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Medien und Gewalt

Führt mediale Gewalt zu realer Gewalt?

Hausarbeit 2008 11 Seiten

Design (Industrie, Grafik, Mode)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Definition: Gewalt

3. Theorien zur Wirkung Medialer Gewalt
3.1 Katharsistheorie
3.2 Inhibitionsthese
3.3 Habitualisierungsthese
3.4 Suggestionsthese
3.5 Lerntheorie
3.6 Stimulationstheorie

4. Gewalt im TV

5. Gewalt in Computerspielen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In einer Geselschaft, in der (fast) jeder Haushalt mindestens ein TV-Gerät be- sitzt, in der Videos sekundenschnell aus dem Internet geladen werden können und in der PC-Spiele fast schon aussehen wie die Realität, kommt unweigerlich die Frage auf, wie und ob Medien einen Einfluss auf das verhalten von Men- schen haben.

Vor allem nach Amokläufen oder anderer Gewaltaten von jugendlichen wird die Schuld dafür oft bei den Medien gesucht. Als Beispiel sei hier der Amoklauf von Eschede genannt.

Ein 19 jähriger Mann tötete in seiner ehemaligen Schule 16 Menschen un brachte sich danach selbst um. In der anschließenden Ermittlung wurden unter anderem bei ihm gefundene Gewaltfilme und Computerspiele (z.B. Counterstri- ke) als Grund für den Amoklauf genannt.

Viele Leute vertreten die Ansicht, dass mediale Gewalt auch zu Gewalt im rea- len leben führt.

Doch stimmt das?

Was besteht für ein Zusammenhang zwischen Gewalt in Medien und Gewalt in der realen Welt?

Hat die mediale Gewalt eine stimulierende Wirkung oder hat sie eher den gegenteiligen Effekt, nämlich den der Abschreckung vor dem Ausführen von Gewalt?

Zu diesen Fragen gibt es ein breites Spektrum an Literatur, in der Studien und Analysen vorgestellt, Thesen gebildet und Schlussfolgerungen gezogen wer- den.

In dieser Arbeit wird eine Auswahl der Theorien zur Wirkung medialer Gewalt, sowie dazu gehörender Experimente vorgestellt. Darauf folgend wird Gewalt im TV und in Computerspielen näher betrachtet.

2. Definition: Gewalt

Kleiter schreibt dazu, dass Gewalt als „Durchsetzung eigener Ziele gegen den Willen eines anderen“1 definiert ist.

Im Gegensatz zu unserer Gesellschaft, die Gewalt hauptsächlich als zufügen physischer Schmerzen ansieht, bedeutet dies sowohl das zufügen physischer Schmerzen (mithilfe von z.B. Schlägen oder Waffen) als auch psychischer Ge- walt in Form von Drohungen, Beleidigungen und der gleichen.

Theunert beschreibt dies als „Manifestation von Macht und/oder Herrschaft, mit der Folge und/oder dem Ziel der Schädigung des Einzelnen oder Gruppen von Menschen.“2

Gewalt wird weiterhin in zwei verschiedene Arten eingeteilt: die personelle und die strukturelle Gewalt. Kunczik schreibt hierzu:

„Fast alle Untersuchungen befassen sich mit (direkter) personeller Gewalt, wo- runter die beabsichtigte physische und psychische Schädigung einer Person, von Lebewesen und Sachen durch eine andere Person verstanden wird. (indirekte) strukturelle Gewalt ist die einem sozialen System inhärente Gewalt, die sich vollzieht, ohne dass ein Akteur sichtbar sein muss und ohne dass sich die Opfer struktureller Gewalt dessen bewusst sein müssen.“3

Mediale Gewalt wiederum, lässt sich in zwei Gruppen spalten, Kunczik bezieht sich dabei auf Hans Mathias Kepplinger und Stefan Dahlem:

„Unter der Darstellung realler Gewalt wird dabei die Präsentation von Verhal- tensweisen verstanden, die physische und psychische Schädigung beabsichti- gen oder bewirken.

Die Darstellung fiktionaler Gewalt bedeutet demgegenüber die Präsentation von Verhaltensweisen, die dies nur Vorgeben.“4

Man unterscheidet also zwischen der Gewalt, die z.B. in Nachrichten gezeigt wird, die Gewalt also, die Gewalttaten mit einem reallen Hintergrund zeigt und der Gewalt in z.B. Spielfilmen, die auf einem fiktionalen Hintergrund basiert.

Weiterhin kann man Mediale Gewalt in natürliche („lebensechte Präsentation (Realfilm)“5) und künstliche (artifizielle Präsentation (Zeichentrickfilme usw.)“6) Darstellungsformen unterteilen.

3. Theorien zur Wirkung Medialer Gewalt

In der Öffentlichkeit wird viel darüber spekuliert, wie und ob mediale Gewalt Menschen beeinflusst. Meist wird dabei die Meinung vertreten, dass die Gewalt in Medien zu einem aggressiveren Verhalten führt.

Es gibt mehrere Studien und Meta-Analysen, die sich mit diesem Thema be- schäftigen. Bassierend auf diesen Studien und Analysen wurden mehrere The- orien aufgestellt, von denen einige im folgenden Teil dieser Arbeit vorgestellt werden.

3.1 Katharsistheorie

„Die Katharsishypothese erwartet eine Abnahme des aggressiven Verhaltens nach Konsum von Film-Gewalt...“.7 Man kann diese Theorie bis auf Aristoteles zurückführen, der Katharsis „die homöopathische Reinigung der Affekte“ de- finierte.8 „Bei der „Katharsis-“ oder Reinigungshypothese“ wird angenommen, dass das Sehen von aggressiv-gewalttätigen Handlungen (z.B. in Filmen im Fernsehen oder auf Videos) beim Betrachter eine Art von Seelenreinigung, d.h. ein stellvertretendes Abfliessen eigener aggressiver Impulse bewirke. Folge sei eine Abnahme der Aggressionen.“9

Seymor Feshbach führte 1961 einen Versuch zu dieser Theorie durch. Dabei bekamen Versuchspersonen einen Boxkampf und einen Film über die Kon- sequenzen von Gerüchteverbreitung in einer Fabrik zu sehen. Die hälfte der Versuchspersonen wurde dabei vor dem zeigen des Filmes verärgert und somit in eine aggressivere Grundstimmung versetzt.

Die Zunahme bzw. die Abnahme aggressiven Verhaltens wurde an der Häufig- keit aggressiver Assoziationen auf Stimuluswörter geprüft.

Dieser Versuch führte zu folgendem Ergebniss:

Die verärgerten Versuchspersonen zeigten nach dem Boxkampf weniger Ag- gressionsbereitschaft und es trat somit ein kathartischer Effekt auf.

Bei den nicht verärgerten Personen traten nach dem Boxkampf stimulierende Effekte auf, d.h. sie waren aggressiver als zuvor.

Feshbach kam somit zu dem Schluss, dass das beobachten gewalttätiger Handlungen zu einer Verminderung des Aggressionstribes führen.

Dieser Versuch wies laut Kleiter aber einige Mängel auf: „z.B. Aggressionsgrad in der Experimentalgruppe gerade kleiner als in der Kontrollgruppe; keine Expli- zite Aggressionsmessung der gezeigten Filme, viel zu kurzer Einfluss (...)“10

Feshbach selbst, stellte 1989 fest: „die Ergebnisse zeigen mir, dass die Bedin- gungen, unter denen eine Katarsis auftreten kann, nicht alltäglich sind, wäh- rend die aggressionsfördernden Bedingungen häufiger vorkommen.“11

[...]


1 Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression - Aggresionspsychologie, Weinheim 1997, S.9

2 Theunert, H.: Gewalt in Medien - Gewalt in der Realität, München 1996, S.59

3 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. URL: http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/medien-gewalt-befunde-der- forschung-sachbericht-langfassung,property=pdf,bereich=bpjm,rwb=true.pdf, 20.01. 2008. S.7

4 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. URL: http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/medien-gewalt-befunde-der- forschung-sachbericht-langfassung,property=pdf,bereich=bpjm,rwb=true.pdf, 20.01. 2008. S.7

5 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. URL: http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/medien-gewalt-befunde-der- forschung-sachbericht-langfassung,property=pdf,bereich=bpjm,rwb=true.pdf, 20.01. 2008. S.7

6 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. URL: http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/medien-gewalt-befunde-der- forschung-sachbericht-langfassung,property=pdf,bereich=bpjm,rwb=true.pdf, 20.01. 2008. S.7 (Im folgenden zitiert als: Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004 (Seitenangaben beziehen sich auf die Seite im PDF))

7 Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression - Aggresionspsychologie, Weinheim 1997, S.61

8 vgl. Kunczik, Michael: Gewalt und Medien, 4. aktualisierte Aufl., Köln, Weimar, Wien 1998, S.20

9 Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression - Aggresionspsychologie, Weinheim 1997, S.61f

10 Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression - Aggresionspsychologie,Weinheim 1997, S.62

11 Feshbach, 1971, zitiert in Kunczik, Michael: Gewalt und Medien, 4. aktualisierte Auflage. Köln, Weimar, Wien 1998, S.72 5

Details

Seiten
11
Jahr
2008
ISBN (Buch)
9783640112661
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111883
Note
2,0
Schlagworte
Medien Gewalt

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