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Die Kritik von Leo Strauss an Carl Schmitts "Der Begriff des Politischen"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 21 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Biographie Carl Schmitt

2. Biographie Leo Strauss

3. Carl Schmitts „Der Begriff des Politischen“

4. Leo Strauss’ Reaktion auf Carl Schmitt

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Carl Schmitt ist einer der „einflussreichsten und umstrittensten Juristen und politischen Denker“[1] des 20. Jahrhunderts. Nach Paul Noack hat von allen Schriften Der Begriff des Politischen die größte Resonanz gefunden: „An keiner anderen Schrift haben sich der Scharfsinn und auch die Médisance der Interpreten stärker entzündet.“[2] Sie wird von vielen als das erfolgreichste und am meisten Aufsehen erregendste Werk von Carl Schmitt angesehen.[3] Der Begriff des Politischen ist die einzige Schrift von Carl Schmitt, die in drei verschiedenen Versionen erschienen ist: 1927, 1932 und 1933. Die erste Fassung ist im September 1927 im Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik erschienen. Die zweite, wesentlich umfangreichere Version wurde 1932 – das Nachwort von Carl Schmitt stammt vom November 1931[4] – als eigenständige Publikation veröffentlicht und enthält neben dem eigentlichen Text eine neubearbeitete Rede aus dem Jahr 1929 mit dem Titel Das Zeitalter der Neutralisierungen und Entpolitisierungen. Die dritte Fassung aus dem Jahr 1933 enthält nicht nur kleine stilistische Modifikationen oder geringfügige Korrekturen, sondern auch, wie Heinrich Meier eindeutig belegt, einige zeitgemäße Änderungen, wie beispielsweise die „opportune Erwähnung der Nationalsozialisten“ oder Aussagen mit „kaum verhohlener antisemitischer Stoßrichtung.“[5] Diese Veränderungen waren so gravierend, dass Carl Schmitt diese Fassung in der Neuauflage von 1963 mit keinem Wort erwähnt.

Aber nicht nur die veränderte politische Situation hat Schmitt dazu bewogen Den Begriff des Politischen zu überarbeiten. Er reagierte ebenso auf die Kritik des „noch nahezu unbekannten jungen Philosophen“[6] und jüdischen Gelehrten Leo Strauss. Seine Anmerkungen zu Carl Schmitt, Der Begriff des Politischen wurde 1932 ebenfalls im Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik und offenbar mit Wissen und Förderung von Carl Schmitt veröffentlicht.[7] Folgt man Clemens Kauffmann markiert diese Schrift „einen Durchbruch in der philosophischen Arbeit von Leo Strauss.“[8]

Diese Arbeit wird sich mit der Kritik von Leo Strauss an Carl Schmitts Begriff des Politischen auseinandersetzen. Dazu werden zunächst in Kapitel 1 und 2 Carl Schmitt und Leo Strauss kurz aber umfassend biographisch betrachtet. In Kapitel 3 werden mit der Auseinandersetzung mit Carl Schmitts Der Begriff des Politischen die Grundlagen für die Analyse gelegt. Im anschließenden Abschnitt (Kapitel 4) werden die wichtigsten Kritikpunkte Leo Strauss’ herausgegriffen und in Beziehung zur Schrift des Kritisierten gesetzt.

Für die Analyse werden folgende Fassungen der beiden grundlegenden Texte verwendet: Schmitt, Carl 1963: Der Begriff des Politischen. Text von 1932 mit einem Vorwort und drei Corrollarien. 6.Auflage, 4.Nachdruck der Ausgabe von 1963. Berlin 1996 sowie Strauss, Leo 1932: Anmerkungen zu Carl Schmitt, Der Begriff des Politischen. In: Meier 1988, S.99-125.

1. Biographie Carl Schmitt

Carl Schmitt wurde am 11. Juli 1888 im westfälischen Plettenberg geboren und starb dort zurückgezogen am 07. April 1985. Schmitt entfaltete „eine große Wirkung auf die Geistesgeschichte der Bundesrepublik, die inzwischen zu einer weltweiten Rezeption angewachsen ist.“[9] Zahlreiche seiner Schüler prägten das juristische Denken der frühen Bundesrepublik mit und auch heute erleben seine Werken eine Renaissance, „etwa wenn über seinen Einfluss auf die amerikanischen Neokonservativen (‚Neocons’) diskutiert oder der bewaffnete Terrorismus als ‚Partisanenstrategie’ analysiert wird.“[10]

Schmitt entstammt einer kleinbürgerlichen und streng katholischen Familie und begann, nach dem Besuch der katholischen Volksschule und des humanistischen Gymnasiums, 1907 ein Studium der Staats- und Rechtswissenschaft in Berlin, München und Straßburg. In Straßburg promovierte er 1910 mit seiner Arbeit Über Schuld und Schuldarten. Eine terminologische Untersuchung. Noch während des Krieges 1916 habilitierte er mit seiner bereits 1914 erschienenen Schrift Der Wert des Staates und die Bedeutung des Einzelnen. Die Kriegzeit erlebte Schmitt als Kriegsfreiwilliger aber für den Fronteinsatz Untauglicher in München im Stellvertretenden Generalkommando des I. Armeekorps. Diese Arbeit zwang ihn, folgt man Hermann Dorowin, „zur Befassung mit Kriegs- und Ausnahmezustand, Gesetz und Maßnahme, und trug so zur Ausformung einiger Leitmotive seines späteren Werkes bei.“[11]

Am 01. September 1919 begann Schmitts akademische Karriere als Dozent an der Handels-Hochschule München. Am 01. Oktober 1921 wurde Schmitt an die Universität Greifswald berufen, folgte aber bereits zum Sommersemester 1922 dem Ruf an die Universität Bonn. In seiner Bonner Zeit schrieb Carl Schmitt die erste Fassung seines Begriff des Politischen und begann ebenfalls mit der Entwicklung einer neuen Verfassungstheorie. In seiner Verfassungslehre (1928) unterzog er die Weimarer Verfassung einer systematischen juristischen Analyse und führte zugleich eine geistesgeschichtlich-soziologische Betrachtungsweise in die Verfassungslehre ein, „die in einer teils theologischen, teils vitalistischen Verherrlichung des Ausnahmezustandes gipfelte.“[12] Die Bonner Zeit brachte den großen Durchbruch für Carl Schmitt, der seit dieser Zeit voll etabliert war und dessen Einfluss bis weit in das linke Spektrum hinein reichte. Nach seiner Berufung an die Berliner Handelshochschule am 01. April 1922 knüpfte er zahlreiche politische Kontakte, die bis in Regierungskreise reichten. Insbesondere seine Kritik am Pluralismus und der parlamentarischen Demokratie sowie sein Eintreten für einen starken Reichspräsidenten waren für diese Kreise sehr interessant.

Nach einem kurzen Zwischenspiel an der Universität Köln (1932-1933) wurde Schmitt zum Wintersemester 1933 – endlich – an die Friedrich-Wilhelm Universität Berlin berufen, wo er bis zum Kriegsende 1945 blieb. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten arrangierte sich Schmitt mit dem System und trat am 01. Mai 1933 der NSDAP bei. Zwischen 1933 und 1936 passte Schmitt seine Lehre dem Nationalsozialismus an[13], arbeitete am Reichsstatthaltergesetz (1933) zur Gleichschaltung der Länder mit und spielte eine „überragende Rolle“[14] bei der Gleichschaltung der Rechtswissenschaft und Justiz. 1933 erschien auch die dritte Fassung des Begriff des Politischen, die, wie bereits erwähnt, einige nationalsozialistische Tendenzen enthielt. Von Hermann Göring wurde Schmitt im Juli 1933 zum Preußischen Staatsrat ernannt. Er übernahm noch weitere hochrangige Ämter wie die Leitung der Reichsfachgruppe Hochschullehrer des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen und wurde Herausgeber der Deutschen Juristen-Zeitung (1934-1936) sowie der Schriftenreihe Der deutsche Staat der Gegenwart. 1936 zog er sich nach heftigen Attacken der SS-Zeitschrift Das Schwarze Korps von seinen Ämtern zurück und widmete sich fortan vor allem Fragen des Völkerrechts.[15] „Der Versuch Sch[mitt]s und einiger seiner Interpreten, diesen erzwungenen Rückzug als innere Emigration zu deuten, überzeugt jedoch angesichts der weiteren Veröffentlichungen der Jahre 1936 bis 1945 keineswegs.“[16]

Im Herbst 1945 wurde Carl Schmitt von den amerikanischen Besatzungstruppen für ein Jahr interniert, im Dezember seines Berliner Lehrstuhls enthoben und im Zuge der Nürnberger Prozesse wegen geistiger Vorbereitung eines Angriffskrieges verhört. Nach seiner Haftentlassung kehrte Schmitt in seinen Heimatort Plettenberg zurück und begann 1949, anfangs unter einem Pseudonym, wieder zu publizieren. Während zunächst eine „wiederentdeckte Frömmigkeit“ seine Nachkriegsschriften durchwehen, kehrt er nach Hermann Dorowin bald wieder zu den vertrauten Themen der Weimarer Zeit zurück.[17] In den 1980er Jahren erlebten die Werke von Carl Schmitt eine Wiederbelebung, die bis heute anhält.[18]

[...]


[1] Ottmann, H. 1999: Carl Schmitt. In: Volpi, Franco (Hrsg.): Großes Werklexikon der Philosophie. Stuttgart, S.1358.

[2] Noack, Paul 1993: Carl Schmitt. Eine Biographie. Berlin, S.114.

[3] Vgl. Ottmann 1999, S.1359.; Meier, Heinrich 1988: Carl Schmitt, Leo Strauss und „Der Begriff des Politischen“. Zu einem Dialog unter Abwesenden. Stuttgart, S.11.

[4] Vgl. Noack 1993, S.114.

[5] Vgl. Meier 1988, Anm.5, S.14.

[6] Vgl. Ebd., S.17.

[7] Vgl. Ebd., Anm.7, S.16.

[8] Kauffmann, Clemens 1997: Leo Strauss zur Einführung. Hamburg, S.85.

[9] Ottmann 1999, S.1358.

[10] http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schmitt

[11] Dorowin, Hermann 1989: Schmitt, Carl. In: Metzlers Philosophen Lexikon. Stuttgart, S.708.

[12] Ebd.

[13] Beispiele sind die Artikel Der Führer schützt das Recht (1934), Die deutsche Rechtswissenschaft im Kampf gegen den jüdischen Geist (1936) sowie Die Verfassung der Freiheit (1935) indem er die Nürnberger Rassegesetze verteidigt. Vgl. Mehring, Reinhard 2001: Carl Schmitt zur Einführung. Hamburg, S.62f.

[14] Mehring 2001, S.60.

[15] Mehring 2001, S.73-79 beschreibt die Diskussion um die Ursachen des „Falls“ von Schmitt sehr ausführlich.

[16] Dorowin 1989, S.709f.

[17] Vgl. Ebd., S.710.

[18] Vgl. gesamtes Kapitel Dorowin 1989, S.707-710.; Ottmann 1999, S.1358.; Mehring 2001.; http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schmitt.; Gebhardt, Winfried 1995: Schmitt, Carl. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. IX, Spalten 486-496. Unter: www.bautz.de/bbkl/s/s1/schmitt_c.shtml.

Details

Seiten
21
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640110445
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112615
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Kritik Strauss Carl Schmitts Begriff Politischen Schmitt Demokratie

Autor

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