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Posttraumatische Belastungsstörung

Hausarbeit 2008 22 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Geschichtliche des Begriffs und seiner Anerkennung

3. Einordnung der Psychotraumatologie

4. Trauma- Ereignis oder Erlebnis?

5. Posttraumatische Belastungsstörung
5.1 Definition und Verlauf der Krankheit
5.2 Beschreibung der Symptome

6. Spezielle Psychotraumatologien
6.1 Abgrenzung zu Allgemeiner Traumatologie
6.2 Beispiel Holocaust

7. Klinisches Beispiel einer PTBS nach einem Verkehrsunfall
7.1 Traumatische Situation
7.2 Symptome
7.3 Diagnose

8. Phänomenologie der PTBS
8.1 Störungsmodell nach Ehlers und Clark 1999
8.2 Dysfunktionale Verhaltensweisen und kognitive Verarbeitungsstile

9. Therapie
9.1 Integrative Traumatherapie
9.2 Begleitetes Wiedererleben als Therapie
9.3 Therapieansatz nach Anke Ehlers

10. Bedeutung für die Soziale Arbeit

Literaturverzeichnis

1. Vorwort

In der folgenden Hausarbeit möchte ich die Posttraumatische Belastungsstörung als komplexe Reaktion auf Erlebnisse außerordentlichen Schreckens darstellen. Dabei gehe ich auf ihre frühe geschichtliche Entwicklung ein, da sie zwar schon lange erforscht, in den letzten 30 Jahren jedoch erstmalig anerkannt wurde. Noch immer ist der Begriff der Posttraumatischen Belastungsstörung umstritten, ebenso die genaue Definition eines Traumas. In meiner Arbeit möchte ich diese Diskussion näher beleuchten und eventuelle Empfehlungen geben. Additional zur Beschreibung des Krankheitsbildes gehe ich auf spezielle Formen der Posttraumatischen Belastungsstörung ein. Das gewählte Beispiel der ehemaligen KZ-Häftlinge soll die Abgrenzung zu der herkömmlichen PTBS verdeutlichen, die ebenfalls anhand eines klinischen Beispiels erläutert wird. Ich möchte anhand des Störungsmodells von Ehlers und Clark mögliche Ursachen für die Ausprägung eines PTBS erklären und letztlich drei Therapieansätze vergleichen und analysieren.

2. Geschichtliche des Begriffs und seiner Anerkennung

Obwohl Menschen seit jeher mit traumatischen Erlebnissen und deren Verarbeitung konfrontiert sind, stammen die ersten systematischen Beschreibungen traumabedingter Symptome aus der Zeit des Endes des 19. und des Anfangs des 20. Jahrhunderts. Joseph Breuer und Sigmund Freud beschrieben erstmals 1895 die möglichen Langzeitfolgen von Traumata in ihren „Studien über Hysterie“ als eine Unterklasse der hysterischen Erkrankung. Durch die beiden Weltkriege häuften sich die psychopathologischen Auffälligkeiten und Kriegsneurosen bei den überlebenden Soldaten, wodurch eine intensivierte wissenschaftliche Beschäftigung mit den Folgen psychischer Traumatisierung angeregt wurde. Für die Symptome wurde jedoch zunächst eine Vielzahl an diagnostischen Bezeichnungen gefunden, wie z.B. die „Kampf- oder Kriegsneurose“, der „Granatenschock“ oder die „Schreckenneurose“. Dabei wurde bezweifelt, dass das traumatische Ereignis die wesentliche Ursache der psychischen Auffälligkeiten darstellt. Viele Experten hielten organische Faktoren für entscheidend, wie z.B. ins Gehirn gelangte Granatsplitter als Ursache des „Granatenschocks“. Andere wiederum bezweifelten die Validität der berichteten Symptome und unterstellten den Patienten das so genannte Kompensationssyndrom, also die Intention eines finanziellen Ausgleichs für die erlittenen Ereignisse. Die psychischen Auffälligkeiten bei Menschen, die traumatische Ereignisse erlebten, wurden auf deren psychische Labilität, neurotische Konflikte oder auch Geisteskrankheiten zurückgeführt.[1] Insbesondere jedoch der Umgang mit den Überlebenden des Holocausts forcierte Bemühungen zur weiteren Forschung. Doch vor allem deutsche Psychiater vertraten auch hier die These, dass eine erbliche Veranlagung der ehemaligen KZ-Häftlinge eine bedeutende Rolle bei der Ausprägung der posttraumatischen Störungsmodelle spiele.[2] Kurt Eissler, ein renommierter US-amerikanischer Psychoanalytiker deutscher Herkunft, verfasste im Jahre 1963 einen Artikel mit der Überschrift „ Die Ermordung von wie vielen seiner Kinder muss ein Mensch symptomfrei ertragen können, um eine normale Konstitution zu haben?“[3] und machte somit auf die damals gängige deutsche Gutachterpraxis in Rentenprozessen aufmerksam, die die labile psychische Konstitution der Betroffenen als Grund der Ablehnung der posttraumatischen Reaktionen als eigenständiges Krankheitsbild angaben. Daher spricht man bei der deutschen Nachkriegspsychiatrie auch von der Verfolgung der Verfolgten. Ein weiteres bedeutendes Ereignis, welches die genauere Erforschung von posttraumatischen Krankheitsbildern voranbrachte, war der Vietnamkrieg. Die außergewöhnlich schrecklichen Ereignisse der Vietnamveteranen mussten in so genannten „veteran centres“ mit den Betroffenen aufgearbeitet werden. Es kam zu ersten Formulierungen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die 1980 erstmals Eingang in das international bedeutsame amerikanische Diagnostische-Statistische Manual DSM IV fand unter dem Namen „posttraumatic stress disorder“ . Generell beschäftigte sich die Wissenschaft in den USA schon sehr viel länger mit der Erforschung von schweren und schwersten Stressphänomenen. Nach eineinhalbjähriger Vorbereitung gründete sich 1991 in Freiburg das „Institut für Psychotraumatologie“, um einen Rahmen für die verschiedensten Forschungsinteressen zu bieten. Im Jahre 1994 wurde die Posttraumatische Belastungsstörung in die Klassifikation des ICD-10 als eigenständige Krankheit aufgenommen.[4]

3. Einordnung der Psychotraumatologie

Das im Jahre 1991 gegründete „Institut für Psychotraumatologie“ führte als Novum in der Geschichte der Medizin eine explizit psychologische und psychosomatische Traumatologie ein. Dabei stehen sich die bis dahin bekannte chirurgische Traumatologie, die die Aufmerksamkeit auf die menschliche Erlebnissphäre richtet und die psychologische Traumatologie, die sich mit der Untersuchung und Behandlung seelischer Verletzungen und ihrer Folgen beschäftigt, gegenüber.

Die Wissenschaft der Traumatologie hat sich also die Beschäftigung mit Traumata und deren Folgen zur Aufgabe gemacht. Was genau ist aber ein Trauma? Ist es objektiv zu kategorisieren oder muss es subjektiv interpretiert werden? Ist es ein Erlebnis oder ein Ereignis?

4. Trauma- Ereignis oder Erlebnis?

Das Wort Trauma kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Wunde“ oder „Verletzung“. Im ICD-10 wird es als „belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes (…)“ beschrieben, „die bei fast jedem eine tiefe Verstörung hervorrufen würde.“[5] Einer notwendigen Kausalität zwischen tiefer Verstörung und psychischer Konstitution wird hier demnach deutlich entgegengetreten, trotzdem angeführt wird, dass prädisponierende Faktoren wie z.B. zwanghafte oder asthenische Persönlichkeitszüge die Schwelle zur Krankheit senken können.

Nach dem Diagnostischen und Statistischen Manuals DSM-IV muss das Ereignis außerhalb der normalen menschlichen Erfahrung liegen. Diese Angabe erweist sich jedoch als zu streng, da nach epidemiologischen Studien einige Stressoren weit verbreitet sind, wie z.B. Verkehrsunfälle. Außerdem muss nach dem DSM-IV der Betroffene in eine Situation involviert worden sein, wo sein eigenes oder fremdes Leben durch Tod, Lebensgefahr oder starke Körperverletzung bedroht wurde. Anke Ehlers[6] fügt in ihrer Darstellung über Posttraumatische Belastungsstörung jedoch hinzu, dass nicht nur die Bedrohung körperlicher Integrität, sondern auch die Bedrohung der Wahrnehmung, ein autonom denkender und handelnder Mensch zu sein. Durch sexuelle Misshandlungen, Vergewaltigungen oder auch Demütigungen von politisch Inhaftierten können demnach ebenso traumatisierend wirken. Dabei müssen Stress und Trauma unterschieden werden, denn ein Trauma ist eine seelische Verletzung, eine Konnotation von Leiden und Kranksein. Gottfried Fischer und Peter Riedesser weisen in ihrem „Lehrbuch der Psychotraumatologie“ darauf hin, dass die Verletzungen nicht primär im körperlichen, auch nicht „vage in einem irgendwie konzipierten sozialen Bereich liegen, sondern das verletzbare, sich -empfindende und sich- verhaltende menschliche Individuum, wenn es in seinen elementare Lebensbedürfnissen bedroht und verletzt ist, in seiner menschlichen Würde und Freiheit missachtet wurde“[7]. Nach Freud ist das Körper-Ich der Kern des psychischen Ichs, somit führt die gestörte körperliche Integrität auch zu einer psychischen Disharmonie. Riedesser und Fischer schlagen eine subjektivere Definition eines Traumas vor als „unerträgliches Erlebnis, welches die individuellen Belastungsmöglichkeiten überschreitet“[8]. Hier besteht jedoch die Gefahr einer subjektiven Willkür und Beliebigkeit, wenn der Bezug auf das Ereignis vollkommen wegfällt. Aus einem ökosozialen Gesichtspunkt ist die Relation vom Ereignis zum erlebenden Subjekt entscheidend, also die subjektive Reaktion, wie Hilflosigkeit, Angst, Panik des Betroffenen auf die traumatische Reaktion. Trotzdem ist ein traumatischer Prozess nicht nur ein individueller, sondern auch ein sozialer Prozess. Für die Betroffenen ist es sehr wichtig, wie sich die Allgemeinheit zum Elend des Betroffenen verhält. In der Nachkriegszeit war die traumatische Situation vieler ehemaliger KZ-Häftlinge weiterhin andauernd, da eine gesellschaftliche Verdrängung, Ausgrenzung und Missachtung fortwährend stattfand. Die bedingungslose Anerkennung der Holocausts und die Beschäftigung mit den Opfern dämmte die traumatische Situation vieler ehemaliger KZ-Häftlinge ein, obwohl sie sich dennoch inmitten von ehemaligen Tätern in Deutschland befanden. Entscheidend ist, dass die Allgemeinheit die Betroffenen in ihrer Besonderung, Zerstörung und Entstellung zwar bedauern, sie als statistisch aber durchaus „erwartbaren“ Einzelfall sehen.

Nach einem Trauma entwickelt jeder Organismus eine eigene, übergreifende Selbstheilungsstrategie, um das erlebte Ereignis des Schreckens zu verarbeiten. Die Folgen eines Psychotraumas werden in zwei verschiedene Diagnosen gefasst: die akute Belastungsreaktion (nach ICD-10 F43.0), die unmittelbar auf das belastende Ereignis folgen und die Dauer begrenzt ist und die Posttraumatische Belastungsstörung (nach ICD-10 F34.1), bei der Symptome meist erst einen Monat nach dem belastenden Ereignis auftreten und chronifizieren können.[9] Die bisher vorliegenden epidemiologischen Daten stammen hauptsächlich aus den USA und den dort verwendetet DSM-IV Kriterien.

Eine Stichprobe von Kesslers Posttraumatic stress disorder in the National Comorbidity Survey. Archives of the General Psychiatry 1995 fand heraus, dass 61% der Männer und 51% der Frauen mindestens ein traumatisches Erlebnis in ihrem Leben hatten. Jedoch bildet sich bei lediglich 0,4 % der Menschen mit traumatischen Ereignissen eine Posttraumatische Belastungsstörung aus[10]. Was versteht man jedoch explizit unter dem Begriff Posttraumatische Belastungsstörung?

[...]


[1] Anke Ehlers, Posttraumatische Belastungsstörung, Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen, Bern, Toronto, Seattle, S. 2

[2] Gottfried Fischer, Peter Riedesser, Lehrbuch der Psychotraumatologie, 3. Auflage, Ernst Reinhardt Verlag München Basel, S. 31

[3] http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/kcxml

[4] http://www.dachau-institut.de/psychologie/seelische_auswirkungen/seelische_auswirkungen_1.html,

[5] http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2006/fr-icd.htm

[6] Anke Ehlers, Posttraumatische Belastungsstörung, Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen, Bern, Toronto, Seattle, S.4

[7] Gottfried Fischer, Peter Riedesser, Lehrbuch der Psychotraumatologie, 3. Auflage, Ernst Reinhardt Verlag München Basel, S.61

[8] Gottfried Fischer, Peter Riedesser, Lehrbuch der Psychotraumatologie, 3. Auflage, Ernst Reinhardt Verlag München Basel, S. 61

[9] http://www.dachau-institut.de/psychologie/seelische_auswirkungen/seelische_auswirkungen_1.html

[10] Anke Ehlers, Posttraumatische Belastungsstörung, Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen, Bern, Toronto, Seattle, S. 6

Details

Seiten
22
Jahr
2008
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112693
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Posttraumatische Belastungsstörung

Autor

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Titel: Posttraumatische Belastungsstörung