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Depression im Kindes-und Jugendalter

Hausarbeit 2007 18 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Enleitung

2. Depression im Allgemeinen

3. Depressive Formen und ihre Symptombilder

4. Depression im Kindes- und Jugendalter

5. Komorbidität

6. Ursachen und Risiko erhöhende Faktoren
6.1 Entwicklungsaufgaben und zunehmender Stress
6.2 Pubertät
6.3 Selbstwertgefühl
6.4 Kognitive Entwicklung
6.5 Familiäre Faktoren und Interaktion

7. Diagnose
7.1 Verhaltensbeobachtung
7.2 Testdiagnostik

8. Intervention

9. Möglichkeiten der Kunsttherapie

10. Fazit

Literaturverzeichnis

1.Enleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich einen Überblick über Depression geben, aber insbesondere auf die Depressionen bei Kindern und Jugendlichen eingehen, da ich in meinem Umfeld häufiger solche Fälle beobachtet habe und denke, dass sich in der heutigen Gesellschaft diese Störung weiter ausbreitet. Nachdem ich das Krankheitsbild und dessen Symptome beschrieben habe, werde ich mich auf das Kindes- und Jugendalter konzentrieren und den möglichen Verlauf beschreiben, danach kurz auf die Komorbidität kommen und anschließend Ursachen für die Entwicklung einer Depression aufzählen, wobei ich besonders den familiären Faktor berücksichtige. Danach werde ich zwei Formen der Diagnose beschreiben und auf therapeutische Maßnahmen eingehen. Im letzten Punkt versuche ich die Möglichkeiten der Kunsttherapie aufzuzeigen, depressiven Menschen zu helfen.

2. Depression im Allgemeinen

Unter Depression werden weitläufige und alltägliche Niedergeschlagenheit, Entschlussunfähigkeit und Schwermut verstanden, jedoch muss der Begriff der Depression von dem Alltagsverständnis abgegrenzt werden, um das Gewicht und die Ernsthaftigkeit dieser psychischen und physischen Störung differenziert betrachten und erkennen zu können.

Eine Depression ist eine sich negativ auswirkende Störung im affektiven Bereich, welche über ein vertretbares Maß hinausgeht und es dem Betroffenen unmöglich macht seinen Alltag zu bewältigen. Es handelt sich um eine internalisierende Störung und ist daher von außen nur schwer erkennbar. Charakteristisch sind quälend erlebte innere Zustände der Gefühllosigkeit (Vgl. Petermann, F.,et al., 2003, S.439). Insgesamt werden nach WHO-Angaben alleine in Deutschland um die 4 Millionen Betroffene vermutet und die Depression ist damit die am häufigsten auftretende psychische Krankheit in Deutschland. Mit einer Depression gehen oftmals suizidale Gedanken einher, die in 50% aller Fälle in einen Selbstmordversuch münden. Eine Depression besteht erst, wenn die Symptome (im Folgenden näher dargestellt) eine gewisse, das Normale überschreitende Intensität erreichen, wenn diese über einen bestimmten Zeitraum konsistent sind und wenn die Alltagsbewältigung für die Betroffenen nicht mehr möglich ist, sie muss mit psychosozialen Beeinträchtigungen wie in Schule oder Beruf einhergehen (Vgl. Essau, Cecilia A., 2007, S.17).

3. Depressive Formen und ihre Symptombilder

In diesem Kapitel versuche ich den Facettenreichtum der Erscheinungsformen der Depression und ihre Symptombilder darzustellen. Hier ist zuerst die Major Depression zu nennen, rezidivierend oder episodenhaft auftretend. Sie ist die klassische Form der Depression und tritt besonders als eine oder mehrere voneinander zu trennende depressive Phasen im Kindes- und Jugendalter auf (Vgl. Petermann, F.,et al, 2003 S. 443). Diese Phasen halten für mindestens zwei Wochen an und können verschiedene Schweregrade erreichen. Die Episoden weisen vielseitige Symptome auf, die Betroffenen sind gereizt, verlieren ihr Interesse an fast allen Aktivitäten und können deutlich an Gewicht verlieren oder zunehmen. Sie leiden an Schlaflosigkeit oder Schlafen im Gegensatz dazu übermäßig lang, womit Müdigkeit, Energieverlust und in Folge dessen eine verminderte Konzentrationsfähigkeit einhergehen. Gefühle der Wertlosigkeit und unangemessene Schuldgefühle können ebenfalls Symptome sein, letztendlich treten auch Suizidgedanken bis zur Planung des Suizids auf. Um eine Major Depression diagnostizieren zu können, müssen wenigstens vier dieser Symptome bei den Betroffenen auftreten (vgl. Essau, Cecilia, A., 2007, S.20). Es liegt keine Major Depression vor, wenn die Symptome durch Medikamente hervorgerufen wurden, ein Trauerfall Ursache der Niedergeschlagenheit sein kann oder eine schizoaffektive Störung oder Schizophrenie vorliegt. Es bedarf also einer genauen Betrachtung der Gesamtsituation des Leidenden um eine richtige Diagnose aufstellen zu können. Bei einer leichten Episode treten fünf bis sechs Symptome auf, wobei nur leichte Beeinträchtigungen auftreten, bei der schweren treten mehr Symptome auf, als normalerweise diagnostiziert werden, der Erkrankte ist sozial beeinträchtigt. Darüber hinaus kann es auch zu einer schweren Episode mit psychotischen Zügen kommen, bei der Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Verfolgungswahn auftreten können (vgl. Essau, Cecilia, A., 2007, S.20-21). Eine weitere Erscheinungsform der Depression ist die Dysthyme Störung, welche sich in ihrer Intensität etwas milder zeigt, dafür aber über zwei Jahre andauert. Laut ICD 10[1] tritt die Dysthymia erst im Erwachsenenalter auf, nach DSM-IV[2] allerdings schon vorher im Jugendalter. Für die Diagnose müssen mindesten zwei der folgend beschriebenen Symptome nachweisbar sein. Diese Form der Depression zeichnet sich durch eine chronisch depressive, reizbare Verstimmung aus, die von Appetitlosigkeit oder gesteigertem Hunger, Schlaflosigkeit oder vermehrtem Schlafbedürfnis und damit Energiemangel begleitet wird. Außerdem leidet der Betroffene an einem geringen Selbstwertgefühl, Konzentrationsschwierigkeiten und Hoffnungslosigkeit, ihm fällt es auch schwer Entscheidungen zu treffen. Bei einer Dysthymen Störung können Pausen von zwei Monaten auftreten, diese Anzahl wird in den meisten Fällen nicht überschritten (vgl. Essau, Cecilia, A., 2007, S.22).

Als Letztes möchte ich die Bipolare Störung nennen, die sich durch depressive und manische Episoden kennzeichnen lässt. Die Symptome der manischen Phase sind z.B. Größenwahn, eine hohe Gesprächigkeit, ein vermindertes Schlafbedürfnis und ein übermäßiges Interesse für angenehme Aktivitäten (vgl. Essau, Cecilia, A., 2007, S.23). Es können auch gemischte Episoden, in denen Kriterien beider Phasen erscheinen, auftreten.

Bei Jugendlichen ist dieses Störungsbild schwer zu diagnostizieren, da die Erscheinungsbilder, im Gegensatz zu denen von Erwachsenen, „Mischzustände“ (Braun-Scharm, H., 2002, S.22) sind und erst der Verlauf der Krankheit kann Klarheit über die genaue Störung verschaffen.

4. Depression im Kindes- und Jugendalter

Bezüglich der Depression im Kindes- und Jugendalter ist es von Belang, dass sich eine differenziertere Symptomatik äußert. Im Schulalter kommt es häufig zu einer Schulphobie, die Kinder haben Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten und üben erhöhte Selbstkritik aus. In Folge dessen werden sie schlechter in der Schule und äußern ein eher zurückgezogenes Verhalten gegenüber Gleichaltrigen. Die körperlichen Symptome sind Bauch- und Kopfschmerzen, außerdem können die betroffenen Kinder auch unter Ess- und Schlafstörungen leiden. In der Präpubertät können bei Kindern mit Major Depression neben den somatischen Beschwerden auch Halluzinationen und Angststörungen auftreten (Vgl. Reicher, H., 1998, S.31). Bei den Jugendlichen gleichen sich die Symptome denen der Erwachsen eher an, jedoch sind einige stärker ausgeprägt. Etwa 80 % der depressiven Jugendlichen sagen von sich, dass sie schnell gereizt sind (Vgl. Goodyer&Cooper, 1993 in Reicher, H., 1998, S.32), hinzukommen weitere belastende Symptome, wie

psychomotorische Unruhe, Trennungsängste und unangemessene Schuldgefühle. Durch die erhöhte Reizbarkeit haben Betroffene häufig schlechtere soziale Beziehungen zu Freunden und Familie, sowie Schulprobleme erheblichen Ausmaßes, die Selbstwertprobleme und Hoffnungslosigkeit nach sich ziehen (Vgl. Essau, Cecilia A., 2007, S.104). Oft fühlen sich die Jugendlichen auch hilflos, da sie merken, dass sie nicht fähig sind unangenehme Situationen zu bewältigen, womit sie negative Erwartungen entwickeln und die Motivation zum Handeln immer niedriger wird, wodurch Ängste ausgelöst werden können (Vgl. Essau, Cecilia A., 2007, S.105).

Bis zum Eintritt in das Erwachsenenalter war jeder fünfte bis zehnte Jugendliche schon von einer Depression bzw. einer depressiven Stimmung betroffen und erfüllte gleichzeitig die Kriterien der psychiatrischen Klassifikationssysteme (vgl. Petermann, F.,et al., 2003, S. 445). Die Depression tritt am häufigsten im Alter zwischen 12 und 15 Jahren auf. Nach Petermann ist der Eintritt der Depression schon früher möglich, sogar im Vorschulalter (vgl. Petermann, F.,et al., 2003, S. 446), allerdings handelt es sich hierbei wahrscheinlich eher um depressive Stimmungen, als um wahrhaftige Depressionen, denn um eine solche zu haben, bedarf es gewisser kognitiver Leistungskapazitäten. Wer also in seiner Entwicklung noch nicht so weit ist, sich und sein Denken zu reflektieren, kann eigentlich auch keine wirkliche Depression erleiden, da er nicht im Stande wäre pessimistisch oder hoffnungslos in die Zukunft zu blicken oder sein Selbstwertgefühl zu hinterfragen. So zeigen sich depressiv gestimmte Kinder zwar quengelig und jammernd, weisen jedoch nicht solch differenzierte Erscheinungsformen der Depression auf, wie es Jugendliche tun, die kognitiv schon ausgereifter sind.

Im Gegensatz zur hohen Betroffenheitsrate steht die ebenfalls hohe Genesungsrate von 90% (Vgl. Petermann,F.,et al.,2003,S.446), was jedoch nicht bedeutet, dass die ehemals Erkrankten nicht wieder unter einer Depression leiden werden, denn bei Kindern und Jugendlichen, die schon ein Mal betroffen waren, ist das Risiko 3,9 mal so hoch wieder unter einer Depression leiden zu müssen als für gesunde Gleichaltrige (Vgl. Reicher, H., 1998, S.62). Der Verlauf einer Depression kann sehr unterschiedlich sein, bei einigen Betroffenen blieb es bei einem stabilen Verlauf der Krankheit, bei anderen kam es zu einer Ablösung durch eine andere Störung. Es wird spekuliert, dass die erste depressive Episode die Jugendlichen als „Stressor“ auffällig und sensibler macht, woraufhin andere Episoden nachziehen (Vgl. Essau, Cecilia, A., 2007, S.95). Darüber hinaus ist die Entwicklung der Betroffenen gefährdet, da sie Schwierigleiten haben soziale Kompetenzen zu erlernen, die vor allem für zukünftige Beziehungen immens wichtig sind, finden sie keinen Zugang zu einer gesunden Beziehung, werden sie auf emotionaler Ebene wenig positive Erfahrungen machen, was wiederum nicht zur Genesung beitragen kann. Sie tragen „Narben“ mit sich, die sie noch empfindlicher machen können (Vgl. Reicher, H., 1998, S.63-64).

5. Komorbidität

Das zusätzlich zur Grunderkrankung vorliegende, diagnostisch abgrenzbare Krankheits- oder Störungsbild ist bei Jugendlichen eher die Regel als die Ausnahme, denn 40% – 70% aller Depressiven weisen komorbide Störungen auf (Vgl. Petermann, F.,et al., 2003, S.448). So tritt diese in 80% aller Fälle früher auf, als die eigentliche Depression. Die am häufigsten auftretenden komorbiden Störungen sind Angstzustände, aggressiv-dissoziales Verhalten, Hyperaktivität, Konzentrationsprobleme und Essstörungen (Vgl. Petermann, F.,et al., 2003, S. 449). Die Angstzustände führen häufig zu Problemen im schulischen und familiären Bereich, die Kinder brechen soziale Kontakte zu Gleichaltrigen ab und gehen ihren Freizeitaktivitäten kaum noch nach. 60% der Kinder und Jugendlichen haben zwei Angststörungen, 30% weisen sogar drei von eben diesen auf (Vgl. Braun-Scharm, H. 2002, S.109). Daneben stellt auch der Substanzmissbrauch ein weiteres (komorbides) Problem dar, das vor allem im Jungendalter nicht außer Acht gelassen werden darf. Viele Jugendliche mit Depression oder depressiver Verstimmung neigen zur Selbstmedikation, was zwar kurzzeitige Linderung der Niedergeschlagenheit verspricht, jedoch am Ende der Substanzwirkung eher eine Verschlimmerung der Niedergeschlagenheit zur Folge hat. Mehr noch sind Jugendliche, welche häufiger Drogen konsumieren als andere, anfälliger für depressive Verstimungen (vgl. Petermann, F.,et al., 2003, S. 448). Ferner ist die „Störung des Sozialverhaltens mit depressiver Störung“ nach der ICD-10 gar ein eigenständiges Krankheitsbild, was belegt, wie gravierend die komorbiden Störungen sich äußern können (vgl. Petermann, F.,et al., 2003, S.450)

[...]


[1] International Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD) ist eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen (Wikipedia).

[2] DSM stammt von der American Psychiatric Association (Amerikanischen psychiatrischen Vereinigung, APA) und ist ein Klassifikationssystem für psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten; die Abkürzung steht für Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen) (Wikipedia).

Details

Seiten
18
Jahr
2007
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111825
Institution / Hochschule
Fachhochschule Ottersberg
Note
1,3
Schlagworte
Depression Kindes-und Jugendalter

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Titel: Depression im Kindes-und Jugendalter