wollte.

8. Literaturangaben

Quelle:

Cervantes, Miguel de: El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha I, Madrid 2005.

Cervantes, Miguel de: El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha II, Madrid 2005.

Sekundärliteratur:

Díaz, Emilio Orozco: Cervantes y la novela del Barroco, Granada 1992.

Eisenberg, Daniel: Cervantes y Don Quijote, Barcelona 1993.

Murillo, L. A.: A Critical Introduction to Don Quixote, New York 1988.

Neuschäfer, Hans-Jörg: Der Sinn der Parodie im Don Quijote, Heidelberg 1963.

Neuschäfer, Hans-Jörg (Hg.): Spanische Literaturgeschichte, Stuttgart 2001.

Nünning, Ansgar (Hg.): Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie, Stuttgart 2004.

Stolz, Christiane: Die Ironie im Roman des Siglo de Oro – Untersuchungen zur Narrativik im Don Quijote, im Guzmán de Alfarache und im Buscón, Frankfurt am Main 1980.

Strosetzki, Christoph: Miguel de Cervantes. Epoche – Werk – Wirkung, München 1991.

Türschmann, Jörg: Don Quijote im Zeitalter des Neobarocks. Die heuristische Funktion eines Klassikers in der Medienkulturtheorie der Gegenwart, in: Ertler, Klaus-Dieter/ Steckbauer, Sonja Maria (Hg.): 400 Jahre Don Quijote – Zur Rezeption des spanischen Klassikers in Europa und in den Amerikas, Frankfurt am Main 2007

Weich, Horst: Cervantes´ Don Quijote, München 2001.

[...]


[1] Neuschäfer, Hans-Jörg (Hg.): Spanische Literaturgeschichte, Stuttgart 2001, S. 123.

[2] Ebd.: S. 142.

[3] de Cervantes, Miguel: El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha I, Madrid 2005, S. 101. Im Folgenden werden Zitate aus dem ersten Teil des Don Quijote nicht mit Fußnoten, sondern im Fließtext mit der Bezeichnung „DQI“ und der jeweiligen Seitenzahl nachgewiesen.

[4] Neuschäfer, Hans-Jörg: Der Sinn der Parodie im Don Quijote, Heidelberg 1963, S. 11.

[5] Neuschäfer 2001, S. 126.

[6] Diaz, Emilio Orozco: Cervantes y la novela del Barroco, Granada 1992, S. 107.

[7] Neuschäfer 2001, S. 126.

[8] Ebd.: S. 126.

[9] Eisenberg, Daniel: Cervantes y Don Quijote, Barcelona 1993, S. 40f.

[10] Neuschäfer 2001, S. 126.

[11] Murillo, L. A.: A Critical Introduction to Don Quixote, New York 1988, S. 13.

[12] Aus dem Altgriechischen: pará = gegen; ode = Gesang.

[13] Nünning, Ansgar (Hg.): Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie, Stuttgart 2004, S. 512.

[14] Ebd.: S. 512.

[15] Ebd.: S. 512.

[16] Nünning, S. 512.

[17] Weich, Horst: Cervantes´ Don Quijote, München 2001, S. 47.

[18] Bei der Vielzahl der spanischen Ritterromane kann man natürlich nicht von einem oder mehreren konkreten Originaltexten sprechen, auf die sich die Parodie bezieht, auch wenn im Don Quijote mehrere Ritterromane mit Titel genannt werden.

[19] Neuschäfer 1963, S. 37.

[20] Neuschäfer 2001, S. 142.

[21] Murillo, S. 16.

[22] Eisenberg, S. 59.

[23] de Cervantes, Miguel: El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha II, Madrid 2005, S. 155. Im Folgenden werden Zitate aus dem zweiten Teil des Don Quijote nicht mit Fußnoten, sondern im Fließtext mit der Bezeichnung „DQII“ und der jeweiligen Seitenzahl nachgewiesen.

[24] Neuschäfer 1963, S. 35.

[25] Weich, S. 18 f.

[26] Ebd.: S. 32.

[27] Ebd.: S. 32.

[28] Neuschäfer 1963, S. 18.

[29] Neuschäfer 2001, S. 143.

[30] Murillo, S. 5.

[31] Neuschäfer 1963, S. 47.

[32] Eisenberg, S. 61.

[33] Neuschäfer 1963, S. 46.

[34] Ebd.: S. 21.

[35] Stolz, Christiane: Die Ironie im Roman des Siglo de Oro – Untersuchungen zur Narrativik im Don Quijote, im Guzmán de Alfarache und im Buscón, Frankfurt am Main 1980, S. 26.

[36] Murillo, S. 9.

[37] Ebd.: S. 8.

[38] Eisenberg, S. 64.

[39] Neuschäfer 1963, S. 37.

[40] Ebd.: S. 40.

[41] Neuschäfer 2001, S. 144.

[42] Neuschäfer 1963, S. 93.

[43] Dieser ganz und gar unritterliche Tod eines Helden findet sich bereits im von Cervantes hoch geschätzten Ritterroman Tirant lo Blanc.

[44] Neuschäfer 1963, S. 98.

[45] Eisenberg, S. 53.

[46] Neuschäfer 2001, S. 142.

[47] Murillo, S. 18.

[48] Stolz, S. 36.

[49] Ebd.: S. 26.

[50] Weich, S. 45 f.

[51] Neuschäfer 1963, S. 42.

[52] Murillo, S. 37.

[53] Ebd.: S. 43.

[54] Vgl.: Neuschäfer 2001, S. 142.

[55] Diaz, S. 154f.

[56] Türschmann, Jörg: Don Quijote im Zeitalter des Neobarocks. Die heuristische Funktion eines Klassikers in der Medienkulturtheorie der Gegenwart, in: Ertler, Klaus-Dieter/ Steckbauer, Sonja Maria (Hg.): 400 Jahre Don Quijote – Zur Rezeption des spanischen Klassikers in Europa und in den Amerikas, Frankfurt am Main 2007, S. 158.

[57] Weich, S. 47.

[58] Neuschäfer 1963, S. 46.

[59] Eisenberg, S. 59.

[60] Den bekannten Ausspruch „ridentem dicere verum“ („lachend die Wahrheit sagen“) schrieb der römische Dichter Horaz in seiner Satire 1,1.

[61] Diaz, S. 157.

[62] Strosetzki, S. 127.

[63] Ebd.: S. 131.

[64] Stolz, S. 43.

[65] Diaz, S. 157 f.

[66] Neuschäfer, S. 10.

[67] Vgl.: Murillo, S. 3.

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (Buch)
9783640154029
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111416
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,0
Schlagworte
Parodie Ritterromane Miguel Cervantes` Ingenioso Hidalgo Quijote Mancha“ Ironie locura Amadis de Gaula caballería novela spanischer Roman

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Titel: Die Parodie der Ritterromane in Miguel de Cervantes` „El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha“