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Häusliche sexuelle Gewalt gegen Kinder. Ursachen, Folgen und Präventionsmöglichkeiten

Magisterarbeit 2007 122 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I) Einleitung
1) Einführung
2) Arbeitsweisen und Methoden
3) Historischer Verlauf und Entwicklung der Forschung zur häuslichen Gewalt

II) Zur Diskussion der Begriffsbestimmungen
1) Definition des Begriffes ,,familiäre Gewalt’’
2) Definition, Ursachen und Folgen von ,,Aggression’’
3) Definition des Begriffes ,,Prävention’’

III) Formen des brutalen Umgangs mit Kindern in Familien
1) Gewaltarten gegen Kinder
1.1) Körperliche Misshandlung
1.2) Psychische Misshandlung
1.3) Vernachlässigung und emotionale Ausbeutung
1.4) Sexueller Missbrauch
2) Formen des sexuellen Missbrauchs, seine Besonderheiten und Bedeutungen
2.1) Das Problem der unterschiedlichen Termini des sexuellen Missbrauchs
2.2) Pädophilie
2.3) Nötigung und Notzucht
2.4) Inzest
3) Gewalt zwischen Eltern und ihre Folgen für die Kinder
4) Züchtigung – notwendiges Erziehungsmittel?
5) Verbreitungsgrad des Kindermissbrauchs
5.1) Hellfeld- und Dunkelfelddaten
5.2) Ausmaß und Häufigkeit der familiären Gewalt

IV) Epidemiologie
1) Ursachen von Gewalt und ihre Entstehung
1.1) Das Zusammenspiel von Risiko- und Schutzfaktoren
1.2) Einfluss der gesellschaftlichen Faktoren, Isolation und
Desintegration der Familie
1.3) Wirtschaftliche und soziale Probleme
1.4) Aggressivität, Stressfaktoren, Emotionen
1.5) Gewalt in der familiären Interaktion
1.6) Gewalt gegen die Mutter – zusätzliches Risiko für Kinder?
1.7) Macht- und Rollenstrukturen der Familie
1.8) Autoritäre Erziehung
1.9) Lebensgeschichtliche Erfahrungen und Erlebnisse der Eltern und ihre Weitergabe im Erziehungsprozess
1.10) Gewalt – spezifisches Problem der Unterschichten und/oder
Migrationsfamilien?
1.11) Bedingungen, Voraussetzungen und Motive für sexuellen
Missbrauch in Familien
1.12) Die Mutter - Initiator oder Komplizin des Kind-Vater-Inzests?
2) Verhaltensweisen, Persönlichkeit und Einordnung von Täter/Innen und Opfer/Innen
2.1) Tätereigenschaften
2.2) Tätertypen
2.3) Geschlechtsspezifischer Vergleich der Täter
2.4) Täterstrategien
2.5) Opfermerkmale

V) Auswirkungen und Konsequenzen der Gewalt
1) Kurz- und langfristige Folgen
2) Physische und geistige Folgen
3) Der Einfluss der häuslichen Gewalt auf die Psyche des Kindes
4) Gewalterfahrungen, Verhaltensweisen und Reaktionen des Kindes
5) Familiäre Konflikte, Isolation und Trennung
6) Flucht aus dem Elternhaus
7) Folgen sexueller Gewalt

VI) Prävention und Intervention
1) Möglichkeiten und Modelle einer wirksamen Vorbeugung und Kontrolle
2) Pädagogisch-therapeutische Ebene
3) Beratungstechniken und -methoden
4) Therapiemodelle
4.1) Einzeltherapie
4.2) Gruppenbehandlung
4.3) Familiensitzungen
4.4) Männergruppen
4.5) Paartherapie
5) Elternschulungen und Aus- und Fortbildung von Fachkräften
6) Selbstverteidigungsprogramme und Unterstützung von Elterngruppen
7) Verbesserung der Lebensbedingungen von Familien und Veränderung des Erziehungsklimas
8) Reintegration der Familie und Veränderung der familiären Rollensstruktur
9) Zufluchtsorte
9.1) Fremdunterbringung des Kindes
9.2) Kinderschutzzentren
9.3) Familienkrisenzentren
10) Krisenintervention durch die Polizei
11) Juristische Möglichkeiten und Maßnahmen
11.1) Allgemeine gesetzliche Regelungen
11.2) Gewaltfreie Erziehung
11.3) Wohnungsverweis
11.4) ,,Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung’’
11.5) Strafverfolgung
11.6) Diversionsverfahren
11.7) Meldegesetze

VII) Schlussfolgerungen

VIII) Literaturverzeichnis

IX) Internetadressen

Vorwort

Gewalt in der Familie ist bereits seit längerer Zeit Thema des öffentlichen Interesses. Sie behindert Leben und Entwicklung in Familien. Eine Gewaltbeziehung ist ein langer Prozess, an dessen Beginn oft Liebe oder vermeintliche Liebe steht. Heute wissen wir, dass sie zahlreiche Gesichter hat und in unterschiedlichen Ausprägungen in vielen Familien vorkommen kann.

In den letzten Jahren hat sich in Deutschland der institutionelle Umgang mit häuslicher Gewalt verändert. 2002 ist ein neues Gewaltschutzgesetz in Kraft getreten, neue politische Handlungsstrategien wurden eingesetzt, es entstanden lokale Instanzen, auch neue Interventions- und Präventionskonzepte wurden erprobt.

Sind die kindlichen Opfer die Täter nächster Generation? Werden Opferrollen schon in der Kindheit erlernt? Gibt es einen Kreislauf der Gewalt?

Trotz des breiten Echos in der Öffentlichkeit ist das Thema ,,Kindermisshandlung’’ aufgrund der zahlreichen Literatur nur schwer zu überblicken. Sowohl dem Laien als auch dem Fachmann fällt es nicht leicht, eine realistische Einschätzung dieses Problems zu erhalten.

I) Einleitung

1) Einführung

Erst Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem die Kindheit als eigenständige Entwicklungsphase sozial anerkannt war, wurde man auf die Gewalt gegen Kinder aufmerksam. Zahlreiche Aufzeichnungen über elterliche Gewalt entstanden in Frankreich und Großbritannien[1]. 1871 wurde in New York die erste ,,Society for the Prevention of Cruelty to Children’’ und in Deutschland 1898 der ,,Verein zum Schutz der Kinder vor Ausnutzung und Misshandlung’’ (der bis 1933 bestand) gegründet. Am Anfang beschäftigte sich der Kinderschutz vor allem mit Problemen der Kinderarbeit, Vernachlässigung von Kindern sowie der physischen Kindermisshandlung. Bis Mitte der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts hat man sich mit Gewalt gegen Kinder, welche primär in den verarmten unteren sozialen Schichten der Bevölkerung anzutreffen war, lediglich in der Medizin auseinandergesetzt. Damals wurde sie noch nicht als ein überall verbreitetes, in allen Schichten präsentes und die Gesellschaft insgesamt betreffendes soziales Problem angesehen. Erst ab Mitte der sechziger Jahre entwickelte sich eine neue Sicht auf Gewalt gegen Kinder, die durch soziale Bewegungen ausgelöst wurde[2].

Gewalt in der Familie (und speziell gegen Kinder) ist eines der schärfsten und auffälligsten sozialen Probleme, die es auf der Welt gibt. Sie ist universell, weit verbreitet und weder schichtenabhängig noch auf eine Gesellschaftsform oder einen Zeitabschnitt begrenzt[3]. Körperliche Misshandlung, sexueller Missbrauch, fehlende emotionale Zuwendung sind nur einige der wichtigsten Erscheinungsformen der häuslichen Gewalt[4].

Die Familie bietet für die Angehörigen keinen Schutz mehr [bzw. noch keinen] vor der Gewalt. Niemand von den Angehörigen ist gegen einen Missbrauch geschützt. Opfer häuslicher Gewalt können neben Kindern auch Frauen und Männer werden, unabhängig vom Alter, vom sozialen Status und/oder vom Bildungsstand. Familiäre Gewalt mit ihren verschiedenen Formen und Unterformen hat mittlerweile solche Ausmaße erreicht, die die gesellschaftliche bzw. öffentliche und individuelle Sicherheit bedrohen.

Eine Dunkelfeldbefragung in Deutschland von 2003 zeigt folgende Lebenszeitprävalenzen für familiäre Gewalt: ,,Jede vierte Frau (25%) im Alter von 16 bis 85 Jahren hatte körperliche (23%) oder […] sexuelle (7%) Übergriffe durch einen Beziehungspartner ein- oder mehrmals erlebt.’’[5] Neuere empirische Untersuchungen zur Eltern-Kind-Gewalt zeigen, dass in Deutschland etwa 70% der Kinder im Laufe ihrer familiären Sozialisation Erfahrungen mit Gewalt durch ihre Eltern machen. Da die meisten Gewalttaten, die registriert werden, innerhalb der Familie erfolgen, spricht man in der Soziologie sogar von einem ,,strukturell angelegten Gewaltpotential in Familien.’’ Folgende Ursachen u.a. sind dafür verantwortlich: das angespannte Zusammenleben verschiedener Geschlechter und Generationen, Emotionen, normale familiäre Körperkontakte zwischen Familienangehörigen (z.B. liebevolle Umarmung) und die unmittelbare Gewaltanwendung bei eskalierenden Familienkonflikten[6].

Die Beobachtung elterlicher Gewalt in der Kindheit ist ein Risikofaktor sowohl für die spätere eigene Gewaltausübung als auch für die eigene Opferwerdung; noch intensiver sind solche Erlebnisse, wenn sie unmittelbar gegen die Kinder gerichtet sind[7]. Aber auch umgekehrt gilt, dass Erwachsene, die gewalttätig gegen ihre Kinder, Lebenspartner oder Eltern handeln, oft als Kinder oder Jugendliche gegen andere Familienmitglieder (beispielsweise die Mutter oder jüngere Geschwister) gewalttätig waren. Aufgrund dessen wird die Gewalt im Kindesalter als die Vorstufe der erwachsenen Gewalt betrachtet. Nach Ferdinand Sutterlüty können also Kinder gewisse Gewaltkarrieren starten, die meistens mit dem letzten Stadium dieser Laufbahn (d.h. gewalttätige Ausbrüche gegen eigene Kinder oder Lebenspartner) enden. Man spricht daher oft von einem ,,Kreislauf der Gewalt’’[8]. Wenn also Kinder permanent elterliche Gewalt erleben mussten, kann sich diese Gewalt dann, wenn die Kinder erwachsen geworden sind, gegen die eigenen Eltern richten[9].

Die Klärung der Gewaltprozesse in der Familie ist ohne den Bezug zu den gesellschaftlichen Verhältnissen, in die die Familie eingebunden ist, nicht denkbar. Zwischen der familiären Gewalt und gesellschaftlichen Institutionen existiert ein gewisser Konnex. Verschiedene Risikofaktoren wie demographische Entwicklung, bestimmte Werte und Normen, Generationenkonflikte, die zunehmende Anzahl von Singles etc. haben zur Veränderung der Kommunikation zwischen den Menschen beigetragen. Wenn die angesprochene Kommunikation gestört wird, kann es leicht zu Entstehung von Gewalt kommen[10].

Gewalt gegen Kinder ist historisch gesehen kein neues Phänomen. Sie lässt sich bereits bis auf die Bibel zurückverfolgen. Schon im Alten Testament wird von mannigfachen familiären Gewalttaten berichtet. Der Gewaltbegriff hat sich jedoch im Laufe der verschiedenen Zeitalter, aber auch innerhalb von Gesellschaften, stetig verändert. Heutzutage wird familiäre Gewalt primär mit Frauen- und Kindermisshandlung assoziiert. Wann, von wem und warum werden die scheinbar Schwächsten in der Familie misshandelt? Was könnte man gegen solche Taten tun? Erschreckend ist, dass immer häufiger Kinder für familiäre Konflikte gerade stehen müssen, wenn Eltern sich nicht vertragen können oder in Probleme geraten. Die Anwendung körperlicher Gewalt gegen Kinder ist meistens der Endpunkt eines Prozesses, in dem die Spannungen in der Familie unerträglich geworden sind. Deshalb ist es laut Christian Büttner wichtig, dass man alle Formen der Gewalt in der Familie, die zu emotionalen und physischen sowie direkten und indirekten Verletzungen führen, erkennt. Dazu muss man die Familie von innen heraus betrachten, um die familiäre Struktur und Situation als Täter und Opfer besser verstehen zu können. Denn Misshandlungen und Kränkungen sind von außen nur sehr schwer nachzuvollziehen[11]. Trutz von Trotha teilt die Meinung von Büttner nicht ganz, er sieht die Gewalt ,,[…] nicht in irgendwelchen ,,Ursachen’’ jenseits der Gewalt […]. Der Schlüssel der Gewalt ist in den Formen der Gewalt selbst zu finden.’’[12]

Traurig ist die Tatsache, dass das Thema der häuslichen (insbesondere sexuellen) Gewalt in einigen Kreisen unserer Gesellschaft immer noch tabuisiert wird, da sie sowohl von Tätern als auch von manchen Opfern und gesellschaftlichen Institutionen geleugnet und die Folgen als geringfügig betrachtet werden[13].

2) Arbeitsweisen und Methoden

Ich möchte mich in dieser Magisterarbeit mit der elterlichen Gewalt gegen Kinder beschäftigen. Zuallererst ist natürlich hierbei die Aufgabe, eine gültige Definition des Gewaltbegriffs zu finden. Selbstverständlich existieren bei unterschiedlichen Anwendungs- und Forschungsfragestellungen auch unterschiedliche Eingrenzungen dieses Phänomens. Eine gültige Beschreibung des Gewaltbegriffs, die für alle Anwendungsgebiete gilt, gibt es nicht. Es liegt daran, dass die jeweiligen Erkenntnisinteressen und Arbeitsziele der verschiedenen Wissenschaftsbereiche zu verschieden sind. Die Schwierigkeiten liegen also jeweils in der Festlegung der exakten Grenze[14].

Anschließend an die Gewaltdefinition sollen die Formen der Gewalt gegen Kinder sowie der sexuelle Kindermissbrauch thematisiert werden (d.h. wie verbreitet sind die verschiednen Formen der Gewalt und hat sich das Ausmaß der Gewalt in unserer Gesellschaft verändert). Neben der Häufigkeit bzw. Verbreitung der Gewalt werden Zusammenhänge der familiären Lebenssituation mit Gewalterfahrungen in der Kindheit analysiert. Wegen der zahlreichen Ursachen, die Gewalt gegen Kinder begünstigen, konnte ich bei der Bearbeitung nur einige (allerdings die wichtigeren) der Risikofaktoren auswählen, damit der Rahmen der Arbeit nicht gesprengt wird.

Im Vordergrund der Arbeit stehen der sexuelle Missbrauch und ihre Verbindung zur physischen Gewalt von Eltern gegen die Kinder. Interessant erscheinen mir die Fragen, ob Kindermisshandlungen wirklich ein Massenphänomen, oder ob sie doch nur die seltenen Fälle schwerverletzter Kinder sind, die in sehr armen und randständigen Familien vorkommen.

Ziel der Arbeit ist unter anderem: Begleiterscheinungen, Umstände, Hintergründe, Folgen, Auswirkungen und Reaktionen der Kinder als Zeugen familiärer Gewalt herauszufinden, wie die Heranwachsenden diese Erfahrungen und Erlebnisse bewältigen und welche Wege und Maßnahmen bei der Verarbeitung der Gewalt unternommen werden können.

Ferner möchte ich versuchen, herauszufinden, wieso familiäre Gewaltmaßnahmen von manchen Eltern immer noch als legitim betrachtet werden und wie, wann und wo sie ihren Ursprung haben. Tatsache ist, dass Gewalt nicht erst körperlich beginnt, sondern bereits dann, wenn man über andere Menschen bestimmt. Wenn wir über irgendwelche Menschen entscheiden, haben wir den Kontakt zu ihnen verloren; wir fragen nicht mehr nach ihnen, uns interessieren ihre Gefühle und Gedanken nicht. Gewalt beginnt also bereits dort, wo man aufhört, mit anderen Individuen zu kommunizieren[15].

Es soll ferner der Frage nachgegangen werden, inwieweit Opfererfahrungen und Gewaltausbrüche in der Kindheit die Wahrscheinlichkeit erneuter innerfamiliärer Gewalt im Erwachsenenalter erhöhen. Darüber hinaus ist noch interessant zu untersuchen, ob gewalttätige Kindheitserfahrungen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Eltern, die in der Kindheit missbraucht wurden, ihren eigenen Kindern gegenüber Gewalt anwenden. Hierfür sind folgende Fragen von enormer Bedeutung: Sind die kindlichen Opfer die Täter nächster Generation? Werden Opferrollen schon in der Kindheit erlernt? Gibt es einen Kreislauf der Gewalt? Obwohl sich die Arbeit auf den Kindermissbrauch bezieht, ist es trotzdem wichtig und sinnvoll zu schauen, ob ein Zusammenhang zwischen Kinder- und Frauenmisshandlung besteht.

Generell sind also die Fragen nach dem Ausmaß der Gewalt gegen Kinder, nach den sozialen und familiären Faktoren, welche Kindermisshandlungen beeinflussen, sowie nach den Merkmalen, die die Opfer kennzeichnen, Gegenstand dieser Arbeit. Auch gesellschaftliche Prozesse und Familienstrukturen in der Kindheit oder das elterliche Partnerverhalten sollen in der Arbeit nicht zu kurz kommen. Darüber hinaus bezieht sich die Arbeit im Großen und Ganzen auf deutsche Kinder und Familien, jedoch ist in einigen Kapiteln der Vergleich mit internationalen Angaben unentbehrlich bzw. notwendig. Abschließend werden Präventions- und Interventionsvorschläge dargestellt anknüpfend an die Frage, ob es überhaupt geeignete Vorsorgemöglichkeiten gegen häusliche Gewalt gibt.

Den Zugang zu meinem Thema ermöglichten mir verschiedene Informationen, Beschreibungen, Kommentare, Meinungsäußerungen, die ich zunächst gesammelt habe. Das alles hat mir geholfen, zunächst einmal eine allgemeine Vorstellung von meinem Thema zu bekommen. Folglich bin ich in der Lage gewesen, ein Konzept zu entwickeln. Erst danach habe ich angefangen, die Schwerpunkte herauszuarbeiten, indem ich verschiedene thematische Gesichtspunkte (z.B. die Gewaltformen) der zahlreichen Autoren, Wissenschaftler und Forscher betrachtet und die Kapiteln nach und nach miteinander verknüpft habe.

3) Historischer Verlauf und Entwicklung der Forschung zur häuslichen Gewalt

Der Forschungsstand zum Thema ,,Familiäre Gewalt gegen Kinder’’ befindet sich auf einem unterschiedlichen Niveau. Einerseits existieren zu diesem Thema zahlreiche Publikationen, andererseits liegen aber auch Schwächen in der analytischen Schärfe und Beschreibung von Definitionen, Phänomenen und Erfahrungen. Es fehlen z.B. in Deutschland sowohl Untersuchungen institutionell registrierter Opfer als auch Studien zu nicht registrierten Gewaltfällen. Die Literatur zu diesem Thema ist kaum zu überblicken und stark zersplittert, sodass es sowohl den Forschern als auch den einfachen Interessenten schwer fällt, sich zu orientieren oder zu informieren[16].

Zum einen gibt es die gesellschaftskritischen Schriften allgemein zur ,,Gewalt gegen Kinder’’. In diesen Arbeiten geht es um Gewalt, die mit der Ungleichverteilung von Macht und Lebenschancen den Alltag von Erwachsenen und Kindern, von Tätern, Opfern und Helfern beschreiben. Solche Publikationen sind jedoch für wissenschaftliche Zwecke kaum geeignet. Ferner existieren Darstellungen von Wissenschaftlern, die sich auf die Kinderschutzarbeit fokussiert haben. Hier werden nicht nur Hilfsmöglichkeiten vorgestellt, sondern auch soziale und materielle Probleme sowie Ratlosigkeit und Ohnmacht der gewaltbelasteten Familien beschrieben. Darüber hinaus findet man überall (sogar in digitaler Version) kriminologische und gerichtsmedizinische Publikationen zum Problem der Kindermisshandlung. Diese Arbeiten sind bedrückend, weil sie die in der Öffentlichkeit vorhandenen Vorurteile gegenüber misshandelnden Eltern, die häufig zu Unrecht beschuldigt werden, steigern und die Opfer mit ihren Problemen in den Hintergrund gerückt werden. Digitale Bilder, Photographien oder Dokumentationen erwecken oft den Eindruck, dass es nur darum geht, die schwersten Misshandlungsfälle zu zeigen. Sie verstellen somit den Blick für andere Fälle, in denen Kinder nicht nur körperlich, sondern auch auf andere Art und Weise verletzt werden. Tatsache ist, dass die Beschädigungen der kindlichen Psyche mit dem Photoapparat kaum zu erfassen sind[17].

Es existiert ein breites Netz von Forschungsbereichen (mit Informationsdiensten, Bibliographien, Kongressen, einigen Forschungszentren und Ausbildungsgängen, mehreren Spezialzeitschriften, Forschungsprogrammen der Bundesregierung usw.), das sich ununterbrochen mit den Schwierigkeiten familiärer Gewalt beschäftigt. Die Forschung ist gegenwärtig stark anwendungsorientiert, im Mittelpunkt stehen meistens Probleme der Prognose und Intervention. Die wichtigsten Beiträge mit Studien über das Ausmaß und über soziale Bedingungen familiärer Gewalt leistete bisher die Soziologie[18].

In den USA ist das Thema der familiären Gewalt ein wichtiger Bestandteil der Familienforschung. Den Beginn der wissenschaftlichen Analyse der körperlichen Gewalt gegen Kinder und Frauen markieren Arbeiten zum ,,battered child syndrome’’ der Gruppe um Kempe in den sechziger Jahren[19]. Die Forschung über häusliche Gewalt hat seit der Mitte der sechziger, vor allem aber seit Anfang der siebziger Jahre stark expandiert. Zusätzlich ermöglichten Innovationen in der radiologischen Diagnostik erstmals, bisher ungeklärte Verletzungen mit physischen Gewalthandlungen der Eltern in Zusammenhang zu bringen[20].

In den späten sechziger und frühen siebziger Jahren kam es in Europa und USA zur formalen bzw. geschlechtlichen Gleichberechtigung in der Ehe und auf dem Arbeitsplatz. Dass häusliche Gewalt überhaupt öffentlich bekannt und zunehmend enttabuisiert wurde, lag an dem Engagement der Frauen, die unter der Losung ,,Das Private ist politisch’’ auf familiäre Gewalt aufmerksam machten[21].

In Deutschland fand das Thema ,,Gewalt gegen Kinder’’ ab den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts besonderes Interesse. Ursache hierfür waren Erfahrungen und Beobachtungen von Professionellen, Kinderärzten sowie Sozialarbeitern, aus ihrer Arbeit mit Kindern und deren Familien, zusammen mit der wissenschaftlichen Forschung, welche die Gesellschaft auf die starke Verbreitung elterlicher Gewalt an Kindern aufmerksam machten[22]. In den siebziger Jahren wurden die medizinisch-psychiatrischen Arbeiten, die sich mit individuellen psychischen Eigenschaften der Täter beschäftigten und die als Ursachen für deren Gewalthandlungen angesehen wurden, stark kritisiert und als ungeeignet betrachtet. Man kombinierte schließlich diese Arbeiten mit soziologischen Erklärungen und Analysen, um individuelle und situative Faktoren zusammenzuführen. Es entwickelte sich eine eigene Dunkelfeldforschung, welche abgesehen von institutionell registrierten Fällen neue Erkenntnisse ermöglichte[23]. Ende der siebziger Jahre machten Frauen die Gesellschaft in den USA noch stärker als vorher auf den sexuellen Missbrauch aufmerksam und kritisierten die patriarchalen Gesellschaftsstrukturen (dazu gehörten u.a. sexueller Missbrauch von Mädchen als eine Form geschlechtsspezifischer Unterdrückung). Viele Frauen bekundeten öffentlich, in ihrer Kindheit sexueller Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein[24].

Die Problematik der Gewalt gegen Kinder, ihre Ursachen wie auch Folgen wurden ebenso in der Psychologie zu einem wichtigen Forschungsthema. Unter dem Begriff des ,,sozial-ökologischen Modells’’ wurden die verschiedenen Teile theoretischer Erklärungen in einem Konzept der Risiko- und Schutzfaktoren zusammengefasst[25]. Seit dem Ende der siebziger Jahre wurde in den USA parallel neben den Forschungsarbeiten zur physischen Gewalt gegen Kinder der ,,sexuelle Kindermissbrauch’’ zu einem Thema der wissenschaftlichen Untersuchung. Kurze Zeit später wurde dieses Thema auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern in der Wissenschaft aufgegriffen[26].

In den siebziger und achtziger Jahren nahm die familiäre Gewalt solche Ausmaße an, dass sie aus dem öffentlichen Diskurs nicht mehr wegzudenken war. Folglich wurde das Thema ,,Gewalt und Missbrauch in Familien’’ zunehmend von der Gesellschaft öffentlich verurteilt. Familiäre Gewalt betrachtete man schließlich als ein Phänomen, das stark verbreitet, überall ernst zu nehmen und in jeder Gesellschaftsschicht zu finden ist. Weil die Aufmerksamkeit für familiäre Gewalt immer weiter ansteigt, ist sie auch heutzutage mit einer erhöhten Sensibilisierung verbunden.

Frauenbewegungen waren auch in Deutschland der Ausgangspunkt von Diskurs über sexuellen Missbrauch gegen Kinder. Diese Bewegungen waren in den achtziger Jahren recht erfolgreich. Es wurden viele wissenschaftliche Bücher und Ratgeber zu diesem Thema publiziert. Selbst in den Medien nahm das Thema an Bedeutung zu[27].

Ab Mitte der achtziger Jahre kamen soziologische primär (sogenannte feministische) Ansätze, die Erklärungen für sexuellen Kindermissbrauch (wie in den USA) in patriarchalen Strukturen der Gesellschaft suchten, in den Vordergrund. Diese Arbeiten waren zwar weit verbreitet, aber auch sie konnten nicht genau erklären, weshalb bestimmte Männer Täter und bestimmte Mädchen Opfer werden. Eine feministische Richtung trägt zudem die Gefahr mit sich, zu einer Einschränkung der Fokussierung empirischer Forschung zu führen[28].

Immer häufiger wird die Auffassung vertreten, dass sexueller Kindermissbrauch ein ,,mehrdimensionales Gebilde und multifaktorielles Phänomen’’ ist. Anlehnend an diese Hypothese wurde mit dem sogenannten Modell der vier Vorbedingungen von Finkelhor (1984) vorgelegt. Darin werden die verschiedenen Risikofaktoren sexuellen Kindermissbrauchs zusammengeführt; es werden ferner sowohl Elemente des gesellschaftlichen und des familiären Bereiches als auch die individuelle Entwicklung auf Täter- und Opferseite berücksichtigt. Dabei sind Motivation von Tätern, ihre Möglichkeiten der Überwindung interner und externer Hemmungen sowie die Entwicklung von Schutz- und Widerstandsfähigkeiten auf Opferseite signifikant[29].

War in den achtziger Jahren noch das Sprechen über sexuellen Missbrauch fast tabulos, so begann in den neunziger Jahren allmählich auch eine kritische Auseinandersetzung mit möglichen Fehlentwicklungen im Bereich der Diagnostik und der therapeutischen Arbeit, die die Realität des sexuellen Kindermissbrauchs verdeckten[30].

Gegenwärtig reagiert die Öffentlichkeit auf elterliche Gewalt gegen Kinder wütend, stark emotional, aber auch ratlos; diese Verhaltensweisen sind gleichzeitig mir Rache- und Vergeltungsgefühlen verknüpft, die Schutz, Sicherheit und Hilfe den gewaltgefährdeten Kindern garantieren sollen. Die Forschung sollte heutzutage ihren Fokus mehr auf die Perspektiven und Sichtweisen der Kinder setzen.

II) Zur Diskussion der Begriffsbestimmungen

1) Definition des Begriffes ,,familiäre Gewalt’’

Familiäre Gewalt ist gegenwärtig aus unserer Gesellschaft nicht wegzudenken. Dafür sorgen allein schon zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen, Berichte und Medienreportagen. In Forschung, Praxis, Politik und sämtlichen Wissenschaften wird immer noch eine Vielfalt von Auseinandersetzungen und professionellen Diskursen geführt, wie das Problem familiärer bzw. ,,häuslicher Gewalt’’[31] am besten in ein Konzept zu fassen und zu beantworten ist. Einigen konnte man sich bis jetzt lediglich darüber, dass praktisch jede Familie (unabhängig von Herkunft, Bildung etc.) ein gewisses Gewaltpotenzial aufweist[32]. Grundsätzlich existiert allerdings weder in den unterschiedlichen Wissenschaften noch in der Praxis oder in unseren Lebensbereichen ein einheitlicher Begriff von familiärer Gewalt oder ihren Unterformen (insbesondere der Kinder- und Frauenmisshandlung). Die Vielfältigkeit des Gewaltbegriffs verhindert Vergleichbarkeit sowie gegenseitige Kontrolle und verursacht Verständigungsschwierigkeiten.

Wozu brauchen dann die Menschen eigentlich eine genaue Definition des Gewaltbegriffs? Die Definition des Gewaltbegriffs ist für die Ermittlung ihrer Häufigkeit, ihrer gesellschaftlichen Verteilung und ihrer Erscheinungsformen sowie für die Analyse ihrer Ursachen und die Ausarbeitung verschiedener Vorbeugungs- und Behandlungsmaßnahmen signifikant[33].

Wie bereits erwähnt, hat der Begriff ,,Gewalt’’ zahlreiche Bedeutungen; man muss ihn als ein vielseitiges und verschiedenartiges Phänomen betrachten, das mehrere Gewaltarten umfasst.

Jede Gewaltart beinhaltet folgende Merkmale:

1. die rohe, gegen Sitte und Recht verstoßende Einwirkung auf Personen (lateinisch: violentia).
2. das Durchsetzungsvermögen in Macht- und Herrschaftsbeziehungen (lateinisch: potestas).

Im Englischen und im Französischen werden diese lateinischen Bezeichnungen zur sprachlichen Unterscheidung gebraucht; im Deutschen werden sie allerdings vereinigt. Dadurch werden die grundlegenden Unterschiede zwischen staatlicher Machtbefugnis bzw. Gewaltherrschaft einerseits und individueller Gewalttätigkeit andererseits verwischt[34].

Grundsätzlich ist die Diskussion über eine geeignete Definition familiärer Gewalt von der jeweiligen Perspektive (d.h. von der Reichweite und Struktur des betrachteten Verhaltens) und der entsprechenden Bestimmungsspannweite abhängig (es gibt, wie bereits erwähnt, enge und weite Definitionen)[35]. Je weiter die Definition von Gewalt gefasst ist, desto mehr werden die präventiven Maßnahmen erschwert. Welche Handlung als gewalttätig definiert wird, hängt ferner vom sozialen Ort des Opfers und/oder des Täters ab[36].

Es sind primär die Grenzbereiche (wie z.B. die Frage, ob eine Ohrfeige gleich zu Misshandlung gezählt werden soll), die Probleme bereiten, und nicht das offensichtliche bzw. zentrale Gewaltverständnis (z.B. wenn Eltern ihr Kind töten). Diese Grenzbereiche können entweder weit ausgedehnt oder eingeengt werden, sodass man sich fragen muss, wo eigentlich die Grenze der Misshandlung liegt und nach welchen Kriterien sie bestimmt wird? Wesentlich bleibt jedoch immer die negative Bewertung der gesundheitlichen Beeinträchtigung und der psychischen sowie sozialen Entfaltungsmöglichkeiten von Kindern[37].

Für die Eingrenzung des Begriffs ,,sexueller Missbrauch’’ ist die Art der sexuellen Handlung signifikant. Es werden meistens nur solche sexuelle Handlungen als Missbrauch bezeichnet, deren Bewertung (unabhängig von jeder individuellen Einschätzung) allgemein geteilt wird. Es muss sich also um sexuelle Übergriffe von einigem Gewicht handeln, einfache Belästigungen wie z.B. das Beobachten beim Baden würden die Grenzen der Definition auseinanderziehen[38].

Die Perspektive der Wissenschaft bzw. der Forschung vertritt eine enge Definition von Gewalt. Sie wird als Verhaltensweise verstanden, die sich von anderen Mitteln, mit denen Menschen Schaden oder Leid zugefügt werden kann, unterscheidet.

Die Definition der humanistischen Perspektive erfasst zahlreiche Schäden, die ein Mensch durch Misshandlung erleben kann. Dabei sind Schäden als Handlungen oder Unterlassungen definiert, die eine Person daran hindern, ihre Entwicklungsfähigkeiten zu verwirklichen.

Die Psychologie befasst sich mit Gewalt im Sinne individuellen oder kollektiven Angriffsverhaltens unter dem Begriff ,,Aggression’’, erklärbar mit psychischen Störungen und Eskalationsprozessen. Darüber hinaus sprechen Psychologen von Gewalt, wenn ein Gegen- stand oder eine Person absichtlich geschädigt oder zerstört wird[39].

Der therapeutische Bereich sieht Gewalt in Familien als interpersonelles Scheitern bzw. als Beziehungsstörung an. Auf therapeutischer (aber auch auf politischer) Ebene fasst man nicht erst die Kindermisshandlung, sondern schon die körperliche Bestrafung, nicht erst die Vergewaltigung, sondern schon sexuelle Belästigung und nicht erst die gesundheitliche Beeinträchtigung, sondern schon die Einsperrung oder Einschüchterung als Gewalt auf[40].

Im Strafrecht führt die Anwendung von Gewalt im Zusammenhang mit verschiedenen Straftaten zu einem höheren Strafmaß, z.B. bei Nötigung, Erpressung, Vergewaltigung und Raub. Gewalt ist Tatbestandsmerkmal einer Straftat und meint zunächst den Einsatz physischer oder psychischer Mittel, die auf das Opfer einen Zwang ausüben. Die Gewalteinwirkung kann den Willen des Opfers völlig ausschalten und einen tatsächlichen oder nur vermuteten Widerstand beseitigen, z.B. wenn der Täter sein Opfer niederschlägt (hierzu zählen auch narkotische Mittel oder Hypnose ohne Wissen und Wollen der Betroffenen). Die Gewalteinwirkung kann aber auch mittelbar zu dem vom Täter gewollten Verhalten führen, wie beispielsweise beim Bedrohen eines Dritten mit einer Waffe (d.h. bei Nötigung oder Erpressung). Im Zivilrecht ist 1976 der Begriff der ,,elterlichen Gewalt’’ durch den der ,,elterlichen Sorge’’ ersetzt worden[41].

Für Juristen aber auch für Mediziner sind weder die Gewalttat noch der Gewalttäter relevant, vielmehr geht es ihnen um die Folgen für die Opfer. Sie widmen sich mehr der Stärke der körperlichen Gewaltanwendung und des Gewalterlebens sowie den psychischen Formen und sozialstrukturellen Bedingungen[42].

Abgesehen von all diesen Betrachtungsweisen bedeutete der Begriff Gewalt ursprünglich die (legitime) Ausübung von Herrschaft über Sachen oder Menschen (z.B. Schlüsselgewalt, die Gewalt des Vaters in der Familie, elterliche oder staatliche Gewalt). Neben den genannten Aspekten wird das Wort Gewalt auch im Sinne von Kraft (,,Naturgewalt’’) und als Metapher (,,Redegewalt’’) gebraucht[43].

Es existieren weit mehr Erklärungen familiärer Gewalt, deren Erläuterung und Ausführung würde jedoch den Rahmen der Arbeit sprengen. Ich möchte mich deshalb im Folgen nur auf die Gebiete der Soziologie und Pädagogik konzentrieren.

Allgemein wird Gewalt als eine Handlung oder ein Verhalten verstanden, die darauf abzielt, einen Menschen, mit dem der Täter in einer ,,auf gegenseitige Sorge und Unterstützung angelegten intimen Gemeinschaft lebt’’, absichtlich körperlich zu verletzen (z.B. durch Schlagen, Stoßen, Würgen usw.) oder gesundheitlich zu schädigen[44]. Zu solchen Gewalthandlungen gehören körperliche Angriffe bzw. Androhung körperlicher Angriffe, Aggression, Missbrauch auf physischer und emotionaler Ebene, sexuelle Übergriffe oder deren Androhung, psychischer Zwang, Vernachlässigung u.a. Als Gewalt werden auch allgemeine soziale Bedingungen angesehen, die zu einer Einschränkung, Schädigung oder Benachteiligung der Entwicklungs- und Handlungsmöglichkeiten des Opfers führen[45]. Johan Galtung bezeichnet dies als strukturelle Gewalt[46]. Unter struktureller Gewalt werden nicht einzelne Gewalttaten, sondern Gewaltverhältnisse verstanden, die Personen oder Gruppen Schaden zufügen. Dabei wird oft kritisiert, dass bei der strukturellen Gewalt die persönliche Verantwortung der Täter beinahe sekundären Charakter einnimmt[47]. Innerhalb der Familie bezeichnet die strukturelle Gewalt nichts anderes als die ungleichen Machtverteilung, Besitzverhältnisse und/oder Lebenschancen der Familienangehörigen bzw. Mitbewohner. Gewalt kann durch eine einzelne Person oder durch eine Gruppe ausgeübt werden; umgekehrt gilt auch, Gewalt kann sowohl gegen einen einzigen Menschen oder eine Gruppe gerichtet sein. Wichtig für die Feststellung von Gewaltaktionen ist, dass, wenn Gewalt angewendet wird, ein Ungleichgewicht der Kräfte vorliegen muss, d.h. die Person, die einer Gewalt ausgesetzt ist, hat in diesem Augenblick Mühe, sich selbst zu verteidigen[48].

Von der strukturellen Gewalt wird als Teilbereich die personelle Gewalt abgegrenzt[49]. Entscheidend dabei ist das sinnliche Wahrnehmen bzw. die Merkmale des Opfers. Gewalt ist also das, was das Opfer als Gewalt versteht, was als körperlich bedrohend erlebt wird. Wichtig sind außerdem die Drohung mit Gewalt, die das menschliche Miteinander herstellt, und nicht die Gewalttat selbst. Personelle Gewalt lässt sich in verschiedene Schweregraden, in die Häufigkeit der Gewalttaten oder in die Erlebnisarten des Opfers bzw. des Täters einteilen[50].

Es gibt zwei Formen der personellen Gewalt gegen Kinder: die körperliche Gewalt durch die Eltern (,,Elterliche körperliche Züchtigung’’ und ,,Elterliche körperliche Misshandlung’’) sowie der außerfamiliäre Missbrauch. Für diese Arbeit ist nur der Erstere relevant. Verlässliche Ergebnisse von körperlicher Gewalt der Eltern gegen die Kinder bietet eine Untersuchung von Peter Wetzels aus dem Jahr 1997. Die Untersuchung erfasst innerfamiliäre Gewalterfahrung in der Kindheit und im Erwachsenenalter sowie Vorkommnisse des sexuellen Missbrauchs. Die Erfahrungen von Kindern mit körperlicher Erziehungsgewalt durch die Eltern unterscheidet Wetzels in ,,körperliche Züchtigung’’ und ,,körperliche Misshandlung’’. Die Grenze dieser beiden Begriffe bilden die Intensität der körperlichen Einwirkung, deren Verletzungsrisiko und die Absichten des Täters. Als ,,elterliche körperliche Züchtigung’’ wird die absichtliche Zufügung physischer Schmerzen verstanden; damit soll das Kind der erzieherischen Kontrolle durch die Eltern unterstellt werden. Die Intensität der einzelnen Handlung muss nicht gleich das Risiko ernsthafter Verletzungen bedeuten. Psychische oder physische Schädigungen des Kindes sind nicht das Ziel der Handlung. Unter der ,,elterlichen körperlichen Misshandlung’’ versteht man die vorsätzliche Zufügung körperlicher Schmerzen, die mit der Absicht oder unter Inkaufnahme der Verursachung physischer Verletzungen oder psychischer Schäden begangen werden[51].

Laut National Academy of Sciences geht es bei der familiären Gewalt primär um Kinder- bzw. Erwachsenenmissbrauch. Bei häuslicher Gewalt handelt es sich zunächst um die Vernachlässigung und Missachtung sowie den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch (in erster Linie männliche) Verwandte und Bekannte der Familie; es geht nicht zuletzt um körperliche Misshandlung und Vergewaltigung von Frauen in der Ehe und um Vernachlässigung oder Misshandlung alter Menschen. Innerhalb einer Familie können sich also Kinder oder Ehepartner untereinander und gegenseitig sowohl physisch als auch emotional Schaden zufügen. Auch diese Definition grenzt den Gewaltbegriff nicht ein, sie lässt sich beispielsweise dadurch erweitern, dass die Betrachtung von Gewalt auf etliche Interaktionen bzw. Beziehungen innerhalb der Familie ausgedehnt wird[52].

Gewalt gegen Kinder ist aus wissenschaftlicher Sicht keine (oder nicht nur) Beobachtungsgröße, sondern eine historische und kulturelle Bewertung. Auch innerhalb der gleichen historischen Epoche einer Gesellschaft kann die Gültigkeit des Gewaltbegriffs wechselnd begrenzt sein. Generell wird der Begriff ,,Gewalt gegen Kinder’’ synonym mit dem Begriff ,,Kindermisshandlung’’ verwendet. Damit sind alle Formen negativer Einwirkungen, Akte und Unterlassungen gemeint, die Kinder betreffen. ,,Kindesmisshandlung ist nicht allein die isolierte, gewaltsame Beeinträchtigung eines Kindes. Die Misshandlung von Kindern umfasst vielmehr die Gesamtheit der Lebensbedingungen, der Handlungen und Unterlassungen, die dazu führen, dass das Recht des Kindes auf Leben, Erziehung und wirkliche Förderung beschnitten wird. Das Defizit zwischen diesen ihren Rechten und der tatsächlichen Lebenssituation macht die Gesamtheit der Kindesmisshandlungen aus.’’[53]

Zur Bearbeitung des Themas ,,Gewalt in Familien’’ ist nicht nur eine Definition des Gewaltbegriffs vonnöten, sondern auch eine genaue Bestimmung des Begriffs ,,Familie’’. Das Statistische Bundesamt der USA definiert Familie als eine aus mindestens zwei Personen bestehende Gruppe, die durch Geburt, Heirat oder Adoption verbunden ist und zusammen lebt. Eine solche Umschreibung grenzt selbstverständlich die Untersuchung bzw. Analyse von Gewalt auf verwandte Personen, die unter einem Dach gemeinsam wohnen, ein. Jedoch wird die Gewalt in vorehelichen Beziehungen oder die Gewalt zwischen getrennt lebenden sowie geschiedenen Paaren, aber auch die Gewalt unter homosexuellen und lesbischen Partnern ausgeklammert[54].

Die Anwendung körperlicher Gewalt lässt sich nicht als eigenständiges Merkmal von Familienproblemen beschreiben. Familien, in denen Konflikte gewaltsam gelöst werden, und Familien, die ihre Konflikte friedlich lösen, unterscheiden sich weder in soziodemographischen Merkmalen noch in Belastungssituationen (z.B. Konflikten) oder in persönlichen Merkmalen von Protagonisten. Vielmehr sieht es so aus, als ob Familien, die viele Probleme haben, häufig auch ein Problem mit Gewaltanwendung verspüren. Gewalthandeln in Familien lässt sich als ,,Extremform eines Normalitätsmusters’’ auffassen oder als eine ,,konformistische Art von abweichendem Verhalten’’[55]. Sack u.a. meinen demgegenüber, dass es sich bei familiärer Gewalt nicht um eine deutliche Form abweichenden Verhaltens handele, auch wenn die Umwandlung in ein kriminelles Vergehen oder die therapeutische Behandlung aufgrund einer Diagnose von Persönlichkeits- oder Beziehungsstörungen dies nahe legte[56].

2) Definition, Ursachen und Folgen von ,,Aggression’’

Aggression und Gewalt haben in der Regel unterschiedliche Bedeutungen, obwohl man sie nur schwierig voneinander trennen kann. Allerdings führen dieselben Risikofaktoren, die aggressives Verhalten hervorrufen, auch zu Gewalthandlungen. Die Aggression ist eine der einfachsten und zugleich abwertenden Verhaltensstrategien des Menschen. Sie kann Schutzfunktionen ausführen und ermöglicht dem Aggressor (trotz der Hindernisse) die Gewährung seiner Bedürfnisse. Dadurch werden die Handlungsmöglichkeiten des rechtswidrig handelnden Täters erweitert und seine Stellung des Stärkeren gesichert. Die Aggression fordert vom Aggressor nichts außer der notwendigen Energie. Primär erscheint die Aggression als eine rein situative Verhaltensform, die unmittelbar durch äußere Verhältnisse und durch die Familie zustande kommt und wird auch dadurch aufrechterhalten. Sie ist ferner immer gegen jemanden oder gegen etwas gerichtet und wirkt zerstörend auf die im Verhältnis zum Aggressor stehenden äußeren Faktoren.

Häufig werden die Begriffe Aggression, aggressives Verhalten und Aggressivität voneinander unterschieden. Aggression drückt starke innere Erregungen und Gefühle aus; das beobachtbare, aggressive Verhalten kann, muss aber nicht auf solchen aggressiven Gefühlen basieren. Aggressivität wird als relativ stabile, psychische Eigenschaft, mit einer erhöhten Bereitschaft zu aggressivem Verhalten, verstanden. Sie kann durch Stress, Frustration erzeugt und gefördert werden. Kinder, die Aggressionen erlebt haben, fühlen sich schnell bedroht und versuchen durch Abwehrhaltungen (z.B. Wutattacken) die Angst zu regulieren. Diese Kinder sind sich der Zuneigung anderer ungewiss oder nehmen Bedrohungen vermehrt wahr[57].

Aggression ist ein Sammel- oder Oberbegriff, unter dem sich sowohl Motive und Affekte als auch konkrete Verhaltensweisen unterordnen lassen. Sie kann verdrängt, also ins Unbewusste abgedrängt werden (wo sie weiter wirksam ist), oder sie kann sich gegen ein Ersatzobjekt richten, an dem die Aggression abreagiert wird[58].

Die Untersuchungen menschlicher Aggression wurden in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts durch die Frustrations-Aggressions-Theorie angeregt. Aufgegriffen wurden diese Experimente durch Lerntheorien von Buss (1961) und Bandura (1973) sowie die Neufassung der Frustrations-Aggressions-Theorie im Sinne emotionaler Aggression durch Berkowitz (1989)[59].

Allgemein ist die Aggression eine feindselige Äußerung, Handlung oder Reaktion sowie Selbstbehauptung gegen andere Personen, gegen sich selbst oder gegen Sachen. Sie äußert sich verbal, in Gestik oder Mimik oder als körperliche Gewalt und hat die Absicht, zu verletzen oder zu zerstören[60]. Aggressive Handlungen sind oft von Erfolg gekrönt – der Aggressor wird also belohnt, so dass seine Taten nach Möglichkeit wiederholt werden. Bei Kindern nimmt die ,,spielerische Aggression’’ in ihren kognitiven und sozialen Entwicklungsprozessen eine wichtige Stellung ein. Denn Kinder brauchen eine gewisse Aggression, um die eigenen Bedürfnisse durchsetzen oder irgendwelche Widerstände beseitigen zu können. Kinder lernen beispielsweise, dass sie durch Aggression den Besitz von Spielzeug oder die Aufmerksamkeit der Eltern erreichen können, oder sie ahmen aggressives Verhalten von anderen nach. Auch die mit der Pubertät beginnende Abgrenzung vom Elternhaus setzt irgendwo eine aggressive Energie voraus[61].

Nach diesen Beispielen ist es sinnvoll, zwischen einer konstruktiven Aggression, die sich als Selbstbehauptung charakterisieren lässt, und einer destruktiven Aggression zu unterscheiden. Letztere fügt Personen oder Sachen Schaden zu, schwächt andere oder versetzt sie in Angst. Die konstruktive Aggression kann angeboren sein, denn bereits kleine Kinder versuchen sich durch ,,sensomotorische’’ Aktivitäten gegenüber der Außenwelt zu behaupten. Die destruktive Aggression ist von Erfahrungen abhängig. Sie äußert sich als Reaktion auf Unlust- und Frustrationserlebnisse mittels heftiger Erregungen (Wut, Hass, Feindseligkeit)[62].

Ferner unterscheidet man noch zwischen der expressiven und instrumentellen Aggression. Expressive Aggression wird durch starke Emotionen und/oder Erregungen hervorgerufen bzw. von diesen begleitet; sie hat als Ziel, Spannung und Angst herabzusetzen oder starke Reize abzuwehren. Diese Aggression erscheint als Ausdruck eines Kontrollverlustes. Instrumentelle Aggression wird als Strategie eingesetzt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen bzw. um ein Problem zu lösen[63].

In der Literatur wird meistens zwischen drei bzw. fünf aggressiven Reaktionsweisen unterschieden: 1) direkte, physische Aggression 2) indirekte, verbale Aggression; 3) Rückzug[64] oder 1) offen gezeigte gegen verdeckte (hinterhältige) Aggression; 2) körperliche gegen verbale Aggression; 3) aktiv-ausübende gegen passiv-erfahrene Aggression; 4) direkte gegen indirekte Aggression; 5) nach außen gewandte gegen nach innen gewandte Aggression[65].

Negativ erlernte bzw. angeeignete Erfahrungen sind wichtige Faktoren, die aggressives Verhalten beim Menschen verursachen können (beispielsweise eine persönliche Beleidigung, eine Gefährdung der sozialen Stellung oder eine Bedrohung durch Waffen können aggressives Verhalten auslösen). Eine solche alarmierende Situation führt möglicherweise zu einer stark emotional geprägten Reaktion, die man als Affekt bezeichnet. Eine Affektsituation geht mit körperlichen Merkmalen wie gesteigerter Herzschlagfrequenz einher und kann eine unkontrollierte aggressive Handlung zur Folge haben. Auch schwere Kopfverletzungen, die den Betroffenen geistig beeinträchtigen, können aggressives Verhalten hervorrufen[66].

Individuelle Merkmale zeigen oft, dass Menschen, die sich enorm unruhig verhalten, weniger aggressiv wirken als Individuen, die stets gelassen sind. Das liegt daran, dass die ersten von anderen Menschen in der Regel eine Missbilligung ihnen gegenüber befürchten. Ferner gibt es folgende Gesetzmäßigkeit: je öfter Menschen Schuldgefühle bei menschlichen Interaktionen haben, desto stärker sind sie für aggressives Verhalten empfindlich.

In der Psychoanalyse ist für die Aggression eine einheitliche Antriebsquelle verantwortlich. Sigmund Freud sah die Aggression als einen Trieb an; und für Alfred Adler drückte sich durch Aggression der Machtwille aus. Eine gegen die eigene Person gerichtete Form der Aggression ist die Autoaggression, die in ihrer extremen Form zum Suizid führen kann. Psychologen deuten Autoaggression als eine ursprünglich gegen die Umwelt gerichtete Aggression, die sich (oft verursacht durch eine seelische Störung) gegen die eigene Person richtet[67].

Welchen Einfluss die Massenmedien und insbesondere das Fernsehen auf aggressives Verhalten haben, ist nicht genau geklärt, aber manchen Forschungsergebnissen zufolge neigen Kinder, die z.B. Gewalt im Film gesehen haben, anschließend selbst zur Aggression. Hierbei könnte sich natürlich die Frage stellen, inwieweit man die Medien dafür verantwortlich machen kann. Sicher ist, dass diejenigen Kinder weniger mit Gewalt zu tun haben, die von ihren Eltern diesbezüglich bewusst und streng erzogen werden. Generell kann man nicht sagen, dass alle Kinder, die oft mit Medienangeboten in Berührung kommen, aggressiv reagieren; daraus folgt, dass nicht den Medien allein die Schuld zugeschrieben werden sollte, sondern dass diesbezüglich auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen können[68].

Die Verarbeitung der Aggression kann unterschiedlich erfolgen, entweder durch innere oder äußere Verhaltensweisen. Bei inneren Formen ist die eigene Person Objekt der emotionalen, psychischen und/oder physischen Schädigung. Sie kann die eigene Weiterentwicklung stark behindern. Bei äußerem Verhalten kann das Objekt der Schädigung sowohl die eigene Person als auch fremde Personen oder Gegenstände sein. Diese Schädigung wenden meistens Eltern gegen ihre Kinder an, sie kann sich in physischer, psychischer, verbaler, sozialer und/oder sexueller Form äußern[69].

3) Definition des Begriffes ,,Prävention’’

Allgemein versteht man unter Prävention Vorbeugung, Verhütung oder Früherkennung von Krankheiten (im Gesundheitswesen) sowie Abwendung von strafbaren Handlungen (in der Kriminalistik oder im Rechtswesen). In der Medizin wird oft zwischen der primären Prävention (frühzeitige Ausschaltung schädlicher Faktoren) und sekundären Prävention (frühzeitige Behandlung einer Erkrankung) unterschieden. In den Sozialwissenschaften unterscheidet man jedoch zwischen primären, sekundären und tertiären Prävention. Die Ausweitung des Präventionsbegriffs wurde oft kritisiert. Es ist jedoch bei Gewaltproblemen nicht möglich, sie stets eindeutig von anderen Vorbeugungsmöglichkeiten zu unterscheiden. Weil es bei vielen Maßnahmen nicht um Vorbeugung im eigentlichen Sinne geht, sondern bereits bestehende Probleme kontrolliert oder beseitigt (d.h. interveniert) werden sollen, besteht dadurch eine große begriffliche Unschärfe[70]. In der Regel werden jedoch Interventionsmaßnahmen erst dann eingesetzt, wenn die Prävention bei der Vorbeugung von Gewalt keinen Erfolg hatte.

Ausschlaggebend für die Wahl der entsprechenden Präventionsart sind Ziele bzw. die zu erwartenden Wirkungen, die eingesetzten Maßnahmen sowie der Zeitpunkt und die Zielgruppen. Mit der primären Prävention verfolgt man das Ziel einer Herabsetzung des Auftretens von neuen Gewaltfällen; gewaltfördernde Vorbilder und Lernprozesse sollen abgebaut und die Familie in soziale Interaktionen integriert werden. Die sekundäre Prävention lehrt die Familien, wie man Konflikte gewaltfrei lösen kann, sie versucht die Gewalttat so schnell wie möglich zu erkennen und zu beenden sowie deren negative Folgen möglichst zu minimieren. Die tertiäre Prävention ist dafür zuständig, die Langzeitfolgen einer Gewalttat zu verringern und die Betroffenen in deren Bewältigung zu unterstützen. Alle diese Präventionsformen werden sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen angewendet. Zudem sind präventive Maßnahmen zu unterscheiden bezüglich ihrer Ansatzpunkte einerseits auf der strukturellen Ebene (indem z.B. die gesellschaftlichen Strukturen verändert werden), andererseits auf der personellen Ebene (d.h. bei Personengruppen, die von einer Gewalttat betroffen sind bzw. davon betroffen werden können oder mit Betroffenen in Kontakt stehen bzw. in Zukunft stehen können)[71]. Wer es sich vornimmt, Gewalt zu minimieren, zu verhindern oder einzudämmen, muss zuerst die Ursachen von Gewalt herausfinden.

Erst danach ist es möglich, Maßnahmen für eine wirksame Prävention auszuarbeiten. Die Prävention muss daher ihre Aufmerksamkeit auf alle Gewaltarten richten, nicht nur auf die physischen Merkmale, sondern genauso auf die Vorformen von Gewalt, wie zum Beispiel den härteren Umgang von Kindern und Jugendlichen untereinander oder das Schwinden von Respekt und Vertrauen Erwachsenen gegenüber. Sekundär- oder tertiär-präventive Maßnahmen können genauso primär-präventive Wirkungen ausstrahlen (z.B. wenn die Hilfe für eine missbrauchte Frau zur Verhinderung seelischer Störungen bei ihrem Kind beiträgt). Sinnvoll ist es jedoch immer zunächst, die primäre Prävention anzuwenden, die anderen Ebenen sollten aber nicht vergessen werden[72].

Der Begriff der Prävention hat aber nicht nur verschiedene Bedeutungen, sondern es liegen den einzelnen Ansätzen auch sehr unterschiedliche Menschenbilder und Konzepte vor (manche setzen an längerfristigen Prozessen an, andere an aktuellen Situationsbedingungen; dritte legen den Schwerpunkt in den Bereich der formellen oder informellen (z.B. Familie) Kontrolle)[73].

Träger von Präventions- und Interventionsaktivitäten sind Schulen, schulpsychologische Dienste, Schulbehörden, Beratungsstellen, stationäre und ambulante Einrichtungen für Kinder, Jugendämter, Gewerkschaften, Kirchengemeinden, politische Vertreter, Polizei, Selbsthilfegruppen u. v. m. Prävention ist also nichts anderes als eine Verknüpfung zwischen analytischer Forschung und vorbeugender Arbeit.

[...]


[1] Zigler, Edward; Hall, Nancy W.: Physical child abuse in America: past, present, and future, S.38-75, in: Cicchetti, Dante; Carlson, Vicki (Hg.): Child maltreatment. Theory and research on the causes and consequences of child abuse and neglect, Cambridge u.a. 1989, S.43.

[2] Thyen, Ute: Kindesmisshandlung und -vernachlässigung. Prävention und therapeutische Intervention, Lübeck 1987, (Themen der Kinderheilkunde 4.), S.15-19.

Zum Thema ,,Kinderschutzbund’’ siehe Wilken, Walter: Zwischen Philanthropie und Sozialpolitik – Zur Geschichte des Deutschen Kinderschutzbundes, S.97-124, in: Brinkmann, Wilhelm; Honig, Michael-Sebastian (Hg.): Kinderschutz als sozialpolitische Praxis. Hilfe, Schutz und Kontrolle, München 1984, S.100.

[3] Kindermisshandlung war im 20. Jahrhundert stets ein Element der sozialen Frage, in: Gelles, Richard J.: Gewalt in der Familie, S.1043-1077, in: Heitmeyer, Wilhelm; Hagan, John (Hg.): Internationales Handbuch der Gewaltforschung, 1. Auflage, Wiesbaden 2002, S.1043.

[4] Kempe, Ruth S.; Kempe, Henry C.: Kindesmisshandlung, 1. Auflage, Stuttgart 1980, S.15 f.

[5] Müller, Ursula; Schröttle, Monika (2004): Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Eine repräsentative Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland. - Zusammenfassung zentraler Studienergebnisse - , S.10, in: http//:www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Studie-Gewalt-gegen-Frauen,property=pdf,bereich=,rwb=true.pdf (eingesehen am: 15.08.2007).

[6] Sutterlüty, Ferdinand: Gewaltkarrieren. Jugendliche im Kreislauf von Gewalt und Missachtung, Frankfurt am Main, New York 2002, (Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie, Band 2.), S.103 ff., 146 f.

[7] Wilmers, Nicola u.a.: Jugendliche in Deutschland zur Jahrtausendwende: Gefährlich oder gefährdet? Ergebnisse wiederholter, repräsentativer Dunkelfelduntersuchungen zu Gewalt und Kriminalität im Leben junger Menschen 1998-2000, 1. Auflage, Hannover 2002, (Interdisziplinäre Beiträge zur kriminologischen Forschung, Band 23.), S.72 f.

[8] Sutterlüty, a.a.O., S.109 f.

[9] Ratzke, Kathrin; Cierpka, Manfred: Der familiäre Kontext von Kindern, die aggressive Verhaltensweisen zeigen, S.25-60, in: Cierpka, Manfred (Hg.): Kinder mit aggressivem Verhalten. Ein Praxismanual für Schulen, Kindergärten und Beratungsstellen, Göttingen u.a. 1999, S.26-29.

[10] Akindejoye, Angelika; Merkel, Horst: Arbeitsfeld: Erziehung und Altenpflege, S.57-64, in: ,,Gewalt in der Familie’’. Gewalt gegen Kinder, Gewalt gegen ältere Menschen, Hannover, Regensburg 2000, (Dokumentation der bundesweiten Fachtagung am 6. Oktober 1999 in Hannover), S.58 f.

[11] Büttner, Christian: Gewalt in der Familie, S.113-123, in: Heitmeyer, Wilhelm; Möller, Kurt; Sünker, Heinz (Hg.): Jugend – Staat – Gewalt. Politische Sozialisation von Jugendlichen, Jugendpolitik und politische Bildung, 2. Auflage, Weinheim, München 1992, S.113.

[12] von Trotha, Trutz: Zur Soziologie der Gewalt, S.9-56, in: von Trotha, Trutz (Hg.): Soziologie der Gewalt, Wiesbaden 1997, (Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 37/1997), S.20.

[13] Godenzi, Alberto: Gewalt im sozialen Nahraum, 2. Auflage, Basel, Frankfurt am Main 1994, S.21 f.

Vgl. dazu Heynen, Susanne: Vergewaltigt. Die Bedeutung subjektiver Theorien für Bewältigungsprozesse nach einer Vergewaltigung, Weinheim, München 2000, S.11 f., 15, 34 f.

[14] Laut Engfer sind die Übergänge zwischen häufigen Strafen, Schlägen und Misshandlungen fließend und schlecht bestimmbar. Ich teile zwar die Meinung von Engfer, aber mir scheint es trotzdem wichtig zu sein, dass die Begriffe der ,,sexuellen Kindermisshandlung’’ und der ,,Gewalt gegen Kinder’’ getrennt betrachtet werden, weil ich mich in dieser Arbeit primär auf die sexuelle Misshandlung gegen Kinder konzentrieren möchte.

Engfer, Anette: Formen der Misshandlung von Kindern – Definitionen, Häufigkeiten, Erklärungsansätze, S.3-19, in: Egle, Ulrich Tiber; Hoffmann, Sven Olaf; Joraschky, Peter (Hg.): Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung. Erkennung, Therapie und Prävention der Folgen früher Stresserfahrungen, 3. Auflage, Stuttgart 2005, S.3 f.

Vgl. dazu Julius, Henri; Boehme, Ulfert: Sexueller Missbrauch an Jungen. Eine kritische Analyse des Forschungsstandes, Oldenburg 1994, S.30.

[15] Rodewald, Giesela; Forch, Roseline: Frauen zwischen Erziehung und Pflegeleistung in der Familie, S.45-48, in: ,,Gewalt in der Familie’’. Gewalt gegen Kinder, Gewalt gegen ältere Menschen, Hannover, Regensburg 2000, (Dokumentation der bundesweiten Fachtagung am 6. Oktober 1999 in Hannover), S.45 f.

[16] Heitmeyer, Wilhelm; Hagan, John: Gewalt. Zu den Schwierigkeiten einer systematischen internationalen Bestandsaufnahme, S.15-25, in: Heitmeyer, Wilhelm; Hagan, John (Hg.): Internationales Handbuch der Gewaltforschung, 1. Auflage, Wiesbaden 2002, S.15-20.

[17] Engfer, Anette: Kindesmisshandlung. Ursachen, Auswirkungen, Hilfen, Stuttgart 1986, (Klinische Psychologie und Psychopathologie, Band 39.), S.VI f.

[18] Honig, Michael-Sebastian: Verhäuslichte Gewalt. Sozialer Konflikt, wissenschaftliche Konstrukte, Alltagswissen, Handlungssituationen. Eine Explorativstudie über Gewalthandeln von Familien, 1. Auflage, Frankfurt am Main 1986, S.33-38, 291 ff.

[19] In früheren amerikanischen wissenschaftlichen Zeitungen, die sich mit Kindern und Jugendlichen beschäftigten, gab es noch am Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts kaum Aufsätze über familiäre Gewalt gegen Kinder, teilweise deshalb, weil die Familie als privater Lebensbereich betrachtet wurde. Alles, was in den Familien vorging, betraf lediglich die Familienmitglieder. Erst ab 1969 kam es zu einer Publikationsflut. Mittlerweile existieren zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema ,,Gewalt in der Familie’’ sowie ,,Gewalt gegen Frauen oder Kinder’’. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand am Anfang die körperliche Gewalt, Kindermissbrauch wurde erst sehr viel später zum beliebten Diskussionsthema, in: Kempe; Kempe, Kindesmisshandlung, 1980, S.14.

[20] Honig, Michael-Sebastian: Verhäuslichte Gewalt. Sozialer Konflikt, wissenschaftliche Konstrukte, Alltagswissen, Handlungssituationen. Eine Explorativstudie über Gewalthandeln von Familien. Mit einem Nachwort zur Taschenbuchausgabe 1992: Sexuelle Ausbeutung von Kindern, 1. Auflage, Frankfurt am Main 1992, S.31 ff.

[21] Möbes, Hartwig: Grußwort, S.13-17, in: ,,Gewalt in der Familie’’. Gewalt gegen Kinder, Gewalt gegen ältere Menschen, Hannover, Regensburg 2000, (Dokumentation der bundesweiten Fachtagung am 6. Oktober 1999 in Hannover), S.14.

[22] Bast, Heinrich: Zur Lage der Kinder in der Bundesrepublik Deutschland, S.45-98, in: Bast, Heinrich u.a. (Hg.): Gewalt gegen Kinder. Kindesmisshandlungen und ihre Ursachen, 1. Auflage, Hamburg 1975, (Arbeitsgruppe Kinderschutz), S.46 ff.

[23] Engfer, Kindesmisshandlung, 1986, S.18-23.

[24] Rush, Florence: Das bestgehütete Geheimnis: Sexueller Kindesmissbrauch, 1. Auflage, Berlin 1980, S.20 ff.

Jungen als Opfer sexuellen Missbrauchs sowie Frauen als Täterinnen wurden erst viel später thematisiert.

Speziell zum Thema ,,sexueller Missbrauch an Jungen’’ siehe Elliott, Michele: Was Überlebende uns berichten – ein Überblick, S.42-56, in: Elliott, Michele (Hg.): Frauen als Täterinnen. Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen, 1. Auflage, Ruhnmark 1995, S.42 ff.

[25] Engfer, Misshandlung, Vernachlässigung und Missbrauch von Kindern, 2002, S.800 f.

[26] Brockhaus, Ulrike; Kolshorn, Maren: Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen. Mythen, Fakten, Theorien, Frankfurt am Main 1993, S.35 ff.

Mittlerweile gibt es eine extreme Zunahme der wissenschaftlichen Veröffentlichung zum Thema des ,,sexuellen Kindermissbrauchs’’; die Anzahl der jährlich registrierten Veröffentlichungen z.B. von 1987 bis 1995 in der Datenbank ,,Psyndex’’ stieg um das 7,5fache, in: Wipplinger, Rudolf; Amann, Gabriele: Sexueller Missbrauch: Begriffe und Definitionen, S.17-43, in: Amann, Gabriele; Wipplinger, Rudolf (Hg.): Sexueller Missbrauch. Überblick zu Forschung, Beratung und Therapie. Ein Handbuch, 3. Auflage, Tübingen 2005, S.13 f.

[27] Gegenwärtig sind die Medien überfüllt mit spektakulären Gerichtsverfahren, Spielfilmen, Gerichts- oder Talkshows. Im Zeitraum 1990-1994 betrafen in der Tagespresse 53% der Artikel ausschließlich den sexuellen Missbrauch, in: Amann, Gabriele; Wipplinger, Rudolf: Sexueller Missbrauch in den Medien, S.863-885, in: Amann, Gabriele; Wipplinger, Rudolf (Hg.): Sexueller Missbrauch. Überblick zu Forschung, Beratung und Therapie. Ein Handbuch, 3. Auflage, Tübingen 2005, S.863 f., 869.

Speziell zum Thema ,,Frauenbewegungen’’ siehe Gardiner-Sirtl, Angelika: Als Kind missbraucht. Frauen brechen das Schweigen, 3. Auflage, München 1983, S.21.

[28] Bange, Dirk: Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen, S.31-54, in: Marquardt-Mau, Brundhilde (Hg.): Schulische Prävention gegen sexuelle Misshandlung. Grundlagen, Rahmenbedingungen, Bausteine und Modelle, Weinheim, München 1995, S.44 ff.

Zum Problem der potentiellen Einschränkung der Forschung siehe Mullen, Paul E.: Der Einfluss von sexuellem Kindermissbrauch auf die soziale, interpersonelle und sexuelle Funktion im Leben des Erwachsenen und seine Bedeutung in der Entstehung psychischer Probleme, S.301-314, in: Amann, Gabriele; Wipplinger, Rudolf (Hg.): Sexueller Missbrauch. Überblick zu Forschung, Beratung und Therapie. Ein Handbuch, 3. Auflage, Tübingen 2005, S.302 f.

[29] Finkelhor, David: Child Sexual Abuse. New Theory and Research, New York 1984, S.53 f.

Anknüpfend an Finkelhors Modell wurde von Brockhaus und Kolshorn ein Drei-Perspektiven-Modell sexueller Gewalt gegen Kinder vorgeschlagen, welches stärker feministisch orientiert ist. Man unterscheidet dabei ,,Tat begünstigende und erschwerende Faktoren auf Täterseite, Widerstand begünstigende und erschwerende Umstände auf Opferseite sowie Taten verhindernde und begünstigende Elemente’’ auf seiten des sozialen Umfeldes. Auf allen diesen Ebenen werden die traditionellen gesellschaftlichen Normen und Werte als zentral festgelegt, in: Brockhaus, Ulrike; Kolshorn, Maren: Die Ursachen sexueller Gewalt, S.97-113, in: Amann, Gabriele; Wipplinger, Rudolf (Hg.): Sexueller Missbrauch. Überblick zu Forschung, Beratung und Therapie. Ein Handbuch, 3. Auflage, Tübingen 2005, S.104 f.

[30] Volbert, Renate: Sexuelles Verhalten von Kindern: Normale Entwicklung oder Indikator für sexuellen Missbrauch?, S.449-465, in: Amann, Gabriele; Wipplinger, Rudolf (Hg.): Sexueller Missbrauch. Überblick zu Forschung, Beratung und Therapie. Ein Handbuch, 3. Auflage, Tübingen 2005, S.461 f.

[31] Der Begriff ,,häusliche Gewalt’’ ist eine Übersetzung aus dem Angloamerikanischen; es bedeutet ,,domestic violence’’ und meint nichts anderes als familiäre Gewalt, in: Löbmann, Rebecca; Herbers, Karin: Neue Wege gegen häusliche Gewalt. Pro-aktive Beratungsstellen in Niedersachsen und ihre Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz, 1. Auflage, Baden-Baden 2005, (Interdisziplinäre Beiträge zur kriminologischen Forschung, Band 28.), S.22.

[32] Gelles, Gewalt in der Familie, 2002, S.1043.

[33] Schneider, Ursula: Gewalt in der Familie, S.503-573, in: Schwind, Hans-Dieter; Baumann, Jürgen u.a. (Hg.): Ursachen, Prävention und Kontrolle von Gewalt. Analysen und Vorschläge der Unabhängigen Regierungskommission zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt (Gewaltkommission). Sondergutachten (Auslandsgutachten und Inlandsgutachten), Band III., Berlin 1990, S.506 f.

[34] Brockhaus. Die Enzyklopädie, Band 8., 20. Auflage, Leipzig, Mannheim 1998, S.489-494.

[35] Wetzels, Peter: Gewalterfahrungen in der Kindheit. Sexueller Missbrauch, körperliche Misshandlung und deren langfristigen Konsequenzen, 1. Auflage, Baden-Baden 1997, (Interdisziplinäre Beiträge zur kriminologischen Forschung, Band 8.), S.73.

[36] Godenzi, a.a.O.,S.34 ff.

[37] Wetzels, a.a.O., S.56 f.

[38] Ernst, Cecile: Zu den Problemen der epidemiologischen Erforschung des sexuellen Missbrauchs, S.60-80, in: Amann, Gabriele; Wipplinger, Rudolf (Hg.): Sexueller Missbrauch. Überblick zu Forschung, Beratung und Therapie. Ein Handbuch, 3. Auflage, Tübingen 2005, S.64 ff.

Auch Stalking gehört mittlerweile zur Gewalt. Der Begriff ,,Stalking’’ kommt aus dem Amerikanischen und bezeichnet psychische Gewalt in Form von Belästigung und Terror, wie z.B. ständige und/oder nächtliche Anrufe, Drohbriefe, Verfolgung am Arbeitsplatz und zu Hause etc., in: Löbmann; Herbers, a.a.O., S.23, 31.

[39] Lösel, Friedrich u.a.: Ursachen, Prävention und Kontrolle von Gewalt aus psychologischer Sicht. (Gutachten der Unterkommission I.), S.1-156, in: Schwind, Hans-Dieter; Baumann, Jürgen u.a. (Hg.): Ursachen, Prävention und Kontrolle von Gewalt. Analysen und Vorschläge der Unabhängigen Regierungskommission zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt (Gewaltkommission). (Erstgutachten der Unterkommission), Band II., Berlin 1990, S.8-11.

[40] Honig, Michael-Sebastian: Gewalt in der Familie, S.343-361, in: Schwind, Hans-Dieter; Baumann, Jürgen u.a. (Hg.): Ursachen, Prävention und Kontrolle von Gewalt. Analysen und Vorschläge der Unabhängigen Regierungskommission zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt (Gewaltkommission). Sondergutachten (Auslandsgutachten und Inlandsgutachten), Band III., Berlin 1990, S.347.

Die politische Dimension definiert außerdem das besagte Verhalten im Hinblick auf den Einsatz für die Opfer oder auf politische Ziele hin, in: Etzioni, Amitai: Violence, S.709-741, in: Merton, Robert K.; Nisbet, Robert (Hg.): Contemporary Social Problems, 3. Auflage, New York u.a. 1971, S.712 ff.

[41] Grahl, Marianne: Gewalt gegen Frauen und sexuelle Gewalt gegen Kinder. Ratgeber für eine parteiliche Interessenvertretung gegenüber Polizei und Justiz, Münster 1994, (Soziale Praxis, Heft 16., herausgegeben vom Institut für soziale Arbeit e.V.), S.55.

Am 18.07.1979 wurde das Recht der elterlichen Sorge nochmal verändert und auf den heutigen Stand gebracht, in: Stenzel, Andreas (1995): Das Kind als Anwalt für sich selbst – Utopie und Realität. Utopien und Einstellungen zur rechtlichen Einstellung von Minderjährigen und die reale Situation in der Bundesrepublik, Berlin 1995, (Diplomarbeit), siehe Kapitel 6.4.5 ,,Die elterliche Sorge im BGB’’, in: http://home.foni.net/~astenzel/Diplom/Kapitel6.html (eingesehen am: 17.10.2007).

[42] Honig, Gewalt in der Familie, 1990, S.347.

[43] Imbusch, Peter: Der Gewaltbegriff, S.26-57, in: Heitmeyer, Wilhelm; Hagan, John (Hg.): Internationales Handbuch der Gewaltforschung, 1. Auflage, Wiesbaden 2002, S.26 ff.

Siehe auch Brockhaus. Die Enzyklopädie, Band 8., a.a.O., S.489-494.

[44] Neubauer, Erika; Steinbrecher, Ute; Drescher-Aldendorff, Susanne: Gewalt gegen Frauen: Ursachen und Interventionsmöglichkeiten, Stuttgart u.a. 1987, (Schriftreihe des Bundesministers für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit, Band 212.), S. 12 f.

[45] Wittenhagen, Uwe; Wolff, Reinhart: Kindesmisshandlung – Kinderschutz. Ein Überblick, Bonn 1980, (Broschüre herausgegeben vom Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit), S.5 f.

[46] Nach Galtung liegt Gewalt dann vor, ,,[…] wenn Menschen so beeinflusst werden, dass ihre aktuelle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potenzielle Verwirklichung […] Gewalt ist das, was den Abstand zwischen dem Potenziellen und dem Aktuellen vergrößert oder die Verringerung dieses Abstandes erschwert.’’, in: Galtung, Johan: Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung, Reinbek 1975, S.9.

1986 kritisierte Friedhelm Neidhardt Galtungs Begriffe der psychischen und strukturellen Gewalt und warnte vor einer ,,Versozialstaatlichung’’, ,,Entgrenzung’’, und ,,Vergeistigung’’ des Gewaltbegriffs, in: Sutterlüty, a.a.O., S.16.

[47] Lehner-Hartmann, Andrea: Wider das Schweigen und Vergessen. Gewalt in der Familie: Sozialwissenschaftliche Erkenntnisse und praktisch-theologische Reflexionen, Innsbruck, Wien 2002, S.10 ff.

[48] Dettenborn, Harry; Lautsch, Erwin: Aggression in der Schule aus der Schülerperspektive, S.745-774, in: Zeitschrift für Pädagogik, 39 (1993), S.768.

[49] Bergdoll, Karin; Namgalies-Treichler, Christel: Frauenhaus im ländlichen Raum, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1987, (Schriftreihe des Bundesministers für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit, Band 198.), S.14.

[50] Gelles, Richard; Strauss, Murray A.: Determinants of Violence in the Family: Toward a Theoretical Integration, S.549-581, in: Burr, Weslay R u.a. (Hg.): Contemporary Theories about the Family. Research-Based Theories, Volume I., New York, London 1979, S.554.

[51] Wetzels’ Ergebnissen zufolge gaben 74,9% der Befragten an, in ihrer Kindheit elterliche Gewalt erfahren zu haben, darunter sind 10,6%, die Opfer elterlicher Misshandlung wurden, 38,4% wurden körperlich gezüchtigt, in: Wetzels, a.a.O., S.69 f., 146.

[52] Gelles, Gewalt in der Familie, S.1044 f.

[53] Engfer, Kindesmisshandlung, 1986, S.2.

[54] Gelles, Gewalt in der Familie, 2002, S.1044 ff.

[55] Gewalt als ,,Extremform eines Normalitätsmusters’’, in: Steele, Brandt F.; Pollock, Carl B.: Eine psychiatrische Untersuchung von Eltern, die Säuglinge und Kleinkinder misshandelt haben, S.161-243, in: Helfer, Ray E.; Kempe, Henry C. (Hg.): Das geschlagene Kind, 1. Auflage, Frankfurt am Main 1978, S.163.

Gewalt als ,,konformistische Art von abweichendem Verhalten’’, in: Wolff, Reinhart: Kindesmisshandlung als ethnopsychische Störung, S.69-80, in: Bernecker, Angela; Merten, Wolfgang; Wolff, Reinhart (Hg.): Ohnmächtige Gewalt. Kindesmisshandlung: Folgen der Gewalt - Erfahrungen und Hilfe, Hamburg 1982, S.73.

[56] Sack, F. u.a.: Gewalt in der Familie. Kurzfassung des Forschungsberichts, 1985 Hannover, (Das Projekt wurde vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen – Leitstelle Frauenpolitik – in Auftrag gegeben und finanziert. Es wurde mit Unterstützung des Sozial-Dezernats der Stadt Köln in den 1980/1982 durchgeführt), S.22 ff.

[57] Kohnstamm, Rita: Praktische Kinderpsychologie. Eine Einführung für Eltern, Erzieher und Lehrer. Mit einer Einleitung von Hans Aebli, 1. Auflage, Bern u.a. 1984, S.100 ff.

[58] Ratzke, Kathrin: Gewalt, Aggressivität und Aggressionen, S.15-23, in: Cierpka, Manfred (Hg.): Kinder mit aggressivem Verhalten. Ein Praxismanual für Schulen, Kindergärten und Beratungsstellen, Göttingen u.a. 1999, S.18.

[59] Es existieren weit mehr Theorien, die versuchen, aggressives Verhalten zu definieren, deren Ausweitung aber kein Bestandteil dieser Arbeit ist. Ich werde lediglich versuchen, den Begriff der Aggression schärfer zu umschreiben.

Tedeschi, James T.: Die Sozialpsychologie von Aggression und Gewalt, S.573-597, in: Heitmeyer, Wilhelm; Hagan, John (Hg.): Internationales Handbuch der Gewaltforschung, 1. Auflage, Wiesbaden 2002, S.573 f.

[60] Zimbardo, Philip G.: Psychologie, 6. Auflage, Berlin, Heidelberg, New York 1995, S.425.

[61] Von Jungen wird eher ein aggressives Verhalten erwartet als von Mädchen, in: Hagemann-White, Carol: Sozialisation: Weiblich-männlich, Opladen 1984, (Alltag und Biografie von Mädchen, Band 1. / Herausgegeben von der Sachverständigenkommission Sechster Jugendbericht, Krüger, Helga u.a.), S.82 f.

[62] Dittrich, Gisela u.a.: Konfliktgewalt. Konflikt, Aggression, Gewalt in der Welt von Kindern unter dem Blick der Wissenschaft. Ein Literaturbericht, München 1996, (Herausgegeben vom Deutschen Jugendinstitut DJI zum Projekt ,,Konfliktverhalten von Kindern in Kindertagesstätten’’, 2/96), S.37-42.

[63] Nolting, Hans-Peter: Lernschritte zur Gewaltlosigkeit. Ergebnisse psychologischer Friedensforschung. Wie kollektive Gewalt entsteht – was man dagegen tun kann, Reinbek 1981, S.45 ff.

[64] Ratzke, Gewalt, Aggressivität und Aggressionen, 1999, S.17.

[65] Petermann, Franz; Petermann, Ulrike: Training mit aggressiven Kindern. Einzeltraining, Kindergruppe, Elternberatung, 7. Auflage, Weinheim 1994, (Materialien für die psychosoziale Praxis), S.4 f.

[66] Schulte-Markwort, Michael: Gewalt ist geil. Mit aggressiven Kindern und Jugendlichen umgehen, Stuttgart 1994, S.138 ff.

[67] Nolting, a.a.O., S.41-44.

[68] Kunczik, Michael: Wirkungen von Gewaltdarstellungen – Zum aktuellen Stand der Diskussion, S.29-53, in: Kofler, Georg; Graf, Gerhard (Hg.): Sündenbock Fernsehen? Aktuelle Befunde zur Fernsehnutzung von Jugendlichen, zur Wirkung von Gewaltdarstellungen im Fernsehen und zur Jugendkriminalität, Berlin 1995, S.43.

[69] Hurrelmann, Klaus; Palentien, Christian: Gewalt in der Familie, Schule und Freizeit – Ursachen, Hintergründe und Motive, S.145-169, in: Kofler, Georg; Graf, Gerhard (Hg.): Sündenbock Fernsehen? Aktuelle Befunde zur Fernsehnutzung von Jugendlichen, zur Wirkung von Gewaltdarstellungen im Fernsehen und zur Jugendkriminalität, Berlin 1995, S.147.

[70] Lösel u.a., Ursachen, Prävention und Kontrolle, 1990, S.23.

Intervention ist ein psychologisches oder psychotherapeutisches Eingreifen, das versucht das Entstehen oder Andauern psychischer Störungen zu verhindern bzw. abzubauen. Im Zivilrecht wird sie als Beteiligung Dritter, die nicht Partei sind, am Rechtsstreit verstanden. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen der Haupt- und Nebenintervention. Hauptintervention ist eine Klage, mit der jemand einen Gegenstand für sich in Anspruch nimmt, über den zwei Parteien bereits verhandeln. Nebenintervention bedeutet Streithilfe für eine Partei, d.h. wenn jemand an ihrem Erfolg ein rechtliches Interesse hat, in: Brockhaus. Die Enzyklopädie, Band 10., 20. Auflage, Leipzig, Mannheim 1998, S.623 f.

[71] Man kann noch detaillierter zwischen einer spezifischen, unspezifischen, proaktiven, retroaktiven, kurzfristigen und langfristigen Prävention unterscheiden, siehe dazu Amann, Gabrielle; Wipplinger, Rudolf: Prävention von sexuellem Missbrauch – Ein Überblick, S.753-756, in: Amann, Gabriele; Wipplinger, Rudolf (Hg.): Sexueller Missbrauch. Überblick zu Forschung, Beratung und Therapie. Ein Handbuch, 3. Auflage, Tübingen 2005, S.735.

[72] Lösel u.a., Ursachen, Prävention und Kontrolle, 1990, S.23 f.

[73] Lösel, Friedrich: Psychological Crime Prevention: Concepts, Evaluations and Perspectives, S.289-313, in: Hurrelmann, Klaus; Kaufmann, Franz-Xaver; Lösel, Friedrich (Hg.): Social Interventions: Potential and Constraints, Berlin, New York 1987, (Special Research Unit 227 – Prevention and Intervention in Childhood and Adolescence 1.), S.289 f.

Details

Seiten
122
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640097661
ISBN (Buch)
9783640112654
Dateigröße
778 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111684
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,7
Schlagworte
Häusliche Gewalt Sexuelle Kinder Ursachen Folgen Präventionsmöglichkeiten

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Titel: Häusliche sexuelle Gewalt gegen Kinder. Ursachen, Folgen und Präventionsmöglichkeiten