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Zu Singer's "Praktische Ethik" - und Gedanken über den Wert des Menschen

Essay 2004 17 Seiten

Ethik

Leseprobe

„… Die Ethik ist, sofern sie überhaupt etwas ist,

übernatürlich, und unsere Worte

werden nur Fakten ausdrücken; so,

wie in einer Teetasse eben nur eine Teetasse

voll Wasser hineingeht,

auch wenn ich’s literweise darübergösse.“

Wittgenstein

Allgemeine ethische Gedanken.

Diese Gedanken Wittgensteins über Ethik drücken die Begrenztheit der reinen Worte aus, die nur das Gefäß, das Ding an sich darstellen, aber die niemals den damit verbundenen, fast transzendentalen und ethischen Inhalt oder Aspekt eines Wortes erfassen können. Er determiniert in seiner Aussage, die Unmöglichkeit ein Buch über Ethik zu schreiben, da Wörter nicht wie in der Naturwissenschaft nomothetisch und konkret zugeordnet werden können. Was versteht man in der Ethik unter gut, böse, gerecht, aggressiv?

Es gibt mittlerweile unterschiedliche ethische Ansatzpunkte, doch im Grunde genommen ist Ethik nicht wirklich aussprechbar. Ethik sollte nicht nur als reine Wissenschaft des moralischen Handelns verstanden werden, sondern es geht um eine Erkenntnis des Handelns und deren Wertschätzung, die moralisch oder unmoralisch, die als logisch oder unlogisch, als wahr oder unwahr bezeichnet werden kann. „Die Gegenstände kann ich nur nennen. Zeichen vertreten sie. Ich kann nur von ihnen sprechen, sie aussprechen kann ich nicht. Ein Satz kann nur sagen, wie ein Ding ist, nicht was es ist.“ (Wittgenstein 1989 b, 3.2221 Hervorhebung im Original)

Aus diesem Kontext heraus ist es verständlich, dass Ethik, in welcher Form auch immer sie vorliegt, ob deskriptiv oder normativ, ob utilitaristisch oder tugendhaft, ob materialistisch oder werthaltig, immer auch missverstanden, aber auch gar nicht verstanden werden kann; da jeder subjektiv eine andere Erkenntnis, Überzeugung, Einstellung, systemisch betrachtet anderes Konstrukt, aber auch Glaube daraus gewinnen kann. Dadurch ergeben sich unterschiedliche ethische Konsequenzen, die lebensgestaltend, lebenserhaltend aber auch tödlich sein können. Aus einer intersubjektiven Betrachtungsweise wird dann geschlussfolgert und entschieden; es werden Gesetze geschmiedet und Handlungsanweisungen gegeben, was das Leben ausmacht, ab wann der Mensch ein Mensch ist, ab wann er lebenswert ist und ab wann er ausgedient hat?

Biografie von Peter Singer

Peter Albert David Singer, geboren am 06. Juli 1946 in Melbourne/Australien,

ist als Kind jüdischer Eltern in Australien aufgewachsen. Diese flüchteten aus Wien vor dem Anschluss Österreichs an das 3. Reich und immigrierten nach Australien. Von dort aus beobachteten sie, die sich ständig verschlechternde Lage in Nazi-Deutschland und waren völlig machtlos gegen den Starrsinn und der Naivität der (Groß-) Eltern. Der Großvater Peter Singers, David Oppenheim, überlebte die Shoah im Gegensatz zu seiner Frau Amalie, nicht. Er verstarb am 18.02.1943 in Theresienstadt. Obgleich D. Oppenheimer Nachkomme einer alten Rabbinerfamilie war, hat die jüdische Religion, erstaunlich wenig Spuren in seiner Anschauung hinterlassen. Indem dieser eher von Universalismus des humanistischen und aufgeklärten Gedankengutes geprägt wurde, ist seine Überzeugung tatsächlich repräsentativ für die Emanzipation des liberalen und assimilierten Judentums der Jahrhundertwende.

Wie nahe Großvater und Enkel sich in ihrer Lebensanschaulichen Position stehen, kennzeichnet ihr unerschütterlicher Glauben an den Menschen, an Fortschritt und die Ration. Jedoch versteht es Peter Singer trotz der Geschichte seiner Familie nicht, besonders sensitiv mit Begriffen, die hierzulande Assoziationen mit dem 3.Reich hervorrufen, umzugehen.

So sollte mit einem Begriff wie Euthanasie, die in unserer Geschichte eine wesentlich andere geschichtliche Bedeutung hat, wie im anglo-amerikanischen Raum, behutsamer umgegangen werden. Dort steht er im Zusammenhang mit dem Recht auf den eigenen Tod, das dem christlichen Konzept der Heiligkeit des Lebens und dem Selbstmordverbot widerspricht.

So gilt Singer als „linksintellektueller“ Jude, da eher progressive Linke diesen Begriff benützen.

Ähnlichkeiten zum 3. Reich

Seine Thesen sind insbesondere in Deutschland, aufgrund der in der Zeit des Dritten Reiches durchgeführten Aktion T4 zur „Euthanasie lebenswertes Leben“ auf deutlichen und anhaltenden Widerstand gestoßen.

Die Aktion „Gnadentod“ wurde durch einen Brief Adolf Hitlers am 01.09.1939 gestartet. Dieser erlaubte das töten lebensunwerter Kreaturen (behinderte Menschen), die keine Hoffnung auf Verbesserung ihres Zustandes hatten und den Staat durch Aufenthalt in Pflegeanstalten Geld kosteten. Der „Gnadentod“ öffnete für diese Politik den Ärzten alle Türen. Behinderte und angeblich Erbkranke durften für medizinische Tests missbraucht, bzw. durch Vergasung oder Gift getötet werden.

Die Medizin machte riesige Fortschritte, da alle Versuche nun erlaubt waren, teilweise wurden die Menschen als Organlieferanten bestellt und nur wegen ihrer Gehirne, getötet.

Das Leben dieser als minderwertig bewerteten Menschen wurde gegen das bessere Leben von gesunden Menschen aufgewogen. Wer jedoch im Pflegeheim verwahrt war und nützlich war, in heimeigenen Betrieben arbeiten konnte, um somit das Geld für seinen Lebensunterhalt zu erarbeiten, durfte leben. Wer dies nicht konnte, wurde vergast. Die Tötung von Menschen wurde unter den Decknamen „Behandeln“ versteckt, so dass sich Ärzte in Briefen an übergeordnete Stellen brüsteten z.B. 250 Behandlungen erfolgreich durchgeführt zu haben.

1941 musste Hitler diese Aktion aus politischen Gründen stoppen. Nach dem Krieg wollte keiner der Beteiligten von diesen Tötungen Kenntnis gehabt haben, obwohl es monatlich belegbare Gratifikationen gab, die dies beweisen. Paul Nitsche sagte dazu folgendes: „Es ist doch herrlich, wenn wir in den Anstalten den Ballast loswerden und nun wirklich richtige Therapie treiben können.“

(http://www.irren-offensive.de/rede_ernstklee.htm)

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640095322
ISBN (Buch)
9783640668922
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111479
Schlagworte
Essay Singer Praktische Ethik Gedanken Wert Menschen

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