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Die Unterscheidung zwischen Ergänzungen und Angaben - Valenzgrammatik

Zwischenprüfungsarbeit 2007 24 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Definition der Valenz

3. Die Wertigkeit der deutschen Verben
3.a. Avalante (0-wertige) Verben:
3.b. Monovalente (1-wertige) Verben:
3.c. Divalente (2-wertige) Verben
3.d. Trivalente (3-wertige) Verben:

4. Ebenen der Valenz An dieser Stelle wollen wir ganz kurz auf die Ebenen der Valenz eingehen, damit wir später im Verlauf dieser Arbeit diese Ebenen bzw. Begriffe frei aufgreifen können
4.a. logische Valenz:
4.b. semantische Valenz:
4.c. syntaktische Valenz:

5. Ergänzungen
5.a. Obligatorische Ergänzungen:
5.b. Fakultative Ergänzungen:

6. Angaben:

7. Zur Unterscheidung zwischen Ergänzungen und Angaben bei Tesniere
7.a. Semantisches Kriterium:
7.b. Morphosyntaktisches Kriterium:
7.c. Funktionales Kriterium:

8. Zweiteilung oder graduelle Abstufung

9. Drei wichtige Ansätze über die Unterscheidung der Ergänzungen und Angaben voneinander
9.a. Der Ansatz von Engel
9.b. Helbigs/ Schenkels Ansatz
9.c. Heringers Ansatz

10. Einige Testmöglichkeiten zu der Unterscheidung von Angaben
10.a. Der Reduktionstest (Weglassbarkeitstest)
10.b. Der Proverbtest:
10.c. Der morphosyntaktische Test

11. Schlussbetrachtung

12. Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

Diese Arbeit untersucht, wie und inwiefern die Ergänzungen und Angaben voneinander zu unterscheiden sind. Diese Problematik ist die grundlegende Frage, mit der die Valenztheorie konfrontiert war und immer noch konfrontiert ist. Mit dieser Arbeit beabsichtigen wir einige Dimensionen dieser Frage darzustellen.

Bevor man sich aber mit der Unterscheidung beschäftigen kann, muss man sich erst mit der Valenz auseinandersetzen, damit man weiß, was überhaupt unterschieden werden soll. Aus diesem Grund stellt sich die Notwendigkeit heraus, zunächst einmal in der Arbeit auf den Valenzbegriff einzugehen und ihn auf Tesniere zurückzugehend mit seinen drei verschiedenen Ebenen zu erläutern. Der Klärung des Valenzbegriffes wird die Klärung der Ergänzungen und Angaben folgen. Diese Begriffserläuterungen verfolgen das Ziel, einen reibungslosen Einstieg in das hauptsächliche Thema bzw. den Schwerpunkt dieser Arbeit zu ermöglichen. Sie müssen nämlich klar stellen, wodurch die Ergänzungen und Angaben voneinander zu unterscheiden sind.

Bei der Klärung unseres Schwerpunktes, wie die Ergänzungen und Angaben voneinander unterschieden werden können, werden wir erst auf Tesniere, der die Valenz in die Linguistik eingeführt und zugleich ein paar Kriterien genannt hat, wie man diese Unterscheidung zustande bringen kann, eingehen, und versuchen zu erläutern, wie er zu diesen Kriterien gekommen ist. Nach der Klärung der tesnierschen Kriterien werden wir uns weiter der Reihe nach mit drei Ansätzen von Engel, Helbig/ Schenkel und Heringer beschäftigen und versuchen zu erläutern, wie sie bzw. auf welchen Ebenen sie Ergänzungen und Angaben voneinander unterscheiden. Der besondere Anlass auf diese drei Personen einzugehen besteht darin, dass sie versucht haben, die Unterscheidung in komplexerweise anzudeuten. Anschließend werden wir uns mit ein paar Testmöglichkeiten und deren Einwände beschäftigen. Schließlich werden wir die Arbeit mit einer Schlussbetrachtung beenden.

2. Die Definition der Valenz

Der Begriff Valenz ist ursprünglich aus der Chemie entliehen und drückt in diesem Bereich die Bindungsfähigkeit der Atome aus. Der französische Linguist Lucien Tesniere überträgt diese Eigenschaft der Atome auf den Bereich der Sprachwissenschaft und vergleicht damit die Fähigkeit eines Wortes bzw. Verbs mit der Valenz der Atome insofern, als es um sich herum Stellen eröffnet. „"Man kann so das Verb mit einem Atom vergleichen, an dem Häkchen angebracht sind, so dass es - je nach der Anzahl der Häkchen - eine wechselnde Zahl von Aktanten an sich ziehen und in Abhängigkeit halten kann. Die Anzahl der Häkchen, die ein Verb aufweist, und dementsprechend die Anzahl der Aktanten, die es regieren kann, ergibt das, was man die Valenz des Verbs nennt."[1]

Wenn man diese Aussage konkret auf das Verb bezieht, heißt es, dass ein Verb bestimmte Stellen für die anderen Glieder in dem Satz bereitstellt, die von dem Verb abhängig sind. An dieser Stelle soll vorweg gesagt werden, dass nicht das isolierte Verb, sondern der komplette Satz zugrunde dieser Arbeit bzw. den Valenzerläuterungen liegen wird.

Tesniere vergleicht weiter die Valenz mit dem Theater. Genau wie beim Theater sind in dem Satz auch manche Elemente notwendig, die am Geschehen direkt beteiligt sind und ohne die man von der Existenz eines Satzes nicht reden kann, zumindest nicht korrekterweise. Solche Elemente nennt er Aktanten. Neben den Aktanten gibt es noch Circonstants, die am Geschehen nicht direkt beteiligt sind und deren Auftreten in dem Satz nicht nötig sind. Sie haben in dem Satz genauso wie die Kulissen im Theater die Rolle, das Geschehen zeitlich, räumlich etc. näher zu bestimmen.[2]

Tesniere ordnet die Verben nach ihrer Wertigkeit nach dem Muster der französischen Verben in vier Gruppen. Im Grunde genommen ist dieses Muster auf die deutschen Verben übertragbar. Es bestehen jedoch Unterschiede, die auf den unterschiedlich strukturierten Satzbausystemen der beiden Sprachen basieren.

Die Wertigkeit der deutschen Verben ist umstritten. Während manche Sprachwissenschaftler (Heringer) die Meinung vertreten, dass die deutschen Verben null- bis fünfstellig sein können, gehen andere Sprachwissenschaftler (Engel, Schuhmacher) davon aus, dass die deutschen Verben mindestens einstellig, höchstens vierstellig sein können.[3] Jetzt wollen wir die Wertigkeit der deutschen Verben

einzeln andeuten.

3. Die Wertigkeit der deutschen Verben

3.a. Avalante (0-wertige) Verben:

Sie werden auch als unpersönliche Verben bezeichnet. Wie man schon aus der Benennung der Gruppe entnehmen kann, regieren diese Verben keine Ergänzungen jedenfalls semantisch nicht. Die sogenannten Wetterverben sind prototypisch für diese Gruppe. Es regnet, Es schneit. Bei dieser Gruppe ist es notwendig sowohl die syntaktische, als auch semantische Valenz in Betracht zu nehmen, weil semantisch gesehen dieses ES bei Wetterverben keinen Wert hat. ES ist bei Wetterverben semantisch leer. Deswegen sind Wetterverben aus semantischer Sicht nullwertig. Aber syntaktisch gesehen sind sie einwertig. Sie brauchen unbedingt ein Subjekt und dieses Subjekt wird von ES besetzt.“ Bezeichnet man also Wetterverben als nullstellig, so ist damit nicht eine syntaktische, sondern eine semantische Charakterisierung gegeben, die sich daran festmacht, dass ES bei den Wetterverben semantisch leer ist.“[4]

3.b. Monovalente (1-wertige) Verben:

Diese Verben regieren nur eine Ergänzung. In der Regel steht diese Ergänzung im Nominativ und übernimmt die Aufgabe des Subjekts z.B. Sie schläft, er schweigt. Es gibt allerdings Ausnahmesätze, in denen diese Ergänzung in Akkusativ- gar Dativform vorkommt. Mich friert, ihr graut.

3.c. Divalente (2-wertige) Verben.

Wenn man im Grunde genommen die monovalente Verben zu den intransitiven Verben kategorisieren würde, sollte man tendenziell divalente Verben zu den transitiven Verben kategorisieren, weil diese Verben fast immer ein Objekt erfordern. Diese Verben kommen im Deutschen am häufigsten vor. Folgende Sätze sind Beispiele für diese Gruppe. Ich liebe dich, Er trinkt etwas.

3.d. Trivalente (3-wertige) Verben:

Diese Verben werden auch ziemlich oft verwendet. Sie regieren stets ein Subjekt und zwei Objekte. Aus diesem Grund sind sie auch zu den transitiven Verben zu zählen. Geben, Sagen und schenken sind typische Verben für diese Gruppe.

3.e. 4-wertige Verben: Wie wir vorhin angedeutet haben, hat Tesniere die Wertigkeit der Verben aus der französischen Sprache heraus entwickelt. Deswegen ist er auf die 4-wertigen Verben nicht eingegangen. Aber im Deutschen gibt es durchaus Verben, die 4- wertig sein können, z.B.

I ch bringe dir das Paket in das Zimmer oder

Mein Bruder antwortete mir auf den Brief, dass er sich wohl fühlt.

4. Ebenen der Valenz

An dieser Stelle wollen wir ganz kurz auf die Ebenen der Valenz eingehen, damit wir später im Verlauf dieser Arbeit diese Ebenen bzw. Begriffe frei aufgreifen können.

4.a. logische Valenz:

Unter der logischen Valenz versteht man, dass das Prädikat, das sich in der Regel auf ein Verb bezieht, durch die logische Relation in dem Satz die Anzahl der Ergänzungen vorgibt. In dem Satz „ Ich trinke ein Bier“ fordert das Verb, das gleichzeitig das Prädikat des Satzes ist, wegen seiner logischen Relation zwei Ergänzungen

4.b. semantische Valenz:

Die semantische Valenz geht davon aus, dass ein Verb nicht nur eine bestimmte Anzahl von Ergänzungen erfordert, sondern es legt auch fest, welche semantischen Rollen diese Ergänzungen übernehmen können. Die semantische Valenz bemüht sich die Art und Weise oder Unterschiedlichkeit der Beteiligung von Ergänzungen darzustellen. „Bei einem Verb wie essen z.B. ist die Art der Beteiligung der beiden Mitspieler am Geschehen deutlich verschieden. Das Subjekt referiert auf den aktiven Mitspieler, den Handelnden (oder „Agens“), während das Akkusativobjekt den passiven Mitspieler bezeichnet, der das Objekt der Handlung ist („Patiens“).“[5]

4.c. syntaktische Valenz:

Die syntaktische Valenz beschäftigt sich damit, wie die Mitspieler bzw. Ergänzungen in dem Satz realisiert werden. Sie legt sowohl die Anzahl als auch die Art der Ergänzungen fest, die in dem Satz auftreten. Sie regelt also die Besetzung der fakultativen und obligatorischen Ergänzungen und die Form dieser Ergänzungen und ob sie im Nominativ oder Akkusativ usw. vorkommen. Ebenso regelt sie auch ihre syntaktischen Funktionen in dem Satz, ob sie die Aufgabe des Subjekts, Objekts usw. übernehmen.

5. Ergänzungen

Tesniere geht in seiner Valenztheorie davon aus, dass nur Subjekte und Objekte zu den Ergänzungen und alle anderen Wortarten, wie Adjektive, Adverbien usw. zu den Angaben angehören. Im Verlauf der Arbeit werden wir sehen, dass er nicht ganz Recht hat.

In neueren Untersuchungen zur Verbvalenz werden die valenzgebundenen Glieder „Ergänzungen“ oder „Komplemente“ genannt. Im Gegensatz zu Tesniere teilt man sie heutzutage in zwei Gruppen.

5.a. Obligatorische Ergänzungen:

Sie sind valenzgebunden und können in der Regel nicht weggelassen werden.

5.b. Fakultative Ergänzungen:

Sie sind auch valenzgebunden, aber sie können in bestimmten Kontexten weggelassen werden. Selbst wenn sie nicht in dem Satz vorkommen, werden sie entweder mitverstanden, oder es handelt sich um eine unbestimmte Ergänzung z.B. Frau Müller putzt (irgendetwas)[6].

6. Angaben:

Tesniere hat in seinen Untersuchungen zur Valenz festgestellt, dass die Angaben nicht wesentlich an dem Geschehen teilhaben. Sie sind einem Satz frei hinzuzufügen und zahlenmäßig nicht festgelegt. Wenn man sie frei hinzufügen kann, kann man sie dementsprechend auch frei rausholen bzw. weglassen.

Die wichtige Problemstellung der Valenztheorie heutzutage ist sowohl die Ergänzungen(fakultativ, obligatorisch), als auch Ergänzungen von den Angaben zu unterscheiden. Diese Problemstellung wird auch das Thema unserer Arbeit sein. Die Andeutungen, die wir bis jetzt gemacht haben, dienen nur dazu, diese Unterscheidung besser zu verstehen.

7. Zur Unterscheidung zwischen Ergänzungen und Angaben bei Tesniere

Tesniere, der die Valenz in die Sprachwissenschaft einführte, hat sich auch Gedanken gemacht, wie Ergänzungen und Angaben voneinander zu unterschieden sind. Er ist in seinen Untersuchungen auf folgenden Kriterien eingegangen:

7.a. Semantisches Kriterium:

Wie wir schon angedeutet haben, ist Tesniere davon ausgegangen, dass die Ergänzungen direkt am Geschehen beteiligt sind und in diesem Sinne als Handelnde (Personen, Dinge)[7] betrachtet werden können. Als Angaben bezeichnet er die Glieder, die das Geschehen nur umständlich (Ort, Zeit, Art und Weise) näher bestimmen. Dieses Kriterium bezieht sich auf sein Beispiel mit dem Theater. Er ist nämlich der Meinung, dass nur diejenigen Glieder als Ergänzungen gelten können, die in dem Satz die Handlung ausführen (Aktanten)

7.b. Morphosyntaktisches Kriterium:

Nach Tesniere werden der nominal angeschlossene Kasus zu den Ergänzungen und der präpositional angeschlossene Kasus zu den Angaben gerechnet. Er kategorisiert ganz pauschal die Präpositionalgruppen zu den Angaben. Wir wissen nicht, ob dieses Kriterium Ergänzungen und Angaben im Französischen voneinander unterscheidet. Aber im Deutschen hat dieses Kriterium bei der Unterscheidung so gut wie keinen Wert. Auf der nächsten Seite werden wir den Grund dafür nennen.

An dieser Stelle wollen wir am Rande bemerkbar machen, dass manche Wissenschaftler, die sich mit der Valenz beschäftigen wie Helbig dieses Kriterium als die Unterscheidung zwischen dem reinen Kasus und präpositionalen Kasus wahrnehmen.[8] Während der reine Kasus durch ein Verb, ein Adjektiv oder ein anderes Nomen bestimmt wird, ist die Bestimmung des präpositionalen Kasus durch eine Präposition festgelegt. Näher auf diese Thematik einzugehen, ist außer Rahmen dieser Arbeit.

7.c. Funktionales Kriterium:

Tesniere war der Meinung, dass der Gebrauch der Nominalphasen, die Ergänzungen ausmachen, notwendig ist. In diesem Sinne bezeichnet er Angaben als nicht notwendig.“ Nur solche Nominalphrasen wurden in die Valenz einbezogen, die notwendig sind (um die Bedeutung des Verbs und des Satzes zu vervollständigen.)[9]

Nur anhand dieser Kriterien kann man feststellen, dass die Kriterien, die Ergänzungen von den Angaben unterscheiden sollen, nicht einheitlich sind und nicht überall gelten, z.B. der Satz Ich wohne in Heidelberg widerlegt das semantische Kriterium. Das Glied in Heidelberg beschreibt örtlich (umständlich) wo Ich- Ergänzung wohnt. Von daher sollte dieses Glied nach der tesnierischen Begründung eine örtliche Angabe sein. Aber das ist es eben nicht, weil ohne diese Ergänzung der Satz grammatikalisch falsch wird.

Dass Tesniere präpositionale Gruppen zu den Angaben einordnet, erzielt keinen Erfolg bei der Unterscheidung zwischen Ergänzungen und Angaben, jedenfalls im Deutschen nicht, weil manche Präpositionen im Deutschen von dem Verb gefordert werden bzw. bestimmt werden. Deswegen können sie nicht von dem Verb getrennt werden, z.B. Der Satz: Ich glaube an die Zukunft. In diesem Satz kann man die Präposition an nicht weglassen. Das Verb glauben erfordert eine (an) Präposition. Ich glaube die Zukunft ist im Deutschen ein falscher bzw. ungrammatikalischer Satz.

Zu dem dritten Kriterium wollen wir sagen, dass es sich um ein abstraktes Kriterium handelt. Was Tesniere mit Notwendigkeit gemeint hat, ist ungewiss. Man soll zunächst die Unterscheidung der Ergänzungen von den Angaben festlegen können, damit man überhaupt die Notwendigkeit der Ergänzungen zur Diskussion stellen kann.

Was man aber aus diesen Kriterien entnehmen kann ist, dass Tesniere die Relevanz der Unterscheidung gesehen hat und dementsprechend ein paar Entwürfe zu der Unterscheidung gemacht hat. Deswegen sind diese Entwürfe als erste Versuche von großer Bedeutung.

8. Zweiteilung oder graduelle Abstufung

Wir wollen an dieser Stelle kurz auf die Abstufungsmöglichkeit bei den Ergänzungen und Angaben eingehen, damit man wissen kann, dass es auch in dieser Richtung Versuche gegeben hat, um die Beziehung bzw. die Differenzierung der Ergänzungen und Angaben in irgendeiner Weise klar zu stellen.

Aufgrund der Schwierigkeit Ergänzungen von Angaben zu unterscheiden, haben die Valenzanalytiker (Vater) den Weg eingeschlagen, in dem man behauptet, dass eine strikte Unterscheidung zwischen Ergänzungen und Angaben nicht nötig ist. Man kann sie graduell abstufen.[10] Die These hat nicht die Absicht, die These der Unterscheidung zu widerlegen, sondern sie geht davon aus, dass die Unterscheidung nicht eindeutig realisierbar ist. Sie setzt voraus, dass es sich bei der Valenzbindung nicht um eine dichotomische (Zweiteilung) Unterscheidung handelt, sondern um ein graduelles Phänomen, weil sie die Meinung vertritt, dass in einem Satz die Notwendigkeit des Auftretens eines Gliedes unterschiedlich ist. Nach dieser These gibt es quasi in einem Satz eine Abstufung zwischen notwendigen und weniger notwendigen Gliedern.

„Aus dieser These heraus fragten sich sogar manche Valenzanalytiker (Askedal), ob man im Rahmen der Abstufung der Glieder zu einer Unterscheidung erreichen könnte. “Auf diese Weise bestätigt Askedal die These von der Skalierung der Verbaffinität, zieht aber daraus nicht – wie Vater- die automatisch die Schlussfolgerung, auf die Zweiteilung von E und A zu verzichten. Vielmehr stellt er die neue Frage, ob im Rahmen der genannten Hierarchie der unterschiedlichen Verbaffinität der einzelnen Satzglieder die Zweiteilung in E und A aufrechterhalten werden könne.“[11].

Das ist auch eine logische Schlussfolgerung. Nachdem man die Glieder abgestuft hat, kann man sie dementsprechend nach der Abstufung klassifizieren und schließlich unterscheiden. Tiefer auf diese Problematik einzugehen liegt außer Rahmen dieser Arbeit.

9. Drei wichtige Ansätze über die Unterscheidung der Ergänzungen und Angaben voneinander

In diesem Kapitel wollen wir die Ansätze von Engel, Helbig/ Schenkel und Heringer darstellen, die die Unterscheidung unter verschiedenen Aspekten andeuten und die mit ihren Ansätzen in der Valenztheorie eine Orientierungsskala darstellen.

9.a. Der Ansatz von Engel

Engel stellt in seinem Ansatz über die Valenztheorie zunächst einmal fest, dass nicht nur Ergänzungen von Angaben zu trennen sind, sondern auch die Ergänzungen in sich selbst. Er geht nämlich davon aus, dass man Ergänzungen als obligatorische und fakultative Ergänzungen voneinander unterscheiden soll. „Wird ein Element als fakultativ bezeichnet, so bedeutet das lediglich dass seine Aktualisierung irrelevant für die Grammatizität des Satzes ist. Entsprechend ist die Aktualisierung eines obligatorischen Elements Voraussetzung für die Grammatizität des Satzes.“[12]

Man kann aus dieser Formulierung schon die Indizien finden, dass Engel sich bei der Valenzbeschreibung mehr auf die syntaktische Ebene im Gegensatz zu der semantischen Ebene bezieht. Diese Herangehensweise sieht man auch bei der Unterscheidung zwischen Ergänzungen und Angaben. Nun wollen wir uns anschauen, wie Engel Ergänzungen und Angaben definiert: „Wir definieren nun die Ergänzung als Element, das einer verbalen Subklasse unmittelbar zugeordnet werden kann, so dass sich die Wortklasse `Verb` aufgrund der Kombinierbarkeit mit einer oder mehreren Ergänzungen in eine Anzahl disjunkter Subklassen teilen lässt.“[13]

Als Angaben bezeichnet er solche Elemente, die nur von einer bestimmten Wortklasse abhängen können. Sie können also bei jedem beliebigen Element einer Wortklasse auftreten und sind dem regierenden Verb unspezifisch zugeordnet.[14]

Wenn man diese beiden Definitionen betrachtet, dann ist festzustellen, dass er sich bei diesen Definitionen der Ergänzung und Angaben auf die Abhängigkeit- bzw. Vorkommensrelation der Elemente bezieht. Die Vorkommensrelation ist wiederum zu der syntaktischen Ebene der Unterscheidung zurückzuführen.

Dass Engel bei der Unterscheidung die semantische Ebene nicht einbezieht, führt zu der Vagheit seiner Unterscheidungsdarstellung, nämlich die Angaben, die man dem Satz hinzufügen will, soll auch semantisch zu dem Satz passen. Schmidt geht auch auf diese Problemstellung ein und stellt fest „Nun gibt es aber Angaben, deren Vorkommen aus semantischen Gründen auf Wortklassen eingeschränkt ist. So gibt es bestimmte Restriktionen, die zwischen bestimmten Temporalangaben und dem Tempus des Verbs im Satz bestehen.“[15] Mit dem folgenden Beispiel macht er seinen Einwand deutlicher

Er kam morgen[16]. Nach Engels freiem Hinzufügbarkeitsprinzip der Angaben sollte dieser Satz grammatikalisch richtig sein. Aber die Tatsache, dass ein Satz nicht nur syntaktisch richtig sein, sondern auch semantisch Sinn machen soll, führt zu der Vagheit dieses Satzes. Aus diesem Beispiel sollte die Schlussfolgerung lauten, dass man bei der Unterscheidung zwischen Ergänzungen und Angaben die semantischen Fakten nicht außer Acht lassen soll.

9.b. Helbigs/ Schenkels Ansatz

Helbig und Schenkel verfassten im Jahr 1971 ein Buch unter dem Titel „ Wörterbuch zur Valenz und Distribution deutscher Verben. Mit diesem Buch beabsichtigten sie, die Stellen, die mit dem Verb in Beziehung treten, regelrecht klar zu stellen, so dass auch ein Ausländer in der Lage ist, die deutsche Sprache richtig verwenden zu können.“ Der Ausgangspunkt für unsere Untersuchungen war die Tatsache dass selbst sprachlich fortgeschrittenen Ausländer beim Gebrauch der deutschen Sprache zahlreiche Fehler in der Valenz und Distribution deutscher Verben unterlaufen, die mit den herkömmlichen Begriffen der Transitivität und Untransitivität von Verben nicht hinreichend beschrieben und ausgemerzt werden können.“[17]

Wie man schon aus der Formulierung entnehmen kann, sollte die syntaktische Klarstellung der Valenz dem besseren bzw. richtigen Kommunikationsverlauf dienen. Deswegen versuchen Helbig und Schenkel zunächst einmal, die syntaktische Valenz zu definieren. „Unter syntaktischer [verstehen] wir die Fähigkeit des Verbs, bestimmte Leerstellen um sich herum zu eröffnen, die durch obligatorische oder fakultative Mitspieler zu besetzen sind“[18]

Wie es sich schon aus dem Titel des Buches ergibt, gehen Helbig und Schenkel auf die Distribution der deutschen Verben ein. Unter der Valenz verstehen sie die Anzahl der vom Verb gebundenen Valenzpartner, während mit dem Begriff Distribution auf deren formal- syntaktischen Eigenschaften referiert wird.[19]

Sie vertreten die Meinung, dass die Distribution sowohl über die syntaktischen als auch semantische Eigenschaften eines Verbs Informationen mitteilt. Sie entwickeln selber jedoch keine Definition für die Distribution, sondern sie übernehmen die Definition von Harris. „ Man muss darüber hinaus auch ihre Art (syntaktisch und semantisch), d.h. die Distribution des Verbs kennen. Unter der Distribution eines sprachlichen Elements verstehen wir in Anschluss an Harris die Summe aller Umgebungen, in denen es vorkommt“[20] Die Distribution der Verben spielt sicherlich eine große Rolle bei der Valenz, zumindest bei Helbig- / Schenkelischen Formulierungen. Aber näher als ein separates Kapitel werden wir auf diesen Begriff nicht eingehen. Wir werden uns mehr damit beschäftigen, wie Helbig und Schenkel die Ergänzungen von den Angaben unterscheiden.

Unter dem Titel Strukturelle Notwendigkeit: Einteilung in obligatorische Valenz, fakultative Valenz und freie Angaben versuchen Helbig und Schenkel die Unterschiede zwischen diesen Begriffen darzustellen. An dem Titel ist schon auffällig, daß das, was andere Valenzanalytiker nur Angaben nennen, sie als freie Angaben in das Buch einführen. Sie vermeiden quasi einen festgelegten, konkreten Terminus für die Angaben zu verwenden. Wenn man von freien Angaben redet, kann man davon ausgehen, dass es auch unfreie bzw. gebundene Angaben gibt. Die Verwirrung der Termini von der Valenz zeigt uns, dass sie sich noch in der Schwelle befindet.

Jetzt kommen wir zur Sache, durch welche Motiven Helbig und Schenkel die Ergänzungen von Angaben unterscheiden oder anders gefragt, welche Glieder als Ergänzung aufzugreifen sind. „ Die allgemeinste Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: Zur Füllung der Leerstellen gehören alle notwendigen Glieder und nur diese.“[21] Neben dieser Formulierung taucht ein Begriff auf, der geklärt werden soll.

Henkel/ Schenkel verbinden mit den Termini notwendig und obligatorisch unterschiedliche Bedeutungen. „ Der Terminus notwendig bezieht sich auf das Vorhandensein von Konstituenten [Ergänzungen] in der Tiefenstruktur. Alle Ergänzungen sind per definitionem notwendig. Anders gesehen: Die Notwendigkeit des Vorhandenseins in der Tiefenstruktur ist ein Kriterium für die Valenzgebundenheit einer Konstituente [Ergänzung]. Dagegen versteht man unter dem Terminus obligatorisch die Anwesenheit der Ergänzungen in der Oberflächenstruktur.“[22]

Gerade die Tiefenstruktur und Oberflächenstruktur machen den Knackpunkt der Helbig-/ Schenkeschen Erklärungen sowohl über die Unterscheidung Ergänzungen von

freie Angaben als Ergänzungen in sich (fakultativ, obligatorisch) „ In der Tat fallen in der Tiefenstruktur die im Sinne der Valenzbeziehungen obligatorischen und fakultativen Mitspieler in der Kategorie der engeren Verbergänzung zusammen. Dieser Formulierung kann man entnehmen:

1. Sowohl die obligatorischen- als auch fakultativen Ergänzungen sind in der Tiefenstruktur mit dem Verb verbunden. In dieser Hinsicht sind in der Tiefenstruktur obligatorische Ergänzungen von den fakultativen Ergänzungen nicht zu unterscheiden.

2. Aber man kann sehr gut die Ergänzungen von den freien Angaben unterscheiden, weil nämlich in der Tiefenstruktur sich keine Angaben befinden, sie sind nicht notwendig und in dieser Hinsicht nicht mit dem Verb verbunden. Insofern sind die Angaben nicht dem Verb zuzuordnen, sondern dem Satz.

Was in der Tiefenstruktur nicht gelingt, nämlich obligatorische Ergänzungen von fakultativen Ergänzungen zu unterscheiden, wird versucht, in der Oberflächenstruktur zu unterscheiden. In der Tiefenstruktur gibt es folglich keine fakultative Valenz: „ Da der Unterschied zwischen obligatorischer und fakultativer Valenz nicht in der Tiefenstruktur begründet liegt […] Das Kriterium muss also eine Oberflächenprobe sein […] Ein Glied ist ein obligatorischer Mitspieler, wenn es in der Oberflächenstruktur nicht eliminiert werden kann; ohne dass der Satz ungrammatisch wird; sonst handelt es sich um einen fakultativen Mitspieler oder eine Angabe.“[23]

Helbig/ Schenkel unterscheiden also in der Tiefenstruktur die Ergänzungen von den freien Angaben, in der Oberflächenstruktur die Ergänzungen voneinander. Die der Unterscheidung zugrunde liegenden Begriffe (Notwendig- Obligatorische; Tiefenstruktur- Oberflächenstruktur) erläutert am deutlichsten Angelika Storrer.

„ Hinter dieser Unterscheidung steht folgende Idee: von den in der Tiefenstruktur notwendigerweise vorhandenen Ergänzungen können die fakultativen Ergänzungen beim Übergang zur Oberflächenstruktur durch eine Eliminierungstransformation getilgt werden; bei den obligatorischen Ergänzungen ist eine solche Transformation nicht möglich. Die Angaben sind schon in der Tiefenstruktur nicht notwendig, sondern können - abgesehen von semantischen Inkompabilitäten – beliebig hinzutreten oder auch wegfallen.[24]

Zusammenfassend lässt sich Bei Helbig/ Schenkel sagen, dass sie versucht haben, die Unterscheidung zwischen Ergänzungen und Angaben anhand der syntaktischen Kriterien darzustellen, aber sie haben den Fehler nicht gemacht wie bei Engel, die semantischen Kriterien von der Unterscheidung ausschließen sondern sie wurden auch in die Unterscheidung miteinbezogen.

9.c. Heringers Ansatz

Der besondere Anlass auf die Heringers Analytik über die Valenz einzugehen besteht darin, dass er versucht hat, die Unterscheidung der Ergänzungen von Angaben auf der semantischen Ebene- bzw. Inhalt Seite zu begründen. Das heißt, er bemüht sich, die Unterscheidung durch semantische Kriterien zu erringen. Die semantischen Unterscheidungskriterien zeigen sich in der Gestalt der Argument- Prädikat- Strukturen.[25]. Das heißt, die Glieder, die in dem Satz vorkommen, konstituieren sich aus dem Prädikat. Diese Konstitutionen werden dann je nach der Bestimmung des Prädikats entweder als Ergänzungen oder als Angaben in dem Satz erscheinen. Heringer geht also davon aus, dass man die Unterscheidung der Ergänzungen von Angaben durch die unterschiedliche Beziehung zum Prädikat erklären kann. Er erläutert die These anhand des folgenden Beispieles:

Er verzichtet auf verdacht. Nach Heringer ist der Satz zweierlei zu verstehen: Im ersten Fall als Ergänzung. Er läßt sich folgendermaßen paraphrasieren; Er verzichtet darauf, jemanden zu verdächtigen. Im zweiten Fall als Angabe und die Paraphrase dafür würde lauten: Er verzichtet darauf, etwas zu tun und der Verzicht wird auf Verdacht geleistet.

Heringer will mit diesem Beispiel beweisen, dass es nicht immer gelingt, auf der Ausdrucksebene bzw. syntaktischer Ebene die Ergänzungen und Angaben voneinander zu unterscheiden, weil man dem Beispiel auch entnehmen kann, kann es sich bei dem gleichen Ausdruck bzw. der Syntax um verschiedene Glieder handeln, nämlich das Glied kann sowohl Ergänzung als auch Angabe sein. Aus diesem Grund muss man die semantische Ebene bei der Unterscheidung miteinbeziehen.

Die Tatsache, dass man die Unterscheidung nicht nur durch Syntax erringen kann, bringt Heringer dazu, in die Valenztheorie den Terminus Inhaltsyntax einzuführen. Fortan bemüht er sich die Unterscheidung auf der inhaltsyntaktischen Ebene zu begründen.

Anschließend zu seiner Unterscheidungsmethode durch die inhaltsyntaktische Ebene schlägt er als Testmöglichkeit den Restsatz vor, in dem man Angaben realisieren kann. Dass sich die Unterscheidung auch inhaltsyntaktisch bewähren wird, kann man vermuten, weil man [Angaben] im Gegensatz zu [Ergänzungen] als eine Art Prädikation über den Restsatz auffassen kann.[26]

Heringer verbindet die inhaltsyntaktische Klarstellung mit der kommunikativen Notwendigkeit. Für ihn ist also entscheidend, dass die Unterscheidung von [Ergänzungen]und [Angaben] nicht nur mit syntaktischen und/ oder semantischen Eigenschaften (des Sprachsystems) verbunden ist, sondern es geht mehr darum sie als funktionales Prinzip (kommunikative Notwendigkeit) zu betrachten[27]. Für ihn stellt sich also die Unterscheidung aus der kommunikativen Notwendigkeit heraus. Aus diesem Grund hält er die auch dichtomische Unterscheidung nicht für nötig.

10. Einige Testmöglichkeiten zu der Unterscheidung von Angaben

Abschließend zu der Arbeit wollen wir unter diesem Kapitel ein paar Testmöglichkeiten darstellen, die nicht ganz konkret und ausnahmslos die Ergänzungen und Angaben voneinander unterscheiden, aber jedenfalls den Versuch eingehen sie bis zu einem bestimmten Grad voneinander zu differenzieren.

Die Unterscheidung der Ergänzungen und Angaben voneinander ist sowohl syntaktisch notwendig, damit der Satz aus der Perspektive der Valenz klar definiert werden kann, als auch von der semantisch- kommunikativen Bedeutung , damit im engeren Sinne der Satz, im weitesten Sinne die Sprache richtig verwendet werden kann.( in Bezug auf Helbig/ Schenkel) Jetzt gehen wir auf ein paar wichtige Testmöglichkeiten ein.

10.a. Der Reduktionstest (Weglassbarkeitstest)

Im Voraus wollen wir sagen, dass wir uns bei den Testmöglichkeiten nicht auf die Wortarten beziehen werden, wie Tesniere dies getan hat, indem er sagte, dass nur Substantive zu den Ergänzungen und alle andere Wortarten zu den Angaben zu zählen sind. Heutzutage ist es nämlich bewiesen, dass andere Wortarten wie Adverbien auch je nach der Forderung des Verbs als Ergänzungen in dem Satz auftauchen können. In dem Satz Er stellt die Vase auf den Tisch ist das Glied auf den Tisch eine Angabe und gleichzeitig auch eine Ergänzung, weil ohne dieses Glied der Satz weder vollständig noch grammatikalisch richtig ist. Konkreter kann man sagen, dass man von Wortarten aus keinerlei die Ergänzungen und Angaben voneinander unterscheiden kann.

Nun zurück zu dem Test: Der Reduktionstest basiert darauf, dass die Angaben im Gegensatz zu den Ergänzungen in dem Satz weglassbar bzw. auf einen separaten Satz übertragbar sind, ohne dass der Satz ungrammatisch wird oder seine Bedeutung verliert. Zu dem Muster für die übertragbaren Glieder werden die Als- Sätze genommen.

Sie hat gestern im Sportzentrum Tennis gespielt. Der Satz lässt sich in dem Als- Satz folgendermaßen umformulieren: Sie hat gestern Tennis gespielt, als sie im Sportzentrum war. Dieser Satz ist genauso vollständig und grammatikalisch richtig wie der erste Satz, das heißt, es handelt sich um eine Angabe. Nun schauen wir, wie es bei den Ergänzungen aussieht . Er legte das Buch auf den Tisch. Der umformulierte Satz würde ungefähr so aussehen: Er legte das Buch, als er auf dem Tisch war. Wie man dem Satz entnehmen kann, wird er ungrammatisch. Das lokale Adverb tritt also als Ergänzung auf.

Dieser Test wird vor allem unter dem Aspekt kritisiert, dass sich nicht alle Angaben in einem separaten Nebensatz bzw. Als- Satz realisieren lassen.

Er schrie laut ® Das Glied laut ist in dem Fall ebenso eine Angabe, aber lässt sich auf einen Als- Satz schlecht übertragen bzw. der Satz wird ungrammatisch . Er schrie, als er laut war. An dieser Stelle greift Helbig ein und meint, dass es nicht Sinn der Sache sei, wie die Angabe umformuliert wird „ In der Tat ist es von der sekundärer Bedeutung auf welche Art von Sätzen die [ Angaben] zurückgeführt werden.[28] Schließlich beweist er mit der folgenden Umformulierung, dass das Glied Laut eine Angabe ist . Das Schreien (der Schrei) war laut

10.b. Der Proverbtest:

Der von Helbig in die Terminologie der Linguistik eingeführter Proverbtest stützt auf der Annahme, dass die Angaben im Gegensatz zu den Ergänzungen mit einem Proverb (tun, geschehen) und mit einem anderen Satz angeknüpft werden können, ohne daß der Satz ungrammatisch wird und seine Bedeutung verliert.

Sie spielte Tennis und das geschah im Sportzentrum ® grammatikalisch richtig ®

Angabe

Er stellte das Buch und das geschah (tat) auf dem Tisch ® ungrammatisch® Ergänzung.

An dieser Stelle ist noch einmal deutlich zu sagen, dass man die semantischen Eigenschaften nicht außer Acht lassen darf. Konkreter kann man sagen, dass man bei Tätigkeitsverben sowohl das Verb geschehen als auch tun anführen kann, während bei Vorgangsverben nur das Verb geschehen der Fall sein kann.

Im Anschluss zu diesem Test kann man den sogenannten und zwar Test einführen. Sie spielte Tennis, und zwar im Sportzentrum ® grammatikalisch richtig® Angabe Ich wohnte, und zwar in Heidelberg ®ungrammatisch® Ergänzung Bei diesem Test ist es jedoch Tatsache, dass man anhand dieses Testes die fakultativen Ergänzungen von Angaben nicht unterscheiden kann, weil nämlich die fakultativen Ergänzungen in und zwar Sätzen grammatisch richtig realisiert werden können.

Anna isst, und zwar Bananen [29] ® grammatisch richtig® aber keine Angabe, sondern fakultative Ergänzung.

Dem Beispiel ist zu entnehmen, dass dieser Test lediglich die obligatorischen Ergänzungen und Angaben voneinander unterscheiden kann und keinen Erfolg bei der Unterscheidung zwischen fakultative Ergänzungen und Angaben erzielen kann.

10.c. Der morphosyntaktische Test

Wenn die Ergänzungen von dem Verb abhängig sind, dann kann man erwarten, dass diese Abhängigkeit sich auch auf der morphosyntaktischen Ebene zeigt. Das heißt, wenn selbst zwei verschiedene Verben den gleichen Inhalt mitteilen, werden diese Verben verschiedenartige Glieder fordern, die je nach der Forderung des Verbs in unterschiedlichen Formen auftreten müssen (morphosyntaktische Relation), während für die Angaben keine Änderungen benötigt werden . Helbig begründet diesen Fall mit zwei Beispielsverben (helfen, unterstützen).

Er half ihm eine ganze Woche (Ergänzung + Angabe)

Er unterstützte ihn eine ganze Woche (Ergänzung + Angabe)

An den Beispielsätzen sieht man ganz deutlich, wie die Ergänzungen sich dem Verb mit ihrer unterschiedlichen Auftrittsformen anpassen. Obwohl die Verben helfen und unterstützen fast den gleichen Inhalt mitteilen, fordert das Verb helfen eine Dativergänzung, unterstützen eine Akkusativergänzung, während diese Änderung bei der Angabe in jeweils zwei Sätzen nicht der Fall ist.

Gegen diesen Test wurden in der Richtung Einwände erhoben, dass es Ergänzungen gibt, die genauso wie Angaben bei dem unterschiedlichen Verbsauftreten in der gleichen Form vorkommen. Diese Gegendarstellung kann man mit den folgenden Beispielen formulieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Wir haben bereits die wichtigsten Testmöglichkeiten, die auch mit einem Namen bezeichnet werden, erläutert. Wir werden jetzt auf paar andere Testmöglichkeiten eingehen, die noch nicht benannt sind, und versuchen sie kurz zusammenzufassen.

Wenn es schon feststeht, dass die Ergänzungen von dem Verb abhängig sind und die Angaben dagegen nicht, dann kann man davon ausgehen, dass die Angaben zu jedem beliebigen Verb vorkommen können und Ergänzungen nicht.

- Dass die Ergänzungen und Angaben frei im Satz auftreten können, ist sowohl ein Test als auch ein Kriterium für die Unterscheidung der Ergänzungen und Angaben voneinander. In verschiedenen Arten und Weisen haben wir diesen Test bzw. dieses Kriterium erläutert. Deswegen wollen wir uns damit hier nicht noch einmal beschäftigen

- Als weiterer Test gilt nach wie vor die Eliminierungsmöglichkeit der Angaben im Gegensatz zu den Ergänzungen. Aber wie es schon bei der Definition der fakultativen Ergänzungen erwähnt wurde, sind die fakultativen Ergänzungen in bestimmten Kontexten genauso wie die Angaben eliminierbar. Deswegen kann dieser Test lediglich dazu dienen, die obligatorischen Ergänzungen und die Angaben voneinander zu unterscheiden. Bei der Unterscheidung der fakultativen Ergänzungen und Angaben spielt dieser Test keine Rolle.

Die wichtigsten Testmöglichkeiten, die auch in einen größeren Verwendungsbereich einwirken können, haben wir versucht zu erklären. Wie es schon erwähnt wurde, befinden sich das Untersuchungsfeld der Valenz und damit auch der Bereich der Unterscheidung der Ergänzungen und Angaben voneinander in der Schwelle. Deswegen wird darüber viel diskutiert und geschrieben. Dementsprechend werden auch viele Vorschläge zu der Thematik der Testmöglichkeiten aufgeworfen, die wir hier alle nicht bearbeiten können. Dies wird uns sicherlich auch nicht in dem Thema viel weiter bringen.

Zusammenfassend lässt sich über die Testmöglichkeiten sagen, dass keine von ihnen die Unterscheidung exakt trifft und von daher sind sie auch nicht einwandfrei. Deswegen sollen sie in korrekterweise verwendet werden bzw. der richtige Test soll an der richtigen Stelle eingesetzt werden. „ Das Problem kann also überhaupt nur auf der Grundlage der analytischen Trennung der verschiedenen B[Begleiter]-Bindungsdimensionen gelöst werden. Für jede B-Bindungsdimensionen müssten geeignete, an empirischen Objekten beobachtbare Indikatoren für das Vorliegen der B- Bindung gefunden werden“[30]

11. Schlussbetrachtung

Die Valenz versteht sich darin, dass das Verb der strukturelle Kern des Satzes ist und alle anderen Mitglieder von dem Verb aus bestimmt werden. Mit diesem Ansatz wird gleichzeitig in der Grammatik einen neuen Weg eingeschlagen, der jedoch einige Fragen aufklären soll wie z.B. inwiefern die anderen Glieder, die um das Verb herum ihre Stellen einnehmen, zu definieren sind. Konkreter gesagt, welche Stellen müssen/ können in dem Satz auftreten, welche nicht. Die Stellen, die in dem Satz aufzutreten haben, werden Ergänzungen, die Stellen, die umgekehrt nicht durch das Verb bedingt im Satz aufzutreten haben, werden Angaben, genannt. Nun stellt sich an dieser Stelle die grundlegende Frage der Valenz, nämlich wie die Ergänzungen und Angaben in dem Satz festzulegen bzw. wie sie voneinander zu unterscheiden sind.

Im Rahmen dieser Arbeit haben wir versucht einige Dimensionen dieser Frage darzustellen. Dabei haben wir zunächst einmal die Problematik auf Tesniere zurückgeführt und seinen Ansatz über die Valenz aufgegriffen, damit man wissen kann, worum es in der Arbeit geht. Mit drei Ansätzen von Engel, Helbig/ Schenkel und Heringer haben wir beabsichtigt die Dimension der Problematik, damit auch einige Formulierungen, die von ihrer Seite die Problematik zu lösen versprachen, die jedoch nicht einwandfrei waren, darzustellen.

Schließlich haben wir einige Testmöglichkeiten, die mehr oder weniger aus diesen Formulierungen heraus entwickelt wurden, erläutert, mit denen man einen gewissen Erfolg bei der Unterscheidung zwischen Ergänzungen und Angaben erzielen kann, die aber voraussetzen, dass der richtige Test an der richtigen Stelle eingesetzt werden soll.

Hier am Ende wollen wir doch noch darauf eingehen, dass die Frage, wie Ergänzungen und Angaben voneinander zu unterscheiden sind, heutzutage eine multidimensionale Frage geworden ist. Dies haben wir bei Heringer gesehen. Aus diesem Grund ist die Klärung dieser Frage nicht nur aus der Sicht der Syntax von Bedeutung, sondern auch aus der Sicht der Kommunikation.

Dementsprechend muss bei der Unterscheidung auch die semantische bzw. inhaltliche Ebene berücksichtigt werden. Heringer versucht gerade in seiner Andeutung zur Unterscheidung der Ergänzungen und Angaben voneinander, dies zu tun. Er geht nämlich davon aus, dass die Valenz sowohl eine syntaktische, als auch inhaltliche Dimension hat. Er führt schließlich den Terminus Inhaltsyntax in die Sprachwissenschaft. Damit versucht er die Multidimensionalität der Frage, wie die Ergänzungen und Angaben voneinander zu unterscheiden sind, zu erklären.

12. Literaturverzeichnis

Bußmann, Hadumod (2002) Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Aufl. Kröners Taschenausgabe Band 452. Stuttgart: Alfred Kröner.

Eisenberg, Peter (2004): Der Satz. Grundriss der deutschen Grammatik. 2.Aufl. Stuttgart, Weimar: J.B Metzler.

Engel, Ulrich (1977): Syntax der deutschen Gegenwartsprache. 1. Aufl. Berlin: Erich Schmidt.

Götze, Lutz (1979): Heutiges Deutsch. Valenzstrukturen deutscher Verben und Adjektive. München: Max Huber.

Helbig Gerhard (1992): Probleme der Valenz- Und Kasustheorie. Tübingen: Max Niemeyer.

Helbig, Gerhard; Schenkel, Wolfgang (1971): Wörterbuch zur Valenz und Distribution deutscher Verben. Erste Aufl. Leipzig: Offizin Andersen Nexö BTV.

Helbig, Gerhard; Schenkel, Wolfgang (1973): Wörterbuch zur Valenz und Distribution deutscher Verben. Erste Aufl. Leipzig: Offizin Andersen Nexö BTV.

Heringer, Hans- Jürgen (1970): Theorie der deutschen Syntax. 1. Aufl. München: Hueber.

Pittner, Karin; Berman, Judith (2004) Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch. Tübingen: Gunter Narr.

Schmidt, Paul (1985): Gebrauchstheorie der Bedeutung und Valenztheorie. Untersuchungen zum Problem der Hypostasierung von Bedeutungen. Amsterdamer Publikationen zur Sprache und Literatur Band 59. Amsterdam: Rodopi.

Storrer, Angelika (1992) Verbvalenz. Theoretische und methodische Grundlagen ihrer Beschreibung in Grammatikographie und Lexikongraphie. Tübingen: Max Niemeyer.

Internetquellen

http://punktde.ruhr-uni-bochum.de/pdf/Punktde_Situationsvalenz_Uschmann.pdf

[...]


[1] http://punktde.ruhr-uni-bochum.de/pdf/Punktde_Situationsvalenz_Uschmann.pdf

[2] Vgl. Pittner, Bermann 2004: 43

[3] Vgl. Eisenberg 2004: 59

[4] Eisenberg 2004: 59

[5] Pittner, Bermann 2004: 50

[6] Vgl. Pittner, Bermann 2004: 50

[7] Vgl. Helbig 1992: 73

[8] Helbig 1992: 73

[9] Helbig 1992: 73

[10] Vgl. Helbig 1992: 92

[11] Helbig 1992: 93

[12] Nach Schmidt 1985: 124

[13] Nach Schmidt 1985: 125

[14] Vgl. Engel 1977: 100

[15] Schmidt 1985: 126- 127

[16] Schmidt 1985: 127

[17] Helbig/ Schenkel 1971: 11

[18] Helbig/ Schenkel 1971: 49

[19] Vgl. Storrer 1992: 34

[20] Helbig/ Schenkel 1973: 50

[21] Helbig/ Schenkel 1973: 31

[22]. Storrer 1992: 100

[23] Helbig/ Schenkel 1973: 36

[24] Storrer 1992: 100

[25] Vgl. Helbig 1992: 89

[26] Vgl.Heringer 1970: 44

[27] Vgl. Helbig 1992: 91

[28] Helbig 1992: 78

[29] Pittner, Bermann 2004: 48

[30] Storrer 1992: 222.

Details

Seiten
24
Jahr
2007
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111431
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,3
Schlagworte
Unterscheidung Ergänzungen Angaben Valenzgrammatik

Autor

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