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Soziale Schichtung in Polen

Seminararbeit 2008 21 Seiten

Leseprobe

Gliederung

0. Vorgehensweise

1. Einleitung

2. Schicht und Schichtmodelle
2.1 Schichtmodell nach Karl Marx
2.2 Schichtmodell nach Ralf Dahrendorf

3. Soziale Schichtung in Polen
3.1 Objektive Schichtzugehörigkeit
3.1.1 Allgemeines Modell
3.1.2 Bildung
3.1.3 Einkommen und Arbeitsmarktsituation
3.2 Subjektive Schichtzugehörigkeit
3.2.1 Prestige des Berufes
3.2.2 Mentalität und Verhalten

4. Fazit und Zusammenfassung

5. Quellenverzeichnis
5.1. Literaturverzeichnis
5.2. Internetverzeichnis

Grafiken
Grafik 1 Das Dahrendorfhäuschen
Grafik 2 Occupational groups and Average years of schooling
Grafik 3 Occupational groups and Score Points of Prestige
Grafik 4 Bruttoeinkommen in Polen nach Berufsgruppen
Grafik 5 Selbst zusammengestellte Tabelle

0. Vorgehensweise

Der folgende Aufsatz geht aus meinem Referat über die soziale Schichtung in Polen heraus und soll daraus zentrale Punkte wiedergeben. Als erstes möchte ich den Begriff Schicht beziehungsweise soziale Schichtung definieren und an Hand zweierlei Schichtungsmodelle bekannter Soziologen deutlich machen, dass es unterschiedliche Auffassungen bei der Schichtungstheorie gibt. Anschließend möchte ich genauer auf die soziale Schichtung in Polen eingehen. Leider gibt es speziell für Polen keine aussagekräftige Klasseneinteilung beziehungsweise kein Schichtmodell, wie vergleichsweise für Deutschland das Sinusmodell oder ähnliches. Ich habe mich deshalb auf kein konkretes Modell bezogen. Dessen ungeachtet nehme ich eine entscheidende Unterteilung vor. Zum einen möchte ich die objektive Schichtzugehörigkeit beleuchten. Dazu habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, mich mit der Bildungssituation auf der einen Seite und dem Einkommen und der Arbeitsmarktsituation auf der anderen Seite zu beschäftigen. Hierbei werde ich eine historische Unterteilung vornehmen, indem ich die Einkommenssituation erstens unter Berücksichtigung der Planwirtschaft, zweitens zur Zeit der polnischen Transformation (1989) und drittens zu Zeiten der modernen Marktwirtschaft analysiere. Meine letzte große Aufgabe wird es sein, die Subjektive Schichtzugehörigkeit, also im Gegensatz zur objektiven Schichtzugehörigkeit, näher zu beleuchten. Dazu möchte ich mich mit dem Prestige des Berufes im einzelnen und mit der Mentalität der Polen vertraut machen. An dieser Stelle ist es mir ferner wichtiger, die Mentalität und Statussymbole der Polen im Hinblick auf ihren Status und ihres Berufes zu erforschen, als dass ich eine bloße Aufstellung von polnischer Verhaltensweisen wiederzugeben versuche.

Am Ende meiner Arbeit möchte ich eine kurze Zusammenfassung über die ökonomischen Ergebnisse Transformation, einschließlich der heraustretenden Gewinner und Verlierer der einzelnen Berufsklassen, sowie einen kurzen Ausblick auf die Zukunft Polens in der EU geben.

In meiner Arbeit befinden sich fünf Grafiken, anhand derer ich einige Daten auswerten werde. Aus Gründen der Übersichtlichkeit habe ich bewusst darauf verzichtet, diese in den Anhang zu versetzen. Leider habe ich speziell zu den Klassen und Berufsgruppen keine aktuellen Daten gefunden, sodass ich auf einige Statistiken aus den letzten Jahrzehnten zurückgreifen musste, was aber, in Bezug auf die geschichtliche Einordnung ganz hilfreich war.

1. Einleitung

Die Schichtungsanalyse kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Sie wurde von Theodor Geiger - einem von den Nationalsozialisten nach Skandinavien vertriebenen Klassiker der deutschen Soziologie - in Auseinandersetzung mit der Marx'schen Klassentheorie in den 1930er-Jahren entwickelt und wird heute noch in modernisierten Varianten eingesetzt.

Unter einer sozialen Schichtung versteht man im Allgemeinen das „vertikale Gefüge der Bevölkerung in einer Gesellschaft“ (Hillmann 1994: S.759). In den meisten Gesellschaften umschließt die soziale Schichtung zwei oder mehrere große Personengruppen beziehungsweise Kategorien die sozialen Schichten. Vereinfachte Modelle umfassen meist die Unterschicht, die Mittelschicht und die Oberschicht.

Zum Ausdruck kommt die soziale Schichtung zum einen in Kästen, wie beispielsweise im Hinduismus. Hier gibt es die Brahmen (studierten die heiligen Schriften der Veden), die Kshatriyas (die Kriegerkaste), die Vaishyas (die Kaste der Händler und der Hirten) und die Shudras (die dienende Kaste). Unterhalb und somit ausserhalb dieser vier Hauptkasten befinden sich die Dalits (ebd.). Zum anderen drücken sich die sozialen Schichten in einer Schicht an sich aus. Vertreter des Schichtkonzeptes sind unter anderem Max Weber, Ralf Dahrendorf und Karl Martin Bolte. Vertreter der Klassen theorie sind Max Weber, Karl Marx und Wright.

Hinsichtlich der sozialen Ungleichheit weisen die Mitglieder einer sozialen Schicht gemeinsame oder ähnliche Merkmale auf. Diese Merkmale können zum einen objektiver, zum anderen subjektiver Art sein. Zu den objektiven Merkmalen zählen unter anderem die Arbeitsmarktsituation, die Berufszugehörigkeit, das Einkommen, das Vermögen und der Bildungsstand. Zu den subjektiven Faktoren gehören beispielsweise Prestige und Anerkennung (ebd.). Bei der Untersuchung der sozialen Schichtung in Polen fallen Ungleichheiten in all den zuvor genannten Bereichen auf, diese möchte ich später genauer erleutern.

2. Schicht und Schichtmodelle

2.1 Schichtmodell nach Karl Marx

Max Weber unterteilt die Menschen in jene, die Produktionsmittel besitzen, und jene, denen dieser Besitz verwährt ist. Als Besitzend wird hier die „Bourgeoisie“ genannt und der Besitzlose stellt hier das so genannte „Proletariat“ dar (Abels 2007: S.270 f.). Für Marx ist also das antagonistische Klassenverständnis von der materiellen Grundlage der gesellschaftlichen Existenz und den gesellschaftlichen Verhältnissen determiniert und die Eigentümer der Produktionsmittel die herrschende Klasse (ebd.) Für ihn ist außerdem der Entwicklungsstand der Gesellschaft, einschließlich ihrer Ökonomie und ihres Rechtes und der religiösen Überzeugungen, ausschließlich aus der Produktion der unmittelbaren materiellen Lebensmittel abgeleitet, weshalb Gesellschaften ohne diese keine weiteren Fortschritte machen können (ebd.)

Aus der Analyse der ökonomischen Verhältnisse wird deutlich, so Marx, dass die Mitglieder der kapitalistischen Gesellschaft, die rechtlich frei sind, jedoch einzig ihre Arbeitskraft zu verkaufen haben, kontradiktorisch andere Interessen haben müssen als diejenigen, die über Produktionsmittel verfügen und Arbeitskräfte einstellen. Die Einen wollen beispielsweise ihre Arbeitskraft möglichst teuer verkaufen und möglichst wenig dafür tun, die anderen die Arbeitskraft billigst einkaufen und möglichst lange und intensiv schaffen lassen. In der Volkswirtschaftslehre ist dies als das sog. „Mini-Max-Prinzip“ bekannt, wonach beide Seiten einander ebenfalls kontradiktorisch gegenüber stehen. Sobald Mitglieder einer Klasse die Gemeinsamkeit ihrer Interessen erkennen und danach zu handeln beginnen, spricht Marx von einem Übergang von der „Klasse an sich“ (d. h. einer Klasse, die nur begrifflich durch die Stellung im Produktionsprozess gekennzeichnet ist) zur „Klasse für sich“, also zu einer Klasse, die sich ihrer selbst bewusst und willens wird, für ihre Interessen gemeinsam zu kämpfen (Klassenbewusstsein). Bewusst oder unbewusst befänden sich demnach die beiden analytisch bestimmbaren Klassen „Lohnarbeit“ und „Kapital“ in einem permanenten Streit, dem sog. Klassenkampf.

2.2 Schichtmodell nach Ralf Dahrendorf

Ralf Dahrendorf unterschied im Gegensatz zur „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“ von Schelsky und der Klassengesellschaft von Marx die Menschen in sieben Klassen und Schichten und wies damit auf die Mobilitätsbarrieren hin. Für ihn sind „Klassen“ nicht nur durch Besitz bzw. Nichtbesitz speziell von „Produktionsmitteln“, sondern schlechthin von Machtmitteln zu definieren. Damit sind z.B. sogar Gewaltmittel einbezogen. Bei ihm stehen an der Spitze der Gesellschaft die Eliten. Eine Etage unter ihnen leben nebeneinander die „bürokratischen Helfer der Eliten“, die Dienstklasse, sowie der „alte Mittelstand der Selbstständigen“. Im Hauptgeschoss leben die „große Arbeiterschicht“ sowie der „falsche Mittelstand“ der einfachen Dienstleistungsberufe. Den Keller der Schichtpyramide nimmt die Unterschicht ein. Dazu gehören nach Dahrendorf unter anderem die Dauererwerbslosen, die Halbanalphabeten und die Kriminellen. Im Gegensatz zu Marx fixiert er mit seinem Modell der Schichtung keine Produktionsverhältnisse und erklärt die soziale Ungleichheit nicht ausschließlich durch ökonomische Faktoren. Neben den Hauptklassen der Elite, die an der Spitze etwa 1% der Bevölkerung ausmachen, dem Mittelstand, der Arbeiterschicht und der Unterklasse sind für ihn auch weitere sozial- und politisch relevante Gruppierungen möglich. Im Obergeschoss befindet sich laut Grafik die Dienstklasse, diese nimmt 12% der deutschen Bevölkerung ein. Diese ist meist bürokratisch tätig und entfalten ihre soziale Mentalität über ihre Statussymbole (Dahrendorf 1965: S.). Außerdem befindet sich in dieser Etage auch noch die Mittelklasse. Dazu zählt Dahrendorf Kleinunternehmer und Einzelhändler. Im mittleren Geschoss befinden sich der falsche Mittelstand, die Arbeiterelite und die Arbeiterschicht. Dazu zählt er sowohl gelernte, als auch ungelernte Arbeiter, Handwerker und Facharbeiter. Die Arbeiterschicht nimmt hier mit 45% Bevölkerungsanteil den größten Platz ein. Im Keller befindet sich dann demzufolge die Unterschicht. Sie decken nur einen sehr geringen Teil der Bevölkerung ab, und zwar 5%. Unter diese Unterschicht fallen laut Dahrendorf Dauererwerbslose, Kriminelle und Analphabeten- also das „Lumpenproletariat“ (Dahrendorf 1965: S.?).

Für die heutige Zeit lässt sich dieses Modell zwar noch anwenden, jedoch stimmen die Prozentangaben nicht mehr mit der damaligen zeit überein. Damals stimmten die gesellschaftlichen Faktoren mit denen sich ein solches Modell bestimmen ließ, noch überein. Heute hat ein Mensch mit guter formaler Bildung nicht automatisch Anspruch auf einen

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Details

Seiten
21
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640107742
DOI
10.3239/9783640107742
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Soziologie
Erscheinungsdatum
2008 (Juli)
Note
2,7
Schlagworte
Soziale Schichtung Polen Sozialstruktur Polens

Autor

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Titel: Soziale Schichtung in Polen