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Philosophieren mit Kindern

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 20 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kapitel 1 – Die Philosophie
Kapitel 1.1 – Definition von Philosophie/philosophieren
Kapitel 1.2 – Elemente des Philosophierens
Kapitel 1.2.1 – Staunen
Kapitel 1.2.2 – Fragen
Kapitel 1.2.3 – Nachdenken
Kapitel 1.2.4 – Zweifeln
Kapitel 1.2.5 – Weiterdenken
Kapitel 1.2.6 – Infragestellen

Kapitel 2 – Methoden des philosophieren mit Kindern
Kapitel 2.1 – Begriffliches Arbeiten
Kapitel 2.2 – Argumentieren
Kapitel 2.3 – Das sokratische Gespräch
Kapitel 2.4 – Gedankenexperimente

Kapitel 3 – Philosophieren mit Kindern intern
Kapitel 3.1 – Bedeutung des Philosophierens mit Kindern
Kapitel 3.2 – Vorteile des Philosophierens mit Kindern
Kapitel 3.3 – Voraussetzungen zum Philosophieren mit Kindern
Kapitel 3.4 – Visuelle Medien
Kapitel 3.5 – Philosophieren mit Kindern in der Praxis

Kapitel 4 – Philosophieren mit Kindern extern
Kapitel 4.1 – Geschichtliche Entwicklung des Philosophierens mit Kindern
Kapitel 4.2 – Fortbildungen zum Thema Philosophieren mit Kindern
Kapitel 4.3 – Ebenen philosophierender Einrichtungen

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

EINLEITUNG

Heutzutage wird in vielen Klassen auf internationaler Ebene philosophiert. Dies basiert auf der Faktizität, dass vor allem in der Grundschule Sinnfragen zu den ambivalentesten Themen - wie zum Beispiel „Gott oder Gerechtigkeit“ - gestellt werden. Dabei ist das Philosophieren nicht nur auf einzelne Fächer begrenzt, sondern kann in jedem Fach betrieben werden.[1]

Dies steht im Widerspruch zu den rekapitulationistischen Vorstellungen und Modellen, welche versuchen uns nahe zu legen, dass ein Kind nicht in der Lage wäre, sich mit komplexen Themenbereichen wie zum Beispiel der „Sterbehilfe“ auseinanderzusetzen. Als einer der Gründe hierfür wird aufgeführt, dass sich das Kind in einer prä-rationalen Welt befinden würde.[2]

Doch ist dies ein wirklicher Fakt? Sind Kinder wirklich nicht in der Lage, Fragen komplexer Natur zu diskutieren? Und welchen Sinn beziehungsweise welche Vorteile sollten sie daraus ziehen? Diese Fragen versucht die vorliegende Arbeit zu beantworten. Dazu wird im ersten Kapitel genauer auf die Definition der Begriffe Philosophie und philosophieren und deren Elemente eingegangen, um einen besseren Einstieg in die Thematik zu ermöglichen.

Im zweiten Kapitel soll auf die Methoden des Philosophierens mit Kindern eingegangen werden. So sollen Begriffe wie: Begriffliches Arbeiten, Argumentieren, Sokratisches Gespräch und Gedankenexperimente näher beleuchtet werden.

Das vorletzte Kapitel widmet sich direkt dem Philosophieren mit Kindern. Sowohl die Praxis als auch eventuelle Vorteile und Möglichkeiten der Kinder, welche sie durch das Philosophieren erhalten, werden aufgezeigt. Aber auch welche Voraussetzungen gegebenenfalls notwendig sind, um sich dem Prozess des Philosophierens unterwerfen zu können, und die dabei verwendeten Medien werden dargestellt.

Das letzte Kapitel widmet sich äußeren Faktoren zum Thema „Philosophieren mit Kindern“. So werden sowohl den Ebenen philosophierender Einrichtungen, welche sich dem Thema „Philosophieren mit Kindern“ widmen, als auch die geschichtliche Entwicklung weltweit und besonders innerhalb der Bundesrepublik vorgestellt. Aber auch die für das Philosophieren mit Kindern unverzichtbare Fortbildungsmaßnahmen werden thematisiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

KAPITEL 1 – DIE PHILOSOPHIE

1.1 Definition von Philosophie/philosophieren

Das Wort „Philosophie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet Liebe (philos) zur Weisheit (sophia).[4] Die Philosophie lässt sich nicht ohne weiteres wie beispielsweise die Wissenschaften einem spezifischen Gegenstandbereich oder einer bestimmten Methode zuordnen. Auch die Frage nach dem, womit es die Philosophie zu tun hat und wie man sie betreibt, ist selbst eine philosophische Frage und kann nur von deren Betreiber selbst beantwortet werden. Dies ist auch der Grund dafür, dass die Philosophie über keinen gesicherten Bestand an allgemein anerkanntem Wissen verfügt, welches sich in Form von Lehrbüchern zusammenfassen lässt. Im Laufe der Geschichte entwickelten sich daher eine nahezu unüberschaubare Anzahl philosophischer Teildisziplinen, Schulen und Strömungen.[5]

Philosophie lässt sich einerseits als Lehre oder Tätigkeit oder aber als Theorie des Philosophierenden auffassen.[6] Philosophen denken über wichtige Lebensfragen nach, was wiederum zur Philosophie führt. In der Philosophie unterscheidet man zwischen esoterischer Philosophie zum einen und der exoterischen Philosophie als die zweite Form des Nachdenkens. Esoterische Philosophie bedeutet, dass aus dem Wissen über Sinn und Zweck der Welt, welches seit Anbeginn der europäischen Tradition im 6. Jh. zusammengetragen wurde und an den Hochschulen systematisiert worden ist, schließlich die Philosophie entstand. Die exoterische Philosophie ist davon überzeugt, dass jeder Mensch in der Lage ist, sich Gedanken über wichtige Sinnesfragen zu machen.[7]

„Philosophie […] systematisiert das gesammelte Wissen über fundamentale Probleme menschlicher Existenz. Und zu diesem gelangen wir nur, indem wir über den Sinn und Zweck der Welt nachdenken, d.h. philosophieren.“[8]

1.2 Elemente des Philosophierens

1.2.1 Staunen

Das Staunen ist die Grundlage und der Anfang jeglicher Philosophie. Durch das Staunen sind Kinder in der Lage, Vorurteile und Zusammenhänge in Frage zu stellen, welche die Erwachsenen schon als gegeben akzeptiert haben.[9]

„Mutter, […] warum ist es besser, wenn drei Leute egoistisch sind, als wenn es nur einer ist?“[10]

1.2.2 Fragen

Das Fragen ist eng mit dem Staunen verbunden, da auch hier alltägliche und außeralltägliche Phänomene hinterfragt werden.[11]

„Mama, sind wir lebendig oder auf Video?“[12]

1.2.3 Nachdenken

Hier setzt sich das Kind aktiv mit seiner Lebenswelt auseinander, indem es Antworten auf seine Fragen sucht und versucht, diese zu ordnen.[13]

„Sehnen sich Pflanzen nach Ablegern?“[14]

1.2.4 Zweifeln

Durch die Auseinandersetzung mit einem philosophischen Problem, gelangt man zu einer auf Begrifflichkeiten gestützten Antwort, jedoch bleibt die Ungewissheit, ob diese Antwort auch die letzte ist. Die Antworten auf seine Fragen kann der Philosoph also immer nur als vorläufig ansehen.[15]

1.2.5 Weiterdenken

Nachdem man die (vorläufige) Antwort auf seine Frage erhalten hat, muss man den Reflexionsprozess dennoch vorantreiben, wobei das Zweifeln dabei als treibende Kraft fungiert. Dies bedeutet, dass der Prozess des Nachdenkens über ein philosophisches Problem unabgeschlossen bleibt.[16]

1.2.6 Infragestellen

Durch eigene Reflexion und die Beschäftigung mit anderen Theorien ist es möglich, seine eigene Auffassung zu korrigieren.[17]

KAPITEL 2 – METHODEN DES PHILOSOPHIERENS

2.1 Begriffliches Arbeiten

Philosophische Begriffe, welche von Philosophen verwendet werden und in der philosophischen Tradition stehen, sind meist nicht klar abgegrenzt und verallgemeinernd. Daher muss im Vorfeld über die Bedeutung des Begriffs, über welchen philosophiert werden soll, nachgedacht werden.[18]

Dies ist durch die individuelle Perspektive der Wahrnehmung der Menschen zu erklären. Gegen diese Tendenz wendet sich die Phänomenologie, welche versucht, möglichst objektive Erkenntnisse zu erreichen.[19] Um dies erreichen, können Eigenschaften der zu behandelnden Begriffe Denkanstöße liefern, um einen schwer fassbaren Begriff modellhaft zu erläutern und fassbarer zu machen. Durch Hilfsfragen von Seiten der Eltern oder Erzieher sollen die Überlegungen zu dem thematisierten Begriff weiter angeregt werden[20].

Den Kindern soll beim Philosophieren vor Augen geführt werden, dass Begriffe sowohl handlungs- als auch kontextabhängig sind. Durch die Begriffserläuterung wird es ermöglicht, den zu klärenden Begriff in verschiedene Bedeutungen zu zerlegen und diejenige Bedeutung zu erarbeiten, auf welche sich die Diskussionsgruppe weiterhin beziehen möchte.

Der englische Philosoph John Wilson hat verschiedene Verfahren systematisiert um Begriffsbedeutungen zu unterscheiden:[21]

Modellfälle

Hierbei handelt es sich um Merkmale, welche ein Begriff unbedingt haben muss, um das Wesen, welches er bezeichnet, erkennen zu können. Man kann ebenfalls versuchen, sich auf eine wesentliche Eigenschaft des Begriffs zu beschränken, was jedoch in dem meisten Fällen nicht gelingen wird. Die Kinder können als methodische Vorgehensweise Beispiele erzählen, welche für sie modellhaft für den Begriff stehen.[22]

Bilden von Sätzen

Hier wird der Begriff in einen Zusammenhang mit verschiedenen Kontexten gestellt. Diese Methode ist hervorzuheben, da sie auf alle philosophischen Begriffe angewendet werden kann.[23]

[...]


[1] Vgl. Barbara Brüning: Philosophieren in der Grundschule. Grundlagen, Methoden, Anregungen. Berlin 2001, S. 7.

[2] Vgl. Gareth B. Matthews: Die Philosophie der Kindheit. Wenn Kinder weiter denken als Erwachsene. Berlin 1995, S. 50-51.

[3] Zitat nach: Johan Wolfgang von Goethe. Maximen und Reflexionen, 806.

[4] Vgl. Barbara Brüning: Philosophieren in der Grundschule. Grundlagen, Methoden, Anregungen. Berlin 2001, S. 8.

[5] Vgl. Der Brockhaus Multimedia: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007, Stichwort: Philosophie.

[6] Vgl. Rudolf Kuhr: Philosophieren mit Kindern. Überforderung oder Suchtprävention? http://www.humanistische-aktion.homepage.t-online.de/kindphil.htm, Zugriff: 05.05.2008.

[7] Vgl. Barbara Brüning: Philosophieren in der Grundschule. Grundlagen, Methoden, Anregungen. Berlin 2001, S. 8-9.

[8] Barbara Brüning: Philosophieren in der Grundschule. Grundlagen, Methoden, Anregungen. Berlin 2001, S. 9.

[9] Vgl. Roswitha Wiesheu: Kinder philosophieren – und kommen dem Leben auf die Spur! In: Karlfriedrich Herb/Siegfried Höfling/Roswitha Wisheu (Hrsg.): Kinder Philosophieren. Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen, München 2007, S. 12.

[10] Gareth B. Matthews: Philosophische Gespräche mit Kindern. Berlin 1989, S.126.

[11] Vgl. Eva Zoller: Die kleinen Philosophen. Vom Umgang mit „schwierigen“ Kinderfragen. Freiburg 1995, S. 119.

[12] Gareth B. Matthews: Philosophische Gespräche mit Kindern. Berlin 1989, S.33.

[13] Vgl. Roswitha Wiesheu: Kinder philosophieren – und kommen dem Leben auf die Spur! In: Karlfriedrich Herb/Siegfried Höfling/Roswitha Wisheu (Hrsg.): Kinder Philosophieren. Argumente und Materialien zum Zeitgeschehen, München 2007, S. 12.

[14] Gareth B. Matthews: Philosophische Gespräche mit Kindern. Berlin 1989, S.33.

[15] Vgl. Barbara Brüning: Philosophieren in der Grundschule. Grundlagen, Methoden, Anregungen. Berlin 2001, S. 12.

[16] Ebd., S.12-13.

[17] Vgl. Barbara Brüning: Philosophieren in der Grundschule. Grundlagen, Methoden, Anregungen. Berlin 2001, S. 13.

[18] Vgl. Barbara Brüning: Philosophieren in der Grundschule. Grundlagen, Methoden, Anregungen. Berlin 2001, S. 19.

[19] Vgl. Akademie Kinder philosophieren im Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft e.V. (Hg.): Praxisleitfaden Kinder philosophieren für Kindertageseinrichtungen und Schulen. Kind sein, Sinn erfahren, Werte lernen. Produktionsagentur highendmedia. München 2007, S. 62-63.

[20] Vgl. Brüning, Barbara: „Was ist ein Traum? Fragt Jonas.“ Philosophieren mit Kindern im Kindergarten. In: Martin Textor (Hg.): Kindergartenpädagogik – Online-Handbuch 2007. www.Kindergartenpaedagogik.de/1563.html, Zugriff: 05.05.2008.

[21] Vgl. Barbara Brüning: Philosophieren in der Grundschule. Grundlagen, Methoden, Anregungen. Berlin 2001, S. 20.

[22] Vgl. Ebd., S. 20-21.

[23] Vgl. Barbara Brüning: Philosophieren in der Grundschule. Grundlagen, Methoden, Anregungen. Berlin 2001, S. 23.

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640124442
ISBN (Buch)
9783640124930
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v112811
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Lehrstuhl für Grundschulpädagogik
Note
1,7
Schlagworte
Philosophieren Kindern Kindliche Ausdruckformen Formen Weltaneignung

Autor

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Titel: Philosophieren mit Kindern