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Ausgewählte Aspekte des Lebens und literarischen Werks der Caroline Michaelis-Böhmer-Schlegel-Schelling

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 28 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Gesellschaftliche Stellung im und Teilhabe der Frau am privaten und öffentlichen Leben des ausgehenden 18. Jahrhunderts
2.1 Betrachtungen zur Briefkultur und Geselligkeit
2.2 Die Rolle der Frau und deren Bezüge zur Briefkultur

3. Leben und Werk der Caroline Michaelis-Böhmer-Schlegel-Schelling
3.1 Sujets, Motive und Inhalte ihres Schreibens
3.2 Ästhetischer Charakter von Carolines Briefwerk

4. Zusammenfassende Schlussbemerkungen und weiterreichende Ausblicke

5. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Zu den faszinierendsten Frauen der deutschen Literaturgeschichte zählt heutzutage zweifels-ohne Caroline Michaelis-Böhmer-Schlegel-Schelling[1]. In besonderem Maße bekannt ist jene Göttinger Professorentochter vor allem durch ihre Vorreiterrolle im „Jenaer Kreis“ geworden. Dort bildete sie, in zweiter Ehe mit August Wilhelm Schlegel verheiratet, den Mittelpunkt jener Gruppierung der „Frühromantiker“ - einer avantgardistischen literarischen Gruppe von jungen Intellektuellen - bestehend aus berühmten Zeitgenossen wie den Schlegel-Brüdern, Novalis, Ludwig Tieck, dem jungen Schelling und Friedrich Schleiermacher. Caroline fühlte sich in Gesellschaft sehr wohl und war „mit diesem romantischen Thal ganz befreundet“[2], wie sie es dereinst formulierte. Der Jenaer Kreis verlor sich unter anderem schließlich deshalb, weil Caroline es vorzog, ihren Mann zu verlassen und den zwölf Jahre jüngeren Philosophen Schelling zu heiraten.[3]

Wohlwollend, nahezu „harmlos“ oder gar „aalglatt“ lesen sich Charakterbilder dieser Art. Doch jene, vor ca. zwei Jahrhunderten lebende, Frau galt dereinst weder als Berühmtheit noch war sie dem elitären Kreise der schriftstellerischen Zunft zugehörig. So ungewöhnlich und mitunter fast holprig ihr Name sich für heutige Verhältnisse liest, so spannend, bewegt und ereignisreich spiegelt dieser zugleich die facettenreiche Vita der Caroline wieder. Schwer nur vermag man sich der von den Briefen ausgehenden Wirkung zu entziehen: Mit ihr gemeinsam zu lieben, zu leiden, ihre Sorgen und Ängste emphatisch und ganz unwillkürlich zu teilen, „verlebendigt“ diese Frau vergangener Tage auf ungewöhnliche Weise und verortet sie gleichermaßen zeitlos im präsenten Hier und Jetzt. Weder bedeutende Reisen noch große Werke prägten ihr Leben derart maßgeblich, als dass ihr Schatten noch weit bis in die Gegenwart reicht, sehr wohl jedoch ihr Umgang mit jenen bedeutenden Persönlichkeiten des eingangs erwähnten Jenaer Kreises. Als Inspiratorin[4] diverser Dichter und Denker zur Zeit der Romantik vermochte es die von Haus aus sehr gebildete Professorentochter, sich in der „Männerdomäne“ noch weitaus gebildeter Kreise auf Augenhöhe zu bewegen und als ebenbürtiger Gesprächspartner zu behaupten. Als unweigerliche Chronistin ihrer Zeit war sie Zeugin bedeutsamer Umbrüche auf deutschen Gebieten. All jene damit einhergehenden Gedanken und Gefühle samt privater Befindlichkeiten, politischer Gesinnungen und gesellschaftlicher Schicksalsschläge finden sich in unglaublich literarisch-stilvoller Dichte in ihrem Werk respektive ihren Briefen wieder.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es nun, sich dem Briefwerk Carolines unter nachfolgendem Fokus anzunähern: Welche Themen und Inhalte waren für Caroline von Bedeutung? Was macht ihre Briefe zum ästhetisch-motivierten Werk und inwieweit hebt sich deren Charakter von jener „Zettel-Wirtschaft“ der vergleichsweise ungebildeteren Schichten ab? Welche Empfindsamkeiten vermag sie im Medium des Briefes zu artikulieren? Wie verhält sich ihr Selbstverständnis und Frauenbild zu den entsprechenden Rollenzuweisungen und Konventionen ihrer Zeit?

Diesem interpretatorischen Kern geht jedoch zunächst das in den Kontext der Thematik einführende Eröffnungskapitel zur gesellschaftlichen Stellung der Frau im 18. Jahrhundert voraus. Ziel ist es darin zunächst, einen ersten Zugang zur Bedeutung jenes „Mediums der Empfindsamkeit“[5] zu konstituieren. Akzentuiert erfolgt hierin die Darstellung von Entwicklung und Bedeutung der Briefkultur[6] in Deutschland sowie explizit die Partizipation der Frauen daran. Während sich hierzulande erst im späten 18. Jahrhundert und zur Zeit der Romantik ein beliebter Schreibort der weiblichen Klientel entwickelte und zu etablieren begann, fungierten hingegen England und Frankreich in Europa bereits als Vorläufer.

Bezugnehmend auf Untersuchungen zum Weiblichkeitsentwurf ist die vorliegende Arbeit methodologisch bei der Veröffentlichung Jutta Osinskis[7] zu platzieren, deren Erkenntnisse nachfolgend auszugsweise skizziert werden: Die Marburger Professorin propagiert, dass gleichermaßen sowohl Männern als auch Frauen das Bekennen zu den Forderungen des Feminismus[8] möglich ist. Für literarische Kontexte sind in erster Linie jedoch die - jene Bewegung prägenden - Denkweisen von Interesse. Insofern kommt dem Feminismus eine Doppelbedeutung zu: Denn neben politisch-ideologischen Haltungen greift jene Frauenbewegung in erster Linie auch weltanschauliche, literarische und kulturelle Belange sehr wesentlich mit auf.[9] Laut Pusch gehe es darum, „den patriarchalischen Gehalt aller kulturellen Hervorbringungen des Mannes“[10] aufzudecken und kritisch zu beleuchten. Hinsichtlich seiner Prämisse der Frauenunterdrückung fordert der Feminismus als „Lehre“ das gemeinsame Ziel der Emanzipation[11], wenngleich Osinski deutlich auf das Manko der bis dato nebulösen Intentionen dieser Forderung hinweist. Bezugnehmend auf den Weiblichkeits-entwurf bestimmt die feministische Literaturwissenschaft ihrerseits „Frau“ als soziokul-turelles Konstrukt. Es handelt sich dabei folglich nicht „lediglich“ um die konkrete Erscheinung bzw. die bloße biologische Eigenschaft, sondern jener Umstand markiert einen umfangreichen Komplex sozialer und kultureller Zuschreibungen:

„Seit ihren Anfängen wendet sich die feministische Literaturwissenschaft gegen Wesensaussagen über Frauen, die aus dem biologischen Geschlecht, sex, abgeleitet werden. […] Die feministische Literaturwissenschaft schon der 70er Jahre versteht „Frau“ also im Sinne von gender als historisch, sozial und kulturell, nicht als biologisch bedingtes Geschlechtswesen. Es geht ihr darum, die „Frau als Subjekt“ herauszustellen und falsche Zuschreibungen, die sie in Geschichte und Gegenwart zum Objekt gemacht haben, aufzudecken.“[12]

Sie - die Weiblichkeit - und ihr Pendant - die Männlichkeit - sind demnach auch unabhängig von biologischen Männern und Frauen zu betrachten. Osinski ergänzt diesbezüglich schließlich noch: „’Frau’ wird nicht als Subjekt, als Autorin oder Leserin, begriffen, sondern als ein soziokulturelles und/oder sprachliches Konstrukt im Schnittpunkt von Weiblichkeitszuschreibungen.“[13] „Weiblichkeit“ stellt demgemäß etwas mit stilvoll-schönem Anspruch dar, welcher sich auf ästhetischer Ebene mittels Sprache und Sprechen konstituiert. Oder anders betrachtet: Wie weit würde schließlich die Kategorie „Geschlecht“ ausreichen, um das Leben und Werk einer Frau wie Caroline zu untersuchen und angemessen darzustellen?

Insbesondere Friedrich Schlegel hat am Entwurf des Frauenbildes in der Frühromantik bekanntlich maßgeblichen Anteil. So propagiert der Schriftsteller in seinem Romanfragment „Lucinde“ die Ergänzung von Mann und Frau zur „vollen ganzen Menschheit“[14], wobei er das „Weibliche“ besonders in Bezug zur Naturnähe setzt, die Frau gar zum „Naturmenschen“[15] schlechthin stilisiert, welche den sich „männlich und rau“[16] gebärdenden Mann wieder der Natur nahe bringen und damit veredeln soll. Trotz jenes Entwurfs, der mit seinem Vereini-gungsgedanken an den Platon’schen „Kugelmensch“-Mythos erinnert, bleibt festzuhalten, dass in der Romantik klar zwischen „männlich“ und „weiblich“ getrennt wurde: „Dass sich die Geschlechter ergänzen sollten, bedeutete nicht, dass Grenzen zwischen ihnen verwischt werden durften.“[17] Caroline war nun - wie bereits erwähnt - von großer Bedeutung für das Weiblichkeitskonstrukt der Frühromantik, welches Friedrich - der jüngere Bruder ihres Mannes August-Wilhelm - entwarf. So inspirierte ihn bekanntlich dereinst die damals Hochschwangere nebst Gattin Dorothea Veith maßgeblich zu dessen Werk „Lucinde“. Eickmann ergänzt dahingehend schließlich, dass ein Aspekt im Romanfragment die Überhöhung des Mutter-Seins darstellt: „Die zehn Jahre ältere Frau […] [Caroline] muss [wohl] Friedrichs Ideal der natürlichen, naturnahen Frau entsprochen […] haben.“[18]

Wenngleich die Frauenforschung insgesamt immer noch ein relativ geringes Feld darstellt[19], so existiert jedoch durchaus bereits eine große Bandbreite an Arbeiten, die sich in dezidierter Manier literaturwissenschaftlich mit dem Werk Carolines beschäftigen. Insofern markiert das Thema, im Unterschied zur marginalen Forschung über weibliche Zeitgenossinnen der Romantik[20], kein Forschungsdefizit.

Äußerst hilfreich und anregend erwiesen sich im Zuge der Intention vorliegender Arbeit die Veröffentlichungen von Christiane Eickmann, Sigrid Damm und Christa Bürger, weil diese in überschaubarem und exemplarischem Umfang die prägenden Facetten der Romantikerin in theoretischer und praktisch-angewandter Weise skizzieren. Christa Bürger beleuchtet in ihren interpretatorisch profunden Ansätzen zu Carolines Briefwerk die Bedeutung dieser Persönlichkeit und ihres ästhetischen und facettenreichen Schreibstils eindrucksvoll. Gleichermaßen vermag sie es, selbige Briefe anhand charakteristischer Merkmale in vier Kleinformen anschaulich zu kategorisieren. Sigrid Damm liefert schließlich eine übersicht-liche Ausgabe von Carolines Briefen, die zusätzlich durch eine detaillierte Beschreibung des Lebens und Wirkens jener deutschen „femme de lettres“ ergänzt wird. Barbara Becker-Cantarinos Ausführungen zur Briefkultur im 18. Jahrhundert geben einen komprimierten und dennoch umfangreichen Einblick in die gesellige Praxis, jene weibliche Partizipation daran sowie den Stellenwert, die Funktion und Bedeutung des Mediums „Brief“ als essenzielles Kommunikationsmittel seinerzeit.

2. Gesellschaftliche Stellung im und Teilhabe der Frau am privaten und öffentlichen Leben des ausgehenden 18. Jahrhunderts

2.1 Betrachtungen zur Briefkultur und Geselligkeit

Seit jeher diente der Brief als Kommunikationsmittel zur Faktenmitteilung einerseits sowie zur Dialogführung und Selbstdarstellung andererseits. Auf diese Weise kam man mit seinen Mitmenschen schriftlich ins Gespräch, wenngleich nicht immer deutliche Abgrenzungsmög-lichkeiten hinsichtlich ästhetisch motivierter, „schöngeistiger“ Austausche und ästhetisch unmotivierten Mitteilungen existierten. Mittels jener sich entwickelnden Kultur wurde insofern die Unterhaltung und private Zusammenkunft in hohem Maße gefördert, propagiert Becker-Cantarino. Die Briefe avancierten gar zum Medium des kulturellen Umgangs: „Briefeschreiben gehörte zu der geselligen Kultur [...] des 18. und 19. Jahrhunderts als Mittel zwischenmenschlicher Beziehungen. Neue Bekanntschaften wurden durch Briefe geknüpft, Briefwechsel wurden vermittelt und Brieffreundschaften entwickelten sich auch zwischen Personen, die sich nicht persönlich kannten.“[21] Eine klare Unterscheidung zwischen Authentizität und Fiktion war jedoch nicht immer eindeutig möglich.[22] Während Männer den Brief in erster Linie zur professionsinhärenten Kontaktpflege nutzten, machten sich ihn Frauen hingegen zuallererst zur privaten Kontaktpflege zu eigen:

„Der private Brief – nicht der gelehrte, offizielle oder geschäftliche Brief [...], sondern der eigene, vielfach spontane Brief, wie ihn jede Schreibkundige mehr oder weniger als Mitteilung selbst abfassen kann -, gab Frauen die Möglichkeit, gesellige (nicht wie bei Männern üblich: berufliche) Kontakte mit anderen Frauen [...] zu pflegen und Freundschaften zu schließen; über die eigene Lebenssphäre zu schreiben, gab der Frau Bedeutung und wertete sie auf. Der Brief erweiterte und dokumentierte so den Lebensraum der Frauen, ihre Mentalität, ihre Probleme [...].“[23]

Einen besonderen Aspekt stellt die Freiwilligkeit des Schreibens der Frauen dar. Im Unterschied zu ihren männlichen Zeitgenossen empfanden sie diese Form der Kommunikation schließlich nicht als berufliche Pflicht und Bürde, sondern betrieben es zumeist als Amüsement. In der Zeit der Romantik avancierte das Briefeschreiben zum wichtigen „Gesellschaftsfaktor“, weshalb die Partizipation an dieser Kultur nahezu schon zum „guten Ton“ gehörte. Inhaltlich-thematisch beherbergten jene „Dokumente“ zahlreiche gesellschaftliche und zeitgenössische Fragen. Sie enthielten allerlei Informationen zu privaten und familiären Beziehungen, vereinten „Klatsch und Tratsch“ einerseits in sich und komplettierten die Bandbreite der Themenvielfalt jedoch auch durch zahlreiche literarische und philosophische Fragestellungen bzw. Betrachtungen. Auch politische Themen wurden darin angeschnitten sowie emotionale Differenzierungen, bis hin zur Thematisierung psychologischer Beobachtungen mit selbstreflexiven Passagen.[24]

Becker-Cantarino schlussfolgert diesbezüglich schließlich treffend: „Das schriftliche, gefühlvolle „Gespräch“ über ihre Welt mit dem fernen Freund oder der Freundin wurde zum Inhalt der „natürlichen“ Frauenbriefe, ihr Leben wurde in Brief- und Briefromanen literarisiert.“[25] Hinsichtlich jenes kultivierten, literarisierten und privaten Briefes fungierten hierin erneut England und Frankreich als kulturelle Vorläufer. Auf deren sich vollziehenden Stilwandel und Geschmackswechsel innerhalb des Mediums basierend, hielten die Modifikationen auch in Deutschland Einzug. Der Dichter und Leipziger Professor Gellert propagierte bereits in seinem Musterbuch Briefe, nebst einer Praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen (1751) einen möglichst persönlich gefärbten Schreibstil. In seinen Ausführungen warb er für den Gesprächscharakter des Mediums „Brief“ im Rahmen einer freien Nachahmung guter Konversation. Die dies beinhaltende und notwendige Natürlichkeit, Naivität und Spontaneität des Briefes in seinen charakteristischen Zügen siedelte er dem Wesen nach eher bei der weiblichen Klientel an: Er beschrieb „einen neuen Literaturtyp, die Stilisierung des privaten Briefes zur Schönen Literatur unter dem Einfluss einer neuen Generation, der aufstrebenden Literaten und nicht-professionellen Frauen.“[26] Der Philosoph, Kulturhistoriker, Übersetzer und prominente Schwager Carolines, Friedrich Schlegel, positionierte sich in ähnlicher Manier: „Eine Frau war für Schlegel die adäquate Adressatin für die eher fragmentarische, die nicht gelehrtwissenschaftliche, nicht philosophisch-systematische Form und den poetologischen Inhalt.“[27]

Becker-Cantarino skizziert ebenfalls die Grundfesten der Form dieser Briefe: So wiesen diese zumeist eine vollkommen offene Grundstruktur (i.e. Regellosigkeit der Form und des Inhalts) auf, was dem Ideenreichtum der Frauen kreativen Freiraum zur einerseits phantasievollen Selbstdarstellung und andererseits kritischen Selbstreflexion ließ. Gellert entdeckte an den publizierten französischen Briefsammlungen seinerzeit bereits ebenfalls, „dass sie die höfisch-galanten Konventionen sowie die Prinzipien der antiken Rhetorik und Stilistik nicht mehr benutzten, statt dessen modern und einfühlsam, autobiographisch und dialogisch das eigene Leben thematisierten.“[28] Die Zeit des gelehrten Briefes schien fortan vorbei zu sein. Doch welchem Publikum waren diese - mitunter sehr privaten und „delikaten“ - Dokumente eigentlich gewidmet? Becker-Cantarino erläutert diesbezüglich fundiert, warum sie ihrem Wesen nach als „halb öffentlich“ kursierten: Schließlich waren diese zum Austausch im familiären und geselligen Kreis in Form von Lesungen oder zur Weiterreichung vorgesehen. Jene Art der Verbreitung und Publikation wiederum verkörperte seinerzeit eine bedeutende Form der Geselligkeit und Kommunikation. Das Schreiben avancierte zum immens wichtigen Gesellschaftsfaktor - ein „guter“ Brief galt geradezu schon „als Visitenkarte der individuellen Persönlichkeit“.[29] Schönes Schreiben kam der Fähigkeit zum guten Tanzen oder Singen gleich. In den seltensten Fällen waren die Inhalte demgemäß auch nur für einen Adressaten bestimmt. Solcherlei Ausnahmen stellten beispielsweise Liebesbriefe dar. Doch auch andere brisante Privatangelegenheiten sahen Mitglieder der schriftstellerisch tätigen Zunft von Zeit zu Zeit ausschließlich für Auge und Ohr des singulären Empfängers vor – in solcherlei Fällen unterließ der Verfasser jedoch zumeist nicht den expliziten Hinweis auf jenen Wunsch der Geheimhaltung gegenüber Dritten. Becker-Cantarino resümiert diesbezüglich schließlich: „Die Briefe waren teilweise ganz privat nur für eine vertraute Person und teilweise für die begrenzte Öffentlichkeit des eigenen geselligen und literarischen Kreises bestimmt, teilweise sogar zur (Teil-)Publikation, ohne dass das immer scharf zu trennen gewesen wäre.“[30]

[...]


[1] Der vollständige Name wird im Nachfolgenden aus Gründen der ökonomischen Praktikabilität und der besseren Lesbarkeit wegen nur noch mit dem Vornamen „Caroline“ Erwähnung finden.

[2] Damm: Begegnung mit Caroline, S. 190. (im Folgenden ebenfalls nur noch mit „Caroline“ abgekürzt)

[3] „Am Ende zerbrach an dem von vielen als „Strafe“ für Carolines Untreue gedeuteten Unglücksfall, der die schwärmerische Liebeskonzeption der Frühromantiker auf einen harten Prüfstand stellte, auch der Jenaer Freundeskreis.“ (Quelle: http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=3962&ausgabe=200108; Datum: 22.02.08)

[4] Im zeitgenössischen Terminus auch Muse genannt.

[5] In Anlehnung an Tanja Reinleins gleichnamigen Buchtitel („Der Brief als Medium der Empfindsamkeit“, 2003).

[6] „Schriften, [die ein Thema verständlich erläuterten und zur unmittelbaren Information beitrugen und] die nicht als gelehrte Traktate mit Fußnoten, wohl aber in aufgelockerter, lebendiger, ansprechender Form eines Essays belehrend-informative Inhalte und Meinungen brachten, hießen im 18. Jahrhundert zumeist ‚Briefe’.“ (Becker-Cantarino: Schriftstellerinnen der Romantik, S. 172)

[7] Osinksi: Einführung in die feministische Literaturwissenschaft. Berlin: Schmidt, 1998.

[8] „Richtung der Frauenbewegung, die, von den Bedürfnissen der Frauen ausgehend, eine grundlegende Verän-derung der gesellschaftlichen Normen (z.B. der traditionellen Rollenverteilung) und der patriarchalischen Kultur anstrebt.“ (aus: © Duden - Das Fremdwörterbuch, 3. Aufl. Mannheim 2004 [CD-ROM])

[9] Vgl. Osinski: Einführung in die feministische Literaturwissenschaft, S. 125.

[10] Pusch: Feminismus. Inspektion der Herrenkultur, S. 13 f.

[11] „Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit; rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung [der Frau mit dem Mann]“ (aus: © Duden - Das Fremdwörterbuch, 3. Aufl. Mannheim 2004 [CD-ROM])

[12] Osinski: Einführung in die feministische Literaturwissenschaft, S. 131 f.

[13] Ebd. S. 133.

[14] Schlegel: Lucinde (1985), S. 23.

[15] Ebd. S. 94.

[16] Ebd. S. 89.

[17] Eickmann: Lebensentwürfe, S. 20.

[18] Ebd. S. 24.

[19] Vgl. Eickmann: Lebensentwürfe, S. 28.

[20] In der Regel sind zahlreiche Briefnachlässe von Frauen noch immer über viele verschiedene Archive verstreut und kursieren zumeist (wenn überhaupt) als unsortiertes Potpourri kleinerer Editionen.

[21] Becker-Cantarino: Schriftstellerinnen der Romantik, S. 162.

[22] Vgl. Becker-Cantarino: Schriftstellerinnen der Romantik, S. 150.

[23] Ebd. S. 150.

[24] Vgl. Becker-Cantarino: Schriftstellerinnen der Romantik, S. 169 f.

[25] Ebd. S. 165.

[26] Ebd. S. 166.

[27] Ebd. S. 172.

[28] Ebd. S. 165.

[29] Ebd. S. 166.

[30] Ebd. S. 167.

Details

Seiten
28
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640110780
ISBN (Buch)
9783640110841
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112259
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Germanistische Literaturwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Ausgewählte Aspekte Lebens Werks Caroline Michaelis-Böhmer-Schlegel-Schelling Weiblichkeitsentwürfe Literatur Jahrhunderts

Autor

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Titel: Ausgewählte Aspekte des Lebens und literarischen Werks der Caroline Michaelis-Böhmer-Schlegel-Schelling