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Ein medizinethisches Dilemma am Beispiel der Serie „Dr. House“ - „Eines der beiden verurteilen Sie nach dem

Facharbeit (Schule) 2008 18 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung: Inhalt der Arbeit und Problemstellung
I.1 Inhalt der Arbeit
I.2 „Dr. House“ als Objekt ethischer Überlegungen?
I.3 Inhalt der Folge und Art des Dilemmas

II Die ethische Bewertung des Falls
II.1 Der Fall aus Sicht des Utilitarismus
II.2 ... und aus der Sicht Kants
II.2.1 Bewertung des Falls im Sinne der Kant’schen Ethik
II.2.2 Die Pflichtenkollision als Problem der Kant'schen Ethik im vorliegenden Fall
II.3 Fazit
II.4 Aktuelle medizinethische Positionen
II.4.1 Das „Informierte Einverständnis“
II.4.2 Arzt-Patient-Beziehung und Patientenautonomie

III Rezeptionsästhetische Überlegungen

IV Literatur

V Erklärung

I Einleitung: Inhalt der Arbeit und Problemstellung

I.1 Inhalt der Arbeit

Diese Arbeit setzt sich mit der Handlungsweise des Ärzteteams um Dr. House aus der gleichnamigen US-amerikanischen Fernsehserie in der Folge „Nichts hilft“ (1. Staffel, Folge 4) unter medizinethischen Gesichtspunkten auseinander. Zunächst soll sie aus der Sichtweise des Utilitarismus und der deontologischen Ethik Kants betrachtet werden, anschließend vor dem Hintergrund aktueller medizinethischer Positionen. Des Weiteren soll versucht werden, die große Beliebtheit dieser Fernsehserie zu erklären.

I.2 „Dr. House“ als Objekt ethischer Überlegungen?

Die populäre US-amerikanische Fernsehserie „Dr. House“ handelt vom gleichnamigen Arzt, der als Leiter der diagnostischen Abteilung des Princeton Plainsboro Teaching Hospitals immer wieder mit Fällen konfrontiert wird, die nicht nur sein medizinisches Können herausfordern, sondern auch ethische Entscheidungen – oft über Leben und Tod eines Patienten – von ihm verlangen.

Die Entscheidungen der Ärzte stellen eine Form der angewandten Ethik dar und laden den Zuschauer dazu ein, kritisch über sie zu reflektieren.

I.3 Inhalt der Folge und Art des Dilemmas

Innerhalb weniger Stunden erkranken auf der Entbindungsstation des Krankenhauses sechs Neugeborene an einer unbekannten Krankheit. Aufgrund des steigenden Fiebers und des niedrigen Blutdrucks ist es wahrscheinlich, dass die Kinder unbehandelt innerhalb der nächsten 24 Stunden sterben werden, sodass sich das Ärzteteam um Dr. Gregory House für eine Behandlung mit zwei Antibiotika entscheidet. Kurz darauf verschlechtert sich die Funktion der Nieren bei den beiden Babys, deren Symptome die stärkste Ausprägung zeigen, drastisch. Dr. House stellt fest, dass beide Antibiotika hierfür verantwortlich sein könnten. Die einzige Möglichkeit, das Leben der infizierten Kinder zu retten, bestünde nun darin, bei beiden Patienten jeweils eines der verabreichten Antibiotika abzusetzen, wobei das Team in Kauf nehmen müsste, dass eines der Kinder stirbt.

Tatsächlich entscheidet sich Dr. House für diese Behandlung, wobei er bestimmt, bei welchem Baby welches Medikament abgesetzt wird, indem er eine Münze wirft.

Zwei Ärzte aus dem Team um Dr. House werden währenddessen damit beauftragt, jeweils einem Elternpaar mitzuteilen, dass ein Antibiotikum abgesetzt werde, da es wahrscheinlich für das Nierenversagen der Kinder verantwortlich sei. Schließlich stirbt eines der beiden Babys, die anderen fünf Kinder jedoch können geheilt werden.

Das Dilemma, dem Dr. House hier gegenübersteht, besteht demnach darin, dass er entweder ein Kind töten (oder „bewusst sterben lassen“, was in dieser Arbeit synonym verwendet wird) muss, um die anderen zu retten, oder alle sechs Kinder auf jeden Fall sterben werden.

II Die ethische Bewertung des Falls

II.1 Der Fall aus Sicht des Utilitarismus...

Der Utilitarismus ist eine von Jeremy Bentham begründete Ethik, welche den sittlichen Wert einer Handlung anhand ihrer Folgen für die Gemeinschaft bemisst und daher konsequentialistisch oder teleologisch genannt wird. Zur Bewertung der Sittlichkeit einer Handlung werden die Interessen aller Betroffenen abgewogen, wobei das Ziel darin besteht, das größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl zu erreichen. Zentraler Begriff des Utilitarismus ist demnach das Glück der Allgemeinheit.

Um zu bestimmen, ob eine Handlung ebendiesem zuträglich ist und somit eine solche ist, die getan werden sollte, entwickelte Bentham das sogenannte Prinzip der Nützlichkeit, „das schlechthin jede Handlung in dem Maß billigt oder missbilligt, wie ihr die Tendenz innezuwohnen scheint, das Glück der Gruppe, deren Interesse in Frage steht, zu vermehren oder zu vermindern“[1]. Nützlich ist etwas laut Bentham, wenn „es dazu neigt, Gewinn, Vorteil, Freude, Gutes oder Glück hervorzubringen [...] oder [...] die Gruppe [...] vor Unheil, Leid, Bösem oder Unglück zu bewahren“[2]. Von großer Bedeutung für den Utilitarismus ist das „Interesse der Gemeinschaft“, welches laut Bentham der „Summe der Interessen der verschiedenen Glieder, aus denen sie sich zusammensetzt“ entspricht, wobei eine Sache „zugunsten des Interesses eines Individuums [ist], wenn sie dazu neigt, zur Gesamtsumme seiner Freuden beizutragen [...] oder [...] die Gesamtsumme seiner Leiden zu vermindern“[3]. Zusammengefasst heißt das, dass eine Handlung dann im Interesse der Gemeinschaft ist, wenn durch sie eine möglichst große Anzahl der ihr zugehörigen Individuen eine Vermehrung des Glücks oder, was für den Utilitaristen gleichbedeutend ist, eine Verminderung des Leides erfährt.

Hier wird eines der Hauptprobleme der utilitaristischen Folgenethik deutlich: Eine Entscheidung, die auf Grundlage des Utilitarismus getroffen wird, kann keine Rücksicht auf die Belange des Individuums nehmen, da dieses dem Rest der Gemeinschaft zahlenmäßig unterlegen ist und somit sein Interesse bei der Entscheidungsfindung nicht ins Gewicht fällt. Eine utilitaristisch geprägte Entscheidung wird generell so ausfallen, dass die Folgen gemäß dem Prinzip des größtmöglichen Glücks für die größtmögliche Zahl für möglichst viele Betroffene positiv sind, wobei sich der Utilitarist auch über gängige moralische Regeln wie z.B. das Tötungsverbot und andere Handlungen, die „unmittelbar die Würde der Person negier[en]“[4], hinwegsetzt, um dies zu erreichen.

Über eben dieses Tötungsverbot setzt sich auch Dr. House hinweg, als er sich dafür entscheidet, bei beiden Kindern je ein Antibiotikum abzusetzen, da er weiß, dass dadurch eines der beiden Kinder auf jeden Fall sterben wird. House handelt in diesem Fall im Sinne der utilitaristischen Ethik, da er sich der Tatsache bewusst ist, dass er, wenn er eines der Kinder „opfert“, fünf Leben retten kann.

Im Interesse der Kinder ist es natürlich, zu überleben, was bedeutet, dass das Glück der Gemeinschaft dadurch gestärkt wird, dass eines der Kinder getötet wird – die Interessenabwägung ergibt eine Fünf-zu-Eins-Situation. Um Freud und Leid, die durch die Handlungsweise des Arztes entstünden, zu quantifizieren, entwickelte Bentham das sogenannte hedonistische Kalkül, welches die Bilanz zieht aus „de[m] Wert jeder erkennbaren Freude, die von der Handlung in erster Linie hervorgebracht zu sein scheint; [...] de[m] Wert jeden Leids, das von ihr in erster Linie hervorgebracht zu sein scheint; [...] de[m] Wert jeder Freude, die von ihr in zweiter Linie hervorgebracht zu sein scheint [...] [und] de[m] Wert jeden Leids, das von ihr in zweiter Linie anscheinend hervorgebracht wird“[5] für jede von der Handlung betroffene Person. „Befindet sich das Übergewicht auf der Seite der Freude, so ergibt sich daraus für die betroffene [...] Gemeinschaft [...] eine allgemein gute Tendenz der Handlung; befindet es sich auf der Seite des Leids, ergibt sich daraus für die Gemeinschaft eine allgemein schlechte Tendenz.“[6]

Wendet man das hedonistische Kalkül Benthams nun auf den vorliegenden Fall an, so ergibt sich ein Übergewicht auf der Seite der Freude, denn durch das Überleben der fünf Kinder wird diese unmittelbar (bei Bentham: „in erster Linie“[7] ) hervorgebracht. Außerdem wird mittelbar (bei Bentham: „in zweiter Linie“[8] ) auch Freude bei den Eltern der Kinder hervorgebracht, für die das Überleben ihres Babys eine positive Folge der Handlungsweise des Arztes darstellt.

Dem sehr hohen Wert an erkennbarer Freude in 15 Fällen steht ein ebenso großer Wert an Leid in drei Fällen gegenüber – zunächst erfährt das Baby, das stirbt, durch seinen Tod ein Maximum an unmittelbarem Leid, außerdem erfahren seine Eltern mittelbar sehr viel Leid.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Dr. House' Entscheidung utilitaristisch gesehen richtig war, da durch sie das in der Situation größtmögliche Glück für die größtmögliche Zahl hervorgebracht wurde.

II.2 ... und aus der Sicht Kants

II.2.1 Bewertung des Falls im Sinne der Kant’schen Ethik

Eine Gegenposition zur Folgenethik des Bentham'schen Utilitarismus stellt die deontologische Ethik Immanuel Kants dar. Sie wird auch als Pflichtethik bezeichnet, da die Pflicht als Achtung vor einem objektiven moralischen Gesetz ihre Grundlage bildet. Um zu bestimmen, was ein objektives moralisches Gesetz ist, leitet Kant aus seinen Überlegungen die erste Formel des kategorischen Imperativs her, welcher befiehlt, nur nach „derjenigen Maxime, von der du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“[9] zu handeln. Dieser Imperativ dient demnach lediglich zur Prüfung von Maximen (vom Menschen aufgestellten Handlungsregeln) auf ihren moralischen Gehalt, nicht jedoch zur Prüfung der Handlung selbst.

[...]


[1] Bentham (1789), 55-58

[2] Ebd.

[3] Bentham (1789), 55-58

[4] Spaemann (1999), 67-72

[5] Bentham (1789), 79-82

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Kant (1961), 67 f.

Details

Seiten
18
Jahr
2008
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111698
Note
1,0
Schlagworte
Dilemma Medizinethik Utilitarismus teleologische Ethik deontologische Ethik Ethik Moral

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Titel: Ein medizinethisches Dilemma am Beispiel der Serie „Dr. House“  - „Eines der beiden verurteilen Sie nach dem