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Die Farbe Blau in Religion und Kunst

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 24 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Zum Verhältnis von Christentum und Kunst

2. Farben
2.1 Die Bedeutung der Farben für die Kunst
2.2 Farben im Christentum

3. Die Farbe Blau
3.1 Herstellung und Herkunft der Farbe Blau
3.2 Bedeutung und Symbolik allgemein
3.3 Bedeutung und Symbolik im Christentum

4. Die Farbe Blau in anderen Religionen

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Zum Verhältnis von Christentum und Kunst

Bevor ich auf die Verwendung von Farben in der christlichen Kunst, insbesondere der Farbe Blau, näher eingehe, muss ich zunächst die enge und doch stets kontroverse Verbindung zwischen Christentum und Kunst erläutern. Erst so wird verständlich, wie gewisse Arten von Kunstwerken, beispielsweise Ikonen oder Buchmalereien, zustande kommen konnten und in welchem Zusammenhang sie möglicherweise entstanden sind.

Zur Zeit Moses beginnt die konfliktgeladene Beziehung der Religion zur Kunst: Das Bilderverbot des Judentums entstand nach dem Exil des Volkes Israel in Ägypten und sollte die radikale Unterscheidung zur ägyptischen Kultur mit all ihren Götterbildnissen deutlich machen. Erst lange Zeit später wurden die Bilder durch die gehobenen Bevölkerungsschichten wieder in die Religion, in diesem Fall das Christentum, eingeführt. Erste Christusdarstellungen finden sich zunächst in den Katakomben, also im Untergrund, in dem das Christentum sich entwickelte, und später nach Anerkennung der Religion in Kirchen.

Ab dem 4. Jahrhundert macht dann die Ikonenmalerei ein weites Feld im Kunstbereich aus. Eine positive Wende für die religiöse Kunst wurde im 8. Jahrhundert nach dem 120 Jahre andauernden byzantinischen Bilderstreit erreicht. Auf dem Konzil von Nizäa wurden die kultbildfeindlichen Beschlüsse widerrufen und später die Kultbildverehrung in der Ostkirche sogar festgeschrieben. Im Westen, am Hofe Karls des Großen, war zwar eine Anbetung der

Bilder nicht gestattet, wohl aber wurde das Bild zum ersten Mal als autonomes Kunstwerk betrachtet.[1] Nicht der Inhalt, sondern die Qualität des Bildes stand dort im Vordergrund.[2]

In der katholischen Theologie wurde vor allem der didaktische Nutzen der Bilder hervorgehoben. Für Papst Gregor den Großen (540-604) galten „Bilder als Bücher des Volkes“[3], die die Worte der Predigt verstärken. Diese Meinung wurde auf katholischer Seite auch während und nach der Reformation geteilt.[4]

Um 1000 n. Chr. war der Höhepunkt der christlichen Buchkunst. Einen hohen Stellenwert hatten hier Bildsprache und Farbsymbolik. Die Bedeutung, die ein Bild haben sollte, wurde mithilfe von Farben und Licht hervorgehoben. So benutzte man beispielsweise einen kostbaren Goldgrund, um die göttliche Natur Christi hervorzuheben.

Die Reformation brachte eine erneute Wende auf Seiten der „neuen“, evangelischen Konfession. Die Bildproduktion wurde radikal reduziert und der Schwerpunkt verlagerte sich von der religiösen hin zur weltlichen Kunst (z.B. Rubens) Noch heute gibt es immer wieder Konflikte zwischen Kirche und Kunst. Ein Beispiel hierfür ist Georg Baselitz’ Bild „Tanz um das Kreuz“, das ein Geschenk an eine Dorfkirche war. Es löste starke Diskussionen aus, da das Kreuz auf dem Kopf steht und musste schließlich vom Künstler wieder zurückgenommen werden.[5]

Trotz dieser Konflikte, Bilderstreits und Diskussionen hatte die Kirche wie kaum eine andere Institution Einfluss auf die Herstellung von Kunst. Zwar differenziert Hans Belting zwischen Kunst „im empathischen und reflektierten Sinne“[6], die erst nach der Renaissance entstanden sei, und Kultbildern in der Zeit davor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1: Georg Baselitz Tanz um das Kreuz (1983)

Dennoch wird gemeinhin, und auch in der Forschungsliteratur, schon bei den ersten Höhlenmalereien von Kunst gesprochen und so bezeichne auch ich die „Kultbilder“ vor der Renaissance als Kunst.

In der folgenden Arbeit werde ich also auf christliche Kunstwerke eingehen, die mit der Farbe Blau zu tun haben. Dabei möchte ich zunächst klären, welche Bedeutung Farben für uns Menschen allgemein haben und inwiefern die christliche Kirche diese Vorstellungen übernommen und umgesetzt hat. Vor allem auf die Farbe Blau gehe ich dabei näher ein, dazu gehört nicht nur die Symbolik, sondern auch die Herstellung und Herkunft der Farbe. An konkreten Kunstbeispielen werde ich die Verwendung von Blau im Christentum verdeutlichen. Diese Beispiele sollen einen Querschnitt der christlichen Kunst darstellen und sind daher aus verschiedenen Epochen und Genres wie z.B. Mosaik, Glasfenster, Fresken, Gemälde und andere gewählt. Der Ausblick auf andere Religionen am Ende der Arbeit soll mögliche Parallelen und Unterschiede in der Symbolik der Farbe Blau aufzeigen.

2. Farben

2.1 Bedeutung der Farben für die Kunst

Unsere Welt ist eine Welt der Farben. „Was immer wir sehen, was unsere Augen registrieren können, die Natur um uns herum, die Vielfalt der Gegenstände, die wir geschaffen haben, ja sogar wir Menschen selbst sind in der einen oder anderen Weise durch das äußerliche Kriterium der Farbe gekennzeichnet.“[7]

Rein physikalisch haben die Dinge allerdings gar keine Farbe, sondern nur eine Oberfläche, die vom Licht unterschiedlich reflektiert und absorbiert wird.[8] Farben sind also sozusagen

„Bedeutungsträger, verleihen den Gegenständen einen Sinn.“[9]

Das Wort „Farbe“ kommt vom althochdeutschen Wort farawa, das recht allgemein das Aussehen und die Eigenschaft von Dingen bezeichnete. Erst später war dies der Name für pflanzliche oder mineralische Farbstoffe und Pigmente.[10]

Es gibt in der Geschichte zahlreiche Forscher, Philosophen und Wissenschaftler, die sich mit der Erforschung und vor allem der Klassifizierung von Farben beschäftigt haben. Genannt seien hier nur der Physiker Isaac Newton und seine Farbzerlegung mittels Prisma,

Philip Otto Runges Farbenstern und, aus neuerer Zeit, Johannes Itten und sein 12-teiliger Farbenkreis[11]. Auch der deutsche Dichter und Denker Johann Wolfgang von Goethe investierte einen großen Teil seiner Zeit in diese Forschung und veröffentlichte 1810 das Werk Zur Farbenlehre[12].

In all diesen Klassifizierungen konnte aber nur ein Bruchteil der Farbnuancen benannt werden. Selbst das maßgebliche Farbnamenlexikon Dictionary of Color hat nur relativ wenige Farbnuancen mit Namen versehen. Der weitaus größere Teil wird in Zahlenwerten angegeben[13]. Farben sind jedoch mehr als ein rein physikalisches oder mathematisches Phänomen: Schon immer rufen sie bei den Menschen Gefühle und Assoziationen hervor, da in unserem Gedächtnis Erinnerungen an Sinneseindrücke geknüpft sind, zu denen auch die Farben gehören.[14] Sie sind damit sozusagen Urbilder der Seele, die uns in der Natur in den verschiedensten Nuancen begegnen.[15] „Farben appellieren stark an die Emotionen des Menschen“[16] und sind daher für die Kunst enorm wichtig.

Der bekannte Autor Umberto Eco hat sich ausführlich mit der mittelalterlichen Farbenlehre beschäftigt. Die mittelalterliche Ästhetik, so Eco, sei nicht über die Hell- und Dunkelwerte sondern eher durch die Kontraste der Farben zu verstehen. Jede Farbe konnte im Spiel mit einer anderen Farbe in ihrer Besonderheit herausgestellt werden.[17].

Farben stehen also nicht für sich alleine, sondern beeinflussen sich immer gegenseitig. Wie wir eine Farbe empfinden hängt unter anderem vom Hintergrund und dem Umfeld ab. Blau auf weißem Untergrund wirkt anders als Blau auf Schwarz.

„Wahrnehmen heißt, der Empfindung einen Sinngehalt zuzuschreiben; was umso leichter gelingt, wenn die Farbe eine charakteristische Eigenschaft des jeweiligen Gegenstandes ist.“[18] Zeichnet man beispielsweise ein Flugzeug oder ein Boot auf einen blauen Hintergrund, assoziieren wir mit dem Blau automatisch den Himmel bzw. das Wasser. Solche Assoziationen macht sich die Kunst häufig zunutze, nicht selten auch, um zu irritieren und zu verwirren.

Erscheinungen in der Natur lösen die Verbindungen von Farbe und Gefühl aus. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Kennzeichnung unserer Wasserhähne mit blau und rot. Mit Wärme verbinden wir Sonne, Feuer und Blut und damit die Farben Rot und Orange. Kälte ist Wasser, Eis und die Nacht und damit die Farbe Blau. Auch sprachlich gesehen haben die Farbbezeichnungen „himmelblau“, „rabenschwarz“ oder „rubinrot“ in der Natur ihren Ursprung. Eine metaphorische Verwendung von Farbbegriffen liegt dabei auf der Hand.[19]

Viele Assoziationen sind aber durch persönliche Erlebnisse geprägt, sie sind subjektiv und damit nicht zwingend für andere nachvollziehbar[20]. So kann ein und dasselbe Bild bzw. Farbe auf jeden eine andere Wirkung haben. Im Großen und Ganzen gibt es aber offensichtlich doch zahlreiche Übereinstimmungen bei Assoziationen, die man zu Farben hat, wie zahlreiche Farbtests und Befragungen ergaben. Dies wird von den Künstlern aufgegriffen und genutzt, wenn z.B. ein blaues Bild das Gefühl von Tiefe und Ruhe vermitteln soll oder ein rotes Bild ein Gefühl von Wärme.

2.2 Farben im Christentum

Zu Farben im Christentum fallen einem vermutlich zunächst die Farben der Liturgie ein, da einem diese in Gottesdiensten immer wieder begegnen. Als liturgische Farben werden die Farben der Gewänder und Paramente bezeichnet, die zu bestimmten christlichen Festen benutzt werden. „Sie sollen eine Sinneswirkung auf Stimmung und Bewusstsein des Menschen ausüben“[21] und dienen dazu, „den Charakter der verschiedenen Zeiten und Feste zu verdeutlichen.“[22]

Bis zum 12. Jahrhundert wurden die Farben nicht nach deren Symbolgehalt, sondern nach deren Kostbarkeit gewählt. Und auch später gab es nicht immer eine einheitliche Farbsymbolik, so war im germanischen Raum eher Rot als Weiß die Festfarbe.[23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die römisch-katholische Kirche kennt seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) fünf liturgische Farben: Weiß als Farbe der Reinheit, Rot als Farbe des Blutes sowie des Feuers und Sinnbild des Heiligen Geistes, Violett als Farbe der Buße, Grün als Farbe des Wachstums und der Hoffnung und Schwarz als Farbe der Trauer.[24] Es gibt aber Abwandlungen dieser Farben wie z.B. Gold, Silber, Rosa oder Blau, die regional getragen werden.[25]

Die evangelische Kirche hat sich nach den Reformen im 19. Jahrhundert darauf verständigt, die liturgischen Farben weiterzuverwenden, mit Ausnahme von Rosa und Blau, die als liturgische Nebenfarbe gelten. Man beschränkt sich aus praktischen Gründen meist auf Rot für die Feste,

Grün für den Alltag und Schwarz für die Trauer.[26]

„Mit dem Wechsel der Farben in der Ordnung des liturgischen Farbenkanons (violett, weiß, grün und rot) tritt der Gang des Kirchenjahres als zeitgebendes Element im sakralen Raum optisch in Erscheinung“.[27]

2: Die Feste im Jahreskreis der evangelischen Kirche

Die christliche Kunst ist stark von ihrer Symbolsprache geprägt, die allgemein verständlich ist oder zumindest war. Man denke dabei z.B. an das Kreuz, das Lamm, den Hirten usw. Im Mittelalter wurde diese Symbolsprache ausgeweitet und auch Zahlen, bestimmte Attribute von Aposteln oder Heiligen und ganz besonders Farben einbezogen.[28]

Die Schwierigkeit, der die christlichen Künstler seit zweitausend Jahren gegenüber stehen, ist, wie sich das göttliche Wirken und die Transzendenz mit ihren zur Verfügung stehenden Mitteln ausdrücken lässt. Vielen Künstlern schien das Licht eine geeignete Form zu sein, unter anderem wegen des Zitats aus dem Johannesevangelium: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12). Aber auch „in den Psalmen erscheint das Licht als […] Wesen der Gottheit.“[29], so z.B. Psalm 36,10 („Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht“) und Psalm 104,2 („Licht ist dein Kleid, das du anhast…“).

[...]


[1] Vgl. Mertin, Wendt 2004, 24-26

[2] Vgl. Ebd., 107

[3] Mertin, Wendt 2004, 26

[4] Vgl. Ebd., 109

[5] Vgl. Ebd., 111

[6] Mertin, Wendt 2004, 24

[7] Knuf 1988, 11

[8] Vgl. Ebd.

[9] Lurker 1990, 141

[10] Vgl. Bruns 1997, 10 f.

[11] Grässli 2001, 8-13

[12] Goethe 1810 (Internetquelle)

[13] Vgl. Gage 1999, 23

[14] Vgl. Knuf 1988, 11

[15] Vgl. Riedel 1983, 56

[16] Mertin, Wendt 2004, 131

[17] Vgl. Ebd., 128

[18] Biesinger, Braun 1995, 83

[19] Vgl. Knuf 1988, 13

[20] Vgl. Biesinger, Braun 1995, 83-85

[21] Wikipedia „Liturgische Farben“ (Internetquelle)

[22] Stromer 1998, 210

[23] Vgl. Wikipedia „Liturgische Farben“

[24] Vgl. Stromer 1998, 210

[25] Vgl. Wikipedia „Liturgische Farben“

[26] Vgl. Stromer 1998, 213

[27] EEK 2001, 524

[28] Vgl. Goecke-Seischab 2004, 158

[29] Lurker 1990, 95

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (Buch)
9783640124862
Dateigröße
846 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112418
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg – Evangelische Theologie
Note
2,0
Schlagworte
Farbe Blau Religion Kunst Religion Kunst

Autor

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