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Kinderuniversitäten

Hausarbeit 2005 11 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung der Kinderuniversität

3. Kurzportrait der Kinderuniversität Dresden

4. Resonanz
4.1. Kinder
4.2. Professoren

5. Trägt die Teilnahme an einer Kinderuniversität zur Entwicklungsförderung bei?

1. Einleitung

„Der, die, das – Wer, wie, was? – Wieso, weshalb, warum? - Wer nicht fragt bleibt dumm.
Tausend tolle Sachen, die gibt es überall zu sehn - Manchmal muss man fragen, um sie zu versteh'n“ Der bekannte Refrain des Titelsongs der Sesamstraße beschreibt die Sicht vieler Kinder. Wenn sie anfangen zu entdecken und Zusammenhänge zu verstehen stellen sie noch viele Fragen, doch nicht alle können gleich von Lehrern, Eltern oder anderen Bezugspersonen beantwortet werden. Noch bevor ihr Interesse daran vergeht, sollte man geeignete Formen finden, diese Fragen zu beantworten – als eine dieser Formen hat sich das Projekt „Kinderuniversität“ diese Aufgabe gestellt.

Zunächst habe ich etwas über die Entstehung und Geschichte der Kinderuniversitäten zusammengetragen. Ausführlicher werde ich danach auf die Kinderuniversität Dresden eingehen. Da dies noch ein sehr junges Projekt ist und erst im Frühjahr letzten Jahres startete, gibt es noch wenig über die Geschichte zu sagen und auch Auswertungen liegen noch keine vor. Dennoch habe ich versucht viele Fakten zu sammeln, damit man sich ein genaueres Bild machen kann.

Die darauf folgende Resonanz seitens der Kinder und Professoren, die schon mal an einer der vielen deutschen Kinderuniversitäten teilgenommen haben, soll verdeutlichen, dass eine Notwendigkeit besteht dieses Kinderprojekt in allen Universitätsstädten zu realisieren bzw. zu erweitern.

Zum Schluss möchte ich auf die These: „Die Teilnahme an einer Kinderuniversität trägt zur Entwicklungsförderung bei“ eingehen. Hier wird der Frage nachgegangen, inwieweit der Besuch der Kinderuniversität in diesem Lebensabschnitt Einfluss auf die Entwicklung des Kindes nehmen kann. Danach wird die Notwendigkeit der Kinderuniversität aus kultur- und bildungspolitischer Sicht betrachtet und gezeigt, inwieweit sich dieses Projekt, das durch ehrenamtliches Engagement gekennzeichnet ist, auf Bildungsverläufe auswirken kann.

2. Entstehung der Kinderuniversität

Die ,,Universität für Kinder" wurde in Tübingen im Jahr 2001 ins Leben gerufen. Die Idee zu einer Kinderuniversität hatten Ulla Steuernagel und Ulrich Janßen, beide Journalisten beim Schwäbischen Tagblatt in Tübingen. Ulla Steuernagel ist Mutter von zwei Kindern und wurde von diesen immer wieder mit komplexen Fragestellungen konfrontiert. ,,Wer weiß schon auf die Schnelle und mitten im Alltagstrubel zu beantworten, warum Menschen sterben müssen. Wer kann schon so genau sagen, warum es Arme und Reiche gibt, die Vulkane so heiß oder die Dinos ausgestorben sind. Antworten darauf müssten eigentlich die dafür zuständigen Wissenschaftler geben."[1]

"’In Tübingen wimmelt's von Professoren, und es wimmelt von Kindern - man sollte sie zusammenbringen’, war Ulla Steuernagels Idee [...]. Warum nicht Universitätsgelehrte fragen, wenn Eltern und Lehrer mit ihrem Latein am Ende sind? Zu Themen, für die sich Kinder brennend interessieren, die aber an der Schule zu kurz kommen?“[2]

„Mit dieser Idee wandten sich beide Journalisten an den Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsabteilung der Universität Tübingen, Michael Seifert. [...] Seifert sah darin nicht nur eine erstklassige PR-Idee, [sondern] hatte auch einen idealistischen Hintergedanken: ‚Ich wünsche mir, dass mehr Kinder durch diese Aktion die Universität als offene Institution sehen und sie ohne Scheu betreten. Und sich dann vielleicht bei der Wahl der Ausbildung daran erinnern.’"[3] Außerdem erklärt er: „"Die Kinderuni soll ein Appetithäppchen sein, das Kinder neugierig auf Wissen macht. Was sie mit nach Hause nehmen, sind Wissenstrophäen. Sie sind stolz darauf, Eltern oder Freunden etwas Wissenschaftliches erklären zu können".[4]

Zusammen stellten sie die Idee Prof. Eberhard Schaich, Rektor der Tübinger Universität vor. Er ermutigte sie zu diesem Vorhaben und gab ihnen freie Hand zur Entwicklung des Projektes „Kinderuniversität“.

“Zur ersten deutschen Kinder-Uni kamen im Jahr 2002 über 5000 Kinder. Die Vorlesungsreihe für Kinder wurde auf Anhieb ein Riesenerfolg und lockte zahlreiche Medienvertreter nach Tübingen. [...] So beschlossen die Universität und das Schwäbische Tagblatt eine Fortsetzung. Die Kinder-Uni wird [mittlerweile] von einem kleinen Team vorbereitet, dem der Pressesprecher der Universität Tübingen, Michael Seifert, und die beiden Tagblatt-Journalisten Ulla Steuernagel und Ulrich Janßen angehören. [D]as Buch „Die Kinder-Uni“ ist [im März 2003] auf den Markt gekommen[, g]eschrieben haben es die Erfinder der Kinder-Uni mit Unterstützung der Kinder-Uni-Professoren.“[5]

Mittlerweile gibt es in Deutschland über 30 Universitäten, die das Konzept übernommen haben und auch Vorlesungen für Kinder halten.

3. Kurzportrait der Kinderuniversität Dresden

Am 04.05.2004 fand die erste Veranstaltung der neugegründeten Kinderuniversität Dresden statt. Ein halbes Jahr vorher starteten „die TU Dresden, das Hygiene-Museum und die Sächsische Zeitung [...] dieses Projekt“[6] nach dem Vorbild der ersten Kinderuniversität in Tübingen. Im Sommersemester finden die Vorlesungen im neuen Hörsaal des Hygienemuseums statt und im Wintersemester auf den Campus der Technischen Universität. Die ersten Vorlesungen für Kinder im Umfang von 45 Minuten gab es im Sommersemester von Mai bis Juni mit den Themen: „Warum können Bäume nichts vergessen?“, „Warum wird nicht jeder Millionär?“, „Wie und warum lernten unsere Vorfahren, aufrecht zu gehen?“, „Warum sind wir alle Kinder des Universums?“ und „Warum sind wir alle so schrecklich neugierig?“. Im Wintersemester fanden Veranstaltungen vom Oktober bis Dezember statt, dabei ging es um die Fragen: „Warum sind wir alle Kinder des Universums?“, „Warum kann ein Flugzeug fliegen?“, „Warum brachten Scherben nicht allen Athenern Glück?“, „Warum sind Zellen wie kleine Fabriken mit winzigen Maschinen?“ und „Warum tun uns Haustiere gut?“. Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren konnten sich anmelden, bekommen einen echten kleinen Studentenausweis und können sich fühlen wie echte Studenten, deren Fragen von einem echten Professor beantwortet werden.[7] Eltern dürfen nicht mit an den Vorlesungen teilnehmen, können das Geschehen aber über eine Videowand im Nachbarhörsaal verfolgen.

Das große Leitwort der Dresdner Kinderuni ist die Frage nach dem „Warum?“, die sich Kinder immer wieder selber und vor allem anderen stellen. „Meist sind es knifflige Fragen zu den Zusammenhängen der Welt. So etwas lern[en sie] später, in der Berufsausbildung oder beim Studium. Aber die Fragen hab[en Kinder] jetzt schon [...]. [Denn w]er zu lange auf Antwort warten muss, verliert die Lust am Fragen.“[8]

Die erste Vorlesung „Warum wird nicht jeder Millionär?“ hielt Volkswirtschafts-Professor und derzeitiger Ministerpräsident Georg Milbradt vor 600 Kindern. Er selbst ist angetan von der Idee und sagte im Vorfeld, er werde versuchen „statt vor Studenten vor Kindern zu sprechen und auf kindgerechte Art ein Wirtschaftsthema herüberzubringen“, denn schließlich ist jedes Kind, durch das Taschengeld schon einmal mit Wirtschaft in Berührung gekommen. Auf die Frage ob es wohl leichter oder schwieriger wird vor Kindern zu sprechen, sagt Milbradt: „Kinder sind wissbegierig, das macht es leichter. Es kindgerecht zu vermitteln, macht es sicher schwerer.“[9]

[...]


[1] Janssen, Ulla und Ulrich Steuernagel: „Die Kinderuni“. Klett Verlag. 2003. Seite 7

[2] Mösle, Marianne: „Die Jüngsten wollen’s wissen“. Die Zeit. Stand: 20.12.2004 http://www.zeit.de/archiv/2002/29/200229_c-kinderuni.xml

[3] Brasch, Christine: „Gar keine dumme Idee – die Kinder-Uni“. Homepage des Goethe-Instituts. Juli 2003. Stand : 20.12.2004 http://www.goethe.de/kug/buw/stu/thm/de51274.htm

[4] Löffler, Udo: „Warum bauen Ritter Burgen?“. Bildung PLUS. 21.06.2004. Stand: 20.12.2004 http://bildungplus.forum-bildung.de/templates/imfokus_inhalt.php?artid=317&start=0&str1=kinderuni&str2=&str3=&lib=&art=&details=

[5] Homepage der Eberhard Karls Universität. Was ist die Kinder-Uni?. Stand: 20.12.2004 http://www.uni-tuebingen.de/uni/qvo/kinderuni-2003/kiu03-03.html

[6] Schön, Stephan: „Kein Märchen: Eine Vorlesung“. Sächsische Zeitung, 03.04.2004 http://www.ku-dresden.de/artikel.asp?id=600658

[7] Homepage der Kinderuniversität Dresden. Programm. Stand: 18.12.2004 http://www.ku-dresden.de/programm.asp

[8] Homepage der Kinderuniversität Dresden. Warum. Stand: 18.12.2004 http://www.ku-dresden.de/warum.asp

[9] Schön: „Kein Märchen: Eine Vorlesung“. SZ. 2004

Details

Seiten
11
Jahr
2005
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111734
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Schlagworte
Kinderuniversitäten

Autor

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Titel: Kinderuniversitäten