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Der Zusammenhang zwischen Bewegungserziehung und kognitiver Entwicklung

Diplomarbeit 2008 103 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung:

B. Erster Teil
I. Motorische Erziehung
1.Motorik
a. Was versteht man unter dem Begriff Motorik?
a Kondition
b Koordination
b. Bewegung und Entwicklung
c. Warum lernen wir Bewegung?
II. Kognitive Entwicklung
1. Kognition
a. Was versteht man unter dem Begriff Kognition?
b. Was ist Wahrnehmung?
c. Die Bedeutung der Vorstellung für die Wahrnehmung:
d. Aufmerksamkeit
e. Was ist Aufmerksamkeit?
f. Denken
a. Was ist Denken?
b. Vorstellungen
γ. Denken und Bewegung
f. Gedächtnis
a. Was sind Gedächtnissysteme?
g. Sprache
a. Was ist Sprache?
b. Die Sprachentwicklung
h. Was versteht man unter dem Begriff Entwicklung?
a. Begriffserklärung Entwicklung:
III. Motorik und Kognition
1. Motorik und Wahrnehmung
2. Sprache und Bewegung
3. Bewegung und Gefühle
4. Bewegung verbindet
5. Einfluss der Bewegung auf die Entwicklung:
6. Lernen und Gehirn

C. Zweiter Teil
I. Studien
1. Auswirkungen von Sport und Bewegung auf die Entwicklung von Kindergartenkindern
a. Stichprobe
b. Methode
c. Ergebnisse
α. Regelmäßig Sport treibende Kinder
β. Zusammenhänge der motorischen Entwicklung mit anderen Entwicklungsbereichen
2. Die CoMiK- Studie
a. Stichprobe
(Everke, Nemeckova, 2007)
b. Methoden
a. Messinstrumente
c. Erste Teilergebnisse
3. SPARK-Projekt
a. Stichprobe
a. Auswahl der Schulen
b. Probanten
c. Zurückbehaltene Gruppe:
b. Methode
a. SPARK Bewegungsprogramm:
b. Selbstmanagementprogramm:
c. Ausbildungsprogramm der Lehrer:
d. Sportlehrer:
e. Bedingungen der Kontrollgruppe:
f. Maßnahmen der kognitiven Leistungen:
g.Selbstberichtete über körperliche Aktivität:
h. Beschleunigungsmesser:
i. Fitness und Anthropometric-Messungen:
k. Beobachtungen der Bewegungsklassen:
4. Ergebnisse
a. Körperliche Aktivität
a. Ergebnisse der außerschulischen körperlichen Aktivität
b. Auswertung des Beschleunigungsmessers
c. Abruf der täglichen körperlichen Aktivität
5. Vergleich der Studien
a. Vergleich der Stichproben
b. Vergleich der Methoden
c. Vergleich der Messinstrumente
d. Vergleich der Ergebnisse

D. Dritter Teil
I. Schlussfolgerung und persönliche Stellungnahme

E. Vierter Teil
I. Einleitung zum praktischen Teil
II. Ideen zur Praxis
1. Wie integriert man Bewegung in das Curiculum?
2. Beispiele
a. Spiele zur taktilen Wahrnehmung:
a. Tastkiste:
b. Hände spüren:
¡. Barfuss:
b. Spiele zur akustischen Wahrnehmung:
a. Akustisches Memory:
b. Geräusche:
c. Spiele zur Geruchswahrnehmung:
a. Geruchsmemory:
b. Waldgerüche:
d. Spiele zur optischen Wahrnehmung:
a. Waldmandala:
b. Fernwehstraße:
¡. Spiegel:
e. Spiele zur Geschmackswahrnehmung:
Schmecken:
f. Spiele zur vestibulären Wahrnehmung:
a. Labyrinth:
b. Das Karussell
g. Spiele zur kinästhetischen Wahrnehmung:
a. Begrüßungsspiel:
b. Klebriges Popkorn:
h. Spiele zur taktil-kinästhetischen Wahrnehmung: Liegende Acht
i. Phantasiespiele zur Sinnes-, Bewegungs- und Raumerfahrung:
a. Aufwärmspiele:
b. Spiel “Eckig - rund”:
c. Spiel „Zeitlupe:
j. Spiele die den Herzkreislauf anregen:
a Einfrieren:
b. Boogie-Woogie:
c. Fototermin:
d. Feuer, Wasser, Sturm
k. Balancierübungen:
l. Gleichgewichtsübungen:
a. Das Pendel:
b. Tablett tragen:
m. Koordinationsübungen:
a. Dick und Doof:
b. Hand-Bauch:
c. X-O:
d. Überkreuzbewegungen
n. Entspannungsübungen:
a. Geschichten:
b. Rückenmassage:
c. Klangmassage:
d. Igelmassage:
e. Zusammengerolltes Blatt:
f. Fantasiereisen:
g. Yoga:
Beispiel einer Rückenmassage:
Beispiel einer Fantasiereise
Beispiel für eine Yogaübung
o. Tänze:
III. Einige Zitate von Wissenschaftlern über Motorik und Kognition:

F. Fünfter Teil
I. Bibliographie

A. Einleitung:

Schon die alten griechischen Philosophen haben darüber gegrübelt, ob Motorik und Kognition zusammenhängen. (Everke, 2007)

Da ich selbst sehr viel Bewegung brauche und in der Schule dauernd mit dem Stuhl geschaukelt habe, frage ich mich ob die Kinder, vor allem die Kindergartenkinder keine Probleme haben ruhig sitzen zu bleiben. Bewegung ist ein Grundbedürfnis der Kinder, sie rennen, laufen, springen, balancieren wo sie nur Gelegenheit dazu haben, all dies ist ein unmittelbarer Ausdruck kindlicher Lebensfreude. Bewegung spielt vor allem im Kindesalter eine wichtige Rolle und ist Voraussetzung für eine gesunde und leistungsfähige Entwicklung.

Im Berufsalltag in der Schule begegnet man jeden Tag Kinder die nervös sind, die schaukeln, sich nicht lange oder überhaupt nicht konzentrieren können, sich andauernd mit etwas anderem beschäftigen, als das was die Lehrer/in gerade erzählt.

Diese Kinder sind in den meisten Fällen nicht krank, sondern leiden unter Bewegungsmangel.

Bei der Suche eines Themas bin ich im Internet auf eine Studie gestoßen, die sich mit dem Zusammenhang von Bewegungserziehung und Kognition auseinandersetzt, es handelt sich um eine rezente Studie. Weil ich selbst miterlebt habe, dass Kinder, vor allem Kindergartenkinder nicht allzu lange ruhig sitzen bleiben können, sich dann auch noch auf eine Geschichte o.ä. konzentrieren müssen, möglichst ohne sich zu bewegen, fand ich diese Studie sehr interessant und wollte mich näher mit diesem Thema auseinandersetzen.

Deswegen stelle ich in dieser Arbeit die Hypothese auf, dass Kinder möglicherweise besser kognitive Fähigkeiten erlangen würden, wenn sie mehr Bewegung hätten.

Schulen, in denen Bewegung eine wichtige Rolle spielt, berichten, dass die Aufmerksamkeitsstörungen der Kinder abnehmen und dass sie eine bessere Lern- und Arbeitsatmosphäre haben. (Stroth o.J.) Leider gibt es bis dato zuwenig Schulen in denen viel Bewegung angeboten wird.

Nur Bewegungsmangel: eine typische „Krankheit“ unserer Zeit, gebunden an unsere Wohnsituationen, unsere Umweltbedingungen.

Bewegungsmangel ist für viele Leute schwerer heilbar als manch andere Krankheit. Wir leben in einer bewegungsarmen Gesellschaft, unser Leben besteht zum größten Teil aus Sitzen: wir sitzen beim Essen, im Auto, in der Schule, beim Fernsehen und beim Spielen (meistens elektronische Spiele).

Nach der 9. Klasse hat ein Jugendlicher ca. 1200 Stunden in der Schule gesessen und ca. 1600 Stunden vor dem Fernseher. (Seidel 2000)

Das viele Sitzen bleibt meistens nicht ohne Folgen, Folgen im internistisch- orthopädischen Bereich und in der psychosozialen und kognitiven Entwicklung. (Dr. Graf, 2003) Krankheiten wie Übergewicht, Haltungsschäden, gesundheitliche Störungen, Gewalttätigkeit, Konzentrationsmangel, Lernschwächen, Rückenprobleme werden immer häufiger. (Gössling/Grössling, 2002)

Das Forschungszentrum für den Schulsport und den Sport von Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe (Seidel 2000) hat eine Studie über die häufigsten Beschwerden der Grundschulkinder zusammengestellt, die Kinder sind unterteilt in zwei Gruppen, die erste Gruppe betrifft die Jungen, die Zweite die Mädchen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Seidel,2000)

Jedes zweite Kind klagt über gesundheitliche Beschwerden!

Woher kommt dieser Bewegungsmangel?

Unsere Umweltbedingungen haben einen großen Einfluss aus unsere Bewegung; heutzutage wohnen viele Menschen in Appartements, haben keinen Garten, kein grünes Fleckchen, wo ein Kind spielen könnte. Hinzu kommt, dass unsere Strassen so verkehrsdicht sind, dass man sich gar nicht traut ein Kind allein auf dem Bürgersteig spielen zu lassen. Unsere Aktivitäten heute sind beschränkt sich auf Tasten drücken, Hebel ziehen, Knöpfe drücken. (Zimmer, 1997)

Wir sind auch eine Medien- und Konsumgesellschaft; wir lassen uns von den Medien mit Informationen zuschütten. Durch Motorisierung und Technisierung bleibt den Kindern und auch den Erwachsenen immer weniger Möglichkeit zur Bewegung. Kinder haben also immer weniger Gelegenheit die Welt mit allen Sinnen wahrzunehmen. Dies führt zu einer Einschränkung der Sinne, wir leben hauptsächlich vom zwei Sinnen, dem Sehsinn und dem Gehörsinn. Deshalb brauchen Kinder tägliche Bewegungseinheiten. Gerade im Vorschulalter vollziehen sich grundlegende Wachstumsprozesse.

Es gibt sehr viele Bewegungsmöglichkeiten, man muss bloß die Augen öffnen. Es gibt Bewegungsmöglichkeiten zu Hause, in der Schule, draußen, in der Wohnumgebung, in Freizeit- und Sportvereinen.

Das erste Gebot aber ist, dass die Eltern und Erzieher vom Sinn der Bewegung überzeugt sind. (vgl. Gössling/Grössling, 2002)

Kinder wünschen sich mehr Freiräume zum eigenen Gestalten ihrer Lerneinheiten, sie möchten nach ihrem eigenen Rhythmus lernen, deshalb brauchen sie Zeit zum Üben. Aktive Pausen wünschen sie sich auch. (Dr. Kuhn, 2002) Kinder sind also bereit zum Bewegungsunterricht.

Wenn Lerninhalt und Bewegungsform zusammenhängen, trägt Bewegung zu besserem Lernen bei. Auch wenn die Bewegungsform nicht im direkten Zusammenhang zum Lerninhalt steht, ist Bewegung lernförderlich. Dies sind Befunde aus der Neurowissenschaft. (Dr. Gasse, 2005)

Forschungsarbeiten über Hirn- und Lernforschung bestätigen, dass Bewegung mit Denk- und Wahrnehmungsleistung eng verbunden sind. Durch Bewegung wird die Gehirntätigkeit angeregt. Kinder können sich besser konzentrieren, wenn sie sich in einer positiven Situation befinden, also emotional gut drauf sind. (Spitzer. 2006)

Ziel dieser Arbeit ist es festzustellen, ob ein Kind, das in Bewegung lernt bessere kognitive Leistungen zeigt als ein Kind, das Frontalunterricht genießt und zu Hause den größten Teil seines Lebens im Sitzen verbringt. Voraussetzung dieser Arbeit ist also, dass Kinder auf der einen Seite genügend Bewegung haben im Vergleich zu auf der anderen Seite Bewegungsmangel. Ich basiere mich auf vorliegende Fakten, auf bisher abgeschlossene Studien, da ich aus Zeitgründen keine vollständige Studie durchführen kann.

Meine Vorgehensweise besteht aus vier Teilen, im ersten Teil erkläre ich den Begriff Motorik sowie den Begriff Kognition. Ein Interview mit einem Neuropsychologen und die Verläufe verschiedener Studien sind im zweiten Teil beschrieben, sowie deren Ergebnisse. Im dritten Teil werde ich an Hand der Ergebnisse eine Schlussfolgerung ziehen und persönlich Stellung zum Thema nehmen. Der vierte Teil beinhaltet einige Praxisbeispiele. Eine Schlussfolgerung und eine Bibliographie sollen die Arbeit vervollständigen.

B. Erster Teil

I. Motorische Erziehung

1. Motorik

a. Was versteht man unter dem Begriff Motorik?

Begriffserklärung Motorik:

Unter Motorik versteht man die Gesamtheit der willkürlich gesteuerten Bewegungsvorgänge. (Brockhaus Enzyklopädie 1999)

motorisch:

- der Bewegung dienend, die Motorik betreffend

Motorik beschreibt die Prozesse, die der Steuerung und Kontrolle von Haltung und Bewegung zu Grunde liegen. Dazu gehören neurophysiologische (Neuromotorik), sensomotorische (Sensomotorik) und psychisch, kognitive, motivationale (Psychomotorik) Vorgänge. Weiterhin spielen soziale und kulturelle Aspekte eine bedeutende Rolle.

Die Motorik ist eine Teildisziplin der Kinesik.

Man unterteilt Motorik in zwei Bereiche: die Kondition und die Koordination.

a Kondition

Begriffserklärung Kondition:

Kondition ist eine Nebenform vom lateinischen „condicio“, was soviel bedeutet wie Beschaffenheit, Zustand, Bedingung. Kondition stellt die körperliche Leistungsfähigkeit beim Sport dar aber auch die körperlich-seelische Verfassung eines Menschen.

Zur motorischen Kondition zählen Kraft und Ausdauer, Schnelligkeit kann man sowohl der Kondition wie auch der Koordination zugeteilt werden. Die konditionellen Fähigkeiten sind die primär energetischen Prozesse.

(Leistungskurs Sport, 2007)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kraft ist die Fähigkeit Widerstand gegen etwas zu halten. Es existieren vier Arten von Kraft, die Maximalkraft, die Schnellkraft, die Kraftausdauer und die Reaktivkraft.

Ausdauer ist die Fähigkeit eine Bewegung öfters ohne Effektivitätsverslust durchzuführen. Ausdauer ist unterteilt in Kurz-, Lang- und Mittelzeitdauer.

Schnelligkeit ist die Fähigkeit innerhalb kurzer Zeit verschiedene Bewegungen auszuüben. Es gibt drei Arten von Schnelligkeit, die Reaktions-, die Beschleunigungs- und die Bewegungsschnelligkeit.

Unter Beweglichkeit versteht man die Fähigkeit Bewegungen mit optimaler Schwingungsweite der Gelenke auszuüben. Man definiert Beweglichkeit über Gelenkigkeit und Dehnfähigkeit.

b Koordination

Begriffserklärung Koordination:

Bildungssprachlich bedeutet Koordination das gegenseitige Aufeinanderabstimmen, In-Einklang-Bringen verschiedener Dinge und Vorgänge.

Koordinative Fähigkeiten kann man in 7 Teilbereiche gliedern:

- kinästhetische Differenzierungsfähigkeit
- Kopplungsfähigkeit
- Reaktionsfähigkeit
- Orientierungsfähigkeit
- Gleichgewichtsfähigkeit
- Umstellungsfähigkeit
- Rhythmisierungsfähigkeit

(LMU, 2007)

Reaktion ist der sinnvolle und schnelle Beginn einer Bewegungstätigkeit.

Unter der Wahrnehmung, Speicherung und Ausführung einer vorher bestimmten zeitlich-dynamischen Bewegung versteht man Rhythmus.

Orientierung ist die räumlich orientierte Steuerung der Bewegungstätigkeiten.

Kinästhetische Differenzierungsfähigkeit bezieht sich auf Genauigkeit und Feinabstimmung der Teilbewegungen. Kinästhetische Differenzierungsfähigkeit ist als Unterscheidung zwischen Raum-, Zeit- und Kraftwahrnehmung zu definieren.

Kopplungsfähigkeit ist die Fähigkeit verschiedene Körperbewegungen zeitlich, räumlich und dynamisch aufeinander abzustimmen.

Umstellungsfähigkeit ist die Fähigkeit seine Handlungen den äußeren Bedingungen anzupassen.

Die Gleichgewichtsfähigkeit ist die Fähigkeit das Gleichgewicht bei veränderten äußeren Bedingungen zu halten.

Koordinationsfähigkeiten sind die primär steuernde und regelnde Fähigkeiten.

b. Bewegung und Entwicklung

Für die Eltern sind die ersten Schritte ihres Kindes ein wichtiger Teil der Entwicklung, es ist ein großer Fortschritt. Bewegung und Entwicklung stehen folglich in einem engen Zusammenhang. Alle Menschen entwickeln sich in ihrem Leben weiter, auf der körperlichen, seelischen und geistigen Ebene. Die gemeinsame Triebkraft des Wahrnehmens, des Denkens, des Wachsens und des Fühlens ist die Bewegung. Die Entwicklung verläuft nach einem bestimmten Schema, bei jedem Kind unterschiedlich schnell. (Köckenberger 1999)

Jedes Kind hat einen individuellen Lebenslauf, jedes Kind erfährt Veränderungen während seines Lebens. Diese Veränderungen lassen sich nach dem Alter ordnen. Es gibt Kinder, die schon mit sechs Monaten alleine stehen können, andere können erst mit zehn Monaten allein stehen. Genauso gibt es Kinder, die schon mit elf Monaten sprechen, andere sprechen erst mit zwei Jahren. Das Entwicklungstempo ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Dabei lernt das Kind ein Verhalten, wenn es die Reife dazu erreicht hat. Wenn dieses Verhalten eingeprägt ist, kann das Kind neue Erfahrungen machen, um sich ein neues Verhalten anzueignen. Beispielsweise; erst wenn das Kind gehen kann, kann es laufen lernen. Diese Verhaltensänderungen haben normalerweise Bestand und das Kind kann sich weiterentwickeln. In diesem Zusammenhang spricht Maria Montessori von den sensiblen Phasen, individuelle Zeiten, in denen das Kinder bestimmte Fähigkeiten oder Lernfelder bevorzugt, untersucht und entwickelt. Während einer solchen Phase lernt bzw. eignet das Kind sich bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten an.

Kinder bewegen sich nicht ohne etwas wahrzunehmen oder zu fühlen. Sie werden oft von Erinnerungen geleitet oder haben Pläne, die sie ausführen wollen. Zu jeder Bewegung gehört Wahrnehmung und das Kind muss dazu motiviert sein. Die Bewegung leitet Gefühle, soziales Leben und Denken, also alles was in unserem Leben stattfindet.

Kindliche Bewegungen werden durch ihr kindliches Temperament, Vererbung der Gene, eigene Erfahrungen und Bedürfnisse des Kindes beeinflusst. Aber auch die Umwelt und die Erziehung spielen eine wichtige Rolle bei der Bewegung des Kindes.

Auch im Gehirn sind alle Funktionen des menschlichen Organismus miteinender verbunden, keine Funktion entwickelt sich unabhängig von anderen. Hierbei spielt die Bewegung eine wesentliche Rolle, sie bringt Gefühle und Verständigung zum Ausdruck. Mit Hilfe der Bewegung können wir wahrnehmen und handeln, durch Bewegung können wir Denken und sprechen.

Die Muskulatur eines Kindes muss zuerst entfaltet und beherrscht werden, damit das Kind sich bewegen lernt. Dies sieht man klar und deutlich beim Kopf, in den ersten Monaten kann das Kind seinen Kopf nicht alleine halten, er muss gestützt werden. Die Arme des Kindes fallen anfangs nach unten. Warum nach unten? Wir alle sind der Schwerkraft ausgesetzt, einer physikalischen Kraft, die alles in Richtung Erdmitte zieht, auch uns Menschen. Diese Tatsache bringt mit sich, dass wir unsere Muskulatur aufbauen müssen, damit wir uns einwandfrei- ohne zu Boden zu fallen- bewegen können.

Damit das Kind fähig ist seine ganze Muskulatur zu entwickeln, muss es erst Vertrauen zu sich selbst entwickeln. Wenn das Kind beim Stehen noch unsicher ist, greift es nach einer Person oder nach einem Gegenstand an welchem es sich festhalten kann. Erst wenn es Vertrauen in sich selbst entwickelt hat, versucht es öfter ohne fremde Hilfe zu stehen. Somit hat das Kind auch sein Gleichgewicht gefunden, die Hauptvoraussetzungen für Bewegung, Gleichgewicht und Spannung der Muskulatur. Wenn ein Kind diese beiden Voraussetzungen erfüllt, beherrscht es die Schwerkraft. (Köckenberger 1999)

Säuglinge üben unbewusst Bewegungen aus, sie wiederholen bestimmte Bewegungen bis diese im Gehirn gespeichert sind. Im Gehirn bildet sich ein Muster, das später, beim Ausüben dieser bestimmten Bewegung, hervorgerufen werden kann. Je öfter die Bewegung ausgeführt wird, desto harmonischer verläuft sie und wird verfeinert.

Schematische Darstellung des Entwicklungskreislaufes:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Zimmer, 1993. S.76)

c. Warum lernen wir Bewegung?

Schon vor der Geburt bewegen wir uns, haben Freude an der Bewegung. Indem das Kind sich bewegt, erkundet es seinen Körper.

Die Bewegungen werden der Umgebung angepasst. Indem das Kind Erfahrungen am eigenen Körper erlebt, erkundet es seine Umwelt, spielt mit verschiedenen Materialien und Gegenständen.

Bewegung ist überlebensnotwendig: fast alle alltäglichen Tätigkeiten erfordern die Tätigkeit des Körpers, die Bewegung. Die meisten dieser Bewegungen erfolgen unbewusst. (Aufstehen, gähnen, Zähne putzen, essen,…) Oft sind wir uns unseres Körpervorganges gar nicht bewusst, erst wenn eine Störung vorliegt, merken wir wie wichtig jedes einzelne Glied, jeder einzelne Muskel ist (z.B.: gebrochener Arm).

Die alltägliche Bewegung trägt zu unserer Gesundheit bei: unsere Gelenke werden durch harmonische Bewegungen aufgelockert, die Muskulatur und das Bindegewebe werden kräftiger und entspannt, unsere Organe werden massiert, unsere Atmung wird optimiert, die Durchblutung und die Sauerstoffzufuhr des Gehirns werden gefördert. Allgemein ist bekannt, dass ausgewogene Bewegung einen gesunden Körper und einen klaren Geist schafft. (Köckenberger, 1999)

“Mens sana in corpore sano.”

(Juvenalis, k.J.)

„Bewegung macht Spaß.

Bewegung eröffnet Möglichkeiten.

Bewegung ist lebensnotwendig.

Bewegung ist der Motor einer

gesunden Entwicklung.“

(Köckenberger, 1999)

II. Kognitive Entwicklung

1. Kognition

a. Was versteht man unter dem Begriff Kognition?

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet: Erkennen, Kennen= lernen. Kognition ist ein Sammelbegriff für alle Prozesse und Strukturen, die mit Wahrnehmen und Erkennen zusammenhängen (Denken, Erinnerung, Vorstellen, Gedächtnis, Lernen, Planen u.a.)

kognitiv:

- die Erkenntnis betreffend

Kognition besteht aus 5 Teilbereichen, das sind die Wahrnehmung, die Aufmerksamkeit, das Denken, das Gedächtnis und die Sprache.

b. Was ist Wahrnehmung?

Begriffserklärung Wahrnehmung:

Wahrnehmung bedeutet einer Sache Aufmerksamkeit schenken, ein psychophysiologischer Prozess in dessen Ablauf die physikalische und chemische Reize an den Sinnesorganen zu einer Repräsentation der Umwelt verarbeitet werden. Diese ermöglicht es dem Organismus, sich in der Umwelt zurechtzufinden.

Wahrnehmung kann man definieren als Aufnahme von Informationen über unsere Sinne und die anschließende Informationsverarbeitung zu einem inhaltlich bedeutenden Sachverhalten.

Verschiedene Reize werden von unseren Sinnesorganen aufgenommen und weiterverarbeitet. Diese Reize variieren von schwach bis stark, intensiv. Der schwächste Reiz, der gerade noch eine Reaktion auslöst ist der „Schwellenreiz“. (Zimmer, 2004)

Wahrnehmung ist selektiv, konstruktiv und interpretativ.

Der Mensch nimmt wahr was er sehen will. Wir sind oft beeinflusst von dem was wir schon kennen, von unserem Innern, z.B.: „Es war ein einmal.” Die Meisten lesen hier: „Es war einmal.“, weil sie erwarten, dass es so ist.

Unsere Wahrnehmungen sind verzerrt durch unsere Erwartungen, Erinnerungen, Hoffnungen, Befürchtungen, eben durch unsere Innenwelt. Aus einem Bild sehen unsere Augen zuerst das, was sich in der Bildmitte befindet, weil unser Gehirn das so will. (Banyard et al., 1995)

Die 6 Sinnesorgane mit denen wir Informationen aufnehmen sind folgende: (dargestellt mit ihren jeweiligen Rezeptoren und ihrer Fähigkeit)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Banyard et al., 1995)

c. Die Bedeutung der Vorstellung für die Wahrnehmung:

Vorstellungen und Wahrnehmungen haben verschiedene neuronale Strukturen, dennoch sind sie eng miteinander verbunden. Wir merken nicht, dass das Wahrnehmungssystem durch unsere Vorstellungen beeinflusst wird. Um das Gesehene und Gehörte zu vervollständigen und unsere Bewegungen auf die Umgebung abzustimmen, benötigen wir unsere gespeicherten Vorstellungen. Wenn das Gesehene und Gehörte nicht unserer Vorstellung entspricht, wird der Erregungsfluss im Wahrnehmungssystem gestört. (Birbaumer/Schmidt 2003)

e. Aufmerksamkeit

Begriffserklärung Aufmerksamkeit:

Aufmerksamkeit ist die selektive Ausrichtung des Wahrnehmens, Denkens und Vorstellens auf bestimmte gegenwärtige oder erwartete Erlebnisinhalte bei gesteigerter Wachheit und Aufnahmebereitschaft.

a. Was ist Aufmerksamkeit?

Es gibt zwei Formen von Bewusstsein: die kontrollierte Aufmerksamkeit und die automatisierte Aufmerksamkeit. Die kontrollierte Aufmerksamkeit ist von der Funktionstüchtigkeit des Kurzzeitgedächtnisses abhängig. Sie zeigt sich durch die Konzentration auf eine Person oder eine Handlung. (Birbaumer/Schmidt 2003)

Automatisierte, passive Aufmerksamkeit ist die Orientierungsreaktion, die unbewusste Reizverarbeitung.

Handlungen, die automatisch verlaufen, beanspruchen nur einen Teil unserer Aufmerksamkeit, z.B. gehen. Unsere Aufmerksamkeit ist demnach teilbar, wir können zwei Sachen zur gleichen Zeit tun, z.B. essen und telefonieren.

Schwere und Wichtige Informationen und Handlungen benötigen unsere volle Aufmerksamkeit, wir richten unsere Aufmerksamkeit nur auf diese Information.

Wir sind ständig Sinnesinformationen ausgesetzt und reagieren darauf. (Banyard, et. al., 1995)

Unsere Aufmerksamkeitskapazität ist von folgenden Signal- und motivationalen Faktoren abhängig:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Banyard, et. al., 1995)

Unsere Aufmerksamkeitsdauer hängt von unserem Erregungsniveau ab: sind wir zu entspannt, können wir uns nicht genug konzentrieren; sind wir zu angespannt, machen wir Fehler. Am besten ist also ein Gefühlszustand zwischen zu entspannt und zu angespannt. Aufmerksamkeit bleibt am besten erhalten, wenn wir in Bewegung sind, ansonsten ist eine Steigerung der Aufmerksamkeit nur möglich wenn unser Erregungsgrad sich steigert; dies geschieht durch Gefühle, wenn wir betroffen, überrascht sind, wenn Humor ins Spiel kommt.(Caspary, 2006)

Neurowissenschaftliche Forschungsarbeiten haben ergeben, dass Blutdruck, Herzschlag und Muskelaktivität sich im Ruhezustand verändern, wenn wir also versuchen ganz ruhig zu sein und uns auf etwas zu konzentrieren. Auch unsere Gehirnaktivität verändert sich.

d. Denken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Der Denker“ (Rodin, 1880-1882)

Begriffserklärung Denken:

Die ursprüngliche Form von Denken bedeutet empfinden, kennen, wissen, denken, verwandt mit danken und dünken. Denken ist ein psychischer Vorgang, umfasst das vorsätzliche Bemühen und den psychischen Prozess, Gegenstände zu finden, zu erfassen, zu erkennen, zu verstehen, zu unterscheiden, sie einzuordnen, zu beurteilen und als Themen zu behandeln; die spezifisch menschliche Fähigkeit zur Erfassung von Wirklichkeit, der problemlösenden Daseinsbewältigung, Erkenntnis von Möglichkeiten und Repräsentanz von Ereignissen oder Informationen durch ikonische Systeme (Sprache, Schrift, Zeichen, Bilder, Handlungen). In der gegenwärtigen Psychologie ist Denken Gegenstand der Kognitionspsychologie, die gegenüber der traditionellen Denkpsychologie eine erweiterte Auffassung von der geistigen Bewältigung von Lebensaufgaben (Wahrnehmung, Aktivierung, Gedächtnis, Lernen) vertritt.

e. Was ist Denken?

Es gibt vielfältige Formen von denken, so dass es unmöglich ist eine umfassende Definition vom Begriff Denken zu liefern. Denkpsychologen haben sich mit verschiedenen Einzelaspekten des Denkens und deren Implikationen auseinandergesetzt, z.B. logisches und schlussfolgerndes Denken oder Problemlösen.

Manchmal schweifen wir von einem Gespräch ab und konzentrieren uns nicht auf das was sich um uns herum abspielt. Wir sind also in Gedanken, wir denken nach.

„Wir denken andauernd, wir hören nie auf zu denken.“

(Banyard et.al., 1995)

b. Vorstellungen

Vorstellungen sind für viele Denkprozesse notwendig. Vorstellungen sind nicht nur Bilder im Kopf: Wörter stehen in unserem Kopf miteinander in Verbindung, auf diese Weise sind wir in der Lage verschiedene Wörter in einen Zusammenhang zu bringen, wenn wir eines dieser Wörter hören. (Birbaumer/Schmidt, 2003)

γ. Denken und Bewegung

Erwachsene können „denken” ohne sich dabei zu bewegen, Kinder aber wollen alles was sie denken sofort in Handlungen umsetzen, sie wollen ausprobieren, mit Phänomenen spielen um sie für sich zur Sache zu machen. Um ein Problem zu lösen, müssen Kinder konkrete Erfahrungen machen. Diese Erfahrungen macht es nicht nur einmal, denn das Kind lernt durch instrumentelles Lernen, es lernt über Versuch und Irrtum. Es probiert so lange aus, bis es die richtige Lösung gefunden hat, bis es das erwünschte Resultat erreicht hat. Zufällige Irrtümer werden schrittweise ausgeschaltet. Durch diese Erfahrungen entwickeln Kinder ihr „Denken“, diese Art des Denkens nennt man „praktische“ Integration. Verschiedene dieser Erfahrungen dienen zu alltäglichen Leistungen, z.B.: wenn wir die Hände aneinander reiben, spüren wir Wärme. Erfahrungen führen meistens zu Verhaltensänderungen. So eignen wir uns unsere Verhaltensweisen durch „bewegtes” Lernen an. Verschiedene dieser Verhaltensweisen vergessen wir im Laufe der Zeit oder verändern sie durch neue Erfahrungen, die wir machen. Manche Verhaltensänderungen erfordern eine gewisse Reife. Wenn ihre Erfahrungen automatisiert sind, wenn die Ziele dieser Erfahrungen erreicht sind und die Bewegungen im Gehirn gespeichert sind, können die Kinder neue Erfahrungen machen um sich neue Verhaltensweisen anzueignen. Zum Beispiel, erst wenn wir stehen können, können wir versuchen zu laufen.

Diese Bewegungen sind als Muster im Gehirn gespeichert, die die Kinder zu jeder Zeit abrufen können.

Erfahrung bringt Neugier mit sich. Kinder sind im Allgemeinen neugierig auf das Resultat der Erfahrung. Damit sie das Resultat herausfinden, müssen sie kreativ sein. Nur durch den Prozess des Denkens, durch Handlungen und durch konkrete Erfahrungen, lernen die Kinder schrittweise logisches Denken. Dieses Schema soll verdeutlichen, wie sich dieser Prozess vollzieht.

Zufallsbewegungen à à gesteuerte Bewegungen à à automatische Bewegungen àà Handlungserfahrung à à Handlungsplanung à à Handlungsvorwegnahme à à Handlungsersatz à à logisches Denken

Denken erfordert Nervenverbindungen im Gehirn. Diese Verbindungen entstehen während der ersten Lebensjahre durch Bewegung. Deshalb ist es wichtig, dass das Kind genügend Bewegung hat.

f. Gedächtnis

Begriffserklärung Gedächtnis:

Das Gedächtnis bedeutet die Fähigkeit Informationen abzurufen und zu speichern. Stoffliche Grundlage des Gedächtnisses ist die Gesamtheit aller Nervenzellen, bzw. das Gehirn. (Brockhaus Enzyklopädie, 1999)

Unser Gedächtnis besitzt einen strukturellen, einen funktionalen und einen Kapazitätsaspekt; der strukturelle Aspekt besagt welche Teilinstanzen das Gedächtnis besitzt und wie das Wissen gespeichert ist. Der funktionale Aspekt besagt wie die Gedächtnisinhalte während einer Handlung gebraucht und abgerufen werden und der Kapazitätsaspekt ist zuständig für die Speicherkapazität, besagt wie viel Wissen wir pro Zeiteinheit aufnehmen können, wie Vergessen erfolgt und wie hoch die maximale Speicherkapazität ist.

a. Was sind Gedächtnissysteme?

Ein Gedächtnissystem ist eine Gruppe von Hirnarealen, die zuständig ist für die Speicherung und die Wiedergabe von Informationen. Die Informationen werden in der Reihenfolge wie sie ins Gedächtnis gelangen entschlüsselt, parallel dazu werden sie gespeichert. Da diese Vorgänge parallel verlaufen, können die Informationen sich zur gleichen Zeit in verschiedenen Gedächtnissystemen befinden. (Birbaumer/Schmidt 2003)

Die zwei wichtigsten Gedächtnissysteme sind das implizite (unbewusste) System und das explizite (bewusste) System. Die beiden Systeme unterscheiden sich durch das Einwirken des Menschen: reagiert der Mensch unbewusst auf eine Information, so wird das implizite System aktiviert, reagiert der Mensch bewusst auf eine Information, so wird das explizite System aktiviert. (Birbaumer/Schmidt 2003)

Das Gedächtnis setzt sich aus sensorischen Registern, dem Kurzzeitgedächtnis und dem Langzeitgedächtnis zusammen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Gedächtnismodell von Atkinson und Shiffrin, 1968, 1971)

Die sensorischen Register sind Reizverlängerungen, sie wirken vor der Wiedererkennung einer Information und nach dem Sinneseindruck. Man spricht von einem präkategorialen Speicher. Jeder der fünf Sinne besitzt ein sensorischen Register. Unwichtige Informationen werden fallengelassen, Wichtige ins Kurzzeitgedächtnis weitergeleitet.

Im Kurzzeitgedächtnis werden Informationen bewusst verarbeitet, diese werden in „Top-down“ und „Bottom-up“ Prozessen ausgewertet. Deshalb wird das Kurzzeitgedächtnis auch als Arbeitsgedächtnis bezeichnet.

Das Kurzzeitgedächtnis hat eine geringe Aufnahmekapazität. Informationen können semantisch und phonetisch kodiert werden. Die Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses können schnell verloren gehen wenn sie nicht memoriert sind. Damit Informationen ins Langzeitgedächtnis gelangen, ist ein Konsolidierungsprozess notwendig in dem Informationen schleifenartig während 10 bis 30 Minuten memoriert werden. Die Speicherung als Bildung neuer Verknüpfungen zwischen Informationselementen kann durch mechanisches Wiederholen, Elaboration, Organisation oder Schematische Verarbeitung erfolgen.

Nach der Verarbeitung der Informationen im Kurzzeitgedächtnis gelangen Informationen ins Langzeitgedächtnis, welches das Wissen des Menschen über sich selbst und die Welt darstellt. Man unterscheidet hinsichtlich der Inhalte des Langzeitgedächtnisses, das episodische, das semantische und das prozedurale Langzzeitgedächtnis.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das episodische Gedächtnis speichert konkrete Ereignisse, wie, wann und wo wir etwas erlebten, es ist ein autobiografisches Gedächtnis, für konkrete Ereignisse, Erfahrungen einschließlich ihrer zeit- und kontextbezogenen Kodierung. (Ferring,2007)

Um Nicht-alltägliches zu tun, brauchen wir Informationen, die sich im semantischen Gedächtnis befinden. Das semantische Langzeitgedächtnis hilft uns uns an Bedeutungen von Konzepten zu erinnern.

Um uns an Handlungsabläufe zu erinnern, benötigen wir das prozedurale Langzeitgedächtnis.

Das Langzeitgedächtnis ist auch in einen nicht sprahlich-ikonischen, bildhaften und einen enaktiven Teilbereich gegliedert. Die enaktiven Bestandteile sind für die motorischen Abläufe zuständig. (Ferring D.,2007)

Das Langzeitgedächtnis ist ein permanenter Speicher, hier gehen keine Informationen mehr verloren, seine Speicherkapazität ist enorm.

Die Forschung des Alltagsgedächtnisses behandelt wie bestimmte Handlungsabläufe hervorgerufen werden und wie Gedächtnisstörungen entstehen.

Unser Gedächtnis basiert sich auf unsere Erfahrungen, verleiht diesen einen bedeutenden Sachverhalt.

Wir benötigen unser Gedächtnis um uns an alles was wir gelernt und erfahren haben zu erinnern, zu speichern und abzurufen. Unser Gedächtnis beinhaltet also drei Prozesse, den Prozess der Enkodierung, den Prozess des Speicherns und den Prozess des Abrufens. (Banyard et.al.,1995) Wenn wir uns etwas einprägen wollen, werden diese Prozesse in Gang gesetzt.

g. Sprache

Begriffserklärung Sprache:

Sprache ist die Bezeichnung für die natürliche Sprache des Menschen, für unterschiedliche Kommunikationssysteme. Sprache definiert man als Kommunikationsmittel des Menschen, als strukturiertes System von Zeichen, als internalisiertes System von Regeln, als Menge der Äußerungen in einer Sprachgemeinschaft oder als Werkzeug des Denkens.

a. Was ist Sprache?

Sprache ist ein hierarchisch gegliedertes System: es setzt sich zusammen aus Phonemen, Morphemen und Phrasen. Phoneme benutzt man in der gesprochenen Sprache und Buchstaben in der geschriebenen Sprache. Diese beiden Elemente werden weiterentwickelt, zuerst zu Silben und Wörtern, dann zu Phrasen und Sätzen und schließlich zu ganzen Texten. Satzteile werden in der gesprochenen Sprache durch Pausen und in der geschriebenen Sprache nach Regeln der Syntax getrennt. So zusammengefügt ergeben sie den Sinn des Satzes. (Birbaumer/Schmidt, 2003)

Sprachlaute werden in der linken Hemisphäre generiert.

Sprache hat drei Basisfunktionen, ohne die sie nicht funktioniert. Dies sind:

- die organische Ausstattung,
- die psychische Grundposition und
- die Aktivität.

Sprache soll einem Sachverhalt inhaltlich Bedeutung schenken.

Wir benutzen Sprache um Sinnzusammenhänge zu vergegenwärtigen, um über abstrakte Vorstellungen und alternative Möglichkeiten zu kommunizieren, um mehr zu beschreiben als das was uns umgibt.

Sprache ist unser Mittel zur Kommunikation, sie besteht aus Symbolen, z.B. Tisch und aus abstrakten Ideen, z.B. Freiheit, die jeder Mensch kenne soll, um unsere Sprache zu verstehen. Die Menschen benutzen analoge und digitale Modalitäten der Sprache um sich zu verständigen. Folglich gibt es nicht nur die gesprochene Sprache, Sprache ist auch nonverbal. Diese nonverbale Sprache ist unsere Körpersprache, sie besteht aus der Körperhaltung, den Bewegungen, dem Aussehen,… bei einer Konversation. (Watzlawick, o.J.)

Man kann sie in verschiedene Bereiche unterteilen; das Tanzen, und die Gestensprache. Bei diesen Sprachen verständigt man sich über den eigenen Körper. Die kleinen Kinder, die noch nicht sprechen können, betätigen sich der Gestensprache, mit ihren Handbewegungen geben sie eine Art Zeichen. In der Körpersprache werden Zeichen ausgetauscht, Bewegungen haben eine intersubjektive Bedeutung. (Zimmer, 1997)

Dann gibt es noch die musikalische Sprache, eine sehr gefühlvolle Sprache. Mit der Musik werden Gefühle, Emotionen ausgedrückt.

Daneben gibt es noch die Bildsprache, sie funktioniert über Bilder. Kleine Kinder können noch nicht lesen, deshalb liest man ihnen eine Geschichte vor, damit sie aber verstehen, was das Erzählte bedeutet, soll man ihnen Bilder zeigen. Es gibt verschiedene Bilder, Bilder auf denen ein Gegenstand vorhanden ist, Bilder auf denen Personen dargestellt sind, Bilder die eine Aktion darstellen und es gibt auch Bilder, die Emotionen ausdrücken. Fotos eignen sich auch sehr gut.

Die menschliche Sprache besitzt drei Charakteristika: Semantik, Verschiebung, Produktivität.

Andere Lebewesen haben andere Kommunikationsmittel, Hunde zum Beispiel bellen und schnurren. (Banyard et. al., 1995) Die Sprache ist die Basis der menschlichen Verständigung und beeinflusst die kindliche Persönlichkeitsentwicklung.

b. Die Sprachentwicklung

„Mit der zunehmenden Fähigkeit, Sprache zu verarbeiten, zu verstehen und sie zugleich produktiv als Ausdrucksmittel für eigene Intentionen und Wünsche, als Darstellungsmedium für Bedeutungen und als Steuerungsmittel in der Interaktion mit anderen zu nutzen, wächst das Kind in die menschliche Natur hinein und bildet eine gesellschaftliche und persönliche Identität aus.“

(Mahler A., o.J.)

Ein Kind besitzt schon kommunikative Fähigkeiten bevor es sprechen kann, es kann mitteilen, indem es nach etwas greift, auf etwas zeigt, Laute von sich gibt.

Aus Morphemen bilden Kinder Phrasen aus Phonemen bilden sie für ihre Umwelt verständliche Töne. Dies geschieht normalerweise von allein und zur im gleichen Alter bei allen Kindern, wenn die sozialen Modelle es ermöglichen. Die Sprache verläuft nach einem bestimmten Plan, der zur Artikulation führt: durch Ausstoßen der Luft, manchmal auch durch Einatmen, wird der Larynx und dessen Stimmbänder zum Schwingen gebracht, durch die Stellung der Lippen und der Zunge wird der entsprechende Laut artikuliert. (Birbaumer/Schmidt, 2003)

Das Sprachverständnis besteht aus mehreren aufeinander folgenden Prozessen: Man hört ein Phonem oder Wort, speichert dieses im Kurzzeitgedächtnis, dann erst erfasst man den Sinn der Wörter mit Hilfe des Langzeitgedächtnisses. Ist dieser Prozess ausgeübt, untersucht man die Satzstruktur, erfasst den Sinn des Satzes, man vergisst die aktuellen Wörter und ersetzt sie durch eine Zusammenfassung eines Textes. (Birbaumer/Schmidt, 2003)

Bei der Produktion der Sprache müssen mehrere Prozesse seriell und parallel ablaufen. Welche Wörter man in welchem Kontext benutzt ist vom sozialen Milieu abhängig.

Der Spracherwerb ist ein aktiver Induktionsprozess, ein struktursuchender- und bildender Prozess bei dem der Lernende aktiv ist und abstrakte Regeln benutzt. Diese Regeln werden implizit und ohne Reflexion im Gehirn gespeichert und unbewusst wahrgenommen. Wie dies geschieht und wie innere Voraussetzungen und äußere Einflüsse zusammenhängen, gibt es unterschiedliche Theorien. Sie beschäftigen sich damit wie es dem Kind gelingt, anhand konkreter Sprachbeispiele abstrakte Spracheinheiten und komplexe formale Regularitäten zu erwerben. (Mahler,o.J.) Die „Inside-out“ Theorie deren Ansätze durch Chomsky vertreten sind und als nativistisch bezeichnet wird. Zum anderen gibt es die „Outside-in“ Theorie, deren Ansätze behaviouristisch, kognitiv und interaktionistisch sind. (Wantz M.,2007)

Die Vertreter dieser Ansätze sind Wygotski, Bruner, MacNamara, Piaget, Bandura, Skinner und Thorndike. Die beiden Theorien unterscheiden sich in folgenden Punkten: Chomsky geht davon aus, dass das Sprachlernen sich zum Teil von anderen Lernprozessen unterscheidet, die Vertreter der „Outside-in“ Theorieansätze dagegen sprechen von einem generellen Lernmechanismus. Chomsky geht auch davon aus, dass das Kind mit einem angeborenem Sprachwissen (Language Acquisition Device; LAD) oder sprachspezifischen Fähigkeiten ausgestattet ist, dem stehen die „Outside-in“ Theoretiker eher skeptisch gegenüber. Für Chomsky gibt es zwei Versionen des Spracherwerbs, die Starke und die Schwache, die Starke stellt eine Universalgrammatik dar, während die Schwache auf Ergebnissen der Säuglingsforschung basiert.

Damit wir in der Lage sind eine Geschichte wiederzuerzählen benötigen wir Gedächtnisfähigkeit und sprachliche Fähigkeiten. Mit Hilfe der Sprache sind wir in der Lage ein Gespräch, eine Diskussion zu führen, uns mitzuteilen, Probleme zu lösen. (Frey/Mengelkamp, 2007) Szagun definiert kommunikative Fähigkeiten als „Die Fähigkeit, Äußerungen unter Einbezug des situativen und sozialen Kontextes zu verstehen und zu produzieren, die Fähigkeit zur Mitteilung zwischen Menschen.”

h. Was versteht man unter dem Begriff Entwicklung?
a. Begriffserklärung Entwicklung:

Das Substantiv Entwicklung ist vom Verb entwickeln abgeleitet. Im 17. Jhdt. bedeutete entwickeln soviel wie aufwickeln oder auseinanderwickeln, z.B. wurden Schriftrollen entwickelt. Die Bildung des Substantivs erfolgte im gleichen Jhdt. Im 18. Jhdt. wurde der Begriff in die wissenschaftliche Sprache integriert und bedeutete sich entfalten, sich stufenweise herausbilden. Der Begriff Entwicklung wird wieder als transitives Verb verwendet und hat die Bedeutung, dass durch eine Handlung eine Veränderung hervorgerufen wird. (Wikipedia,2007)

Soziolinguistisch gesehen ist die Entwicklung das zunehmende Bewusstsein langfristiger Vorgänge. Im 20. Jhdt. wurde der Begriff wieder in die Alltagssprache integriert und in der zweiten Hälfte des 20. Jhdts. entstanden viele neue Bedeutungen.

Der Begriff hat Bedeutungen in fünf verschiedenen Bereichen. Entwicklung ist ein allgemeiner, historischer, politischer, ökonomischer und fototechnischer Begriff. (Wikipedia, 2007)

In der Geschichte nennt man Entwicklung Evolution, die Entwicklung eines langen Zeitraumes. Sie kann sich auf die unbelebte und die belebte Natur sowie auch auf den Menschen beziehen.

In der Biologie bedeutet Entwicklung den Prozess der Ausdifferenzierung und Entfaltung der Lebewesen, wobei die endgültige Gestalt eines Organismus gleichermaßen das Ergebnis der Individual- Entwicklung als auch der Stammes- Entwicklung ist.

Als politische und ökonomische Entwicklung bezeichnet man die nachholende Entwicklung der Entwicklungsländer und kann auch als Wirtschaftswachstum bezeichnet werden.

Der fototechnische Begriff bezeichnet die Entwicklung eines nasschemischen Verfahrens, das dem Herstellen eines Bildes dient. Dazu sind eine belichteter Film, eine Fotoplatte oder ein belichtetes Papierbild notwendig.

Meist wird der Begriff Entwicklung allgemein benutzt und bedeutet soviel wie „Vorgang“ oder „Wandel“. Dieser Vorgang kann kreativ sein, zum Beispiel bei einer Produktentwicklung. Beim Menschen bedeutet die Entwicklung die Entstehung, die Veränderung und das Vergehen.

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Details

Seiten
103
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640128785
ISBN (Buch)
9783640130238
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112702
Note
15/20
Schlagworte
Zusammenhang Bewegungserziehung Entwicklung

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Titel: Der Zusammenhang zwischen Bewegungserziehung und kognitiver Entwicklung